Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Speyer (Rheinland-Pfalz)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Speyer wurden in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 2.1.2015.  
   
   
   
Übersicht: 

Allgemeine Berichte   
-  Bericht über "850 Jahre jüdische Gemeinde zu Speyer" (1934)  
Über die kleiner werdende jüdische Gemeinde (Bericht aus der NS-Zeit, 1936)        
Artikel über die jüdische Geschichte im Mittelalter  
Beitrag aus dem Jahr 1876 von Moses Mannheimer: "Die Judenverfolgungen in den Städten Speyer, Worms und Mainz im Jahre 1096, während des ersten Kreuzzuges" mit Übersetzung eines mittelalterlichen Berichtes des Elieser ben Nathan Halevi aus Köln 
Fortsetzung des Beitrages von Moses Mannheimer (Teil 2)  
Fortsetzung des Beitrages von Moses Mannheimer (Teil 3)  
Zur Geschichte der Juden in Worms und Speyer (Artikel von 1897)    
Über die Judenverfolgungen während des Ersten Kreuzzuges 1096 (Artikel von 1925)  
Besprechung eines Romans über Juden und Christen im mittelalterlichen Speyer (1926)  
    
Artikel über die jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Ludwig Schloss (1862) 
70. Geburtstag und 50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Ludwig Schloss (1883)  
Auszeichnung von Lehrer Ludwig Schloss (1887)  
Lehrer Ludwig Schloss ist in den Ruhestand getreten (1889)   
Anstellungsprüfung eines jüdischen Schulamtskandidaten (1909)   
Ausschreibung der Lehrerstelle (1928)   
Jakob Krämer verlässt die Pfalz (1928)  
In Speyer besteht noch eine der letzten jüdischen Schulen in der Pfalz (1936)  
70. Geburtstag von Lehrer Leon Waldbott (1937)   
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  Rückschritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung (1846)  
-  Der Verein Ez-Chajim will eine Tora-Rolle schreiben lassen (1886) 
-  Antijüdisches im "Hirtenbrief" des Bischofs (1904)  
Die israelitische Kultusgemeinde gratuliert dem neuen Bischof in Speyer (1905)   
-  Festgottesdienst aus Anlass der Räumung der Pfalz (1930)   
-  Jüdischen Geschäftsleuten ist das Hissen von schwarz-weiß-roten Fahnen untersagt (1933) 
Dank für Stuhlspenden für das Israelitische Altersheim (1938)   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert - Grabstein für Oscar Matzger (Metzger) aus Speyer in New Orleans (1848-1867)    
-  80. Geburtstag des langjährigen Gemeindevorstehers Sigmund Herz (1908)  
85. Geburtstag des langjährigen Gemeindevorstehers Sigmund Herz (1913) 
Zum Tod von des einer jüdischen Familie stammenden Domkapitular Dr. Sigmund Joseph Zimmern (1914)    
-  Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Sigmund Herz (1918) 
Todesanzeige für Dr. med. Eduard Dreifuss (1924)  
Zum Tod des Synagogenvorstandes Leopold Klein (1934) 
Silberne Hochzeit von Synagogenrat Eugen Loeb und Flora geb. Haß (1937)  
75. Geburtstag von Albert Mayer (1938) 
Reinhold Herz wandert in die USA aus (1938)  
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabsteine in Gurs      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen der Metzgerei und Wurstlerei Hermann Hanauer (1901/1906)       
-  Anzeige des Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäftes A. Westheimer & Co. (1905)  
Weitere Dokumente  
Werbemarken der Firma Marx Mayer für Bonbons und Kaffee (aus der Zeit ca. 1905 bis 1920)      

      
      
      
Allgemeine Berichte
  

Bericht über "850 Jahre jüdische Gemeinde zu Speyer" (1934)
   

