Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Cochem (Kreisstadt, Kreis Cochem-Zell) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Sonstiges  
Kennkarte aus der NS-Zeit   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Cochem bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Die Juden der Stadt waren zuerst königliche, dann trierische Kammerknechte. Erstmals werden Juden in der Stadt 1242 genannt. Namentlich werden damals Helemannus (Heilmann) und Heckelin erwähnt. Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Geldhandel. 1339 hatten beispielsweise die Grafen Ruprecht und Philipp von Virneburg bei Jud Salomon in Cochem hohe Schulden; dieser war Verwalter der Zollstation in Cochem. Bei der Judenverfolgung 1287 in Folge der den Juden zu Oberwesel zur Last gelegten Ermordung des "guten Werner" wird auch Cochem genannt: im Frühjahr 1287 wurden in der Stadt 17 jüdische Personen erschlagen. Auch bei der sogenannten "Armleder"-Verfolgung 1337 und der grausamen Verfolgung während der Pestzeit 1348/49 wurden Juden in der Stadt ermordet. Nach der Katastrophe von 1348/49 wurde der jüdische Besitz durch den Erzbischof veräußert. 
  
Nach der Verfolgung in der Pestzeit wird 1355 und 1359 wieder ein jüdischer Einwohner namens Carpil genannt. Ab 1378 wird ein weiterer Jude, Abraham von Cochem in der Stadt bezeugt. Beide wohnten - möglicherweise nacheinander - in einem Haus am Markt, das das große Judenhus genannt wurde. Auch Carpil und Abraham lebten von Geldhandel. Der Judenschutz lag beim Erzbischof von Trier. Daher betraf die Vertreibung der Juden aus dem Erzstift Trier 1418 auch die Cochemer Juden.     
 
Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert werden nur vereinzelt Juden in der Stadt genannt. So erlaubte der Trierer Erzbischof 1554 einem Juden das Niederlassungsrecht in der Stadt (es handelte sich - nach der Familientradition der Familie Hein - um einen Ahnen dieser Familie, dessen Vorfahren 1492 aus Spanien vertrieben worden waren).
   
Eine jüdische Gemeinde bestand in Cochem erst wieder im 19./20. Jahrhundert. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück, als offenbar einige Familien zuziehen konnten.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 42 jüdische Einwohner, 1817 46, 1822 45 (2,1 % von insgesamt 2.104 Einwohnern), 1858 69 (2,7 % von 2.520), 1895 114 (3,3 % von 3.454).  
 
Die jüdischen Einwohner waren im Leben der Stadt weitestgehend integriert. Sie engagierten sich auch im allgemeinen Vereinsleben. So gehörten zu den Gründungsmitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr 1882 auch Jacques Hein, Isaak Hein II, Isaak Hein III und Gottschalk Hein. Das Engagement im Vereinsleben und das problemlose Miteinander kommt u.a. im unten stehenden Bericht zur Feier der Goldenen Hochzeit von Salomon Hein 1901 zum Ausdruck. 
   
Zur jüdischen Gemeinde Cochem gehörten auch die in Cond, Sehl und nach Auflösung der dortigen jüdischen Gemeinde die in Bruttig lebenden jüdischen Einwohner. In Sehl lebten 1895 12 jüdische Einwohner, 1925 6.  
1932
gehörten zur Gemeinde die in folgenden Orten lebenden jüdischen Personen: in Sehl 6 Personen (insbesondere Weinhändler Siegmund Hirsch mit Frau Hedwig Bach und zwei Söhnen), in Cond 9, in Büchel 4, in Alflen 4, in Bruttig 7.  

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zeitweise Israelitische Elementarschule, vgl. die Anzeigen unten 1859/76, mit denen ein Elementarlehrer gesucht wird; 1924 noch ein Religionslehrer), ein rituelles Bad (möglicherweise im Synagogengebäude) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1901 wird Lehrer Mannheimer genannt, von 1924 bis 1939 Lehrer Paul (Pinkas) Goetzoff.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde der Feldhilfsveterinär Hugo Hein (geb. 10.8.1891 in Cochem, gef. 19.8.1918) und Leutnant Heinrich Hirsch (geb. 26.10.1897 in Cochem, gef. 2.10.1918). Außerdem sind gefallen: Lothar Kahn (geb. 7.10.1893 in Cochem, vor 1914 in Köln wohnhaft, gef. 16.6.1915) und Artur Kaufmann (geb. 2.4.1895 in Cochem, vor 1914 in Wanne wohnhaft, gef. 11.5.1916; siehe Foto des Grabsteines in Verdun unten).      
 
