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Udenheim (VG
Wörrstadt, Kreis
Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Udenheim bestand zeitweise eine kleine jüdische
Gemeinde bis um 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts
zurück.
Ende des 17. Jahrhunderts lebten drei jüdische Familien in Udenheim. Aus dem 18.
Jahrhundert liegt von 1724 ein Verzeichnis der jüdischen Familien in
Udenheim vor. Damals lebten vier Ehepaare mit zusammen sechs Kindern am Ort.
Genannt werden die Juden Michel, Nathan, Moses und Itzig. Aus dem weiteren
Verlauf des 18. Jahrhunderts gibt es nur wenige Nachrichten über die Juden in
Udenheim, darunter: 1785 ertrank ein jüdischer Einwohner im
Backhaus-Brunnen.
Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gehörten die in Udenheim lebenden jüdischen
Einwohner zur Gemeinde in Schornsheim.
Daher wurden bis 1821 die Familienregister für beide Orte zusammen geführt.
Im 19./20. Jahrhundert lebten jüdische Familien in verschiedenen Häusern
des Ortes. In einer Übersicht im Beitrag von Wolfhard Klein (siehe Literatur)
werden 63 Häuser im Ort genannt, in denen zumindest zeitweise eine oder mehrere
jüdische Familien lebten. Genannt werden seit der Annahme jüdischer
Familiennamen 1808 in Udenheim die Familien Adler, Edinger, Gabriel, Kahn,
Klein, Metzger, Michel, Rindskopf, Schwarz, Simon, Straus, Süßkind (Nennungen
teilweise erst vorübergehend nach 1808, teilweise auf Grund von
Eheschließungen/Zuzug von anderen Orten).
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie
folgt: 1864 44 jüdische Einwohner (von insgesamt 746). Die jüdischen Männer
waren als Händler tätig, mit Landesprodukten (Wein, Hopfen, Lebensmittel),
Pferden, Eisenwaren u.a.m. Es gab jedoch auch jüdische Handwerker
(Metzgermeister, Färber, Seifensieder, Spengler).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.) und eine Religionsschule
(Klassenraum für den Religionsunterricht in einem noch erhaltenen Gebäude in der
Schlossstraße). Zur Besorgung religiöser Aufgaben war zeitweise ein Lehrer
am Ort, der zugleich als Vorbeter tätig war. Genannt wird als Lehrer Samuel
Adler, als Vorbeter Nathan Kahn und Isak Kahn. Von 1879 bis 1882 und von 1911
bis 1931 war von Schornsheim, im zweiten
Zeitraum von Hechtsheim aus Lehrer
Markus Kahn für den Unterricht und die Schechitah (Schächten) in Udenheim
zuständig.
Die in
Udenheim verstorbenen jüdischen Personen wurden im
jüdischen Friedhof in Schornsheim
beigesetzt.
Eine Übersicht aller in Udenheim
feststellbaren jüdischen Personen findet sich im Beitrag von Wolfhard Klein (s.u.).
Bis um 1900 waren bereits die meisten jüdischen Einwohner weggezogen oder
verstorben. Damals lebten in Udenheim noch die Familie Samuel Kahn II mit Frau Amalie und
den Kindern Karolina und Wilhelmine, außerdem Jonas Kahn und Frau Martha, sowie
Karolina und Rudolf Strauß.
Die letzte jüdische Einwohnerin war Katharina Edinger geb.
Kahn, die mit Textilien handelte (siehe nächster Abschnitt).
Von den in Udenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):
Katharina Edinger geb. Kahn (geb. 24. September 1874 in Udenheim, 1903
verheiratete in Mainz mit Moses Edinger und wohnhaft in Mainz, kam nach dem Tod
ihres Mannes nach Udenheim zurück. Deportation ab Darmstadt am 27. September
1942 in das Ghetto Theresienstadt, wo sie am 5. März 1944 umgekommen ist). Auch
ihre in Mainz in der Boppstraße 46 lebende Tochter Erna wurde 1942 deportiert
und im Vernichtungslager Treblinka ermordet.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Die "historischen Erzählungen" von
Arthur Kahn (1850-1928)
Anmerkung: Arthur Kahn ist am 5. September 1850 in
Groß-Gerau geboren. Er studierte Medizin
in Berlin (Abschluss mit Promotion zum Dr. med.). Er heiratete Hedwig geb.
