Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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    Es bestehen zur jüdischen Geschichte in Bad Homburg weitere Textseiten:   

Texte/Berichte zum jüdischen Gemeindeleben in Bad Homburg 1850-1938   
Texte/Berichte zur Geschichte des Rabbinates / der Rabbiner sowie der Kultusbeamten der jüdischen Gemeinde in Bad Homburg 1848-1938 (diese Seite)   
Texte/Berichte/Anzeigen zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde, zu jüdischen Kurgästen und Kureinrichtungen 1850-1938  
 
Außerdem besteht eine Seite zum jüdischen Friedhof in Bad Homburg  
  
   

Bad Homburg vor der Höhe (Kreisstadt, Hochtaunuskreis)
Texte/Berichte zur Geschichte des Rabbinates / der Rabbiner 
sowie der Kultusbeamten der jüdischen Gemeinde in Bad Homburg 1848-1938

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Bad Homburg wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 7.10.2012.   
    
An dieser Seite wird noch gearbeitet. 

  
Übersicht:
   

Vorgeschichte und Überblick  
Rabbiner Anschel Stern (Rabbiner in Homburg 1848 bis 1851)  
A
usschreibung der Stelle des Religionslehrers (1847)   
Lehrer (und Rabbiner) Anschel Stern hält seine Abschiedsrede in der Homburger Synagoge (1851)  
Artikel im "Jüdischen Lexikon" zu Rabbiner Anschel Stern 
Rabbiner Seligmann Fromm (Rabbiner in Homburg 1851 bis 1875)   
-  Rabbinatskandidat Seligmann Fromm wird zum Nachfolger von Prediger Anschel Stern bestimmt (1851)  
-  Zum Tod von Landgraf Ferdinand von Hessen Homburg - Rabbiner Seligmann Fromm hält die Gedächtnisrede (1866)  
-  Zum Tod von Rabbiner Seligmann Fromm (1898)  
-  Ausschreibung der Stelle eines Lehrers mit rabbinischen Qualifikationen (1875)  
Zum 100. Geburtstag von Rabbiner Seligmann Fromm (1921)   
Rabbiner Dr. Samuel Auerbach (Rabbiner in Homburg 1876 bis 1878) 
-  Zur Wahl von Rabbiner Dr. Samuel Auerbach (1876)    
-  Zum Tod von Rabbiner Dr. Samuel Auerbach (1884)  
Rabbiner Dr. Meier (Meyer) Appel (Rabbiner in Homburg 1878 bis 1886)  
-  Rabbiner Dr. Appel erhält einen Ruf aus Krotoschin (1880)  
-  Rabbiner Dr. Appel wird durch die Kaiserin empfangen (1883)  
-  Rabbiner Dr. Appel wird durch die Kaiserin empfangen (1885)  
-  Dr. Appel wird als Rabbiner nach Mannheim berufen (1886)  
-  Ausschreibung der Rabbinerstelle (1886)      
Rabbiner Dr. Heymann Kottek (Rabbiner in Homburg 1887 bis 1912)  
-  Antrittspredigt von Rabbiner Dr. Kottek (1887)   
-  Rabbiner Dr. Kottek wird von der Kaiserin empfangen (1887)  
-  Vortrag von Rabbiner Dr. H. Kottek über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Homburg (1893)   
-  Konferenzen im Haus der Rabbiner Dr. Heymann Kottek (1909)   
-  25-jähriges Dienstjubiläum von Rabbiner Dr. Kottek (1912) 
Z
um Tod von Rabbiner Dr. Heymann Kotteck (1912)     
Rabbiner Dr. David Winter (Rabbiner in Homburg 1912 bis 1921)  
-  Rabbiner Dr. Winter übernimmt eine neue Stelle in Frankfurt (1919) 
R
abbiner Dr. Winter wird Rabbiner in Lübeck (1921)   
-  Abschied von Rabbiner Dr. Winter (1921)  
-  Ausschreibung der Rabbinerstelle (1921)  
-  Zum Tod der Witwe von Rabbiner Dr. Kottek (1928)  
- Rabbiner Dr. Leopold Wreschner (Rabbiner in Homburg um 1925 bis 1935)  
-  40-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Wreschner (1929)  
-  70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Wreschner (1935)  
-  Zum Tod von Rabbiner Dr. Wreschner (1935)      
   
   
Zur Geschichte der jüdischen Lehrer und anderer Kultusbeamten 
Anschel Stern wird als Religionslehrer und Prediger angestellt (1848)   
-  Lehrer (und Rabbiner) Anschel Stern hält seine Abschiedsrede (1851, vgl. oben bei den Rabbinertexten)  
-  Dr. Seligmann Fromm wird zum Nachfolger von Lehrer A. Stern bestimmt (1851, vgl. oben bei den Rabbinertexten)
-  Ausschreibung der Stelle des Vorsängers und Schochet (1855)  
-  Sprachlehrer Jos. Rapp sucht einen Lehrer für sein kaufmännisches Knaben-Institut (1855)    
-  Ausschreibungen der Stelle des Schochet und Hilfslehrers / -kantors (1876 /1877 / 1889 / 1892) 
70. Geburtstag des Kantors Adolf Braunschweig (1895)   
A
uszeichnung für Kantor Adolf Braunschweig (1897) 
K
antor Abraham Braunschweig tritt in den Ruhestand (1897)     
-  Ausschreibung der Stelle des Synagogendieners (1901) 
T
odesanzeige für den Kantor Abraham Braunschweig (1907)   
-  Silberne Hochzeit von Lehrer Leopold Goldschmidt (1921)        
-  25-jähriges Amtsjubiläum von Kantor Moses Herz (1923)  
-  60. Geburtstag von Oberkantor und Lehrer Moses Herz (1933)  
-  50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Leopold Goldschmidt (1933)  
Zum Tod von Lehrer Leopold Goldschmidt (1936)  
40-jähriges Amtsjubiläum von Oberkantor und Lehrer Moses Herz (1938)  
 

Vorgeschichte und Überblick   

Im 18. Jahrhundert hatte Homburg noch keinen eigenen Rabbiner. Die Gemeinde unterstand dem Rabbiner in Friedberg. 1825 wurde ein erster "Vize-Rabbiner" namens Josef Wormser angestellt. Nach dessen Tod 1827 wurde der Rabbinatskandidat Calman Rothschild zum Vize-Rabbiner ernannt. Das Amt war mit dem des Religionslehrers verbunden. 1848 bis 1851 war als Religionslehrer und Prediger in Homburg Anschel Stern tätig. Er wurde 1851 als Oberrabbiner nach Hamburg berufen. Als sein Nachfolger war Seligmann Fromm als Rabbiner tätig; der Landgraf hatte ihn zum landgräflich hessischen Rabbiner ernannt. Nachdem er Homburg verlassen hat, war das Rabbinat in Homburg offenbar noch keine feste Institution, da 1875 (siehe unten) für Homburg die "Stelle eines Religionslehrers, der zugleich die Funktionen eines Rabbiners zu versehen hat" ausgeschrieben wurde. Nachdem sich auf diese Stelle Rabbiner Dr. Samuel Auerbach aus Nordhausen bewarb, blieb es jedoch beim Amt des Rabbiners in der Stadt. Auf Rabbiner Dr. Samuel Auerbach folgten Rabbiner Dr. Meier Appel (1878 bis 1886), Rabbiner Dr. Heymann Kottek (1887 bis 1912), Rabbiner Dr. David Winter (1912 bis 1921) und Rabbiner Dr. Leopold Wreschner (um 1925 bis 1935). Nach dem Tod von Rabbiner Dr. Wreschner wurde das Rabbinat nicht mehr besetzt - die Auflösung und immer gewaltsamere Zerstörung der Gemeinde in der NS-Zeit war bereits in vollem Gange.     
  
  
  
Rabbiner Anschel Stern (Rabbiner in Homburg 1848 bis 1851)  
    
Rabbiner Anschel Stern war Sohn eines rabbinischen Gelehrten, lernte beim Talmudisten Seckel Wormser in Fulda und Seligmann Bär Bamberger in Wiesenbronn, ab 1840 in Würzburg. 1844 begann er mit dem Studium der Orientalistik in Würzburg, zugleich war er Hauslehrer im Dienst des Barons Joel Jakob von Hirsch. Von 1848 bis 1851 war er Religionslehrer und Hilfsrabbiner in Homburg. 1851 wurde er nach Hamburg berufen, wo er sich in den folgenden Jahrzehnten in vielfältiger Weise um das religiöse Gemeindeleben verdient gemacht hat. 1855 heiratete er eine Tochter des britischen Chief Rabbi Nathan Adler. Er starb am 11. März 1888 in Hamburg.    
        
Literatur: Das jüdische Hamburg - Ein historisches Nachschlagewerk. Hrsg. vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden. 2006 S. 240.    
   
  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1847)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 29. Juni 1847: "Die israelitische Religions-Gemeinde dahier sucht einen tüchtigen, wissenschaftlich gebildeten Religionslehrer ledigen Standes, der auch im Stande ist, einen geordneten Vortrag in deutscher Sprache zu halten und bis zum 1. August dieses Jahres antreten kann. 
Hierauf Reflektierende können bei dem unterzeichneten Vorstande unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse die näheren Bedingungen erfahren; vorläufig wird bemerkt, dass ein fixes jährliches Gehalt von 400 Gulden ausgesetzt. ist. 
Bad Homburg, den 9. Mai 1847. Der israelitische Gemeinde-Vorstand L.S. Schiff."      
 
Auf die Ausschreibung der Stelle bewarb sich erfolgreich Lehrer Anschel Stern.   

        
Lehrer (und Rabbiner) Anschel Stern hält seine Abschiedsrede in der Homburger Synagoge (1851)   

Bad Homburg Zionswaechter 04071851.jpg (96634 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Zionswächter" vom 4. Juli 1851: "Hessen-Homburg. Am jüngsten Schabbat hielt unser bisheriger Religionslehrer und Prediger, ihr jetzt erwählter Oberrabbiner Stern seine Abschiedsrede hieselbst. Unsere kleine Synagoge war nach allen Seiten hin angefüllt, und die geistlichen und weltliche Staatsbehörden ebenfalls vertreten. Als der Redner in bewegter Sprache ein Bild seines vierjährigen Wirkens unter uns entwarf, als er des neuen Wirkungskreises gedachte, zu dem er berufen, und in Rücksicht auf die höheren Anforderungen, die jetzt an ihm gestellt, nur im himmlischen Beistande Kraft und Beruhigung finden konnte, da blieb kein Auge tränenleer, kein Herz ungerührt. Möge der Segen des Himmels dem Scheidenden in reicher Fülle stets und überall zuteil werden!"     


 Artikel im "Jüdischen Lexikon" zu Rabbiner Anschel Stern   

Bad Homburg AStern 010.jpg (31830 Byte)Artikel in "Jüdisches Lexikon" Hrsg. vom Jüdischen Verlag 1927 Nachdr. 1982 Bd. IV/2 Sp. 718: "Stern, Anschel, Rabbiner, geb. 1820 in Steinbach (Kurhessen), gest. 1888 in Hamburg, war 1851 - 1888 als Nachfolger des Chacham Bernay Oberrabbiner in Hamburg. Dort hat er u.a. die Talmud-Tora-Schule zu einer höheren Realschule mit 600 Schülern entwickelt."    
  
