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Baden-Württemberg
Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Donaueschingen bestand eine jüdische Gemeinde von der
Mitte des 17.
Jahrhunderts (um 1650 erste Aufnahme, 1662 neun jüdische Familien, 1713 18
Familien in der Stadt) bis zur Ausweisung der jüdischen Bewohner
1743. Danach lebte noch eine Hoffaktorenfamilie in der Stadt. Seit 1768
war Madame Kaulla aus Hechingen Hoffaktorin
in der Stadt.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde des 17./18. Jahrhunderts
vermutlich eine Synagoge. Auch ein Anfang des 18. Jahrhunderts erwähnter Friedhof
war vorhanden (Lage unbekannt; beim Rathausbrand 1908 verbrannten die meisten
Urkunden). Um 1725 waren mindestens drei Häuser in jüdischem Besitz, zwei in der Biergasse (Haus
Nr. 72 Salomon Levi und Haus vor dem "Hirschen" Marum Weyl), eines in der Stockergasse (heute
Karlstraße zwischen "Engel" und "Sonne", Haus Nr.90 des Hofjuden Samuel Weil). Die Gebäude lassen sich nicht mehr genau
lokalisieren.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts und bis 1933 entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner
wie folgt: 1825 11 jüdische Einwohner, 1832 8, 1839 6, 1864 3, 1871 8, 1875 24,
um 1880 Höchstzahl mit 33, 1885 21, 1890 15, 1895 19, 1900 17, 1905 23,
1910 20, 1925 16, 1933 18.
Die jüdischen Einwohner des 19./20. Jahrhunderts bildeten auf Grund ihrer immer
geringen Zahl keine eigene jüdische Gemeinde,
sondern gehörten zur Synagogengemeinde in Gailingen
und benutzten die dortigen Einrichtungen. Der
jüdische Religionslehrer aus Randegg unterrichtete auch in Donaueschingen. Die in Donaueschingen verstorbenen
Personen wurden auf den jüdischen Friedhöfen in Randegg oder
Gailingen beigesetzt. In Gailingen sind
u.a. aus Donaueschingen beigesetzt (Grab-Nr. bezieht sich auf Dokumentation
Bamberger s. Lit.): Elias Bloch (1819-1881, Grabstein 130), Therese Heinrich
Weil geb. Bollag (aus Oberendingen, Schweiz, gest. 1914 in Donaueschingen, Grab
531), Ella Dukas (1875-1922, Grab 657), Samuel Dukas (aus Sulzburg, gest. in
Donaueschingen, Grab 658), Abraham Guggenheim (geb. 1874, gest. 1932, war
Besitzer des Kaufmannes Guggenheim, siehe Bericht zu seinem Tod unten).
Von den jüdischen Einwohnern Donaueschingens ist im Ersten Weltkrieg gefallen:
Siegfried Zadeck (geb. 2.9.1876 in Posen, gef. 30.11.1916).
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Gewerbe- und Handelsbetrieben im
Besitz jüdischer Personen / Familien sind bekannt: Manufakturwarengeschäft Fritz Bensinger
(Rosenstraße 11), Konfektions-, Kurz-, Weiß- und Spielwarengeschäft Fa. Guggenheim & Cie. oHG, Teilh.
Witwe von Abraham Guggenheim: Bona und Sohn Dagobert Guggenheim
(Max-Egon-Straße 14; das Kaufhaus Guggenheim war das damals größte Kaufhaus
der Region mit Filialen in Singen und Gaggenau), Konfektions- und Manufakturwarengeschäft Max Lindner
(Zeppelinstraße 10).
1933 lebten noch drei jüdische Familien mit zusammen 18 Personen in
Donaueschingen (Familien Bensinger, Guggenheim und Lindner). Vor den Geschäften der
jüdischen Familien standen am 1. April 1933 wie auch anderswo SS- und
SA-Patrouillen, um den Boykott durchzusetzen. Beim Novemberpogrom 1938 kam es zu Plünderungen und
Ausschreitungen gegen die noch am Ort lebenden jüdischen Personen. Dabei wurde
Siegfried Weil schwer verletzt In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Von den in Donaueschingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dagobert Guggenheim (geb.
1910 in Donaueschingen, zuletzt in Konstanz wohnhaft), Henriette Lindner geb.
Weil (geb. 1868 in Donaueschingen, zuletzt in Rastatt wohnhaft).
