Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Beilstein (VG Cochem-Land, Kreis Cochem-Zell)
Jüdische Geschichte / Synagoge  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde                        
    
In Beilstein bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Ritter Johann von Braunshorn, Hofmeister Heinrichs VII. und Herr der Burg Beilstein, erhielt 1309 von dem König das Recht, am Fuße seiner Burg einen befestigten Ort zu errichten und dort zehn Juden (beziehungsweise jüdische Familien) anzusiedeln. Es könnte sich um Überlebende der Verfolgungen von 1287 im Bereich des Mittelrheins (Oberwesel, Bacharach usw.) gehandelt haben. Die jüdischen Familien beteiligten sich in Beilstein beim Aufbau der Stadt ("Judenviertel") und der Stadtbefestigung. Die entstehende Gemeinde wurde vermutlich bei der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 zerstört. Ein Überlebender war der nach Italien geflüchtete Isaak HaLewi von Beilstein, Verfasser einer Pijjut (Dichtung für den gottesdienstlichen Gebrauch), die sich in Gebetbüchern nach den Riten von Avignon, Rom und der Romagna erhalten hatte. 
    
Seit Ende des 14. Jahrhunderts (1390) lebten wieder Juden in der Stadt. Auch im 15./16. Jahrhundert werden Juden in Beilstein genannt. Vermutlich konnten sich in der Stadt jüdische Personen / Familien hier niederlassen, die von der allgemeinen Austreibung aus dem Erzbistum Trier 1418 beziehungsweise den Austreibungsedikten von 1563 und 1570 betroffen waren.  
    
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es bis zu acht jüdische Familien am Ort (1780/81 genannt).        
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 47, 1816 73 (etwa 30 % der Gesamteinwohnerschaft), 1840 79 (26,5 % von insgesamt 299 Einwohnern), 1858 76 (27,8 % von 281), 1895 39 (von 220). 
   
1857 werden die folgenden steuerpflichtigen jüdischen Einwohner von Beilstein genannt: Benjamin Simon (Weinhändler), Moses Hirsch (Weinhändler), Samuel Lipmann (Wirt), Simon Simon (Krämer), Moses Elias (Weinhändler), Samuel Elias (Trödler), Isaak Marx (Händler), Jacob Koppel (Trödler), Jacob Simon (Weinhändler), Salomon Koppel (Händler), Daniel Hirsch (Händler), Jacob Levi (Trödler), Salomon Marx (Trödler).  
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (im Synagogengebäude), ein rituelles Bad (vermutlich im Keller der Synagoge) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe die Ausschreibung der Stelle unten von 1863). 
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Siegfried Stern (geb. 22.6.1894 in Beilstein, vor 1914 in Nordhausen wohnhaft, gef. 9.10.1917).      
    
1925 lebten noch sieben jüdische Personen in Beilstein (von 203 Einwohner). Die meisten Familien waren inzwischen in andere Orte verzogen, u.a. nach Cochem, Trier, Koblenz usw. Unter anderem war die Familie Hirsch 1918 aus Beilstein verzogen; sie hatte bis dahin eine koschere Metzgerei in der unteren Bachstraße betrieben. Der letzte Gemeindevorsteher und Weingartenbesitzer Sigmund Lipmann ist 1932 gestorben. Die letzte jüdische Familie in der Stadt (Familie Koppel: Karl Koppel war Inhaber eines Kolonialwarengeschäftes) ist 1939 von Beilstein nach Köln verzogen. Von dort wurden sie im Sommer 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, später in einem KZ bei Minsk ermordet.       
     
Von den in Beilstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Martha Anger geb. Stern (1898), Alma Bomstein geb. Levi (1900), Lina Juhl geb. Hirsch (1875), Berthold Koppel (1895), Karl Koppel (1871, später wohnhaft in Köln), Karl Koppel (1891, später wohnhaft in Bingen), Mathilde Koppel (1874), Theresias Koppel geb. Geisel (1881), Eduard Levi (1898), Rosa Levy geb. Elias (1870), Irma Marx geb. Koppel (1898), Ida Simon geb. Elias (1877), Hermann Stern (1896), Helene Strauß geb. Simon (1858), Berta Wolff geb. Elias (1866).
    