Schmuhl, mit der er drei Söhne hatte. Arthur Kahn war mit seiner Familie mehrere
Jahre in den USA, kehrte jedoch 1895 nach Deutschland zurück und lebte in Bonn,
dann in Berlin. Er war schriftstellerisch tätig und sammelte Geschichten
insbesondere aus kleinen jüdischen Gemeinden am Rhein. Diese Geschichten wurden
in jüdischen Zeitschriften veröffentlicht.
In mehreren Erzählungen spielen Partenheim und umliegende Orte wie Udenheim eine besondere
Rolle.
Weitere Informationen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Kahn
Lutz
Koepke: Ich
spaziere zuweilen von Niedersaulheim nach Mainz. Johannes Neeb und Arthur
Kahn: ein rheinhessisches Lesebuch. Ahrensburg 2024. ISBN 978-3-384-26949-2
.
Buch kann heruntergeladen werden von
https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/aufsaetze/koepke-lutz/koepke-ich-spaziere-zuweilen-von-niedersaulheim-nach-mainz.html
bzw. hier
eingestellt als pdf-Datei.
Zum Buchautor Lutz Köpke:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lutz_Köpke |
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| Historische Erzählung "Die Dorfseele":
mehrfach genannt wird Udenheim und der Hofjude Nathan Kahn von Udenheim
|
Beginn der historischen Erzählung "Die Dorfseele - Historische Erzählung
aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Von Arthur Kahn" in:
"Sabbat-Stunden" - Illustrierte Feuilleton-Beilage der 'Jüdischen Presse'
1902 Nr. 40: "In meinem Zimmer hängt ein kleines Bildnis. welches vor
nunmehr hundert Jahren in den Besitz meiner Vorfahren gelangte. Es ist ein
Aquarell und stellt eine junge Dame dar mit mächtig hoher, weißgepuderter
Haarfrisur, ein Gesichtchen von stiller, vornehmer Schönheit: die letzte
Gräfin von Waldbrunn oder Walbrunn auf Schloss Walbrunn zu Partenheim.
Dort wohnten meine Vorfahren als 'Hofjuden oder Hoffaktoren' der Grafen von
Walbrunn, wie auch der Grafen von Ingelheim.
Die Beziehungen zwischen den Schlossherren und ihren Hofjuden müssen, nach
einigen Briefen und Dokumenten, weiche bis vor wenigen Jahren noch vorhanden
waren, zu schließen, die denkbar besten gewesen sein. In ganz besonderer
Gunst stand bei den Herren von Walbrunn mein Urgroßvater, Löw Partenheim
genannt.
Zu der Zeit, in der unsere Erzählung beginnt, hatten die wenigsten Juden
einen Familiennamen. Sie setzten zu ihrem Vornamen gewöhnlich den Namen
ihres Geburtsortes, den ihre Nachkommen dann als Familienbezeichnung
beibehielten. Als Zeichen ihrer Huld verliehen die Herren von Walbrunn ihrem
Hoffaktor als Privilegium de non appellando im Jahre 1784 den
Familiennamen 'Hirsch', ein Jahr später die Herren von
Dalheim und
Sörgenloch ihrem Hofjuden Nathan zu
Udenheim den Familiennamen 'Kahn'. Und auf besondere Verwendung der am Hofe
zu Darmstadt viel verkehrenden Herren durften die Hofjuden Hirsch in
Partenheim und Kahn in Udenheim Grundbesitz erwerben, was bisher keinem ihrer
Glaubensgenossen im Landgrafentum Hessen gestattet war. Obwohl nun beide
Familien ihre wirklichen Eigennamen auf einem Dokument verbrieft besaßen,
hörten weder Bauern noch Juden auf, den einen meiner Vorfahren und auch
dessen Sohn nach seinem Wohnort Nathan und Aron Udenheim, den anderen, den
Hofjuden, Löw Partenheim zu nennen. Diese Gepflogenheit ist unter den Juden
übrigens so tief eingewurzelt, dass sie selbst heute noch an vielen Orten
gang und gäbe ist und der Träger eines Familiennamens wie Meyer, Stein, Kallmann etc. öfters als Joseph Sprendlinger, Simon Ingelheim oder Susmann
Worms weiter bekannt ist.
