Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rosenthal (Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Rosenthal bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Bereits 1569 werden jüdische Personen in der Stadt genannt. In den folgenden Jahrzehnten waren ein bis drei jüdische Familien in Rosenthal. 1622 wird nur ein Schutzjude (vermutlich mit Familie) genannt, 1700 waren es zwei Familien mit insgesamt 16 Personen. Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl auf fünf jüdische Familien (1776).    

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1812 sieben jüdische Familien, 1827 23 jüdische Einwohner (3,3 % von insgesamt 1.302 Einwohnern), 1835 45, 1853 51, 1861 Höchstzahl von 63 (4,8 % von insgesamt 1.310), 1871 43 (4,0 % von 1.083), 1885 59 (5,4 % von 1.095), 1895 55 (5,1 % von 1.077), 1905 38 (3,8 % von 997). Die jüdischen Familien lebten vom Vieh- und Warenhandel; einige waren als Handwerker tätig (Schneider, Schreiner, Schlosser). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere von ihnen (als Kaufleute) offene Läden und Handlungen am Ort. 
  
Der seit den 1880er-Jahren aufkommende starke Antisemitismus in der Region macht sich auch in Rosenthal bemerkbar, wo es 1894 zu einer schweren Schlägerei gekommen ist.         

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Gemünden a.d. Wohra beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1820 bis 1831 war als Lehrer Samuel Levi Wetterhan aus Fürth am Ort tätig, sein Nachfolger war Koppel Hechinger aus Mainstockheim (wechselte 1834 nach Rauschenberg). Weitere Lehrer folgten. Die Einrichtung einer israelitischen Konfessionsschule in Rosenthal wurde mehrfach angestrebt, doch aus unterschiedlichen Gründen nie realisiert (der letzte Versuch wurde 1892 aufgegeben). Um 1900 war Lehrer Spier aus Gemünden a.d. Wohra für die Gemeinde zuständig (s.u. Bericht zur Renovierung der Synagoge 1901). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.        
 
Um 1924, als zur Gemeinde 34 Personen gehörten (3,4 % von insgesamt 1.009 Einwohnern) war Gemeindevorsteher Moses Buchheim (er war von 1923 bis 1928 Gemeindevorsteher und verzog dann nach Frankenberg). Religionslehrer der damals zwei schulpflichtigen Kinder der jüdischen Gemeinde war Lehrer Willy Spier aus Gemünden a. Wohra. 1932 waren die Gemeindevorsteher Nathan Goldschmidt (1. Vors.; war Gemeindevorsteher seit dem Wegzug von Moses Buchheim nach Frankenberg) und Moritz Rosenberg (Schatzmeister). Weiterhin unterrichtete Lehrer Willy Spier die im Schuljahr 1931/32 vier jüdischen Schulkinder der Gemeinde in Religion. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere den Jüdischen Frauenverein.      

1933 lebten 27 jüdische Personen in Rosenthal.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (insbesondere nach Frankfurt) beziehungsweise ausgewandert (eine Familie mit vier Personen in die USA). Die Gemeinde wurde im Mai 1938 aufgelöst. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.). 1939 wurden noch 20 jüdische Einwohner gezählt. Die letzten wurden 1941/42 vom Ort deportiert.    
  
Von den in Rosenthal geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Betti Blach geb. Blumenthal (1885), Johanna Blumenthal (1889), Johanna Blumhof geb. Goldschmidt (1894), Isaak Julius Buchheim (1877), Joseph Buchheim (1890), Meier (Maier) Buchheim (1884), Bella Goldschmidt (1899), Hermann Goldschmidt (1878), Horst Julius Goldschmidt (1923), Jonas Goldschmidt (171), Julie (Julia) Goldschmidt (1862), Martha Goldschmidt (1907), Meier Goldschmidt (1882), Moses Goldschmidt (1865), Nathan Goldschmidt (1869), Auguste Kann geb. Goldschmidt (1872), Emma Levy geb. Blumenthal (1886), Bernhard Pukatz (1880), Karl Samuel B. Pukatz (1883), Helmut Rosenberg (1922), Josef Rosenberg (1913), Klara Rosenberg geb. Simon (1888), Dina Stein geb. Blumenthal (1884), Helene Stock geb. Buchheim (1892).          
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde            
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendenaufruf für eine verarmte Familie (1882) 