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Cochem vor allem die folgenden jüdischen Familien: Familie Isaak Hein III (Bernstraße 541) mit den Söhnen Siegfried, Ludwig und Julius, die gemeinsam ein Pferde- und Rindviehgeschäft führten (Endertstraße 557, an der Tunnelbrücke): Viehhändler Siegfried Hein mit Frau Rose geb. Salomon und zwei Kindern, Viehhändler Ludwig Hein mit Frau Sophia geb. Faber und zwei Töchtern, Viehhändler Julius Hein (Bernstraße 541), Josef Horn und Frau Jenny geb. Hein mit Sohn (Bernstraße 541), Leopold Hein (Häutehändler, Endertstraße 548) mit Frau Johanna geb. Haas und zwei Töchtern, Erwin Haimann (Händler, Endertstraße 548) mit Frau Gertrude geb. Hein, Adelheid Heinz (Inhaberin eines Lebensmittel- und Porzellangeschäftes, Bernstraße 538), Viehhändler Siegmund Hein, Leo Hein mit Frau Agatha geb. Schoemann (Lebensmittelgeschäft Oberbachstraße 29), Viehhändler Leo Hein mit Frau Paula geb. Mayer und Tochter (Oberbachstraße 292 oder 311),Louis Hein mit Frau Selma geb. Abraham (Metzger, Herrenstraße 221), Wilhelm Mayer mit Frau Else geb. Nonem und Sohn (Weinhandel, Ravenéstraße 41), Moritz Mayer mit Frau Ida geb. Herz und Tochter (Kaufmann, Ravenéstraße 47), Wilhelm Hirsch mit Frau Clara geb. Hahn (Weinhandlung Ravenéstraße 25 oder 35), Eugen Hirsch (Weinkommissär, Endertstraße 565), Isaak Dahl mit Frau Emma geb. Fernich und sechs Kindern (Viehhändler, Fuhrweg 379 oder Kelberger Straße 401), Valentine Simon geb. Kaufmann mit Tochter Änne.       
 
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 60 Personen (in 21 Familien) gehörten, waren die Gemeindevorsteher H. Dahl, Moritz Meyer und Siegmund Hirsch. Zur Repräsentanz gehörten Markus Hirsch, J. Hirsch, Eugen Hirsch, S. Hein, Wilhelm Mayer, Leo Hein und Louis Heinz. Als Kantor, Lehrer und Schochet war Paul (Pinkas) Götzoff angestellt (geb. 1897 in Minsk). Er erteilte in der Religionsschule der Gemeinde 12 Kindern der Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es die Jüdische Armenkasse (1924/32 unter Leitung von Moritz Mayer mit zwölf Mitgliedern; Zwecke und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Wanderfürsorge) und den Israelitischen Frauenverein (1870 gegründet, 1924/32 unter Leitung von Frau Ida Mayer mit 15 beziehungsweise 26 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger). 1932 waren die Gemeindevorsteher: Isaak Dahl (1. Vors.), Moritz Mayer (2. Vors.) und Marcus Hirsch (3. Vors.). Die beiden Vorsteher der Repräsentanz waren Siegmund Hirsch (1. Vors.) und Wilhelm Mayer (2. Vors.). Weiterhin war Paul (Pinkas) Götzoff als Lehrer, Kantor und Schochet tätig. Im Schuljahr 1931/32 hatte er acht Kindern den Religionsunterricht zu erteilen. 

1933 lebten noch etwa 45 jüdische Personen in Cochem.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, jüdische Wohnungen überfallen, die jüdischen Männer verhaftet, teilweise misshandelt (Ludwig Hein wurde nach der Verhaftung ins Wittlicher Gefängnis eingeliefert und mehrfach verprügelt) und in das Konzentrationslager nach Dachau verschleppt. Letztes "Judenhaus" in der Stadt war das Haus der Familie Hein in der Bernstraße. Im Juni 1942 wurden aus diesem die letzten drei jüdischen Einwohner der Stadt abgeholt und deportiert (Isaak Dahl mit Frau Emma geb. Fernich sowie ihr Bruder Jakob Fernich aus Ulmen).
    