Berichte und
Dokumente aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Übersicht:
Allgemein
Donaueschingen
in den Handbüchern der israelitischen Gemeindeverwaltung (1924/32)
| Nennung
von Donaueschingen im Handbuch von 1924 |
Im "Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und
Wohlfahrtspflege", Berlin 1924/25 S. 125 wird Donaueschingen
auffallenderweise als separate Gemeinde innerhalb des Rabbinatsbezirkes
Gailingen aufgeführt, zu der auch die sechs in Stockach lebenden
jüdischen Personen gehörten. Als Gemeindevorsteher wird H. Lindner
erwähnt. Den Religionsunterricht bei beiden schulpflichtigen jüdischen
Kinder erteilte Lehrer Körber aus Randegg. Vermutlich bestand damals die
Hoffnung, dass durch weiteren Zuzug jüdischer Familien in der Stadt
dauerhaft eine jüdische Gemeinde bestehen könnte. |
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| Nennung
von Donaueschingen im Handbuch von 1932 |
Im
"Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege
in Deutschland", Berlin 1932 S. 356 erscheint Donaueschingen nicht
mehr separat. Vielmehr gehören die 16 in der Stadt und die sieben in
Stockach lebenden jüdischen Personen nun innerhalb des Rabbinatsbezirkes
Konstanz zur jüdischen Gemeinde in
Gailingen. |
Berichte zu einzelnen Personen
Zum Tod von Abraham Guggenheim (1932)
Artikel
im "Donau-Boten" vom 2. Dezember 1932 (Quelle: Stadtarchiv
Donaueschingen): "Guggenheim gest. Die
Einwohnerschaft der Stadt Donaueschingen wurde heute in den frühen
Morgenstunden von der fast unfassbaren Nachricht überrascht: unser
Mitbürger Abraham Guggenheim ist nicht mehr am Leben. Gestern hatte
man ihn doch noch vom frühen Morgen, bis zum späten Abend, in seinem
Geschäfte gesehen. Wohl klagte er etwas über Unwohlsein, aber der
stärkere Geschäftsgang vor Nikolaus ließ ihm keine Zeit an sich zu
denken. In den Nachtstunden einsetzende Herzkrämpfe führten um 1/4 11
Uhr zum Tode.
Herr Dr. Hall als Hausarzt der Familie, wurde eiligst herbeigerufen und
konnte aber nurmehr das Entfliehen des Lebens feststellen. Einige
Atemzüge - und das bitterschwere Ereignis war furchtbare Wahrheit, der
treusorgende Gatte, der liebe Vater, der tüchtige Geschäftsmann -
tot.
Mit dem Verstorbenen ist eine Persönlichkeit aus dem Leben geschieden,
die unter der Geschäftswelt unserer Stadt wie auch unter den
Konsumentenkreisen in Stadt und Bezirk einen hochachtbaren Namen besaß.
Abraham Guggenheim war ein Kaufmann voll edelster Gesinnung. Vor mehr als
dreißig Jahren hierher gekommen, gründete er das führende 'Kaufhaus
Guggenheim u. Cie', unter späterem Anschluss nach Singen und Konstanz. Zu
Anfang bezog die Familie Wohnung im Hause Mory, um dann nach
Fertigstellung des stattlichen Geschäftshauses dahin zu
übersiedeln.
Bei der heute vielfach notwendigen Kreditgewährung war der Verstorbene
immer sehr loyal. Die fortschreitende Ausdehnung seines Geschäfts war
deshalb stets von einem guten Sterne begleitet.
Bei Guggenheim fanden manche Bittsteller eine offene Hand, insbesondere
der Kinderunterstützungsverein, nennt in seinen Annalen immerfort den
Namen Guggenheim als eines edlen Wohltäters.
Eingeweihte wissen auch um das ideale Familienleben im Hause Guggenheim.
Um den so lieben Vater trauern die Gattin und und zwei Kinder, die in
Frankfurt und Berlin ansässig sind. Mit stets sorgender Liebe hat der
Vater sie allezeit umgeben, die nun in tiefstem Schmerze trauern. Ihnen
sei herzlichstes Beileid ausgesprochen.
So werden wir den im 59. Lebensjahre von uns gegangenen ehrbaren Kaufmann
A. Guggenheim in treuer Erinnerung bewahren. Er ruhe in
Frieden." |
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Abraham
Guggenheim (geb. 2. Februar 1874, gest. 1. Dezember 1932) wurde im
jüdischen Friedhof in Gailingen beigesetzt. Links: aus der Friedhofsdokumentation
von Naftali Bar Giora Bamberger zum Friedhof Gailingen (Memorbuch) Band 2
S. 486: Grab Nr. 780 in Abt. IV Reihe 4. |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen aus jüdischen Periodika
Anzeigen des Tuch- und Manufakturwarengeschäftes Mathias
Wolf Söhne (1887)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1887:
"Für unser Tuch- und Manufakturwaren-Geschäft suchen wir einen mit
guten Schulkenntnissen versehenen Lehrling. Samstag und Feiertage
geschlossen. Station im Hause.
Mathias Wolf Söhne, Donaueschingen,
badischer Schwarzwald) |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1887: "Ein
Volontair oder angehender Commis, der seine Lehre in einem
Manufakturwaren-Geschäft beendet und gute Zeugnisse besitzt, findet
Stelle sofort. Anspräche bei freier Station, Kopie der Zeugnisse und
womöglich Photographie erwünscht. Nur Süddeutsche oder Schweizer werden
berücksichtigt.