Rosenthal Israelit 26041882.jpg (126723 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1882: "Bei der gegenwärtigen Notlage vieler unserer Glaubensgenossen, welcher so große Opfer gebracht werden müssen, zögert man, für einzelne Bedrängte die Mildtätigkeit anzurufen. Aber ist nicht auch der Einzelne ein Glied der Gesamtheit? Soll er seinem Elende hilflos unterliegen? 
Wohltätige Glaubensbrüder, helfet einer sehr unglücklichen Familie in der hiesigen kleinen israelitischen Gemeinde. Ein Familienvater, welcher neben seiner Frau fünf Kinder, worunter ein unheilbar verkrüppeltes, zu ernähren hat, liegt schon den ganzen Winter hindurch auf dem Krankenlager; voraussichtlich endet sein leiden der Erlöser aller Erdenpein, der Tod. Um das Maß des Elends voll zu machen, ist die armselige Wohnung des Armen so baufällig, dass derselbe, wenn nicht alsbald eine gründliche Reparatur vorgenommen wird, über seinem Kopfe einstürzt. Wo sollen dann die Unglücklichen ein Obdach finden? Unsere Absicht ist, durch milde Gaben von unserem wohltätigen Glaubensgenossen, die der Ewige mit Gütern gesegnet, und deren Ohr sich den Bitten des Armen niemals verschließt, einen Betrag von ungefähr 300 Mark, welcher zur Instandsetzung der Wohnung erfordert wird, zusammenzubringen, während wir die weiteren Bedürfnisse der Familie gern aus der Gemeine aufbringen wollen. Helfet, teure Glaubensbrüder, dieses barmherzige Werk vollbringen und der Ewige möge Euch dafür reichlich mit allen Gütern segnen. Gaben wolle man an den hiesigen Vorstand, J. Rosenberg, und an M.J. Rosenberg richten.   Rosenthal (Regierungsbezirk Kassel), den 12. April 1882. 
Der Vorstand der Gemeinde J. Rosenberg.  
Wir sind gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern. Die Expedition des 'Israelit'."       

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
94. Geburtstag von Jacob Rosenberg (1910)  

Rosenthal AZJ 08071910.jpg (54237 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juli 1910: "Rosenthal, Regierungsbezirk Kassel, 3. Juli (1910), Am gestrigen Sabbat feierte Herr Jacob Rosenberg, Vater des Herrn Rabbiner Dr. Rosenberg in Thorn, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 94. Geburtstag. Von weit und briet wurden dem hier und in der ganzen Umgegend geachteten Manne die herzlichsten Glückwünsche dargebracht. Auch der hiesige evangelische Geistliche sprach ihm schriftlich seine Glück- und Segenswünsche aus. Möge es dem begnadeten Greis vergönnt sein, noch eine recht lange Reihe von Jahren in gleich körperlicher und geistiger Frische zu genießen."   

   
Zum Tod von Jacob Rosenberg und zum Tod seines Sohnes (1911)  

Rosenthal AZJ 16121910a.jpg (117204 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Dezember 1910: "Rosenthal, Regierungsbezirk Kassel, 11. Dezember (1910). Am 29. November ward hier der frühere Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Jacob Rosenberg, beerdigt. Er hat nahezu das 95. Lebensjahr erreicht und erfreute sich bis zwei Tage vor seinem Tode einer seltenen geistigen und körperlichen Frische. Von nah und fern waren die Freunde und Bekannten des allgemein geachteten Mannes herbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. An seiner Bahre sprachen Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk aus Marburg, der Sohn des Verstorbenen, Herr Rabbiner Dr. Rosenberg aus Thorn und Herr Lehrer Spier aus Gemünden. In dem überaus großen Trauergefolge bemerkte man sehr viele hiesige christliche Einwohner, unter diesen den evangelischen Pfarrer und sämtliche Lehrer. - Der betagte Greis wurde durch seinen sanften Tod noch vor einer sehr schmerzlichen Erfahrung bewahrt. Denn wenige Tage nach ihm starb sein hier wohnender zweiter Sohn, der einer heftigen Lungenentzündung nach kurzer Zeit erlag und unter großem Trauergefolge an der Seite des Vaters beigesetzt wurde. Möge Gott die doppelt schmerzlich getroffene Familie trösten."      

