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Bad Windsheim (Kreis
Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
(Oben: Siegel der Israelitischen Kultusgemeinde - Quelle: Steinmetz / Hofmann s.Lit.
S. 14)
In dem um 1280 zur Stadt erhobenen Windsheim gab es
bereits im 13. Jahrhundert eine relativ große jüdische Gemeinde (erste Erwähnung
1274 Jude Sweblinus, der den Lenkersheim Ludewicus wegen gewalttätiger
Inbesitznahme eines Grundstücks verklagt hatte). Bei der Judenverfolgung unter "Ritter Rindfleisch"
wurden am 23. Juni 1298 55 Juden der Stadt ermordet, deren Namen im
einzelnen noch bekannt sind. 1328 bis 1339 wurden mehrere aus Windsheim
stammende Juden als Bürger in Nürnberg aufgenommen. 1347 lebten wieder
einige Juden in der Stadt. Wenig später wurde die Gemeinde bei der Judenverfolgung
während der Pestzeit 1348/49 zerstört. Seit 1360 werden wieder einzelne
Juden in der Stadt genannt. Einige nach Windsheim benannte Juden ließen sich später in
Bamberg (1376), Erfurt (1389), Nürnberg (1403), Rothenburg ob der Tauber
(1400/01) und Worms (1495/96) nieder. Die jüdischen Familien lebten im Mittelalter vom
Geldhandel. 1384 kam es in Windsheim zu einem Pogrom, bei dem ein Teil der Juden
ermordet wurde. Der Rat der Stadt suchte sie weitgehend vergeblich zu schützen. Der Schwäbische
Städtebund, dem Windsheim angehörte, griff ein und beschloss, dass die Bürger
den überlebenden Juden ihre Schulden zahlen mussten. Kurz vor 1500 wurden die
Juden aus der Stadt vertrieben. An die jüdische Ansiedlung im Mittelalter
erinnert das heute noch vorhandene "Judenhöflein" in der
Altstadt.
Im 17. Jahrhundert waren vorübergehend wenige jüdische Personen in der Stadt (1666).
Danach sind bis zum 19. Jahrhundert keine weiteren Niederlassungen bekannt.
1871
wurde bei der damaligen Volkszählung erstmals wieder eine jüdische Person
erfasst. In den folgenden Jahren kam es zum Zuzug mehrerer jüdischer Familien aus
umliegenden Landgemeinden, sodass am 5. Mai 1877 eine neue Gemeinde gegründet
werden konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich 12 jüdische Familien in der
Stadt niedergelassen. Erster Gemeindevorsteher war der aus Ickelheim zugezogene
Michael Haas. Was die zahlenmäßige Entwicklung betrifft, wurde um 1900 die
Höchstzahl von 116 jüdischen Einwohner erreicht (3,3 % von insgesamt 3.558
Einwohnern); weitere Zahlen: 1880: 83 (2,2 % von insgesamt 3.726; 1910: 92 (2,5
% von insgesamt 3.654).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein Wohnhaus mit
Schulräumen und ein 1888 erbautes rituelles Bad (Mikwe; Lage südlich des
heutigen Steller-Gymnasiums, besteht nicht mehr). Die Toten der jüdischen
Gemeinde wurden auf dem Friedhof in Obernzenn beigesetzt. Für die Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war
seit der Gründung der Gemeinde 1877 ein
Vorbeter
angestellt, der zugleich als Religionslehrer und als Schächter tätig war.
Erstmals wurde im Frühjahr 1877 die Stelle ausgeschrieben (Ausschreibungstext
siehe unten). Über den ersten Lehrer ist nichts mehr bekannt. Nach einer
weiteren Ausschreibung 1879 bewarb sich Samuel Strauß.
