Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Oberfranken"
   

Markt Mitwitz (VG Mitwitz, Kreis Kronach)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In Mitwitz bestand eine jüdische Gemeinde bis 1877. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Vor dem Dreißigjährigen Krieg lebten bis zu sieben jüdische Familien am Ort. Im 17. und in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts waren es drei bis vier Familien. Die Spannungen zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung waren bis ins 19. Jahrhundert hinein teilweise groß. Eines der ältesten über jüdische Familien am Ort erhaltenen Dokumente berichtet davon, wie an Kirchweih 1619 die Fenster der jüdischen Häuser eingeworfen wurden.  
  
Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts liegen verschiedene Dokumente zu jüdischen Einwohnern heute im Staatsarchiv Bamberg (Bestand STAB H II 13157 - ursprünglich Dokumente aus dem ehemaligen freiherrlichen Archiv derer von Würtzburg als den damaligen Herren des Marktes Mitwitz; Zusammenstellung von Rainer Domke): u.a. ein Wechselbrief des kaiserlichen Notars J. Gg. Helweeg vom September 1718, in dem Jud Schmuel aus Mitwitz genannt wird, der sich zur Zahlung von 12 Reichstalern verpflichtete; weiter ein Ehevertrag vom Februar 1737, der unterzeichnet ist von Shlomo - Menachem bar Meir Katz - Itzig - R(abbi?) Israel bar Yaakow; im selben Jahr 1737 wird Abraham aus Redwitz genannt, der sich wegen einer Terminsache an einen Itzig von Mitwitz wandte.   
    
Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu, sodass um 1800 17 jüdische Familien, um 1820 sogar 21 Familien am Ort lebten. 1824 wurden 113 jüdische Einwohner gezählt, um 1840 wurde die Höchstzahl mit 119 jüdischen Einwohnern erreicht (19,3 % von insgesamt 617 Einwohnern). Durch Aus- und Abwanderung ging die Zahl bereits bis 1852 auf 63 jüdische Einwohner zurück (10,4 % von 607), 1869 auf 36 (4,7 % von ca. 760).
  
Die jüdischen Familien lebten zunächst vor allem vom Viehhandel und vom Geldverleih. Seit dem 18. Jahrhundert brachten es einige Juden zu größerem Ansehen. So war der Mitwitzer Seligmann Alexander in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als sachsen-meiningischer Hofjude tätig und tätigte als solcher in größerem Stil Geldgeschäfte. In der napoleonischen Zeit besorgte der jüdische Mitwitzer Joseph Freund umfangreiche Heereslieferungen für die napoleonische Armee. Im 19. Jahrhundert lebten die meisten Familien vom Handel mit Schnittwaren und vom Viehhandel: nach einer Übersicht von 1823 gab es zehn Schnittwarenhändler (sieben in "offenem Laden", drei als Hausierhändler), zehn Viehhändler, einen Hopfenhändler, einen Eisenhändler, einige Lehrlinge und Gesellen in verschiedenen Handwerken (Metzger, Schuhmacher, Schneider, Weber, Seifensieder), vier waren in der Landwirtschaft tätig.  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden zunächst in Küps, im 19. Jahrhundert in Burgkunstadt beigesetzt. Die jüdische Gemeinde war bis 1825 dem Distriktsrabbinat in Burgkunstadt, danach dem in Redwitz zugeteilt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schochet tätig war: 1809 - 1848 war Seligmann Salomon Stern angestellt; in den folgenden Jahren werden genannt: Salomon Felheim aus Bayreuth (1848), Lazarus Mai aus Schwebheim (um 1855), David Halle aus Heiligenstadt, Herrmann Ambrunn aus Bayreuth (um 1869). An der Religionsschule der Gemeinde waren 1834 noch 30, um 1870 nur noch vier jüdische Kinder zu unterrichten.  

In den 1840er-Jahren begann die Aus- und Abwanderung der jüdischen Familien. Einige wanderten nach Nordamerika aus, andere nach 1861 in die Stadt Coburg, Lichtenfels, Bamberg, Nürnberg/Fürth und Frankfurt. Zwischen 1875 und 1877 verzogen vier der letzten fünf jüdischen Familien. Im Sommer 1877 wurde die Gemeinde aufgelöst. Die letzte jüdische Familie am Ort wurde der Gemeinde in Kronach zugewiesen. 
  
Von den in Mitwitz geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Fritz Bamberger (1862, später in Lichtenfels), Klara Friedmann geb. Friedmann (1869, später in Jena), Max Friedmann (1876, später in Jena), Moriz Männlein (1874, später in München).     
  
In Mitwitz erinnert heute noch die Ludwig-A.-Freund-Straße an einen ehemaligen jüdischen Wohltäter des Ortes, der durch zahlreiche gemeinnützige Stiftungen in Erinnerung geblieben ist. Zunächst war sogar die Hauptstraße nach ihm benannt, jetzt ist es noch eine Nebenstraße.
    
