Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Achern (Ortenaukreis)
 Jüdische Geschichte 
  

Übersicht:  

bulletZur jüdischen Geschichte in Achern 
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bulletLinks und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Achern           
     
In Achern bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich in der Stadt einige jüdische Personen nieder, die zur Synagogengemeinde Bühl gehörten.
 
Nach den Ergebnissen der Volkszählungen zwischen 1825 und 1933 wurden in Achern gezählt (einschließlich der Patientinnen und Patienten in der Illenau; teilweise wurden allerdings die "ortsanwesenden" und nicht nur die "ortsansässigen" Personen gezählt): bis 1839 keine jüdischen Personen am Ort; 1864 15, 1871 14, 1875 18, 1880 10, 1885 21, 1890 16, 1895 8, 1900 17, 1905 23, 1910 25, 1925 15, 1933 18. 
  
1903 ist in Achern geboren: Karl Kindermann, später Gymnasialprofessor in Lahr.
 
Im Ersten Weltkrieg ist aus Achern gefallen: Herbert Kaufmann (geb. 1888 in Lichtenau, gef. 1918); auf dem 1935 errichteten Kriegerdenkmal der Stadt wurde sein Name nicht verzeichnet.
    
Bis nach 1933 lebten am Ort die Familie des Zahnarztes Dr. Walter Gerber (verheiratet mit Anneliese geb. Behringer; 1933 nach Australien emigriert) und die Familie Max Hammel (Fautenbachstraße 8, Hannelore Fetter geb. Hammel geb. 1923 siehe unten, Max Hammel lebte nach 1945 in einem jüdischen Altersheim in Straßburg). Die Sensenfabrik in der Kirchstraße gehörte Sigmund Bühler in Bühl. 
 
Zur Geschichte jüdischer Patientinnen und Patienten in der Illenau. In der früheren Heil- und Pflegeanstalt Illenau waren seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch jüdische Patientinnen und Patienten, die unter seelsorgerlicher Betreuung durch den Offenburger Rabbiner standen. 1940 wurden im Zusammenhang mit den so genannten "Euthanasie-Aktionen auch die jüdischen Patientinnen und Patienten in Vernichtungslager transportiert. Mindestens fünf Personen kamen dadurch ums Leben.
 
Von den den in Achern geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (einschließlich der Patientinnen und Patienten der Illenau; Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Paul Bänder (geb. 1905 in Kattowitz, wohnhaft in Breslau, Achern und Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn, deportiert ab Koblenz 1942 in das Ghetto Krasniczyn, umgekommen), Hannelore Fetterer geb. Hammel (geb. 1923 in Achern, wohnhaft in Offenburg und Stuttgart, deportiert 1. Dezember 1941 von Stuttgart nach Riga, umgekommen 1944 im KZ Stutthof), Julius Hirsch (geb. 1892 in Achern, wohnhaft in Karlsruhe und Achern, deportiert ab Stuttgart-Trier-Düsseldorf-Dortmund 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz, ermordet), Emil Kaufmann (geb. 188 in Lichtenau, wohnhaft in Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch und Achern, deportiert am 24. Oktober 1940 und ermordet ("Euthanasie"), Betty Knopf (geb. 1887 in Pforzheim, wohnhaft in Freiburg und in der Illenau/Achern, 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Reichenau, ermordet 10. Oktober 1940 in Grafeneck (Münsingen), Julius Nauen (geb. 1879 in Waldulm/Achern, wohnhaft in Aglasterhausen und Mannheim, nach Pogromnacht vom 11. November bis 5. Dezember 1938 im KZ Dachau, später deportiert in das Vernichtungslager Auschwitz, ermordet am 31. Dezember 1942), Martha Oberbrunner (geb. 1890 in Offenburg, wohnhaft in Offenburg und in der Illenau/Achern, 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Reichenau, ermordet 10. Oktober 1940 in der Tötungsanstalt Grafeneck (Münsingen), Simon (Simcha) Pack (geb. 1911 in Kanczuga/Przeworsk/Galizien, wohnhaft in Karlsruhe, Illenau/Achern und Pflegeanstalt Bermersbach-Fußbach, 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried, ermordet in der Tötungsanstalt Grafeneck (Münsingen), Gustav Schlessinger (geb. 1900 in Menzingen, wohnhaft in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch, dann Illenau/Achern, dann Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen, 1941 Heil- und Pflegeanstalt Heppenheim, ermordet Februar 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar, Eugen August Silbermann (geb. 1913 in Karlsruhe, wohnhaft in Karlsruhe, Illenau/Achern und Pflegeanstalt Bermersbach-Fußbach, 1941 Heil- und Pflegeanstalt Schussenried, ermordet 1. November 1940 in der Tötungsanstalt Grafeneck (Münsingen), Ida Wagner geb. Rosenheimer (geb. 1871 in Bühl, wohnhaft in Karlsruhe und Illenau/Achern, dann Heil- und Pflegeanstalt Reichenau, 1940 ermordet in der Tötungsanstalt Grafeneck (Münsingen).    
    
