Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Grebenstein mit Immenhausen und (Immenhausen-)Holzhausen (Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Grebenstein bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Doch gab es bereits im Mittelalter einzelne jüdische Personen in der Stadt und im benachbarten Immenhausen: 1345 werden bei einem Streit drei Juden genannt (Gumpracht Sercken [?] aus Immenhausen, Bonefant, jüdischer Bürger aus Grebenstein und Bonefant, der Arzt, die letzteren französischer Herkunft.   
  
Im 17. Jahrhundert sind 1629/31 einzelne Juden in der Stadt genannt (namentlich Wolf der Jude bzw. Wolff Ganß), gleichfalls 1663 und 1696 (Simson Bacharach und sein Vater Ruben Bacharach). 1704 werden vier Juden bzw. jüdische Familien genannt (Ruben Bacharach, Levin Samuel, Abraham Ganß und Simson Bacharach), 1730 waren es bereits 19 "Schutzjuden", die meisten wohl mit Familie. Sie lebten u.a. vom Garn- und Lederhandel. Grebenstein spielte damals offenbar eine zentrale Rolle für die Regen: 1773, 1776 und 1800 fanden hier die hessischen Judenlandtage statt. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1812 13 jüdische Familien, 1826 98 jüdische Einwohner, 1835 105 (4,1 % von insgesamt 2.535), 1871 85 (3,6 % von 2.387), 1885 86 (3,8 % von 2.249), 1895 70 (3,2 % von 2.221), 1905 50 (2,2 % von 2.252). Zur Gemeinde Grebenstein gehörten die in Holzhausen (1835 10, 1861 15, 1905 18) und Immenhausen (1835 9, 1861 13, 1905 7) lebenden jüdischen Personen.   
   
Die jüdischen Familien lebten bis Mitte des 19. Jahrhunderts überwiegend vom Vieh- und Warenhandel, einige waren als Metzger tätig (bereits 1776 werden 6 jüdische Metzger in der Stadt genannt). Mitte des 19. Jahrhunderts gab es inzwischen mehrere jüdische Handwerker, darunter einen Färbermeister (Simon Brandenstein), einen Schreinermeister (Michael Rosenbaum), einen Schneidermeister (Jacob Rosenbaum) und einen Buchbindermeister (Nathan Wolf Gans, der zugleich Gemeindevorsteher war). In Immenhausen wird damals ein jüdischer Tischlermeister genannt.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (von 1831 bis 1911 als Israelitische Elementarschule), ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Um 1865 wird als Lehrer an der Israelitischen Elementarschule J. Gans (Quelle), um 1868 Jacob Plaut genannt. 1877 besuchten die jüdischen Kinder vorübergehend die Stadtschule. Seit 1878 war Heinemann Plaut Lehrer in Grebenstein (siehe Artikel unten zu seiner Person). Er unterrichtete 1878 20, 1882 21, 1908 noch 6 Kinder. Gleichzeitig mit seiner Zurruhesetzung 1911 wurde die israelitische Schule aufgelöst. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel. Kreisvorsteher des Kreises Hofgeismar innerhalb des Rabbinatsbezirkes war damals Salomon Rosenbaum aus Grebenstein (zu seinem Tod 1930 siehe Artikel unten).  
 
Bis in die 1930er-Jahre gab es an jüdischen Gewerbetreibenden insbesondere: Willi Möllerich (Gemischtwarenhandel), Lion Katz (Viehhandel), Louis Katzenberg (Viehhandel), Bernhard Mandelstein (Friseur, Textilhandel), Rosalie Gans (Getränkehandel), Jacob Simson Rosenbaum (Zahnarzt, Getreide-, Futter- und Düngemittelhandel), Wilhelm David (Textilhandel), Goldwein (Pferdehandel), David Adler (Viehhandel, Regenstein (Viehhandel, Michael Neuhahn (Frucht- und Getreidehandel, Textil- und Möbelhandel), Willi Vorenberg (Viehhandel), Erwin Machol (Verkäufer bei Familie Rosenbaum).   
 
Um 1924, als 53 jüdische Einwohner gezählt wurden (2,1 % von 2.493), waren die Gemeindevorsteher Gustav Neuhahn, Lion Katz und B. Möllerich. Der Religionsunterricht der damals drei schulpflichtigen jüdischen Kinder wurde durch Lehrer Herbold Löwenstein aus Meimbressen erteilt. 1932 waren die Gemeindevorsteher Leo Katz (1. Vors.), Baruch Wormser (2. Vors., Vorbeter der Gemeinde bis 1938) und Bernhard Mandelstein (Schatzmeister). An jüdischen Vereinen bestand insbesondere der Israelitische Frauenverein (Chevroth Noschim; 1932 unter Leitung von Flora Rosenbaum; Zweck und Arbeitsgebiete: Hilfeleistung bei Krankheiten, Todesfällen und Unterstützung jüdischer einheimischer Armer.  
 
1924 gehörten aus Immenhausen 4 jüdische Personen, aus Holzhausen 8 zur Gemeinde in Grebenstein. 1932 waren es 7 beziehungsweise 5 Personen. 
 
1933 lebten noch 50 jüdische Personen in Grebenstein. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 kam es in der Stadt zu schlimmen Ausschreitungen: die Synagoge wurde verwüstet (s.u.), zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Familien fast völlig zerstört. Eine fanatisierte Menge prügelte jüdische Geschäftsinhaber durch die Stadt.  1939 wurden noch 10 jüdische Personen am Ort gezählt (0,3 % von 2.865), die gleichfalls alsbald aus der Stadt verzogen sind. Von den ausgewanderten Personen konnte eine Familie mit 4 Personen bereits 1934 nach Palästina, einzelne Personen sind in die USA, in die Tschechoslowakei, nach Polen. Viele verzogen nach Kassel und in andere Städte.    

Grebenstein Hofgeismar Museum 100.jpg (92712 Byte)Von den in Grebenstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" sowie nach der Gedenktafel im Stadtmuseum Hofgeismar, Jüdische Abteilung, siehe Foto links):  Rosalie Gans (1868), Moritz Grünklee (1880), Helene Hamberg (1879), Lotte Jakobs geb. Rosenbaum (1887), Marga Katz (1920), Selma Kahn geb. Neuhahn (1885), Gerson Katz (1887), Helma (Helene) Katz (1922), Ida Katz geb. Möllerich (1888), Ingeborg Katz (1926), Lion Katz (1887), Louis Katzenberg (1881), Mathilde Katzenberg geb. Möllerich (1892), Albert Katzenstein (1869), Klara Kaufmann geb. Weil (1889), Sally  Levi (1893), Johanna Mandelbaum (1864), Bernhard Mandelstein (1883), Else (Ettel) Mandelstein geb. Kugelmann (1889), Erwin Meier (1908), Adolf Meyer (), Hermann Meyer (1880), Jenny Meyer geb. Vorenberg (1880), Auguste Möllerich geb. Gumbert (),  Ludwig Möllerich (1935), Martha Möllerich geb. Plaut (1909), Willi Möllerich (1893), Emmy Neuhahn geb. Stein (1887), Frieda Neuhahn (1890), Moritz Neuhahn (1882), Dina Oberdorff geb. Neuhahn (1890), Fritz Oberdorff (1890), Hildegard Petzal geb. Bieber (1898), Flora Rosenbaum geb. Wertheim (1858), Max Rosenbaum (1882), Antonie (Toni) Sassen geb. Katzenberg (1873), Emma Schnitzler geb. Katzenberg (1878), Willi Vorenberg (1883), Frieda Weil geb. Rosenbaum (1889, von Köln nach Lódz deportiert), Clara Wormser geb. Rosenbaum (1884).
   
Holzhausen Hofgeismar Museum 100.jpg (55415 Byte)Von den in Holzhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Blumenthal geb. Hammerschlag (1881),m Else Hammerschlag (1887),, Jenny Hammerschlag (1889), Julius Hammerschlag (1883), Meta Hammerschlag geb. Heilbrunn (1885), Richard Hammerschlag(1886), Sara Hammerschlag geb. Stern (1893), Lieselotte (Liesel) Hammerschlag (1920), Alfred Hammerschlag (1893), Siegmund Hammerschlag (1874).  
    
Immenhausen Hofgeismar Museum 100.jpg (33684 Byte)Von den in Immenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lilli Jahn geb. Schlüchterer (1900, siehe Literatur unten), Hedwig Uhlmann geb. Rosenbaum (1882). 

     
Nach 1945 kehrten mehrere frühere jüdische Personen in die Stadt zurück (Familie Wilhelm David). In den 1970er-Jahren war nur noch der jüdische Textilkaufmann Erwin Machol in der Stadt (hatte 1949 das ehemalige Geschäft von Bernhard Mandelstein übernommen und als Textilgeschäft geführt; gest. 1. April 1980, beigesetzt im jüdischen Friedhof).  
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     Hinweis: mehrere der Texte konnten noch nicht abgeschrieben werden - bitte zum Lesen Textabbildungen anklicken  
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
Die Entlassung des offenbar geisteskranken Lehrer Rosenhausel (Rosenhansel?) wird bei der Regierung beantragt (1848)
      

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 27. Juni 1848: "Ein anderes, fast possierliches Stückchen ist Folgendes: Lehrer Rosenhausel, ein sogenannter Freigeist, welcher früher in Jesberg, später aber in Grebenstein Lehrer, Schochet und Vorbeter war, welche Stellen er noch bekleidete, ist bei den Ständen mit den Bitte eingekommen, 'da er schon so viele Jahre Lehrer auf dem Lande sei, und die Händel der Jehudim genau kenne, wonach dieselben noch 10 Mal mehr Verfolgungen verdienten als in der Tat über sie hereingebrochen seien, ihn als 'geheimen Polizeiagenten' anzustellen, wodurch die Kriminalbehörde Gelegenheit hätte, das Treiben der Jehudim am Genauesten kennen zu lernen.' Der Ausschuss der Stände trug nach Vorlesung dieser Eingabe an, da dieser Mensch entweder geisteskrank oder im  höchsten Grade demoralisiert sein müsse, in beiden Fällen aber sich so wenig zum Lehrer und Jugenderzieher als zum Vorsänger eigne, diesen Gesuch der Staatsregierung zu übergeben, mit der Bitte, die sofortige Absetzung des Lehrers Rosenhausel von seinen bisherigen Funktionen, anzuordnen."    

