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Sugenheim (Markt
Sugenheim, Kreis
Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Sugenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Die Freiherren
von Seckendorf nahmen jüdische Familien gegen Bezahlung von
"Schutzgeldern" auf. 1613 bis 1634 wird Isaac Jud genannt, 1613 bis
1621 Josef Jud. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren mehrere Familien am Ort;
1752 bestand die Gemeinde aus 13, 1756 aus 12 Familien. Die jüdischen Familien
lebten im Schutz der beiden Seckendorff'schen Schlösser auf freiherrlichem
Boden in einer Straße, der "Judengasse". 1752 gehörten zum
"äußeren
Schloss" die Juden Jacob Calmann, Simon, Joel, Simon Göz, Beerlein Jacob, Moses
Gustel, zum "inneren Schloss" Eyssig, Löw, Gump, Loesar, Josef, Beerlein Calman.
Die Trennung in innere und äußere Schlossjuden bestand im ganzen 18.
Jahrhundert.
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in der Nachbargemeinde Ullstadt
beigesetzt. Die jüdische Gemeinde hatte einen Vorbeter, der zugleich als
Lehrer und Schächter tätig war. Mitte des 18. Jahrhunderts war Vorbeter Simon
ben Samuel Jeiteles aus Prag. Er legte zur Einweihung der Synagoge im August
1756 das "Kahlsbuch" (Kahal = Gemeinde; Gemeindebuch mit damals
geltenden Ordnungen für das Gemeindeleben) an, das von den beiden Freiherren
von Seckendorf am 30. Dezember 1756 unterzeichnet wurde.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1811/12 159 jüdische
Gemeindeglieder (22,1 % von insgesamt 721 Einwohnern), 1837 160 (21,6 % von
760), 1880 110 (13,5 % von 814), 1900 92 (11,9 % von 772), 1910 72 (10,4 % von
690). Im 19. Jahrhundert wurde eine jüdische Volksschule am Ort
eingerichtet. Sie bestand bis 1924. Von 1838 bis 1880 gehörte die Gemeinde
zum Distriktsrabbinat Welbhausen.
Die
Abwanderung der jüdischen Einwohner begann schon früh (vgl. den Bericht von
1842 über den nach Offenbach verzogenen Kaufmann Heinrich Sugenheim.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Albert Reichhold
(geb. 21.4.1890 in Sugenheim, gef. 13.4.1918), Louis Reichhold (geb. 7.6.1884 in
Sugenheim, gef. 9.5.1915), Philipp Sämann (geb. 27.7.1896 in Sugenheim, gef.
14.9.1916), Hugo Schloß (geb. 8.8.1889, gef. 31.3.1916), Oberleutnant Dr.
Julius Schloß (geb. 3.9.1889, gef. 29.6.1918). Außerdem sind gefallen: August
Kolb (geb. 11.11.1885 in Sugenheim, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef.
1.8.1916), Unteroffizier Siegfried Kolb (geb. 1.12.1883 in Sugenheim, vor 1914
in Nürnberg wohnhaft, gef. 22.11.1917), Stefan Kolb (geb. 1.12.1883 in
Sugenheim, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 22.11.1917), Hermann Schloß
(geb. 19.9.1885 in Sugenheim, vor 1914 in Ansbach wohnhaft, gef. 5.5.1915) und
Heinrich Walter (geb. 25.2.1884 in Sugenheim, vor 1914 in Bamberg wohnhaft, gef.
7.4.1916).
Um 1925, als 58 jüdische Einwohner gezählt wurden (8,92 % von etwa 650
Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Louis Sämann und Max Gabriel
Schloss. Als Hauptlehrer, Kantor und Schächter war Heinemann Edelstein tätig.
Er erteilte damals an der Religionsschule der Gemeinde fünf Kindern
Religionsunterricht. Außerdem unterrichtete er fünf Kinder in Religion an der
örtlichen Volksschule. An jüdischen Vereinen bestand die Chewra
Kadischa (1818 gegründet, Wohltätigkeitsverein, Bestattungswesen; Leiter:
Louis Sämann, 1932 11 Mitglieder) und die Jugendgruppe der Agudas Jisroel (Leiter
H. Edelstein). Zur jüdischen Gemeinde in Sugenheim gehörten auch die damals in
Ullstadt noch lebenden sieben jüdischen
Einwohner (offizielle Zuteilung jedoch erst 1936). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat in Fürth. 1932 waren die
Gemeindevorsteher Louis Sämann und Herrmann Geiger. Lehrer Herrmann Edelstein
(gest. im KZ Theresienstadt 1944) unterrichtete noch drei jüdische Kinder in Religion.