Löw Partenheim, der Hofjude, war viele Meilen im Umkreis wegen seiner
bevorzugten Stellung bei den Grafen, wie wegen seines Reichtums und seiner
an Verschwendung grenzenden Wohltätigkeit allverehrt. Sein an Ansehen und
Besitz in gleichem Glanze stehender Freund Aron Kahn war ihm nur an
Gelehrsamkeit und Frömmigkeit überlegen. Doch besaß Löw Partenheim außer
seinem Reichtum ein Kleinod, das dereinst die beiden so hoch angesehenen
Männer noch näher zusammenbringen sollte: die älteste Tochter, die Bepp (Anm.:
Bertha). deren blendende Schönheit einen wahren Sagenkreis um sie wob.
Die Juden der Umgegend pflegten zu sagen, seit Esther, der Gemahlin des
Perserkönigs Ahasverus, und Esterka, der Gattin des Polenkönigs Casimir,
habe es kein so schönes Judenmädchen gegeben, wie Löw Partenheim's Bepp.
Mein Großvater, dessen Schwester sie war, geriet ordentlich in Exstase, wenn
er auf sie zu sprechen kam. 'Sie war wie aus Marmor, mit braunen Haaren und
blauen Augen', pflegte er zu sagen, 'und das Gesicht wie Purpur auf Marmor
gepinselt'. Der Großvater, der sich gerne in poetischen Wendungen
ausdrückte, meinte, das Hohelied habe ganz auf die Bepp gepasst. 'So schön,
wie sie war, so schön und klug ist sie gewesen', fuhr er dann fort, 'sie war
zu schön und zu vollkommen für diese Erde. Kein Wunder, dass die
Herrschaften im Schloss sie so liebten.
Sie ist mit dem Schlossfräulein zusammen erzogen worden..."
Fortsetzung siehe eingestellte pdf-Datei mit den
Artikeln aus der Zeitschrift "Sabbat-Stunden" 1902-1903. |
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| Historische Erzählung "Die ewige Braut";
genannt wird mehrfach der Hofjude Nathan Kahn von Udenheim
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Abschnitt
aus der Erzählung, abgedruckt im "Israelitischen Familienblatt" vom 24.