In ihm hatte - von 1879 bis 1934, d.h. über 54 Jahre lang - die Gemeinde denselben Lehrer und Vorbeter (zu seinem 25jährigen Dienstjubiläum 1904
und seinem 50jährigen Dienstjubiläum 1929 siehe Artikel
unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen
Gemeinde Unteroffizier Karl Haas (geb. 24.5.1881 in Windsheim, gef. 30.6.1916),
Gefreiter Max Hirsch (geb. 28.10.1898 in Windsheim, gef. 17.10.1917), Siegfried Wollenreich
(geb. 27.6.1897 in Windsheim, gef. 28.3.1918) und Unteroffizier Bernhard Strauss
(geb. 31.5.1886 in Windsheim, gef. 9.5.1918). Ihre Namen stehen auf
dem in den Jahren 1926-28 errichteten Kriegerdenkmal für die Gefallenen der
Stadt Bad Windsheim neben dem Rathaus bzw. der Stadtkirche St. Kilian. Außerdem
ist gefallen Gefreiter Adolf Huber (geb. 17.7.1881 in Windsheim, vor 1914 in
Nürnberg wohnhaft, gef. 9.10.1914).
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde 78 Personen gehörten (1,73 % von
insgesamt ca. 4.500 Einwohnern) waren die Vorsteher der Gemeinde Leopold
Waldmann und D. Berney. Lehrer war damals (s.o.) noch Samuel Strauß. Er erteilte
zwei Kindern Religionsunterricht in der Religionsschule, dazu gab er an
öffentlichen Schulen neun Kindern unterricht. In der Gemeinde gab es eine
Stiftung (Weißkopfsohn'sche Stiftung). Die Gemeinde gehörte zum
Distriktsrabbinat in Fürth. 1932 waren die Gemeindevorsteher Leopold Waldmann
und Moritz Rindsberger. Lehrer war weiterhin für die damals sechs Kinder Samuel
Strauß.
1933 wurden noch 58 jüdische Einwohner gezählt. Durch die schnell
einsetzenden Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung
und laufender Repressalien verließ bis 1937 über die Hälfte der jüdischen
Einwohner die Stadt (11. Oktober 1936: 30 jüdische Einwohner; im Mai 1937: 27;
1. Januar 1939: 5; 17. Januar 1939: 0). Im Juli 1934 gab es unter den
Windsheimer Juden noch fünf Viehhändler, drei Schnittwarenhändler, einen
Inhaber eines Lebensmittelgeschäftes, einen Metzger und einen Sattler. Bis 1938
mussten alle Geschäfte unter dem Zwang der Verhältnisse aufgegeben
beziehungsweise an nichtjüdische Personen verkauft werden. Am 21. September
1938 wurde den Juden nahegelegt, die Stadt möglichst bald zu verlassen.
Am 17. Januar 1939 wurde die Jüdische Kultusgemeinde offiziell aufgelöst, die
Stadt für "judenfrei" erklärt. Bis 1939 waren 29 Juden innerhalb
Deutschlands verzogen (u.a. neun nach Nürnberg, acht nach Würzburg, fünf nach
Augsburg); 13 Juden wanderten aus (zwölf in die USA, einer nach England).
Von den in Bad
Windsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Namen aus Steinmetz/Hofmann): Olga
Amerikaner (1887), Sara Amerikaner (1859), Heinrich
Beck (1874), Berthold Berney (1921), David Berney (1891), Elsa Berney geb. Wolff
(1889), David Geschmay (1859), Pauline Geschmay geb. Schloßberger (1865), Helene Götz geb.
Pappenheimer (1869), Alice Hofmann (1925), Fanny Hofmann geb. Lärmer (1895),
Siegfried Hofmann (1891), Babette Ickelheimer (1866), Sigmund Ickelheimer
(1864), Anna (Emma) Lärmer geb. Hofmann (1895), Benjamin (Benno) Lärmer (1885), Lydia Lärmer (1925),
Gutta Lehmann (1882), Hugo
Lehmann (1884), Karl Lehmann (1882), Moritz Lehmann (1879), Sara Lehmann
(1880), Paula (Babette) Lindo geb. Lehmann (1880),
Heinrich Löwenfels (1901), Lena (Lina) Löwenfels geb. Pappenheimer (1864), Fritz
Müller (1925), Heinrich Müller (1889), Johanna Müller geb. Bodenheimer (1902),
Ludwig Müller (1887), Ruth Müller (1929), Rosalie Oberschützky geb. Alexander
(1862), Franziska Fanny Pappenheimer (1873),
Johanna Rindsberger geb. Rosenstock
(1886), Max(imilian) Rindsberger (1876), Salomon Rindsberger (1871), Frieda
Rosenfelder geb. Stein (1893), Martha Servos geb. Beck (1906), Julius Stein (1900),
Karl Stein (1891), Sofie Stein geb. Lilienthal (1902), Anna (Nanni) Stock geb. Weiß (1877),
Julie Ullmann (1859), Max (Markus)
Ullmann (1857), Hedwig
Waldmann geb. Weissmann (1882), Leopold Waldmann (1884), Ludwig Waldmann (1879),
Siegmund Waldmann (1882), Sophie Waldmann geb. Holzer (1893), Maria Wallich geb.