1933 wurden 42 jüdische Einwohner in Sugenheim gezählt (6,5 % von insgesamt 642
Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden
Entrechtung und der Repressalien verließen bis 1938 23 jüdische
Einwohner den Ort. Zwei verstarben in Sugenheim. Letzter jüdischer
Gemeindevorsteher war Louis Sämann. 1936 war die jüdische Gemeinde Ullstadt
aufgelost und die dort noch lebenden jüdischen Einwohner noch der Gemeinde in
Sugenheim angegliedert worden. Die 17 letzten jüdischen Einwohner verließen
Sugenheim nach der Ereignissen beim Novemberpogrom 1938.
Von den in Sugenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Bäumler geb. Walter (1882), Hedwig Bauer geb. Schloss (1885), Klara Boley geb.
Reichhold (1883), Heinemann Edelstein (1870), Jeanette Edelstein geb. Kahn
(1874), Emma Finke geb. Freiman (1893), Rosa Fränkel geb. Schloss (1884), Dina
Freimann (1866), Hermann Freimann (1872), Klara Freimann geb. Sämann (1895),
Simon Freimann (1859), Simon Freimann (1895), Samuel Gutmann (1861), Benjamin
(Benno) Hammelbacher (1859), Sofie Haskel geb. Schloss (1884), Katje Herrmann
geb. Sämann (1896), Hugo Kolb (1890), Frieda Lamm geb. Walter (1890), Babette
Liebreich geb. Sämann (1892), Ernestine Mainhardt geb. Sämann (1877), Cilly Sämann geb.
Schloss (1885), Doris Sämann geb. Sämann (1868), Fritz Sämann (1899), Heinrich Sämann (1872), Louis Sämann (1881), Max
Sämann (1913), Philipp Sämann (1880), Sigmund Sämann (1869), Theodor Sämann
(1896), Julius Schloss (1888), Ludwig Schloss (1886), Max Schloss (1883), Emilie Schwed geb. Sämann
(1867), Babette Singer geb. Kolb (1888), Doris Trier geb. Schloss
(1867), Albert Walter (1888), Isidor Walter (1880), Hugo Weißmann (1882).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ritualmordbeschuldigungen in Neustadt a. Aisch. in Ullstadt und Sugenheim im
Jahr 1803 (Artikel von 1903)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. April
1903: "Eine Ritualmordbeschuldigung vor 100 Jahren. Zu
den Vorurteilen, welche trotz der fortschreitenden Aufklärung sich wie
eine unheilbare Krankheit von Geschlecht zu Geschlecht forterben; gehört
in erster Reihe auch das Vorurteil des Ritualmords oder die Beschuldigung,
dass die Juden oder eine Sekte, derselben zu rituellen Zwecken, besonders
bei Gelegenheit ihres Pesachfestes, Christenblut gebrauchen. Ehemals zwar,
im 2. und 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, da waren es die
Kirchenväter, welche ihre Religion verteidigen mussten gegenüber der
Beschuldigung des Ritualmordes, die von heidnischer Seite gegen das
Christentum erhoben wurden. Seit dem 13. Jahrhundert wurde nun diese
wahnwitzige Verleumdung bald hier und bald dort in irgendeinem Winkel der
Erde gegen die Juden gerichtet und dadurch unsagbares Elend über sie
gebracht. Heinrich Heine's fragmentarische Dichtung 'Der Rabbi von
Bacharach' gibt ein ergreifendes Bild von den panischen Schrecken, welche
um die Osterzeit durch das Märchen vom Ritualmord in den Judengassen des
Mittelalters verbreitet wurden. Dass aber auch noch in unseren Tagen das
Gespenst des krassesten Aberglaubens in weiten Kreisen des Volkes umgeht
und die Massen wahnbetört, das beweisen die noch nicht vergessenen Affären
von Xanten und Konitz.