Homburg AStern 015.jpg (13815 Byte)Links: Oberrabbiner Anschel Stern in seiner Hamburger Zeit; Quelle.      

    
    
    
Rabbiner Seligmann Fromm (Rabbiner in Homburg 1851 bis 1875)    
      

Seligmann Fromm ist 1822 in Großlangheim (Bayern) geboren. Er studierte an der Preßburger Talmud-Hochschule des "Chatam Sofer" (Rabbi Moses Schreiber aus Frankfurt am Main). Zunächst war er als Hauslehrer in Karlsruhe tätig. 1851 wurde er als Rabbiner nach Homburg berufen; der Landgraf ernannte ihn zum "landgräflich hessen-homburgischen Landesrabbiner"; seine Besoldung erhielt er teilweise aus der Regierungskasse. Fromm war mit der Tochter Rachel (1831-1893) des Würzburger Raws Seligmann Bär Bamberger verheiratet. Auf den letzten Landgrafen, Ferdinand von Hessen-Homburg, hielt Rabbiner Fromm die Gedächtnisrede (1866, s.u.). 1875 wurde Fromm Hausrabbiner bei Freiherr Wilhelm Carl von Rothschild. Er genoss höchstes Ansehen in Frankfurt. Im Januar 1889 erhielt er die ehrenvolle Aufgabe, die Trauerrede zum Tod von Samson Raphael Hirsch zu halten. 

Rechts: Rabbiner Seligmann Fromm (1822-1898) und seine Frau Rachel geb. Bamberger (1831-1893)  
(Quelle: Arnsberg Bilder 1973 S. 97; The Bamberger Family - Bildanhang; rechts  Zeitschrift "Der Israelit" vom 31.1.1901)
Fromm Seligmann 010.jpg (37145 Byte) Fromm Rachel 010.jpg (54541 Byte)   Bad Homburg Israelit 31011901.jpg (51308 Byte)
    
Fromm Erich 010.jpg (29052 Byte)Rabbiner Dr. Seligmann Fromm ist Großvater des deutsch-amerikanischen Psychoanalytikers, Philosophen und Sozialpsychologen Prof. Dr. Erich Fromm (geb. 1900 in Frankfurt als Sohn des orthodoxen Weinhändlers Naphtali Fromm und seiner Frau Rosa geb. Krause, gest. 1980 in der Schweiz).

Literatur (Artikel zu Seligmann Fromm): Paul Arnsberg: Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution. Bd. 3 Biographisches Lexikon S. 127-128.   
    
     
Rabbinatskandidat Seligmann Fromm wird zum Nachfolger von Prediger Anschel Stern bestimmt (1851)   

Bad Homburg Zionswaechter 29081851.jpg (137423 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Zionswächter" vom 29. August 1851: "Homburg v.d.H., 20. August (1851). Wie Ihnen bekannt, wurde unser hochwürdiger Prediger, A. Stern, zum Oberrabbiner in Hamburg ernannt. Dank unsern würdigen Vorstehern, dass sie alsbald auf schleunige Besetzung dieser Stelle bedacht waren. Sie wandten sich deshalb an den Rabbinatskandidaten, Herrn S. Fromm, aus Bayern, bis jetzt Hauslehrer in einem der angesehensten Häuser Karlsruhes, empfohlen durch ausgezeichnete Kenntnisse, verbunden mit wahrer Religiosität, wie nicht minder durch trefflichen Charakter. Derselbe wurde daher eingeladen, zu Schabbat Nachamu dahier seine Probepredigt abzuhalten. Diese Predigt, in fließender, bilderreicher Sprache, durchweht vom wahren Geiste unserer heiligen Religion, vorgetragen mit kräftiger, klangvoller Stimme, konnte ihre Wirkung nicht verfehlen. Unter den zahlreich sich eingefundenen Zuhörern der Gemeinde, sowie unter den vielen anwesenden Badegästen, war nur eine Stimme des ungeteiltesten Befalls. Noch an demselben Abende versammelten sich daher unsere Vorsteher und einstimmig übertrugen sie Herrn Fromm definitiv die hiesige Predigerstelle.   
Er herrscht über diese Ernennung in unserer Gemeinde die allgemeinste Freude, und wir sehen getrost der Zukunft entgegen, nachdem wir die Leitung unserer religiösen Verhältnisse in solch würdige Hände niedergelegt wissen."   
 

    
Zum Tod von Landgraf Ferdinand von Hessen-Homburg - Rabbiner Seligmann Fromm hält die Gedächtnisrede (1866)  

Bad Homburg Israelit 23051866.jpg (251930 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1866: "Bad Homburg, den 7. Mai (1866). In den ersten Tagen des vorigen Monats hörte ein edles Fürstenherz zu schlagen auf: Der souveräne Landgraf Ferdinand von Hessen-Homburg - der letzte seines Stammes - starb im drei und achtzigsten Lebensjahre! Das Land verlor in ihm einen wohlwollenden Fürsten, und die allgemein empfundene Trauer um denselben lieferte den schönsten Beweis, welcher hohen Anerkennung und Verehrung der Verewigte sich zu erfreuen hatte. Wir Israeliten haben übrigens noch ganz besonders Ursache, dem Verewigten Worte der Liebe und des Dankes zu weihen! Sein Andenken sei zum Segen. Er war es, welcher die Gleichberechtigung der Israeliten mit den übrigen Staatsangehörigen in ihrem vollen Umfange in unserem, wenn auch nur kleinen Lande zur Tatsache werden ließ. Dieses Prinzip bewährte sich auch bei dem feierlichen Leichenbegängnisse des Verblichenen; denn auch der Herr Rabbiner dahier wurde wie alle übrigen Staatsdiener offiziell hierzu eingeladen und im Zuge den übrigen Geistlichen gleichgestellt. Doch, le roi est mort, vive le roi! Mit göttlicher Hilfe ist bloß ein Personenwechsel, nciht aber ein Systemwechsel eingetreten. Seine Königliche Hoheit der regierende Großherzog von Hessen und bei Rhein hat die Regentschaft unseres Landes angetreten. Ein edler Regent, dem das Wohl aller Untertanen wahrhaft am Herzen liegt. Kurz nach seinem Regierungsantritt dahier hatte unser Herr Rabbiner die Ehre einer Audienz bei Höchstdemselben und hatte hierbei sich einer sehr huldvollen Aufnahme zu erfreuen. - Seine Königliche Hoheit erkundigten sich in wahrhaft väterlicher Weise nach dem Stande unserer hiesigen Glaubensgenossen, und ließen sich mit größter Teilnahme namentlich über die Verhältnisse der hiesigen Synagogen-Gemeinde berichten, deren bestes Gedeihen fördern zu wollen Allerhuldvollst versprechend.   
Am gestrigen Tage nun fand die Trauerfeierlichkeit um den heimgegangenen Landgrafen in der Synagoge dahier in erhebender Weise statt. Das Gotteshaus war zu diesem Zwecke entsprechend in Stand gesetzt, und gefüllt mit Leuten aus allen Ständen und Konfessionen. Den Kern der Feier bildete die ebenso gediegene wie geistvolle Rede unseres Herrn Rabbiners Fromm. Er schilderte mit beredten Worten die hohen Fürstentugenden des Betrauerten in einer Weise, dass die zahlreiche Versammlung sich tief ergriffen und hoch begeistert fühlte. Mehr über diese treffliche Rede zu sagen - für welche von Allerhöchster Stelle der Text aus Hose Kap. 6 Vers 1-3 befohlen wurde - finde ich schon deshalb überflüssig, da dieselbe auf vielseitiges Verlangen im Druck erscheinen wird. Psalmen und Trauergebete wechselten nach einem eigens hierfür ausgegebenen Programme, und mit einem warmen Gebete für das Wohl Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs und Landgrafen Ludwig III. und des ganzen großherzoglichen und landgräflichen Hauses schloss diese würdige, uns unvergesslich bleibende Feier."   

      
Zum Tod von Rabbiner Seligmann Fromm (1898)  

Homburg vdH Israelit 13061898.jpg (60981 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1898: "Frankfurt a.M. 12. Juni (1898). Gestern verschied in hohem Alter Herr Rabbiner Fromm dahier. Derselbe verwaltete eine lange Reihe von Jahren das Amt eines Rabbiners in der Israelitischen Gemeinde zu Homburg v.d. Höhe; später übernahm er die Stelle eine Hausrabbiners bei Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild - sein Licht leuchte -, welch letzterer ihn seiner hohen Gelehrsamkeit halber zu diesem Amte bestimmte. Viele Jahre hindurch gaben sich die beiden Herren um zwischen den Toten und den Lebenden zu unterscheiden gemeinsam täglich einigen Stunden der Forschung in der heiligen Lehre hin. In den sechziger Jahren war Herr Rabbiner Fromm ein mutvoller und eifriger Verfechter des gesetzestreuen Judentums, und ihm ist es hauptsächlich zu danken, dass die Gemeinde Homburg noch heute dem Väterglauben, so wie er uns überliefert wurde, erhalten geblieben ist. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens".

    
Ausschreibung der Stelle eines Lehrers mit rabbinischen Qualifikationen (1875)  

Bad Homburg Israelit 08121875.jpg (35407 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1875: "Die Stelle eines Religionslehrers, der zugleich die Funktionen eines Rabbiners zu versehen hat, ist in hiesiger Gemeinde mit einem Fixum von Reichsmark 1.500 offen.
Bewerber wollen sich an den israelitischen Vorstand in Homburg v.d. Höhe wenden."      