Weis (1879), Mathilde
Wollenreich geb. Hirschmann (1874).
Die meisten der oben genannten Namen finden sich auf dem 2008 neu errichteten
Denkmal auf dem Hafenmarkt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 /
1879
| Die Stelle des Religionslehrers/Vorbeters
wurde erstmals 1877 ausgeschrieben: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1877:
"Annonce. In der erst neugebildeten Kultusgemeinde dahier wird sofort
ein israelitischer Religionslehrer, Vorsänger und Schächter mit einem
fixen Gehalt von sechshundert Mark zu engagieren gesucht. Wohnung und Holz
nach Übereinkunft. Qualifizierte Bewerber wollen längstens in vier
Wochen an Unterzeichneten sich wenden. Windsheim (Bayern), 22. Mai 1877.
Der Kultus-Vorstand: Michael Haas." |
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| 1879 wurde die Stelle wieder
ausgeschrieben - auf diese Ausschreibung hin bewarb sich Lehrer Samuel
Strauß. |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1879: "Stelle
vakant. In der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wird die Stelle eine
Religionslehrers, Vorbeters und Schächters bis zum 1. September laufenden
Jahres vakant und soll längstens bis 15. September laufenden Jahres
besetzt werden. Fixer Gehalt Mark 600 nebst freier Wohnung, zwei Klafter
Holz zur Beheizung des Schullokales. Nebenverdienste belaufen sich auf ca.
5-600 Mark.
Unverheiratete Bewerber haben den Vorzug, für welche sich auch hier ein
gutes Kosthaus befindet. Allenfalsige Bewerber wollen sich mit Einsenden
ihrer Zeugnisse melden an M. Haas, Kultusvorstand. Windsheim in Bayern, im
Juni 1879". |
Zum 25jährigen Dienstjubiläum von Lehrer Samuel Strauß (1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1904: "Windsheim (Mittelfranken),
12. September (1904). Am vergangenen Erew Rosch-Haschono (Tag vor dem jüdischen
Neujahrsfest) waren es 25 Jahre, seit Herr Lehrer Strauß sein Amt als
Religionslehrer dahier angetreten, und ließ es sich die Verwaltung der
israelitischen Kultusgemeinde nicht entgehen, dem Jubilar zu diesem Tage eine
festliche Ehrung zu bereiten. Herr Vorstand, Moritz Walter, würdigte die
Verdienste des Jubilars um die hiesige Gemeinde, indem er insbesondere noch
dessen Beliebtheit bei allen Konfessions-Angehörigen dahier hervorhob und überreichte
als Zeichen der Anerkennung namens der Kultusgemeinde einen prachtvollen
silbernen Pokal mit entsprechender Widmung. Der Festakt, zu dem sich sämtliche
Gemeinde-Angehörige eingefunden hatten, wurde noch durch weitere Vorträge
verschönt und war ein beredtes Zeugnis für das geradezu musterhafte Einvernehmen
zwischen Gemeinde und Lehrer während dessen ganzer Amtsdauer. Möge es dem
Jubilar vergönnt sein, in gleicher Frische auch das 50-jährige Jubiläums
dereinst feiern zu können!"
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Zum 50jährigen Dienstjubiläum von Lehrer Samuel Strauß (1929)
Artikel
in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
September 1929: "Windsheim, Mittelfranken. Am Samstag, 7. September, waren 50
Jahre verflossen, seitdem Herr Lehrer Strauß in der Israelitischen
Kultusgemeinde sein Amt angetreten hatte. Dieser Tag gestaltete sich daher zu
einem einzugartigen Feste, an dem die Gemeinde, die Stadt, weite Kreise der
Bürgerschaft und zahlreiche Behörden innigen Anteil nahmen. Bereits am
Freitag, 6. September, überreichte der Gemeindevorstand, Herr Leopold Waldmann,
dem Jubilar mit einer Ansprache eine Ehrenurkunde der Gemeinde und ließ ein
Geschenk in ihrem Namen überreichen, die Stadtverwaltung sandte ebenfalls ein
ehrenvolles Schreiben und widmete eine prachtvolle Gabe. Der Verband Bayerischer
Israelitischer Gemeinden sandte ein herzliches Glückwunschschreiben und ein
herrliches Geschenk. Am Sabbat fand in der festlich geschmückten Synagoge ein
feierlicher Gottesdienst statt. Die Festpredigt hielt Distriktsrabbiner Dr. S.