Hinweis: für Julius Hirsch wurde in Karlsruhe in der Murgstraße ein "Stolperstein" verlegt: https://www.11-km.de/julius-hirsch-stolperstein/ 
Vgl. Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Hirsch_(Fußballspieler)  
Gedenktafel seit 2007 in Berlin:  https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/gedenktafeln/artikel.125735.php 
    
   
  
Fotos / Dokumente   

Gedenkblätter ín der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem
https://yvng.yadvashem.org/ 

 
     
Gedenkblätter für Hannelore Hammel (1923-1944)   Gedenkblatt für Julius Hirsch (1892-1943)
     

    
   
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     

August 2011: Überlegungen, in Achern "Stolpersteine" zu verlegen   
Artikel von Andreas Cibis in der "Acher-Rench-Zeitung (baden-online.de, Artikel) vom 10. August 2011: "Stolpersteine auch in Achern?
Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus: Interesse an der Aktion des Künstlers Günter Demnig

Sogenannte Stolpersteine des Aktionskünstlers Günter Demnig könnten auch bald in Achern verlegt werden. Sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus..."        
Vgl. dazu auch den Bericht in der Website jukis.de      

 

Mai 2018: Nach Julius Hirsch soll eine Straße benannt werden     
Anmerkung: unter den in Illenau/Achern geborenen jüdischen Personen war Julius Hirsch (1892 Achern - 1942 Auschwitz), seit 1902 im Karlsruhe Fußball-Verein FKV, mit dem er 1910 Deutscher Meister, 1912 Vizemeister wurde; 1912 deutscher Nationalspieler bei den Olympischen Spielen in Stockholm; 1933 als Jude aus dem FKV entlassen.     
Artikel in "baden-online.de" vom 12. Juli 2018: "Illenauer in Auschwitz ermordet. Acherns OB will Naziopfer Julius Hirsch eine Straße widmen
Julius Hirsch war ein Fußball-Nationalspieler, der in der Illenau geboren wurde. Weil er Jude war, brachten ihn die Nazis in Auschwitz um.

