Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Donaueschingen bestand eine jüdische Gemeinde von der Mitte des 17. Jahrhunderts (um 1650 erste Aufnahme, 1662 neun jüdische Familien, 1713 18 Familien in der Stadt) bis zur Ausweisung der jüdischen Bewohner 1743. Danach lebte noch eine Hoffaktorenfamilie in der Stadt. Seit 1768 war Madame Kaulla aus Hechingen Hoffaktorin in der Stadt. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde des 17./18. Jahrhunderts vermutlich eine Synagoge. Auch ein Anfang des 18. Jahrhunderts erwähnter Friedhof war vorhanden (Lage unbekannt; beim Rathausbrand 1908 verbrannten die meisten Urkunden).  Um 1725 waren mindestens drei Häuser in jüdischem Besitz, zwei in der Biergasse (Haus Nr. 72 Salomon Levi und Haus vor dem "Hirschen" Marum Weyl), eines in der Stockergasse (heute Karlstraße zwischen "Engel" und "Sonne", Haus Nr.90 des Hofjuden Samuel Weil). Die Gebäude lassen sich nicht mehr genau lokalisieren.   
     
Im Laufe des 19. Jahrhunderts und bis 1933 entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner wie folgt: 1825 11 jüdische Einwohner, 1832 8, 1839 6, 1864 3, 1871 8, 1875 24, um 1880 Höchstzahl mit 33, 1885 21, 1890 15, 1895 19, 1900 17, 1905 23, 1910 20, 1925 16, 1933 18. 
     
Die jüdischen Einwohner des 19./20. Jahrhunderts bildeten auf Grund ihrer immer geringen Zahl keine eigene jüdische Gemeinde, sondern gehörten zur Synagogengemeinde in Gailingen und benutzten die dortigen Einrichtungen. Der jüdische Religionslehrer aus Randegg unterrichtete auch in Donaueschingen. Die in Donaueschingen verstorbenen Personen wurden auf den jüdischen Friedhöfen in Randegg oder Gailingen beigesetzt. In Gailingen sind u.a. aus Donaueschingen beigesetzt (Grab-Nr. bezieht sich auf Dokumentation Bamberger s. Lit.): Elias Bloch (1819-1881, Grabstein 130), Therese Heinrich Weil geb. Bollag (aus Oberendingen, Schweiz, gest. 1914 in Donaueschingen, Grab 531), Ella Dukas (1875-1922, Grab 657), Samuel Dukas (aus Sulzburg, gest. in Donaueschingen, Grab 658), Abraham Guggenheim (geb. 1874, gest. 1932, war Besitzer des Kaufmannes Guggenheim, siehe Bericht zu seinem Tod unten).   
     
Von den jüdischen Einwohnern Donaueschingens ist im Ersten Weltkrieg gefallen: Siegfried Zadeck (geb. 2.9.1876 in Posen, gef. 30.11.1916).  
   
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Gewerbe- und Handelsbetrieben im Besitz jüdischer Personen / Familien sind bekannt: Manufakturwarengeschäft Fritz Bensinger (Rosenstraße 11), Konfektions-, Kurz-, Weiß- und Spielwarengeschäft Fa. Guggenheim & Cie. oHG, Teilh. Witwe von Abraham Guggenheim: Bona und Sohn Dagobert Guggenheim (Max-Egon-Straße 14; das Kaufhaus Guggenheim war das damals größte Kaufhaus der Region mit Filialen in Singen und Gaggenau), Konfektions- und Manufakturwarengeschäft Max Lindner (Zeppelinstraße 10).
   
1933 lebten noch drei jüdische Familien mit zusammen 18 Personen in Donaueschingen (Familien Bensinger, Guggenheim und Lindner). Vor den Geschäften der jüdischen Familien standen am 1. April 1933 wie auch anderswo SS- und SA-Patrouillen, um den Boykott durchzusetzen. Beim Novemberpogrom 1938 kam es zu Plünderungen und Ausschreitungen gegen die noch am Ort lebenden jüdischen Personen. Dabei wurde Siegfried Weil schwer verletzt
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
  
Von den in Donaueschingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dagobert Guggenheim (geb. 1910 in Donaueschingen, zuletzt in Konstanz wohnhaft), Henriette Lindner geb. Weil (geb. 1868 in Donaueschingen, zuletzt in Rastatt wohnhaft).      
   
   
   

Berichte und Dokumente aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
  
Übersicht:  

Allgemein 
Donaueschingen in den Handbüchern der israelitischen Gemeindeverwaltung (1924/32) 
Nennung von Donaueschingen im Handbuch von 1924  
Nennung von Donaueschingen im Handbuch von 1932   
Berichte zu einzelnen Personen     
-  Zum Tod von Abraham Guggenheim (1932)  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen aus jüdischen Periodika  
-  Anzeigen des Tuch- und Manufakturgeschäftes Mathias Wolf Söhne (1887)  
Dokumente zur jüdischen Geschichte aus dem Stadtarchiv Donaueschingen  
-  Anzeigen der Gebrüder Bloch aus Randegg (1839 / 1843)  
-  Antijüdische "Anekdote" (1843)   
-  Anzeige der Textilhandlung von Isak Guggenheim in Löffingen (1873) 
-  "Konkurs-Massen-Ausverkauf" der Firma Einstein & Spiegel aus Konstanz - 
    Widerstand von Seiten eines "Vereins für Schutz und Förderung von Handel und Gewerbe" (1893)
   