November 1911: "...Zu der Zeit, in der unsere Erzählung beginnt, hatten noch
viele Juden keinen eigentlichen Familiennamen. Sie setzten zu ihrem Rufnamen
meist noch den Namen ihres Geburts- oder Wohnortes hinzu und wurden zu
diesem einfachen Verfahren auch noch dadurch bestimmt, dass ihre
Glaubensgenossen ohnehin von jeher sich so unter sich kenntlich machten. So
hieß, bevor die Grafen und Freiherren von Wallbrunn als Zeichen ihrer
besonderen Huld ihrem Hofjuden (Hoffaktor), meinem Urgroßvater, den Namen
'Hirsch' verliehen, dieser in der ganzen Gegend Löw Partenheim. In einem
Pergamentdiplom mit vielfach verschnörkelter aber kalligraphisch
meisterhafter Schrift war auch meinem Urgroßvater väterlicherseits, dem
Hofjuden Nathan zu Udenheim als 'Privilegium de non appellando' im Jahre
1779 von den Herren von Dahlheim und Sörgenloch gnädigst verstattet worden,
den Flamen 'Kahn' zu führen. Zugleich war mit diesem Privilegium dem
Hoffaktor und seiner Familie auf ewige Zeiten das Recht verliehen worden,
Grundbesitz in 'jedweglicher Form' zu erwerben und zu besitzen. Trotz dieser
Namensverleihung blieb es bei den Juden und Bauern in der Benennung beim
Alten. Meine Vorfahren hießen auch weiterhin Löw Partenheim und Nathan
Udenheim und bis auf den heutigen Tag ist es auf dem Lande in den
süddeutschen Staaten so geblieben, dass man die Männer nach ihrem Vornamen
und Wohnungsdomizil und nur selten mit ihrem Familiennamen ruft. Nathchen
Weisenau, Mosche Mombach, Leibchen Bing, Manche Poppelsdorf und viele
ähnliche Namen sind auch heute noch den Leuten geläufiger als die wirklichen
Familiennamen. Löw Partenheim, der Hofjude der Wallbrunn und Ingelheim, war
viele Meilen im Umkreis wegen seiner bevorzugten Stellung bei dem Grafen wie
wegen seines Reichtums und seiner an Verschwendung grenzenden Wohltätigkeit
wohl verehrt. Sein an Ansehen und Besitz in gleichem Range stehender Freund
Aron Udenheim, Kahn, war ihm nur an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit
überlegen. Doch besaß Löw Partenheim außer seinem Reichtum ein Kleinod, das
dereinst die beiden so hoch angesehenen Männer noch näher zusammenbringen
sollte, die älteste Tochter, die Bepp (Bertha), deren unvergleichliche
Schönheit einen wahren Sagenkreis um sich wob. Die Juden der Umgebung
pflegten zu sagen, seit Esther, der Gemahlin des Perserkönigs Ahasveros, und
Esterka, der Gattin des Polenkönigs Kasimir, habe es kein so schönes
Judenmädchen gegeben, wie Löw Partenheim's Bepp. Mein Großvater, dessen
Schwester sie war, geriet förmlich in Ekstase, wenn er auf sie zu sprechen
kam. 'Sie war wie aus Alabaster' pflegte er zu sagen, 'mit braunen Haaren
und blauen Augen, und das Gesicht wie Purpur auf Marmor gepinselt.' Der
Großvater, der sich gerne in poetischen Wendungen ausdrückte, meinte, das
hohe Lied habe ganz auf die Bepp gepasst. 'Sie war zu schön und zu
vollkommen für diese Erde. Kein Wunder, dass die Herrschaften im Schloss sie
so liebten. Sie ist mit dem Schlossfräulein zusammen erzogen worden, und
wenn diese beiden Mädchen durch's Dorf gingen, wurden sie immer von neuem
bewundert."
Das oben erwähnte kleine Bildchen, welches die junge Gräfin vorstellte,
wurde der Bepp zu ihrem Geburtstage von ihrer vornehmen Freundin geschenkt
und verblieb seitdem in unserer Familie...."
Fortsetzung siehe eingestellte pdf-Datei mit den
16 Folgen des Romans in der Zeitschrift "Israelitisches Familienblatt"
1911-1912 |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Bei Auftritten in Udenheim und Ober-Olm missfällt der Essenheimer Gesangverein
"Germania" mit einem antisemitischen Beitrag (1879)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1879: "Ober-Olm, 16.
