|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
Zur Übersicht: "Synagogen
im Kreis Bernkastel-Wittlich"
Enkirch
(VG
Traben-Trarbach, Kreis Bernkastel-Wittlich)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Enkirch bestand eine jüdische
Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18.
Jahrhunderts zurück.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1843 38 jüdische Einwohner, 1895 35. Die jüdischen Familiennamen
am Ort waren insbesondere Loeb (Löb), Isaak und Simon.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern ist A. Wasserthal namentlich
bekannt, der sich 1875 auf eine neue Stelle bewarb (siehe Anzeige
unten).
Zu antisemitischen Ausschreibungen am Ort kam es 1881 (siehe Bericht
unten).
Um 1924, als zur Gemeinde noch 26 Personen gehörten (0,9 % von
insgesamt etwa 3.000 Einwohnern), war Gemeindevorsteher Bernhard Isaak. Zur
Gemeinde gehörten auch drei in Reil (Mosel) lebende jüdische
Personen.
1933 lebten noch etwa 15 jüdische Personen in Enkirch. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Von den in Enkirch geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosalie (Rosa)
Hirsch geb. Löb (1870), Max Isaak (1895), Johanna Klinger geb. Löb (1888),
Sophie Levy geb. Isaak (1897), Emma Loeb geb. Simon (1880), Gerda Loeb (1907),
Hermann Loeb (1875), Hermann Löb (1900), Karl Löb (1910), Siegmund Loeb
(1878), Martha Mayer geb. Simon (1880).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Lehrer A. Wasserthal sucht eine neue Stelle
(1875)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1875: "Ein
Lehrer, Vorbeter und Baal Kore sucht sofort anderweitige Stellung in einer
streng religiösen Gemeinde; am liebsten wäre es diesem, in ein
Städtchen zu kommen.
Gefällige Franco-Offerten mit Angabe des Salairs an A. Wasserthal,
Lehrer in Enkirch an der Mosel, zu richten." |
Aus dem jüdischen
Gemeindeleben
Der aufkommende Antisemitismus macht sich am Ort bemerkbar
(1881)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1881: "Trarbach,
9. September (1881). Der hiesige Bürgermeister veröffentlicht in der
'Trarbacher Zeitung' folgende Bekanntmachung: 'Es ist zu meinem großen
Bedauern zu meiner Kenntnis gebracht worden, dass auch in Enkirch (statt
Einkirch) eine Rotte roher Burschen sich ein Vergnügen daraus macht,
allabendlich ihre jüdischen Mitbürger zu verhöhnen und selbst in ihren
Wohnungen zu insultieren. Ich nehme daraus Veranlassung, alle gutgesinnten
Einwohner Enkirch's aufzufordern, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln
diesem jeder Gesittung Hohn sprechenden Skandal entgegenzutreten. Die
Polizei-Exekutiv-Beamten werden angewiesen, jeden, der sich öffentliche
Verhöhnung der Juden erlaubt, unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen,
wonach ich für eine exemplarische Bestrafung Sorge tragen werde. Der Herr
Vorsteher wird ersucht, dies durch die Schelle in Enkirch publizieren zu
lassen." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum vorhanden. Seit 1852
hatte ein Gemeinde ein eigenes Synagogengebäude. Aus der Geschichte der
Synagoge ist wenig bekannt.
Am Feiertag 9. Aw, dem 27. Juli 1909 brannte das Innere der Synagoge aus.
Die Torarollen konnten jedoch durch Ludwig Hirsch gerettet werden. Über das
Ereignis berichtet das "Frankfurter Israelitische
Familienblatt":
Brand in der Synagoge (1909)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. August
1909: "Enkirch (Mosel). Am Tischo-be-Aw (= 27. Juli 1909) brach in der hiesigen
Synagoge Feuer aus. Das Innere der Synagoge ist vollständig
ausgebrannt. Dank dem beherzten Eingreifen des Herrn Ludwig Hirsch
konnten die Sefer-Thoras (Torarollen) gerettet
werden." |
| Anmerkung: der genannte Ludwig Hirsch
starb 1917; sein Grab ist auf dem jüdischen Friedhof
von Enkirch; seine Frau Rosalie Hirsch geb. Loeb ist in Gurs
umgekommen. |
Spätestens seit 1929 gab es auf Grund
der zurückgegangenen Zahlen der jüdischen Gemeindeglieder keine regelmäßigen
Gottesdienste mehr. Nur noch zu den hohen Feiertagen konnten Gottesdienste
abgehalten werden, an denen zur Erreichung des Minjan auf jüdische
Gemeindeglieder aus Traben-Trarbach und Kröv
teilnahmen.
Vermutlich bald nach 1933 wurde das Synagogengebäude verkauft. Das
Gebäude wurde als Anbau in das benachbarte Gasthaus "Alte Weinstube"
integriert.
Adresse/Standort der Synagoge: Backhausstraße
4
Foto
(Foto: Otmar Frühauf, Breitenthal, Aufnahmedatum
11.11.2009)
Blick auf das
Gebäude Gasthaus "Alte Weinstube" mit Gebäude
der ehemaligen
Synagoge in Enkirch |
|
|
|
| Bei dem hohen Gebäude links
handelt es sich um das schon zu Synagogenzeiten bestehende Gasthaus
"Alte Weinstube"; die Synagoge befand sich im hinteren Teil des
niedrigen Hauses. Dieser Teil wurde außen und innen stark umgebaut,
sodass heute nichts mehr an die frühere Verwendung dieses Gebäudes
erinnert. |
|
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 145-146 (mit weiteren Literaturangaben).
|
n.e.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|