Von den in Cochem geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", teilweise unter "Kochem" eingegeben): Edith Baer (1902), Edith Dahl (1936), Felix Dahl (1900), Hedwig Dahl geb. Herz (1908), Isaak Dahl (1861), Johanna Dahl (1890), Lena Dahl (),Siegmund Dahl (1891), Rosa Goetzoff geb. Gurfinkel (1891), Senta Goetzoff (1929), Irma Hanau (1897), Fernand Hayum (1924), Adelheid Hein (1860), Elfriede Hein (1924), Erwin Hein (), Fanny Hein (1858), Johanna Hein geb. Haas (1866), Julius Hein (1882), Leo Hein (1881), Leopold Hein (1867), Paula Hein geb. Mayer (1892), Rosa Hein geb. Salomon (), Siegfried Hein (1880), Siegmund Hein (1871), Sophie Hein (1865), Hedwig Hirsch geb. Bach (1869), Selma Hirsch geb. Bender (1875), Siegmund Hirsch (), Bernhard Horn (1926), Jenny Horn geb. Hein (1894), Josef Horn (1887), Josephine de Leeuw geb. Hein (1875), Albert Liffmann (1880), Frida May geb. Hahn (1873), Benno Simon (1878), Hilde Stern geb. Simon (1903), Alex Wolff (1880), Julia Wolff geb. Hein (1886),    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1859 / 1865 / 1876 / 1924   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. April 1859: "In unserem Kreisstädtchen ist die Stelle eines geprüften Lehrers vakant; derselbe soll die Fähigkeit besitzen, den deutschen Elementar- und hebräischen Unterricht zu erteilen, muss zugleich Vorbeter und Schächter sein. Fixierter Gehalt 125 Thaler nebst freier Wohnung, sowie ca. 40 bis 50 Thaler Nebeneinkommen von der Schechita. Reflektanten wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse baldigst an Herrn Albert Hirsch in Cochem wenden, oder sich demselben persönlich vorstellen. 
Cochem an der Mosel, den 1. April 1859. 
Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde."    
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. April 1865: "Bei der israelitischen Gemeinde in der Kreisstadt Cochem an der Mosel ist die Stelle eines Lehrers, Kantors und Schochet vakant. Das Einkommen beträgt mindestens 200 Thaler. Außerdem ist Aussicht auf Nebenverdienst vorhanden. Bewerber wollen sich wenden an den Vorsteher W. Meyer."        
 
Cochem Israelit 15031876.jpg (48855 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1876: "Die Gemeinde Cochem an der Mosel sucht zum sofortigen Eintritt einen seminaristisch gebildeten Lehrer, welcher zugleich Kantor und Schochet sein muss. Fixes Gehalt bei freier Wohnung 600 Mark. 
Schechita
circa 150 Mark. Zu bedeutendem Nebenverdienst beste Gelegenheit, Offerten beliebe man an den Unterzeichneten zu richten. Isidor Isay."   
 
Cochem Israelit 06121876.jpg (60590 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1876: "Die Gemeinde Cochem a.d. Mosel sucht einen staatlich geprüften Elementarlehrer, der zugleich Chasan und Schochet sein muss. Fixes Gehalt bei freier Wohnung Mark 600; dies kann jedoch nach den Leistungen erhöht werden. Die Schechita bringt ca. Mark 150 ein. - Außerdem bietet sich hier Gelegenheit zu bedeutendem Nebenverdienst. Der Antritt kann sofort erfolgen. Reflektanten wollen sich baldigst an den Unterzeichneten wenden. Isidor Isay."    
 
Cochem Israelit 31071924.jpg (37001 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1924: "Die Synagogen-Gemeinde Cochem an der Mosel sucht einen seminaristisch gebildeten Kantor, Religionslehrer und Schauchet
Bewerbungen erbeten an den Vorstand 
J. Dahl". 