Juni. Dem 'Mainzer Tagblatt' wird von hier geschrieben: Am gestrigen Tage
fand hier das vom hiesigen Quartett-Vereine veranstaltete Gesangfest statt,
an welchem sich auch der Gesangverein 'Germania' von
Essenheim beteiligte. Zu unserem
größten Bedauern müssen wir hier konstatieren, dass dieser letztere durch
den Vortrag eines Liedes 'Die Judenschule' die heiligsten Gefühle der
israelitischen und auch vieler christlichen Zuhörer verletzt hat. Es wurden
Synagogen-Gesänge profaniert und hebräische Worte, die in der deutschen
Übersetzung lauten: 'Gelobt seiest Du, o Herr!' endlos ins Lächerliche
gezogen. Da dasselbe Lied bereits vor vierzehn Tagen in Udenheim von
demselben Gesangverein vorgetragen wurde, so halten wir es für unsere
Pflicht, die Leiter der 'Germania' auf das mehr als Unpassende derartiger
Leistungen aufmerksam zu machen. Wir ziehen es vor, vorläufig auf diesem
Wege Abhilfe zu erbitten." |
Lehrer Markus Kahn feiert seinen 70. Geburtstag (1931)
Anmerkung:
Markus Kahn ist am 18. Januar 1861 in
Westerburg geboren, besuchte 1874 bis 1876 die Präparandenschule in
Höchberg, dann bis 1879 das
israelitische Lehrerseminar in Würzburg. Nach
Abschluss der Ausbildung war er von 1879 bis 1882 Lehrer in
Schornsheim (mit
Niedersaulheim und Udenheim), 1882 Lehrer in Flonheim,
anschließend Lehrer in Rimbach, dann
Külsheim; von 1899 bis 1911 Lehrer in
Bernkastel, und von 1911 bis 1931 Lehrer
in Hechtsheim.
von Hechtsheim aus war er auch für den
Unterricht und die Schechitah (Schächten) in Udenheim zuständig.
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen
Religionsgemeinden in Hessen" Nr. 1 1931: "Hechtsheim (in
Rheinhessen). Am 18. Januar 1931 kann Herr Lehrer M. Kahn, der seit 20
Jahren in der hiesigen Gemeinde als Lehrer, Vorbeter und Schochet tätig ist,
seinen 70. Geburtstag feiern. Herr Kahn ist am 18. Januar 1861 in
Westerburg, Provinz Hessen Nassau,
geboren, fand als dreizehnjähriger Jüngling Aufnahme in der israelitischen
Präparandenschule zu Höchberg bei
Würzburg und trat nach zweieinhalbjähriger Vorbildung in dieser
Präparandie in das Israelitische Lehrerseminar
in Würzburg ein. Als er im Jahre 1879 diese Lehrerbildungsanstalt
verließ, fand er sofort Anstellung in der damals starken israelitischen
Gemeinde Schornsheim, Rabbinatsbezirk
Alzey. Von hier aus erteilte er auch den Religionsunterricht in
Nieder-Saulheim und
Udenheim. Nach drei Jahren siedelte
er nach Flonheim bei Alzey über und fand
dann eine umfangreiche Tätigkeit in Rimbach
im Odenwald. Nach sechsjähriger Tätigkeit in dieser Gemeinde fand er eine
Anstellung in Külsheim, Rabbinat
Mosbach in Baden. Nach einer weiteren Amtstätigkeit von zwölfeinhalb Jahren
in Bernkastel an der Mosel wurde Herr
Kahn, wie oben erwähnt nach Hechtsheim berufen. Neben seinen
Hechtsheimer Obliegenheiten versieht Herr Kahn auch die Unterrichts- und
Schächter-Tätigkeit in Ebersheim-Harxheim,
Hahnheim,
Bodenheim,
Udenheim und
Schornsheim. Seit über 50 Jahren ist
so Herr Lehrer Kahn im Dienste jüdischer Gemeinden tätig, hat hunderte von
jüdischen Kindern in den Lehren des Judentums unterwiesen, hat manche
Gemeinde als Sch'liach Zibbur (Vorbeter) im Gebet vereint und als
gewissenhafter Schächter der Erfüllung dieser heiligen Aufgabe gedient. Er
hat sich in seinen alten Tagen auch noch unserem Landesverband der
israelitischen Religionsgemeinen Hessens zur Verfügung gestellt und hat die
beschwerlichsten Wege in Nachbargemeinden zwecks Ausübung seiner
Berufstätigkeit nicht gescheut. Wir sprechen Herrn Kahn unsere Glückwünsche
zu seinem Jubeltage aus und wünschen ihm in Gesundheit und weiterer rüstiger
Schaffenskraft: ad meoh weesrimm schonoh." (= alles Gute bis 120
Jahre). |
Zum 80. Geburtstag des
Kriegsveteranen Moritz Kahn (1927)
Anmerkung: Moritz Kahn ist 1847 in Udenheim geboren. Er war seit
1874 verheiratet mit Charlotte geb. Mai. Moritz Kahn starb 1929 in Mainz.