      
Lehrer Heinemann Plaut geht in den Ruhestand - die israelitische Schule wird aufgelöst (1911) 

Grebenstein Israelit 11051911.jpg (29794 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1911: Grebenstein, 27. April (1911). Herr Lehrer H. Plaut trat am 1. April nach 33jährigem Wirken am hiesigen Platze – vorher amtierte er schon an anderen Orten – in den Ruhestand. Gleichzeitig wurde die israelitische Schule mit Genehmigung des Herrn Ministers aufgelöst."

  
Zum 85. Geburtstag von Lehrer L. Plaut (1927) 
Anmerkung: bei Lehrer L. Plaut könnte es sich um einen älteren Bruder von Lehrer Heinemann Plaut gehandelt haben, der jedoch vermutlich nicht in Grebenstein unterrichtet hatte.

Grebenstein Israelit 03111927.jpg (16193 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1927: "Grebenstein, 28. Oktober (1927). Sein 85. Lebensjahr vollendete der pensionierte Lehrer L. Plaut dahier in geistiger und körperlicher Frische."

  
80. Geburtstag von Lehrer Heinemann Plaut - sowie Goldene Hochzeit von ihm und seiner Frau Jeanette geb. Werthan (1925) 

Grebenstein Israelit 14051925.jpg (36242 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1925: "Grebenstein, 2. Mai (1925). In diesem Monat begeht der Nestor der jüdischen Lehrerschaft Kurhessens, Herr Lehrer H. Plaut, der am 12. Oktober 80 Jahre alt geworden ist, mit seiner Ehefrau, geb. Werthahn, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide sind gebürtig aus Rotenburg a.d. Fulda und erfreuen sich noch körperlicher Gesundheit und geistiger Frische."

  
77. Geburtstag der Lehrergattin Jeanette Plaut geb. Werthahn (1928)  

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 20. Januar 1928:     

 
85. Geburtstag von Lehrer i.R. Heinemann Plaut (1928)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1928: "Grebenstein, 8. Oktober (1928). Am 12. Oktober feierte Lehrer Plaut i.R. seinen 85. Geburtstag in größter Rüstigkeit und Geistesfrische. Am 1. Oktober waren 50 Jahre verflossen, dass er als junger Lehrer hierher kam."   

     
Zum Tod von Lehrer Heinemann Plaut (1929)    

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 15. März 1929: "Grebenstein (Persönliches). Hier wurde der im Ruhestand lebende Lehrer H. Plaut, der im 85. Lebensjahr nach längerer Krankheit verschied, unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise zu Grabe geleitet. vier Jahrzehnte hat der Verewigt3e das Amt des Lehrers und Kantors mit seltener Pflichttreue und ersprießlichen Erfolgen bekleidet. Sein bescheidenes Wesen, seine Friedfertigkeit und Hilfsbereitschaft haben ihm überall Freude erworben. Dies bezeugte die rege Beteiligung an der Trauerfeier, die in der Synagoge stattfand."        
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 8. März 1929:   

  

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 8. August 1930:      
 
Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 8. März 1930:     

 
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Die Zeitschrift "Der Israelit" berichtet über eine Auseinandersetzung zwischen dem Provinzialvorsteheramt Kassel und Gemeindegliedern in Grebenstein (März 1878)  
Anmerkung: Die nachstehenden Berichte aus dem Jahr 1878 beschäftigen sich mit einem Streit, der zwischen den beiden Gemeindevorstehern in Grebenstein ausgebrochen war und in kurzer Zeit eskalierte, zumal verschiedene Behörden und Einrichtungen in den Streit hineingezogen wurden. Die Dokumente hierzu werden hier wiedergegeben, da eine Vielzahl von darin angegebenen Einzelheiten Informationen enthalten: über das jüdische Gemeindeleben, über das Eingebundensein in die damaligen Verwaltungsstrukturen wie über Entscheidungskompetenzen, über einzelne Sitten und Gebräuche im gottesdienstlichen Leben, über die Situation der jüdischen Schule in Grebenstein u.a.m..  Als Einführung in die gesamte Problematik empfiehlt sich, zunächst den Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Mai 1878 (siehe Bericht unten) zu lesen.

Grebenstein Israelit 27031878.jpg (223352 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. März 1878: "Aus Hessen. In unserer Provinz werden bekanntlich die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden durch besondere Behörden verwaltet, die Israelitischen Provinzialvorsteherämter. Die Organisierung dieser Ämter gründet sich auf ein veraltetes, aus verflossenen kurfürstlichen Zeiten und Anschauungen stammendes Gesetz von Jahre 1823. – Ein großer Teil dieses Gesetzes ist durch neuere gesetzliche Bestimmung faktisch aufgehoben, die Vorsteherämter aber existieren noch weiter. – Es soll nun nicht in Abrede gestellt werden, dass eine derartige Behörde unter Umständen ganz segensreich wirken kann, tatsächlich aber muss sie oft mit den billigsten Forderungen der Neuzeit, welche überall auf das freie Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden dringt, in Widerspruch geraten. Dazu kömmt noch, dass bei der tiefen Kluft, welche die Bekenner des gesetzestreuen Judentums, von den Reformjuden trennt, der Zwang einer Behörde, die der einen oder anderen Richtung ausschließlich angehört, doppelt drückend empfunden wird. – Am ausgeprägtesten tritt dieser Missstand bei dem Provinzialvorsteheramt zutage, welches in Kassel seinen Sitz hat. – Die religiöse Richtung seiner Mitglieder ist genügend gekennzeichnet, wenn man weiß, dass Herr Landrabbiner Dr. Adler den Vorsitz hat, und dass ebenso sämtliche übrigen Mitglieder derselben Richtung angehören. Die jüdischen Landgemeinden der Provinz gehören der großen Mehrzahl nach, dem gesetzestreuen Judentum an. Das Vorsteheramt, welches die Ältesten dieser Gemeinden ernennt und absetzt, Religionslehrer bestellt und die religiösen Institutionen überwacht, muss, selbst wenn es bestrebt ist, bona fide zu handeln, oft die Autonomie der Gemeinden verletzende Missgriffe tun. Dazu kommt, dass die niederhessischen Gemeinden, das Bewusststein ein derartiges Vorsteheramt zu  besitzen, noch mit ihrem Gelde durch eine besondere Provinzialsteuer, bezahlen müssen, ein Umstand, der jedenfalls nicht geeignet ist, die Begeisterung für dieses Institut zu erhöhen. Schon vor mehreren Jahren traten die einzelnen Landgemeinden zusammen, um über Mittel und Wege zu beraten, die sie am sichersten und leichtesten von dieser lästigen, ein freies Gemeindeleben im Keime erstickenden Obervormundschaft befreiten. Doch hatten diese Bestrebungen damals keinen greifbaren Erfolg. Seit dem Inkrafttreten des Austrittsgesetzes, wurde die Eventualität eines Ausscheiden aus dem Gemeinde-, respektive Provinzialverbande wiederholt von einzelnen Landgemeinden ins Auge gefasst, und dieser Tage erklärte ein Teil der Gemeinde Grebenstein, offiziell seinen Austritt. Die Ausgetretenen haben bereits ein eigenes Lokal für ihren Gottesdienst, und werden demnächst auch einen Lehrer berufen, sowie die übrigen Institutionen beschaffen. Bei der Unbeliebtheit des Vorsteheramtes besonders bei den Landgemeinden, bei der Sympathie, welche diese Austrittserklärung in der ganzen Gegend als das einziger Mittel findet, um diesen widernatürlichen, kostspieligen Zwang zu brechen, steht sicher zu erwarten, dass dieses Beispiel schon in allernächster Zeit, vielfache Nachahmung finden wird. F.K."