       
 Zum 100. Geburtstag von Rabbiner Seligmann Fromm (1921) 
    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Dezember 1921: Rabbiner Seligmann Fromm. (Zu seinem hundertsten Geburtstage).
Am 4. Tewes werden 100 Jahre verflossen sein, seitdem Rabbiner Fromm dem Judentum und der Gesamtmenschheit geschenkt worden ist; gleich einer hellleuchtenden Menorah strahlt sein Bild aus alter glücklicher Zeit hinüber in unsere Tage.  
Als zweitältester Sohn eines schlichten, durch Frömmigkeit und Rechtlichkeit ausgezeichneten Mannes in Großlangheim geboren, erkannte die edle, aus gefeierter Gelehrten-Familie stammende Mutter mit richtigem Blicke schon sehr frühe die im zarten Kinde schlummernden Anlagen und Vorzüge, und auf ihrem Totenbette bestimmte sie den damals kaum achtjährigen Juden 'fürs Lernen', Im Alter von 12 Jahren kam der Knabe zu Rabbi Seligmann Bär Bamberger, dem nachmaligen großen Würzburger Raw, der damals noch in Wiesenbronn lebte, und nach gründlicher Vorbereitung zog er als Sechszehnjähriger nach Pressburg, um auf der damals größten jüdischen Hochschule zu den Füßen des Chatam Sofer sich weiterzubilden; und er wurde bald sein Lieblingsschüler. Ein Jahr genoss er noch den Unterricht des großen Lehrers, um dann bei dem Nachfolger, dem unvergesslichen Ksav Sofer, der ihm innigste Freundschaft entgegenbrachte und bei dem Pressburger Dajan, Rabbi Nathan Wolf, der den jungen Schüler väterlich liebte, weiter zu lernen und zu streben.  
Nachdem er 5 Jahre lang in Pressburg als einer der anspruchslosesten und sonnigsten Schüler seinen Studien obgelegen hatte, kehrte er mit der Semichah in die Heimat    
Bad Homburg FrfIsrFambl 29121921a.jpg (219200 Byte)   

   
   

Rabbiner Dr. Samuel Auerbach (Rabbiner in Homburg 1876 bis 1878)      
  
1876 wurde Rabbiner Dr. Samuel Auerbach als Nachfolger für Rabbiner Seligmann Fromm gewählt. Er war 1827 in Bonn geboren als 15. (und jüngstes) Kind des dortigen Rabbiners Abraham Auerbach (1763 Bouxwiller/Buxweiler - 1845 Bonn). Sein Großvater war der bedeutende Kabbalist Selig Auerbach (geb. 1726 in Brodny). Samuel Auerbach studierte nach 1845 bei seinem ältesten Brüder, Rabbiner Dr. Benjamin Hirsch Auerbach, der 1835 bis 1857 in Darmstadt als Rabbiner tätig war. Nach der Zeit in Darmstadt studierte Samuel an der Universität in Bonn Philosophie. Mitte der 1850er-Jahre wurde er Rabbiner in Nordhausen. 1876 wurde er nach Bad Homburg berufen, wo er allerdings auf Grund einer schweren Erkrankung nur zwei Jahre tätig war. Darauf zog er nach Frankfurt, wo er 1884 gestorben ist.  
 
Zur Wahl von Rabbiner Dr. Samuel Auerbach (1876)  

Homburg vdH AZJ 11041876.jpg (30126 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1876: "Homburg v.d.H., 31. März. Der Vorstand und die neugewählten Vertrauensmänner haben den Rabbiner Dr. Sam. Auerbach, welcher bisher in Nordhausen amtierte, als einen Mann der rechten Mitte, zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Seine Antrittspredigt hat allgemeinen Anklang gefunden, und er zeigt bereits den besten Eifer, sich der Schuljugend anzunehmen. So hoffen wir, dass er auch unserem Gottesdienste eine angemessene Form geben wird." 

  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Samuel Auerbach (1884)  

Bad Homburg Israelit 30101884.jpg (226370 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1884: "Aus Frankfurt am Main meldet man uns den am vorigen Freitag, den 5. Marcheschwan (= 24. Oktober 1884) erfolgten Tod des Rabbiners Dr. Samuel Auerbach – er ruhe in Frieden. Der Verewigte war der jüngste Sohn des ehemaligen Oberrabbiners R. Abraham Auerbach – das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen, nach dessen Tode er zu seinem ältesten Bruder, Dr. B. H. Auerbach, damals Rabbiner zu Darmstadt kam, um sich in der talmudisch-rabbinischen Wissenschaft auszubilden. Mit regem Eifer und emsigem Fleiße oblag er fünf Jahre lang dem Studium von Tora und Posekim und bezog dann die Universität Bonn zur Absolvierung philosophischer Studien. Mitte der fünfziger Jahre wurde ihm das Rabbinat in Nordhausen, Provinz Sachsen übertragen, das er ungefähr 20 Jahre in Ehren und allgemeiner Anerkennung seiner Leistungen, besonders als Kanzelredner und Lehrer, bekleidet. Sein religiös-konservativer Standpunkt, den er während des ganzen Lebens innehielt, wurde zwar zuweilen von Gegnern der gesetzestreuen Richtung innerhalb der Gemeinde Nordhausen missbilligt, doch gelang es ihm bis in die Mitte der siebziger Jahre eigentliche Reformen in Synagoge und Gottesdienst zu verhindern. Als man aber in der genannten Zeit seitens der Gemeindeverwaltung auf Einführung der Orgel bestand, hatte Dr. Samuel Auerbach den Mut, sein Amt niederzulegen. Er privatisierte darauf einige Jahre, bis er als Rabbiner nach Bad Homburg berufen wurde. Auch dort war es ihm nicht beschieden, seines Amtes zu walten; eine plötzliche Erkrankung, die ein schweres Nervenleiden im Gefolge hatte, zwang ihn, seine Stelle aufzugeben. Von dieser Zeit an siechte der früher so kräftige und arbeitsfrohe Mann hin, der Besuch der Bäder brachte ihm keine Heilung. Er zog mit seiner Familie nach Frankfurt, woselbst er zu Zeiten, in denen seine Leiden etwas nachließen, mit Verwandten und Bekannten, die ihn wegen seines biederen Charakters hochschätzen, einen anregenden und ihn selbst aufheiternden Verkehr unterhielt. Seit einem Jahre war aber die Krankheit so vorgeschritten, dass er das Haus nicht mehr verlassen konnte. Die treue Pflege einer hingebenden Gattin und liebevoller Kinder war bemüht, ihm die Schmerzen zu erleichtern. – Nun hat der edle Mann, der viel im Leben gekämpft und gelitten, seine irdische Laufbahn vollendet; er ist eingegangen in die Welt des ewigen Friedens und der ewigen Freude, um den Lohn für sein Wirken zu empfangen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. Möge der ‚Arzt für alle gebrochenen Herzen’ der schwer geprüften Gattin und den trauernden Kindern Trost senden in ihrem großen, gerechten Schmerze! Mögen die Kinder im Sinne ihres verklärten Vater und nach dessen Beispiel und Lehren sich gleichfalls als edle Menschen und gewissenhafte Juden bewähren – das schönste Denkmal, das Kinder ihrem Vater errichten können."    

    
   
    
Rabbiner Dr. Meier (Meyer) Appel (Rabbiner in Homburg 1878 bis 1886)  
  
Rabbiner Dr. Meier Appel ist 1851 in Jesberg geboren. Er studierte 1870 bis 1878 im Rabbinerseminar in Breslau. 1878 wurde er Rabbiner in Homburg, 1886 zweiter Stadtrabbiner in Mannheim, von 1893 bis 1919 Stadt- und Konferenz-Rabbiner in Karlsruhe. Er war verheiratet mit Anna Willstätter, Tochter von Rabbiner Benjamin Willstätter. Er starb 1919 in Karlsruhe.       

Appel Rabbiner 010.jpg (46558 Byte)Links: Rabbiner Dr. Meier Appel mit Ehefrau als Rabbiner in Karlsruhe. 
Quelle: Juden in Karlsruhe Hrsg. von Heinz Schmitt 1988 S. 166.

      
Rabbiner Dr. Appel erhält einen Ruf aus Krotoschin (Krotoszyn, 1880)   

Bad Homburg AZJ 15061880.jpg (42431 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juni 1880: "Aus Homburg v.d. Höhe berichtet man uns, dass der daselbst seit kurzer Zeit fungierende Rabbiner Dr. Appel einstimmig von der Gemeinde zu Krotoschin gewählt worden, nachdem der dortige Rabbiner Dr. Joël an das Breslauer Seminar berufen worden. Die Homburger Gemeinde macht alle Anstrengungen, sich den zwar noch jungen, aber bewährten Rabbiner zu erhalten."    

  
Rabbiner Dr. Appel wird durch die Kaiserin empfangen (1883)   
Obervorsteher und Stadtrat Wolf Ackermann wird auf weitere sechs Jahre in den Stadtrat gewählt (1883)  

Bad Homburg AZJ 01101883.jpg (87314 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1883: "Bad Homburg, 18. September (1883). Ich befinde mich in der angenehmen Lage, Ihnen in der jetzigen Zeit, wo Sie in Ihrem werten Blatt so viel Unangenehmes zu berichten haben, auch etwas Angenehmes, Hocherfreuliches mitteilen zu können.   
Von dem Kammerherrn Ihrer Majestät der Kaiserin erhielt unser Rabbiner Herr Dr. Appel die schriftliche Mitteilung, dass Ihre Majestät denselben im hiesigen Königlichen Schlosse Sonntag den 16. dieses Monats zu sprechen wünsche. Im Laufe der Unterredung äußerte sich Ihre Majestät wiederholt außerordentlich anerkennend über die rege Beteiligung der Israeliten an den Werken  der Wohltätigkeit. Besonders rühmend sprach sich Ihre Majestät über die israelitischen Wohltätigkeitsanstalten Berlins und Frankfurts aus.   
Weiter habe Ihnen zu berichten, dass der Obervorsteher unserer israelitischen Kultusgemeinde, Herr Wolf Ackermann, nachdem derselbe schon 18 Jahre dem hiesigen Stadtrate angehört, bei der jüngsten Wahl wiederum auf 6 Jahre gewählt worden. Kurz vorher hatten ihn seine Herren Kollegen in den Bezirksrat gewählt. – Sowohl hier, wie oben bei Herrn Rabbiner Dr. Appel ist das Wort am Platze: ‚Ehre, dem Ehre gebührt!’. L.L."
    

  
Rabbiner Dr. Appel wird durch die Kaiserin empfangen (1885)  

Bad Homburg Israelit 17081885.jpg (46178 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. August 1885: "Homburg v.d.H. Wie vor zwei Jahren, so hatte auch in diesem Jahre unser Rabbiner Dr. Appel, die hohe Ehre des Empfangs bei Ihrer Majestät der Kaiserin. Diese Tatsache legt Zeugnis ab, dass Ihre Majestät keinen Unterschied macht zwischen den verschiedenen Konfessionen. O möchte doch diese edle Gesinnung in allen Kreisen unseres Vaterlandes stets nachgeahmt werden!"      
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. August 1885: "Homburg v.d.H., 14. August (1885). Auch bei dem diesmaligen Aufenthalte der Kaiserin von Deutschland in unserem Badeorte empfing sie unseren Rabbiner Dr. Appel in Audienz. Die freundlichen Worte, welche die hohe Frau zu dem geistlichen Vertreter des Judentums sprach, geben von Neuem Zeugnis, dass die antisemitische Gesinnung in ihr keinen Platz gegriffen".  

