Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Habitzheim (Gemeinde Otzberg, Kreis Darmstadt-Dieburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeiner Bericht
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Kennkarten aus der NS-Zeit     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
    
In Habitzheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Eine erste Erwähnung von Juden in Habitzheim liegt von 1548 vor. 1598 werden die Juden Isaak, 1605 Mosche und Wolf mit ihren Familien genannt. 1759 wurden folgende jüdische Familienvorstände erwähnt: Veitel Löb, Eißig. Jockel Isaac, Jockuf, Abraham Joseph und David Benjamin. Isaak Moses war Mitte des 18. Jahrhunderts Gemeindevorsteher. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 wurden 57 jüdische Einwohner gezählt. 1831 waren es die Familien von Salomon Strauß, Mordechai Siegel, Feist Sauer, Josef Löw Wolf, Josef Magsamen, Isaak Grünebaum, Moses Seligmann, Seligmann Jacob Abraham Stern, Moses Reinheimer und - ab 1837 - Bär Strauß. 1861 gab es 78 jüdische Einwohner (7,5 % von insgesamt 1.032 Einwohnern), 1880 59 (6,0 % von 986), 1900 36 (3,9 % von 918), 1910 28 (3,0 % von 943). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten auch die in Semd lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Habitzheim. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner bereits stark zurück.
  
Unter den Kriegsteilnehmern 1870/71 waren zwei jüdische Männer: J. Reinheimer und W. Mayer. J. Reinheimer war der Vorbeter bei einem Soldatengottesdienst in Frankreich, über den man in einem Bericht von 1871 erfährt (siehe unten). Die Namen der beiden Kriegsteilnehmer stehen auf dem Ehrenmal am Freiplatz (siehe Fotos unten).    
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad (im Gebäude der Synagoge). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Als Lehrer wird genannt: um 1857 Lehrer Hamburger ("Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 12.10.1857 S. 576). Um 1868 war Lehrer Samuel Montag offenbar gemeinsamer Lehrer für Lengfeld, Habitzheim und Ober-Klingen. Jedenfalls führte er 1868 in den drei Orten eine Spendensammlung durch (siehe unten). 1869 wird in Habitzheim Lehrer Moses Strauß genannt (in "Der Israelit" 21.4.1869 S. 315). Nach der Ausschreibung von 1877 stellten die jüdischen Gemeinden Lengfeld und Habitzheim gemeinsam einen Lehrer an (siehe unten). 1887 erteilt Lehrer M. Spier (Groß-Zimmern) den jüdischen Religionsunterricht in Habitzheim ("Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1887 S. 27). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Dieburg beigesetzt.
  
Die jüdische Gemeinde war dem orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II zugeteilt. 
   
Um 1924, als noch 22 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (2,3 % von insgesamt etwa 950 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Salomon Reinheimer, David Strauß und Abraham Reinheimer. Als Lehrer und Schochet kam in die Gemeinde Lehrer Hermann Kahn aus Höchst im Odenwald. Er hatte noch fünf jüdische Kinder in Habitzheim in Religion zu unterrichten. 1932 war 1. Vorsitzender David Strauß. Den jüdischen Familien gehörten mehrere für das wirtschaftliche Leben am Ort wichtige Handlungen und Läden (zwei Familien Reinheimer hatten Viehhandlungen, eine Familie Strauß ein großer Textilwaren- und Landesproduktengeschäft).  
   
1933 lebten noch 27 jüdische Personen in Habitzheim. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1942 waren noch sechs ältere Mitglieder der Familien Reinheimer und Seligmann am Ort. Sie wurden in diesem Jahr in das Ghetto Theresienstadt deportiert.   
   
Von den in Habitzheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Abraham Berkewitz (1875), Klara Dannenberg geb. Reinheimer (1876), Fanny (Frieda) Lehmann geb. Reinheimer (1871), Frieda Lehmann geb. Reinheimer (1871), Abraham Reinheimer (1874), Berta (Beda) Reinheimer (1885), Ida Reinheimer geb. Frankfurter (1876), Jacob Reinheimer (1876), Ludwig Reinheimer (1918), Bettina (Bettchen) Seligmann (1875), Jakob Seligmann (1870, siehe unten, "Stolperstein" in Frankfurt am Main, Wiesenau 18), Johanna Seligmann (1866), Johannette Seligmann (1896), Leopold Seligmann (1866), Settchen Seligmann (1872), Bernhard Strauss (1878).  
    