Hinweis / Link: Liste bei beilstein-stadtfuehrung.de über die Schicksale der Beilsteiner Juden, erstellt nach Angaben bei A. Schleindl s.Lit. S. 135 von Rainer Vitz, Beilstein.         
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1863 / 1867  

Beilstein AZJ 18081863.jpg (32707 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. August 1863: "Die israelitische Gemeinde zu Beilstein an der Mosel, sucht von jetzt ab einen Lehrer, Vorbeter und Schächter, das jährliche Einkommen beträgt von 170 bis 200 Thaler, nachdem die Leistungen des Mannes sind, außer freier Wohnung. Nähere Auskunft bei Vorsteher Simon daselbst."    
   
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Juli 1867: "Die israelitische Gemeinde zu Beilstein a.d. Mosel sucht vom Monate September dieses Jahres an, einen Religionslehrer, Kantor und Schächter. Der jährliche Gehalt ist circa 200 Thaler und freie Wohnung. Näheres bei Vorsteher Simon daselbst zu erfragen."   

     
     
Beschreibung der jüdischen Gemeinde in einem Moselführer von 1836  
(Quelle: A. Schleindl s.Lit. S. 133)  

"Zu Beilstein haust eine zahlreiche wohlhabende Judenschaft, die starken Verkehr mit Wein, Früchten, Vieh usw. treibt. Sie bringt reges Leben in den Handel der Umgegend und gilt überhaupt als rechtlich und ehrlich. Mit den übrigen Bewohnern lebt dieselbe auf friedlich-verträglichem Fuße, teilnehmend bei Krankheiten und anderem Missgeschick. Die Weinwirtschaft des Israeliten Lipmann am Markt wird auch von Christen häufig besucht; bei anständigem Lokal ist die Bedienung höflich und billig."  

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge              
   
Die Synagoge in Beilstein dürfte sich bereits im Mittelalter an der Stelle des noch erhaltenen Synagogengebäudes in der Weinstraße 13 (ehemaliges Judenviertel) befunden haben. Teile des erhaltenen Gebäudes könnten auch aus mittelalterlichen Zeiten stammen ("im Kern wohl mittelalterliche Bausubstanz"). Die Formensprache des bestehenden Gebäudes verweist jedoch insgesamt in das 18./19. Jahrhundert.  
  
Die Synagoge wurde auch von den in der Umgebung lebenden jüdischen Personen / Familien besucht, bis in diesen Orten eigene Synagogen eingerichtet oder erbaut wurden (vgl. Zell, Bruttig und Ediger).  
  
Nach Abwanderung der meisten jüdischen Familien wurde die Synagoge noch vor 1920 aufgegeben. Bereits um 1900 war kein regelmäßiger Minjan für die Gottesdienst mehr zustande gekommen. 1925 wurde das Synagogengebäude, später auch das Rabbinerhaus verkauft. Der neue Eigentümer verwendete das Gebäude als Lager, Scheune und Kelterraum, den Gewölbekeller als Stall. 
  
Seit Mitte des 1960er-Jahre stand das Gebäude lange Zeit leer, bis es 1990 einen neuen Besitzer fand, der die ehemalige Synagoge mit großer Sorgfalt restaurierte und sie seitdem als Galerie und Ausstellungsraum nutzt. Im Zusammenhang der Restaurierung wurde der ursprüngliche Zustand des Betraumes und der Frauenempore wie auch das Wanddekor wieder hergestellt. 
  
  
Adresse/Standort der Synagoge   Weingasse 13    
  
  
Fotos    

Die anlässlich der Instandsetzung des Gebäudes 1990 
gezeichneten Pläne von ehemaliger Synagoge und Rabbinerhaus
(die Pläne wurden von Architekt Karl Heinz Wiebach gezeichnet, 
Quelle: Landesamt s. Lit. S. 101)  
Beilstein Synagoge 346.jpg (87052 Byte) 
   Orientierungsplan für die Lage des jüdischen Viertels im nordwestlichen Teil von Beilstein;
 innerhalb der Synagoge ist der Betsaal traditionell geostet.
        
Bedeutung der Zahlen: 1 Eingang, Wohnung, 2 Waschküche, 3 Keller, 4 Eingang Synagoge, 5 Kellergewölbe, 6 Eingang Moselseite, 7 Treppenhaus, 8 Wohnraum mit Kamin, 9 Lesezimmer, 10 Essnische, 11 Küche, 12 Wendeltreppe, 13 Treppe Frauenempore, 14 Synagoge - Ausstellungen, 15 Badezimmer, 16 Kammer, 17 Schlafzimmer, 18 Synagoge 2. Stock, 19 Schlafraum, Herberge, 20 Kleiderkammer, 21 Speisekammer, 22 Empore - Atelier, 23 Dachboden
Hinweis: die nachstehenden Grundrisse zeigen sowohl das Synagogengebäude wie auch (nach rechts) das "Rabbinerhaus"
Beilstein Synagoge 341.jpg (89347 Byte) Beilstein Synagoge 340.jpg (67540 Byte) Beilstein Synagoge 342.jpg (74094 Byte)
Grundriss des Kellergeschosses   Grundriss des Erdgeschosses   Grundriss des 1. Stockes  
     