Behrens (Fürth), der das Wirken des Jubilars auf den mannigfaltigen Gebieten
seiner Tätigkeit eingehend würdigte. In den Mittagsstunden fand in der Wohnung
des Jubilars Empfang der Gratulanten statt. Von nah und fern strömten die
Gaben, die Glückwünsche, die Blumen, die die Wohnung mit bunter Farbenpracht
schmückten. Unter den schriftlichen Wünschen seien noch hervorgehoben die
Gratulationen des Bayerischen Israelitischen Lehrervereins, der Nachbarkollegen,
des Vorstandes des Bezirksamtes, des Regierungs-Schulrats Dorsch (Ansbach) und
des Evangelischen Pfarramts. Am Mittag fand im engsten Familienkreise des
Jubilars eine Feier statt, bei der der Vorstand, Herr L. Waldmann, eine
herzliche Ansprache hielt und Rabbiner Dr. Behrens die Glückwünsche des
Verbands überbrachte und gleichzeitig mitteilte, dass dem Jubilar der
Chower-Titel verliehen worden sein.
Am Abend vereinigte sich die Gemeinde zu einer stimmungsvollen Feier im Hotel
Steinberger, die dank ihrer sorgsamen Vorbereitung überaus harmonisch verlief.
Herr Leopold Waldmann leitete mit einer herzlichen Begrüßung des Jubilars, der
Gäste, der Gemeinde die Feier an. Dann gab noch einmal Distriktsrabbiner Dr.
Behrens namens des Verbandes seiner Freunde Ausdruck, über das wundervolle Bild
dieses Tages und dieses Zusammenhalts zwischen Verwaltung, Lehrer und Gemeinde.
Nachdem Herr Lehrer Strauß allen Anwesenden und Gästen seinen Dank für alle
Ehrungen ausgesprochen hatte, folgten treffliche musikalische und
deklamatorische Darbietungen jetziger und ehemaliger Schüler und Schülerinnen,
die jung und alt bis zu später Stunde beisammen hielten.
Die Gemeinde Windsheim empfand es dankbar, dass sie ein seltenes und
denkwürdiges Fest ihrem verehrten Lehrer bereiten konnte. Die Erinnerung an
erhebende Stunden, die am nächsten Tage noch durch den Besuch der
Nachbarkollegen ihren Ausklang fanden, wird noch lange in den Herzen der
Festteilnehmer nachklingen.
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Lehrer Samuel Strauß zieht von Windsheim nach Altengronau (1934)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai
1934: "Windsheim. Am 28. April (1934) verließ Herr Lehrer
Samuel Strauß seinen bisherigen Wohnsitz Windsheim, um seinen Lebensabend
bei seinen Kindern in Altengronau
zu verbringen. 54 1/2 Jahre, davon zuletzt 4 Jahre im Ruhestand, wirkte er
in der Gemeinde und war im wahrsten Sinne des Wortes ihr Seelsorger. Leid
und Freud hat er mit seiner Gemeinde geteilt. In einem Schreiben des
ersten Vorstandes wurde ihm in herzlichen Worten der Dank der Gemeinde
ausgesprochen." |
Zum Tod von Lehrer Samuel Strauß in Altengronau 1935 (am Erev Rosch
Haschono - Vorabend zum Neujahrstag 5696 = 27. September 1935)
Anzeige
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Oktober 1935:
"Mein guter Vater, unser Großvater und Schwiegervater Herr Samuel
Strauss Lehrer a.D. früher Windsheim, ist am Erev Rosch Haschono im
80. Lebensjahr von uns gegangen. Altengronau, den 30. September 1935.
Getta Münz geb. Strauss." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod von Moritz Walter 1934, langjähriger 1. Vorsteher
der Gemeinde, Stadtrat usw.
