Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Karbach (Landkreis Main-Spessart) 
Der jüdische Friedhof
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
      
Siehe Seite zur Synagoge in Karbach (interner Link)  
     
     
Zur Geschichte des Friedhofes         
     
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden traditionell in Laudenbach beigesetzt. Ein eigener Friedhof in Karbach wurde spätestens seit 1812 von der Gemeinde angestrebt, war aber nicht unumstritten. Daher wurde eine Stellungnahme des berühmten Rabbiners Baal-Schem (Isaak Löb Wormser; 1768/69-1847) aus Michelstadt eingeholt. Dieser forderte zur Einigkeit, besonders in dieser Angelegenheit auf. Die erste Bestattung auf dem neuen Friedhof war die des im Alter von 73 Jahren im März 1819 verstorbenen Reitz Rosenband, woran auch der Grabstein erinnert. 
  
Auch Juden aus Homburg (seit 1852), Erlenbach und Marktheidenfeld wurden auf dem Friedhof Karbach beigesetzt. Die Friedhofsmauer wurde 1881 um den Begräbnisplatz erbaut. Der Friedhof wurde bis 1938 belegt, die letzte Beisetzung war am 17. Oktober 1938 (Max Guttmann). Es sind etwa 340 Gräber vorhanden mit teilweise sehr schön verzierten Grabsteinen (nach der letzten Zählung 234 Grabsteine in 16 Reihen). 
  
1981 wurde der Friedhof geschändet (zwei Gräber ausgehoben).   
  
  
Aus der Geschichte des Friedhofes 
Das Gutachten des Michelstadter Rabbiners Baal Schem (1812)  
(Kopie aus der Sammlung von Leonhard Scherg, der die Kopie aus dem Stadtarchiv Michelstadt erhielt)     

Karbach Friedhofgutachten 1812.jpg (352398 Byte) Aus der Beilage "Aus alter und neuer Zeit" des Israelitischen Familienblatts Hamburg vom 7. Februar 1935: 
"Der Baal Schem von Michaelstadt mahnt zur Einigkeit.
 
Von Herrn S. Eschwege - Hamburg wurde uns das nachstehende Dokument von der Hand des Baal-Schem von Michelstadt (Isaak Löb Wormser, 1768-1847) zur Verfügung gestellt. Es ist ein Gutachten, das die Gemeinde zu Karbach (Bayern) in einer Friedhofsangelegenheit von dem berühmten Rabbi nachsuchte. Dessen Antwort enthält eine eindringliche Mahnung auch an unsere Zeit! Nicht die Ausschaltung einer Gesetzesübertretung war für ihn das Wesentliche, sondern in den Vordergrund seiner Entscheidung stellte er die Forderung, einig zu sein..."
Zum Lesen des hebräischen Textes und der deutschen Übersetzung bitte Textabbildung anklicken.       

  
  
Lage des Friedhofes           
   
Der Friedhof liegt südwestlich von Karbach auf einem Hügel innerhalb eines kleinen Waldes nahe dem alten Sportplatz. Er ist eingetragen auf dem Ortsplan der Gemeinde Karbach: hier anklicken (Quadrat B 4). 
Der Friedhof ist nicht zugänglich (massive, relativ hohe Bruchsteinmauer um den Friedhof). Anmeldung / Schlüssel bei Herrn Josef Laudenbacher unter 09391-6935.
   
Das Denkmal am Eingang trägt die Inschrift: "Den Toten zur Ehre und zum Ewigen Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger, an ihre Verfolgung, an ihr Leid und ihren Tod. Uns Lebenden sei es Mahnung, kommenden Geschlechtern eine eindringliche Lehre. Errichtet im Jahre 1983 von den Gemeinden Karbach, Homburg und Marktheidenfeld"
.   
   
   
   
Fotos 
(Alle Fotografien wurden von Klaus Kurre, Mainberg angefertigt und dürfen nicht ohne Genehmigung weiter verwendet werden. Hochauflösende Aufnahmen und weitere, hier nicht hinterlegte Bilder können per Mail bei Klaus Kurre angefordert werden).