Speyer Bayr GZ 15111934a.jpg (143458 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1934: 
"850 Jahre jüdische Gemeinde zu Speyer. 
In dieser Zeit, wo Heimatverbundenheit und Heimatrecht der deutschen Juden in Frage gestellt wird, ein paar Monate nach der 900-Jahrfeier der Synagoge zu Worms, am 13. September 1934 bestand die jüdische Gemeinde zu Speyer 850 Jahre. -   
Am gleichen Tag im Jahr 1084 n.Chr. erklärte der Bischof Rüdiger Huosmann in einer Urkunde wörtlich, er glaube den Ruhm der Stadt Speyer tausendfach zu mehren, wenn er (zugleich mit der Eingemeindung des Dorfes Altspeyer die dort wohnenden) Juden aufnehme. Das ist die Geburtsurkunde der Jüdischen Gemeinde zu Speyer.   
Erwiesen aber ist, dass Juden schon lange vorher, nämlich seit dem 8. Jahrhundert, sich in Alt-Speyer, das an den großen Handelsstraßen Köln-Augsburg und Köln-Narbonne gelegen war, angesiedelt hatten. Luther behauptet, dass schon in der frühesten Zeit des fränkischen Reiches hier Juden lebten, wenngleich die Geschichte der Kultur von den Juden der damaligen Zeit ebensowenig, wie von den Deutschen zu berichten weiß. Ja, eine Ansiedlung schon zu römischer Zeit ist wahrscheinlich. So zählt Speyer mit den anderen rheinischen Gemeinden Köln, Mainz und Worms zu den ältesten jüdischen Niederlassungen in Deutschland.    
Die Erinnerung, die in die Zeit vor 1084 zurückgeht, trifft in der Speyerer Altstadt etwa um das Jahr 1000 Sprosse auf der berühmten italienischen Rabbinerfamilie Kalonymos in einer schon damals bestehenden Judengemeinde an, in deren Talmudschule auch Raschi gelernt hat. - Bis in diese Zeit wohnten die Juden in der Altstadt, angesehen und ungestört unter den christlichen Bürgern. Seit etwa 1050 aber mussten sie vor Ausschreitungen des Pöbels geschützt werden.  
So zog Bischof Rüdiger nach jener Urkunde von 1084 seine jüdischen Untertanen auf einem besonderen Gelände zusammen, das er zu ihrem Schutz mit Mauern umgeben ließ. Hier ist zum erstenmal in Deutschland das Ghetto erwähnt, das aber nicht zu Hohn und Schande, sondern nur zum Schutz der Juden errichtet wurde. Im gleichen Jahr nahm der Bischof viele Juden aus Mainz auf, wodurch erst die Gemeinde so rasch emporblühen konnte. In dem Privileg aber gewährte er ihnen Freiheiten und Rechte, wie sie die Juden in Deutschland damals  
Speyer Bayr GZ 15111934b.jpg (445346 Byte)nirgends besaßen: Handelsfreiheit, eigene Gerichtsbarkeit unter einem sogenannten Archisynagogus, das Recht Grundbesitz zu erwerben, christliche Dienstboten und Sklaven zu halten usw. Dafür sollten ihm die Juden jährlich 3,5 Pfund Speyerer Geldes zahlen. 
Als sechs Jahre später, im Jahr 1090, Kaiser Heinrich IV. nach Speyer kam - der Bischof war inzwischen alt geworden und Sorge für die Erhaltung ihrer Rechte mag der Anlass gewesen sein - ließen sich die Speyerer Juden durch Vermittlung des ihnen wohlgesinnten Bischofs auch unter seinen Schutz nehmen. Er bestätigte ihnen ihr Privileg und vermehrte ihre Freiheiten und ihren Rechtsschutz noch ganz bedeutend: Sie konnten im ganzen Deutschen reich bei Zollfreiheit Handel treiben, in Prozessen mit Christen durften sie nach jüdischem Recht Beweis führen, germanische Gottesurteile sollten gegen sie nicht angewendet, Verbrechen gegen sie streng bestraft werden. Dieses Privileg unterzeichnete der Kaiser eigenhändig, nachdem er sich vorher mit dem Rabbi Kalonymus über den Speyerer Dom, der damals erst einige Zeit fertig gestellt war, unterhalten hatte. Auf des Kaisers Frage, ob der Dom dem salomonischen Tempel an Schönheit nicht überlegen sei, suchte der Rabbi aus der Bibel die höhere Würde des Tempels nachzuweisen. Dass der Kaiser die freimütige Antwort nicht ungnädig aufnahm, zeigt das Privileg, das er erteilte.   
Obwohl nun die Juden dem Kaiser direkt unterstanden, ließ er dem Speyerer Bischof die ihm als Stadtherrn zustehenden Rechte, sodass Bischof und Juden in dauernder Verbindung blieben. Von ihm war der Vorsteher der Synagoge abhängig, an seine Kammer flossen die für Verletzung der Judenrechte erhobenen Bußgelder. Seit 1090 so unter doppeltem Schutz - von einer finanziellen Ausbeutung konnte damals noch keine Rede sein - bracht für die Speyerer Juden eine gute Zeit an. Unterbrochen nur von einem Schreckenstag im Jahr 1090, wo die Kreuzfahrer einige Speyerer Juden ermordeten. Doch bot der Bischof gleich Bewaffnete zu ihrem Schutz auf, die weitere Gefahr abwendeten.
Jetzt begann die 100-jährige Blütezeit der Gemeinde. - Man treib nach Belieben Handel und Geldgeschäfte. Der Wohlstand muss beträchtlich gewesen sein. Damals entstanden die Bauten der Gemeinde in der Gegend, die heute noch die Judengasse heißt: Eine Synagoge, als deren Baujahr schon 1084 bezeichnet wird, ein Gemeinde-, ein 'Dantz- oder Brutehaus' (Tanz- oder Brauthaus), ein Lehrhaus und eine Mikwe aus der Wende des Jahrhunderts, ein paar Jahre später noch eine zweite Synagoge. Von all dem ist heute nur noch die Mikwe, das 'Judenbad' erhalten, das mehr als 400 Jahre seiner Bestimmung diente, heute seiner Renovierung harrend. Eine unterirdische Anlage in romanischem Baustil, wie sie monumentaler in Deutschland heute nirgends zu sehen ist. Das Speyerer Judenbad mit seinem alten Gemäuer zwischen winkligen Gässchen verdient nicht nur als ein verträumter Zeuge jüdischer Geschichte, sondern auch als deutsches Kunstdenkmal aus der großen Zeit der salischen Kaiser ernstliche Beachtung. - Von der romanischen Synagoge aber sind allein kümmerliche Mauerreste übrig. Sonst künden nur noch ein paar verwitterte Grabsteine von den jüdischen Menschen des alten Speyer. Deren Namen aber besaßen in der damaligen jüdischen Welt einen guten Klang. War doch die Gemeinde, solange Juden in größeren Massen hier lebten, ein geistiges Zentrum. 'Die Weisen von Speyer' werden mit derselben Ehrerbietung genannt, wie die Meister von Worms und Mainz. Und dass diese drei Gemeinden eine gewisse Einheit bildeten. SCHUM (Speyer - Worms - Mainz) ist aus ihren Verordnung, den Tekanoth SCHUM allgemein bekannt. Von diesen schreibt ein jüdischer Autor, Isaac aus Wien: 'Von unseren Lehrern in Mainz, Worms und Speyer ist die Lehre ausgegangen für ganz Israel, und seitdem Gemeinden in Deutschland und in dem (slawischen) Königreiche sind, hat man sich daselbst an diese Vorschriften gehalten.' Wiederholt fragten auch die Rabbinerversammlungen und der Gemeindeverband während dieser Blütezeit in Speyer, ehe beim zweiten Kreuzzug von 1195 große Verfolgungen über die Gemeinde hereinbrachen.  
Wenn auch der Kaiser die Mörder zwang, den Juden Buße zu zahlen, es war der Anfang des Niedergangs. 50 Jahre später schon verloren sie ihre Handelsfreiheit: außer mit Geld, sollten sie nur mit Wein, Kräutern und Arzneien Handel treiben. Und einige Jahrzehnte nach dieser Beschränkung begann die finanzielle Ausbeutung durch die Kaiser, die die Speyerer Juden von nun an wechselnd an Städte, Bischöfe und Herren verpfändeten und wiederholt sämtliche Forderungen, die die Juden besaßen, für null und nichtig erklärten.
Gegen Ende dieses 13. Jahrhunderts aber setzte die lange Leidenszeit der Speyerer Juden eigentlich ein, während sie bald vertrieben oder ermordet, bald wieder zurückgerufen wurden. So ereilte sie 1282 und 1343 das Verderben. Und als 1348 der 'Schwarze Tod' durch Europa rast, leuchtet im Speyerer Judenghetto die Brandfackel der sich selbst verbrennenden Juden durch ein blutiges Morden. - Das Geschehen dieses Jahres hat vor ein Jahrzehnt der damalige deutsche Gesandte in Wien Dr. Maximilian Pfeiffer in seinem Buch 'Kyrie Eleison', ein Roman von Juden und Christen im alten Speyer' gestaltet. - Dieser Schlag hatte die Gemeinde ins Mark getroffen. Die Steine ihrer Häuser, Grabsteine und Friedhofsmauern wurden von der Stadt zu neuen Türmen und zur Ausbesserung der Stadtmauern benützt. Zwar durften die 1349 Entkommenen, die in Heidelberg Zuflucht gefunden hatten, wieder zurückkehren, aber es gab nur neue Schwierigkeiten: Reibereien mit den Zünften, ein Verbot der Errichtung neuer Schulen, eine demütigende Kleiderordnung, Benützung der Synagoge als städtisches Haus usw. Aber auch die dazwischen liegende Folge von Vertreibungen und Wiederzulassung konnte die Heimatliebe der Speyerer Juden nicht ersticken, bis mit dem großen Brand der Stadt Speyer im Jahre 1689 Synagoge und Judengemeinde ihr Ende fanden.  
Als die Stadt wieder aufgebaut war, erhielten die Juden nur 'temporarische' Aufenthaltserlaubnis, sodass sie sich, wie ehemals in den umliegenden Dörfern wieder ansiedelten. Nach der französischen Revolution aber kamen die Juden aus diesen Dörfern wieder in die Stadt, und als 1806 Napoleon den Juden deutsche Namen geben ließ, wurden schon wieder 80 jüdische Einwohner festgestellt. Seit dieser Namensgebung tragen viele deutsche Juden den Namen Speyer, das auch in Spier, Spiro, Spira zu finden ist. - 
Die Gemeinde erlebte jetzt einen, wenn auch mit ihrer klassischen Zeit nicht vergleichbaren Wiederaufstieg. 1836 wurden eine neue Synagoge und eine jüdische Schule eingerichtet, die bis heute bestehen. 1900 zählte die Gemeinde wieder 500 Seelen, die aber heute auf 269 zurückgegangen sind. Ein einziger Lehrer ist der Verwalter einer großen Tradition.  
Von der Not unserer Zeit sind die Speyerer Juden hart getroffen. Ein großer Teil der Jugend ist im letzten Jahr abgewandert. Aber wenn die Jüdische Gemeinde zu Speyer auf ihre Geschichte zurückblickt, dann weiß sie, dass dies nicht die erste Notzeit ist, die sie bestehen musste und überstanden hat. Reinhold W. Herz, früher Speyer, jetzt Berlin."          