Seit dem 9. November 1988 erinnert an der Otzbergschule in Lengfeld ein Mahnmal an die Ermordung der früheren jüdischen Einwohner der Teilorte von Otzberg. Das Denkmal stellt eine aus einer mit Eisenplatten und Steinen gestaltete Trümmerlandschaft dar, verbunden mit einer Glasplatte, auf der der Text der Todesfuge von Paul Celan steht. Die Inschrift lautet: "Den Juden, die in Lengfeld, Habitzheim und Ober-Klingen mit uns verfolgt und der Vernichtung preisgegeben wurden, zum Gedächtnis - uns selber und künftigen Generationen zur Mahnung. Die Liebe besiegt den Haß! Otzberg, am 50. Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht." 
Fotos des Mahnmals siehe auf Seite zu Lengfeld.    
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Allgemeiner Bericht
Aus einem Bericht
von Saul Lilienthal - Kurzbeschreibung der Gemeinde (1931)   
Der Beitrag "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande - Heidelberg - Bergstraße - Darmstadt" wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet a
m 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere Informationen: https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).   
    

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. Juni 1931: "Von Lengfeld nordwestlich auf dem Feldweg über den Kirchberg in 3/4 Stunde nach 
Habitzheim. Dorf mit 1000 Einwohnern, 20 jüdischen Seelen. — Schon 1604 wohnen hier Mosche und Wolf als Schutzjuden des Kurfürsten von der Pfalz und zahlen der 'Kellerei Umbstadt' ihre 'Geleitsbatzen' — Vor 40 Jahren war die Gemeinde doppelt so groß wie heute. Doch hat sie auch noch an den hohen Feiertagen Gottesdienst in eigener Synagoge. — Von Habitzheim nordwest­lich wandert man in 1 Stunde nach  Groß-Umstadt..."   

  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 - gemeinsam mit Lengfeld 

Habitzheim Israelit 03101877.jpg (40509 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1877: "Die israelitische Gemeinde Lengfeld, verbunden mit Habitzheim, Kreis Dieburg, sucht bis zum 1. November dieses Jahres einen Religionslehrer und Vorbeter, ledigen Standes, mit einem Gehalt von Mark 600 nebst freier Wohnung und Heizung. Bewerber wollen sich an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Lengfeld wenden." 

   
Über Lehrer Samuel Montag (zu seinem Tod 1903; Lehrer ín Habitzheim um 1868, um 1875 in Rüsselsheim, danach in Griesheim, später in Friedrichstadt von 1894 bis zu seinem Tod 1903)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1903: "Friedrichstadt, 30. April (1903). Plötzlich und unerwartet starb heute am Herzschlag im Alter von 55 Jahren der Kultusbeamte, Herr Samuel Montag, gebürtig in Crumstadt. Derselbe war hier 9 1/4 Jahre, vorher 19 Jahre in Griesheim bei Darmstadt. Herr Ober-Rabbiner Dr. Lerner aus Altona kam zur Beerdigung und hielt am Grabe eine ergreifende Rede. Frau und Kinder des Heimgegangenen sind nun plötzlich ihres Ernährers beraubt. Hoffentlich nimmt sich die Gemeinde der Witwe und Waisen an."        


Bei einem Soldatengottesdienst im deutsch-französischen Krieg wirkt als Vorbeter der preußische Unteroffizier Reinheimer aus Habitzheim (1871)   
Anmerkung: Herr Reinheimer - der preußische Unteroffizier - war in Habitzheim sicher als ehrenamtlicher Vorbeter tätig.