-  Anzeige der Firma Einstein & Spiegel (1894)  
-  Jüdische Pferdehändler auf dem Donaueschinger Pferdemarkt (Anzeigen von 1894)  
-  Wirtschafts- und Hofgutsverkauf durch Jacob Bernheimer und Max H. Weil aus Gailingen (1894)  
-  Fahrnis-Versteigerung durch Jacob Guggenheim in Bonndorf und Kilian Guggenheim in Gailingen (1894)  
-  Einladung zu einer "Antisemitischen Unterhaltung" und Bericht dazu (1894)   
-  Anzeige von Josef Maier Weil aus Gailingen (1894)  
-  Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim & Cie. (1897)  
-  Anzeige der Firma Gebr. Bernheim aus Tiengen (1897) 
In der Volksbibliothek ist eine antisemitische Zeitung ausgelegt (1912)    
-  Gustav Weil verkauft sein Wohnhaus (1912)  
-  Anzeige des Textilkaufhauses Heinrich M. Weil & Cie. (1912) 
-  Anzeige des Kaufhauses Guggenheim & Cie. (1913)  
-  Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim & Cie. (1926 /1929 / 1932)  
Anzeigen des Kaufhauses Heinrich M. Weil & Co. (1929)  
-  Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim (Anfang 1933)  
-  Artikel über "Die Warenhausfrage" (Dezember 1933)  

  
  
Allgemein 
Donaueschingen in den Handbüchern der israelitischen Gemeindeverwaltung (1924/32)   

Nennung von Donaueschingen im Handbuch von 1924  
Donaueschingen HB 1924.jpg (182632 Byte) Im "Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege", Berlin 1924/25 S. 125 wird Donaueschingen auffallenderweise als separate Gemeinde innerhalb des Rabbinatsbezirkes Gailingen aufgeführt, zu der auch die sechs in Stockach lebenden jüdischen Personen gehörten. Als Gemeindevorsteher wird H. Lindner erwähnt. Den Religionsunterricht bei beiden schulpflichtigen jüdischen Kinder erteilte Lehrer Körber aus Randegg. Vermutlich bestand damals die Hoffnung, dass durch weiteren Zuzug jüdischer Familien in der Stadt dauerhaft eine jüdische Gemeinde bestehen könnte.   
  
Nennung von Donaueschingen im Handbuch von 1932   
Donaueschingen HB 1932.jpg (63283 Byte)Im "Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege in Deutschland", Berlin 1932 S. 356 erscheint Donaueschingen nicht mehr separat. Vielmehr gehören die 16 in der Stadt und die sieben in Stockach lebenden jüdischen Personen nun innerhalb des Rabbinatsbezirkes Konstanz zur jüdischen Gemeinde in Gailingen.         

     
  
Berichte zu einzelnen Personen  

Zum Tod von Abraham Guggenheim (1932)   

Artikel im "Donau-Boten" vom 2. Dezember 1932 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Guggenheim gest.  Die Einwohnerschaft der Stadt Donaueschingen wurde heute in den frühen Morgenstunden von der fast unfassbaren Nachricht überrascht: unser Mitbürger Abraham Guggenheim ist nicht mehr am Leben. Gestern hatte man ihn doch noch vom frühen Morgen, bis zum späten Abend, in seinem Geschäfte gesehen. Wohl klagte er etwas über Unwohlsein, aber der stärkere Geschäftsgang vor Nikolaus ließ ihm keine Zeit an sich zu denken. In den Nachtstunden einsetzende Herzkrämpfe führten um 1/4 11 Uhr zum Tode.   
Herr Dr. Hall als Hausarzt der Familie, wurde eiligst herbeigerufen und konnte aber nurmehr das Entfliehen des Lebens feststellen. Einige Atemzüge - und das bitterschwere Ereignis war furchtbare Wahrheit, der treusorgende Gatte, der liebe Vater, der tüchtige Geschäftsmann - tot.    
Mit dem Verstorbenen ist eine Persönlichkeit aus dem Leben geschieden, die unter der Geschäftswelt unserer Stadt wie auch unter den Konsumentenkreisen in Stadt und Bezirk einen hochachtbaren Namen besaß. Abraham Guggenheim war ein Kaufmann voll edelster Gesinnung. Vor mehr als dreißig Jahren hierher gekommen, gründete er das führende 'Kaufhaus Guggenheim u. Cie', unter späterem Anschluss nach Singen und Konstanz. Zu Anfang bezog die Familie Wohnung im Hause Mory, um dann nach Fertigstellung des stattlichen Geschäftshauses dahin zu übersiedeln. 
Bei der heute vielfach notwendigen Kreditgewährung war der Verstorbene immer sehr loyal. Die fortschreitende Ausdehnung seines Geschäfts war deshalb stets von einem guten Sterne begleitet.  
Bei Guggenheim fanden manche Bittsteller eine offene Hand, insbesondere der Kinderunterstützungsverein, nennt in seinen Annalen immerfort den Namen Guggenheim als eines edlen Wohltäters.  
Eingeweihte wissen auch um das ideale Familienleben im Hause Guggenheim. Um den so lieben Vater trauern die Gattin und und zwei Kinder, die in Frankfurt und Berlin ansässig sind. Mit stets sorgender Liebe hat der Vater sie allezeit umgeben, die nun in tiefstem Schmerze trauern. Ihnen sei herzlichstes Beileid ausgesprochen.  
So werden wir den im 59. Lebensjahre von uns gegangenen ehrbaren Kaufmann A. Guggenheim in treuer Erinnerung bewahren. Er ruhe in Frieden."       
 