  
Über die kleiner werdende jüdische Gemeinde (Bericht aus der NS-Zeit von 1936)   

Speyer BayrIsrGZ 01091936.jpg (243381 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. September 1936: 
"Schicksal in Zahlen.  Von Reinhold Herz (Berlin). 
Die Gemeinde Speyer, die als eine der ältesten jüdischen Gemeinden in Deutschland 1934 achthundertundfünfzig Jahre bestand, begeht demnächst die 100-Jahre-Feier ihrer neuen Synagoge und der jüdischen Schule. Wir haben aus Anlass des 850-jährigen Bestehens die wechselvolle Geschichte dieser alten Gemeinde ausführlich dargestellt. Aus Anlass der 100-Jahr-Feier bringen wir heute einen kurzen soziologischen Abriss ihrer gegenwärtigen Gestalt, der über Speyer hinaus für die Situation und Entwicklung der kleineren jüdischen Gemeinde in Deutschland nur allzu typisch sein dürfte.
Die Speyerer Gemeinde, die im Jahre 1836 mit einer Seelenzahl von 250 Menschen sich wieder eine eigene Synagoge und eine jüdische Schule errichtete, hat in ihrer neueren Geschichte die größte Seelenzahl im Jahre 1900 mit 520 Menschen erreicht. Seitdem ist die jüdische Bevölkerung bis 1925 auf 350, bis 1933 auf 270 und bis 1936 auf 190 Menschen gesunken.  
Der Bevölkerungsverlust von 1900 bis 1933 ist in erster Linie durch Binnenwanderung in Großstädte entstanden. Der Bevölkerungsverlust von 1933 bis 1936 rekrutiert sich aus: 1 Austritt, 11 Todesfälle, 36 Personen sind innerhalb Deutschlands abgewandert und zwar hauptsächlich in die beiden Großstädte Mannheim und Frankfurt am Main. 48 Personen sind ausgewandert, wobei, wie in sehr vielen süddeutschen Gemeinden, die weitaus überwiegende Zahl auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika entfällt und die Zuwanderung zu Verwandten charakteristisch ist. Dem Bevölkerungsverlust von 96 Personen steht eine Zunahme durch 3 Geburten und 9 Zuzüge gegenüber. Die wirtschaftliche Entwicklung wird charakterisiert durch 10 Fälle von Geschäftsübergabe (Verkauf oder Vermietung) und durch die Senkung des Gemeindeetats von 15.000 auf 10.000 Mark. Auch dieser Etat kann bereits nur noch durch freiwillige Selbstbesteuerung einiger weniger Gemeindemitglieder aufrecht erhalten werden.  
Nach dem heutigen Stand zeigt die Altersgliederung der Gemeinde mit 50 Prozent der Bevölkerung zwischen 40 und 60 Jahren und 20 Prozent über 60 Jahren eine überdurchschnittliche Überalterung. In der beruflichen Struktur überwog bisher der Einzelhandel vorherrschend in der Textilbranche. Dieses berufliche Gepräge löst sich auf und der Zwischenhandel wird bestimmend. Die soziale Struktur zeigt trotz der Überalterung nur noch etwa 50 im Erwerbsleben stehende Personen. Die Form der Selbstständigkeit überwiegt noch. Das kulturelle Leben verliert durch die Abwanderung der tragenden Menschen dauernd an Selbstständigkeit. Es wird hauptsächlich durch überörtliche Quellen gespeist: Jüdische Zeitung und Buch, auswärtige Redner und Teilnahme am kulturellen Leben der benachbarten Großgemeinde Mannheim. Das gesellschaftliche Leben ist durch das Fehlen eines gemeindlichen Zusammenkunftsraumes völlig gehemmt, seitdem vor einigen Monaten die jüdische Schule in dem einzigen Gemeinderaum untergebracht werden musste. - So bleibt der Gottesdienst in der Synagoge als alleinige Form eines regelmäßigen Gemeinschaftslebens.
Für die Zukunft sind in der Bevölkerungsbewegung bereits einige klare Entwicklungstendenzen festzustellen. Etwa 20 weitere Personen, d.h. etwa 10 Prozent der Gemeinde bereiten noch ihre Auswanderung vor. Nach diesem erneuten Wanderungsverlust besonders von jüngeren Menschen und jungen Ehepaaren wird die jüdische Schule, die jetzt noch 17 Kinder umfasst, durch den Mangel an Jugendlichen selbst bei Einbeziehung der umliegenden Landgemeinden nur noch wenige Jahre bestehen können. - Die Seelenzahl der Gemeinde scheint sich unter Berücksichtigung der durch die Überalterung entstehende Immobilität und eines der Altersgliederung entsprechenden Sterbeverlustes für eine Reihe von Jahren auf etwa 130-150 Menschen neu zu stabilisieren."           

   
    
Artikel über die jüdische Geschichte im Mittelalter   
Beitrag aus dem Jahr 1876 von Moses Mannheimer: "Die Judenverfolgungen in den Städten Speyer, Worms und Mainz im Jahre 1096, während des ersten Kreuzzuges" mit Übersetzung eines mittelalterlichen Berichtes des Elieser ben Nathan Halevi aus Köln
       

Speyer AZJ 09051876a.jpg (348256 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Mai 1876:     
Speyer AZJ 09051876b.jpg (376674 Byte)   
Speyer AZJ 09051876c.jpg (385492 Byte)   

  
Fortsetzung des Beitrages von Moses Mannheimer (Teil 2)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Mai 1876:          
Worms AZJ 16051876b.jpg (414158 Byte)      

   
Fortsetzung des Beitrages von Moses Mannheimer (Teil 3)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Mai 1876:     
Mainz AZJ 23051876b.jpg (360732 Byte)  
Mainz AZJ 23051876c.jpg (404354 Byte)  
Mainz AZJ 23051876d.jpg (80374 Byte)  

    
Zur Geschichte der Juden von Worms und Speyer (Artikel von 1897)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1897:           
Worms Israelit 20051897b.jpg (411273 Byte)  
Worms Israelit 20051897c.jpg (359955 Byte)  

 
Über die Judenverfolgungen während des Ersten Kreuzzuges 1096 (Artikel von 1925) 

Speyer Israelit 21051925.jpg (227693 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1925:     

  
Besprechung eines Romans über Juden und Christen im mittelalterlichen Speyer (1926)   

Speyer Bayr GZ 08021926.JPG (156579 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. Februar 1926:    

    
    
    
Artikel über die jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert  

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Ludwig Schloss (1862)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Dezember 1862; "Speyer, 15. November (1862). Heute feierte Herr Schloß, Lehrer der hiesigen israelitischen Schule, sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Es wurde von vielen Teilnehmenden, von Schülern, Freunden und Kollegen des verdienten Mannes als ein Fest begangen. Unter vielen Ehrengeschenken und Gratulationen heben wir den von vielen Gemeindemitgliedern gewidmeten und von einer herzlichen Ansprache begleiteten silbernen Pokal, sowie die Deputation des Lehrerkollegiums und die am Abend dargebrachte Serenade hervor. Möge Herr Schloß noch viele Jahre der kräftigsten Wirksamkeit und des Familienglückes erleben!"           


70. Geburtstag und 50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Ludwig Schloss (1883)   

Speyer AZJ 20111883.jpg (35430 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1883: "Bonn, 11. November (1883). Man schreibt aus Speyer vom 6. November: Heute feiert der israelitische Lehrer L. Schloß seinen 70-jährigen Geburtstag in Verbindung mit dem 50-jährigen Amtsjubiläum. Das gesamte Lehrerpersonal brachte dem greisen Kollegen gestern Abend ein Ständchen, wobei zwei Chöre vorgetragen wurden."       

 
Auszeichnung von Lehrer Ludwig Schloss (1887)   