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
August 1934: "Windsheim. Das Schicksal der Landgemeinden droht sich
auch hier zu erfüllen. Nachdem kürzlich der langjährige Lehrer wegzog,
war die Gemeinde führerlos geworden. Und nun wurde, wie wir erst
verspätet erfahren, einer ihrer Besten abgerufen. Herr Moritz Walter
wurde am 24. Mai, 77 Jahre alt, zur letzten Ruhe getragen. Ein lauterer
Charakter, eine stets hilfsbereite Persönlichkeit, die allgemeines
Vertrauen genoss, ist mit ihm dahingeschieden. Die Stadtgemeinde Windsheim
wählte ihn in den Stadtrat, fast alle Vereine der Stadt ernannten ihn zum
Ehrenmitglieder. Besonders aber der Kultusgemeinde galt seine Sorge; 20
Jahre stand er als 1. Vorstand an ihrer Spitze. So wie er sein eigenes
Haus vorbildlich führte, so nahm unter seiner Hand auch die Gemeinde
ihren Aufschwung. Eine Lücke klafft in den Reihen der Gemeinde. Möge ein
gütiges Geschick ihr die Kraft geben, den Verhältnissen zum Trotz aus-
und durchzuhalten." |
Anzeigen
Anzeige von Heinrich Beck (1904)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins)
vom 3. April 1904: "Suche für meine Tochter, 17 Jahre alt,
Israelitin, welche ein Jahr mit gutem Erfolg das Kleidernähen gelernt,
Englisch und Französisch beherrscht, Stenographie und Maschineschreiben
kundig, in Manufaktur- und Damenkonfektion
geeignete Stellung.
Pension und Familienanschluss erwünscht. Angebote an Heinrich Beck,
Windsheim (Bayern)." |
Allgemeine Anzeige für das Solebad Windsheim mit
Hinweis auf rituelle Kost und den "israelitischen Gottesdienst"
(1913)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. September
1913: "Leiden sie an Gicht, Rheumatis, Zuckerharnruhr, an den Nieren,
der Leber oder dem Herzen, an Magen- und Darmkatarrh, benötigen Sie
Erholung und Rekonvaleszenz, haben Sie Gelbsucht, akute Leiden,
Neurasthenie, Nervosität, dann lassen Sie die Leiden nicht veralten,
sondern gehen sofort in die Krankenpflege Soldebad Windsheim, Kurhaus.
Sommer- und Winterkur. Unvergleichliche Heilerfolge. Tausende von
Kranken fanden Heilung. Volle Pension von 4.- Mark an; rituelle Kost,
israelitischer Gottesdienst. Ärztliche Leitung. Prospekt
frei." |
Zur Geschichte der Synagoge
Mit der Gründung der jüdischen Gemeinde im Mai 1877 wurde eine Synagoge
in einem 1851 erbauten Haus eingerichtet. 1889 wurde die Zahl der Plätze in der
Synagoge durch Aufstellung weiterer Bänke vermehrt. 1896 waren von 53
Männerständen 45 fest belegt. Gleichzeitig waren 34 Plätze auf der
Frauenempore vergeben.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge zerstört. Die Ruine blieb
zunächst als Ruine stehen, wurde schließlich jedoch abgebrochen. Eine
Gedenktafel wurde zum 50jährigen Ende des Zweiten Weltkrieges angebracht. Sie
trägt die Inschrift: "Zum Gedenken. Hier am Hafenmarkt wurde in den
Morgenstunden des 10. November 1938 die jüdische Synagoge in Brand gesetzt. In
der Folgezeit wurden die Windsheimer Juden vertrieben, in Konzentrationslager
deportiert und ermordet. Die Stadt Bad Windsheim gedenkt ehrend dieser Opfer. 8.
Mai 1995 - 50 Jahre nach Kriegsende.