 
Stellungnahme zu den Auseinandersetzungen von Seiten des Provinzial-Vorsteheramtes in Kassel       

Grebenstein Israelit 17041878.jpg (123417 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1878: "Kassel, 8. April (1878). Die Korrespondenz ‚Aus Kurhessen’ in Nr. 13 dieser Zeitschrift wegen des Austritts von Mitgliedern der Synagogengemeinde Grebenstein veranlasst uns zu nachstehender Berichtigung:  
1. Wir haben, im Einverständnis mit den staatlichen Aufsichtsbehörden, einen Ältesten der Synagogengemeinde Grebenstein wegen fortwährender Konflikte mit dem Kreisvorsteher und Mitgliedern der Gemeinde entlassen müssen, obschon nicht zu bezweifeln war, derselbe werde nach verfügter Entlassung, in Gemäßheit der desfallsigen mündlichen Drohung, nebst einigen Anhängern aus der Gemeinde austreten. Diese Drohung konnte umso weniger berücksichtigt werden, als überdies auf Anregung des Gemeindeältesten, welcher der Höchstbesteuerte ist und schulpflichtige Kinder nicht mehr hat, die Gemeinde, wenngleich mit nur einigen Stimmen Majorität, beschlossen hatte, die seit dem Jahre 1831 bestehende, dermalen erledigte Schulstelle eingehen zu lassen und die schulpflichtigen Kinder in Folge dessen schon seit längerer Zeit ohne Unterricht in Religion und im Hebräischen sind. Nachdem die betreffenden Personen nunmehr ausgetreten, wird die Schulstelle voraussichtlich alsbald wieder besetzt werden. 
2. Die Würdigung der die Wirksamkeit des Landrabbinern Herrn Dr. Adler betreffenden Bemerkung ergibt sich aus dem vom entlassenen Gemeindeältesten und anderen Mitgliedern der Gemeinde Grebenstein am 20. Mai vorigen Jahres gelegentlich des 25jährigen Dienstjubiläums desselben an Herrn Dr. Adler gerichteten Gratulations- und Anerkennungsschreiben, dessen Inhalt mit der betreffenden Bemerkung im direkten Widerspruch steht.  
Grebenstein Israelit 17041878b.jpg (269362 Byte)Dasselbe lautet: ‚Am heutigen Tage, an welchem Euer Hochwürden mit froher Genugtuung und stolzem Bewusstsein auf die Früchte eines segensreichen 25jährigen Wirkens in einem so verantwortlichen, aber ehrenvollen Beruf herabblicken, zu dessen Feier aus allen Gegenden der Provinz und weit darüber hinaus Glückwünsche und Adressen einlaufen werden, sei es auch uns vergönnt, Ihnen zu ihrem 25jährigen Jubiläum unsere herzlichsten Glückwünsche darzubringen und durch folgendes kleine Gedenk unsere Verehrung für Sie Ausdruck zu geben. Möge es Ihnen beschieden sein, auch gerner Ihrem Amte mit aller bisherigen Willenskraft und Ausdauer obzuliegen und Ihr 50jähriges Jubiläum in gleicher Frische und Gesundheit zu feiern."
3. Den Kultus betreffende Anordnungen erlassen wir nicht nach eigenem Ermessen, sondern auf Grund von Gutachten des Provinzial-Rabbinen bzw. des Landrabbinats, bestehend aus dem Landrabbinen und den Provinzial-Rabbinen zu Marburg, Fulda und Hanau.
4. An die Provinzial-Kasse, aus welcher die Kosten der hiesigen Lehrerbildungsanstalt, die nach dem diesjährigen Voranschlag ‚fünftausend Mark’ betragenden Zuschüsse zu den Kosten der israelitischen Schulen unseres Bezirks, die Ausgaben für die Schulvisitationen des Herrn Landrabbinen, dessen Gehalt als Provinzial- und Landrabbiner usw. bestritten werden, zahlt die Synagogengemeinde Grebenstein nach Maßgabe der Steuerrollen pro 1876/78 jährlich 124 Mark 75 Pfg., erhält dagegen aus derselben, wenn die Schulstelle besetzt ist, als Beitrag zum Lehrergehalt jährlich 100 Mark. Die Leistung der Gemeinde an die Provinzialkasse beträgt daher nur 24 Mark 75 Pfennig mehr als diejenige der letzteren an die Gemeinde.
Derartige Ergebnisse werden nur dadurch ermöglicht, dass auf eine Anzahl größere Synagogengemeinden, welche Leistungen zu ihren speziellen Gunsten nicht bedürfen, der bei weitem bedeutendste Teil der Provinzial-Abgaben entfällt. (Die Synagogengemeinde Kassel allein zahlt mehr als die Hälfte.) Die kleineren Synagogengemeinden erhalten je nach bedarf und Tunlichkeit Subventionen zu den Kosten ihrer Schulen, welche nicht selten deren Provinzial-Steuern nicht nur ausgleichen, sondern solche um mehr als das Vierfache und Fünffache übersteigen. Der bei weitem größte Teil wird in dieser Weise subventioniert und hierdurch allein zur Erhaltung der Schulen in den Stand gesetzt, weshalb der Provinzialverband in finanzieller Beziehung denselben nicht zum Nachteil, sondern im Gegenteil zum entschiedensten Vorteil gereicht.
Bei Aufhebung desselben würden die betreffenden Gemeinden aber nicht nur ohne Schulen, sondern weil in der Regel die Lehrer allein zum ordnungsgemäßen Vorbeten befähigt sind, in sehr vielen Fällen auch ohne würdigen und erhebenden Gottesdienst sein und überdies die schulpflichtigen Kinder den Unterricht in Religion und im Hebräischen entbehren müssen.
Nach im Jahre 1876 erfolgter Mitteilung Königlicher Staatsregierung an den Landtag hat das Institut der Provinzial-Vorsteherämter sich vollständig bewährt und sind auch aus anderen Provinzen Gesuche um Errichtung von solchen eingegangen.
5. Die Ausgaben der diesseitigen Gemeinden und der Provinzial-Kasse betreffen zum bei Weitem größten Teil diejenigen Etat-Positionen, zu welchen die Ausgetretenen nach wie vor dauernd beizutragen gesetzlich verpflichtet sind. Ob der Inhalt der Korrespondenz auf Mangel an Sachkenntnis oder auf tendenziöser Absicht beruht, lassen wir dahin gestellt. Vorsteheramt der Israeliten. Büding."

  
Stellungnahme aus der Sicht des entlassenen Gemeindevorstehers Rosenbaum nimmt aus seiner Sicht Stellung 