Speyer AZJ 21041887.jpg (203384 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1887: "Der 'Speyerer Zeitung' entnehmen wir: Ein höchst feierlicher Akt vollzog sich am 2. dieses Monats Vormittags im großen Saale des Rathauses: die Dekorierung des Herrn Lehrers Ludwig Schloß dahier. Schon vor 11 Uhr hatten sich die Vertreter der Stadtverwaltung, den Herrn Bürgermeister Süß an der Spitze, die protestantischen Distrikts- und Lokalschulinspektoren, die Lehrerkollegien der Volks-, Real- und Töchterschule, der Vorstandschaft der israelitischen Kultusgemeinde sowie zahlreiche Bekannte und Freunde des Jubilars aus Nah und Fern in dem bezeichneten Lokale eingefunden, um Zeuge einer Ehrung zu sein, die einem verdienten Lehrer für treues 50-jähriges Wirken in der Schule durch die Gnade Seiner Königlichen Hoheit des erhabenen Prinzregenten Luitpold von Bayern erwiesen wurde. In einer warmen Ansprache zeichnete der Königliche Regierungsrat und Bezirksamtmann Herr von Moers ein Bild des Strebens und Wirkens des Gefeierten, verlas die hierher gehörigen amtlichen Schriftstücke und endigte mit dem Wunsche, es möge Herrn Schloß noch lange vergönnt sein, zum Segen der Schule und unserer Stadt mit Erfolg arbeiten zu können. Alsdann schmückte der Herr Redner die Brust des Jubilars mit der goldenen Ehrenmünze des bayerischen Ludwigsordens. Weitere Ansprachen hielten der Herr Bürgermeister Süß, welcher namens der Stadtverwaltung einen hübschen Regulator mit einer auf einer Silberplatte eingravierten Widmung überreichte, Herr Stadtpfarrer und Distriktsschulinspektor Ney, Herr Herz als Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, welche dem Jubilar ein Ruhebett zum Geschenk gemacht, dann Herr Hauptlehrer Berger im Namen der Kollegen des Gefeierten, Herr Dr. Bender, Königlicher Rektor der Realschule, an welcher Anstalt Herr Schloß schon 29 Jahre als Religionslehrer wirkt, und Herr Vollert, Hauptlehrer an der hiesigen Töchterschule, woselbst der Gefeierte ebenfalls als Religionslehrer tätig ist. Auf jede dieser Ansprachen wusste Herr Schloß, sofort schlagfertig, richtige Worte der Erwiderung zu finden, die in den Gedanken ausgedrückt sind: ich danke tiefgerührt zunächst dem Herrn aller Herren, der mich so lange hat wirken lassen, und dann meinem Königlichen Landesvater, dem erhabenen und vielgeliebten Prinzregenten Luitpold, der mir die hohe Auszeichnung zuteil hat werden lassen, dann meinen verehrten Herren Vorgesetzten für die warme Anerkennung meiner bescheidenen arbeit, dann meinen lieben Kollegen, meinen werten Glaubensgenossen und allen Freunden für das stets erwiesene Wohlwollen. - Mit einem dreifachen Hoch auf Seine Königliche Hoheit, unsern Prinzregenten Luitpold, ausgebracht durch Herrn Regierungsrat und Bezirksamtmann von Moers, wurde die erhebende Feier beschlossen. Des Abends fand ein sehr animiertes Festmahl statt."         

    
Lehrer Ludwig Schloss ist in den Ruhestand getreten (1889)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Oktober 1889: "Der Lehrer Schloß in Speyer ist nach mehr als fünfzigjähriger segensreicher Lehrtätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Möge er diesen noch recht lange genießen!"     

 
Anstellungsprüfung eines jüdischen Schulamtskandidaten (1909)   

Speyer AZJ 22101909.jpg (100697 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Oktober 1909:     

  
Ausschreibung der Lehrerstelle (1928)     

Speyer BayrGZ 15081928.jpg (61549 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1928: 
"Israelitische Kultusgemeinde Speyer am Rhein. 
Infolge der Berufung des Herrn Kauflehrer Krämer nach München ist die Lehrerstelle an der israelitischen Volksschule zu besetzen. Mit der Stelle ist die Erteilung des Religionsunterrichts am Gymnasium, der Realschule und dem höheren Mädchenlyzeum verbunden. Die Mitwirkung am Gottesdienst in der Synagoge soll ebenfalls übernommen werden. Bewerber wollen sich an die unterfertigte Stelle wenden. 
Der Synagogenrat der Israelitischen Kultusgemeinde Speyer. B. Cahn, Vorsitzender."       


Jakob Krämer verlässt die Pfalz (1928)   

Speyer BayrGZ 13091928.jpg (74051 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 13. September 1928: "Speyer am Rhein. Am 1. September verließ Hauptlehrer Jakob Krämer die Pfalz, um einer ehrenvollen Berufung der Kultusgemeinde München folgend, die Stelle eines Religionslehrers in dieser Gemeinde zu übernehmen. Der Freien Vereinigung Israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz war Krämer seit 1907 ein beständiger und verständiger Mitarbeiter und seit 1924 ein tatkräftiger und erfolgreicher Führer. Hier und ebenso im Ausschuss des Verbandes der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz sowie als Mitglied der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden - überall hat Krämer fleißig und zielbewusst geholfen, die Gegenwartsaufgaben der Pfälzer Judenheit ihrer Lösung näher zu bringen. Die Achtung und Wertschätzung weiter Kreise dieser Pfälzer Glaubensgenossen begleiten Krämer an seinen neuen Wirkungskreis. Möge seiner Tätigkeit auch dort reicher Erfolg beschieden sein.   
An die Pfälzer Kollegen!
Bei meinem Scheiden aus der mir in 21-jähriger Tätigkeit liebgewordenen Pfalz sage ich allen Pfälzer Kollegen herzlichst Abschiedsgrüße. 
Speyer, 31. August 1928. Krämer."      

   
In Speyer besteht noch eine der letzten jüdischen Schulen der Pfalz (1936)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Oktober 1936: "Speyer am Rhein. Am 1. September wurden im Bereich des Regierungsbezirkes Pfalz in vier Städten jüdische Sonderklassen der allgemeinen Volksschulen errichtet, in Ludwigshafen zwei Klassen (vorläufig nur mit einem Lehrer besetzt), in Kaiserslautern, Landau und Neustadt an der Weinstraße je eine Klasse. Nach Ludwigshafen wurde Lehrer und Kantor Schottland (Frankenthal) angewiesen, nach Kaiserslautern Lehrer i.R. Langstädter, nach Landau Lehrer und Kantor Zeilberger (Landau) und nach Neustadt Schulamtsbewerber Samson aus Landau. Sämtliche Lehrkräfte sind auf Dienstvertrag mit monatlicher Kündigung angestellt. Jüdische Schulen entsprechend dem bayerischen Schulbedarfsgesetz, deren Lehrer Beamte sind, bestehen noch in Speyer, Pirmasens und Rodalben."   
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1936: "Jüdische Schulen und Schulklassen. 
Frankfurt am Main,
6. Oktober (1936). Im bayerischen Regierungsbezirk Pfalz wurde zum 1. September in vier Städten jüdische Sonderklassen an allgemeinen Volksschulen errichtet, und zwar zwei Klassen in Ludwigshafen und je eine in Kaiserslautern, in Landau und Neustadt. Außerdem bestehen noch seit früher jüdische Schulen in Speyer, Pirmasens und Rodalben..."  