   
Über die Familie des Lehrers und Kantors Paul Goetzoff     

Paul (Pinkas) Goetzoff war Lehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde Cochem von 1924 bis 1939. Er hatte sich auf die obige Ausschreibung der Stelle vom Juli 1924 erfolgreich beworben. 
Paul Götzoff ist am 15. Januar 1897 in Minsk geboren. Seine Eltern wurden bei einem Pogrom ermordet. Paul kam als Waisenkind 1901 in das Israelitische Kinderheim nach Köln. Er erhielt seine Ausbildung zum Lehrer an der Präparandenschule in Höchberg und am Israelitischen Lehrerseminar in Köln. Seine ersten Stellen waren in Sohrau (Oberschlesien; bis 1921) und am Jüdischen Gymnasium in Köln, von wo aus er sich in Cochem bewarb. Hier hatte er - neben seinem Amt als Kantor und Prediger der jüdischen Gemeinde - in den folgenden Jahren nur noch wenige Schüler in Religion zu unterrichten (1924 zwölf, 1932 noch acht Schüler). 
Paul Götzoff war verheiratet mit Rosa (Roza) geb. Gurfinkel (geb. 17. Dezember 1891 in Kolbiel). Paul und Rosa Goetzoff hatten zwei Kinder: Arko (geb. 29. Dezember 1923 in Saarbrücken, gest. November 2011) und Senta (Jenta; geb. 18. Mai 1929 in Cochem). Die Familie lebte in Cochem in der Oberbachstraße 362 (alte Zählung). Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde die Bibliothek von Paul Goetzoff verwüstet; er selbst wurde von der SA verhaftet, in das KZ Dachau eingeliefert und wurde dort wochenlang festgehalten. Am 20. Januar 1939 konnte er unter der Bedingung, innerhalb von 24 Stunden nach Übersee auszureisen, das Lager verlassen. Mit einem britischen Touristenvisum emigrierte er hierauf nach Palästina, wo er 1960 in Ramat Gan bei Tel Aviv verstarb. 
Rosa und Senta Goetzoff lebten zuletzt in Köln, von wo aus sie am 22. Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert wurden. Sie wurden im Juni 1944 in Chelmno ermordet.       
 
Fotos aus der Familie Goetzoff 
(erhalten von Varda Getzoff, 
Enkelin von Paul Goetzoff) 
Cochem Goetzoff Paul.jpg (136030 Byte)Cochem Goetzoff Paul 010a.jpg (46906 Byte) Cochem Goetzoff Rosa 010.jpg (129477 Byte)Cochem Goetzoff Rosa 010a.jpg (88414 Byte) Cochem Goetzoff Senta Malka 010.jpg (112969 Byte)Cochem Goetzoff Senta Malka 010a.jpg (91896 Byte) Cochem Goetzoff Arko 010.jpg (121444 Byte)Cochem Goetzoff Arko 010a.jpg (95122 Byte)
  Paul Goetzoff (1897 - 1960 Israel) Rosa Goetzoff (1891 - 1944, ermordet)  Senta Goetzoff (1929 - 1944, ermordet)  Arko Goetzoff (geb. 1923 - Israel) 

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Die israelitische Gemeinde in Cochem erhält die Rechte einer Synagogengemeinde (1890)     

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September 1890: "Der israelitischen Gemeinde zu Cochem sind die Rechte einer Synagogen-Gemeinde erteilt worden."    

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Goldene Hochzeit des Ehepaares Salomon Hein (1901)   

Cochem Israelit 24061901.jpg (76788 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1901: "Cochem, 19. Juni (1901). Gestern feierte unter allgemeiner Teilnahme der ganzen Stadt das Ehepaar Salomon Hein dahier das Fest der goldenen Hochzeit. Abends zuvor brachte der katholische Männergesangverein ein Ständchen, und der Landwehrverein, dessen Mitbegründer der Jubilar ist, ehrte das Paar durch einen Fackelzug. Der Vorstand des Vereins überreichte dem Jubelpaare nach schwungvoll gehaltener Rede einen großartigen silbernen Pokal. Ein feierlicher Gottesdienst, bei welcher Gelegenheit auch die Ehejubiläums-Medaille überreicht wurde, fand in der Synagoge am anderen Morgen durch Lehrer Mannheimer statt. Die jüdische Gemeinde ehrte das Paar durch Übergabe eines silbernen Bechers mit entsprechender Widmung."    

     
     

Sonstiges     
Grabstein für den in Cochem geborenen und bei Verdun im Ersten Weltkrieg gefallenen Arthur Kaufmann    

Cochem WK I DSC00097.jpg (154532 Byte)  Das Grab und der Grabstein befinden sich im deutschen Soldatenfriedhof von Verdun. 
Inschrift: "Hier ruht 
Arthur Kaufmann 
Kanonier 
gef. 11.5.1916. 
Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
 
4/90."   