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1871: "Durch die Güte des Herrn N. Kahn in Egelsbach bei Darmstadt wird uns der nachstehende Brief seines im Felde stehenden Sohnes mitgeteilt:
Orleans, 12. Februar. Lieber Vater! Gestern, am 11. dieses Monats, hatten wir Israeliten der hessischen Division einen glücklichen Tag — wir waren in der Synagoge und haben gemeinsam andächtig gebetet. Der durch die Vermittelung des Herrn Rabb. Dr. Lehmann in Mainz bei der israelitischen Division angestellte Feldprediger, Herr Ehrmann, hat am gestrigen Sabbat die erste Predigt gehalten. Ja, geliebter Vater, der gestrige Tag war der glücklichste, den wir im ganzen Feldzug bis jetzt gehabt haben. Kein Mensch kann sich die herzinnige Freude vorstellen, die wir empfanden, da es uns vergönnt war, gemeinsam am Heiligen Schabbat mit Andacht in der Synagoge zu beten! Wir waren, sämtliche Juden der hessischen Division, auf Antrag des Herrn Ehrmann vom Dienste befreit. Da unsere Division nicht bloß hier, sondern in der weiten Umgegend verteilt liegt, so hatten unsere jüdischen Brüder, so weit es anging, Ordre bekommen, sich schon Freitags hierher zu begeben und waren teilweise aus einer Entfernung von 6 Stunden per Eisenbahn hierher gefahren. So waren denn ungefähr 60 jüdische Soldaten beisammen. Bei diesem heiligen Gottesdienste haben wir Israeliten uns zum ersten Male wieder beisammen gefunden seit jenem Tage, da wir von Worms aus in den Krieg zogen. Unsere Augen füllten sich mit Tränen; aber Herr Ehrmann tröstete uns; er sprach uns Mut ein und lenkte unsere Herzen zum allmächtigen Gott, zu unserm Beschützer im Himmel. O, mein geliebter Vater, wie das uns wohl tat! Herr E. ermahnte uns, fest an der Religion der Väter zu halten und jede mutwillige Übertretung des Gottesgesetzes zu meiden. Dann würde Gott uns schützen und behüten in jeglicher Gefahr, und selbst wenn Jemand der Gefahr erliegen und den Tod fürs Vaterland sterben sollte, so würde der Allgütige seiner unsterblichen Seele die ewige Seligkeit zuteil werden lassen.
Wir waren alle im höchsten Grade ergriffen, aber zugleich auch getröstet und gekräftigt; wir alle danken Gott, dass er uns solch einen wackern Mann zu unserm Beistände geschickt hat.
Ein preußischer Unteroffizier, Herr Reinheimer aus Habitzheim, fungierte in erhebender Weise als Vorsänger. Mehrere von uns, die während der verschiedenen Schlachten in großer Gefahr gewesen, wurden zur Tora gerufen und sprachen den üblichen Segensspruch (Birchath Hagomel). So Gott will, werden wir jetzt jeden Samstag und Freitag-Abend Gottesdienst haben.
Lieber Vater! ich bitte Dich nun auch in meinem Namen und dem meiner Kameraden Herrn Rabb. Dr. Lehmann in Mainz mitzuteilen, wie sehr wir auch ihm dankbar sind; denn ihm haben wir ja die Anstellung unseres wackeren Feldpredigers zu verdanken. 356 (?) Lazarette sind hier, und Herr Ehrmann geht von einem zum anderen, sucht die Juden darin aus und bemüht sich, ihnen Trost und Hilfe zu bringen.
Wir hoffen jetzt jeden Tag auf Frieden. Gebe der gute Gott, dass wir bald wieder gesund zu Euch zurückkehren, Amen!"     

    
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben     
Spendensammlungen in der Gemeinde (1868 / 1870)

Anmerkung: in den jüdischen Gemeinden wurde regelmäßig für bestimmte Zwecke gesammelt. Die Ergebnisse der Sammlungen wurden immer wieder in jüdischen Periodika mitgeteilt.