    
70. Geburtstag von Lehrer Leon Waldbott (1937)      

Oberlustadt LeoWaldbott.jpg (49758 Byte)Leo Waldbott wurde am 28. Januar 1867 in Oberlustadt als zweiter Sohn des Lehrers und Autors Lazarus Waldbott geboren. Nach dem frühen Tod seiner Vaters (1869) wuchs er bei seinem Großvater, dem Lehrer und Kantor Levi Waldbott (1809 - 1889), auf, dessen vier Söhne alle Lehrer waren. Auch Leo Waldblatt ließ sich zum Lehrer ausbilden (am protestantischen Lehrerseminars in Kaiserslautern): von 1885 bis 1890 war er als Lehrer in Hagenbach tätig, seitdem als Lehrer mit Rabbinerfunktionen und als Kantor in Speyer. Er war Mitglied der Speyerer Liedertafel, Organist und Dirigent des Synagogenchors. Mit dem in Königsberg tätigen berühmten Kantor Eduard Birnbaum (1855 - 1920), der als weltweit führender Experte auf dem Gebiet der Synagogalmusik galt, war Leo Waldbott eng befreundet. Bei der Eröffnung der neuen Speyerer Synagoge im Jahr 1894 hatte Leo Waldbott die Ehre, die Festansprache halten zu dürfen. 1911 wurde er Hauptlehrer, 1916 Oberlehrer. Leo Waldbott galt als eine der angesehensten Persönlichkeiten des pfälzischen Judentums vor dem 2. Weltkrieg. Jahrzehntelang war er Vorsitzender des Vereins der jüdischen Lehrer und Kantoren der Pfalz sowie Vorstandsmitglied im Reichsverband jüdischer Lehrervereine in Deutschland. Besonders engagiert war Leo Waldbott auch im sozialen Bereich. Auf seine Initiative ging die Gründung des ersten Jüdischen Altersheimes für die Pfalz (in Neustadt) zurück. Zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 1938 wurde ihm vom Bezirksrabbinat der altehrwürdige Ehrentitel "Chaver" (Ehrenrabbiner) verliehen. 
Die beiden Söhne Leo Waldbotts, Emil und George, wanderten in jungen Jahren in die USA aus und folgten damit den Spuren ihrer Tante Flora Waldbott, die bereits im 19. Jahrhundert ebenso wie ihr Bruder, der Botaniker Dr. Sigmund Waldbott, in die USA ausgewandert war. Leo Waldbott, der stolz auf die jahrhundertelange Geschichte seiner Familie in der Pfalz und am Rhein war, wollte eigentlich in Deutschland bleiben, doch bewogen ihn, den deutschjüdischen Patrioten, die Ereignisse der "Reichskristallnacht", schweren Herzens in seinen alten Tagen noch zu emigrieren. Er starb am 26. Mai 1940 in Cincinnatti/Ohio. 
Obige Informationen nach der Website www.angelfire.com/art/gregorbrand/bios/LeoWaldbott.html; hier finden sich als Literaturangaben:  
Reinhold Herz: Gruß für Leon Waldbott. In: Israelitisches Gemeindeblatt 1937 (15. Jg.), Nr. 3, S. 12 
Katrin Hopstock: Leon Waldbott. In: Speyerer Vierteljahreshefte, 1988, S. 24 - 25 
George Waldbott: Memories (Mschr., unveröffentlicht, o. O., o. J.) 
Leo Waldbott: Mein Leben in Deutschland vor und nach dem 30. Januar 1933 (Mschr., Detroit/USA 1940, unveröffentlicht). 
   
Lehrer Waldbott leitet eine Jahresversammlung der Lehrer und Kantoren der Pfalz und wird wieder zum Vorsitzenden gewählt (1908)   
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Juni 1908: "Kaiserslautern. Die Jahresversammlung der Freien Vereinigung der israelitischen Lehrer und Kantoren der Pfalz wurde von Lehrer Waldbott - Speyer geleitet. Lehrer Wetzlar - Ludwigshafen erstattete Bericht über die Tagung des Verbandes der israelitischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. Dann folgte eine Besprechung über Jugendschriften und Jugendliteratur. Lehrer Waldbott - Speyer wurde wieder zum Vorsitzenden gewählt. Ort der nächsten Tagung ist Neustadt a. d. Haardt."       
 
Würdigung von Leon Waldbott zu seinem 70. Geburtstag (1937 in Speyer)  
Speyer BayrGZ 15011937.jpg (132704 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1937: "Gruß für Leon Waldbott. Am 28. Januar vollendet in Speyer Oberlehrer a.D. Leon Waldbott in ungewöhnlicher Schaffenskraft das 70. Lebensjahr. Leon Waldbotts Tätigkeit in der Speyerer Gemeinde reiht ihn in die bewährte Tradition 'unserer Lehrer von Speyer' ein, wie es in alten Dokumenten heißt. Von 1890 bis 1923 wirkte er hier als Leiter der Schule und als 1. Kantor, seit 1923 als Dirigent des Synagogenchors. In ihm verbinden sich pädagogische und musikalische Begabung, Lauterkeit des Charakters und des Gemeinschaftssinnes zu einer Wirkungskraft, die sich weit über Speyer hinaus Sympathie und Begehrtheit erwarb. So zählte ihn die Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz und der Reichsverband jüdischer Lehrer in Deutschland 26 Jahre zu ihrem Vorstandsmitglied. Aber die zentrale Leistung Leon Waldbotts liegt in seiner sozialen Arbeit: Das pfälzische Judentum verdankte seiner Initiative im Jahre 1908 die Gründung des israelitischen Altersheims für die Pfalz in Neustadt a.d.H. und eine seitdem unermüdliche Arbeitsliebe für dieses Werk, die ihn immer wieder von seinen zahlreichen Reisen nach den Vereinigten Staaten hierher zurückrief. - Sein 70. Lebensjahr vollendet Leon Waldbott als ein Unermüdlicher. Er schließt gerade in diesen Tagen eine literarische Arbeit ab, in der er die Geschichte des israelitischen Altersheimes für die Pfalz niedergeschrieben hat und seine Sorge für die Alten findet neuerdings wieder ihre Ergänzung in einer zukunftsbahnenden Bemühung um die Jugend. Alle, die Leon Waldbotts Lebenswerk kennen, verbindet an diesem Tage der Dank für das Geleistete und der Wunsch für seine weitere Vollendung in ungebrochener Lebenskraft. Reinhold Herz."      

  
  
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Rückschritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung (1846)  

Speyer AZJ 30111846.jpg (32117 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. November 1846: "Speyer, 16. November (1846). Die Maßregeln wegen des Moralpatents der Juden nach dem Gesetze vom 17. März 1808 sind neuerdings wieder verschärft worden, während man auf Abschaffung desselben gehofft hatte. Um diesem veralteten Überbleibsel einer finsteren Zeit zu entgehen, werden wieder viele Bekenner des mosaischen Glaubens nach Amerika auswandern."     

  
Der Verein Ez-Chajim will eine Tora-Rolle schreiben lassen (1886)
  

Speyer Israelit 25021886.jpg (52219 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1886:  "Für Soferim (Toraschreiber). 
Der Verein Ez-Chajim in Speyer beabsichtigt ein neues kleines Sefer (Torarolle) (in der Höhe von ca. 50 cm) anzuschaffen. Offerten mit Muster von Pergament und Schrift, sowie Preisangabe zu richten an den Vorstand 
S. Wolff II."    

  
Antijüdisches im "Hirtenbrief" des Bischofs (1904) 
Anmerkung: 1904 war Bischof: Joseph Georg von Ehrler (Bischof in Speyer von 1878 bis 1905), siehe Wikipedia-Artikel "Joseph Georg von Ehrler".    

Speyer Israelit 22021904.jpg (79440 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1904: "Speyer, 15. Februar (1904). Der hiesige Bischof veröffentlichte im 'Rheinischen Volksblatt' seinen diesjährigen Fasten-Hirtenbrief. Es seien demselben folgende Stellen entnommen, die wir den Lesern dieses geschätzten Blattes zum Selbsturteil unterbreiten: 
Unter anderem heißt es in dem Briefe: 'Der Erfolg des Auftrages des Stifters der christlichen Religion ist bekannt und der wunderbare Erfolg über das Heidentum und Judentum (?) unter den schwierigsten Verhältnissen bei der Zähigkeit, mit der sowohl die Heiden, als die Juden an ihren althergebrachten Lehren und Sitten hingen usw.'  
Zwei Fragen seien uns hier gestattet: 1) Worin sich der Sieg des Christentums über das Judentum bekundet? und 2) ob die christliche Religion ihr Entstehen nicht den Lehren und Sitten der jüdischen Religion zu verdanken hat?  J. Schön."     

       
Die israelitische Kultusgemeinde gratuliert dem neuen Bischof in Speyer (1905)   
Anmerkung: Konrad von Busch (siehe Wikipedia-Artikel "Konrad von Busch") war von 1905 bis 1910 Bischof der römisch-katholischen Diözese Speyer.     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Mai 1905: "Speyer, 2. Mai (1905). Dem neuerdings zum Bischof von Speyer ernannten Domdechanten Busch überbrachte auch die hiesige israelitische Kultusgemeinde durch ihren Vorstand, Herrn Sog. Herz, die innigsten Glückwünsche. Bei dieser Gelegenheit und wiederholt, als der hohe Herr den Besuch erwiderte, versicherte derselbe den Gratulanten seines aufrichtigen Wohlwollens und seiner Sympathie. Wie bisher, so werde er auch künftighin für den Frieden unter den Konfessionen und das Wohlergehen der Gesamtbevölkerung unserer Stadt von ganzem Herzen wirken. Es war der besondere Wunsch des Herrn Bischofs, dass dieser Ausdruck seiner loyalen Gesinnungen den Mitgliedern der israelitischen Kultusgemeinde bekannt gegeben werde."        