       

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Cochem 
geborenen Benno Simon
 
 Cochem KK MZ Simon Benno.jpg (90135 Byte)    
   Kennkarte (Mainz) von Benno Simon, geb. 20. September 1878 in Cochem, tätig als Kaufmann in Mainz, 
wurde am 25. März 1942 ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski deportiert und ist umgekommen.   
   

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge  
  
    
Über eine mittelalterliche Betstube oder Synagoge liegen keine Informationen vor.  
   
1853 war eine Betstube im Haus des Isaac Haas eingerichtet. Damals hatte die Gemeinde schon einen Bauplatz für eine neue Synagoge erworben. 1860 konnte sie fertiggestellt werden. Bei der Synagoge handelte es sich um einen traufständigen Bruchsteinbau im Rundbogenstil. Charakteristisch waren die in große Blendbogennischen eingelassenen Fenster. Neben der Synagoge wurde 1897 ein jüdisches Schulhaus mit einer Lehrerwohnung eingerichtet

    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet, gleichfalls das jüdische Schulhaus und die Wohnung von Lehrer Goetzoff. Anfang 1945 wurde das Synagogengebäude durch einen Bombentreffen beschädigt und später abgebrochen. Das Grundstück ist neu bebaut.    
  
  
Adresse/Standort der Synagoge    Oberbachstraße 361 
  
  
Fotos
(Quelle:   neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 27.08.2009)   

Die Synagoge in Cochem   Cochem Synagoge 120.jpg (65436 Byte) Cochem Synagoge 121.jpg (72313 Byte)
  Blick in die Oberbachstraße in Cochem; 
rechts ist die Synagoge erkennbar 
(Foto um 1925)
Synagoge und Schule mit Lehrerwohnung 
in der Oberbachstraße in Cochem 
(Zeichnung aus der Erinnerung von M. Day)
     
Gedenktafeln am Durchgang 
der Pfarrkirche St. Martin 
Cochem Gedenken 172.jpg (93913 Byte) Cochem Gedenken 171.jpg (107232 Byte)
  Blick auf die Pfarrkirche St. Martin und den dortigen Durchgang, an dem 
die Gedenktafeln angebracht sind   
      
Cochem Gedenken 170.jpg (99478 Byte) Cochem Gedenken 170a.jpg (100114 Byte) Cochem Gedenken 170b.jpg (106337 Byte)
Gedenktafeln am Durchgang 
der Pfarrkirche St. Martin
  
Gedenktafel mit Inschrift: "Die jüdische
 Gemeinde in Cochem verlor am 9. November
 1938 - Reichskristallnacht - durch
 Verwüstung Synagoge und Schulhaus in der
 Oberbachstraße Nr. 361. Zur Erinnerung und
 Mahnung gegeben am 9. November 1988".
Gedenkinschrift mit Text: 
"Jahrhunderte lebten Juden in Cochem. 
Die Familie Mayer, Goetzoff, Hirsch, Dahl,
 Haimann, Hein, Simon wurden Opfer der
 Schoah 1933 - 1945. Zur Erinnerung und
 Mahnung November 1998". 
 
 
      