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. Februar 1927: "Mainz. Herr
Moritz Kahn, Veteran von 1870/71, feierte kürzlich in geistiger und
körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. Er erblickte am 28. Januar 1847
in Udenheim in Rheinhessen das Licht der Welt und lebt hier (sc. Mainz)
schon eine Reihe von Jahren, von seinen Mitbürgern geehrt und geachtet. Kahn
hat den ganzen 70er-Feldzug mitgemacht, und zwar im Infanterie-Regiment Nr.
118. Er nahm teil an dem Sturm auf Schloss Chambord, besitzt viele Orden und
Ehrenzeichen." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge war vorhanden. Über sie ist nur wenig
bekannt. 1874 musste der Giebel der Synagoge renoviert werden, nachdem er sich
gesenkt hatte und das Regenwasser nicht mehr richtig abgeflossen ist.
1907 war Samuel Kahn noch der einzige männliche jüdische Mann in Udenheim. An
die Abhaltung von Gottesdiensten war nicht mehr zu denken. Samuel Kahn
beantragte daher die Genehmigung zur Versteigerung des Synagogengebäudes. Damals kam
es jedoch noch nicht zum Verkauf. 1922 lebten noch Karolina und Wilhelmine Kahn
in Udenheim, die beiden Töchter von Samuel Kahn. Wilhelmine Kahn war als
Vorsteherin der jüdischen Gemeinde eingetragen. Wieder wurde der Verkauf der
Synagoge diskutiert, die Gemeinde Udenheim wollte im Gebäude Wohnungen einbauen.
Doch kam es auch 1922 nicht zum Verkauf des Gebäudes.
1930 wurde das Synagogengebäude von den beiden Schwestern Karolina und
Wilhelmine Kahn
per Schenkungsurkunde dem Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden
Hessens vermacht. Der Landesverband verkaufte seinerseits das Gebäude im darauf
folgenden Jahr 1931 für 600 RM.
Mitteilung
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessen" vom Oktober 1930 S. 2: "19. Wegen der Veräußerung der Synagoge zu
Udenheim und der Erzielung des Kaufpreises für dieselbe sollen die
notwendigen Schritte eingeleitet werden." |
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Mitteilung
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessen" vom April 1931 S. 2: "21. Als Erlös für die Synagoge in Udenheim
werden am 1. Januar 1932 voraussichtlich 600 RM. zur vorschriftsmäßigen
Verwendung zur Verbandskasse eingehen." |
Das Synagogengebäude wurde abgebrochen. Der ehemalige Standort ist heute eine
Hoffläche.
Adresse/Standort der Synagoge: Wilhelmstraße
(ehemalige Kühgasse)
Fotos
(Vgl. Abbildungen im Beitrag von Wolfhard Klein in
https://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/udenheim/einzelaspekte/juedisches-leben-in-udenheim.html)
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Walter Schwamb: Die jüdischen
Bewohner der Selztalgemeinden: Hahnheim, Selzen, Friesenheim, Undenheim,
Dahlheim, Mommenheim und ihrer Nachbardörfer Schornsheim und Udenheim.
2012.
Zu bestellen bei Walter Schwamb, Oppenheimer Straße 32, 55278 Köngernheim,
Tel. 06737-511.
In diesem Buch wird über die jüdischen
Bewohner in den Gemeinden und ihre Schicksale berichtet; ebenso ist eine
komplette Namensliste und Ahnentafel enthalten.
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 | Wolfhard Klein: Jüdisches Leben in Udenheim.
Vortrag von 9.3.2023. Eingestellt in
https://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/udenheim/einzelaspekte/juedisches-leben-in-udenheim.html
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