  
Dr. Appel wird als Rabbiner nach Mannheim berufen (1886)   

Bad Homburg AZJ 05101886.jpg (108229 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1886: "Bonn, 26. September (1886). Man schreibt aus Homburg v.d.H. vom 19. September (1886). Herr Rabbiner Dr. Appel wird binnen Kurzem die hiesige Stadt verlassen, um einem an ihn ergangenen, sehr ehrenvollen Rufe der Mannheimer israelitischen Gemeinde Folge zu leisten. Sein Abhang von hier wird allerseits bedauert. Herr Dr. Appel hat sowohl durch sein rühriges, amtliches Wirken, als auch durch sein taktvolles persönliches Auftreten sich während seines siebenjährigen Aufenthaltes dahier die Sympathien seiner Gemeinde und weiterer städtischer Kreise in höchstem Maße zu erwerben gewusst. Seine Begabung als Kanzelredner, sowie seine Tüchtigkeit als Jugendbildner erfreuten sich in hiesiger Stadt allgemeiner Anerkennung. Als Geistlicher, sowie als Pädagoge, ist Herr Dr. Appel dem alten Wahlspruch gefolgt: ‚Fest in der Sache, milde in der Form’. Die Festigkeit auf der einen Seite machte einen nachhaltigen Eindruck, die Milde auf der andern Seite zog an und so kommt es denn auch, dass Herr Dr. Appel allen, selbst Minderwollenden, Hochachtung abnötigte. Die Kanzel benutzt derselbe, um in kernhafter Weise religiöse Belehrung zu verbreiten und außerdem hielt er im Wintersemester wöchentlich zweimal Vorlesungen über jüdische Literatur und Geschichte, welche sich ihrer populären Fassung wegen großer Beliebtheit bei Auditorium erfreuten. Mit größter Liebe aber hingen an ihm die Schüler, welchen er Liebe und Begeisterung für ihren Glauben einzuflößen wusste."    

  
Ausschreibung der Rabbinerstelle (1886)  

Bad Homburg Israelit 20091886.jpg (54577 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1886: "Durch Berufung unseres Rabbiners Herrn Dr. Appel nach Mannheim ist dessen Stelle bei der hiesigen israelitischen Gemeinde sofort zu besetzen.   
Gehalt per Jahr 2.000 Mark, und außerdem 208 Mark Vergütung für den Religionsunterricht on der Realschule, sowie ein eventueller Staatszuschuss von 343 Mark.  
Qualifizierte Bewerber belieben ihre Meldungen baldigst und unter Beifügung der erforderlichen Zeugnisse, namentlich über pädagogische Befähigung an den Unterzeichneten einzusenden.   
Homburg v.d. Höhe, 17. September 1886. Der israelitische Kultusvorstand W. Ackermann."
  

     
     
Rabbiner Dr. Heymann (Heimann) Kottek (Rabbiner in Homburg 1887 bis 1912)   

Dr. Heymann (Heimann) Kottek ist 1860 in Posen geboren. Bereits im Alter von 27 Jahren wurde er Rabbiner in Bad Homburg. Er entfaltete als solcher vielfältige Aktivitäten - innerhalb wie außerhalb der Gemeinde. U.a. war Dr. Kottek war gemeinsam mit Rabbiner Dr. Jonas Bondi und Rabbiner Dr. Salomon Bamberger Mitbegründer der "Jüdisch-literarischen Gesellschaft" in Frankfurt. Von der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft wurde 1915 eine "Geschichte der Juden", verfasst von Heimann Kottek, herausgegeben. Viele andere Beiträge von Dr. Kottek erschienen in dem seit 1903 erschienenen "Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft". Dr. Kottek starb bereits Ende 1912 in Homburg.      

Antrittspredigt von Rabbiner Dr. Kottek (1887)
   

Bad Homburg AZJ 21041887.jpg (47691 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1887: "Man schreibt uns aus Homburg v.d.H.: Am 2. dieses Monats hielt der Rabbiner Dr. Kottek seine Antrittspredigt, welche auf die zahlreiche Zuhörerschaft, unter welchen sich auch der Bürgermeister, der Beigeordnete und andere Mitglieder des Gemeinderates befanden, einen tiefen Eindruck machte. Dr. Kottek fungiert hier zum ersten Male als Rabbiner."     

  
Rabbiner Dr. Kottek wird von der Kaiserin empfangen (1887)  

Bad Homburg Israelit 11081887.jpg (92338 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1887: "Bad Homburg, 8. August (1887). Wie bereits in diesen Blättern mitgeteilt, wurde unser Rabbiner, Herr Dr. Kottek, zu Ihrer Majestät der Kaiserin, zur Audienz befohlen. Der Empfang war ein sehr huldvoller. Ihre Majestät geruhte, sich eingehend nach den Verhältnissen der hiesigen israelitischen Gemeinde zu erkundigen und sprach Allerhöchstihre Befriedigung darüber aus, dass die Israeliten Homburgs auf streng religiösem Standpunkte stehen. Die hohe Frau erwähnte rühmend des unlängst verstorbenen Freiherrn Meyer Carl von Rothschild zu Frankfurt am Main und der von ihm und seiner Familie gestifteten wohltätigen Anstalten, namentlich des Kinder-Siechenhauses in der genannten Stadt. Zum Abschiede geruhte Ihre Majestät, den Herrn Rabbiner einige ermunternde Worte zu sagen und ihn zu bitten, dahin zu wirken, dass die Religiosität in der Gemeinde erhalten bleiben und die Jugend in diesem Sinne erzogen werden möge."     

  
Vortrag von Rabbiner Dr. H. Kottek über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Homburg (1893)   

Bad Homburg AZJ 20011893.jpg (122419 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Januar 1893: "Homburg v.d.H., 7. Januar. Im ‚Klub Freundschaft’ hielt vorgestern Abend Herr Rabbiner Dr. H. Kottek einen Vortrag über das Thema: ‚Aus der Vergangenheit der israelitischen Gemeinde Homburg’.  – Redner schilderte die inneren Verhältnisse der Gemeinde und deren Einrichtungen. Obschon bereits im 14. Jahrhundert in Homburg, Gonzenheim, Seulberg Israeliten wohnten, war es ihnen doch erst im Jahre 1684, als sie auf eine Familienzahl von 12 gestiegen, gestattet worden, den Gottesdienst gemeinschaftlich in einem dazu gemieteten Betlokale abzuhalten. Nachdem dieses nicht mehr ausreichte, wurde mit Genehmigung landgräflicher Regierung im Jahre 1731 eine Synagoge erbaut. Die jetzige Synagoge ist ein Bauwerk der Neuzeit und wurde 1866 ausgeführt. – Ein Gemeindehaus, enthaltend das Sitzungszimmer für den Vorstand und die Wohnung für den Diener, wurde 1764, ein neues 1877 erbaut. Der erste israelitischen Friedhof bestand schon im Mittelalter und lag in der Nähe der so genannten Judenwiesen, der zweite wurde 1703 bei Seulberg und der dritte 1867 hier angelegt. – Die Leitung der Gemeinde besorgte anfangs ein von der Regierung ernannter Vorsteher. Mit der Vergrößerung der Gemeinde änderte sich auch die Zusammensetzung der Vorstandschaft; die jetzige Gestalt erlangte sie im Jahre 1876. – Dem Herrn Vortragenden wurde von dem zahlreiche erschienen Publikum lebhafter Beifall gezollt und zugleich vom Vorstande des Klubs öffentlich der Dank ausgesprochen."    
  
Bad Homburg Israelit 19011893.jpg (64254 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1893: "Homburg v.d. Höhe, 16. Januar (1893). Herr Rabbiner Dr. Kottek hielt am Mittwoch den 14. Januar im hiesigen Club ‚Freundschaft’ die Fortsetzung seines schon im vergangenen Jahre begonnen Vortrages über ‚Die Vergangenheit der jüdischen Gemeinde der ehemaligen Landgrafschaft Hessen Homburgs.’ Der Vortragende behandelte die inneren Verhältnisse der Gemeinde, und zwar sprach er über die Entwicklung des Vorstandes, über den Friedhof und die Synagoge. – Dem Herrn Redner wurde bei Schluss, der den Mitgliedern des Vereines und der in größerer Anzahl erschienenen Gäste einen ferneren Vortrag in Aussicht stellt, lebhafter Beifall zuteil."    

  
Konferenzen im Haus des Rabbiners Dr. Heymann Kottek (1909)  
Vgl. P. Arnsberg: Jüd. Gemeinden in Hessen Bd. I S. 395 in seinen Ausführungen zu Rabbiner Dr. Kottek: "Dr. Kottek stand in engen Beziehungen zu Rabbi Jizchak Eisik Halevy. Dieser kam aus Wolosin nach Deutschland, lebte in Hamburg, wo er Klaus-Rabbiner war... Rabbiner Eisik Halevy kam jedes Jahr für zwei Monate zur Kur nach Bad Homburg und war der Initiator der sogenannten 'Homburger Konferenz' im August 1909, an der prominente Rabbiner und Toragelehrte aus Osteuropa teilnahmen. Dort wurde die Grundlage für die Gründung der Weltorganisation 'Agudat Jisrael' geschaffen und ein provisorisches Komitee gebildet; Vorsitzender dieses Komitees war Kommerzienrat Louis Feist, Mitinhaber der angesehenen Weltfirma Beer, Sondheimer & Co. in Frankfurt".   
Vgl. Artikel zu Agudat Jisra'el bei Wikipedia

Homburg vdH FrfIsrFambl 13081909.jpg (56913 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 13. August 1909: "Homburg v.d.H. Im Hause Rabbiner Dr. Kottecks finden schon seit acht Tagen Konferenzen einer großen Anzahl bedeutender russischer Rabbiner statt, der Vertreter der deutschen Orthodoxie beiwohnen. Es handelt sich besonders um eine in der Neuzeit entsprechende Neugestaltung des jüdischen Erziehungswesens in Russland, über welche Angelegenheit wir in unseren Berichten über die Wilnaer Konferenz kürzlich eingehend berichtet haben. Von den Teilnehmern der Konferenz seien genannt: der Brisker Raw Rabbi Chajim Soloweitschik, der Minsker Raw Rabbi Elieser, Rabbi Chajim Grodsensky aus Wilna, sowie der bedeutende Girer Chassidim-Rabbi". 

     
25-jähriges Dienstjubiläum von Rabbiner Dr. Kottek (1912)  

Bad Homburg FrfIsrFambl 29031912.jpg (48740 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. März 1912: "Bad Homburg v.d.H. Schabbos Hagodaul feiert Herr Dr. H. Kottek das Jubiläum seines 25-jährigen Wirkens als Rabbiner der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde. Der Jubilar erfreut sich in weitesten Kreisen der lebhaftesten Sympathien, ebenso sehr seiner hohen idealen Auffassung der Bedeutung seines Amts wegen, als auch infolge seines konzilianten Wesens. Den Mittelpunkt der mannigfachen ihm zugedachten Ehrungen bildet eine synagogale Feier."      
 