Karbach Friedhof 100.jpg (42427 Byte) Karbach Friedhof 101.jpg (48685 Byte) Karbach Friedhof 102.jpg (97181 Byte)
   Blick auf Karbach vom Friedhof   Das Eingangstor  
      
Karbach Friedhof 103.jpg (95964 Byte) Karbach Friedhof 104.jpg (96873 Byte) Karbach Friedhof 105.jpg (95538 Byte)
Denkmal am Eingang von 1983   Teilansichten  
   
Karbach Friedhof 106.jpg (90621 Byte) Karbach Friedhof 107.jpg (56019 Byte) Karbach Friedhof 108.jpg (91921 Byte)
  Grabstein mit den "segnenden Händen" 
der Kohanim für "Jizchak, Sohn des
 Meschulam HaKohen" aus Homburg
 
     
Karbach Friedhof 109.jpg (93722 Byte) Karbach Friedhof 110.jpg (87159 Byte) Karbach Friedhof 111.jpg (61093 Byte)
   Grabstein für den am 15.12.1909
 gestorbenen "Pinchas bar Schmuel Halevi"
 mit einer Levitenkanne
  

    
Der Friedhof im Herbst 2006 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.10.2006)  

Karbach Friedhof 230.jpg (133212 Byte) Karbach Friedhof 220.jpg (101507 Byte) Karbach Friedhof 221.jpg (91083 Byte)
Eingangstor   Hinweistafel   Denkmal von 1983  
       
Karbach Friedhof 222.jpg (127586 Byte) Karbach Friedhof 227.jpg (123434 Byte)  
  Teilansichten      
    
Karbach Friedhof 223.jpg (109746 Byte) Karbach Friedhof 226.jpg (132392 Byte) Karbach Friedhof 224.jpg (115286 Byte)
Teilansichten 
 
Karbach Friedhof 229.jpg (72391 Byte) Karbach Friedhof 225.jpg (99410 Byte) Karbach Friedhof 228.jpg (70525 Byte)
Schofar auf Grabstein für einen, der 
dieses an den Hohen Feiertagen in 
der Synagoge geblasen hat 
Levitenkanne Levitenkannen 
   
     
        
     
Besuch auf dem Friedhof von Walter Guttmann
(Quelle des Fotos: 
Website der Stadt Marktheidenfeld
bzw. Martin Harth)
Karbach Friedhof 830.jpg (51019 Byte) Karbach Guttmann15.jpg (65851 Byte) Karbach Guttmann03.jpg (99568 Byte) Karbach Guttmann26.jpg (104212 Byte)
  Walter Guttmann beim Besuch des Friedhofes
  
   
Von links: Helga Balzert (Karbach), 
Dr. Leonhard Scherg, W. Guttmann und Josef Laudenbacher (Karbach)
Am Grab des Onkels Max Guttmann
 (gest. 17. Oktober 1938)
         

Karbach Lit 060.jpg (38583 Byte)Bei dem obigen Besucher handelte es sich um Walter Guttmann (geb. 1928 in Duisburg, gest. 2014 in Herzliya/Israel). Sein aus Karbach stammender Vater Hermann Guttmann (geb. 1888), der in Duisburg als Altmetallhändler tätig war, starb Ende 1938 an der Folgen der KZ-Haft im Lager Dachau nach dem Novemberpogrom. Die Mutter Selma geb. Löwenwärter (geboren 1893 in Castrop-Rauxel), war schon im Vorjahr nach schwerer Krankheit verstorben. Walter Guttmann und sein drei Jahre jüngerer Bruder Alfred Guttmann wurden in den Niederlanden von jüdischen Familien aufgenommen. Walter Guttmann wurde später über das Lager Westerbork in das KZ Bergen-Belsen deportiert und überlebte. Sein Bruder Alfred Guttmann wurde in Auschwitz ermordet. Walter Guttmann wanderte nach seiner Befreiung aus dem KZ und der Bewältigung schwerwiegender gesundheitlicher Folgen der Haftbedingungen von Bergen-Belsen schließlich von den Niederlanden nach Israel aus. Er hinterließ als jüdischer Überlebender und Homosexueller bemerkenswerte Lebenserinnerungen unter dem Titel "Ich wollte es so normal wie andere auch". (vgl. http://maennerschwarm.de/Verlag/htdocs/ich_wollte_es_so_normal_wie_andere_auch.html
Der Besuch von Walter Guttmann auf dem Friedhof fand 2003 statt.   

   