Gailingen Grab AGuggenheim 010.jpg (149951 Byte)Abraham Guggenheim (geb. 2. Februar 1874, gest. 1. Dezember 1932) wurde im jüdischen Friedhof in Gailingen beigesetzt. Links: aus der Friedhofsdokumentation von Naftali Bar Giora Bamberger zum Friedhof Gailingen (Memorbuch) Band 2 S. 486: Grab Nr. 780 in Abt. IV Reihe 4

 
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen aus jüdischen Periodika 
Anzeigen des Tuch- und Manufakturwarengeschäftes Mathias Wolf Söhne (1887)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1887: "Für unser Tuch- und Manufakturwaren-Geschäft suchen wir einen mit guten Schulkenntnissen versehenen Lehrling. Samstag und Feiertage geschlossen. Station im Hause. 
Mathias Wolf Söhne
, Donaueschingen, badischer Schwarzwald)  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1887: "Ein Volontair oder angehender Commis, der seine Lehre in einem Manufakturwaren-Geschäft beendet und gute Zeugnisse besitzt, findet Stelle sofort. Anspräche bei freier Station, Kopie der Zeugnisse und womöglich Photographie erwünscht. Nur Süddeutsche oder Schweizer werden berücksichtigt. 
Mathias Wolf Söhne, Donaueschingen (badischer Schwarzwald)."   

  
  
Dokumente zur jüdischen Geschichte aus dem Stadtarchiv Donaueschingen 
Anzeigen der Gebrüder Bloch aus Randegg (1839 / 1843)       

Donaueschingen DWBl 15101839.jpg (156614 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 15. Oktober 1839 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): 
"Markt-Anzeige. Gebrüder Bloch aus Randegg beziehen den nächsten Hüfinger Jahrmarkt mit ihrem jetzt ganz neu, wohlassortierten Warenlager, als: 
Feine und mittelfeine Tücher, Buskin, Drap de Zephir, Castrine, Biwer, Moultine, Gesundheitsflanell, französische und sächsische Merinos und Tibets in verschiedenen Breiten und Farben; Donna Maria, Mousseline de leine, gedruckte und karierte Merinos, Perse oder Zitz von 4,5 und 6 Viertel breit, die neuesten Dessins, die sich vorzüglich auf den Winter eignen, im Preise von 10-30 kr.; baumwollene, wollene und seidene Giletzeuge von verschiedenen Farben; Leinwand, Barchent und Trillich, vorzüglich zu Matratzen.  
Eine große, extra schöne Auswahl von Kabyl-, Tartann- und Bagdad-Shawls, sowie von vielen hier nicht genannten Artikeln.  
In Seidenwaren besitzen wir eine besonders große Auswahl des Neuesten, als: Gros d' Berline, Gros d'Orleans, Gros d'Anglaise, Gros d'Naples, Mousseline, Taffent, Halstücher für Herrn und Damen; 
endlich haben wir eine schöne Auswahl von Waren, als Tischzeug, Percal, Jaconet, Halbleinwand, besonders für Herrenhemden, zu 12, 15-20 kr.  
Zum Schlusse empfehlen wir unsere Schlafröcke à la Wellington, für Herrn und Damen, von 3 fl. 30 kr. - 8 fl.  
Durch vorteilhafte Einkäufe und direkte Sendungen sind wir in den Stand gesetzt zu auffallend billigen Preisen zu verkaufen. Unsere Bude ist mit obiger Firma 'Gebrüder Bloch aus Randegg' bezeichnet."   
 
Donaueschingen DWBl 26091843.jpg (157243 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 26. September 1843 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): 
"Gebrüder Bloch aus Randegg beziehen auch wieder bevorstehenden hiesigen Markt mit ihrem bekannten, durch direkte Einkäufe best assortierten Schnitt- und Modewarenlager. Dieselben sind diesmal durch besonders vorteilhafte Einkäufe auf letzter Frankfurter Messe in den Stand gesetzt, zu auffallend niedrigen, aber festgesetzten, noch nie so billig vorgekommenen Preisen zu verkaufen, sie schmeicheln sich auch dieses Mal eines zahlreichen Besuches. Besonders müssen sie bemerken, dass sie ihr Lager bloß am Freitag dem Verkauf feil bieten können, was sie zur Richtschnur dem verehrlichen Publikum hiermit mitteilen. 
Ihre Bude befindet sich wie gewöhnlich vis à vis dem Gasthaus zum weißen Lamm. Gebrüder Bloch."  

      
Antijüdische "Anekdote" (1843)     

Donaueschingen DWBl 22121843.jpg (53446 Byte)Artikel im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 22. Dezember 1843 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): 
"Anekdote
Als die ersten Juden sich in Portugal niederließen, schrieben sie an ihre Glaubensgenossen: 'Kommt schnell, das Land ist gut, die Menschen sind dumm - Alles wird unser sein.' - Dasselbe meinten die Jesuiten, als sie sich in der Schweiz einnisteten.".   