Bad Homburg FrfIsrFambl 12041912.jpg (249633 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. April 1912: "Homburg v.d. Höhe. Die Jubiläumsfeier zu Ehren Rabbiners Dr. Kottek gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Hochschützung, die weiteste Kreise dem Jubilar entgegenbringen, der Verehrung, mit welcher seine Gemeinde ihm anhängt und der Dankbarkeit, die seine Schüler ihm zollen.  
Schon am Vorabend versammelten sich in der Wohnung des Jubilars der Vorstand der Gemeinde, eine Abordnung der ehemaligen Schüler und Schülerinnen und Vertreter der Mendelssohn-Bibliothek und des Klub Freundschaft. Stadtrat Julius Braunschweig würdigte in beredten Worten das Wirken des Herrn Dr. Kottek, der, ein wahrer Priester im Sinne Ahrons, friedfertig und versöhnlich stets seines Amtes gewaltet habe. Er bat ihn, als sichtbaren Ausdruck der Anerkennung eine Widmung der Gemeinde entgegen nehmen zu wollen. Diese, geschmackvoll entworfen und von Künstlerhand gemalt, zeigt im Mittelfelde Innen-Ansichten der hiesigen Synagoge – die Stätte des Wirkens des Gefeierten. Sie rühmt in warmen, schlichten Worten die Verdienste des Jubilars und entbietet ihm in poetischer Form (Verfasser S. Wertheim) herzliche Glückwünsche.   
Im Namen der ehemaligen Schüler und Schülerinnen richtete alsdann Benno Schiff Worte des Dankes an den verehrten Lehrer und überreichte eine sinnige Ehrengabe, begleitet von einer Adresse sämtlicher Schüler und Schülerinnen.   Namens der Mendelssohn-Bibliothek überbrachte Louis Rothschild und für den Klub Freundschaft wiederum Stadtrat Julius Braunschweig Glückwünsche und Ehrungen.   
Nach Verrichtung des Minchah-Gebetes geleiteten die versammelten Herren den Jubilar zur Synagoge, woselbst sie vom Synagogenchor mit Boruch habboh begrüßt wurden.   
Das Gotteshaus, besucht von einer festtäglich gekleideten Gemeinde, bot in seiner geschmackvollen Ausschmückung einen feierlichen Anblick dar, und die weihevolle Stimmung wurde noch erhöht durch die schönen gesanglichen Vorträge des Synagogenchors und des Kantors Herz.   Dem Abend reihte sich der Festtag würdig an. Provinzialrabbiner Dr. S. Bamberger – Hanau hielt die Festpredigt. Er sprach über 3. Mose Kap. 6,5. Derselbe Text hatte vor fünfundzwanzig Jahren der Antrittspredigt des Jubilars zugrunde gelegen.    
Der Gefeierte dankte tief gerührt. Unsere Taten sind Gottes, nur der gute Wille ist unser; in diesem Sinne gedachte er dankbar aller, die ihn in seinen Bestrebungen unterstützten und erflehte vom Horte Israels auch weiterhin Beistand und Segen.   Mit Chorgesang schloss die erhebende Feier, gleich ehrenvoll für den Jubilar und seine Gemeinde, denn auch von der Gemeinde gilt das Wort, das man von den Völkern geprägt hat: Sie ehren sich selbst, indem sie ihre verdienten Männer ehren."
    

    
Zum Tod von Rabbiner Dr. Heymann Kotteck (1912)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Januar 1913: "Aus Homburg v.d.H. wird uns geschrieben: Am 27. vorigen Monats starb plötzlich infolge eines Herzschlages der Rabbiner Dr. H. Kotteck, der 26 Jahre lang in der hiesigen Gemeinde gewirkt hat, im 52. Lebensjahre. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung am darauf folgenden Sonntag statt. Der Entschlafene stammte aus Pleschen in der Provinz Posen, war ein Schüler Israel Hildesheimers und zeichnete sich durch große Frömmigkeit und bedeutendes talmudisches Wissen aus. Ehre seinem Andenken."     
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Januar 1913: "Homburg v.d. Höhe. Rabbiner Dr. H. Kotteck ist plötzlich an einem Herzschlage verschieden
Rabbiner Dr. Kotteck, der nur ein Alter von 52 Jahren erreicht hat, war ein eifriger, unermüdlicher Arbeiter auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft. In den Jahrbüchern der Jüdischen Literatur-Gesellschaft finden wir als Frucht seiner Arbeit folgende Aufsätze: Bachers Besprechung des Doroth Harischonim II, Die Hochschulen in Palästina und Babylonien, Zur Neumondfeier im alten Israel, Gesetz und Überlieferung bei den Juden Babyloniens in vortalmudischer Zeit. Er bearbeitete hauptsächlich Isaak Halevys 'Doroth harischonim'. Verband ihn doch mit Halevy innige Freundschaft, und weilte doch Halevy jeden Sommer mehrere Monate in seinem Hause! Rabbiner Dr. Kotteck dürfte noch zahlreiche Manuskripte hinterlassen haben; sein frühes Hinscheiden ist ein großer Verlust für die jüdische Wissenschaft. Die Beisetzung war ein beredtes Zeugnis der Beliebtheit des Entschlafenen. Nachrufe hielten Provinzialrabbiner Dr. Bamberger - Hanau, Rabbiner Dr. Nobel - Frankfurt (für die israelitische Gemeinde Frankfurt und für den großen Bruderbund der Bne-Brith-Logen), Dr. Bondi - Mainz (für die Jüdische LIteratur-Gesellschaft) und Lehrer Herz - Homburg."     

    
    
Rabbiner Dr. David Winter (Rabbiner in Homburg 1912 bis 1921)  
   

Rabbiner Dr. David Alexander Winter ist 1878 in Mönchen-Gladbach geboren. Nach seiner Zeit in Bad Homburg wurde er Rabbiner und Schulleiter in Lübeck (Nachfolger von Dr. Joseph Carlebach). Er konnte noch im September 1938 Lübeck mit seiner Familie verlassen und emigrierte nach Kondon. Hier ist er am 13. Oktober 1953 gestorben. Sein Leichnam wurde nach Jerusalem auf den Sanhedria-Friedhof überführt.     

Rabbiner Dr. Winter übernimmt eine neue Stelle in Frankfurt (1919)   

Bad Homburg FrfIsrFambl 10011919.jpg (28244 Byte) Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Januar 1919: "Kleine Notizen.  Wie wir hören, übernimmt Rabbiner Dr. Winter – Homburg, der früher als Oberlehrer an einem Gymnasium wirkte, die Leitung des Dr. Heinemannschen Lyzeums. Er dürfte bereits Mitte Februar nach Frankfurt kommen."    

   
Rabbiner Dr. Winter wird Rabbiner in Lübeck (1921)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Oktober 1921:     

    
Abschied von Rabbiner Dr. Winter (1921)   

Bad Homburg Israelit 03111921.jpg (108869 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1921: "Bad Homburg v.d.H., 31. Oktober (1921). Zu Ehren ihres scheidenden Rabbiners versammelte sich die hiesige jüdische Gemeinde fast vollzählig, um ihren geistigen Führer, um vor seinem Abschiede nochmals einige Stunden gemeinsam mit ihm zu verbringen. Mit einem Vortrage über die Jugenderziehung begann die Abschiedsfeier. In meisterhafter Weise führte Herr Dr. Winter in seinem Vortrage aus, wie man die Jugend zu wahrhaft guten Jehudim erziehen könne, wie Thauro (Tora) und Awaudo (Gottesdienst) gepflegt und wieder nach alter Vätersitte in den jüdischen Herzen und Häusern ihre Heimstätte finden können. Aus der Menge der dann folgenden Ansprachen ersah man, in welch’ vielfältigen Weise sich der Scheidende im Vereinsleben der hiesigen Gemeinde betätigt hatte, wie er Jugendvereine geschaffen, wie er ganz besonders den Talmud-Tora-Verein durch Schiurum und durch Zyklen von Vortragen zu hoher Anerkennung und Bedeutung gebracht. Insbesondere brachte der erste Vorsteher, Herr Stadtrat Braunschweig, in längerer Ausführung den Dank der Gemeinde zum Ausdruck für das jederzeit friedliche ersprießliche und segensreiche Wirken des verehrten Rabbiners und aus allen Herzen und von jedem Munde kamen die besten Glück- und Segenswünsche."    
  
Bad Homburg AZJ 11111921.jpg (268198 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. November 1921: "Bad Homburg, 4. November (1921). Am 26. vorigen Monats, abends, versammelte sich die hiesige Jüdische Gemeinde vollzählig im großen Saale des ‚Schützenhofes’, um mit ihrem nach Lübeck berufenen geistigen Führer, Rabbiner Dr. Winter, nochmals einige Stunden zu verbringen und ihm Gelegenheit zu geben, sich von ihm zu verabschieden. Die Feier begann mit einem einleitenden Vortrage des Herrn Dr. Winter über die Erziehung der Jugend zu religiösem Denken und Fühlen und über das Verhältnis der Religionswissenschaft zu dem übrigen Geistesleben des heranwachsenden Menschen; dieser Vortrag führte auch in beredten und ergreifenden Worten die Bedeutung der Jugend für die Zukunft vor Augen. Aus der Menge der dann folgenden Ansprachen ersah man, in welch vielfältiger Weise sich der Scheidende im Vereinsleben der hiesigen Gemeinde betätigt hatte, wie er Jugendorganisationen schuf und förderte und wie er den Talmud-Tora-Verein [Satzfehler] ganz besonders gefördert und dadurch das religiöse Empfingen und insbesondere auch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeindemitglieder gehoben hatte. Nachdem viele Vertreter der Schüler, Jugendgruppen und –Kränzchen gesprochen hatten, die ihm auch Andenken überreichten, richteten namens des Vorstandes des Talmud-Tora-Vereins Herr S. Levy und Herr S. Ackermann anerkennende Worte an den Scheidenden. Namens des Vorstandes der Gemeinde sprach Herr J. Braunschweig, der das stets gute Einvernehmen des Herrn Dr. Winter mit der Verwaltung der Gemeinde hervorhob. Als Freund sprach Herr Rechtsanwalt Dr. B. Wiesenthal Abschiedsworte, in denen er zunächst mit der Schilderung der allenthalben bekannten hingebungsvollen früheren Tätigkeit des Scheidenden in Myslowitz begann und ihn als Pionier des Ostens pries, der auch während des Krieges in seiner jahrelangen Tätigkeit als Feldrabbiner in Litauen sich der durch die Kriegsverhältnisse bedrängten Glaubensgenossen mit wahrhaft sozialem Empfinden angenommen habe. Herr Dr. Wiesenthal pries sodann in Herrn Dr. Winter den edlen und guten Menschen, der mit warmem Gemüt und grenzenloser Güte sich die Liebe und Verehrung aller Gemeindemitglieder erworben, freundschaftliches Empfinden jedem entgegengebracht und in jedem ausgelöst habe. Ferner hob der genannte Redner hervor, dass der Scheidende es verstanden habe, die guten Beziehungen der verschiedenen Religionen am hiesigen Platze zu pflegen und zu fördern, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass Herr Dr. Winter seiner neuen Gemeinde auch in dieser Beziehung zur Zierde gereichen möchte. Schließlich sprachen noch Herr Bamberger, der insbesondere das tiefe talmudische Wissen des uns Verlassenden pries, und ferner Herr Kantor Herz, der ebenfalls das harmonische  Zusammenarbeiten mit seinem Vorgesetzen hervorhob und ihm Segenswünsche mit auf den Weg gab. Herr Dr. Winter dankte mit ergreifenden Worten, wobei er den ganzen Glanz seiner Beredsamkeit nochmals erstrahlen ließ, erörterte noch einmal seine religiösen und sittlichen Prinzipien und nahm nunmehr von der Gemeinde Abschied, für die er alle Zeit die besten Hoffnungen hege. Erst in vorgerückter Stunde schloss die harmonisch verlaufene Abschiedsfeier."      
  