   
Einzelne Presseberichte 

September 2011: Auf den Spuren der Vorfahren   
Artikel von Josef Laudenbacher in der "Main-Post" vom 22. September 2011 (Artikel): 
"Im Landkreis Main-Spessart zurück zu den Wurzeln
(David Harel, der im Kibbuz Yavne rund 40 Kilometer südlich von Tel Aviv lebt, war für mehrere Stunden zu Gast in Karbach. Zusammen mit seiner 64-jährigen Schwester Rachel Halberstadt (Jerusalem), die als Hebamme praktiziert, und seiner Cousine Judith Halberstadt, einer ehemaligen Krankenschwester aus der Nähe von Haifa, besuchte er den Jüdischen Friedhof, die Anwesen seiner Vorfahren, die einstige Synagoge und die Mikwe. (lau) David Harel, der im Kibbuz Yavne rund 40 Kilometer südlich von Tel Aviv lebt, war für mehrere Stunden zu Gast in Karbach. Zusammen mit seiner 64-jährigen Schwester Rachel Halberstadt (Jerusalem), die als Hebamme praktiziert, und seiner Cousine Judith Halberstadt, einer ehemaligen Krankenschwester aus der Nähe von Haifa, besuchte er den Jüdischen Friedhof, die Anwesen seiner Vorfahren, die einstige Synagoge und die Mikwe.
Vorher waren die 'Spurensucher' bei Kristina Ackermann in Thüngen, wo eine ganze Reihe von Tannenwalds gelebt haben, bei Georg Schnabel (Mühlbach), der den einstigen jüdischen Bezirksfriedhof in Laudenbach betreut, sowie auf dem jüdischen Friedhof in Würzburg. An den Gräbern ihrer Vorfahren legten die Gäste aus Israel die üblichen Steinchen zur Erinnerung ab, sie beteten und brannten Lichter an.
Die Tannenwalds kamen aus Urspringen und wurden in Karbach sesshaft. Die Unantastbarkeit jüdischer Grabstätten, die nur einmal belegt werden und auf Ewigkeit im Besitz des Verstorbenen bleiben, macht es auf dem jüdischen Friedhof möglich, lückenlos Nachforschungen anzustellen. Zehn Vorfahren der Tannenwalds sind hier begraben. 
In 1930er Jahren ausgewandert. Moses Pfeufer ist nach Auffassung von Historiker Dr. Leonhard Scherg (Marktheidenfeld) der Stammvater der Karbacher Familie, die 1839 den Namen Tannenwald annahm. Er wurde um 1700 geboren, in Karbach der 'große Pfeiffer' genannt und wohnte neben der 'Schenke Stern' (heute Anwesen Peter Freund), wo auch seine Nachkommen lebten.
Die Familiengeschichte in Karbach endete in den 1930er Jahren: Moses Tannenwald, ein Kaufmann (geboren 1874), reiste nach der Reichspogromnacht 1938 über Würzburg nach Palästina aus. Jacob Halberstadt, der in Nieder-Mockstadt (Hessen) aufgewachsen war, wanderte bereits 1936 aus und entkam so der Vernichtung durch die Nationalsozialisten."   
 
November 2011: "Pädagogischer Tag" auf dem Friedhof    
Artikel in der "Main-Post" vom 29. November 2011: "Besuch auf dem jüdischen Friedhof.  
Etwa 70 Mitarbeiter der St.-Kilian-Schule Marktheidenfeld-Lohr mit ihrer Leiterin Brigitte Krückel marschierten bei einem pädagogischen Tag von Marktheidenfeld aus über den Baumhofsweg hinauf auf den Karbacher Mühlberg, um dort mit Josef Laudenbacher eine Stunde lang über die Geschichte der Karbacher, Homburger und Marktheidenfelder Juden zu reden sowie den jüdischen Friedhof näher kennen zu lernen..."  
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei        
 

    
     

Links und Literatur  

Links: 

Website der Gemeinde (Markt) Karbach (mit Informationen zur jüdischen Geschichte über Link bei "Kultur und Tourismus") 
Dokumente zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Karbach in den Central Archives in Jerusalem (pdf-Datei): hier anklicken    
Link zu den Central Archives Jerusalem   
Zur Seite über die Synagoge in Karbach  (interner Link)   

Literatur:  

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988. S. 71-72.
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof Karbach. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jg. 1998 13.Jg. Nr. 77 vom September 1998 S. 29-30.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 327-328.  
Leonhard Scherg: Jüdische Gemeinden und Einrichtungen. In: Juden im Landkreis Marktheidenfeld. Marktheidenfeld 1993 (=Schriftenreihe des Historischen Vereins Marktheidenfeld und Umgebung Bd. 13.) S. 7-70.
ders.: Jüdisches Leben im Main-Spessart-Kreis. Orte, Schauplätze, Spuren. (Reihe: Orte jüdischer Kultur) 11/2000 Haigerloch 2000.
Michaela Juhr: Das Leben der jüdischen Gemeinde in Karbach und ihre Vernichtung im Dritten Reich. Fachwissenschaftliche Grundlegung und Umsetzung in einer Unterrichtseinheit für das historische Lernen in der vierten Klasse der Grundschule. Schriftliche Hausarbeit für das Lehramt an Grundschulen. Universität Würzburg 1999.
Dokumentation des Friedhofes Karbach:  Leonhard Scherg: Der Judenfriedhof in Karbach. Friedhofsverzeichnis. 1982, aktualisiert und ergänzt 2010 (Stand: 17. März 2010). 70 Seiten. Eingestellt als pdf-Datei.  

   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. April 2015