    
Zum Tod von Mendel Rosenberg (1928)  

Rosenthal Israelit 03011929.jpg (116605 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1929: "Rosenthal, 30. Dezember (1928). Am Schabbos Wajigasch (d.i. Schabbat mit der Toralesung Wajigasch = 1. Mose 44,18 - 47,27; das war Schabbat, 22. Dezember 1928 starb fünf Wochen nach einer Operation im Krankenhause zu Marburg a.d.L. Mendel Rosenberg - seligen Andenkens - und wurde Montag, 24. Dezember, von Rosenthal aus in Gemünden a.W. zu Grabe getragen. Die große Beteiligung an seinem Begräbnis aus allen Kreisen der Bevölkerung des Ortes, sowie aus nahen und fernen Orten bewies, welch großer Hochachtung und Liebe sich der Verschiedene in allen kreisen erfreute. Jahrzehnte lang wirkte er vorbildlich als Schochet in seinem Orte. Sein Haus war eine echt jüdische Stätte der Wohltätigkeit, der Mittelpunkt der Familie und der Gemeinde. Schwere Schicksalsschläge: der frühe Tod der Gattin, der Tod zweier hoffnungsvoller Söhne in jugendlichem Alter, von denen der eine sich als Arzt schon in jungen Jahren einen Ruf erworben hatte, konnten ihn in seiner Wohltätigkeit und seiner Gottesfurcht nicht wankend machen. An seiner Bahre widmeten ihm ehrende Worte dankbaren Gedenkens Lehrer Spier - Gemünden, Rabbiner Dr. Rosenberg - Berlin als Bruder, Lehrer Blumenfeld - Witzenhausen, Lehrer Gans - Niederaula. Sein Leben war für die Familie vorbildlich. Mit seinem Hinscheiden ist sie ihres führenden Hauptes beraubte. Möge Gott der Familie ein Tröster sein. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      
   
Rosenthal Israelit 28021929.jpg (42508 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929: "Rosenthal, 10. Februar (1929). Im Alter von 75 Jahren verschied hier Herr Mendel Rosenberg. Mehr als 25 Jahre bekleidete er das Amt als Gemeindeältester. Ein großes Leichengefolge begleitete den Verstorbenen zu Grabe. An seiner Bahre sprachen Dr. Rosenberg - Berlin, ein Bruder des Verstorbenen, Herr Lehrer Blumenfeld - Witzenhausen, sein Schwiegersohn, Lehrer Gans - Niederaula und Lehrer Spier - Gemeinden a.W."  
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 18. Januar 1929: "Rosenthal (Todesfall). Unter großer Beteiligung wurde der im 75. Jahre verstorbene M. Rosenberg zu Grabe getragen. Ein Vierteljahrhundert stand er an der Spitze der Gemeinde und genoss überall Achtung und Ansehen. An seiner Bahre sprachen u.a. Dr. Rosenberg - Berlin, Spier - Gemünden, Gedenkworte."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" vom 4. Januar 1929: "Rosenthal. Im Alter von fast 75 Jahren verstarb hier Herr Mendel Rosenberg. Mit ihm hat die Israelitische Gemeinde einen ihrer besten Männer verloren. Mehr als 25 Jahre stand er an der Spitze der Gemeinde und hat seine Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit gestellt, sodass er auch von anderen Konfessionen geehrt wurde. Das zeigte das überaus zahlreiche Trauergefolge, das ihm die letzte Ehre erwies. An seiner Bahre sprachen Dr. Rosenberg - Berlin, ein Bruder des Verstorbenen, der Schwiegersohn, Lehrer Blumenfeld - Witzenhausen, Lehrer Spier - Gemünden und Lehrer Gans - Niederaula."        