Adresse/Standort der Synagoge: Hafenmarkt
Fotos
(die mit * markierten Pläne und Darstellungen aus dem Buch von Steinmetz/Hofmann s.Lit.; übernommen aus Beitrag
zu "Juden in Bad Windsheim" zum Denktag 2001 der
Konrad-Adenauer-Stiftung; Fotos von Hahn, Aufnahmedatum 16.9.2007)
| Mittelalterliche Spuren |
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Das mittelalterliche "Judenhöflein"
auf einem Stadtplan von 1829 |
Straßenschild
"Judenhöflein" |
Straße
"Im
Judenhöflein" |
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| Ansichten der Straße
"Im Judenhöflein"; viele der alten Häuser sind
abgebrochen. |
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| 19./20.Jahrhundert |
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Plan des Hafenmarktes und
Umgebung - schwarz eingetragen
das Gebäude der Synagoge mit
den
Nebengebäuden* |
Rückseite (Blick auf Veranda
im 1. Stock)
des jüdischen
Gemeindehauses am
Hafenmarkt, an das die Synagoge
angebaut war (vgl.
Grundriss links)* |
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Grundriss /
Sitzverteilung
in der Synagoge |
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Grundriss der Synagoge und des
Gemeindehauses in Bad Windsheim
(gegenüber Plan oben um 90 Grad
nach
rechts gedreht)* |
Sitzverteilung in der Synagoge
(Betsaal - Männerplätze)
nach einem Plan von 1890* |
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Innenaufnahme (Blick zum
Toraschrein)
mit Lehrer Samuel Strauß zu seinem
50jährigen Jubiläum im September
1929* |
Eingang zum jüdischen
Gemeindezentrum
/ Synagoge - Aquarell von
Hans Schorr (1928)* |
Eingang zum jüdischen
Gemeindezentrum
/ Synagoge - Zeichnung von Willy Schmidt
(aus der
Erinnerung nach 1945 gezeichnet)* |
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| Situation 2007 |
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Ansicht wie oben.
Links des hohen Fachwerkhauses war der Eingangsbereich zum
jüdischen
Gemeindezentrum / Synagoge (vgl. Grundriss und Zeichnungen oben) |
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Die Gedenktafel für die
Synagoge
und die jüdische Gemeinde. |
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Weiteres Denkmal seit
November 2008
(Fotos: Elisabeth Böhrer,
Aufnahmedatum 12.4.2009) |
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Das im November
2008 eingeweihte neue Denkmal am Hafenmarkt |
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| Inschrift des
Denkmales: "Die Stadt Bad Windsheim gedenkt ihrer jüdischen
Bürgerinnen und Bürger, die zwischen 1933 und 1945 im
Nationalsozialismus entrechtet deportiert und ermordet wurden"
- es folgen 40 Namen mit Geburtsjahr und Todesort. |
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Deutsch und
hebräisch: "Du sollst Deinen Nächsten Lieben wie Dich
selbst"
3. Mose 19,18. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 909-910; III,2 S.
1655-1657. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979.
|
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 145. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 305-307
|
 | Horst Steinmetz/Helmut Hofmann: Die Juden in
Bad Windsheim nach 1871. Bad Windsheim 1992. (Angaben aus diesem Buch
konnten oben erst teilweise eingearbeitet werden).
|
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II:
Mittelfranken.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid,
Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von
Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010.
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-89870-448-9. Abschnitt zu Bad Windsheim S.
69-86. |
 | Zur
Geschichte der aus Windsheim stammenden und um 1910 nach Göppingen
umgezogenen Familie Geschmay: Anna Laura Geschmay Mevorach: Von der
Schwäbischen Alb zur Venezianischen Lagune. Göppingen 2011. 176 S. mit
zahlr. Abb. 10 €. Erhältlich über Archiv und Museen der Stadt Tel.
07161-650-190 E-Mail (museen[et]goeppingen.de).
Links: Buchbesprechung vom 24. Mai 2011 in der "Südwestpresse"
(NWZ Göppingen, Link
zum Artikel) |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Windsheim Middle Franconia. Jews
are first mentioned in 1274, living in a special quarter. In the Rindfleisch
massacres of 1298, 55 were murdered. In the Black Death persecutions of 1348-49
the community was destroyed. The reestablished community was accorded a letter
of protection by King Sigismund in 1416 but expelled at the end of the century.
The modern community was officially founded in 1877 when 12 Jewish families were
present. In 1933 it numbered 58 Jews (total 3.900). Twenty-two remained in
November 1938. After the synagogue was partially burned on Kristallnacht
(9-10 November 1938), all left, 13 immediately and the rest by January 1939.

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