Mathias Wolf Söhne, Donaueschingen (badischer
Schwarzwald)." |
Dokumente zur jüdischen Geschichte aus dem Stadtarchiv Donaueschingen
Anzeigen der Gebrüder Bloch aus Randegg
(1839 / 1843)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 15. Oktober 1839 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
"Markt-Anzeige. Gebrüder Bloch aus Randegg
beziehen den nächsten Hüfinger Jahrmarkt mit ihrem jetzt ganz neu,
wohlassortierten Warenlager, als:
Feine und mittelfeine Tücher, Buskin, Drap de Zephir, Castrine, Biwer,
Moultine, Gesundheitsflanell, französische und sächsische Merinos und Tibets
in verschiedenen Breiten und Farben; Donna Maria, Mousseline de leine,
gedruckte und karierte Merinos, Perse oder Zitz von 4,5 und 6 Viertel
breit, die neuesten Dessins, die sich vorzüglich auf den Winter eignen,
im Preise von 10-30 kr.; baumwollene, wollene und seidene Giletzeuge von
verschiedenen Farben; Leinwand, Barchent und Trillich, vorzüglich zu
Matratzen.
Eine große, extra schöne Auswahl von Kabyl-, Tartann- und Bagdad-Shawls,
sowie von vielen hier nicht genannten Artikeln.
In Seidenwaren besitzen wir eine besonders große Auswahl des Neuesten,
als: Gros d' Berline, Gros d'Orleans, Gros d'Anglaise, Gros d'Naples,
Mousseline, Taffent, Halstücher für Herrn und Damen;
endlich haben wir eine schöne Auswahl von Waren, als Tischzeug, Percal,
Jaconet, Halbleinwand, besonders für Herrenhemden, zu 12, 15-20 kr.
Zum Schlusse empfehlen wir unsere Schlafröcke à la Wellington, für
Herrn und Damen, von 3 fl. 30 kr. - 8 fl.
Durch vorteilhafte Einkäufe und direkte Sendungen sind wir in den Stand
gesetzt zu auffallend billigen Preisen zu verkaufen. Unsere Bude
ist mit obiger Firma 'Gebrüder Bloch aus Randegg'
bezeichnet." |
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 26. September 1843 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
"Gebrüder
Bloch aus Randegg beziehen auch wieder bevorstehenden hiesigen Markt
mit ihrem bekannten, durch direkte Einkäufe best assortierten Schnitt-
und Modewarenlager. Dieselben sind diesmal durch besonders vorteilhafte Einkäufe
auf letzter Frankfurter Messe in den Stand gesetzt, zu auffallend niedrigen,
aber festgesetzten, noch nie so billig vorgekommenen Preisen zu verkaufen,
sie schmeicheln sich auch dieses Mal eines zahlreichen Besuches. Besonders
müssen sie bemerken, dass sie ihr Lager bloß am Freitag dem Verkauf feil
bieten können, was sie zur Richtschnur dem verehrlichen Publikum hiermit
mitteilen.
Ihre Bude befindet sich wie gewöhnlich vis à vis dem Gasthaus zum
weißen Lamm. Gebrüder Bloch." |
Antijüdische "Anekdote" (1843)
Artikel
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 22. Dezember 1843 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
"Anekdote.
Als die ersten Juden sich in Portugal niederließen, schrieben sie an ihre
Glaubensgenossen: 'Kommt schnell, das Land ist gut, die Menschen sind dumm
- Alles wird unser sein.' - Dasselbe meinten die Jesuiten, als sie sich in
der Schweiz einnisteten.". |
Anzeige der Textilhandlung von Isak Guggenheim in Löffingen
(1873)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 14. Oktober 1873 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
"Löffingen. Anzeige & Empfehlung.
Ich Unterzeichneter zeige hiermit dem hiesigen und auswärtigen Publikum
an, dass ich meine bisherige Wohnung verlassen und jetzt in dem käuflich
übernommenen Hause der verstorbenen Witwe Alois Hogg, Weinhändlers
wohne, und mein Geschäft auf bevorstehende Saison mit folgenden Artikeln
aufs reichhaltigste eingerichtet habe, nämlich in Tuch und Buckskin,
Double, Ratine, Eskimo, Poconne, Jackenstoffe, Halbtuch, Sommerstoffe,
Flanell in weiß und farbig, Bettbarchent 8/4 breit, Kölsch, Zeugle,
Stuhltuch, Madopolam, Chirting, Biber, Pique, Cassinet, Morei schwarz und farbig,
Unterrockstoffe, in ganz und Halbwolle, ferner eine schöne Auswahl in
fertigen Flanellhemden, sowie Damenmäntel und Jacken. Besonders mache
verehrtes Publikum auf eine große Auswahl in Kleiderstoffen, hauptsächlich
sehr schöne schwarze französische Merino 8/4 breit aufmerksam, sehr
schöne Bettfedern und Flaum etc. Alle diese Artikel verkaufe ich zu sehr
annehmbaren Preisen und lade daher verehrtes Publikum zu zahlreichem
Besuche ein, indem ich voraus versichere, dass jeder Käufer mein
Geschäft mit Zufriedenheit verlassen wird Isak Guggenheim". |
"Konkurs-Massen-Ausverkauf" der Firma
Einstein & Spiegel aus Konstanz -
Widerstand von Seiten eines "Vereins für Schutz und Förderung von Handel
und Gewerbe"(1893)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 7. Oktober 1893 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): "Konkurs-Massen-Ausverkauf.