     
Anzeige der Textilhandlung von Isak Guggenheim in Löffingen (1873)    

Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 14. Oktober 1873 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): 
"Löffingen. Anzeige & Empfehlung.  
Ich Unterzeichneter zeige hiermit dem hiesigen und auswärtigen Publikum an, dass ich meine bisherige Wohnung verlassen und jetzt in dem käuflich übernommenen Hause der verstorbenen Witwe Alois Hogg, Weinhändlers wohne, und mein Geschäft auf bevorstehende Saison mit folgenden Artikeln aufs reichhaltigste eingerichtet habe, nämlich in Tuch und Buckskin, Double, Ratine, Eskimo, Poconne, Jackenstoffe, Halbtuch, Sommerstoffe, Flanell in weiß und farbig, Bettbarchent 8/4 breit, Kölsch, Zeugle, Stuhltuch, Madopolam, Chirting, Biber, Pique, Cassinet, Morei schwarz und farbig, Unterrockstoffe, in ganz und Halbwolle, ferner eine schöne Auswahl in fertigen Flanellhemden, sowie Damenmäntel und Jacken. Besonders mache verehrtes Publikum auf eine große Auswahl in Kleiderstoffen, hauptsächlich sehr schöne schwarze französische Merino 8/4 breit aufmerksam, sehr schöne Bettfedern und Flaum etc. Alle diese Artikel verkaufe ich zu sehr annehmbaren Preisen und lade daher verehrtes Publikum zu zahlreichem Besuche ein, indem ich voraus versichere, dass jeder Käufer mein Geschäft mit Zufriedenheit verlassen wird   Isak Guggenheim".   

    
"Konkurs-Massen-Ausverkauf" der Firma Einstein & Spiegel aus Konstanz -
Widerstand von Seiten eines "Vereins für Schutz und Förderung von Handel und Gewerbe"(1893)
   

Donaueschingen Wochenblatt 07101893.jpg (241757 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 7. Oktober 1893 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Konkurs-Massen-Ausverkauf. Wir haben das Warenlager von Engesser & Frey käuflich aufs der Konkurs-Masse übernommen und beabsichtigen solches zu enorm billigen, aber streng festen Tax-Preisen schleunigst auszuverkaufen. Das Lager besteht bekanntlich nur aus ganz neuen und soliden Waren in 
Herren- und Damenkleiderstoffen, Herren- und Damen-Konfektion, Aussteuer-Artikeln, Baumwollwaren etc. etc. 
 Der Ausverkauf dauert nur kurze Zeit und ist Gelegenheit geboten außergewöhnlich billig einzukaufen. 
Einstein & Spiegel aus Konstanz
. Konkurs-Massen-Ausverkauf. 
Eisenbahnstraße, früherer Laden von Engesser und Frey. 
Verkauf spottbillig gegen Bar - Günstige Gelegenheit für Wiederverkäufer."     
  
Donaueschingen Wochenblatt 12101893.jpg (501929 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 12. Oktober 1893 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):  
  
Donaueschingen Wochenblatt 12101893E.jpg (202533 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 12. Oktober 1893 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):    
  
Donaueschingen Wochenblatt 16101893.jpg (193138 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 16. Oktober 1893 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):   

    
Anzeige der Firma Einstein & Spiegel (1894)  
    

Donaueschingen Wochenblatt 10111894.jpg (150289 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. November 1894 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):
 "Einstein & Spiegel. Wasserstraße 
empfehlen für den Jahrmarkt ihr großes Lager in: 
Reinwollenen und halbwollenen Winterkleiderstoffen, Regenmantelstoffen, Flanellen, 
Baumwollflanellen und Kölsche, Betttüchern, schon von Mark 1.20 an per Stück, 
Bettdecken, Wollecken & Pferdedecken 
zu auffallend billigen Preisen. 
Einstein & Spiegel 
Wasserstraße."       

  
Jüdische Pferdehändler auf dem Donaueschinger Pferdemarkt (Anzeigen von 1894)
    

Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):  
"Wir besuchen den Donaueschinger Pferdemarkt wieder mit einem Transport Französischer Pferde. 
Leopold & Isak Levi, Pferdehändler aus Altbreisach."       
  
Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Der Unterzeichnete besucht den Donaueschinger Pferdemarkt mit einem Transport Pferde und stehen dieselben vor und nach dem Markte im Stalle des Herrn Gemeinderat Fischer in der Mühlstraße. 
Leopold Jacob Rothschild jg. aus Randegg."     
Anmerkung zur Person (nach Samuel Moos: Geschichte der Juden im Hegaudorf Randegg 1986 S. 145.150.152): Leopold Jacob Rothschild ist am 18. Februar 1864 in Randegg geboren. Er war seit 1892 verheiratet mit Adele geb. Guggenheim (geb. 17.Februar 1869 in Randegg). Die beiden wurden am  22. Oktober 1940 aus Randegg nach Gurs deportiert, wo Adele bereits am 18. November 1940 umgekommen ist; ihr Mann konnte aus dem Lager herausgeholt und in die USA gebracht werden.   

   
Wirtschafts- und Hofgutsverkauf durch Jacob Bernheimer und Max H. Weil aus Gailingen (1894)
   

Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):   

   
Fahrnis-Versteigerung durch Jacob Guggenheim in Bonndorf und Kilian Guggenheim in Gailingen (1894)
  

Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):    

 
Einladung zu einer "Antisemitischen Unterhaltung" und Bericht dazu (1894)  

Donaueschingen DWBl 12051894.jpg (65377 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 12. Mai 1894 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): 
"Am Dienstag, den 15. dieses Monats, Abends 8 Uhr, 
Antisemitische Unterhaltung
im Gasthaus zum Engel. 
Gesinnungsgenossen sind freundlichst eingeladen. 
'Heil!!"    
 