In einer solchen Zeit dürfte es leider nicht unzeitgemäß sein, aus
stabbedeckten Akten eine 'Affäre' auszugraben, die sich jetzt vor genau
100 Jahren in dem damals unter preußischer Landeshoheit stehenden Gebiete
von Bayreuth zugetragen, um an diesem Beispiel zu zeigen, wie durch das
rasche und energische Einschreiten von Behörden das Aufkommen solcher
verhängnisvollen Anklagen im Keime unterdrückt werden können. Die 'Affäre'
ist, kurz erzählt folgende:
Im März 1803 verschwand in der Nähe von Neustadt
a. Aisch ein christliches Kind im Alter von 2 Jahren. Nach 12 bis
13 Tagen wurde dasselbe auf einem Acker tot aufgefunden. Nach Aussage des
über die stattgehabte Sektion aufgenommenen Protokolls war das Kind
einfach erfroren. Das verhinderte aber nicht das Entstehen des Gerüchtes,
dass das Kind das Opfer eines Ritualmordes geworden. Wie ein Lauffeuer
verbreitete sich die Schauermär in der ganzen Gegend. Vergebens war die
Intervention der lokalen Behörden, vergebens waren die aufklärenden
Vorträge der Prediger auf den Kanzeln. Das Volk ließ sich den einmal
gefassten Glauben nicht nehmen. Aufreizende Pasquille wurden gegen die
Juden verbreitet und kein Jude, der sich auf den Straßen zeigte, war mehr
seines Lebens sicher, bis endlich die Kultusgemeinde von Bayreuth
im Interesse ihrer bedrohten Glaubensgenossen mit einer dringlichen
Bittschrift an die Majestät des Königs von Preußen sich wandte3 und
dadurch die Provinzialbehörde zur Ergreifung energischer Maßregeln
veranlasste. Von diesen Maßregeln verdient das folgende Publikandum, das
wie ein kalter Strahl auf den entstandenen Brand der Leidenschaften
wirkte, zur Kenntnis der Mitwelt gebracht zu werden.
Es ist der unterzeichneten Landes-Polizeistelle zur Kenntnis gekommen,
dass zwischen den christlichen Untertanen und jüdischen Eingesessenen zu Ullstadt
und Sugenheim im Neustädter Kreise darüber Misshelligkeiten
entstanden sind, dass man den Gedanken gefasst, es sei der im letzt
abgewichenen Monat März vermisst und nach einigen Tagen auf einem Acker
tot gefunden wordene 2-jährige Knabe des von Frankensteinl. Pächters
Matthäus Masel auf dem Buchhof unweit Ullstadt
von Juden behufs der Feier ihres Osterfestes ermordet worden.
Je törichter dieses längst widerlegte Vorurteil einer intoleranten
Vorzeit schon an sich ist und so wenig dessen Fortpflanzung dem
gegenwärtigen helleren Zeitalter zur Ehre gereicht, desto weniger hätte
man in dem vorliegenden Fall, wo durch eine gerichtliche Untersuchung des
Kindes die Überzeugung gegeben wurde, dass dasselbe auf dem Felde erforen
ist, erwarten sollen, dass jemand auf diese unvernünftige Vermutung
verfassen und sich in solcher so weit verlieren und zu solchen
Ausschweifungen verleiten lassen könne, wodurch sogar die öffentliche
persönliche Sicherheit der jüdischen Bewohner jener Gegend in Gefahr zu
kommen scheint.
Es kann diese veranlasste Ruhestörung wohl nur allein das Werk einzelner
boshafter Menschen sein, die vom Hass gegen einzelne jüdische
Glaubensgenossen angetrieben, Rache üben und dazu andere leichtgläubige
Menschen missbrauchen und irre führen wollen, ohne zu überlegen, welches
Ungemacht sie sich selbst und anderen dadurch bereiten.
Die Ausmittelung dieser Ruhestörer wird indessen den Polizei-, vereinigt
mit den Justizbehörden nach den bereits gegen sie vorliegenden Anzeigen
nicht schwer und es wird eines jeden Teilnahme an der Sache nach dem Grade
seines Verschuldens mit aller Strenge der Gesetze geahndet werden, welche
Strafen umso empfindlicher werden müssen, als dabei Vergehungen auf
Vergehungen gehäuft worden sind.