 
Festgottesdienst aus Anlass der Räumung der Pfalz (1930)   

Speyer BayrGZ 15071930.jpg (268869 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1930: 
"Kultusgemeinde Speyer - Festgottesdienst aus Anlass der Räumung der Pfalz am 1. Juli 1930.
  
Die Wiege des deutschen Judentums stand am Rhein und in der Pfalz, wo die Juden an den Anfängen der deutschen Kultur beteiligt waren. Rhein-Juden und Pfalz-Juden, aus ihrem Vaterland vertrieben, waren die Vorfahren der Ostjuden, die sich in späteren Jahrhunderten wieder an den Rhein zurückwandten. Die altehrwürdigen Judengemeinden in Speyer, Worms und Mainz bestanden schon im ersten Jahrtausend nach Christus.   
Die Juden in der Pfalz waren nach dem Anerkenntnis der bayerischen Staatsregierung während der 11-jährigen Besatzung ein Muster der Treue und Anhänglichkeit an das Deutschtum.  
Der Festgottesdienst der israelitischen Kultusgemeinde Speyer am 1. Juli 1930 wurde von Gesängen und Psalm-Rezitationen eingerahmt. Die Festpredigt hielt Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher. Die Ansprache lautete:
 Andächtige Festgemeinde! Mit ganz besonderen innigen Dankgefühlen nahen wir heute unserem Gotte, betreten wir diese heilige, der Gottesanbetung geweihte Stätte. 'Diesen Tag hat uns der Ewige gewährt, wir wollen jubeln und uns freuen an ihm!' Viele bange und schwere Jahre liegen hinter uns. Aber jetzt ist aller Druck von uns gewichen. Die Pfalz ist wieder frei. Wir Deutsche am schönen deutschen Rhein sind wieder ein freies Volk. Es hat sich an uns erfüllt, das Gotteswort, das an Pharao ergangen war: 
'Lass frei mein Volk'. Es hat sich an uns bestätigt: 
'Auch uns hat der Ewige herausgeführt aus der Knechtschaft zur Freiheit, aus dem Kummer zur Freude; aus der Trauer zum Festtag, aus der Dunkelheit zu hellstem Lichte.'  
Aber nicht ganz ungetrübt ist unsere Freude, noch immer hat die Stunde der Befreiung für viele Deutsche noch nicht geschlagen. Wir denken da ganz besonders an die Deutschen an der Saar, deren wir uns in innigstem Mitgefühl in dieser festlichen Stunde erinnern. Und ferner: Auf Millionen deutscher Menschen, oft Familienväter, die Arbeit suchen, und nicht finden können, lastet ungeheuere Not und Sorge, hervorgerufen durch eine Wirtschaftskrise größten Ausmaßes, wie sie unser Vaterland noch nicht erlebt hat. Und endlich gerade jetzt, da der äußere Druck von unserem Vaterland gewichen, ist es innerlich im Geiste in seinen sittlichen Entscheidungen sehr unfrei geworden. Glaubenshass hat heute mehr, denn je breiteste Schichten des deutschen Volkes ergriffen. Wie kann nun wohl unser deutsches Volk auch die innere Freiheit, die Freiheit im Geiste und in der Seele, wiedergewinnen? Über diese Frage nachzudenken, entspricht gewiss dem Sinn und der Bedeutung dieser festlichen Stunde. Jenes Gotteswort, das sich an unserem deutschen Volke so wunderbar bestätigt hat, spricht bezeichnender Weise nicht nur von Befreiung, sondern auch vom Dienen. 'Lass frei mein Volk, damit es mir diene.' Und warum wohl das letztere? Weil der Dienst, den wir Gott widmen, erst zur rechten Freiheit, zur inneren Freiheit, zur Freiheit des Geistes und der Seele führt. Denn in den Dienst Gottes sich stellen heißt doch vor allem, den Gottesglauben auch durch die Tat bewähren, sich nciht aufhalten in den Niederungen ungehemmter Leidenschaften und Triebe, sondern hinansteigen zu den Höhen einer edlen Menschlichkeit, kundtun, dass das Göttliche in uns wirksam ist, in jeder Stunde unseres Daseins. Halten wir nicht nach solchem Tun, das allein des Menschen als eines im Ebenbilde geschaffenen Wesens würdig wäre, so oft vergeblich Ausschau? Müssen wir uns nicht immer wieder davon überzeugen, dass das Ungeistige und Ungöttlichste, nämlich Glaubenhass, triumphiert in der deutschen Welt? Wir haben wohl heute große Erfolge zu verzeichnen auf allen Gebieten der Wissenschaft und Technik und zwar der Technik, nicht nur im eigentlichsten Sinne, sondern auch der Technik des Lebens, also der äußeren Gestaltung unseres Daseins, wir haben aber vielleicht gerade darum, weil unsere Blicke ausschließlich auf die äußere Formung des Lebens gerichtet waren, vergessen, unser         
Speyer BayrGZ 15071930b.jpg (118533 Byte) Augenmerk auf das Wichtigste und Entscheidenste zu richten, nämlich auf die Gestaltung unseres Innenlebens, wir haben verlernt, um in der Sprache der Bibel zu reden, Gott zu dienen in der rechten weise.  Wenn also Alle, welche die deutsche Heimat nährt und trägt, sich entschließen wollten, Gott zu dienen in der Weise, wie wir es soeben angedeutet, werden sie gewiss die innere Freiheit, die Freiheit des Geistes zurückgewinnen.  Werden wir wohl uns bald zu einer Befreiungsfeier in dem angedeuteten Sinne rüsten können? Die Ereignisse sprechen leider nicht dafür. Oder können wir an eine Wandlung und Erneuerung glauben, solange Leidenschaften, die aus den dunkelsten Tiefen des Menschenherzens hervorquellen, ihr Spiel treiben mit den deutschen Menschen, solange etwas so Verkehrtes und Falsches wie Glaubenshass sie irre führen darf?  
Und doch hoffnungslos wollen wir nicht sein, zumal nicht in einer so festlichen Stunde, wie der heutigen. Und unser Teil wollen wir dazu beitragen, dass die Kluft geringer werde, welche die Kinder des gleichen Vaterlandes heute trennt. Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit in Gesinnung und Tat, soll das Losungswort jedes deutschen Juden sein. Unser Tun soll niemals irgendwelche Angriffsflächen darbieten. In unserer Anhänglichkeit an unser Vaterland, in unserer Liebe zur Heimat, in der gewissenhaften Erfüllung unserer staatsbürgerlichen Pflichten, soll uns niemand übertreffen können. Dann haben wir getan, was in unserer Macht steht, damit die Zeit reife für jene Befreiungsfeier, die wir noch erwarten, und erhoffen, jene Befreiungsfeier, die unser deutsches Volk erst dann begehen kann, wenn es sich selbst überwunden, und von allen Vorurteilen abgewendet, wenn es nicht nur, wie jetzt, vom äußeren Druck, sondern auch innerlich und im Geiste, in der Seele frei geworden ist. Amen"   

  
Jüdischen Geschäftsleuten ist das Hissen von schwarz-weiß-roten Fahnen untersagt (1933)  
Anmerkung: Die Farben Schwarz-Weiß-Rot waren von 1871 bis 1919 sowie von 1933 bis 1945 die Reichsfarben des Deutschen Reiches. 
Siehe Wikipedia-Artikel Schwarz-Weiß-Rot
Der genannte Ministerpräsident General von Epp (Franz Ritter von Epp) war von 1933 bis 1945 Reichsstatthalter in Bayern. 
Siehe Wikipedia-Artikel Franz Ritter von Epp.   

Speyer Israelit 21041933.jpg (43772 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1933:  "München. Nach einer Meldung der 'Münchener Zeitung' wurde in Speyer jüdischen Geschäftsleuten das Hissen von schwarz-weiß-roten Fahnen untersagt. Alle dort zu Ehren des Besuches des Ministerpräsidenten General von Epp an jüdischen Häusern gezeigten nationalen Fahnen mussten wieder eingezogen werden."   