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1868 - Spenden "Zur Unterstützung der notleidenden Glaubensgenossen in Russland und Polen": "Durch Lehrer Samuel Montag in Lengfeld, Habitzheim und Oberklingen: a) Gemeinde Lengfeld: Abraham Lehmann 2 fl., Pesach Lehmann 2 fl., Karlmann Lehmann H. 1 fl., Joseph Lehmann 1 fl., Karlmann Lehmann I. 1 fl., Ahron Lehmann 1 fl., Maier Lehmann Ww. 1 fl., Götz Lehmann 35 kr., Wolf Wolf 30 kr., Löb Wolf 30 kr., Salomon Rosenberger 18 kr., Lehrer Montag 35 kr., Löser Neu 18 kr., 6) Gemeinde Habitzheim: Salomon Reinheimer 24 kr., Wolf Wolf 24 kr., Abraham Stern 18 kr., Aron Magsamen 18 kr., Hirsch Reinheimer I. 18 kr., Moses Hirsch Reinheimer 24 kr., Raphael Wolf 30 kr., Hirsch Reinheimer II. 18 kr., Lazarus Reinheimer 18 kr.; — c) Gemeinde Oberklingen: Aron Wolf 15 kr., Samuel Neu 15 kr., Leser Neu I 24 kr., Joseph Wolf 18 kr., Leser Wolf 12 kr., Heyum Neu 30 kr., Moses Wolf 12 kr., zus. 17 fl. 4 kr., abz. Porto 16 fl. 53 kr."  
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1870 - Spenden "Für die Notleidenden im Heiligen Land" - auffallend, dass sich auch christliche Personen aus Habitzheim bei der Spendensammlung beteiligten!: "Durch Raphael Wolf, Vorsteher in Habitzheim: von ihm selbst 1 fl., Hirsch Reinheimer II. 36 kr., Wolf Wolf 30 kr., Bernhard Wolf 12 kr., Jonas Wolf 12 kr., Abr. Stern 18 kr., Lazarus Reinheimer 15 kr., Josel Seligmann 6 kr., Wilhelm Rapp, luth. Konfession 12 kr., Heinrich Fussenschuck, kath. 6 kr., Wolf Reinheimer 20 kr., Moses H. Reinheimer 30 kr., Lews Reinheimer (Rondout N.Y).) 1 fl., Bette Reinheimer 24 kr., Aron Magsamen 24 kr., Moses Strauß 12 kr., Peter Egly (luth. Konfession) 12 kr., Friedrich Rapp (lutherische Konfession) 12 kr., Joseph Magsamen 6 kr., Peter Schröder (luth.) 6 kr., Friedrich Brenner Ww 12 kr., Mathes Rapp 12 kr., Heinrich Brenner II. 12 kr., Salomon Reinheimer 24 kr., Heinrich Büchler (luth.) 16 kr., zus. 8 fl. 9 kr."   

     
Streit in der Synagoge in Habitzheim und die problematische Berichterstattung dazu (1872)

Habitzheim Israelit 04091872.jpg (169762 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1872: "König im Odenwald. Die in Darmstadt erscheinenden 'Hessischen Volksblätter' (Landeszeitung) bringen in ihrer Nr. 198 unter 'Stadt und Land' die Sitzung des Bezirksstrafgerichts vom 21. August und finden wir darin einen Passus, der ganz dazu angetan ist, uns auf eine nicht angenehme Weise zu frappieren. Es wird da nämlich mitgeteilt, dass in der Synagoge zu Habitzheim am Schlusse des Gottesdienstes eine Beleidigung und zugleich eine Schlägerei zwischen zweien, das Gotteshaus besucht habenden, stattgefunden hätte. Der Beschuldigte, der zwar leugnet, aber nach Allem überführt erscheint, hatte sich sonach der Körperverletzung und der Beleidigung schuldig gefunden, die dadurch erschwert erschien, dass sie an einem zum Gottesdienst bestimmten Orte vorfiel, während mildernd in Betracht gezogen wurde, dass der als zänkischer Jude bekannte Ankläger den Beschuldigten gereizt hatte. - 
Wir können nicht umhin, unsere Verwunderung über den Ausdruck 'zänkischer Jude' auszusprechen, die um so mehr ihr Berechtigung findet, als wir in einem Staate leben, in welchem alle Konfessionen gleichgestellt sind, in welchem Jeder gleiche Pflichten, aber auch gleiche Rechte hat, in welchem der Jude und der Christ dieselben Ansprüche auf Gerechtigkeit und auf Gesetz haben. Wenn der vorliegende Fall unter denselben Umständen in einer Kirche vorgefallen wäre, würde es dann auch geheißen haben: 'dass der als zänkischer Christ usw.?' Wir glauben diese Frage im Sinne aller redlich Denkenden mit einem gewissenhaften 'nein' beantworten zu dürfen und hoffen auch im Sinne der Leser dieser Blätter gehandelt zu haben, den betreffenden Fall der Öffentlichkeit zu übergeben. Halten wir es doch für unsere Pflicht, alles Derartige, was uns an unserer Ehre angreift, mit Entrüstung von uns zu weisen, glauben wir uns doch verpflichtet, mit aller Kraft und mit allem Feuer unserer Beredsamkeit für unser Interesse und für unsere Rechte einzustehen."   