Indem dieses hierdurch zu jedermanns Wissenschaft öffentlich bekannt
gemacht und zugleich jeder dortige christliche Einwohner ernstlich gewarnt
wird, sich nicht die mindesten weiteren Kränkungen gegen die jüdischen
Eingesessenen zu erlauben; so verhofft die Königliche Kriegs- und
Domänen-Kammer, dass dieser Warnung Gehör gegeben und durch ein
entgegengesetztes Benehmen, welches überdies eine Widersetzlichkeit gegen
obrigkeitliche Verfügungen bezeichnen und den Grad der Strafbarkeit
erhöhen würde, nicht die Notwendigkeit werde veranlasst werden, dass die
den Unterbehörden des Kreises wegen ihres weiteren Verfahrens gegebene
ernsten Instruktionen zum Vollzug gebracht werden
müssen.
Gegeben Bayreuth, den 25. April 1903.
Königlich Preußische Kriegs- und Domänen-Kammer." |
Zur jüdischen Gemeinde Sugenheim gehört nun auch Ullstadt (1936)
Mitteilung
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November
1936: Bekanntmachung über Ausdehnung des Gebietes der Israelitischen
Kultusgemeinde Sugenheim auf das Gebiet der politischen Gemeinde Ullstadt.
Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Sugenheim, zugleich Steuerverbandsvertretung,
hat am 25. Januar 1936 folgenden Beschluss gefasst:
Gemäß Artikel 2 des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes dehnt die
Israelitische Kultusgemeinde Sugenheim ihr Gebiet auf das Gebiet der
politischen Gemeinde Ullstadt aus.
Dieser Beschluss wird hiermit öffentlich bekannt gemacht.
Den an der Umbildung Beteiligten, insbesondere den von der Umbildung
betroffenen umladenpflichtigen Bekenntnisgenossen, wird hiermit
Gelegenheit zur Einsprache gegeben. Die Einsprache soll genau die Gründe
darlegen, welche gegen die bekanntgegebene Umbildung angeführt werden
wollen. Die Einsprache muss binnen einer vom 20. November 1936 ab aufenden
Frist von zwei Wochen bei der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde
Sugenheim schriftlich eingereicht werden.
Sugenheim, den 11. November 1936. Der Vorstand der Israelitischen
Kultusgemeinde Sugenheim. Louis Sämann." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Zurruhesetzung von Hauptlehrer Herrmann Edelstein zum
1. Januar 1936
Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
15. Januar 1936: "Hauptlehrer Edelstein in Sugenheim wurde ab 1.
Januar 1936 in den dauernden Ruhestand versetzt." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über Heinrich Sugenheim (geb. in Sugenheim, wohnte
später in Offenbach; Bericht von 1842)
Artikel
in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" am 21. Mai 1842: "Aus
Mittelfranken. 21. April (1842). Eines der letzten Kreis-Intelligenzblätter
enthält eine Bekanntmachung der königlichen Regierung, nach welcher der
israelitische Kaufmann Heinrich Sugenheim in Offenbach, seinen Geburtsort Markt
Sugenheim, königlich bayerisches Landgericht Markt Bibart, letztwillig mit 500
Gulden bedacht hat, von welchen die Zinsen alljährlich an dem ersten Sonntag
nach dem 1. Dezember unter den Armen, ohne Unterschied der Konfession,
verteilt werden sollen. |
Dr. Julius Schloss wird zum Oberleutnant befördert und
mit dem EK I ausgezeichnet (1916)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Juli 1916:
"Sugenheim bei Fürth. Rechtspraktikant Dr. Julius Schloß ist
unter Beförderung zum Oberleutnant mit dem Eisernen Kreuz 1. Kl.
ausgezeichnet worden." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst besuchte die Sugenheimer Juden die Synagoge in der benachbarten
Gemeinde Ullstadt, fühlten sich jedoch dort in ihren Plätzen und
Ehrenfunktionen zurückgesetzt, sodass es immer wieder zu Streitigkeiten kam.
Somit bemühten sie sich bei der Ortsherrschaft um eine Genehmigung zur
Einrichtung einer eigenen Synagoge in Sugenheim. Am 13. Januar 1743 wurde
von der Herrschaft erlaubt, in einem der jüdischen Häuser Sugenheims eine Betstube
einzurichten und einen ledigen Schulmeister anzustellen. Die Betstube war
allerdings so eng, dass es auch hier immer wieder zu Streit kam. Die Familien
baten die Herrschaft darum, der Errichtung einer Synagoge zuzustimmen.