Grebenstein Israelit 15051878.jpg (372437 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1878: "Grebenstein (Provinz Hessen). Der ‚Israelit’ brachte in Nr. 13 einen Bericht über Vorgänge in der hiesigen Gemeinde, und in Nr. 16 und 17 eine sich Berichtigung nennende Darstellung seitens des Kasseler Vorsteheramtes. Dieser letzteren Darstellung gegenüber drängt es mich, die bedauerlichen Vorgänge innerhalb unserer Gemeinde und die Motive meines und meiner Gesinnungsgenossen Austritts in aller Kürze der Wahrheit gemäß der Beurteilung der jüdischen öffentlichen Meinung zu unterbreiten. Die hiesige, aus ungefähr 20 Familien bestehende Gemeinde, als deren Gemeindeältester ich 17 Jahre lang fungierte, lebte stets in Frieden und Eintracht. Das gute Einvernehmen wurde erst gestört durch ein vor wenigen Jahren hierher verzogenes Gemeindemitglied, das den Keim zu allen Zwistigkeiten dadurch legte, dass es eine Änderung des Gebrauchs verlangte, nach welchem bis jetzt zur Tora aufgerufen wurde. Um seine Pläne durchzusetzen, wandte das Mitglied alle Mittel an, um Gemeindeältester zu werden. Da das Gesetz vom Jahre 1823 die hessischen Gemeinden mundtot macht, und die Wahl der Gemeindeältesten nicht der Gemeinde, sondern dem Kreisvorsteher zusteht, so braucht ein Gemeindeältester in erster Reihe nicht das Vertrauen der Gemeinde, sondern nur dasjenige des Kreisvorstehers zu besitzen. Jede Gemeinde kann jeden Tag gewärtig sein, von dem Vorsteheramte die Mitteilung zu erhalten, auf Vorschlag des Kreisvorstehers sei von nun an Herr N.N. Ältester der Gemeinde. So erfuhr die Gemeinde ganz zufällig, dass das oben genannte Mitglied vom Kreisvorsteher als zweiter Gemeindeältester in Vorschlag gebracht sei. Fast die ganze Gemeinde erhob sich gegen diese gewaltsame Aufoktroyierung. Eine Deputation der Gemeinde veranlasste den Präsidenten des Vorsteheramtes, Herrn, Dr. Adler, hierher zu kommen und einer ad hoc berufenen Gemeindeversammlung beizuwohnen. In dieser Versammlung, welcher auch unser in Hofgeismar domizilierter Kreisvorsteher beiwohnte, erklärte Herr Dr. Adler, dass er sich überzeugt habe, das vom Kreisvorsteher vorgeschlagene Mitglied könne und dürfe kein Gemeindeältester werden. Wir waren durch die Versprechungen des Herrn Landrabbiners beruhigt und betrachteten die Angelegenheit als erledigt.
Nur wenige Wochen waren seitdem verflossen, als wir hörten, dass auf wiederholten Antrag des Kreisvorstehers das Vorsteheramt in seiner nächsten Sitzung den von seinem Präsidenten als unmöglich erklärten Gemeindeältesten installieren wolle. Der Unterstützung der staatlichen Behörden hatten wir es ausschließlich zu verdanken, dass auch dieses Mal der Plan unseres Kreisvorstehers und seines Schützlings vereitelt wurde. – Woher die Sympathien unseres Kreisvorstehers für das betreffende Gemeindemitglied datieren, kann hier unerörtert bleiben, sowie dasjenige, was die Volksstimme darüber urteilt. Es  soll hier nur hervorgehoben werden, dass der Kreisvorsteher öffentlich den Sabbat entweiht, die Speisegesetze übertritt, nur ganz wenige Male im Laufe des Jahres die Synagoge besucht etc. Das genügt zur richtigen Würdigung unserer jüdischen Verhältnisse, die durch solche Hände geleitet und geschützt werden sollen.
Die Willkür, mit welcher unsere religionsgesetzlichen Vorschriften gehandhabt werden, mag durch folgendes Faktum dargelegt werden. Der Kreisvorsteher verbietet uns – angeblich im Namen des Vorsteheramtes – die Haftora von demjenigen sagen zu lassen, der zu Maftir aufgerufen wird, und dekretiert ein Monopol auf das Vorlesen der Haftora, dessen einziger Inhaber der zeitweilige Lehrer und Vorbeter ist. Als derselbe über Samstag verreist war, kam es in Folge dessen vor, dass die Haftora gar nicht gesagt wurde. Als Gemeindeältester war ich selbstverständlich verpflichtet, solche irreligiöse Willkürlichkeiten zur Ausführung zu bringen; über die Schwierigkeiten und schikanösen Nörgeleien, die mir dabei gemacht wurden, habe ich einen ganzen Stoß amtlicher Korrespondenz, durch deren Veröffentlichung unsere religiösen Zustände, wie kaum sonst, treffend charakterisiert würden. Wiederholt erhielt ich ohne jede begründete Veranlassung Strafandrohungen, falls ich die Vorschriften meiner vorgesetzten Behörde nicht zu Ausführung brächte, wiederholt bat ich um detaillierte Aufzählung dessen, was ich eigentlich begangen, und um eine Gelegenheit, mich verantworten zu können. Ich erhielt nicht einmal eine Antwort.
So sehr mir auch auf diese Weise mein Amt als Gemeindeältester verleidet wurde, so hielt ich es dennoch für heilige Pflicht, in demselben so lange auszuharren, bis ich desselben entsetzt wurde. Da ich aber mit größter Vorsicht bedacht war, mir keine Pflichtverletzung zuschulden kommen zu lassen, so schien eine solche Absetzung unmöglich. Inzwischen nahmen die Agitationen gegen mich und meine Amtsführung einen immer schärferen Charakter an. Da ein Teil der hiesigen Gemeinde aus armen Mitgliedern besteht, so gelang es, dieselben im laufe der Zeit in eine Opposition zu drängen, welche eine tiefe Spaltung unserer
Grebenstein Israelit 15051878b.jpg (352426 Byte)kleinen Gemeinde zur Folge hatte. Wenn ich erwähne, dass, wenn einer meiner Gesinnungsgenossen vorbetete, nicht einmal mehr baruch hu ubaruch schmo (‚gepriesen sei ER und gepriesen sein Name’) und Amen erwidert wurde, so kann man aus diesem einen Faktum die Schärfe folgern, zu welcher sich der Konflikt zugespitzt hatte. Es blieb uns, da mehrere versuchte Vermittlungsvorschläge erfolglose geblieben waren, nichts übrig als die bestehende Spaltung durch eine faktische Trennung erträglich zu machen. Schon hatten wir die nötigen vorbereitenden Schritte dazu getan, als durch meine vom Vorsteheramt verfügte Entlassung die letzte Rücksicht gefallen war, welche meine Gesinnungsgenossen bis jetzt noch zum Verbleib in der Gemeinde bestimmte. Die religiösen Bedenken, die jeden Juden erfüllen, wenn er seine heiligsten Anliegen Behörden überantwortet weiß, deren einzelne Mitglieder mit dem positiven Judentum grundsätzlich mehr oder weniger entschieden gebrochen haben, diese religiösen Bedenken erreichten für uns ihren höchsten Grad durch die Installierung eines Gemeindeältesten, welcher der ausgesprochene Protegé eben dieser Behörden ist. Diese religiösen Bedenken hatten unsere Austrittserklärung zur Folge. Obwohl wir keinen Augenblick die Bedeutsamkeit und die Tragweite unseres Schrittes unterschätzten, obwohl wir wussten, welche pekuniären Opfer diese Konsequenz unserer religiösen Bedenken uns auferlegt, obwohl wir endlich auch nicht darüber im Zweifel waren, dass unser Vorgehen verdächtigt, unsere wahren Motive entstellt und uns unlautere insinuiert würden; - wir könnten nicht anders handeln, als wir eben handelten.
Was wir aber nicht wussten, was wir nicht für möglich gehalten hätten, wenn es nicht schwarz auf weiß vorläge, das ist die Art und Weise, wie eine amtliche Behörde, wie das Vorsteheramt in Nr. 16 und 17 dieses Blattes sich erkühnt, uns und unser Tun zu diskreditieren, speziell mich zu verleumden, und das Alles eine Berichtigung zu nennen. Gestatten Sie mir, einige handgreifliche Unwahrheiten dieser Berichtigung hier folgen zu lassen. Das Vorsteheramt behauptet I., man hätte mich wegen fortwährender Konflikte mit dem Kreisvorsteher und den Gemeindemitgliedern entlassen müssen, - so lautet die Berichtigung; meine Entlassungsurkunde dagegen lautet: ‚Nr. 128 V.V.A.Pr.  Nachdem Herr Isaac Rosenbaum zu Grebenstein seit dem Jahre 1861 das Amt eines Ältesten der israelitischen Gemeinde zu Grebenstein, Kreises Hofgeismar verwaltet, ist derselbe vom 15. März laufenden Jahres an, da eine weitere Erstreckung der in der Regel drei Jahre betragenden Amtsdauer untunlich ist, von diesem Amte entbunden und ihm darüber die gegenwärtige Entlassungsurkunde ausgefertigt worden. Kassel, am 18. Februar 1878. Vorsteheramt der Israeliten: Dr. Adler. F. Traube. Hirsch. Rinald. E. Goldschmidt.  Berger.’
Kommentar ist überflüssig; es wird sich jeder Einsichtsvolle selber sagen, wenn mir ein unzulässiger Konflikt mit meine Vorgesetzten nachzuweisen gewesen wäre, hätte man nicht nötig gehabt, sich so lächerlich zu machen, und einen beamten nach 17jähriger Amtstätigkeit deshalb abzusetzen, weil er eigentlich nur 3 Jahre amtieren sollte!
II. Die Behauptung, als hätte ich je mit meinem Austritt gedroht, falls ich als Gemeindeältester entlassen würde, ist erloben. Dagegen entspricht es der Wahrheit, dass ich mit einigen Gemeindemitgliedern Herrn Dr. Adler zu seinem Dienstjubiläum beglückwünscht habe. Ich bedauere, erst seit Kurzem eine richtige Ansicht über unseren Herrn Landrabbiner bekommen zu haben; der größte Teil der Kasseler Gemeindemitglieder sowie die Mehrzahl der Landgemeinden, welche sich an jenem Jubiläum nicht beteiligten, haben Herr Dr. Adler jedenfalls schon damals richtiger zu beurteilen gewusst.
III.  Die Behauptung, als ob auf meine Anregung die Schule eingehen solle, ist ebenfalls unwahr, was aktenmäßig festzustellen ist. – In den von mir in Gemeinschaft mit dem anderen Gemeindeältesten am 4. Juni 1877 und 15. Oktober 1877 an das königliche Landratsamt zu Hofgeismar gerichtete Eingaben habe ich um Beibehaltung der Schule gebeten. Die Gestattung zur Errichtung einer eigenen öffentlichen Elementarschule ist vielmehr laut Verfügung königlicher Regierung zu Kassel vom 6. Dezember 1877 in Folge des Berichtes des Vorsteheramtes vom 29. Oktober 1877 zurückgezogen. – Alle Eingaben, Berichte etc., in Betreff der Schule sind nur unter Mitwirkung und im Einverständnis mit dem anderen Gemeindeältesten und der Majorität der Gemeindemitglieder gemacht. Auf Veranlassung des Vorsteheramtes hat am 11. Dezember 1877 in Betreff der Elementarschule eine Gemeindeversammlung stattgefunden (während die Schule bereits wie oben erwähnt am 6. Dezember 1877 aufgelöst war). In dieser Versammlung hat zwar die Majorität der Mitglieder, deren Kinder teils bereits schulpflichtig sind, teils es in der nächsten
Grebenstein Israelit 15051878c.jpg (192741 Byte) Zeit werden, gegen die Errichtung einer öffentlichen Elementarschule jedoch für eine Religionsschule gestimmt, während ich mich für die Beibehaltung der Schule ausgesprochen habe, aber gleichzeitig dem Bedenken Ausdruck gab, dass die Gemeinde nicht imstande sei, die Kompetenz aus eigenen Mitteln aufzubringen. – Obgleich seit dem Jahre 1874 keines meiner Kinder die hiesige Schule besucht hat, so ist doch seit 1875 die Kompetenz des Lehrers auf meine Veranlassung um 90 Mark erhöht worden. 
Die Lehrerstelle ist seit dem 1. Oktober 1877 unbesetzt – und wenn bis jetzt die Kinder ohne Unterricht im Hebräischen sind – so kann mich sicherlich die Schuld hieran nicht treffen. Trotz meiner oben ausgesprochenen Ansicht über Herrn Dr. Adler rufe ich denselben als Zeugen dafür auf, wie ich mich wiederholt bemüht habe, dass den Kindern wenigstens der nötigste Unterricht im Hebräischen erteilt werde, und war es mir auch gelungen, einen geprüften Religionslehrer in Kassel zu veranlassen, sich beim Vorsteheramt um die Erteilung des Religionsunterrichts etc. an der hiesigen Schule zu bewerben – und in Folge dessen derselbe auch vom Vorsteheramte unter Zustimmung der Regierung hiermit beauftragt. – Wenn nun trotzdem der Religionsunterricht bis jetzt noch nicht beginnen hat, so kann mich sicherlich hierüber kein Vorwurf treffen.  IV. Wenn behauptet wird, dass das Vorsteheramt den Kultus betreffende Anordnungen nicht nach eigenem Ermessen, sondern nur auf Grund von Gutachten der Provinzialrabbinen und des Landrabbinats erlässt, so erlaube ich mir die Frage, ob denn die widergesetzliche Anordnung des Vorsteheramts, welche dem zu Maftir Aufgerufenen das Vortragen der Haftorah verbietet, auch durch ein Gutachten des Landrabbinats sanktioniert ist? Auf den übrigen Teil der Berichtigung, soweit er die Gepflogenheit und Verwaltungsusancen des Vo
rsteheramts im Allgemeinen zu rechtfertigen sucht, gehe ich hier nicht ein, obwohl auch hier Manches zu berichten wäre. Ich beschränke mich – da ich keine Veranlassung habe, den mir unbekannten Verfasser der Korrespondenz in Nr. 13 zu verteidigen – auf die Konstatierung der Tatsache, dass die Gemeinde zwar richtig ihre Abgaben an die Provinzialkasse alljährlich leistet, aber noch nie einen Beitrag aus derselben zum Lehrergehalt empfangen hat. Ich habe mich bei dieser meiner Darstellung auf das Allernotwendigste beschränkt; doch hoffe ich, dass das Mitgeteilt genügt, um den geschätzten Lesern des ‚Israelit’ ein objektives Urteil über die vorliegenden Angelegenheit zu ermöglichen. J.S. Rosenbaum"  