Donaueschingen DWBl 17051894.jpg (81851 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 17. Mai 1894 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Gestern Abend fand im Gasthaus zum 'Engel' eine antisemitische Kundgebung statt, bei welcher beschlossen wurde, am Freitag, den 25. dieses Monats zur Gründung eines antisemitischen Vereins zu schreiten. Von der Aufnahme eines darauf bezüglichen, uns heute zugegangenen Artikels müssen wir Umgang nehmen, da es durchaus nicht in der Tendenz unseres Blattes liegt, zur Vergrößerung der Kluft beizutragen, welche gegenwärtig, gewiss nicht zum Segen der Menschheit, die einzelnen Klassen und Rassen in schroffer Weise spaltet"  

    
Anzeige von Josef Maier Weil aus Gailingen (1894)   

Donaueschingen Wochenblatt 10111894W.jpg (63579 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. November 1894 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):     


Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim & Cie. (1897)         

Donaueschingen Wochenblatt 13021897.jpg (148844 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 13. Februar 1897 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):      
 
Donaueschingen Wochenblatt 13021897G.jpg (163006 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 13. Februar 1897 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):      
 
Donaueschingen Wochenblatt 20021897G.jpg (206937 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 20. Februar 1897 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):    
 
Donaueschingen Wochenblatt 11031897.jpg (135793 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 20. Februar 1897 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):    

  
Anzeige der Firma Gebr. Bernheim aus Tiengen (1897)   

Donaueschingen Wochenblatt 20021897B.jpg (144009 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 20. Februar 1897 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):      

  
In der Volksbibliothek ist eine antisemitische Zeitung ausgelegt (1912) 

Donaueschingen DTagbl 11011912.jpg (143644 Byte)Artikel im "Donaueschinger Tagblatt" vom 11. Januar 1912 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): 
Im Lesezimmer der damaligen Volksbibliothek in Donaueschingen lagen 35 (!) Zeitungen auf, darunter eine antisemitische Zeitung, ansonsten war das ganze politische Spektrum durch die Zeitschriften abgedeckt.  

  
Gustav Weil verkauft sein Wohnhaus (1912)     

Donaueschingen DTageblatt 10121912.jpg (31551 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 10. Dezember 1912 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): Besitzwechsel. Herr Gustav Weil in Freiburg verkaufte sein in der Zeppelinstraße gelegenes Wohnhaus an die Herren Gebr. Gleichauf, Elektrotechniker hier für 23.000 Mark.".       

    
Anzeige des Textilkaufhauses Heinrich M. Weil & Cie. (1912)    

Donaueschingen DTageblatt 21121912.jpg (111378 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 21. Dezember 1912 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):  
Text der Anzeige wird nicht abgeschrieben. Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.      

  
Anzeige des Kaufhauses Guggenheim & Cie. (1913)  

Anzeige im Einwohnermeldebuch Donaueschingen 1913 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):     

    
Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim & Cie. (1926 / 1929 / 1932)  
Nach Meinung von Stadtarchivar Dr. Raimund Adamczyk (Donaueschingen) sind die Anzeigen von Guggenheim mögliche Belege für die anderweitig geäußerte Meinung, dass sich die einzelnen jüdischen Textilkaufhäuser für ihre Werbung einer Art Werbezentrale bedienen konnten.     

Donaueschingen DTageblatt 25091926o.JPG (518617 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. September 1926 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):    
Text der Anzeige wird nicht abgeschrieben. Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.  
 
Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 14. Mai 1926 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):   
 
Donaueschingen DTbl 30111926.jpg (218724 Byte) Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 30. November 1926 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen)   
 
Donaueschingen DTagbl 25101929a.jpg (88171 Byte) Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. Oktober 1929 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):   
 
Donaueschingen DTagblatt 10111932G.jpg (195309 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 10. November 1932 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):     
 
Donaueschingen DTagblatt 25111932T.jpg (243299 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. November 1932 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):    
Donaueschingen DTagblatt 25111932.jpg (324068 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. November 1932 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):    

   
Anzeigen des Kaufhauses Heinrich M. Weil & Co. (1929)  

Donaueschingen DTagbl 25101929.jpg (185952 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. Oktober 1929 zur Wiedereröffnung nach dem Umbau der Geschäftsräume (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen)    
 
Donaueschingen DTagbl 02111929.jpg (196332 Byte) Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 2. November 1929 nach Wiedereröffnung der Geschäftsräume (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen)     

    
Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim (Anfang 1933)   

Donaueschingen DTageblatt 07011933iou.JPG (437273 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 7. Januar 1933 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):    
   
Donaueschingen DTageblatt 07011933o.JPG (569823 Byte)Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 7. Januar 1933 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):     

  
Artikel über "Die Warenhausfrage" (Dezember 1933)      

Donaueschingen SchwarzwBote 01121933.jpg (121321 Byte)Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 1. Dezember 1933 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): 
"Die Warenhausfrage. 
Die Deutsche Wochenschau, deren Herausgeber der Staatssekretär Gottfried Feder ist, veröffentlicht in ihrer Nummer vom 28. Oktober 1933 unter der Überschrift 'Die leidige Warenhausfrage' folgende Notiz: 
'Aus Köln wird gemeldet, dass ein Warenhauskonzern Prospekte verteilen lässt, in denen darauf aufmerksam gemacht wird, dass nach den Aufrufen maßgebender Persönlichkeiten, wie des Treuhänders der Arbeit für das Rheinland vom 26. September 1933 'kein Zweifel bestehe, dass Beamte, Arbeiter und Angestellte bei Einkäufen in unserem Haus nicht mehr gehindert sind.' Dies ist durchaus kein Einzelfall. Die Karstadt Tietz und Genossen versuchen mit Vorliebe diesen Aufruf in ihrem Sinne zu deuten. Die Regierung hat kein Interesse daran, den zahlreichen Angestellten solcher Unternehmen Arbeit und Brot zu nehmen. Aber an der Einstellung der NSDAP gegenüber den Warenhäusern hat sich im Grunde genommen nichts geändert. Für Parteigenossen kommt der Einkauf im Warenhaus grundsätzlich nicht in Frage, und jeder Nationalsozialist, der beim Einkauf in Uniform angetroffen wird, wird sofort aus der Partei ausgeschlossen".       

