Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gemünden/Wohra (Kreis Waldeck-Frankenberg) 
Jüdischer Friedhof 
(erstellt unter Mitarbeit von Dr. Horst Hecker, Stadtarchiv Frankenberg) 
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde         
    
Siehe Seite zur Synagoge in Gemünden/Wohra (interner Link)  
    
    
Zur Geschichte des Friedhofes             
    
Die Toten der jüdischen Gemeinden Gemünden /Wohra und Rosenthal wurden zunächst auf dem jüdischen Sammelfriedhof in Hatzbach beigesetzt. Ein jüdischer Friedhof in Gemünden wurde - nach einschlägigen Akten im Hessischen Staatsarchiv Marburg - im Sommer 1828 auf einem der Stadt Gemünden gehörenden Grasgarten angelegt. Er war in der Folgezeit Begräbnisplatz für die beiden Synagogengemeinden Gemünden und Rosenthal.  Zunächst betrug die Friedhofsfläche 9,4 ar. Gegen des 19. Jahrhunderts wurde eine Erweiterung nötig. Zu diesem Zweck erwarb die jüdische Gemeinde 1895 von der Stadt Gemünden ein angrenzendes Grundstück in der Größe von 10.74 ar. 
   
Am Eingangstor informiert eine Tafel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Gemünden mit dem folgenden Text: "Nach den Gerichts- bzw. Salbüchern Gemündens mussten Juden bereits im 16. Jahrhundert für ihr Wohnrecht 'Schutzgelder' bezahlen. Sie betrugen ein Vielfaches der Steuerlast, die nichtjüdische Bürger zu zahlen hatten. Juden hatten mit dem Status von 'Beisassen' nur ein eingeschränktes, sog. 'kleines' Bürgerrecht. 
Um 1823 wurde eine Synagoge gebaut, die 1938 zerstört wurde. 25 Jahre später wird auch eine jüdische Schule erwähnt. 1889 umfasste die Gemündener jüdische Gemeinde 17 Familien mit insgesamt 70 Personen; 1933 waren es noch 44 jüdische Einwohner. Vertreibungen und Deportationen im Dritten Reich sind nicht mehr nachvollziehbar. Belegt ist, dass Israel Hirsch mit seiner Tochter Berta und Enkelin Ilse 1939 nach Frankfurt zogen - später wurden sie alle drei ermordet. Zahlreiche Grabsteine, die weit in die Zeit vor 1800 zurückweisen, bezeugen eine rege jüdische Gemeinde. Die letzte Bestattung fand 1936 statt. 
Der Blick nach Osten zeigt Gemünden mit seinem imposanten Kirchturm als Wahrzeichen und seinen historischen Fachwerkhäusern
."
  
Zwei Hinweise zu diesem Text: 
1. es gab auch nach 1936 Beisetzungen, u.a. Jakob Andorn 1937; die letzte Beisetzung auf dem Friedhof war nach einem vertraulichen Bericht des Bürgermeisters von Gemünden an den Landrat in Frankenberg vom 8. Mai 1941 im Jahr 1939. 
2. die Vertreibungen und Deportationen lassen sich großenteils durchaus vollziehen, siehe Hinweise auf der Seite zur Synagoge Gemünden (Einzelinformationen über die Deportationswege über die Angaben beim Bundesarchiv Potsdam. 
   
   
Lage des Friedhofes 
   
Der Friedhof liegt 1 km westlich von Gemünden (über die Rosenthaler Straße oder die Fortsetzung der Martin-Luther-Straße erreichbar). 
   
   
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum:   

Gemuenden Wohra Friedhof 470.jpg (79724 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 471.jpg (133081 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 473.jpg (112796 Byte)
Auf dem Weg zum Friedhof 
(im Bereich der Bäume)
Eingangstor Hinweistafeln
   
      
Gemuenden Wohra Friedhof 472.jpg (64153 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 474.jpg (79424 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 475.jpg (124855 Byte)
Informationstafel
zur jüdischen Geschichte  
Tafel des "Kulturhistorischen Rundgangs"
 von Gemünden  
Blick auf den Friedhof
vom Eingang
     
Gemuenden Wohra Friedhof 476.jpg (136409 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 477.jpg (136949 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 478.jpg (143451 Byte)
Links der Grabstein für Rosalie Andorn
 geb. Levi
(1873-1936) 
Links Grabstein für 
Minna Spier  
Die Gräber sind teilweise 
terrassenförmig angelegt und von
 abrutschender Erde bedroht  
   
      
Gemuenden Wohra Friedhof 479.jpg (133059 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 480.jpg (136307 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 481.jpg (135398 Byte)
Teilansicht des Friedhofes Grabstein links für Auguste Spier
 (1867-1929), rechts für Dr. Moses Spier
 (1862 in Gemünden - 1932 in Göttingen)*  
 
 
     
Gemuenden Wohra Friedhof 482.jpg (145408 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 483.jpg (138631 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 485.jpg (128870 Byte)
Grabstein Mitte für Mendel Rosenberg
 (1854-1926), links für Emma Mark 
geb. Jakob
(1872-1926)
Roter Grabstein links für 
Fanny Andorn
geb. Levi
(1865-1930)
Grabstein links für Willi Rosenberg
 (1889-1914), rechts für Rebekka Rosenberg 
aus Rosenthal (1856-1913) 
         