     
Das Provinzialvorsteheramt möchte die aus der Gemeinde Ausgetretenen von der Beisetzungserlaubnis im Friedhof Grebenstein ausschließen 

Grebenstein israelit 15051878d.jpg (74805 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1878: "Aus Hessen. Die väterliche Sorgfalt des Kasseler Vorsteheramtes dauert noch über das Grab hinaus. Wer daran zweifeln wollte, verweisen wir auf zwei Anfragen desselben an das Königliche Amtsgericht und die Bürgermeisterei zu Grebenstein vom 25. März, beziehungsweise 15. April. Wir lassen dieselben hier wörtlich folgen: ‚An das königliche Amtsgericht zu Grebenstein. Nach § 6 des Gesetzes vom 28. Juli 1876 verbleibt den aus einer Synagogengemeinde Ausgetretenen das Recht der Mitbenutzung des Begräbnisplatzes der Synagogengemeinde nur so lang, als ihnen nicht die Berechtigung zur Benutzung eines andern Begräbnisplatzes zusteht. Nachdem je 3 in Grebenstein und in Immenhausen wohnende Mitglieder der Synagogengemeinde Grebenstein aus derselben ausgetreten sind, erlauben wir uns in Folge dessen das ergebenste Ersuchen um gefällige Auskunft, ob nach den Grundbüchern die Stadtgemeinde Grebenstein und Immenhausen oder wer sonst Eigentümer der Be-
Grebenstein Israelit 15051878e.jpg (180475 Byte)gräbnisplätze ist, auf welchen die christlichen Einwohner daselbst beerdigt werden. Kassel, am 25. März 1878. Vorsteheramt der Israeliten: Dr. Adler  vdt. Berger. 
S.p.! 2.n.a. Herrn Bürgermeister Tenne zu Grebenstein mit dem Ersuchen um gefällige Auskunft, 1) wer Eigentümer des dortigen Totenhofes ist, und 2) ob und welche Bedenken der Beerdigung auf demselben der aus der dortigen Synagogengemeinde ausgetretenen Kaufleute Isac und Abraham Rosenbaum und des Handelsmanns Levi Brandenstein dortselbst und deren Angehörigen entgegenstehen. Dagegen, dass falls dies angemessen erachtet wird, die betreffenden Personen auf einer besonderen Abteilung des Totenhofes beerdigt werden haben wir nichts zu erinnern. Kassen, 15. April 1878. Vorsteheramt der Israeliten: Büding. 
Bei der bereits von uns hervorgehobenen destruktiven Tendenz der Mitglieder des Vorsteheramtes wird man sich nicht über die Ungeheuerlichkeit wundern, dass es gegen die Beerdigung von Juden auf christlichem Totenhof nichts zu erinnern hat. Es bedarf keines Hinweises, wie jeden jüdischen Gefühles bar, eine Behörde sein muss, die eben gegen ein solches Verfahren nicht nur nichts zu erinnern hat, sondern es auch dieses Weise auch indirekt empfiehlt. Da der in Rede stehende christliche Friedhof ein rein konfessionell christlicher, also kein Kommunal-Friedhof ist, so hat die Sorgfalt des Vorsteheramtes, für den vorliegenden Fall weiter keine praktischen Folgen, als dass sie einen Neuen Beitrag zur Charakterisierung der religiösen Anschauung dieser Behörde liefert. Eine Frage sei jedoch hier zum Schluss noch gestattet. – Es ist ja nicht nur die Gefühlssphäre, es ist ja das jüdische Religionsgesetz selbst, das durch die Erklärung verletzt wird, es sei gegen die Bestattung von Juden auf christlichen Friedhöfen, seitens einer jüdischen Behörde nichts zu erinnern. Wie lässt sich eine derartige Erklärung mit der in nr. 16 und 17 dieses Blattes abgegebene in Einklang zu bringen: ‚Den Kultus betreffende Anforderungen erlassen wir nicht nach eigenem Ermessen, sondern auf Grund von Gutachten des Provinzialrabbinen bzw des Landrabbbinats.’?!
Solange das Vorsteheramt nicht ein Gutachten des Landrabbinats veröffentlicht, welches die Beerdigung von Juden auf nichtjüdischen Totenhöfen für religionsgesetzlich statthaft erklärt, darf es sich
angesichts dieses Widerspruchs seiner Erklärungen nicht wundern, wenn man in der Provinz einstweilen glaubt, die Erklärungen des Vorsteheramts hätten kurze Beine. F.K." 

    
Objektive Stellungnahme zu den Vorfällen in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" 