      
   

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 

Lehrer Maier Grünblatt (Mitwitz) berichtet über die Renovierung der Synagoge in Oberlangenstadt (1865)  

Oberlangenstadt Israelit 13091865.jpg (104468 Byte)In der Zeitschrift "Der Israelit" wurde am 13. September 1865 über den Hergang berichtet: "Mitwitz (Oberfranken), den 23. August 1865: Dass wir noch zu jeder Zeit liberale und edeldenkenden Menschen finden, möge folgende Tatsache bezeugen. In Oberlangenstadt k.B. Kronach in Oberfranken besuchte vor einigen Tagen der dortige Freiherr von Künsberg die Synagoge. Der israelitische Lehrer begleitete ihn, und zeigte ihm auf ausdrückliches Verlangen die Gesetzrollen und verschiedene alte Bücher. Unter letzteren befand sich auch eine alte Pergamentrolle, worauf ein Gebet für den verstorbenen Freiherrn von Künsberg, den Großvater des jetzigen Herrn Barons, geschrieben stand. Darüber höchst verwundert erklärte ihm Herr Lehrer K., dass dieses Gebet wöchentlich in der Synagoge verrichtet werde, da sich der verstorbene Herr Baron bei der israelitischen Gemeinde dadurch unvergesslich gemacht, dass er den Platz, worauf die jetzige Synagoge gebaut ist, nicht nur unentgeltlich hergegeben, sondern dieselbe auch in jeder Beziehung unterstützt hätte. Auf dieses hin äußerte sich der Herr Baron mit folgenden Worten: hat mein Großvater dies Alles getan, so will auch ich Etwas für die Synagoge tun. Sofort wurde auf dessen Befehl der Maurermeister herbeigerufen, der Riss aufgezeichnet und die Synagoge, die ohnehin in mangelhaftem Zustande war, ist jetzt in dem Stadium, neu restauriert zu werden. Möge der Herr diesem edlen Menschenfreunde, sowie seinem ganzen hohen Hause seinen Segen tausendfach verleihen und seine humane Tat vergelten; und mögen sich die Finsterlinge daran ein Beispiel nehmen, dann wird jeder konfessionelle Unterschied und jeder konfessionelle Hass in unserem geliebten Bayernlande schwinden. Maier Grünblatt, israelitischer Lehrer in Mitwitz."

 

Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Rückgang der jüdischen Gemeindeglieder - Berichte 1883 / 1912  

Oberlangenstadt AZJ 15101883.jpg (47611 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Oktober 1883: "Altenkunstadt (Bayern), 6. Oktober (1883). Seit Jahren musste es das Herz eines jeden Glaubensgenossen mit Wehmut erfüllen, wenn er die einst großen und blühenden jüdischen Landgemeinden in unserer Gegend sich auflösen sah. So hat sich die jüdische Gemeinde Redwitz, welche einst 40 Mitglieder zählt und einen eigenen Rabbiner hatte, den gelehrten Gutmann, welcher auch in der literarischen Welt durch seine in Geiger's Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze über die Leviratsehe einen Namen sich erworben hatte, fast ganz aufgelöst. In Maineck, in Mitwitz, Horb wohnt noch eine jüdische Familie. In Oberlangenstadt und Küps ist auch eine bedeutende Reduktion der Gemeindemitglieder eingetreten."
 
Oberlangenstadt AZJ 02081912.jpg (62404 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. August 1912: "Regensburg, 26. Juli (1912). Der hier erscheinenden 'Deutsch-Israelitische Zeitung' wird aus dem Frankenwalde geschrieben. Auffallend ist der langsame, aber stetige Rückgang der jüdischen Kultusgemeinden in unserer Gegend. Friesen, Redwitz, Mitwitz sind schon vor längerer Zeit erloschen; Oberlangenstadt, das früher 30 Judenfamilien zählte, hat nur noch 6 solche. - In solchen Gemeinden könnte mancher Israelite sich gut ernähren. Neu von auswärts Zuziehende sollten sich nicht in den Städten anhäufen. Wenn sie sich in Landgemeinden ansiedelten, würde auch das Judentum gewinnen, manche schöne Synagoge könnte erhalten werden. Vielleicht zeigt sich der Hilfsverein der Deutschen Juden auch einmal als Hilfsverein der Deutschen Juden und gewährt solchen Ansiedlern Subvention zum Bau eines Häuschens."