Wir haben das Warenlager von Engesser & Frey käuflich aufs der
Konkurs-Masse übernommen und beabsichtigen solches zu enorm billigen,
aber streng festen Tax-Preisen schleunigst auszuverkaufen. Das Lager
besteht bekanntlich nur aus ganz neuen und soliden Waren in
Herren- und Damenkleiderstoffen, Herren- und Damen-Konfektion,
Aussteuer-Artikeln, Baumwollwaren etc. etc.
Der Ausverkauf dauert nur kurze Zeit und ist Gelegenheit geboten
außergewöhnlich billig einzukaufen.
Einstein & Spiegel aus Konstanz. Konkurs-Massen-Ausverkauf.
Eisenbahnstraße, früherer Laden von Engesser und Frey.
Verkauf spottbillig gegen Bar - Günstige Gelegenheit für
Wiederverkäufer." |
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 12. Oktober 1893 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 12. Oktober 1893 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 16. Oktober 1893 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
Anzeige der Firma
Einstein & Spiegel (1894)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. November 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
"Einstein & Spiegel. Wasserstraße
empfehlen für den Jahrmarkt ihr großes Lager in:
Reinwollenen und halbwollenen Winterkleiderstoffen, Regenmantelstoffen,
Flanellen,
Baumwollflanellen und Kölsche, Betttüchern, schon von Mark 1.20 an per
Stück,
Bettdecken, Wollecken & Pferdedecken
zu auffallend billigen Preisen.
Einstein & Spiegel Wasserstraße." |
Jüdische Pferdehändler auf dem Donaueschinger
Pferdemarkt (Anzeigen von 1894)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
"Wir besuchen den Donaueschinger Pferdemarkt wieder mit einem
Transport Französischer Pferde.
Leopold & Isak Levi, Pferdehändler aus Altbreisach."
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): "Der Unterzeichnete besucht den Donaueschinger
Pferdemarkt mit einem Transport Pferde und stehen dieselben vor
und nach dem Markte im Stalle des Herrn Gemeinderat Fischer in der
Mühlstraße.
Leopold Jacob Rothschild jg. aus Randegg." |
| Anmerkung zur Person (nach Samuel Moos:
Geschichte der Juden im Hegaudorf Randegg 1986 S. 145.150.152): Leopold
Jacob Rothschild ist am 18. Februar 1864 in Randegg geboren. Er war seit
1892 verheiratet mit Adele geb. Guggenheim (geb. 17.Februar 1869 in
Randegg). Die beiden wurden am 22. Oktober 1940 aus Randegg nach
Gurs deportiert, wo Adele bereits am 18. November 1940 umgekommen ist; ihr
Mann konnte aus dem Lager herausgeholt und in die USA gebracht
werden. |
Wirtschafts- und Hofgutsverkauf durch Jacob Bernheimer und Max H. Weil aus
Gailingen (1894)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
Fahrnis-Versteigerung durch Jacob Guggenheim in
Bonndorf und Kilian Guggenheim in Gailingen (1894)
Anzeige im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. März 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
Einladung zu einer "Antisemitischen
Unterhaltung" und Bericht dazu (1894)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 12. Mai 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
"Am Dienstag, den 15. dieses Monats, Abends 8 Uhr,
Antisemitische Unterhaltung im Gasthaus zum Engel.
Gesinnungsgenossen sind freundlichst eingeladen.
'Heil!!" |
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 17. Mai 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): "Gestern Abend fand im Gasthaus zum
'Engel' eine antisemitische Kundgebung statt, bei welcher beschlossen
wurde, am Freitag, den 25. dieses Monats zur Gründung eines
antisemitischen Vereins zu schreiten. Von der Aufnahme eines darauf bezüglichen,
uns heute zugegangenen Artikels müssen wir Umgang nehmen, da es durchaus
nicht in der Tendenz unseres Blattes liegt, zur Vergrößerung der Kluft
beizutragen, welche gegenwärtig, gewiss nicht zum Segen der Menschheit,
die einzelnen Klassen und Rassen in schroffer Weise spaltet" |
Anzeige von Josef Maier Weil aus Gailingen (1894)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 10. November 1894 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim & Cie.