Die jüdischen Familien waren erfolgreich. Am 16. Mai 1755 überließen die
Freiherren von Seckendorf der Judenschaft unentgeltlich ein Grundstück zum Bau
einer Synagoge und verlangten nur einen jährlichen Grundzins von vier
Reichstalern, in dem zugleich das "Schrankengeld" für die Errichtung
von Schabbatschranken (Erub) enthalten war. Um die Baukosten
aufzubringen, durften zwei Mitglieder der Gemeinde Josef Hirsch und Beerlein
Jakob in den Fulda-Hessischen Gebieten bei den dortigen jüdischen Gemeinden
sammeln gehen. Sie erhielten einen entsprechenden Passierschein von Seiten der
Herrschaft. Die Synagoge in Sugenheim wurde am 7. August 1756 feierlich
eingeweiht. Eine Prozession vom Haus der bisherigen Betstube zur neuen Synagoge wurde
feierlich durchgeführt.
Max Freudenthal berichtete nach Einsichtnahme in die Quellen
über die Prozession zur Einweihung der neuen Synagoge 1756: "Das noch vorhandene Programm sieht für den Auszug
aus der alten 'Schul' den Psalm 92 und eine kurze Rede des Schulmeisters vor,
worin er Gott um Vergebung bittet, dass die Judenschaft das alte Gotteshaus
verlasse, da dies nicht aus Hochmut geschehe, sondern unter dem Zwang der
Unzulänglichkeiten des bisherigen Raumes. Mit Psalm 3 werden die Torarollen
herausgenommen, der Festzug geht mit Musik und Gesang unter der Erlaubnis der
Herrschaft durch den Schlosshof bis zur neuen Synagoge. Im Schlosshof wird ein
Segen für die Herrschaften gesprochen. Vor der Synagoge wird Psalm 122 auf der
Straße gesungen und nochmals ein Segen für die Herrschaft ausgebracht. Alsdann
wird gleichfalls noch auf der Straße Psalm 118 bis zum Ende des 23. Verses
gesungen, mit Anfang des Verses 26 zieht die Gemeinde in die neue Synagoge ein.
Nach Beendigung von Psalm 118 und Psalm 48 Vers 1-13 findet ein dreimaliger
Umzug mit den Torarollen statt. Mit Psalm 24 wird die Feier fortgesetzt und bei
Vers 7 die Heilige Lage geöffnet, die Torarollen werden eingestellt. Es folgt
dann noch Psalm 137 und als Abschluss eine vom Vorbeter gehaltene Predigt über
1. Buch der Könige, Kap. 8, Verse 29, 36 und 51."
182 Jahre (1756 bis 1938) war die Synagoge in Sugenheim Zentrum der jüdischen Gemeinde des
Ortes.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Einrichtung der Synagoge völlig
zerstört; die Ritualien vernichtet (darunter auch die Ritualien aus Ullstadt).
Auch die Inneneinrichtung des jüdischen Schulhaus wurde zerstört. Das Gebäude selbst überstand die
Kriegszeit und wurde zu einem bis heute stehenden Wohnhaus umgebaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Schlossstraße 35
(alte Anschrift: Judengasse 93).
Foto
(Foto: Jürgen Hanke, Kronach)
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| Die ehemalige Synagoge in
Sugenheim |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Max Freudenthal: Die Verfassungsurkunde einer
reichsritterlichen Judenschaft. Das Kahlsbuch von Sugenheim. Zeitschrift
für die Geschichte der Juden in Deutschland. Bd. 1 1929 S. 44-68. Siehe
Sonderseite |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 229-230. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 183. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 307-208.
|
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II:
Mittelfranken.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid,
Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von
Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010.
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-89870-448-9. Abschnitt zu Sugenheim S. 632-638. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Sugenheim Middle Franconia Jews are known from the
early 17th century, and a synagogue was built in 1756. At the time, the Jews
inhabited a special quarter (Judengasse). In 1837 the Jewish population
stood at 160 (total 760), dropping to 42 in 1933 and 15 by 1938. On Kristallnacht
(9-10 November 1938) the synagogue and Jewish school was vandalized. The
remaining Jews left by 11 January 1939. The five Jews of the attached community
of Ullstadt (a community of 40-50 in the first half of the 19th century
whose cemetery served 11 other communities) left in 1934.

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