     
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Kleine Mitteilungen 

- 1889: Der Sohn von Wolf Wolff in Habitzheim erhält - als "ein Denkmal für Kaiser Friedrich - den Vornamen Friedrich (in: "Der Israelit" vom 21. Januar 1889 S. 102).   
- 1913: Verlobung von Mathilde Strauß (Habitzheim) mit Julius Kahn (Frankfurt, Zeil 41) ("Frankfurter Israelitisches Familienblatt - Neue jüdische Presse" vom 28. März 1913 S. 6). 
- 1936: Johanna Seligmann (Habitzheim), Musiklehrerin in Frankfurt, feiert am 19. Februar 1936 ihren 70. Geburtstag ("CV-Zeitung" - Zeitung des "Central-Vereins" vom 13. Februar 1936 und "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" vom Februar 1936, siehe unten) 

    
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen  
  
Josuel Seligmann sucht eine Stelle als Vorbeter für die hohen Feiertage (1890 / 1900)

Anmerkung: Josua (Josuel) Seligmann in Habitzheim war seit dem 19. Juni 1863 verheiratet mit Sara (Saarchen) geb. Meyer (geb. 6. August 1830 in Londorf). Die beiden hatten mindestens sechs Kinder:
- Salomon Seligmann (geb. 10. April 1864, gest. 31. Januar 1927 in Habitzheim, beigesetzt im jüdischen Friedhof Dieburg https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/16086)         
- Johanna Seligmann
(geb. 19. Februar 1866, später Musiklehrerin in Frankfurt am Main, wohnte zuletzt wieder in Habitzheim, umgekommen nach Deportation im Ghetto Theresienstadt, siehe unten)
- Leopold Seligmann (geb. 23. April 1868, umgekommen nach Deportation im Ghetto Theresienstadt, siehe unten)
- Jakob Seligmann,
geb. 9. Juli 1870 in Habitzheim, lebte später als Kaufmann in Frankfurt zusammen mit seiner Frau Else geb. Speyer (geb. 26.7.1886 in Stadtoldendorf). Die beiden hatten eine Tochter Sofie (geb. 4.2.1915). Die geplante Emigration in die USA scheiterte. Die Familie wurde bei der ersten großen Deportation aus Frankfurt in das Ghetto Lodz verschleppt. Jakob, Else und Sofie Seligmann wurden ermordet ("Stolpersteine" in Frankfurt am Main - Westend Wiesenau 18 vgl. https://www.frankfurter-info.org/news/stolpersteine-korrektur
- Settchen Seligmann
(geb. 9. November 1872, umgekommen nach Deportation im Ghetto Theresíenstadt, siehe unten)
- Bettina (Bettchen) Seligmann (geb. 9. Juni 1875, umgekommen nach Deportation im Ghetto Theresienstadt, siehe unten) 
Sara Seligmann starb am 19. November 1905 und wurde im jüdischen Friedhof Dieburg beigesetzt https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/15899.   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1890: "J. Seligmann
in Habitzheim, Post Lengfeld, sucht Stelle als Vorbeter für die hohen Festtage." 
 
Habitzheim Israelit 20081900.jpg (27371 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1900: "Suche
in kleiner Landgemeinde als Vorbeter auf die hohen Feiertage Stelle. 
Josuel Seligmann, Habitzheim im Odenwald."

Weitere Mitglieder der Familie Seligmann - Habitzheim (Verwandtschaftsverhältnis noch nicht geklärt), u.a.     
- Salomon Seligmann (geb. 29. April 1854 in Habitzheim), war verheiratet mit Hannchen geb. Grünebaum (geb. 7. Juni 1864 in Untersotzbach https://www.geni.com/people/Salomon-Seligmann/6000000223246943994 
  
  

Verlobungsanzeige von Bertel Magsamen und Leo Levi (1925)
    
Anmerkung: Bertha (Bertel) Levi geb. Magsamen ist am 3. März 1901 in Habitzheim geboren als Tochter von Bernhard Bär Magsamen (1865-1922) und seiner Frau Johanna geb. Strauß (1875-1953). Genealogische Informationen über  https://www.geni.com/people/Bertha-Levi/6000000207826317856.  Bertha Levi starb im Februar 1991 in Chicago. 
Leo Levi ist am 3. Juli 1892 in Groß Bieberau geboren als Sohn von Siegmund Levi (1863-1929) und der Klara geb. Hofmann (1862-1944). Er starb am 10. Juni 1963 in Chicago. Genealogische Informationen über https://www.geni.com/people/Leo-Levi/6000000207826364886.   

 Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 2. Januar 1925: "Statt Karten.
Bertel Magsamen   -   Leo Levi
  Verlobte   
Habitzheim im Odenwald
  -  Nürnberg, Regensburger Straße 43   -   Groß Bieberau im Odenwald  
Dezember 1924"  

    

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Habitzheim geboren sind
 
 Habitzheim KK MZ Berkewitz Abraham.jpg (93338 Byte)  Habitzheim KK MZ Levi Adelheid.jpg (93801 Byte)  Habitzheim KK MZ Magsamer Johanna.jpg (98474 Byte)
   KK (Frankfurt 1939) für Abraham Bergewitz (geb. 
17. Februar 1875 in Habitzheim), wohnhaft in 
Frankfurt, am 15. September 1942 deportiert ab 
Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt, wo er am 
3. Dezember 1942 umgekommen ist   
 KK (Konstanz 1940) für 
Adelheid Levi geb. Stern 
(geb. 8. Oktober 1854 in Habitzheim)  
  
    
 KK (Nürnberg 1939) für  
Johanna Magsamer geb. Strauß
 
(geb. 26. Januar 1875 in Habitzheim)  
 
  
       
Habitzheim KK MZ Maier Kaetchen.jpg (102931 Byte) Habitzheim KK MZ Reinheimer Abraham.jpg (94379 Byte) Habitzheim KK MZ Reinheimer Jakob.jpg (93126 Byte) Habitzheim KK MZ Reinheimer Ludwig Joachim.jpg (94172 Byte)
KK (Pforzheim 1939) für 
Kätchen Maier geb. Reinheimer
 
(geb. 27. März 1873 in Habitzheim), Hausfrau 
 
   
KK (Dieburg 1939) für Abraham Reinheimer 
(geb. 12. November 1874 in Habitzheim), wohnhaft
 in Habitzheim, am 27. September 1942 deportiert
 ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, wo er 
am 29. März 1943 umgekommen ist   
KK (Frankfurt 1940) für Jakob Reinheimer (geb. 
9. Juli 1876 in Habitzheim), Kaufmann, wohnhaft 
in Frankfurt, am 15. September 1942 deportiert ab
 Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt, am 15. Mai 
1944 in das Vernichtungslager Auschwitz, ermordet   
 KK (Dieburg 1939) für Ludwig Joachim Reinheimer
 
(geb. 26. Mai 1918 in Habitzheim), Pferdepfleger,
 wohnhaft in Habitzheim, am 25. März 1942 
deportiert ab Mainz - Darmstadt in das 
Ghetto Piaski, umgekommen   
       
Habitzheim KK MZ Seligmann Bettchen.jpg (86857 Byte) Habitzheim KK MZ Seligmann Jakob.jpg (88533 Byte) Habitzheim KK MZ Seligmann Johanna.jpg (91910 Byte) Habitzheim KK MZ Seligmann Johannette.jpg (85169 Byte)
KK (Dieburg 1939) für Bettchen Seligmann (geb. 
9. Juni 1875 in Habitzheim), wohnhaft in Habitzheim, 
am 27. September 1942 deportiert ab Darmstadt
 in das Ghetto Theresienstadt, wo sie am
 2. März 1943 umgekommen ist   
 KK (Frankfurt 1939) für Jakob Seligmann (geb. 
9. Juli 1870 in Habitzheim), kfm. Angestellter, 
wohnhaft in Frankfurt, am 20. Oktober 1941 
deportiert ab Frankfurt in das Ghetto Litzmannstadt
 (Lodz), umgekommen  
KK (Dieburg 1939) für Johanna (Hannchen) Seligmann
 (geb. 19. Februar 1866 in Habitzheim), wohnhaft 
in Habitzheim, am 27. September 1942 deportiert 
ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, wo sie 
am 7. Oktober 1942 umgekommen sit   
 KK (Frankfurt 1939) für Johannette (Jenny) 
Seligmann
(geb. 29. Juli 1896 in Habitzheim),
 Kontoristin, wohnhaft in Habitzheim und Frankfurt, 
am 22. November 1941 deportiert ab Frankfurt 
nach Kowno (Kauen), Fort IX, umgekommen  
       