(1897)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 13. Februar 1897 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 13. Februar 1897 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 20. Februar 1897 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 20. Februar 1897 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
Anzeige der Firma Gebr. Bernheim aus Tiengen
(1897)
Anzeige
im "Donaueschinger Wochenblatt" vom 20. Februar 1897 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
In
der Volksbibliothek ist eine antisemitische Zeitung ausgelegt (1912)
Artikel
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 11. Januar 1912 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
Im Lesezimmer der damaligen Volksbibliothek in Donaueschingen lagen 35 (!)
Zeitungen auf, darunter eine antisemitische Zeitung, ansonsten war das
ganze politische Spektrum durch die Zeitschriften abgedeckt. |
Gustav Weil verkauft sein Wohnhaus (1912)
Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 10. Dezember 1912 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): Besitzwechsel. Herr Gustav Weil
in Freiburg verkaufte sein in der Zeppelinstraße gelegenes Wohnhaus an
die Herren Gebr. Gleichauf, Elektrotechniker hier für 23.000 Mark.". |
Anzeige des Textilkaufhauses Heinrich M. Weil &
Cie. (1912)
Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 21. Dezember 1912 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
Text der Anzeige wird nicht abgeschrieben. Zum Lesen bitte
Textabbildung anklicken. |
Anzeige des Kaufhauses Guggenheim & Cie.
(1913)
Anzeige
im Einwohnermeldebuch Donaueschingen 1913 (Quelle: Stadtarchiv
Donaueschingen): |
Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim
& Cie. (1926 / 1929 / 1932)
Nach Meinung von Stadtarchivar Dr. Raimund Adamczyk (Donaueschingen) sind die
Anzeigen von Guggenheim mögliche Belege für die anderweitig geäußerte
Meinung, dass sich die einzelnen jüdischen Textilkaufhäuser für ihre Werbung
einer Art Werbezentrale bedienen konnten.
Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. September 1926 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen):
Text der Anzeige wird nicht abgeschrieben. Zum Lesen bitte
Textabbildung anklicken. |
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Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 14. Mai 1926 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 30. November 1926 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen) |
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Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. Oktober 1929 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 10. November 1932 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. November 1932 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. November 1932 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
Anzeigen
des Kaufhauses Heinrich M. Weil & Co. (1929)
Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 25. Oktober 1929 zur
Wiedereröffnung nach dem Umbau der Geschäftsräume (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen) |
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Anzeige im "Donaueschinger Tagblatt" vom 2. November 1929 nach
Wiedereröffnung der Geschäftsräume (Quelle: Stadtarchiv
Donaueschingen) |
Anzeigen des Kaufhauses Guggenheim (Anfang 1933)
Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 7. Januar 1933 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
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Anzeige
im "Donaueschinger Tagblatt" vom 7. Januar 1933 (Quelle:
Stadtarchiv Donaueschingen): |
Artikel über "Die Warenhausfrage" (Dezember
1933)
Artikel
im "Schwarzwälder Boten" vom 1. Dezember 1933 (Quelle: Stadtarchiv
Donaueschingen):
"Die Warenhausfrage.
Die Deutsche Wochenschau, deren Herausgeber der Staatssekretär Gottfried
Feder ist, veröffentlicht in ihrer Nummer vom 28. Oktober 1933 unter der
Überschrift 'Die leidige Warenhausfrage' folgende Notiz:
'Aus Köln wird gemeldet, dass ein Warenhauskonzern Prospekte verteilen lässt,
in denen darauf aufmerksam gemacht wird, dass nach den Aufrufen maßgebender
Persönlichkeiten, wie des Treuhänders der Arbeit für das Rheinland vom
26. September 1933 'kein Zweifel bestehe, dass Beamte, Arbeiter und
Angestellte bei Einkäufen in unserem Haus nicht mehr gehindert sind.'
Dies ist durchaus kein Einzelfall. Die Karstadt Tietz und Genossen
versuchen mit Vorliebe diesen Aufruf in ihrem Sinne zu deuten. Die
Regierung hat kein Interesse daran, den zahlreichen Angestellten solcher
Unternehmen Arbeit und Brot zu nehmen. Aber an der Einstellung der NSDAP
gegenüber den Warenhäusern hat sich im Grunde genommen nichts geändert.
Für Parteigenossen kommt der Einkauf im Warenhaus grundsätzlich nicht in
Frage, und jeder Nationalsozialist, der beim Einkauf in Uniform
angetroffen wird, wird sofort aus der Partei ausgeschlossen". |
Zur Geschichte des Betsaales
Die jüdische Gemeinde des 17./18. Jahrhunderts hatte vermutlich einen Betsaal (Standort
unbekannt; beim Rathausbrand 1908 verbrannten die meisten Urkunden).
Möglicherweise gab es auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen
Betraum am Ort, worüber jedoch keine Informationen
vorliegen.