Während die Fußballwelt dem WM-Finale in Russland entgegenfiebert, will Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach eine Straße in den Illenau-Wiesen nach dem früheren deutschen Fußballnationalspieler Julius Hirsch benennen. Der Impuls dazu stammt aber nicht von ihm. Das Acherner Stadtoberhaupt greift die Idee von Richard Busam aus Oberachern auf, eine Straße in dem noch zu entwickelnden Neubaugebiet Illenau-Wiesen nach dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch zu benennen. Das Konzept für die Illenau-Wiesen ist verwaltungsintern erarbeitet und soll dem Gemeinderat direkt nach den Sommerferien präsentiert werden, hatte Muttach in der Bau- und Umweltausschusssitzung am Montag angekündigt.
Mutter war in Illenau. Wer war Julius Hirsch? Dazu schreibt die Stadtverwaltung: Am 10. Oktober 1891 wurde Emma Hirsch, die Mutter von Julius Hirsch ausweislich der Patientenakte der Heilanstalt Illenau nach 'vielen häuslichen deprimierenden Ereignissen, Todesfällen und Krankheiten' in der Pflegeanstalt Illenau aufgenommen. Am 7. April 1892 wurde Julius Hirsch in der Illenau geboren. Am 27. November 1893 schrieb der Ehemann von Emma Hirsch und Vater von Julius Hirsch, Berthold Hirsch, an die 'Direktion der Großherzoglichen Badischen Heil– und Pflegeanstalt Illenau': '… habe ich die Ehre Ihnen hiermit die erfreuliche Mitteilung zu machen, dass es meiner lieben Frau sehr gut geht. Die häusliche Arbeit, die Umgebung und die nach Kräften genossene Schonung, auch der tägliche Aufenthalt in freier Luft, hat dazu beigetragen, dass jetzt meine liebe Frau wieder vollständig gesund ist, wofür ich dem lieben Gott nicht genug danken kann.'
1911 Debüt gegen Ungarn. Julius Hirsch machte eine steile Karriere und wurde 1910 mit dem Karlsruher FV Deutscher Fußballmeister sowie dreimal in Folge Süddeutscher Meister. 1911 debütierte Hirsch als Nationalspieler gegen die Auswahl Ungarns, in seinem zweiten Länderspiel erzielte er beim 5:5 gegen die Niederlande vier Tore. Noch im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat, wurde aber dann im Dritten Reich Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. 1933 wurde er als Jude aus dem Karlsruher FV ausgeschlossen, später zur Zwangsarbeit verpflichtet. Infolge der sich dramatisch verändernden Lebensumstände erkrankte Julius Hirsch seelisch schwer, überlebte einen Selbstmordversuch und wird am 5. Mai 1939 in die Illenau eingeliefert. Die hatte sich zwischenzeitlich von ihren ursprünglichen humanitären Ansprüchen weit verabschiedet. Julius Hirsch unternahm einen Fluchtversuch als Ausdruck der Unzufriedenheit mit seinem Aufenthalt in der Illenau und der Sehnsucht nach seiner Familie. 1943 wurde Julius Hirsch nach Auschwitz-Birkenau deportiert, seine beiden Kinder Heinold und Esther kamen später in das Konzentrationslager Theresienstadt, wo sie durch die Rote Armee am 7. Mai 1945 gerettet wurden.
Schrecklicher Wandel. Am Beispiel der Familie Hirsch verdeutlicht sich, sagte Oberbürgermeister Muttach, wie katastrophal sich eine verändernde Weltanschauung auch in der Illenau vom segensreichen Wirken an der Mutter von Julius Hirsch zur todbringenden Menschenverachtung wandelte. Mit der Benennung eines Straßennamens in den Ilenau-Wiesen soll dieser dramatischen Veränderung am Beispiel des in der Illenau geborenen prominenten Fußballers gedacht werden. Die Stadt Achern könne sich damit auch der Würdigung des Deutschen Fußballbundes anschließen, der den Julius-Hirsch-Preis ins Leben rief und mit dem besonderer Einsatz für Toleranz und Menschenwürde, gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ausgezeichnet wird."  
Link zum Artikel  

        
        

     
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Stadt Achern   

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Bühl mit Achern 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Achern sind vorhanden: 
Im Staatsarchiv Freiburg L 10 Bü. Nr. 12 Achern Israelitische Gemeinde: Geburten- und Sterbebuch, 1865, 1867; Geburtenbuch 1868   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-471008  
Zu Bühl sind im Landesarchiv Baden-Württemberg vorhanden:  
J 386 Bü. 121 Bühl  Geburten 1793 - 1869 / Eheschließungen 1793 - 1869 / Sterbefälle 1793 - 1869  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440636   
J 386 Bü. 122 Bühl  Geburten 1811 - 1869 / Eheschließungen 1814 - 1869 / Sterbefälle 1812 - 1869  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440637      

 Literatur:  

bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 65-66.  

   
    

                   
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Stand: 18. Mai 2020