          
  
  
   
Zur Geschichte des Betsaales      

Die jüdische Gemeinde des 17./18. Jahrhunderts hatte vermutlich einen Betsaal (Standort unbekannt; beim Rathausbrand 1908 verbrannten die meisten Urkunden). 
  
Möglicherweise gab es auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Betraum am Ort, worüber jedoch keine Informationen vorliegen.     
   
         
     
Fotos  

 Das Kaufhaus Guggenheim 
(Quelle: die unter den Links angegebene
 Facharbeit von Peter Mayer) 
 Donaueschingen Dok 020.jpg (15885 Byte)  Donaueschingen Dok 021.jpg (31007 Byte)
    Das Kaufhaus lag im Zentrum der Stadt  Antijüdische Schmierereien am Kaufhaus 
     
  Konstanz Ausstellung 2012c.jpg (62439 Byte)
  Kleiderbügel der Firma Guggenheim & Co Donaueschingen, Holz, weiß lackiert, 
einseitig schwarz bedruckt: “Guggenheim & Co Donaueschingen“ , Haken Metall, 
Privatbesitz Maria Wällering/Donaueschingen.
(im Januar/Februar 2012 zu sehen bei einer Ausstellung der 
Initiative "Stolpersteine" in Konstanz (Foto: Hans-H. Seiffert) 
     

    
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Januar 2010: Rundgang auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Donaueschingen  
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 28. Oktober 2010 (Artikel): "Rundgang zum 'Jüdischen Leben'
Donaueschingen
(ewk). Im Zuge der Ausstellung im Villinger Franziskaner 'Jüdisches Leben in Baden' lädt die Evangelische Erwachsenenbildung in Donaueschingen zu einer thematischen Stadtführung ein. Mit Stadtführerin Martina Wiemer kann man am Freitag, 29. Januar, bei einem Stadtrundgang erleben, wie sich jüdisches Leben über 400 Jahre in Donaueschingen darstellt.
Die besondere Stadtführung beleuchtet an ausgewählten Orten die jüdische Geschichte Donaueschingens bis ins Jahr 1940. 'Pogrome gegen jüdische Mitbürger vom Mittelalter bis zum Nationalsozialismus fanden nicht nur in den Städten und Großstädten statt, sondern mit ihrer ganzen Gewalt auch in Kleinstädten und Dörfern', erzählt Martina Wiemer. Im Zuge ihrer Vorbereitung hat sie sich ausführlich mit Veröffentlichungen des Historikers Volker Huth beschäftigt, aber auch mit vielen Dokumenten aus dem Stadtarchiv, die ihr Raimund Adamszyk zugänglich machte.
Die Stadtführerin hat sich diesem Thema als Nicht-Fachfrau genähert. Erzählerisch will sie auf einem Gang vom Musikantenbrunnen über die Zeppelin-, Karl-, Halden- und Max-Egon-Straße bis zum Residenzbereich Einblicke vermitteln, wie jüdisches Leben in Donaueschingen ausgesehen hat. Dabei will auch sie auf die besondere Beziehung zu einigen jüdischen Mitbürgern in der Stadt eingehen, beispielsweise auf die Inhaber der ehemaligen jüdischen Textilkaufhäuser und -geschäfte in der Donaustadt.
Angeregt haben sie dazu Briefe von jüdischen Auswanderern, die sich im Stadtarchiv fanden. 'Zuerst war ich irritiert, wie fröhlich und aufgeschlossen die Briefe waren. Zu sehr bedrückte mich alles Wissen um die Gräueltaten des Naziregimes', erzählt Wiemer. Aber dann habe es ihr sehr geholfen, sich mit der jüdisch-deutschen Geschichte in Donaueschingen auseinander zusetzen. Und dabei leite sie die Zielsetzung 'Erinnern, Bedenken und Lernen'.
Die Stadtführung beginnt um 15 Uhr am Rathaus Donaueschingen. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung bei der Evangelischen Erwachsenenbildung unter der Telefonnummer 07721/845171 erforderlich. Bei entsprechender Nachfrage stellt Martina Wiemer eine zweite Stadtführung in Aussicht."  
  