    
80. Geburtstag von Kaufmann Elias Blumenthal (1930)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" vom 26. September 1930:  "Rosenthal. Am 2. Sukkothtage wird der Kaufmann Elias Blumenthal 80 Jahre alt. Blumenthal gehört zu den ältesten Einwohnern unseres Ortes und ist das älteste Mitglied der jüdischen Gemeinde. Schon seit seinen Jugendjahren hat er mit seiner klangvollen Stimme das Vorbeteramt mit den dazugehörigen Funktionen in vorbildlicher Weise in der Gemeinde in völlig uneigennütziger Weise ausgeübt. ER tut dies an den hohen Feiertagen noch jetzt, da er sich einer seltenen körperlichen und geistigen Frische erfreut, zur Freude der Gemeinde. Alles Gute auf dem weiteren Lebenswege. Ad meo w'esrim schonoh!" =(Alles Gute) bis 120 Jahre.     

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge            
    
Zunächst war ein gemieteter Betraum in einem Privathaus vorhanden. Wegen der steigenden Zahl der jüdischen Gemeindeglieder stellte der jüdische Gemeindevorstand im Februar 1855 den Antrag auf Genehmigung der Einrichtung einer Synagoge in einem von der Gemeinde gekauften Haus (vormals des Johannes Schneider).  
   
Der Antrag wurde genehmigt, das erworbene Gebäude alsbald zur Synagoge umgebaut und ab 1856-57 als solche genutzt. 1901 waren größere Renovierungsarbeiten notwendig, über die ein Bericht vorliegt: 
    
Über den Renovierung der Synagoge in Rosenthal (1901)   

Rosenthal Israelit 11071901.jpg (168815 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1901:  "Die hiesige kleine, israelitische Gemeinde besitzt eine Synagoge, welche ohne eine gründliche Reparatur nicht mehr zu benutzen war, bei längerem Aufschub damit sogar befürchten ließ, gänzlich zu verfallen. Die Gemeinde musste, um ihr Gotteshaus nicht verfallen zu lassen, die Reparatur vornehmen lassen, und tat das in dem Glauben, dass sie diese mit einem Kostenaufwand von 600 - 700 Mark bestreiten könne. Allein der Verfall war größer als gedacht und kostete bald das Doppelte. Dieser Betrag aus unserer noch mit älteren Schulen belasteten Familie aufzubringen, ist nicht möglich, da sie nur neun Familien zählt, worunter vier unterstützungsbedürftige Witwen mit Familien sich befinden und daher nur fünf zu den Kosten beitragen können. Es bedarf wohl keiner Begründung, dass für die Erhaltung einer jüdischen Gemeinde das Bethaus das allernötigste Bedürfnis und unentbehrliche Bindemittel für ihre Mitglieder ist, und dass ohne dieses eine Gemeinde dem unaufhaltbaren und sittlichen Verfall entgegentreibt (Zügellosigkeit, Richter 5,2), religiös und sittlich verwildert. Wir rufen deshalb den unserem Stammesgenossen angeborenen Wohltätigkeitssinn an, und bitten für jüdische Gottesverehrung begeisterte, vermögende Glaubensgenossen uns durch milde Gaben zu unterstützen, damit wir in die Lage kommen, die unsere Leistungsfähigkeit übersteigenden Baukosten decken zu können. In dem wieder würdig eingerichteten Gotteshause werden wir für die edlen Geber um Gottes Segen flehen.  
Zur Empfangnahme von Gaben sind bereit der Gemeindevorsteher M. J. Rosenberg und Herr Lehrer Spier in Gemünden an der Wohra.  
Rosenthal
, 7. Juli 1901."     

1930 beschloss die jüdische Gemeinde eine erneute Renovierung der Synagoge; ob dies ausgeführt wurde, ist nicht bekannt.  
     