   
Dank für Stuhlspenden für das Israelitische Altersheim (1938)        

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. November 1938: "Aus Speyer. Die Verwaltung des Israelitischen Altersheims dankt allen Angeboten von Tischen und Stühlen. Der Bedarf ist jetzt gedeckt. Es wird gebeten, von weiteren Angeboten abzusehen.  
Besonders herzlichen Dank namens der Insassen unserer Anstalt den verschiedenen Weinhandelsfirmen in Landau und Böchingen für die freundlichen Spenden von Wein zu den hohen Feiertagen.  S. Marx, 1. Vorsitzender."          


  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde         
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert - Grabstein für Oscar Matzger (Metzger) aus Speyer in New Orleans (1848-1867)     
Anmerkung: das Foto wurde von Rolf Hofmann (Stuttgart) im April 1994 im 1860 eröffneten Hebrew Rest Cemetery in New Orleans, 2100 Pelopidas at Frenchman Street, near Elysian Fields and Gentilly Blvd., aufgenommen.     

Grabstein im "Hebrew Rest Cemetery" in New Orleans: 
"Hier ruht  ... 
Oscar Matzger
 
born in Speyer Bavaria 
April 5, 1848  
Died Aug. 19, 1867  Aged 19 y. 4 m. & 14 d.  
May his soul rest in peace. 
Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens
."        


80. Geburtstag des langjährigen Gemeindevorstehers Sigmund Herz (1908)   

Speyer FrfIsrFambl 17011908.jpg (136854 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Januar 1908: "Speyer. Der hiesigen Kultusgemeinde war es vergönnt, den 80. Geburtstag ihres langjährigen verdienten Vorstehers, des Herrn Sigmund Herz, festlich zu begehen. Zahlreiche Glückwünsche von nah und fern legten beredtes Zeugnis ab von der großen Beliebtheit, deren sich der Jubilar bei allen, die sein warmes Herz kennen gelernt haben, namentlich in allen Kreisen von Speyer ohne Unterschied von Konfession und Stand erfreut.   
Aus der nach Hunderten zählenden Menge mündlicher und schriftlicher Beglückwünschungen seien hier nur die des Bürgermeisters erwähnt, der in dankbaren Worten der 25-jährigen Tätigkeit des Jubilars als Stadtrat gedachte. Sehr sinnig war eine Huldigung des von dem Jubilar mitbegründeten Synagogenchorvereins: sie bestand in einem Ständchen und in Überreichung eines künstlerisch ausgeführten Diploms als Ehrenmitglied des Vereins. Nachdem noch Herr Vorsteher Max Elb - Dresden die Wünsche des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes übermittelte hatte, nahm Herr Herz selbst das Wort, nicht nur, um für die ihm offenbar wohltuenden Liebesbeweise zu danken, sondern, um gleichzeitig mit bewundernswerter rhetorischer Kraft das Programm seiner Gemeindeverwaltung für Vergangenheit und Zukunft klarzulegen. Schließlich ehrte sich die Gemeinde selbst am meisten, indem sie den dem Festtag folgenden Sabbatgottesdienst zu einer Art Festgottesdienst für ihren jugendfrischen Führer machte."        

   
85. Geburtstag des langjährigen Gemeindevorstehers Sigmund Herz (1913)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Januar 1913: "Speyer, 5. Januar (1913). Am 3. dieses Monats vollendete der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Speyer, Herr Sigmund Herz in körperlicher und geistiger Frische sein 85. Lebensjahr. Von 1861 ab gehört er dem Synagogenausschuss an, und 1872 wurde er zum Vorstand dieser Gemeinde gewählt, welches Amt er bis heute ununterbrochen verwaltete. Seit dem Jahre 1861 ist Herr Herz auch als Vorsitzender des Verwaltungsausschusses, des Wohltätigkeitsfonds des Rabbinatsbezirks Speyer-Frankenthal ununterbrochen tätig. Genannter Herr hat sich während seiner langjährigen treuen und gewissenhaften Tätigkeit um das Wohl der hiesigen israelitischen Gemeinde sehr verdient gemacht. Möge Herrn Herz ein recht froher Lebensabend beschieden sein."      
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Januar 1913: "Am 3. Januar vollende Sigmund Herz, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Speyer, sein 85. Lebensjahr".    

  
Zum Tod des aus einer jüdischen Familie stammenden Domkapitular Dr. Zimmern (1914)   
Anmerkung: es handelt sich im Sigmund Joseph Zimmern (geb. 1838 in Mannheim, gest. 1914 in Speyer). Weitere Informationen zu ihm über den Wikipedia-Artikel Sigmund Joseph Zimmern.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. April 1914: "Der vor kurzem in Speyer am Rhein im Alter von 76 Jahren verstorbene Domkapitular Dr. Zimmern entstammte einer geachteten jüdischen Kaufmannsfamilie in Mannheim, deren einzelne Glieder heute noch angesehene Israeliten sind. Gelegentlich einer Jesuitenmission in seiner Vaterstadt wurde der Verstorbene als vierzehnjähriger Knabe mit einer älteren Schwester getauft; ob damals noch die Eltern lebten, bzw. ob der Übertritt mit deren Einwilligung geschah, ist zu bezweifeln. Dr. Zimmern, der über 20 Jahre dem bayerischen Landtag als Mitglied des Zentrums angehörte, bewahrte in Fragen, die seine ehemaligen Glaubensgenossen berührten, eine wohlwollende Neutralität."       


Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Sigmund Herz (1918)  

Speyer AZJ 26071918.jpg (163492 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juli 1918: "Speyer, 19. Juli (1918). Am 11. dieses Monats wurden die sterblichen Überreste des im Alter von fast 91 Jahren gestorbenen Rentiers Herrn Sigmund Herz zu Grabe getragen. Außer zahlreichen Mitgliedern der israelitischen Kultusgemeinde und Andersgläubigen aus den besten Kreisen hatten sich Vertreter der israelitischen Korporationen, ferner Herr Dekan Cantzler, Herr Adjunkt Graf als Vertreter der Stadt Speyer, die Herren Kommerzienrat M. Wolff und Fabrikant Mann (Ludwigshafen) sowie Herr Kultusvorstand Strauß (Bad Dürkheim) als Vertreter des Rabbinatsbezirkes Frankenthal eingefunden. Auch das Kommando der hiesigen Feuerwehr war in Uniform erschienen, um den letzten der Gründer zur ewigen Ruhe zu begleiten. Herr Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher (Bad Dürkheim) gedachte in ergreifenden Worten der glänzenden Eigenschaften des Entschlafenen als Vater und Verwandten, seiner vielseitigen Tätigkeit im Dienste der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde sowie als würdigen Vertreters der pfälzischen Judenheit; weiter erwähnte er, dass ihn das Vertrauen seiner Mitbürger wiederholt in den Stadtrat berief, wo er seine reiche Erfahrung und vielseitigen Kenntnisse bereitwilligst in den Dienst der Allgemeinheit stellte, dass er aber auch ein echter Patriot warm der treu an seinem Vaterlande hing. Herr Fabrikant B. Cahn entbot dem scheidenden Ehrenvorstand die letzten Grüße der israelitischen Kultusgemeinde, während Herr Kultusvorstand Strauß in bilderreicher Sprache die Verdienste des Verblichenen um den Wohltätigkeitsfonds und die sonstigen Einrichtungen des Rabbinatsbezirkes Frankenthal pries. Der Vorsitzende des Israelitischen Altersheims für die Pfalz, Herr Dr. S. Reis (Heidelberg), widmete warme Worte der Anerkennung dem dahingeschiedenen Ehrenvorsitzenden, der diesem Werke der Wohltätigkeit jederzeit mit hilfsbereitem Rat und opferwilliger Tat zur Seite gestanden. So gestaltete sich die Trauerfeier zu einem würdigen Abschied von der irdischen Hülle dieses ausgezeichneten Mannes, dessen Geist noch lange in den beteiligten Kreisen fortleben wird."      
  