Winter Rabbiner 015.jpg (79061 Byte)Links: Rabbiner Dr. David Alexander Winter (links mit Nr. 13 bezeichnet) mit den Schülerinnen und Schülern der Jüdischen Religionsschule in Lübeck. Quelle.   
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. November 1921:   

      
Ausschreibung der Rabbinerstelle (1921)  

Bad Homburg Israelit 06101921a.jpg (48243 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1921: "Rabbinerstelle 
in unserer Gemeinde ist baldmöglichst neu zu besetzen
Es wird besonders auf gute pädagogische Fähigkeiten Wert gelegt. Angebote mit Angabe der seitherigen Wirksamkeit und eventuellen Zeugnisabschriften werden an den Unterzeichneten erbeten. 
Bad Homburg v.d.H.  
im September 1921. 
Der Kultusvorstand, 
Braunschweig, 1. Vorsteher."   
    

  
Zum Tod der Witwe von Rabbiner Dr. Kottek (1928)   

Bad Homburg Israelit 13121928.jpg (146851 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1928: "Bad Homburg, 4. Dezember (1928). Am 28. Marcheschwan verstarb hier nach mehrwöchiger Krankheit die Witwe unseres unvergesslichen Raw, Frau Dr. Kottek. Einem echt jüdischen Hause entstammend, war es ihr ein leichtes, sich die idealen religiösen Bestrebungen ihres leider zu früh dahingegangenen Gatten zu Eigen zu machen. So wurde das Haus Kottek zu einer Stätte, die über ihren Türen in unsichtbarer und doch hell leuchtender Schrift die Worte trug: Tauroh (Tora), Awaudoh (Gottesdienst), Gmilus Chaßodim (Wohltätigkeit). – Als ihr vor 16 Jahren der treue Lebensgefährte so unerwartet entrissen wurde, da nahm Frau Dr. Kottek – sie ruhe in Frieden – in festem, unerschütterlichem Gottvertrauen den Kampf mit dem leben auf. Es galt, noch unversorgte Kinder zu betreuen. Die Schrecknisse des Krieges hatten auch sie nicht verschont. Ihre Söhne waren im Felde und der eine kehrte erst spät aus langer englischer Gefangenschaft zur Mutter zurück. Einen Schwiegersohn verlor sie durch den Tod, als Folge einer tückischen Krankheit. Bei alldem erhielt sie sich ihre Gottergebenheit… Und so blieb sie bis zu ihrem letzten Atemzuge. Bei der Beerdigungsfeier sprach im Hause der Schwiegersohn, Rabbiner Dr. Moses Auerbach, rührende Worte des Gedenkens und des Dankes auch im Namen aller Kinder. Auf dem Friedhofe gaben Rabbiner Dr. Wreschner und Rabbiner Dr. Wolf – Köln dem Schmerze über den Verlust für die Familie und für das Judentum beredten Ausdruck. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

      
      
Rabbiner Dr. Leopold Wreschner (Rabbiner in Homburg um 1925 bis 1935)  
  
Rabbiner Dr. Leopold Wreschner ist 1865 in Breslau geboren. Er war Enkel von Rabbiner Abraham-Abusch Wreschner (geb. um 1796 in Wrzesnia/Wreschen, gest. 1875 oder 1876 in Pobiedska/Pudewitz Prov. Posen). Leopold studierte am Berliner Rabbiner-Seminar und an der Berliner Universität. 1889 wurde er Rabbiner in Samter in Posen. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg (1921) war er gezwungen, Samter zu verlassen. Daraufhin unterrichtete er einige Jahre an Berliner Rabbiner-Seminar, bis er nach Bad Homburg als Rabbiner berufen wurde. Er starb 1935 in Bad Homburg.    
  
40-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Wreschner (1929)  

Bad Homburg Israelit 28021929.jpg (182349 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929: "Amtsjubiläum des Rabbiners Dr. Wreschner, Homburg.  Berlin, 23. Februar (1929). Am 15. März dieses Jahres kann Rabbiner Dr. Wreschner, Homburg v.d.H. sein 40-jähriges Amtsjubiläum begehen.   
Einem vorbildlich jüdischen Hause entstammend, als Enkel des zu einer besonderen Popularität gekommenen Rabbi Abusch Wreschner, der ein Schüler des Rabbi Akiba Eger war, und mütterlicherseits als Nachkomme der berühmten Rabbinerfamilie Falk, trägt er die Traditionen dieser Häuser bewusst durch seine Tage.   
In Breslau geboren und erzogen, zeugt heute noch der von ihm als Student im Jahre 1884 begründete Machsike Thora-Verein von seinem zielbewussten, jugendlichen jüdischen Streben. Nach Absolvierung seiner Studien am Berliner Rabbiner-Seminar und an der Berliner Universität, an der er mit der Arbeit ‚Samaritanische Traditionen’ promovierte, kam Dr. Wreschner mit 24 Jahren als Rabbiner nach Samter in Posen. Auch die Gemeinde Wronke und Obornik gehörten zu seinem Rabbinatsbezirk. Weit über die Grenzen seines Amtssitzes hinaus hat er seinen Namen getragen. Seine gründlichen talmudischen Kenntnisse und seine vertiefte Allgemeinbildung schufen ihm eine führende Stellung in den Kreisen seiner Kollegen, besonders der in den Posener Landen. So ist auch die Gründung der Vereinigung Posener Rabbiner seine Schöpfung. Bis zum Jahre 1920 war er deren Vorsitzender. Nur die gebieterische Notwendigkeit der eingetretenen politischen Verhältnisse konnte ihn im Jahre 1921 veranlassen, den ihm liebgewordenen Wirkungskreis, der seiner Arbeit und seiner Person so viel Schätzung und Verehrung entgegengebracht, zu verlassen. Nachdem Dr. Wreschner ein Jahr dann am Berliner Rabbiner-Seminar Kurse für Studierende und junge Kaufleute gehalten, nahm er eine ehrenvolle Berufung nach Homburg v.d.H. als Rabbiner an. Besonders verdienstvoll hat sich Dr. Wreschner literarisch dadurch erwiesen, dass er in seinem Buch über Rabbi Akiba Eger, das auch später in kleiner Umarbeitung in der Jugendbücherei erschien, diesem großen Posener Rabbiner ein erhabenes Denkmal gesetzt hat. Bedeutsam ist auch seine Arbeit über Diminutiv-Bildungen im Talmud im Jahrbuch der literarischen Gesellschaft.   
Möge es dem verehrten Jubilar vergönnt sein, an der Seite seiner hochgesinnten Gattin noch freudige Jahre zu schauen, und für Lehre und Leben des Judentums wirken zu können."
  
 
Bad Homburg Israelit 28031929.jpg (211245 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1929: "Bad Homburg v.d.H., 18. März (1929). Wie bereits mitgeteilt. Konnte unser verehrter Herr Rabbiner, Herr Dr. L. Wreschner, am 15. März auf seine 40-jährige Amtstätigkeit zurückblicken. Aus diesem Anlasse überbrachte ihm eine Deputation, bestehend aus dem Vorstand, den beamten der hiesigen Kultusgemeinde und dem Rabbiner Dr. Horowitz aus Frankfurt am Main unter Überreichung eines kostbaren Geschenkes die Glückwünsche der Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Horowitz, der eigens dazu hierher gekommen war, gratulierte im Namen des allgemeinen und im Auftrage des traditionell-gesetzestreuen Rabbinerverbandes, würdigte die hohen Verdienste des verehrten Kollegen, feierte ihn als einen aufrechten Führer in der heutigen deutschen Rabbinerwelt. Dankend wies unser verehrter Herr Rabbiner darauf hin, dass manches vom Gesagten in Abzug zu bringen sei, dass er es für eine selbstverständliche Pflicht gehalten, überall und jederzeit für Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit zu wirken. Die gottesdienstliche Feier in der festlich geschmückten Synagoge fand am Schabbat Paraschat Pekudei nach der Toralesung statt. Sie wurde eingeleitet durch den Psalm .., vorgetragen vom Kantor Herz und dem Chore. Anknüpfend an den Text dieses Psalms richtete der 1. Vorsteher, Herr Stadtrat Braunschweig, Worte der Anerkennung und des Dankes an den Gefeierten für sein so unermüdliches segensreiches Wirken in hiesiger Gemeinde, verband damit den Wunsch, dass es ihm vergönnt sein möge, mit Gottes Hilfe das 50-jährige Amtsjubiläum in solch körperlicher und geistiger Frische feiern zu können. Auf alle diese Ehrungen erwiderte der Jubilar in einer tief gefühlten und ergreifenden Predigt. Dank und Demut war das Thema seiner Ausführungen. Dank vor allem an Gott, dass er ihn und seine Gemahlin in Gesundheit diesen Tag erleben ließ, Dank dem Elternhause, das ihn in den Kindheitstagen in der Gotteslehre und Weltweisheit unterwiesen, dank der früheren und der jetzigen Gemeinde, die ihn den Boden finden ließ, die Saat der Gotteslehre ausstreuen zu können, dank all den Männern, die sein Wirken stützen und fördern halfen, insbesondere den Männern, die mit ihm täglich in der Gotteslehre forschen, und dank der Jugend, die sich empfänglich zeigt für seine Lehren. Der Vergleich seines Wirkens und des tatsächlich Erreichten mit dem Erstrebten legte dem Redner den Gedanken der Demut nahe, der Demut, die jeden hochstrebenden Menschen überkommt, wenn er Ideale und Leben gegenüberstellt. Sein demutsvolles Bekenntnis klang aus in der vertrauensvollen Kundgebung: ‚Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns. Ja, das Werk unserer Hände wollest du fördern’ (Psalm 90,17). Der Gesang Schalom Raw beschloss den festlichen Teil des Gottesdienstes. Von den vielen Ehrungen aus nah und fern seien insbesondere erwähnt die Glückwünsche der städtischen Behörden, der Geistlichen der anderen Konfessionen und der Schulbehörde.   Die an sich schlichte und eindrucksvolle Feier gestaltete sich zu einer ehrenvollen Kundgebung für die Persönlichkeit  des Jubilars und zu einer anerkennenden Würdigung seines Wirkens."    
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 15. März 1929:  "Homburg (Jubiläum). Am 15. März blickte Rabbiner Dr. Wreschner auf eine vierzigjährige Tätigkeit im Orte zurück. Bis zum Jahre 1921 war der Jubilar in der Provinz Posten tätig, um dann nach kurzem Wirken in Berlin die hiesige Rabbinerstelle zu übernehmen. Literarisch hat sich Dr. Wreschner durch eine interessante Biographie des R. Akiba Eger mit Erfolg versucht".       