Fotos
Das Kaufhaus
Guggenheim
(Quelle: die unter den Links angegebene
Facharbeit von Peter Mayer) |
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Das Kaufhaus lag im
Zentrum der Stadt |
Antijüdische Schmierereien am
Kaufhaus |
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Kleiderbügel der Firma Guggenheim & Co Donaueschingen, Holz, weiß lackiert,
einseitig schwarz bedruckt: “Guggenheim & Co Donaueschingen“ , Haken Metall,
Privatbesitz Maria Wällering/Donaueschingen.
(im Januar/Februar 2012 zu sehen bei einer Ausstellung der
Initiative "Stolpersteine" in Konstanz (Foto: Hans-H. Seiffert) |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Januar 2010:
Rundgang auf den Spuren der jüdischen Geschichte
in Donaueschingen |
Artikel im "Schwarzwälder Boten"
vom 28. Oktober 2010 (Artikel):
"Rundgang zum 'Jüdischen Leben'
Donaueschingen (ewk). Im Zuge der Ausstellung im Villinger Franziskaner
'Jüdisches Leben in Baden' lädt die Evangelische Erwachsenenbildung in Donaueschingen zu einer thematischen Stadtführung ein. Mit Stadtführerin Martina Wiemer kann man am Freitag, 29. Januar, bei einem Stadtrundgang erleben, wie sich jüdisches Leben über 400 Jahre in Donaueschingen darstellt.
Die besondere Stadtführung beleuchtet an ausgewählten Orten die jüdische Geschichte Donaueschingens bis ins Jahr 1940.
'Pogrome gegen jüdische Mitbürger vom Mittelalter bis zum Nationalsozialismus fanden nicht nur in den Städten und Großstädten statt, sondern mit ihrer ganzen Gewalt auch in Kleinstädten und Dörfern', erzählt Martina
Wiemer. Im Zuge ihrer Vorbereitung hat sie sich ausführlich mit Veröffentlichungen des Historikers Volker Huth beschäftigt, aber auch mit vielen Dokumenten aus dem Stadtarchiv, die ihr Raimund Adamszyk zugänglich machte.
Die Stadtführerin hat sich diesem Thema als Nicht-Fachfrau genähert. Erzählerisch will sie auf einem Gang vom Musikantenbrunnen über die Zeppelin-, Karl-, Halden- und Max-Egon-Straße bis zum Residenzbereich Einblicke vermitteln, wie jüdisches Leben in Donaueschingen ausgesehen hat. Dabei will auch sie auf die besondere Beziehung zu einigen jüdischen Mitbürgern in der Stadt eingehen, beispielsweise auf die Inhaber der ehemaligen jüdischen Textilkaufhäuser und -geschäfte in der Donaustadt.
Angeregt haben sie dazu Briefe von jüdischen Auswanderern, die sich im Stadtarchiv fanden.
'Zuerst war ich irritiert, wie fröhlich und aufgeschlossen die Briefe waren. Zu sehr bedrückte mich alles Wissen um die Gräueltaten des Naziregimes', erzählt
Wiemer. Aber dann habe es ihr sehr geholfen, sich mit der jüdisch-deutschen Geschichte in Donaueschingen
auseinander zusetzen. Und dabei leite sie die Zielsetzung 'Erinnern, Bedenken und Lernen'.
Die Stadtführung beginnt um 15 Uhr am Rathaus Donaueschingen. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung bei der Evangelischen Erwachsenenbildung unter der Telefonnummer 07721/845171 erforderlich. Bei entsprechender Nachfrage stellt Martina Wiemer eine zweite Stadtführung in Aussicht." |
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Artikel von Horst Fischer im "Südkurier" vom 30. Oktober 2010 (Artikel):
"Donaueschingen - Geschichte - Jüdische Spuren in der Stadt.
Am Montag hielt das offizielle Deutschland die Erinnerung an den Holocaust wach, gedachte der Opfer und auch der Auschwitz-Befreiung vor 65. Jahren. Spuren jüdischen Lebens, von denen manche auch in schlimme Schicksale führten, gibt es auch in Donaueschingen. Historiker wissen darum. Und gestern begab sich eine Themen-Exkursion auf diesen wenig bekannten Pfad der Stadtgeschichte.
Donaueschingen. Dass das Interesse an Spuren jüdischen Lebens in der Stadt durchaus wach ist, das belegte am gestrigen Nachmittag ein Angebot der evangelischen Erwachsenenbildung. Die Donaueschingerin Martina Wiemer hatte sich im Auftrag dieser Institution über jüdische Familien auf der Baar kundig gemacht und zu einer Führung eingeladen. Trotz des ausgesprochen widrigen Wetters waren immerhin zwanzig Teilnehmer gekommen. Demnächst – wir kündigen den Termin an – soll es eine Wiederholung der Exkursion geben.