Im Zusammenhang mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde im Mai 1938 wurde auch die Synagoge geschlossen. Das Synagogengebäude wurde im September 1938 an einen Schreinermeister verkauft, der das Gebäude als Werkstatt und Wohnhaus nutzte. Dennoch wurde die Inneneinrichtung beim Novemberpogrom 1938 verwüstet und alle Kultgegenstände vernichtet. Nach anderen Quellen wurden die Ritualien noch verkauft beziehungsweise an einer andere Gemeinde gegeben.
     
Durch den Umbau der früheren Synagoge zu einer Schreinerwerkstatt und Wohnung wurde das Gebäude als frühere Synagoge unkenntlich gemacht. 
     
Am Gebäude ist eine kleine Hinweistafel vorhanden mit dem Text: "Die ehemalige Synagoge von 1850-1933 im Besitz der israelitischen Gemeinde".      
      
      
Adresse/Standort der Synagoge            In Ortsmitte hinter der Hauptstraße, an der Sackstraße 
      
      
Fotos
(Quelle: Altaras s. Lit. 1988 S. 68) 

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 
im August 1984
Rosenthal Synagoge 170.jpg (66151 Byte)  
   Das Gebäude - von Südwesten aus gesehen;
 von der früheren Nutzung als Synagoge ist
 nichts mehr zu sehen.
 
     

   
   
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Rosenthal    
Website des Förderkreises "Synagoge in Voehl" e.V. mit einer Seite über Presse-Artikel und Veröffentlichungen zur jüdischen Geschichte in Rosenthal 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Rosenthal  

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinden Frankenberg und Rosenthal mit umliegenden Orten 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Frankenberg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,178  Die Führung der Synagogenbücher und die Erhebung von Kultussteuern in der jüdischen Gemeinde Frankenberg  1752 - 1842; enthält Listen von Steuerpflichtigen in der jüdischen Gemeinde Frankenberg 1834 - 1839 und Erlasse des Landratsamtes Frankenberg zur Führung von Geburts-, Trau- und Sterberegistern in den Synagogengemeinden des Landkreises, 1840 - 1840; enthält auch Angaben zu Personen in Dodenhausen, Frankenau, Geismar, Gemünden/Wohra, Grüsen, Röddenau, Rosenthal, Schiffelbach; darin auch: Verzeichnis aller männlichen Juden aus den Synagogengemeinden Gemünden/Wohra, Rosenthal und Frankenau mit Angabe von Namen, Gewerbe, Geburtsort sowie Geburts- und zum Teil Sterbedaten, 1752 - 1841 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732249           
  
Zu Rosenthal sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,729   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Rosenthal  1824 - 1881: jüdisches Geburtsregister 1824 - 1881, jüdisches Trauregister 1827 - 180, jüdisches Sterberegister 1824 - 1877   
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1510963     
HHStAW 365,728   Geburtsregister und Kultusangelegenheiten der Juden von Rosenthal  1824 - 1846, 1856 - 1877, 1893 - 1938; enthält ein jüdisches Geburtsregister 1824 - 1846; Dokumente zu Einnahmen (Steuern- und Spendenlisten) und Ausgaben der jüdischen Gemeinde 1856 - 1877, Dokumente zu Versammlungen und Beschlüssen der Kultusgemeinde, u.a. Erhöhung der Versicherungssumme für die Synagoge 1893 - 1938  
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3031403     

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 232-233.     
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 68-69.   
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 66 (keine weiteren Informationen)
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007. S. 184-185.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S. 220.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 576-577.   
Horst Hecker: Aus der Geschichte des jüdischen Schulwesens in Rosenthal. In. Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Bd. 116 2011 S. 197-206.   

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Rosenthal Hesse-Nassau. Jews lived there from the 17th century, numbering 63 (5 % of the total) in 1861 and 27 in 1933. The community disbanded in 1938 and 14 Jews were eventually deported.  
     
       

                   
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Stand: 22. Mai 2016