Beilstein Synagoge 343.jpg (57382 Byte) Beilstein Synagoge 345.jpg (38614 Byte) Beilstein Synagoge 344.jpg (79587 Byte)
Grundriss des zweiten Stockes   Grundriss des Dachgeschosses   Längsschnitt  
      
     
Die ehemalige Synagoge im August 2002
 (Fotos: Jürgen Wachsmuth) 
Beilstein Synagoge 141.jpg (69128 Byte) Beilstein Synagoge 140.jpg (83337 Byte)
     Blick zur ehemaligen Synagoge  
  
Blick auf den kaiserlichen Doppeladler mit Davidstern
 über dem Eingang  
          
Judenviertel und ehemalige Synagoge im August 2009 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 28.08.2009)   
  
Beilstein Synagoge 188.jpg (93218 Byte) Beilstein Synagoge 187.jpg (93475 Byte) Beilstein Synagoge 189.jpg (101733 Byte)
Blick zur ehemaligen 
Synagoge 
Im "Judenviertel" von Beilstein, von 
der Synagoge aus aufgenommen 
Das Rabbinerhaus, unmittelbar 
rechts der Synagoge angebaut 
        
Beilstein Synagoge 170.jpg (71334 Byte) Beilstein Synagoge 185.jpg (84194 Byte) Beilstein Synagoge 184.jpg (78740 Byte)
Hinweisplakat in der Stadt zur "Historischen
 Stadtführung durch 700 Jahre Beilstein" mit 
"Synagoge und Judenviertel"
Blick vom Eingang 
in das Kellergewölbe 
  
Aufgang zum früheren Betsaal (Eingang 
nach rechts erkennbar), im Hintergrund
 Treppe zur früheren Frauenempore 
     
Beilstein Synagoge 181.jpg (63455 Byte) Beilstein Synagoge 176.jpg (70529 Byte) Beilstein Synagoge 174.jpg (64615 Byte)
Im Ausstellungsbereich des früheren Betraumes: Pläne und Fotos über die vorgenommene Restaurierungsarbeiten 
der ehemaligen Synagoge sowie einzelne rituelle Gegenstände  
        
Beilstein Synagoge 172.jpg (67971 Byte) Beilstein Synagoge 171.jpg (56528 Byte) Beilstein Synagoge 177.jpg (47043 Byte)
Ausstellung / Galerie 
im früheren Betsaal  
Blickrichtung nach Osten im früheren Betsaal - unterhalb des Fensters 
befand sich einst der Toraschrein  
        
Beilstein Synagoge 183.jpg (68172 Byte) Beilstein Synagoge 178.jpg (48359 Byte) Beilstein Synagoge 180.jpg (64452 Byte)
Aufgang zur 
Frauenempore  
Blick zu den Fenstern der 
Frauenempore vom Betsaal  
Blick vom Betsaal zum Treppenaufgang 
mit Nische und Menora  
           

    
      

Links und Literatur  

Links:  

Seite des Heimat- und Verkehrsvereines Beilstein / Mosel  
Führungen zur Stadtgeschichte siehe  www.stadtfuehrungen-beilstein.de (hier auch Informationen zur mittelalterlichen Synagoge) 
Seite mit ausführlichen Informationen und historischen Fotos   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Beilstein (interner Link)  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 63.    
Wilfried Hansel: Die Judenschule in Beilstein. In: Jahrbuch für den Kreis Cochem-Zell 1988. S. 99-101. 
Reinhold Schommers: Die Beilsteiner Judengemeinde und ihre Synagoge. In: Klaus Freckmann (Hrsg.): Das Land an der Mosel - Kultur und Struktur. Bad Sobernheim 1995. S. 115-130 (Sobernheimer Gespräche III). 
Schleindl Buch 02.jpg (79021 Byte)Angelika Schleindl: Spuren der Vergangenheit. Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell. Hg. vom Landkreis Cochem-Zell. Briedel 1996. Das Buch ist auch online zugänglich!  Abschnitt zu Beilstein  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 100-101 (mit weiteren Literaturangaben).  

   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. Dezember 2016