Grebenstein AZJ 21051878.jpg (247441 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Mai 1878. "Aus Hessen, 8. Mai. (Privatmitteilung). Das Austrittsgesetz hat wiederum eine zwar längst ausgesprochene, jedoch in unserer Zeit fast ganz vergessene biblische Lehre bestätigt, nämlich die Lehre: ‚Viele Gedanken sind in des Menschen Herz, aber des Ewigen Ratschluss, er hat Bestand’ oder: ‚Der Herr zerstört die Pläne der Arglistigen.’ Es ist nämlich kein Zweifel und wird von ihnen selbst nicht geleugnet werden wollen, dass die Urheber und Verteidiger des genannten Gesetzes damit lediglich die Reform haben vernichten wollen. Sie dachten nämlich so: ‚Die reformistisch gesinnten Gemeindeglieder sind nur von niedriger Gesinnung und werden schon darum scher austreten, weil sie ihr Geld sparen wollten, denn – so dachten sie – die Reformleute haben ja gar keine Religion und bleiben in der Gemeinde nur, weil sie müssen. Die Religion haben, also unsere Leute, die treten gewiss aus, weil sie nicht in einer Gemeinde bleiben dürfen, die wir – wenn auch mit Unrecht – als eine götzendienerische bezeichnen. Wenn aber so von beiden Seiten der Austritt erfolgt, so hören die Reformgemeinden auf und mit ihnen die Reform. Wir Separatisten sind alsdann die jüdischen Gemeinden und wir Separatisten-Rabbiner haben unser Ziel erreicht. Weil sie selbst so dachten und in ihrem Sinne nur die Reform durch das Gesetz gefährdet war: so waren sie taub gegen alle Vorstellungen, wie nachteilig das Gesetz für die kleinen Gemeinden und wie demoralisierend sein Einfluss sein könne. Wir glaubten bei den Gegnern ebenso die Erhaltung als Motiv annehmen zu sollen, wie die Vernichtung der Reform für sie das einzige bestimmte Motiv war. Wie ganz anders ist es gekommen! Wie beschämt wurden die Vertreter des Gesetzes in ihren falschen Voraussetzungen! In Staub und Asche müssten sie den Reformern in den Gemeinden Abbitte tun! In keiner der größeren Gemeinden ist ein die Gemeinde beunruhigender oder nur nennenswerter Austritt erfolgt. Kein Mensch wird mehr in Zweifel sein, wie recht die Gegner hatten, wenn sie nachdrücklich hervorgehoben, dass nur die kleinen Gemeinden, ob orthodox oder reformistisch, bedroht seien, dass aber im Allgemeinen das Gesetz korrumpierend und demoralisierend in den jüdischen Gemeinden dadurch wirken müsse, weil gar Mancher der Versuchung nicht werde widerstehen können, durch den Vorwand eines ‚religiösen Bedenkens’ von seiner Kultussteuer sich zu befreien oder als Hochbesteuerter die Gemeinde tyrannisieren zu wollen. Ein recht sprechendes Beispiel für das Letztere bietet ein Vorgang in unserem Kreise, nämlich in der Gemeinde Grebenstein, Kreis Hofgeismar, Regierungsbezirk Kassel. Ich teile das Tatsächliche mit und zwar mich auf dieses beschränkend, zugleich die Personen mit Namen anführend, damit dieselben einen etwaigen Irrtum berichtigen können und wenn es nicht geschieht, hierdurch die Wahrheit der Mitteilung anerkannt sei. In Folge der Freizügigkeit waren einige Israeliten aus Meimbressen nach Grebenstein übergesiedelt. Einer derselben, Herr Neuhahn, war mit dem damaligen Gemeindeältesten (Vorsteher sehr befreundet. Letzterer, Herr J. Rosenbaum, nahm daher keinen Anstand, die zugezogenen Gemeindemitglieder, wie sie gleichmäßig besteuert wurden, auch gleichmäßig in die Liste der Aufzurufenden (zur Tora) einzureihen, d.h. wohin sie ihrem Alter nach gehörten. Damit waren alle übrigen Gemeindeglieder auch einverstanden. Nach 1-2 Jahren entstand wegen einer Geschäftsangelegenheit zwischen den beiden Genannten eine Disharmonie, die zur Feindschaft ausartete. War tut nun Herr Rosenbaum? Er lässt die Zugezogenen nicht mehr wie bisher in der Reihe nach ihrem Alter aufrufen, sondern als die später Eingetretenen hinter die jüngeren Gemeindeglieder.
Die Beteiligten führen darüber Beschwerde beim Vorsteheramte. Dieses wendet sich an das Landrabbinat, bestehend aus dem Landrabbiner Dr. Adler, Provinzial-Rabbiner Felsenstein, Dr. Enoch s.A.,  Gersfeld s.A. und dem jetzt pensionierten vormaligen Kreisrabbiner Wetzlar. Einstimmig erklärte das Landrabbinat das Verfahren des Rosenbaum für ungültig und wurde dieser in Folge des Landrabbinatsbeschlusses vom Vorsteheramte angewiesen, die frühere Reihenfolge fernerhin einzuhalten. Rosenbaum wusste wohl, dass er hiergegen nichts machen könne,
Grebenstein AZJ 21051878b.jpg (149115 Byte)versah seine Funktion aber so, dass er fort und fort zu Beschwerden Anlass gab, die nach stattgehabten Ermittlungen als begründet sich erwiesen. Der Kreisvorsteher, Herr Sterner, beantragte die Bestellung eines zweiten Gemeindeältesten und schlug einen Freund des Rosenbaum vor. Kaum waren einige Wochen vergangen, so war Rosenbaum auch mit seinem Kollegen, weil ihm dieser nicht in Allem willfahrte, verfeindet, Rosenbaum, der keine schulpflichtigen Kinder mehr hat, der Höchstbesteuerte ist und auch dem Lehrer der mit Neuhahn befreundet war, seine Gunst entzog, machte sich nämlich zur Aufgabe, die Auflösung der Elementarschule herbeizuführen, was jedoch sein Kollege Voremberg nicht wollte. Da nun zur Gemeinde Grebenstein auch Israeliten aus Immenhausen und Holzhausen gehören, welche teils keine schulpflichtigen Kinder haben, auch von Grebenstein zu entfernt wohnen, um für ihre Kinder die Schule benutzen zu können, so gelang es ihm einen Majoritätsbeschluss zu erzielen, der die Auflösung der Schule zur Folge hatte. Der Lehrer bewarb sich um eine andere Stelle, die er auch bekam und die Israeliten zu Grebenstein hatten und haben weder Lehrer noch Vorbeter. Das gewalttätige, eigenmächtige Benehmen von Rosenbaum führte nach oftmaligen Ermahnungen auf gesetzlichem Wege dessen Entlassung als Gemeindeältesten herbei und die Bestellung eines anderen Gemeindeältesten in der Person des oben genannten Neuhahn. In Folge seiner Entlassung als Gemeindeältester erklärten er, sein Bruder und einige Vettern in Immenhausen ihren Austritt aus der Gemeinde wegen ‚religiösen Bedenkens’. Weder in der Liturgie noch in irgendeiner anderen Beziehung ist eine Veränderung vorgenommen worden. Dass er seine Gewalttätigkeit nicht ausführen, seine Rachsucht nicht hat befriedigen und seine amtliche Stellung nicht hat missbrauchen können, das nennt er: religiöses Bedenken. Die Behörden, die sehr wohl unterrichtet sind, dass auch nicht eine Spur religiöser Differenz vorhanden ist, schütteln bedenklich den Kopf und – denken sich ihren Teil. Die Gemeindeglieder aber, in Grebenstein und in den benachbarten Gemeinden, die größtenteils der orthodoxen Richtung angehören, sprechen es offen aus: Herr Rabbiner Hirsch in Frankfurt mag ein recht frommer Mann sein, durch dieses Gesetz (sc. das Austrittsgesetz) aber hat er sich schwer am Judentume versündigt."  

  
Beschluss der Königlichen Regierung im Blick auf die Beisetzungrechte auf den Friedhöfen (1879)   

Grebenstein Israelit 08011879.jpg (363372 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1879: "Aus Hessen. Die Furcht vor einer Ausschließung von der Benutzung des jüdischen Begräbnisses hat bis jetzt Manchen zurückgehalten, seinen religiösen Bedenken gerecht zu werden und aus einer Gemeinde auszuscheiden, die diese Bedenken geschaffen hat. Für Hessen ist diese Furcht nunmehr vollständig gegenstandlos geworden, in Folge einer Eröffnung der Königlichen Regierung in Kassel. Diese erfolgte auf Grund folgender Beschwerde der Herren Rosenbaum und Brandenstein zu Grebenstein. Da diese Eingabe auch in hohem Grade geeignet ist, das Kasseler Vorsteheramt der Israeliten zu charakterisieren, so möge sie hier wörtlich folgen. Grebenstein, 29. Juli 1878. Wir waren veranlasst notgedrungen unsern    noch nicht ausgeschrieben 
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Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum 100. Geburtstag von Selig Goldschmidt (geb. 1828 in Grebenstein, gest. 1896 in Frankfurt) 
Anmerkung: Der Bruder des im Artikel genannten - Jakob Goldschmidt - hatte 1853 in Frankfurt am Main eine Antiquitätenhandlung gegründet, die die vier Jahre später Selig Goldschmidt eintrat (Firma J. & S. Goldschmidt). Nach dem frühen Tod von Jakob Goldschmidt wurde dessen Sohn Julius Goldschmidt Mitinhaber. Nach dem Tod von Selig Goldschmidt war Julius Goldschmidt Alleininhaber der Firma. Die Firma J. & S. Goldschmidt gehörte viele Jahre in eine Reihe mit den berühmten Londoner, Paris und New Yorker Häusern des Antiquitätenhandels (Zweigstellen in Berlin, Paris und New York). Durch die Aktivitäten der Firma wurde Frankfurt zum Kunsthandelsplatz von internationaler Bedeutung. Julius Goldschmidt starb 1932 in Frankfurt (im jüdischen Friedhof Eckenheimer Landstraße beigesetzt).
Literatur: Paul Arnsberg: Die Geschichte der Frankfurter Juden Bd. 3 S. 160-161. 
Link: Zur Geschichte der Familie Goldschmidt aus Grebenstein (englische Seite) mit Seite zur Familie Selig Goldschmidt und seinen Nachkommen    

Grebenstein Israelit 15031928.jpg (567413 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928: Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.    

   
Selig und Falk Goldschmidt werden Ehrenmitglieder der Gemeinde (1893) 

Grebenstein Israelit 16111893.jpg (166618 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1893: "Grebenstein. In unserer Jetztzeit, in welcher man oft in der traurigsten Weise bestrebt ist, an unseren heiligsten Institutionen zu rütteln, um zersetzend auf das Judentum einzuwirken, ist es mehr denn je die Aufgabe einer jeden jüdischen Gemeinde alles aufzubieten, um den religiösen Sinn in ihrem Kreise anzufachen und zu beleben, damit eine Generation heranwachse, welche gewappnet und gefeit ist gegen alle Anfeindungen von außen. Um dieses letztere aber zu erreichen, ist es die heiligste Pflicht eines jeden einzelnen Jehudi, dahin zu wirken und zu streben, dass in seiner Gemeinde Tora und Gottesdienst blühe und gedeihe. Zu diesem Zwecke nun ist es ein Haupterfordernis, dass jeder Gemeinde Schule, Synagoge und Mikwe erhalten bleibt, damit allen religiösen Leuten Gelegenheit geboten ist, zu leben und zu wirken, wie es unsere heilige Religion vorschreibt. Um so betrübender ist es für eine Gemeinde, in welcher noch wahrhaft religiöser Sinn vorwaltet, wenn jene heiligen Institutionen, welche die Stützen eines jeden jüdischen Gemeindelebens bilden, dem Verfalle nahe und nicht die Mittel vorhanden sind, diese Gefahr abwenden zu können. In dieser so bedrängten Lage befand sich die hiesige Gemeinde, deren Synagoge sich in so misslichem Bauzustand befand, dass eine alsbaldige Schließung derselben seitens der Baupolizei in Aussicht stand. Der Gemeinde allein wäre es nicht möglich die Synagoge, (in welcher auch ein Raum für die Volksschule, sowie die Mikwe-Einrichtung vorhanden) zu erhalten, wenn nicht die Herren Selig und Falk Goldschmidt in Frankfurt am Main, diese in weiten Kreisen als überaus wohltätig bekannte Herren, in hochherzigster Weise unserer Gemeinde zum Neubau einer Synagoge, Schule und Mikwe die Summe von fünftausend Mark bewilligt hätten. Den Herren Goldschmidt, deren ganzes Leben eine ununterbrochene Kette wahren Wohltuns ist, haben wir fortan die Existenz unserer Gemeindeinstitutionen zu verdanken, denn ohne deren edle Beihilfe wäre es nicht möglich, den Bau zu errichten. Mit dieser guten Tat haben die Herren Goldschmidt sich hier in ihrer Vaterstadt ein ewiges Denkmal gesetzt und gleichzeitig damit eine wahre Heiligung des Gottesnamens ausgeübt. In Anerkennung dieses hohen Verdienstes um die hiesige Gemeinde haben die Mitglieder derselben, die Herren Selig und Falk Goldschmidt zu Ehrenmitgliedern der Synagogengemeinde ihrer Vaterstadt Grebenstein ernannt."   