Gemuenden Wohra Friedhof 484.jpg (96176 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 486.jpg (98810 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 487.jpg (143922 Byte)
Grabstein für Jakob Andorn
(1860-1937) 
Grabstein für Rebekka Rosenberg 
aus Rosenthal (1856-1913)
Grabstein mit "segnenden Händen" 
der Kohanim
     
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Grabstein für Jakob Oppenheim, 
Lehrer a.D. aus Barchfeld (1849-1911)
Grabstein für Anselm Rosengarten 
aus Schiffelbach (1843-1868)
Grabstein für Dora Kohlhagen 
geb. Blumenthal
(1878-1908 in Rosenthal)
     
Gemuenden Wohra Friedhof 491.jpg (130622 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 489.jpg (137584 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 490.jpg (138039 Byte)
Symbolik: links Krone, rechts
 Levitenkanne, dahinter zwei
 Schabbatlampen
Zwei Grabsteine mit 
"segnenden Händen" der Kohanim
Links Levitenkanne, rechts 
Schabbatlampe (traditionell auf 
Grabsteinen für Frauen)
   
     
Gemuenden Wohra Friedhof 497.jpg (121246 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 501.jpg (139936 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 502.jpg (132773 Byte)
Grabstein für Jacob Nussbaum 
aus Rotenkirchen (1864-1907)
Grabstein für das Kind Gerta Marx
 (1901-1903) mit Zitat aus Hiob 1,21 
"Hier ruhet sanft 
Elias Marx aus Grüsen"
       
Gemuenden Wohra Friedhof 498.jpg (116659 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 500.jpg (132299 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 499.jpg (129948 Byte)
Grabstein links für Hannchen Höxter 
geb. Kadden
(1866-1905), rechts für 
Meier Marx (1875-1905)
Vorder- und Rückseite der Grabsteine für Lehrer Joseph Spier (1828-1910; "Er wirkte als Lehrer der hiesigen Gemeinde von 1855 bis 1894") und Sara Spier geb. Lissard (1839-1903; "Die traute Gefährtin in Freud und Leid, in Trübsal, in Not, in wonniger Zeit, Schlaf süß, bis Dich wecket zur Ewigkeit, Der Allbeleber zum neuen Leben. Lieb Mütterlein gut und selenrein, Wie ruhten wir wonnig am Herzen Dein..."
  
         
Gemuenden Wohra Friedhof 503.jpg (128777 Byte) Gemuenden Wohra Friedhof 504.jpg (72643 Byte)   
Blick über den Friedhof in 
Richtung des Eingangs
Rückkehr vom Friedhof - 
Blick auf Gemünden
 
     

Anmerkung
* Dr. Moses Spier war seit 1907 Arzt in Göttingen. Er war verheiratet mit Dora geb. Ehrlich. Seine Arztpraxis in Göttingen befand sich in der Keplerstraße 3a. Nach dem Tod ihres Mannes wohnte Dora Spier weiterhin im Haus Keplerstraße 3a. Im April 1942 musste sie in das "Judenhaus" Weender Landstraße 26 ziehen. Am 23. Juli 1942 - dem Tag der Deportation in das Ghetto Theresienstadt - beging sie Selbstmord. Die Tochter Frieda wurde in Auschwitz ermordet; die Tochter Gertrud war 1927 nach Palästina ausgewandert. 
(Quelle: Uta Schäfer-Richter/Jörg Klein: Die jüdischen Bürger im Kreis Göttingen. 1933-1945. 1992. S. 252)  
   
  
   

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Gemünden/Wohra     
Zur Seite über die Synagoge in Gemünden/Wohra (interner Link) 

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Gemünden / Wohra und umliegenden Orten   
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Gemünden/Wohra sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,351   Geburts-, Trau- und Sterberegister der jüdischen Gemeinde in Gemünden/Wohra 1759 - 1903: enthält: Geburtsregister der Juden von Gemünden/Wohra, 1759-1878, Geburtsregister der Juden von Grüsen (Gemünden/Wohra), 1764-1880,  Geburtsregister der Juden von Dodenhausen (Haina/Kloster), 1807-1874, Geburtsregister der Juden von Schiffelbach (Gemünden/Wohra), 1773-1856, Trauregister der Juden von Gemünden/Wohra, 1833-1875, Trauregister der Juden von Grüsen (Gemünden/Wohra), 1827-1875, Trauregister der Juden von Dodenhausen (Haina/Kloster), 1837-1851, 1873, Trauregister der Juden von Schiffelbach (Gemünden/Wohra), 1840-1873, Sterberegister der Juden von Gemünden/Wohra, 1824-1903, Sterberegister der Juden von Grüsen (Gemünden/Wohra), 1825-1900, Sterberegister der Juden von Dodenhausen (Haina/Kloster), 1841-1879, Sterberegister der Juden von Schiffelbach (Gemünden/Wohra), 1830-1877.    
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5494027   
HHStAW 365,354   Sterberegister der jüdischen Gemeinden in Gemünden / Wohra und in Holzappel  1824 - 1843; enthält Sterberegister der Juden aus Gemünden/Wohra, Dodenhausen, Grüsen und Schiffelbach, 1824 - 1844 sowie Sterberegister der Juden aus Holzappel, Isselbach und Langenscheid, 1917 - 1938.  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924801          

Literatur:  

Arnsberg I,247-248.  
Horst Hecker: Der jüdische Friedhof in Gemünden. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Bd. 116 2011 S. 65-70.  

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 09. Mai 2016