 
70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Wreschner (1935)   

Bad Homburg Israelit 31011935.jpg (154405 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1935: "Rabbiner Dr. Wreschner 70 Jahre alt. Bad Homburg, 28. Januar (1935). Der ehrwürdige Rabbiner von Bad Homburg, Dr. Leopold Wreschner, konnte in diesen Tagen seinen siebzigsten Geburtstag feiern. Feiern nicht im wörtlichen Sinne, denn er ging an diesem Tage durch Abwesenheit von seiner Gemeinde allen Ehrungen aus dem Wege. So wollen auch wir uns nur auf die Wünsche für weitere segensvolle Gelehrtenarbeit beschränken. Herr Rabbiner Dr. Wreschner, aus dem Hildesheimer’schen Rabbinerseminar in Berlin hervorgegangen und als hervorragender Toragelehrter bekannt, amtierte einige Jahrzehnte in der damals noch blühenden Gemeinde Samter in der Provinz Posen, wo er sich größter Beliebtheit sowohl bei den Behörden wir auch bei der gesamten gemischten Bevölkerung über seine Gemeinde hinaus erfreute. Nach Abtrennung der Provinz Posen vom Reiche wirkte er vorübergehend auch als Dozent am Berliner Rabbinerseminar und kam dann nach Bad Homburg, wo er seitdem seine rabbinische Wirksamkeit zum Segen der Gemeinde ausübte und auch jetzt noch, obwohl offiziell im Ruhestand lebend, ausübt. Herr Rabbiner Dr. Wreschner hat sich auch literarisch auf verschiedenen Gebieten der jüdischen Wissenschaft mit gutem Erfolge betätigt. Eine populäre Biographie von Rabbi Akiba Eger, im Jüdischen Volksschriften-Verlag erschienen, erschließt das Leben dieses großen Meisters in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in all seiner Größe und auch in all seiner menschlichen Bedeutung und wird von Jung und Alt gern gelesen. Als vor kurzem das Homburger Rabbinerhaus durch plötzlichen Heimgang eines viel verheißenden Sohnes so hart betroffen wurde, war die Teilnahme mit der allverehrten Rabbinerfamilie allgemein.   Möge es Herrn Rabbiner Dr. Wreschner vergönnt sein, noch weiter in geistiger Frische und Gesundheit bei der Arbeit für Tora und Wahrheit zu bleiben. (Alles Gute) bis 120 Jahre."    

 
Zum Tod von Rabbiner Dr. Wreschner (1935)  

Bad Homburg Israelit 05091935.jpg (187036 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1935: "Rabbiner Dr. Leopold Wreschner – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Frankfurt am Main, 3. September (1935). Nach längerer Krankheit hauchte am jüngsten Sabbat in Frankfurt, wo er Genesung suchte, Rabbiner Dr. Wreschner, der Homburger Raw, seine reine Seele aus. Der deutsche Rabbinerstand, der in den letzten Jahren so manchen schweren Verlust erlitt, hat wiederum eine seiner ragendsten Persönlichkeiten verloren, das orthodoxe Judentum in Deutschland beweint einen Lehrer und Führer, in dem sich tiefe Gelehrsamkeit mit glühender Liebe zur Tora und Mizwohtat (= Erfüllung eines religiösen Gebotes), immenses Wissen auf allen Thora- und profanen Gebieten mit einer schöpferisch tätigen Menschenliebe so harmonisch verbanden, dass man allgemein, auch weit über seine Gemeinde hinaus, in höchster Verehrung zu ihm hinaufschaute. Ein Siebenziger, ging er von uns, aber in dieser Siebenzigzahl waren ‚alle gelebten Tage enthalten’. Ein Leben, reich an Arbeit und gesegnet mit Erfolgen, sank ins Grab; der Segen wird nachwirken für Generationen.    
Einer altehrwürdigen Rabbinerfamilie in der Provinz Posen entstammend, im Lande, das damals noch ganz befruchtet war vom Geiste eines Rabbi Akiba Eger – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, wuchs der Jüngling buchstäblich zu den Segnungen der Tora heran, zuerst vom Vater, dem als Talmid Chochom (Gelehrten) bekannten, erst vor wenigen Jahren mehr als  neunzigjährig heimgegangenen Wolf Wreschner – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – in die Hallen der Thora eingeführt. Unter der Führung von Rabbi Esriel Hildesheimer auf dem Berliner Rabbinerseminar bekam er dann seine Formung für sein späteres Leben und Lehren. Über dreißig Jahre wirkte er als Rabbiner in Samter, Provinz Posen, wo er ganze Generationen für Thora und positives Judentum großzog, wo er dem Gemeindeleben eine Prägung gab, die auch die späteren Umwälzungen nicht verwischen konnten, wo er Alt und Jung bei Schiurim und in Lernvereinen sammelte und vor allem seiner Gemeinde ein Leben in Gottesfurcht und Reinheit vorlebte, das allen nachahmenswert schien. Grenzenlos war die Verehrung, die auch die anderen Konfessionen dem jüdischen Rabbi und dem liebevollen Menschen entgegenbrachten.   
Als der Kriegssturm über das Posensche Land fuhr und die große Umwälzung brachte, verließ Rabbiner Dr. Wreschner, wie viele andere seiner Amts-    
   
Bad Homburg Israelit 05091935a.jpg (218475 Byte)brüder, die geliebte Heimat. In Berlin konnte er sich eine Zeitlang mit bestem Erfolge an seiner geistigen Nährstätte, am Rabbinerseminar als Dozent für Talmud und hebräische Grammatik, die zu seinen Lieblingsfächern gehörte, betätigen. Er bezog dann seinen neuen Wirkungskreis in Homburg v.d.H., wo es ihm schon in kurzer Zeit gelang, sich alle Herzen zu gewinnen, und wo er, verehrt und geachtet von allen, von der Schönheit der Taunusstadt umgeben, sich in aller Ruhe seinen wissenschaftlichen Studien hingeben konnte. Mehrere Abhandlungen in verschiedenen Jahrbüchern sind aus dieser Zeit der stillen emsigen Arbeit entstanden. Bekannt und viel gelesen, besonders auch von der Jugend ist seine Rabbi Akiba Eger-Biographie (Jüdischer Volksschriften-Verlag, die bei aller wissenschaftlichen Gründlichkeit durch die edle Volkstümlichkeit im Tone rasch ein Buch für alle geworden ist. Seine Homburger Zeit brachte ihn auch Frankfurt nahe, mit dem ihn auch verwandtschaftliche Beziehung eng verbanden (zu den Trauernden gehört sein Bruder, Herr Leo Wreschner, Frankfurt am Main) und die Frankfurter, zumal im Kreise der Israelitischen Religionsgesellschaft, sahen längst im verehrten Rabbiner der Nachbargemeinde den ihrigen. Dass sie es mit Fug und Recht durften, bewies auch sein letzter Wille, auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main seine letzte Ruhestätte zu finden.  
Die Bestattung am Montagvormittag gestaltete sich durch die gewaltige Beteiligung und die zahlreichen Reden zu einer überaus wirksamen und ehrenvollen Trauerkundgebung. In Vertretung des durch einen Krankheitsfall verhinderten Herrn Gemeinderabbiners sprach als erster, Dajan Dr. E. Posen, der in Anknüpfung an einen Satz des Toraabschnittes das Charakterbild des Heimgegangenen kurz zeichnete und die letzten verehrungsvollen Grüße des Herrn Gemeinderabbiners wie der Gemeinde der Israelitischen Religionsgesellschaft überbrachte. Rechtsanwalt Dr. Schlesinger schloss sich als Neffe mit warmen Worten der Dankbarkeit und der Verehrung an. Es sprachen dann nacheinander die drei Schwiegersöhne des Heimgegangenen, die Herren Rabbiner Dr. Jakobovits, Dr. Singermann, Berlin und Dr. Ephraim, Kissingen, die alle ergreifende Töne der Klage um den geliebten Vater anschlugen und ehrende Worte des Dankes für die Familie fanden. Der letzte große Schmerz des Dahingeschiedenen war der jähe Verlust eines geliebten Sohnes, der im Leben bereits etwas galt, und die Redner schilderten, mit welcher Seelengröße der Vater diesen schweren Schlag trug.
Bad Homburg Israelit 05091935b.jpg (73853 Byte)Mit tränenerstickter Stimme sprach auch der jüngere Sohn, der zurzeit in Montreux lernt, den Dank an den Vater aus. Die Grüße des Berliner Rabbinerseminars und des Gesetzestreuen Rabbinerverbandes überbrachte in markanten und geistvollen Worten Herr Rabbiner Dr. Alexander Altmann, Berlin. Zuletzt sprachen noch die Herren Vorsteher Dr. Wertheimer und Kantor Herz den Dank der Gemeinde Homburg an ihren geliebten Lehrer und väterlichen Führer aus, wobei noch mancher charakteristische Zug aus Leben und Charakter des dahingegangenen Zaddik die Hörer aufs tiefste ergriff.   Der Name von Rabbiner Dr. Wreschner wird auch in Frankfurt unvergesslich bleiben. Möge sein Verdienst seiner Familie und seiner Gemeinde beistehen und uns allen ein Jahr der Erlösung und der Hilfe bewirken."
   
Bad Homburg Israelit 05091935c.jpg (105361 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1935: "In der Frühe des Schabbat Schofetim wurde zu unserem größtem Schmerze unser allverehrter Rabbiner Herr Dr. Leopold Wreschner – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – nach kurzem Kranksein aus dieser Zeitlichkeit abberufen. Durchglüht von reinem Feuer innigster jüdischer Gläubigkeit und Frömmigkeit ward ihm alles Denken und Froschen zum Gottsuchen, alles Tun und Wirken zum Gottdienen. Aus dieser höchsten Lebensauffassung floss seine vorbildliche Pflichttreue, seine unermüdliche Hilfswilligkeit und seine, bei einem unvergleichlich reichen Wissen, fast übergroße Bescheidenheit, aber auch seine unbeugsame Energie und seine bis zur Selbsthingabe gesteigerte Opferfreudigkeit überall da, wo es galt beizutragen zur höheren Ehre Gottes und zur Heiligung Seines großen namens.   Unser großer Rabbiner, ein vortrefflicher Talmid-Chochom, hat seine – die Lehre Moses selbst gelebt mit allen Fasern seines Herzens; sie war in jedem Hauch seines Geistes lebendig, sie sprach aus jedem Worte seines Mundes. So wird sein Andenken weiterwirken, beispielgebend und Nacheiferung weckend, in den dankbaren Herzen der Mitglieder unserer Gemeinde und seiner Schüler zum Segen von Klall Israel (Gesamtheit von Israel). In tiefster Trauer: Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Bad Homburg v.d. Höhe. Bad Homburg v.d.Höhe, 4. Elul  / 2. September 1935".   