  
Zum 90. Geburtstag von M. Neuhahn (1911)   

Grebenstein Israelit 09111911.jpg (21526 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1911: "Grebenstein, 7. November (1911). Übermorgen begeht Herr Rentier M. Neuhahn dahier in seltener Körper- wie Geistesfrische seinen 90. Geburtstag. Der angesehene, überall geachtete Greis ist ein gewissenhafter Jehudi."

   
82. Geburtstag von Rickchen Rosenbaum (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 18. Februar 1928:     

   
74. Geburtstag von Kaufmann R. Rosenbaum (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 18. März 1927:     

  

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 29. April 1927:     

   
Zum Tod von Rickchen Rosenbaum (1927)   

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Juni 1927: 


76. Geburtstag von Joseph Neuhahn (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Juni 1927:    

  

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 18. November 1927:      

 
Zum Tod von Max Klee (geb. in Grebenstein, gest. in Chicago (1928)    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 3. Februar 1928:      

  

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 29. Juni 1928:     

  
86. Geburtstag von Minna Stern in Holzhausen (1928)     

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1928: "Kassel, 8. Oktober (1928). Ihren 86. Geburtstag beging Frau Minna Stern im benachbarten Holzhausen."    

  
Curt Mandelstein erhielt bei den Jugendwettkämpfen ein Ehrendiplom (1929)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 13. September 1929:     

 
Zum Tod des langjährigen Kreisvorstehers Salomon Rosenbaum (1930)   

Grebenstein Israelit 04121930.jpg (96020 Byte)Artikel in der "Israelit" vom 4. Dezember 1930: "Grebenstein, 1. Dezember (1930). Am 20. November dieses Jahres starb in Grebenstein Salomon Rosenbaum inmitten seiner Tätigkeit. Er bekleidete über 35 Jahre das Amt eines Kreisvorstehers der Israeliten für den Kreis Hofgeismar, bekleidete außerdem verschiedene öffentliche Ehrenämter. Jahrelang war er Stadtverordneter, gehörte bis zu seinem Lebensende dem Vorstand der Städtischen Sparkasse an, sowie dem Steuerausschusse des Kreises. In den Nachrufen, die ihm von verschiedene Behörden gewidmet wurden, wurden seine umfassenden wirtschaftlichen Kenntnisse, sein objektives Urteil hervorgehoben, es kam darin zum Ausdruck, dass er nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen den Nöten unserer Zeit gerecht zu werden suchte. In 48-jähriger glücklicher Ehe an der Seite seiner ihm würdigen Gattin Flora geb. Wertheim, entsprossen dem Hause drei Töchter, die in echt jüdischer Weise erzogen wurden und mit Männern verheiratet sind, die streng auf dem Boden unserer heiligen Tradition stehen. Ehre dem Andenken eines solchen Mannes, den wir mit Stolz als eine Zierde des Judentums betrachten durften. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 28. November 1930:  

   
Anstelle des verstorbenen Salomon Rosenbaum wird Louis Heilbrunn aus Hofgeismar zum Kreisvorsteher gewählt (1931)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 9. Januar 1931: "Hofgeismar. Neuer Kreisvorsteher. Anstelle des verstorbenen Herrn Salomon Rosenbaum, Grebenstein, wurde der bisherige Gemeindeälteste Herr Louis Heilbrunn (Hofgeismar) zum Kreisvorsteher ernannt und vom Vorsteheramt bestätigt."             

  
Wegzug der Familie Rosenbaum nach Kassel (1938)
   

Artikel im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 16. September 1938: "Grebenstein. Durch den Wegzug der Familie Rosenbaum von hier nach Kassel, hat unsere Gemeinde einen großen Verlust erlitten. Frau Rosenbaum (gemeint: Flora Rosenbaum geb. Wertheim, siehe Artikel oben) hat die Gelegenheit als Gattin des verstorbenen langjährigen Kreisvorstehers Herrn Salomon Rosenbaum nicht nur an Freud und Leid unserer Gemeinde, sondern an dem aller Gemeinden des Kreises Hofgeismar regen Anteil zu nehmen, im weitesten Sinne stets Rechnung getragen; sie stand so vielen mit ihrem Rat zur Seite. 
Lange Jahre war sie Vorsitzende des hiesigen Frauenvereins und hat viel Not gelindert. Auch ihr Schwiegersohn, Herr Baruch Wormser (sc. war verheiratet mit Clara Wormser geb. Rosenbaum), unser verehrter Chasen (Vorbeter) soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, welcher in den 10 Jahren seiner Zugehörigkeit zu unserer Gemeinde den Vorbeterdienst, Religionsunterricht und das allsabbatliche Tora-Lernen mit großem Eifer sich zur Lebensaufgabe gemacht hat. An seiner Gattin fand er auch diesem Gebiete stets gute Unterstützung. Seit 1931 gehörte er dem Vorstande unserer Gemeinde an. 
Wir wünschen der ganzen Familie Rosenbaum in ihrem neuen Heim viel Glück und Segen. Der Vorstand."    

    
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Lehrerin als Nachfolgerin der bisherigen Lehrerin gesucht (Familie Rosenbaum, Immenhausen 1889)       

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1889: "Für eine für höhere Töchterschule geprüfte Lehrerin, musikalisch, welche seit 4 1/2 Jahren durch Erziehen und den Unterricht meiner Kinder mit dem besten Erfolge leitet, suche passende Stellung per Monat Juli oder später. 
M. Rosenbaum. Immenhausen - Kassel
."       
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Mai 1889: 
"Eine geprüfte israelitische Lehrerin (musik.), 
zur Erziehung von 5 Mädchen im Alter von 6-14 Jahren findet dauernde Stellung bei 
M. Rosenbaum, Immenhausen bei Kassel."            


Anzeige von Frau Rosenbaum (Immenhausen, 1898)  

Immenhausen Israelit 11101898.jpg (43928 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1898: "Suche sofort ein tüchtiges, braves, jüdisches Mädchen, welches selbständig der bürgerlichen und feineren Küche vorstehen kann. Dasselbe wird mit zur Familie gerechnet. Frau Rosenbaum, Immenhausen bei Kassel."  

   
Anzeige von S. Katz (1898)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1898: "Ein junger, tüchtiger Bäckergeselle, 19 Jahre alt, sucht zum 1. Oktober oder später Stellung. Auch ist derselbe in Konditorei bewandert. 
S. Katz,
bei M. Rosenbaum, Grebenstein, bei Kassel."   

       
Todesanzeige für Recha Neuhahn (1927)   

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. März 1927:     

 
Danksagung von J. Meyer und Frau Jenny für die Glückwünsche zur Silbernen Hochzeit (1928)   

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 29. Juni 1928:       

   
Verlobungsanzeige von Dina Neuhahn und Fritz Oberdorff (1928)    

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. November 1928:     

          
          
          
Zur Geschichte der Synagoge   
        
    
Bereits im 18. Jahrhundert war angesichts der Zahl der jüdischen Einwohner ein Betraum, vermutlich in einem der jüdischen Häuser vorhanden.  

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1840) kaufte die jüdische Gemeinde das Haus des Schmiedes Wilhelm Persch und richtete darin die Israelitische Elementarschule (seit 1831) und eine Synagoge ein. Es handelte sich bei dem Gebäude um einen einfachen Fachwerkbau.   
 
Eine neue Synagoge konnte 1895 auf Grund einer Spende des Frankfurter Bankiers Goldschmidt (Sohn von Meyer Goldschmidt aus Grebenstein) auf dem Grundstück des im Jahr zuvor abgebrochenen alten jüdischen Schul- und Bethauses erbaut werden. Die Synagoge wurde am 28. Oktober 1895 eingeweiht. Es handelte sich um einen imposanten Backsteinbau, 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet; die Inneneinrichtung zerstört und auf die Straße geworfen. 1940 wurde das Gebäude abgebrochen, das Grundstück verkauft. Auf ihm wurde 1941 eine Scheune errichtet.  
    