Die Geschichte jüdischen Lebens auf der Baar geht zurück bis in das Jahr 1662, als Juden aus dem vorderösterreichischen Bräunlingen von Graf Ferdinand Friedrich von Fürstenberg ein Schutzbrief und damit verbunden ein Aufenthaltsrecht zugestanden wurden. Es war allerdings keine geradlinige Geschichte, die folgte; Juden wurden immer wieder ausgewiesen und diskriminiert und in ihren Rechten beschnitten. Misstrauen, Angst und Berührungsängste beherrschten das Verhältnis der Einheimischen zu den Juden. Die jüdischen Hoffaktorenfamilien Kaulla, später David, Kussel und Hirsch im 18. Jahrhundert blieben eine Ausnahme. Auch in der relativ liberalen Zeit des Großherzogtums lebten vergleichsweise wenige Juden in der Stadt.
1825 waren es elf, 1875 dann 24. Es gab in Donaueschingen nie eine Synagoge oder einen jüdischen Friedhof, man gehörte seit 1895 zur Gemeinde Gailingen. 1933 bei der Machtergreifung lebten noch 18 Juden hier, von denen 14 mit zwei neu geborenen Kindern Deutschland rechtzeitig verlassen konnten.
Vier Geschäftsleute hatten mit ihren Familien in der Stadt ihren Wohnsitz: An der Rosenstraße 11 der Handelsreisende Fritz Bensinger. Henriette und Sohn Max Lindner an der Zeppelinstraße 10. Siegfried Weil an der Haldenstraße 2 und die Erben des Kaufmanns Guggenheim in der Max-Egon-Straße 14. Ein besonders wechselvolles Schicksal hatte dieses Kaufhaus Guggenheim. Bereits vor
1938, der Reichspogromnacht am 9. November, arisiert, wurde es nach dem 9. November vom
'arischen' Geschäftspartner Max Schuler ganz übernommen. Bis 1987 bestand das Textilhaus Schuler, heute sind die Räume an den Drogeriemarkt Müller vermietet. Die Erben Guggenheims konnten 1950 allerdings gerichtlich erfolgreich gegen den Zwangsverkauf vorgehen.
Peinliches und Erschreckendes war dann 10. November 1938, am Morgen nach der Pogromnacht, zu erleben. Eine Synagoge konnte ja nicht angesteckt werden, also veranstalteten zivile SA-Männer einen Demonstrationszug durch die Stadt. Schüler des Gymnasiums in der Schulstraße wurden aus dem Unterricht heraus daran beteiligt. Sie mussten mit ansehen, wie die Wohnungen demoliert, die Wände mit antisemitischen Parolen beschmiert wurden. Siegfried Weil wurde brutal misshandelt. Für Zeitzeugen sind dies bis ins hohe Alter heute noch schmerzliche Erinnerungen. Zwei jüdische Bürger, Henriette Lindner und Dagobert Guggenheim, mussten den Weg des Holocaust bis zum bitteren Ende gehen, wurden in Perpignan und Auschwitz ermordet.
Wie in der Zeit des Dritten Reichs die Gesellschaft sich recht opportunistisch verhielt, erfuhr der Hofapotheker Bauer, dessen Familie wegen seiner halbjüdischen Frau gesellschaftlich geschnitten wurde.
Auch die ersten Donaueschinger Musiktage zwischen 1921 und 1926 liefern Spuren, haben doch jüdische Komponisten und Musiker wie Paul Dessau, Arnold Schönberg, Erwin Schulhoff, Kurt Weill und Otto Klemperer das erste Festival neuer Musik in Deutschland wesentlich mit geprägt.
Zu vielen dieser Schauplätze führte Maria Wiemer gestern ihre Exkursionsteilnehmer und skizzierte damit ein schillerndes Bild jüdischen Lebens in der Stadt. Vor allem auf überlieferte Erinnerungen stützte sie sich dabei. Erinnerungen, für die es bald keine Zeitzeugen mehr gibt."
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| Januar 2011:
Publikation zur Geschichte der Familie
Guggenheim |
Foto
links: Salomon und Toni Guggenheim.
Artikel von Philipp Ziegler im "Südkurier" vom 27. Januar 2011
(Artikel):
"Sie hatten keine Chance.
Die Geschichte der Familie Guggenheim: Zwischen Hoffen, Bangen und Mord im KZ Auschwitz-Birkenau
27. Januar 1945: Soldaten der russischen Roten Armee stoßen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau auf ausgemergelte, dem Tode nahe Häftlinge. 27. Januar 2011: Konstanz erinnert am Gedenktag für die Holocaust-Opfer an die Familie Guggenheim. Einige Mitglieder konnten fliehen – andere wurden von Nazis ermordet.
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung: So lässt sich die Geschichte der Guggenheims kurz zusammenfassen, wie sie Hans-Hermann Seiffert aus Konstanz in seinem Buch
'In Argentinien gerettet – in Auschwitz ermordet' (ISBN 978-386628-312-1) beschreibt. Sachlich zeichnet er das Leiden der jüdischen Familien aus Konstanz und Donaueschingen nach. Das Mitglied der Stolperstein-Initiative gibt einen tiefen Einblick in ihr Leben, wie Salomon und Toni Guggenheim in Konstanz erfolgreich bis in die 1930er Jahre einen Eisenwarenhandel an der Hüetlinstraße aufbauen und ihren Sohn Isi großziehen. Zeitgleich betreibt Tonis Schwester Bona Guggenheim mit ihrem Mann Dagobert eine Kaufhauskette mit Stammsitz in Donaueschingen.