 
        
Weitere Dokumente  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)   

Erinnerung an die in Mitwitz gegründete,
 später in Lichtenfels florierende  
Firma David Bamberger (1936) 
Lichtenfels Dok 460.jpg (123613 Byte) Lichtenfels Dok 460a.jpg (96137 Byte)
 Die Rechnung der Firma David Bamberger mit dem dekorativen Briefkopf wurde am 6. März 1936 verschickt. Der Firmengründer David Bamberger ist 1811 in Mitwitz geboren und wurde dort 1837 im Handelsregister als Lebküchner, 1845 als Krämer und 1865 als Einzelhändler geführt. 1875 schickte er seine Söhne Philipp und Fritz nach Lichtenfels, um dort eine Niederlassung seines schon einige Zeit vorher gegründeten Geschäftes zur Herstellung von Körben aus Palmwedeln aufzumachen. Sechs Jahre später wurde das Mitwitzer Geschäft geschlossen; der Betrieb in Lichtenfels florierte und wurde in wenigen Jahren zur größten Firma in der Stadt (über 100 Mitarbeiter, dazu weitere etwa 100 in Heimarbeit) und eine der größten Firmen in Europa für Materialien, die in der Korb- und Möbelindustrie benötigt wurden. 1939 endete zwangsweise die Firmengeschichte; die Firmeninhaber Alfred und Ludwig Bamberger flohen aus NS-Deutschland. Fritz Bamberger, ein 1862 in Mitwitz geborener Sohn des Firmengründers ist 1942 in Theresienstadt umgekommen.    

  
  
   
  

Zur Geschichte der Synagoge

Eine Synagoge konnte 1789 errichtet werden. In ihr war neben dem Betsaal auch die jüdische Schule eingerichtet. Im Nebengebäude befand sich ein 1838 neu erbautes rituelles Bad (nach anderen Informationen befand sich das rituelle Bad in der Straße "Im grünen Tal"). 

Vor seinem Wegzug von Mitwitz verkaufte der letzte jüdische Einwohner David Bamberger 1887 das Synagogengebäude für 1.200 Mark an eine nichtjüdische Familie. Der Erlös kam der jüdischen Gemeinde in Kronach zugute. Das Gebäude wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Auch ein Lebensmittelgeschäft wurde eingerichtet. Das Gebäude ist erhalten.   
   

Adresse/Standort der SynagogeKirchstraße 10

Fotos  
(Foto: Elisabeth Böhrer, Aufnahmedatum 8. Juni 2008) 

Die ehemalige Synagoge
im Juni 2008
Mitwitz Synagoge 250.jpg (80653 Byte)  
     