Habitzheim KK MZ Seligmann Leopold.jpg (92223 Byte) Habitzheim KK MZ Seligmann Settchen.jpg (89901 Byte) Habitzheim KK MZ Seligmann Sigismund.jpg (87060 Byte)  
 KK (Dieburg 1939) für Leopold Seligmann (geb. 
23. April 1868 in Habitzheim), Musiker, wohnhaft 
in Habitzheim und Dieburg, am 27. September 1942
 deportiert ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt,
 wo er am 11. Januar 1943 umgekommen ist   
KK (Dieburg 1939) für Settchen Seligmann (geb. 
9. November 1872 in Habitzheim, wohnhaft in
 Habitzheim, am 27. September 1942 deportiert 
ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, wo sie
 am 16. Oktober 1942 umgekommen ist  
 KK (Frankfurt 1939) für 
Sigismund Seligmann
 
(geb. 18. August 1898 in Habitzheim),
 Hausdiener 
  
 
       
       
  Todesfallanzeigen zu Personen, die im Ghetto Theresienstadt
umgekommen sind, darunter vier Geschwister der Familie Seligmann
aus Habitzheim
   
   
Johanna Seligmann
(umgekommen 7. Oktober 1942
in Theresienstadt) 
 Settchen Seligmann
(umgekommen 16. Oktober 1942
in Theresienstadt)
 Leopold Seligmann
(umgekommen 11. Januar 1943
in Theresienstadt) 
  Bettchen Seligmann
(umgekommen 2. März 1943
in Theresienstadt)

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1827 wurde eine Synagoge in einem Fachwerkhaus eingerichtet. Sie war über 100 Jahre Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort. 
    
Nach 1933 fanden nur noch gelegentlich Gottesdienste in Habitzheim statt, zeitweise mit Beteiligung von Juden aus Lengfeld und Ober-Klingen, um den Minjan zu erreichen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge einschließlich der Ritualien zerstört. Das Gebäude blieb erhalten und wurde später als Kindergarten mit Spielplatz verwendet.  1972 wurde das Gebäude abgebrochen und auf dem Grundstück ein Parkplatz angelegt. 
    
Eine Gedenktafel für die ehemalige Synagoge wurde am 9. November 2008 am Kindergarten angebracht.  
     
     
Adresse/Standort der Synagoge Krötengasse 19/21   
     
     
Fotos    

Es sind noch keine historischen Fotos oder Darstellungen vorhanden; über Hinweise freut sich der 
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 Habitzheim Gedenktafel 100.jpg (69879 Byte)
       Entwurf der Gedenktafel, die im November 2008 am Kindergarten
 in der Krötengasse angebracht wurde.  
     

Gedenkstunde am 9. November 2008 mit Enthüllung der Gedenktafel für die ehemalige Synagoge
(Fotos: Guido Schiek)

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Der auf dem Synagogengrundstück
 erstellte Kindergarten 

(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009) 
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   Blick auf den Kindergarten; die Gedenktafel ist unmittelbar rechts am Eingang  
      
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  Die Gedenktafel  
     
Kriegerdenkmal am Freiplatz     
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Denkmal für die Kriegsteilnehmer 1870/71: "Dem Andenken der zu unseres Vaterlandes Schutz und Ehre ausgezogenen Krieger der Gemeinde Habitzheim" mit den Namen der jüdischen Gemeindegliedern W. Mayer und J. Reinheimer 
       

  
  
Links und Literatur  

Links:      

bulletWebsite der Gemeinde Otzberg   
bulletSeite zur jüdischen Geschichte und zur Synagogengeschichte Habitzheim bei LAGIS: https://lagis.hessen.de/resolve/de/syn/160      

Literatur:    

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 306-307.
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 127.
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 111.
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 42-43.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 168-169.  
bulletHabitzheimer Geschichte(n). Band 2. Verwehte Spuren?. Veröffentlichung des Häzemer Dorf und Kultusvereins e.V.  110 S.  Preis 7,50 €. 2010.  
Weitere Informationen auf der Website des Häzemer Dorf- und Kulturvereins e.V.    
Vgl. Buchvorstellung: »Verwehte Spuren?« in Habitzheim (veröffentlicht am 26.11.2010 auf echo-online.de)     

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Habitzheim Hesse. Established around 1800, the community numbered 78 (7 % of the total) in 1861 but declined. Twelve Jews emigrated between 1933 and 1939; seven others were deported in 1942.  
       
        

                   
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Stand: 30. Juni 2020