Speyer Friedhof K1600_IMG_9416.jpg (272700 Byte)Links: Grabstein im jüdischen Friedhof in Speyer mit der Inschrift: "Hier ruhen unsere unvergesslichen Eltern  
8. IX. 1835, Julie Herz geb. Gross  23. X, 1889,  
3. I. 1828  Sigmund Herz   9. VII. 1918.  
Vorstand der isr. Kultusgem. Speyer von 1872 - 1913 
von da ab Ehrenvorsitzender bis zu seinem Tode."    (Foto links: Stefan Haas, Fotoseite)      

  
Todesanzeige für Dr. med. Eduard Dreifuss (1924)    

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 26. Juni 1924: 
"Statt besonderer Anzeige! 
In tiefstem Schmerz geben wir von dem am 11. Juni in Ferrara erfolgten Hinscheiden unseres lieben 
Herrn Dr. med. Eduard
Dreyfuss 
Kenntnis und bitten um stilles Beileid. Er starb nach schwerem Leiden als Opfer seines Berufes. 
Speyer, 15. Juni 1924. Namens der trauernden Hinterbliebenen: Sigmund Dreyfuss."        

 
Zum Tod des Synagogenvorstandes Leopold Klein (1934)   

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1934: "Nachruf für den verstorbenen Synagogenvorstand Leopold Klein, Speyer
Die ehrwürdige israelitische Kultusgemeinde Speyer mit ihren Vereinen, der Rabbinatsbezirk Dürkheim-Frankenthal, der Verband der pfälzisch-israelitischen Kultusgemeinden, die Tagung des Bayerischen Gemeindeverbandes, beklagen tief den Heimgang des Synagogenvorstandes Leopold Klein. 
Das israelitische Altersheim für die Pfalz in Neustadt a.d. Haardt, ein Heim, das mit das Lebenswerk des Verblichenen genannt werden darf, trauert um den langjährigen Vorsitzenden, um den edlen Menschenfreund. 
Der Tod dieses Mannes bedeutet für das Judentum einen schweren Verlust. Haben wir doch mit ihm so viele Jahre im Dienste unserer Glaubensgemeinschaft zusammengearbeitet und ihn stets als einen erprobten Mann von vornehmer Gesinnung und reichen Gaben des Geistes erkannt, als einen rechten und gerechten Mann von klarem Erfassen, klarem Urteil und warmem menschenfreundlichen Herzen. 
Dafür sei dem Verblichenen als letzten Abschiedsgruß der aufrichtigste Dank für all das, was er Gutes und zum Wohle des Judentums vollbracht hat, in seine letzte Ruhestätte hinabgerufen."       

    
Silberne Hochzeit von Synagogenrat Eugen Loeb und Flora geb. Haß (1937)    

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. September 1937: "Aus Speyer. Am 12. August feierten Herr Eugen Loeb (Synagogenrat) mit seiner Gattin Flora geb. Haß das Fest der silbernen Hochzeit. Aus Anlass dieses Festes hat das Jubelpaar der Gemeinde eine prachtvolle Vorbetertefillah überreichen lassen."       

  
75. Geburtstag von Albert Mayer (1938)     

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Oktober 1938: "Aus Speyer. Am 6. Oktober begeht Herr Albert Mayer, Hauptstraße 66, seinen 75. Geburtstag. Wir wünschen dem Jubilar noch viele Jahre in Gesundheit und Frische bis 120 Jahre."       

  
Reinhold Herz wandert in die USA aus (1938)    

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Januar 1938: "Speyer. Abschied. Nach meiner Auswanderung nach USA rufe ich allen Freunden und Bekannten in der Pfalz auf diesem Wege noch ein herzliches Lebewohl zu. Reinhold Herz. 
In diesen Tagen wanderte Herr Reinhold Herz nach USA aus, um dort sein Studium fortzusetzen. In jungen Jahren veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze in verschiedenen jüdischen Zeitungen. Außerdem hat er sich für die jüdische Jugendbewegung in der Pfalz und im Reich sehr verdient gemacht. Er verfasste eine 'Gedenkschrift anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Synagoge in Speyer' und eine geschichtliche Darstellung 'Die Juden in der Pfalz'. Wir wünschen ihm alles Gute auf seinem Lebenswege."          

 
Erinnerungen an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabsteine in Gurs    

Speyer Gurs BK 020.jpg (180644 Byte) Der Grabstein in Gurs (im Vordergrund) erinnert an das Schicksal von Siegmund Seligmann (geb. 22. Mai 1879 in Speyer, auch später wohnhaft in Speyer), der am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs deportiert wurde und dort am 15. Dezember 1940 umgekommen ist.     
 
Speyer Gurs BK 021.jpg (235573 Byte)  Der Grabstein in Gurs (linker Stein) erinnert an das Schicksal von Lina Altschüler (geb. 16. Dezember 1874 in Speyer, auch später wohnhaft in Speyer), die am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs deportiert wurde und dort am 21. Dezember 1940 auf Grund einer Ruhrepidemie umgekommen ist.   
Lina Altschüler betrieb gemeinsam mit ihrem Bruder Julius in der Maximilianstrasse 61/62 ein Textilgeschäft , das sich seit drei Generationen im Familienbesitz befand. Julius Altschüler war ein Wohltäter im Verborgenen und ein Mäzen in der Öffentlichkeit: häufig wechselte das Gemälde eines Jungkünstlers gegen Stoff den Besitzer. Im Februar 1939 emigrierte Julius nach London. Lina starb nach der Deportation in Gurs. Im Januar 1948 kehrte Julius nach Speyer zurück, wo er als einziger jüdischer Heimkehrer im Juli 1954 starb. (Quelle). 

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeigen der Metzgerei und Wurstlerei Hermann Hanauer (1901 / 1906)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1901: "Metzgerlehrling
Ein anständiger Junge kann gründlich die Metzgerei und Wurstlerei, sowie Vieh-Einkauf lernen bei 
Herm. Hanauer,
Metzgerei und Wurstlerei, Speyer am Rhein."     
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Mai 1906: "Metzger-Lehrling a
uf sofort oder später bei guter Behandlung gesucht. 
Hermann Hanauer, Metzgerei, Wurstlerei und Viehhandlung, 
Speyer am Rhein."           

  
Anzeige des Kurz-, Weiss- und Wollwarengeschäftes A. Westheimer & Co. (1905)
   

Speyer FrfIsrFambl 08061905.jpg (45291 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Juni 1905:     

 
 
Weitere Dokumente  

Werbemarken der Firma Marx Mayer 
für Bonbons und Kaffee
 (aus der Zeit ca. 1905 bis 1920)

(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, 
Kirchheim / Ries, weitere Angaben 
gleichfalls von Peter Karl Müller)     
Speyer Dok 130901.jpg (236728 Byte) Speyer Dok 130902.jpg (232186 Byte)

Marx Mayer (geb. am 17. Februar 1846, gest. am 3. Dezember 1903, beigesetzt im jüdischen Friedhof in Speyer, Grabstein abgebildet in der Video-Dokumentation 1 von Michael Ohmsen). Die Firma Marx Mayer bestand laut Angaben einer Rechnung von 1915 aus Kaffee-Import, Groß-Rösterei, eigene Verleseanstalt und einer Zuckerwarenfabrik. In der Schriftenreihe der Stadt Speyer im Band 12 - Schicksale Speyrer Juden - 1800-1980 von Johannes Bruno verfasst, findet sich ein Beitrag mit dem Titel - "Der Fabrikgründer mit Talent und Fürsorge - Marx Mayer und Co" Im Buch "Geschichte der Juden in Speyer" , Band 6 aus der Reihe - Beiträge zur Speyerer Stadtgeschichte - findet sich S. 125 der Hinweis, dass Hedwig Marx-Mayer auf der Ersatzliste der Deutsch-Demokratischen Partei aufgestellt war. Die Werbemarken ( Vignetten ) stammen aus der Zeit ca. 1905 - 1920. 

     

       

       

       

       

       

       

       

 

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Stand: 02. Januar 2015