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2013: Ausstellung zum Schicksal jüdischer Familien - Stolpersteine für den letzten jüdischen Lehrer der Stadt?   
Artikel von Thomas Brost in der "Rhein-Zeitung" Cochem vom 11. November 2013: "Stolpersteine sollen Juden dem Vergessen entreißen
Cochem -
In der Kreisstadt läuft derzeit eine Ausstellung, die das Schicksal jüdischer Familien zur Zeit des NS-Regimes in Erinnerung rufen soll. Dieser Intention folgend, sind weitere Denkanstöße geplant.
Ein Stolperstein soll künftig in der Cochemer Oberbachstraße auf das Schicksal der letzten jüdischen Lehrerfamilie aufmerksam machen. Das ist während des Schweigewegs zum Gedenken an die Reichspogromnacht bekannt geworden. Gut 60 Menschen machten sich mit Kerzen in der Hand vom Rathaus auf den Weg und kamen dabei an der Stelle vorbei, wo die Cochemer Synagoge gestanden hat. Varda Getzow, die Enkelin des letzten jüdischen Kantors in Cochem, Paul Goetzoff, las aus einem Psalm.
Die Aktion "Stolpersteine" hat der Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. "Wenn man über einen Stein zu stolpern droht, soll man achtsam sein und sich damit auseinandersetzen", sagte Landrat Manfred Schnur. Und Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz ergänzte, dass man die Vergessenen mithilfe eines Stolpersteins in die kollektive Erinnerung zurückholen wolle. "Es ist doch unfassbar, dass ehrbare Cochemer wie der Kantor Goetzoff an einem Tag unbehelligt hier gewohnt und gearbeitet haben, am nächsten Tag ins Konzentrationslager Dachau deportiert wurden", sagte er. Man werde "unseren Cochemer Bürgern ein Gesicht geben".
Varda Getzow, in Tel Aviv geborene und in Berlin lebende Künstlerin, berichtete, dass ihre Großmutter Rosa und ihre Tante Senta ins Getto nach Lodz (Polen) gebracht wurden, wo sie in der Nähe unter ungeklärten Umständen starben*. Als die Enkelin vor drei Jahren auf den Spuren ihrer Familie nach Lodz kam, nahm sie dies zum Anlass, einen Videofilm zu drehen. "Es ist eine Art Fantasiefotoalbum", sagt sie. Sie selbst spielt die verschiedenen Figuren, deren Gesichter flüchtig und nie ganz zu erkennen sind. Schnelle Schnitte unterstützen den Eindruck, sie wolle damit die Frage stellen: "Alles ist so schnell, wo kann ich ein Gesicht sehen?"
Die Ausstellung im Cochemer Rathaus zeigt ihre Familie, besonders beeindruckend ist ein Klassenfoto mit ihrer Tante Senta, aufgenommen in den 30er-Jahren vor dem Cochemer Bahnhof.
Wolfgang Lambertz appellierte an Zeitzeugen, ihr Wissen der Stadt mitzuteilen. An die Reichspogromnacht kann sich Hildegard Kirfel (83) erinnern: "Ich habe gefragt, warum haben die das den Juden angetan?" Eine Frau, die im Obergäßchen wohnte, entgegnete ihr damals: "Weil die Jesus ans Kreuz geschlagen haben." Ihre Mutter habe schließlich die zu der Zeit achtjährige Hildegard über die Hintergründe aufgeklärt.
Drei Prügelstraßen im KZ Dachau. Auf 16 Schreibmaschinenseiten hat Paul Goetzoff die Gräuel von Dachau niedergeschrieben. 1940 durfte er nach Israel ausreisen. Seine Enkelin las drei Passagen, darunter folgende: "In Dachau waren in der Hauptsache drei Strafen gebräuchlich. Bunker, Baumhängen, Prügelstrafe. Der Bunker ist ein unterirdisch angelegtes Verlies, eine Art Kellergefängnis, in dem die Zellen so eng angeordnet und gebaut waren, dass ein erwachsener Mensch in einer solchen Zell gerade noch stehen konnte. Die ,stehenden Särge' nannten sie die Gefangenen. Das Baumhängen wurde dergestalt gehandhabt, dass man dem Häftling unterhalb der Achseln einen dicken Strick anlegt und ihn so an einen Baumstamm hängt, an dem er je nach der Schwere seine Vergehens zwei, drei oder mehr Stunden hängen blieb. Die brutalste und darum gefürchtetste aller Strafen war aber die Prügelstrafe, die in der Verabreichung von 25 Stockhieben aufs entblößte Gesäß in Anwesenheit aller Häftlinge bestand. Die Prügelstrafe wird in Dachau mit einem Ochsenziemer durchgeführt." (...) red."   
* Anmerkung des Webmasters (nach Hinweis von Varda Getzow): Rosa Goetzoff und Senta Goetzoff wurden in Chelmno im Juni 1944 ermordet.    
 

    

    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Cochem   

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 151-153; III,1 S. 215.     
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005.     (mit weiteren Literaturangaben).
Schleindl Buch 02.jpg (79021 Byte)Angelika Schleindl: Spuren der Vergangenheit. Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell. Hg. vom Landkreis Cochem-Zell. Briedel 1996. Das Buch ist auch online zugänglich!  

        
         


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Cochem a.d. Mosel  Rhineland. A Jewish community existed in the 13th century. Seventeen Jes were murdered in the Oberwesel blood libel of 1287. Jews were also victimized in the Armleder massacres of 1336-39 and the community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. A permanent Jewish settlement existed in the early 19th century, reaching a population of 42 in 1808 and a peak of 114 in 1895 before dropping to 49 in 1932. A synagogue was built in 1861. Most Jews left in the Nazi era. The last three were deported to the Theresienstadt ghetto in June 1942. At least nine Jews perished in the Holocaust. 
    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. Mai 2015