Artikel von Horst Fischer im "Südkurier" vom 30. Oktober 2010 (Artikel): 
"Donaueschingen - Geschichte - Jüdische Spuren in der Stadt.  
Am Montag hielt das offizielle Deutschland die Erinnerung an den Holocaust wach, gedachte der Opfer und auch der Auschwitz-Befreiung vor 65. Jahren. Spuren jüdischen Lebens, von denen manche auch in schlimme Schicksale führten, gibt es auch in Donaueschingen. Historiker wissen darum. Und gestern begab sich eine Themen-Exkursion auf diesen wenig bekannten Pfad der Stadtgeschichte. 
Donaueschingen.
Dass das Interesse an Spuren jüdischen Lebens in der Stadt durchaus wach ist, das belegte am gestrigen Nachmittag ein Angebot der evangelischen Erwachsenenbildung. Die Donaueschingerin Martina Wiemer hatte sich im Auftrag dieser Institution über jüdische Familien auf der Baar kundig gemacht und zu einer Führung eingeladen. Trotz des ausgesprochen widrigen Wetters waren immerhin zwanzig Teilnehmer gekommen. Demnächst – wir kündigen den Termin an – soll es eine Wiederholung der Exkursion geben. 
Die Geschichte jüdischen Lebens auf der Baar geht zurück bis in das Jahr 1662, als Juden aus dem vorderösterreichischen Bräunlingen von Graf Ferdinand Friedrich von Fürstenberg ein Schutzbrief und damit verbunden ein Aufenthaltsrecht zugestanden wurden. Es war allerdings keine geradlinige Geschichte, die folgte; Juden wurden immer wieder ausgewiesen und diskriminiert und in ihren Rechten beschnitten. Misstrauen, Angst und Berührungsängste beherrschten das Verhältnis der Einheimischen zu den Juden. Die jüdischen Hoffaktorenfamilien Kaulla, später David, Kussel und Hirsch im 18. Jahrhundert blieben eine Ausnahme. Auch in der relativ liberalen Zeit des Großherzogtums lebten vergleichsweise wenige Juden in der Stadt. 1825 waren es elf, 1875 dann 24. Es gab in Donaueschingen nie eine Synagoge oder einen jüdischen Friedhof, man gehörte seit 1895 zur Gemeinde Gailingen. 1933 bei der Machtergreifung lebten noch 18 Juden hier, von denen 14 mit zwei neu geborenen Kindern Deutschland rechtzeitig verlassen konnten.
Vier Geschäftsleute hatten mit ihren Familien in der Stadt ihren Wohnsitz: An der Rosenstraße 11 der Handelsreisende Fritz Bensinger. Henriette und Sohn Max Lindner an der Zeppelinstraße 10. Siegfried Weil an der Haldenstraße 2 und die Erben des Kaufmanns Guggenheim in der Max-Egon-Straße 14. Ein besonders wechselvolles Schicksal hatte dieses Kaufhaus Guggenheim. Bereits vor 1938, der Reichspogromnacht am 9. November, arisiert, wurde es nach dem 9. November vom 'arischen' Geschäftspartner Max Schuler ganz übernommen. Bis 1987 bestand das Textilhaus Schuler, heute sind die Räume an den Drogeriemarkt Müller vermietet. Die Erben Guggenheims konnten 1950 allerdings gerichtlich erfolgreich gegen den Zwangsverkauf vorgehen. 
Peinliches und Erschreckendes war dann 10. November 1938, am Morgen nach der Pogromnacht, zu erleben. Eine Synagoge konnte ja nicht angesteckt werden, also veranstalteten zivile SA-Männer einen Demonstrationszug durch die Stadt. Schüler des Gymnasiums in der Schulstraße wurden aus dem Unterricht heraus daran beteiligt. Sie mussten mit ansehen, wie die Wohnungen demoliert, die Wände mit antisemitischen Parolen beschmiert wurden. Siegfried Weil wurde brutal misshandelt. Für Zeitzeugen sind dies bis ins hohe Alter heute noch schmerzliche Erinnerungen. Zwei jüdische Bürger, Henriette Lindner und Dagobert Guggenheim, mussten den Weg des Holocaust bis zum bitteren Ende gehen, wurden in Perpignan und Auschwitz ermordet.
Wie in der Zeit des Dritten Reichs die Gesellschaft sich recht opportunistisch verhielt, erfuhr der Hofapotheker Bauer, dessen Familie wegen seiner halbjüdischen Frau gesellschaftlich geschnitten wurde. 
Auch die ersten Donaueschinger Musiktage zwischen 1921 und 1926 liefern Spuren, haben doch jüdische Komponisten und Musiker wie Paul Dessau, Arnold Schönberg, Erwin Schulhoff, Kurt Weill und Otto Klemperer das erste Festival neuer Musik in Deutschland wesentlich mit geprägt.
Zu vielen dieser Schauplätze führte Maria Wiemer gestern ihre Exkursionsteilnehmer und skizzierte damit ein schillerndes Bild jüdischen Lebens in der Stadt. Vor allem auf überlieferte Erinnerungen stützte sie sich dabei. Erinnerungen, für die es bald keine Zeitzeugen mehr gibt."   
     
Januar 2011: Publikation zur Geschichte der Familie Guggenheim  
KN Guggenheim 130.jpg (29468 Byte)Foto links: Salomon und Toni Guggenheim.    
Artikel von Philipp Ziegler im "Südkurier" vom 27. Januar 2011 (Artikel): "Sie hatten keine Chance.  
Die Geschichte der Familie Guggenheim: Zwischen Hoffen, Bangen und Mord im KZ Auschwitz-Birkenau 