     
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

Juni 2010: Aus Anlass des 200. Geburtstages des Rabbiners Leopold Stein im Kreis Kronach - Nachfahren veranstalten ein Familientreffen -
Empfang im Rathaus Mitwitz (Geburtsort der Frau von Rabbiner Leopold Stein)
LStein 151.jpg (16727 Byte)Abbildung links: Rabbiner Dr. Leopold Stein (Quelle: Website www.leopoldstein.net)  
Bericht von Rainer Domke (Küps) über das Familientreffen:  
"…aus Anlass des 200.Geburtstags des Rabbiners Leopold Stein im Kreis Kronach, vor allem in Mitwitz.
An die 20 Familienangehörige aus vier Erdteilen, speziell aus Deutschland selber, England, Israel, Südafrika und den USA wurden letzte Woche bei ihrem Tagesausflug in den Kreisen Lichtenfels und Kronach im Mitwitzer Rathaus durch den 1. Bürgermeister Laschka herzlich empfangen und begrüßt. Die Teilnehmer dieser 'reunion' zeigten sich davon äußerst angetan; ihre Namen sind durch den Eintrag in das Goldene Buch der Marktgemeinde dokumentiert. Begleitet und geführt wurde die Gruppe in Redwitz, Küps und Mitwitz von Gymnasiallehrer a.D. Rainer Domke (Küps), der die Initiatoren des Treffens, David und Sylvia Lewin aus London, sie eine Urururenkelin des bedeutenden Reformrabbiners zunächst am Obermain, nach 1844 in Frankfurt/M., seit Jahren in Sachen Leopold Stein beriet, in den Archiven forschte und zur entsprechenden Website www.leopoldstein.net  mitbeigetragen hat.
Steins langjähriger Freund, gleichfalls ein jüdischer Theologe der reformerischen Richtung (bedeutet etwa die verstärkte Aufnahme der deutschen Sprache in den Gottesdienst, der auch durch Chorgesang und Orgel begleitet wird), Moses Gutmann aus Redwitz, verheiratete im Mai 1839 in der Oberlangenstädter Synagoge den 29-jährigen Rabbi Leopold Stein, geboren in Burgpreppach, seit 4 Jahren in Burgkunstadt und Altenkunstadt amtierend, mit der 19-jährigen Eleonore, Tochter des in Mitwitz lebenden Vieh-, dann Hopfenhändlers Sandel – das ist die jiddische Form des Vornamens Alexander - Wertheimer, aus welcher Ehe sieben Kinder das Erwachsenenalter erreichten. Demzufolge waren die vier Häuser der Wertheimer-Familie in Mitwitz, wobei an zweien offenbar noch die alten schönen ornamentalen Türen existieren, bzw. auch zwei die entsprechenden Namenskürzel aufweisen, ein Hauptziel des gemeinsamen Rundgangs mit dem Bürgermeister in der Gemeinde. Das Geburtshaus Eleonores direkt neben der früheren Synagoge in der Kirchstraße nennt denn auch im Türsturz SWM 1821 für den Erbauer Sandel Wertheimer Mitwitz; ein ähnlicher findet sich auch am gut erhaltenen schönen Fachwerkhaus, welches S(alomon) W(ertheimer) 1818 für seinen Sohn Isaak errichten ließ – heute das Gasthaus 'Zum Steinernen Löwen', wo 'natürlich' die 'Großfamilie' zu Mittag hervorragend speiste.
Eine Teilnehmerin des 'Meetings' aus Connecticut ist sogar eine Nachkommin eines anderen deutsch-jüdischen 'Mimetzers', nämlich von Leonhard Freund, dort auch 1838 geboren, welcher in New York mit Brüdern, später mit Söhnen, eine erfolgreiche Tabakimportfirma führte (sich dort 'Lawrence Friend' nannte); er war ein direkter Cousin des großen Sohnes, Wohltäters und Ehrenbürgers von Mitwitz, Ludwig Abraham Freund, nach dem in seiner alten Heimat der Weg von der Kronacher Straße zum Friedhof benannt ist. Die gesamte Freund-Familie stammt ursprünglich aus Redwitz, erstes Ziel an diesem Tag, von wo ein Joseph Seligmann – Familiennamen mussten die Juden erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts sich zulegen, Seligmann ist der Vatersname – 1754 nach M. umzog. Der Redwitzer Teil der Familien nahm dort den Namen 'Wald' an, es existierte zeitweise eine größere Strumpfwarenfabrik. Eine Archivalie, die Rainer Domke im Staatsarchiv Bamberg sich bei der Vorbereitung des Treffens vornahm, benennt besagten Joseph Seligmann als Lieferanten von 'Brot, Heu und Stroh' für eine offenbar größere Anzahl dreier kaiserlicher Truppenformationen, die vor Mitwitz 1759 während des Siebenjährigen Krieges lagerten. Überhaupt wurde das wirtschaftliche Leben, in erster Linie auf dem Gebiet des Handels, von Mitwitz vor allem dann vor und nach 1800 wesentlich von den Juden mitgeprägt, die aber weiter bestehenden erheblichen oder lästigen Restriktionen/Diskriminierungen in persönlicher und/oder beruflicher Hinsicht aber führten seit den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts dann rasch zur Abnahme des zunächst noch 20 % vor Ort ausmachenden jüdischen Bevölkerungsteiles durch Emigration, insbesondere eben in die Vereinigten Staaten (der berühmte 'American Dream' wie beim Vater des erwähnten Leonhard Freund), dann nach der endlich erfolgten freien Wohnorts- beziehungsweise Berufswahl in Bayern / dem Deutschen Reich nach 1860/70 durch Wegzug in die größeren Städte, wo nun kleinere, wie etwa in Kronach oder Lichtenfels, oder größere jüdische Gemeinden wuchsen oder (wieder) erstanden – Beispiele Bamberg oder Nürnberg.
Zum Abschluss dieses alle beeindruckenden Tages wurden selbstverständlich der jüdische Friedhof am Ebnether Berg, wo eine ziemliche Anzahl 'Freund' und 'Wertheimer'-Gräber noch heute aufgefunden werden können, oder die als Veranstaltungsraum für kulturelle Ereignisse wieder würdig genutzte Synagoge von Altenkunstadt aufgesucht. Dass für manche der teilnehmenden Personen dieser Besuch in den drei Franken auf den Spuren der jüdischen Ahnen ein Anlass sein wird bald wiederzukommen scheint eine erfreuliche Folge der Familienvisite zu sein." 
 
Auch auf der Website www.leopoldstein.net findet sich ein Bericht über das Familientreffen.     

  

      

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Mitwitz   
Website www.leopoldstein.net mit Fotoseite zur jüdischen Geschichte in Mitwitz  

Literatur:  

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 217.
Klaus Guth (Hg.) u.a.: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800-1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988. zu Mitwitz S. 244-251.  (mit weiteren Quellenangaben).  
Friedrich Bürger: Aus der Geschichte von Mitwitz. 1993.  
ders.: Aus der Geschichte von Mitwitz. Bd. 2. Heimatgeschichtliches Lesebuch. 2003.   

                 

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge  

           

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 07. Mai 2011