Es scheint alles gut zu laufen. Salomon Guggenheim muss jedoch im Zuge der Wirtschaftskrise 1931 sein Geschäft aufgeben und aus dem Gehalt als Provisionsvertreter seine Familie ernähren. Nach dem Tod von Abraham Guggenheim führt seine Frau Bona die Kaufhäuser von Donaueschingen aus weiter. Sie unterstützt ihre sozial und wirtschaftlich angeschlagenen Konstanzer Verwandten, deren Sohn Isi 1938 nach Argentinien auswandert, mit Geld. Dieses wird aber knapp, erst recht, nachdem die Nazis sie enteignet und sie zum Verkauf ihrer Warenhäuser gezwungen haben. Bona und ihr Sohn Dagobert werden am Morgen nach der Reichspogromnacht schwer misshandelt, ihre Wohnung verwüstet. Dagobert muss für einige Wochen ins KZ Dachau. Die Guggenheims haben das Unheil seit langem erkannt. Bonas Ausreise ist beantragt und sie flüchtet im Dezember 1938 zu ihrer Tochter Erna nach Argentinien. Dagobert bleibt bei seiner Tante Toni und ihrem Mann Salomon in Konstanz. Auch sie hoffen auf die Ausreise.
22. Oktober 1940: Die drei Guggenheims dürfen je 50 Kilogramm Gepäck, Proviant für zwei Tage und 100 Reichsmark mitnehmen. Es ist der Tag der Deportation von 6500 Juden aus Baden und aus der Saarpfalz. Nach drei Tagen, eingepfercht in Waggons, erreichen sie das südfranzösische Internierungslager Gurs. Sie hausen in überfüllten Baracken, mit Ratten und Flöhen, die Hygienezustände sind katastrophal. Die Geschwister von Salomon Guggenheim überleben die Internierung nicht.
Wieder hoffen: Die drei Deportierten werden nach Les Milles verlegt, offiziell ein Transitlager. Wer hier ist, dessen Ausreiseantrag läuft und er hat gute Chancen auf Bewilligung. Was sie nicht wissen: Die Nazis haben zwischenzeitlich die Ausreise gestoppt – wegen der
'aufkommenden Endlösung'. Es ist ein vergebliches Hoffen und Bangen.
August 1942: SS-Hauptsturmführer Theodor Dannecker besucht das Lager. Er bereitet die Endlösung für Juden in Frankreich vor. 262 Internierte werden am 11. August 1942 in Viehwaggons gesteckt. In
Drancy stoßen fast 800 weitere Juden hinzu. Ziel: KZ Auschwitz-Birkenau. Nach ihrer Ankunft am 16. August 1942 werden sie
'selektiert'. 115 Männer wie Dagobert Guggenheim dürfen zum Arbeitsdienst. Alle anderen erwartet der Tod in den Gaskammern – darunter Salomon und Toni Guggenheim. Wann Dagobert Guggenheim starb, ist nicht bekannt. Sicher ist: nur einer der 115 Männer überlebte das KZ.
Gedenken an die Holocaustopfer, heute, Donnerstag, 19.30 Uhr im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums am Münster
(Konstanz). Schauspieler Frank Lettenewitsch liest Auszüge aus Seifferts Büchern über die Familien Guggenheim und Hammel. Eintritt kostenfrei." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 104. |
 | Berthold Rosenthal: Heimatgeschichte der badischen
Juden S. 165-182. |
 | Heinrich Schnee: Die Hoffaktorenfamilie Kaulla an süddeutschen Fürstenhöfen, in: Zeitschrift für
württembergische Landesgeschichte 20 (1961) S. 238-267. |
 | Zur Orts-, Bevölkerungs- und Namenskunde von Donaueschingen, in: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar 11 (1904)
S.174-273. |
 | Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen. 1-2.
Bearbeitet von H.J. Wollasch. 1971-1972. Nr. 2412. |
 | Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des
Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Baden-Württemberg Bd. II
Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen S. 132-133. |
 | Naftali Bar Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof in Gailingen.
Memor-Buch. Tübingen 1994. |
 | Hans-Hermann Seiffert: "In Argentinien gerettet
- in Auschwitz ermordet. Die Schicksale der jüdischen Familien Salomon
Guggenheim aus Konstanz und Abraham Guggenheim aus Donaueschingen 1933-1942.
Hrsg. von Erhard Roy Wiehn. Konstanz 2010. ISBN
978-386628-312-1.
Informationen zum Buch auf einer Verlagsseite. |

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