   
  
  
  
Zur Geschichte der jüdischen Lehrer und anderer Kultusbeamten   
Anschel Stern wird als Religionslehrer und Prediger angestellt (1848)
  

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 14. März 1848: "Ende Februar (1848). Wie wir vernehmen, hat die israelitische Gemeinde Homburg v. der Höhe den jüdischen Theologen Herrn A. Stern aus Kurhessen als ihren Religionslehrer und Prediger angestellt. Derselbe hat sein rabbinisches Wissen an den bekannten Talmudschulen zu Würzburg und Schwabach, sowie seine allgemein wissenschaftliche Bildung an der Universität Würzburg erworben, und man ist schon durch den Namen dieser berühmten Anstalten zu den schönsten Erwartungen berechtigt. Denn wie einst aus der Jeschiwa des hochgelehrten seligen Oberrabbiners Herrn Abraham Bing die gebildetsten, in Religiosität und talmudischer Wissenschaft gleichmäßig ausgezeichneten Rabbiner hervorgingen, so kommen auch jetzt gründlich unterrichtete und vollkommen gewandte junge Männer aus erwähnten rabbinischen Schulen, und man kann denjenigen Gemeinden Glück wünschen, welche ihre religiösen Ämter mit Männern, von den diesen Anstalten präsidierenden Rabbinern empfohlen, besetzen. Dass unwürdige Kandidaten von solchen Autoritäten nicht rekommandiert werden, würfen wir mit Gewissheit erwarten, und es hat die die Erfahrung schon bestätigt."     

       
Lehrer (und Rabbiner) Anschel Stern hält seine Abschiedsrede (1851)   

Bad Homburg Zionswaechter 04071851.jpg (96634 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Zionswächter" vom 4. Juli 1851: "Hessen-Homburg. Am jüngsten Schabbat hielt unser bisheriger Religionslehrer und Prediger, ihr jetzt erwählter Oberrabbiner Stern seine Abschiedsrede hieselbst. Unsere kleine Synagoge war nach allen Seiten hin angefüllt, und die geistlichen und weltliche Staatsbehörden ebenfalls vertreten. Als der Redner in bewegter Sprache ein Bild seines vierjährigen Wirkens unter uns entwarf, als er des neuen Wirkungskreises gedachte, zu dem er berufen, und in Rücksicht auf die höheren Anforderungen, die jetzt an ihm gestellt, nur im himmlischen Beistande Kraft und Beruhigung finden konnte, da blieb kein Auge tränenleer, kein Herz ungerührt. Möge der Segen des Himmels dem Scheidenden in reicher Fülle stets und überall zuteil werden!"     

  
Dr. Seligmann Fromm wird zum Nachfolger von Lehrer A. Stern bestimmt (1851)   

Bad Homburg Zionswaechter 29081851.jpg (137423 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Zionswächter" vom 29. August 1851: "Homburg v.d.H., 20. August (1851). Wie Ihnen bekannt, wurde unser hochwürdiger Prediger, A. Stern, zum Oberrabbiner in Hamburg ernannt. Dank unsern würdigen Vorstehern, dass sie alsbald auf schleunige Besetzung dieser Stelle bedacht waren. Sie wandten sich deshalb an den Rabbinatskandidaten, Herrn S. Fromm, aus Bayern, bis jetzt Hauslehrer in einem der angesehensten Häuser Karlsruhes, empfohlen durch ausgezeichnete Kenntnisse, verbunden mit wahrer Religiosität, wie nicht minder durch trefflichen Charakter. Derselbe wurde daher eingeladen, zu Schabbat Nachamu dahier seine Probepredigt abzuhalten. Diese Predigt, in fließender, bilderreicher Sprache, durchweht vom wahren Geiste unserer heiligen Religion, vorgetragen mit kräftiger, klangvoller Stimme, konnte ihre Wirkung nicht verfehlen. Unter den zahlreich sich eingefundenen Zuhörern der Gemeinde, sowie unter den vielen anwesenden Badegästen, war nur eine Stimme des ungeteiltesten Befalls. Noch an demselben Abende versammelten sich daher unsere Vorsteher und einstimmig übertrugen sie Herrn Fromm definitiv die hiesige Predigerstelle.   Er herrscht über diese Ernennung in unserer Gemeinde die allgemeinste Freude, und wir sehen getrost der Zukunft entgegen, nachdem wir die Leitung unserer religiösen Verhältnisse in solch würdige Hände niedergelegt wissen."     

  
Ausschreibung der Stelle des Vorsängers und Schochet (1855)  

Homburg vdH Jeschurun 011855.jpg (44114 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Jeschurun" Januar 1855: "Die hiesige israelitische Religions-Gemeinde sucht einen musikalisch gebildeten Vorsänger, der gleichzeitig den Schächterdienst zu versehen hat. Diejenigen, welche auf diese Stelle reflektieren, wollen sich unter Beifügung von Zeugnissen über ihre bisherigen Leistungen und ihren streng religiösen Lebenswandel innerhalb 4 Wochen an den unterzeichneten Vorstand in frankierten Briefen wenden. Die Stelle gewährt ein Einkommen von 800 bis 900 Gulden.
Homburg v.d.H., den 21. November 1854. Der israelitische Kultus-Vorstand." 

  
Sprachlehrer Jos. Rapp sucht einen Lehrer für sein kaufmännisches Knaben-Institut (1855)   

Bad Homburg AZJ 01101855.jpg (50537 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1855: "Bad Homburg. Die Ausdehnung meines kaufmännischen Knaben-Instituts allhier, erheischt die Anstellung eines gut geschulten israelitischen jungen Lehrers, welcher folgende Fächer gründlichst besitzt: "Tanach (Bibel) nach Regeln der hebräischen Sprache, deutsche Sprache und Literatur, jüdische und Weltgeschichte mit Geographie, Zeichnen und Schönschreiben, auch wäre Gesang-Unterricht erwünscht. Bei angenehmer sozialer Stellung wird 200 Gulden mit ganz freier Station zugesichert. Befähigte belieben sich – P.P. – zu wenden an Jos. Rapp, Sprachlehrer."      

  
Ausschreibungen der Stelle des Schochet und Hilfslehrers / -kantors (1876 / 1877 / 1889 / 1892)   

Bad Homburg Israelit 13121876.jpg (53135 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1876:    
 
Bad Homburg Israelit 07021877.jpg (54688 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1877:  
   
Homburg vdH Israelit 10011889.jpg (30628 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1889: "Es ist in hiesiger israelitischer Gemeinde zum 10. März 1889 die Stelle eines tüchtiger Schochets, der auch die Befähigung eines Elementar-Religionslehrers besitzt, mit einem Einkommen von 1500 Mark pro Jahr zu besetzen. Es werden nur solche Bewerber berücksichtigt, denen bewährte Zeugnisse, sowohl hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, als auch hinsichtlich ihrer strengen Religiosität zur Seite stehen. Reflektanten belieben sich an den Unterzeichneten zu wenden. 
Homburg v.d. Höhe, 6. Januar 1889. W. Ackermann, I. Vorsitzender".  
 
Bad Homburg Israelit 12121889.jpg (67604 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1889:    
 
Bad Homburg Israelit 12051892.jpg (83813 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1892:    

   
70. Geburtstag des Kantors Adolf Braunschweig (1895)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juni 1895: "Homburg, 3. Juni (1895). Am 30. Mai war der 70. Geburtstag des Kantors der israelitischen Gemeinde Herrn Adolf Braunschweig, der zugleich auch die 40-jährige Amtstätigkeit desselben bedeutet. Aus diesem Anlass begab sich vormittags eine Deputation zu demselben, an ihrer Spitze Herr Rabbiner Dr. Kottek, der eine beredte Ansprache an den Jubilar hielt und ihm ein hebräisches Ehren-Diplom überreichte. Die anderen Mitglieder überbrachten schöne, wertvolle Geschenke namens der Gemeinde und die Glückwünsche und den Dank derselben. Der Jubilar war tief gerührt und versprach, in gleicher Weise wie seither nach besten Kräften fortwirken zu wollen."    

   
Auszeichnung für Kantor Adolf Braunschweig (1897)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Dezember 1897:      

  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Dezember 1897:    


Ausschreibung der Stelle des Synagogendieners (1901)  

Bad Homburg vdH Israelit 18031901.jpg (47151 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom18. März 1901:     

   
Todesanzeige für den Kantor Abraham Braunschweig (1907)     

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. Januar 1907:    

 
Silberne Hochzeit von Lehrer Goldschmidt (1921)   

Bad Homburg Israelit 16061921.jpg (43410 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1921:   

    
25-jähriges Amtsjubiläum von Kantor Moses Herz (1923)  

Bad Homburg Israelit 25011923.jpg (18195 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25, Januar 1923:    
Bad Homburg Israelit 22031923.jpg (146062 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1936:    

       
60. Geburtstag von Oberkantor und Lehrer M. Herz (1933)   

Bad Homburg Israelit 30111933.jpg (52466 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1933:    


50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Goldschmidt (1933)  

Bad Homburg Israelit 16111933.jpg (64804 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1933:    

        
Zum Tod von Lehrer Leopold Goldschmidt (1936)   

Bad Homburg Israelit 05031936.jpg (58654 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1936:     

  
40-jähriges Amtsjubiläum von Oberkantor und Lehrer Moses Herz (1938)  

Bad Homburg Israelit 22091938.jpg (152920 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1938: "Ein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Bad Homburg, 21. September (1938). Herr Oberkantor und Lehrer Moses Herz in Bad Homburg sieht auf eine vierzigjährige Amtstätigkeit zurück. Herr Herz ist der Typus eines Lehrers, der in seinem Amte nicht einen Beruf, sondern eine Berufung erblickt, und so konnte er sich im laufe der Jahre zum wahren geistigen Führer seiner Gemeinde entwickeln. Auch den Frankfurtern, die gelegentlich den lieblichen Badeort besuchen, ist es bekannt, mit welcher Würde und Korrektheit Herr Herz seinen Dienst als Vorbeter und Baal Kore (Vorleser) verrichtet. Er hat in den 40 Jahren seiner Wirksamkeit Generationen großgezogen, die  die von ihm erhaltene Lehre auch in weiter Ferne nicht verleugnen werden. Herr Herz, im Besitze reichen Torawissens und ausgezeichnet von der Krone tiefer Frömmigkeit und warmer Menschenliebe, genoss, solange bedeutende Rabbiner an der Spitze der Gemeinde standen, das volle Vertrauen und die intime Freundschaft seiner rabbinischen Vorgesetzten  und übt, seitdem die Gemeinde im Drange der Zeit auf eine Neubesetzung des Rabbinates verzichten musste, selbst mit guter Sachkenntnis die kleineren rabbinischen Funktionen aus. Auch einen Gemoroschiur leitet er seit vielen Jahren, bei dem sich die wenigen Talmudkundigen in der Gemeinde heute noch an bestimmten Abenden finden. Er hat in allen anderen Gremien der jüdischen Gemeinde das führende Wort und steht mit väterlicher Hingabe jedem Einzelnen seiner Gemeinde in schwerer Zeit zur Seite. Alle Gemeindeglieder, aber auch ein großer Freundeskreis über seine Gemeinde hinauf finden sich in dem Wunsche, dass es dem treuen Lehrer vergönnt sein möge, an der Seite der gleichgearteten Gattin und im Kreise seiner Kinder noch lange Jahre in ungeschwächter Kraft seine segensvolle Tätigkeit fortzusetzen. (Alles Gute) bis 120 Jahre."        

   

   

   

   

   

   

   

   

 

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Stand: 14. Februar 2014