Eine Gedenktafel ist seit 1988 vorhanden (angebracht auf Initiative des Förderkreises des Ackerbürgermuseums Grebenstein). Sie enthält den Text: "Hier stand die im Jahre 1895 erbaute Synagoge der Jüdischen Gemeinde Grebenstein. Das Gebäude wurde 1938 innen zerstört und später abgerissen".  Die aus Keramik hergestellte Gedenktafel wurde 1994 durch einen Ortsbewohner zerstört, der jedoch schnell festgestellt werden konnte. Wenig später wurde eine Bronzetafel zur Erinnerung an die Synagoge angebracht. Von der alten Synagoge sind noch drei Dachziegel, ein Original-Fenster und die ehemalige Eingangstüre vorhanden, die sich im Museum der Stadt ("Alte Meierei") befinden. Im Zusammenhang mit einer Ausstellung 1995 wurden die Gegenstände erstmals gezeigt
      
      
Adresse/Standort der Synagoge Schachtener Straße 2  
     
     
Fotos 
(Quelle: Foto obere Fotozeile links aus der Website von Achim Hähnert; obere Fotozeile rechts aus der u. der Lit. genannten Encyclopedia of Jewish Life Bd. I S. 452; Dokumente zweite Fotozeile: Museum Hofgeismar; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 16.6.2008)  

Historische Darstellungen  Grebenstein Synagoge 01.jpg (38661 Byte)   Grebenstein Synagoge 340.jpg (75518 Byte)
     Die Synagoge in Grebenstein  
     
Grebenstein Hofgeismar Museum 139.jpg (60748 Byte) Grebenstein Hofgeismar Museum 140.jpg (53275 Byte) Grebenstein Hofgeismar Museum 140a.jpg (59698 Byte)
Programm für die Einweihungs-Feier 
der Synagoge Grebenstein am Montag, 
den 28. Oktober 1895 
Die Synagoge in Grebenstein Die zerstörte Synagoge
   
          
Das Synagogengrundstück 
im Juni 2008  
Grebenstein Synagoge 152.jpg (76768 Byte) Grebenstein Synagoge 153.jpg (113436 Byte)
  Am Fachwerkgebäude links sind die unten stehenden Hinweistafeln angebracht  
   
  Grebenstein Synagoge 150.jpg (79405 Byte) Grebenstein Synagoge 151.jpg (79117 Byte)
  Hinweistafel zur Erinnerung 
an die Synagoge 
Hinweistafel auf eine vor der Synagoge 
auf dem Grundstück stehende 
mittelalterliche Kirche  
   
     

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

April 2010: Die Verlegung von "Stolpersteinen" ist geplant  
Artikel in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de) vom 24. April 2010 (Artikel): 
"Erinnerung an jüdische Mitbürger wach halten. Stolpersteine gegen das Vergessen. 
Hofgeismar.
Mit so genannten Stolpersteinen soll die Erinnerung an ermordete jüdische Mitbürger in mehreren Kommunen im Landkreis Kassel wachgehalten werden. 
Noch in diesem Jahr sollen in Grebenstein, Calden, Immenhausen und Espenau die ersten Steine verlegt werden...".   
   
Dezember 2010: "Stolpersteine" werden verlegt   
Artikel aus dtoday.de vom 1. Dezember 2010 (Artikel): "Stolpersteinverlegung in Grebenstein
Am Donnerstag, dem 9. Dezember, werden in Grebenstein durch den Künstler Gunter Demnig zwanzig Stolpersteine verlegt, die an jüdische Menschen erinnern sollen, die einst in Grebenstein gelebt haben..."    
   
Artikel in der "Hessischen Allgemeinen" vom 10. Dezember 2010 (Artikel): 
"Stolpersteine erinnern an ermordete jüdische Nachbarn. 41 Tote haben ihre Namen zurück. 
Grebenstein/Hofgeismar.
Bis vor 70 Jahren betrieben Else und Bernhard Mandelstein im Haus Hochzeitsberg 6 in Grebenstein ein Textil-, Schuh- und Möbelgeschäft. Als die Repressalien der Nationalsozialisten immer schlimmer wurden, gelang es ihren Kindern Walter, Irma und Rudolf, nach Amerika und Palästina zu entkommen. Alle Versuche, ihre Eltern nachkommen zu lassen, scheiterten jedoch. Das Ehepaar Mandelstein musste Grebenstein 1939 verlassen, flüchtete nach Thüringen. 1942 wurden sie nach Leipzig befohlen und dann im Vernichtungslager Belzyce ermordet..."      
Link: Weiterer Bericht mit Fotos in "Deutschland today" (dtoday.de).  
 
Mai 2011: Auch in Immenhausen werden "Stolpersteine" verlegt   
Artikel von Thomas Thiele in der "Hessischen Allgemeinen" vom 26. Mai 2011 (Artikel): 
"Namenssteine erinnern an verfolgte jüdische Mitbürger - Ein Platz blieb leer. Mit Kopf und Herz stolpern
Immenhausen. Nach den Städten Grebenstein und Hofgeismar hat seit gestern auch Immenhausen seine Stolpersteine: Pflastersteine mit glänzender Namensplakette, die auf drei ehemalige Mitbürger hinweisen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Clara Haase, Gerhard Czaplinski und Dr. Lilli Jahn wurden zuvor in einer Feierstunde in der Gesamtschule gewürdigt..."      
Link: Weiterer Bericht zur Verlegung der "Stolpersteine" in Immenhausen mit Fotos und Kurzvideo (dtoday.de)   Link zum Video     
      

     

   
Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Grebenstein  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Grebenstein (interner Link)  
 
Private Website vom Achim Hähnert (Startseite) mit: 
Seite zur jüdischen Geschichte in Grebenstein   
Seite zur "Judenschule" in Grebenstein   
  
Weitere private Website (von Wolfgang Tölle) mit Seite zur jüdischen Geschichte  
  
Sammlung "Jüdische Kultur" im Museum Hofgeismar  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Grebenstein mit Immenhausen und Holzhausen  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Grebenstein sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,376   Trauregister der Juden von Grebenstein  1827 - 1881; enthält auch Angaben zu Holzhausen und Immenhausen; die chronologische Reihenfolge ist durcheinander, die älteren Einträge seit 1827 sind ab S. 27 nachgetragen 
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3271670       
HHStAW 365,377   Sterberegister der Juden von Grebenstein  1827 - 1882; enthält auch Angaben zu Holzhausen und Immenhausen; die chronologische Reihenfolge ist durcheinander, die älteren Einträge seit 1827 sind ab S. 51 nachgetragen 
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5494588    
HHStAW 365,375   Geburtsregister der Juden von Grebenstein  1827 - 1900, enthält auch Angaben zu Holzhausen und Immenhausen   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924718                       
HHStAW 365,378   Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs auf dem Burgberge in Grebenstein, aufgenommen im November 1936 und März 1937 durch Baruch Wormser von Grebenstein; Laufzeit 1851- 1934 (1936-1937); enthält hebräische und deutsche Grabinschriften; enthält auch Angaben zu Holzhausen und Immenhausen; darin auch: Hinweis auf die Anlegung des jüdischen Friedhofs in Grebenstein 1851 und vorherige Nutzung des jüdischen Friedhofs der Kultusgemeinde in Membressen    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319767       

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 276-277.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 76.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 413-415. 
Anke Schwarz: Jüdische Gemeinden zwischen bürgerlicher Emanzipation und Obrigkeitsstaat. Studien über Anspruch und Wirklichkeit jüdischen Lebens in kurhessischen Kleinstädten im 19. Jahrhundert. 2002. S. 128-131. 
Doerrie Lit 020.jpg (21810 Byte)Hinweis auf das Buch von Martin Doerry: "Mein verwundetes Herz". Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944. Deutscher Taschenbuch Verlag 2004. ISBN 13: 978-3423341462. 384 S. 
Erschien auch in der SPIEGEL-Edition Band 27. 2007 (Abbildung links)
Zu diesem Buch: Lilly Jahn geb. Schlüchterer stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie, wurde Ärztin, heiratete einen nicht-jüdischen Studienkollegen und gründete mit ihm eine erfolgreiche Arztpraxis in Immenhausen bei Kassel. Das Paar bekommt fünf Kinder, doch dem zunehmenden Druck der Nazis auf die 'Mischehe' hält Lillys Mann nicht stand. 1942 lässt er sich scheiden und heiratet eine Kollegin. 
Lilly Jahn wird in einem 'Arbeitserziehungslager' inhaftiert, und es beginnt ein umfangreicher Briefwechsel, der den verzweifelten Kampf der Mutter und ihrer Kinder um den Zusammenhalt der Familie, um die Aufrechterhaltung von »Normalität« und gegen die Hoffnungslosigkeit veranschaulicht. Doch 1944 ist das Schicksal der Familie besiegelt: Lilly Jahn wird nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Lilli Jahn geb. Schlüchterer war die Mutter von Gerhard Jahn, Justizminister im Kabinett von Willi Brandt (siehe Wikipedia-Artikel Gerhard Jahn). 
Die Eltern von Lilli Jahn waren der Kölner Fabrikant Josef Schlüchterer (Sohn des Herrenschneiders Anselm Schlüchterer in Zeitlofs) und seine Frau Paula geb. Schloß (Tochter des Viehhändlers - in Oberlauringen, dann in Halle an der Saale - Moritz Schloß).   
 

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Grebenstein  Hesse-Nassau. In nearby Immenhausen Jews fell victim to the Black Death persecutions of 1348-49 and a community was not established in Grebenstein until the 18th century. It numbered 105 (4 % of the total) in 1835. The Jews maintained an elementary school (1831-1911) and dedicated a new synagogue in 1894. Affiliated with Kassel's rabbinate, the community dwindled to 50 in 1932 and the last ten Jews disposed of their synagogue before Kristallnacht (9-10 November 1938). A few emigrated, but 34 of those who remained in Germany perished during the Holocaust. 
       
        

                   
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Stand: 10. Mai 2016