27. Januar 1945: Soldaten der russischen Roten Armee stoßen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau auf ausgemergelte, dem Tode nahe Häftlinge. 27. Januar 2011: Konstanz erinnert am Gedenktag für die Holocaust-Opfer an die Familie Guggenheim. Einige Mitglieder konnten fliehen – andere wurden von Nazis ermordet.
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung: So lässt sich die Geschichte der Guggenheims kurz zusammenfassen, wie sie Hans-Hermann Seiffert aus Konstanz in seinem Buch 'In Argentinien gerettet – in Auschwitz ermordet' (ISBN 978-386628-312-1) beschreibt. Sachlich zeichnet er das Leiden der jüdischen Familien aus Konstanz und Donaueschingen nach. Das Mitglied der Stolperstein-Initiative gibt einen tiefen Einblick in ihr Leben, wie Salomon und Toni Guggenheim in Konstanz erfolgreich bis in die 1930er Jahre einen Eisenwarenhandel an der Hüetlinstraße aufbauen und ihren Sohn Isi großziehen. Zeitgleich betreibt Tonis Schwester Bona Guggenheim mit ihrem Mann Dagobert eine Kaufhauskette mit Stammsitz in Donaueschingen.
Es scheint alles gut zu laufen. Salomon Guggenheim muss jedoch im Zuge der Wirtschaftskrise 1931 sein Geschäft aufgeben und aus dem Gehalt als Provisionsvertreter seine Familie ernähren. Nach dem Tod von Abraham Guggenheim führt seine Frau Bona die Kaufhäuser von Donaueschingen aus weiter. Sie unterstützt ihre sozial und wirtschaftlich angeschlagenen Konstanzer Verwandten, deren Sohn Isi 1938 nach Argentinien auswandert, mit Geld. Dieses wird aber knapp, erst recht, nachdem die Nazis sie enteignet und sie zum Verkauf ihrer Warenhäuser gezwungen haben. Bona und ihr Sohn Dagobert werden am Morgen nach der Reichspogromnacht schwer misshandelt, ihre Wohnung verwüstet. Dagobert muss für einige Wochen ins KZ Dachau. Die Guggenheims haben das Unheil seit langem erkannt. Bonas Ausreise ist beantragt und sie flüchtet im Dezember 1938 zu ihrer Tochter Erna nach Argentinien. Dagobert bleibt bei seiner Tante Toni und ihrem Mann Salomon in Konstanz. Auch sie hoffen auf die Ausreise.
22. Oktober 1940: Die drei Guggenheims dürfen je 50 Kilogramm Gepäck, Proviant für zwei Tage und 100 Reichsmark mitnehmen. Es ist der Tag der Deportation von 6500 Juden aus Baden und aus der Saarpfalz. Nach drei Tagen, eingepfercht in Waggons, erreichen sie das südfranzösische Internierungslager Gurs. Sie hausen in überfüllten Baracken, mit Ratten und Flöhen, die Hygienezustände sind katastrophal. Die Geschwister von Salomon Guggenheim überleben die Internierung nicht.
Wieder hoffen: Die drei Deportierten werden nach Les Milles verlegt, offiziell ein Transitlager. Wer hier ist, dessen Ausreiseantrag läuft und er hat gute Chancen auf Bewilligung. Was sie nicht wissen: Die Nazis haben zwischenzeitlich die Ausreise gestoppt – wegen der 'aufkommenden Endlösung'. Es ist ein vergebliches Hoffen und Bangen.
August 1942: SS-Hauptsturmführer Theodor Dannecker besucht das Lager. Er bereitet die Endlösung für Juden in Frankreich vor. 262 Internierte werden am 11. August 1942 in Viehwaggons gesteckt. In Drancy stoßen fast 800 weitere Juden hinzu. Ziel: KZ Auschwitz-Birkenau. Nach ihrer Ankunft am 16. August 1942 werden sie 'selektiert'. 115 Männer wie Dagobert Guggenheim dürfen zum Arbeitsdienst. Alle anderen erwartet der Tod in den Gaskammern – darunter Salomon und Toni Guggenheim. Wann Dagobert Guggenheim starb, ist nicht bekannt. Sicher ist: nur einer der 115 Männer überlebte das KZ.
Gedenken an die Holocaustopfer, heute, Donnerstag, 19.30 Uhr im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums am Münster (Konstanz). Schauspieler Frank Lettenewitsch liest Auszüge aus Seifferts Büchern über die Familien Guggenheim und Hammel. Eintritt kostenfrei."    
 

   
    
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Donaueschingen 

Website des Fürstenberg-Gymnasiums Donaueschingen: Facharbeit von Peter Mayer zu "Donaueschingen im Nationalsozialismus" mit Seite zu "Juden in Donaueschingen"  (erstellt 2000); ebenda Artikel von Volkhard Huth im Südkurier vom 8. November 1988: "Als 'Volkszorn' Donaueschinger Gewaltspuren zog. Die Pogromnacht jährt sich zum 60. Mal. Von 18 Juden in der Stadt gelang 14 die Flucht*.     

Literatur:  

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 104.  
Berthold Rosenthal: Heimatgeschichte der badischen Juden S. 165-182.  
Heinrich Schnee: Die Hoffaktorenfamilie Kaulla an süddeutschen Fürstenhöfen, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 20 (1961) S. 238-267. 
Zur Orts-, Bevölkerungs- und Namenskunde von Donaueschingen, in: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar 11 (1904) S.174-273. 
Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen. 1-2. Bearbeitet von H.J. Wollasch. 1971-1972. Nr. 2412.  
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Baden-Württemberg Bd. II Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen S. 132-133. 
Naftali Bar Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof in Gailingen. Memor-Buch. Tübingen 1994.
Hans-Hermann Seiffert: "In Argentinien gerettet - in Auschwitz ermordet. Die Schicksale der jüdischen Familien Salomon Guggenheim aus Konstanz und Abraham Guggenheim aus Donaueschingen 1933-1942. Hrsg. von Erhard Roy Wiehn. Konstanz 2010. ISBN 978-386628-312-1.  
Informationen zum Buch auf einer Verlagsseite
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Stand: 08. Februar 2012