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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Donaueschingen bestand eine jüdische Gemeinde von der
Mitte des 17.
Jahrhunderts (um 1650 erste Aufnahme, 1662 neun jüdische Familien, 1713 18
Familien in der Stadt) bis zur Ausweisung der jüdischen Bewohner
1743. Danach lebte noch eine Hoffaktorenfamilie in der Stadt. Seit 1768
war Madame Kaulla aus Hechingen Hoffaktorin
in der Stadt.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde des 17./18. Jahrhunderts
vermutlich eine Synagoge. Auch ein Anfang des 18. Jahrhunderts erwähnter Friedhof
war vorhanden (Lage unbekannt; beim Rathausbrand 1908 verbrannten die meisten
Urkunden). Um 1725 waren mindestens drei Häuser in jüdischem Besitz, zwei in der Biergasse (Haus
Nr. 72 Salomon Levi und Haus vor dem "Hirschen" Marum Weyl), eines in der Stockergasse (heute
Karlstraße zwischen "Engel" und "Sonne", Haus Nr.90 des Hofjuden Samuel Weil). Die Gebäude lassen sich nicht mehr genau
lokalisieren.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts und bis 1933 entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner
wie folgt: 1825 11 jüdische Einwohner, 1832 8, 1839 6, 1864 3, 1871 8, 1875 24,
um 1880 Höchstzahl mit 33, 1885 21, 1890 15, 1895 19, 1900 17, 1905 23,
1910 20, 1925 16, 1933 18.
Die jüdischen Einwohner des 19./20. Jahrhunderts bildeten auf Grund ihrer immer
geringen Zahl keine eigene jüdische Gemeinde,
sondern gehörten zur Synagogengemeinde in Randegg und benutzten die dortigen Einrichtungen. Der
jüdische Religionslehrer aus Randegg unterrichtete auch in Donaueschingen. Die in Donaueschingen verstorbenen
Personen wurden auf den jüdischen Friedhöfen in Randegg oder
Gailingen beigesetzt. In Gailingen sind
u.a. aus Donaueschingen beigesetzt (Grab-Nr. bezieht sich auf Dokumentation
Bamberger s. Lit.): Elias Bloch (1819-1881, Grabstein 130), Therese Heinrich
Weil geb. Bollag (aus Oberendingen, Schweiz, gest. 1914 in Donaueschingen, Grab
531), Ella Dukas (1875-1922, Grab 657), Samuel Dukas (aus Sulzburg, gest. in
Donaueschingen, Grab 658), Abraham Guggenheim (geb. 1874, gest. 1932, war
Besitzer des Kaufmannes Guggenheim).
Von den jüdischen Einwohnern Donaueschingens ist im Ersten Weltkrieg gefallen:
Siegfried Zadeck (geb. 2.9.1876 in Posen, gef. 30.11.1916).
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Gewerbe- und Handelsbetrieben im
Besitz jüdischer Personen / Familien sind bekannt: Manufakturwarengeschäft Fritz Bensinger
(Rosenstraße 11), Konfektions-, Kurz-, Weiß- und Spielwarengeschäft Fa. Guggenheim & Cie. oHG, Teilh.
Witwe von Abraham Guggenheim: Bona und Sohn Dagobert Guggenheim
(Max-Egon-Straße 14; das Kaufhaus Guggenheim war das damals größte Kaufhaus
der Region mit Filialen in Singen und Gaggenau), Konfektions- und Manufakturwarengeschäft Max Lindner
(Zeppelinstraße 10).
1933 lebten noch drei jüdische Familien mit zusammen 18 Personen in
Donaueschingen (Familien Bensinger, Guggenheim und Lindner). Vor den Geschäften der
jüdischen Familien standen am 1. April 1933 wie auch anderswo SS- und
SA-Patrouillen, um den Boykott durchzusetzen. Beim Novemberpogrom 1938 kam es zu Plünderungen und
Ausschreitungen gegen die noch am Ort lebenden jüdischen Personen. Dabei wurde
Siegfried Weil schwer verletzt In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Von den in Donaueschingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dagobert Guggenheim (geb.
1910 in Donaueschingen, zuletzt in Konstanz wohnhaft), Henriette Lindner geb.
Weil (geb. 1868 in Donaueschingen, zuletzt in Rastatt wohnhaft).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen des Tuch- und Manufakturwarengeschäftes Mathias
Wolf Söhne (1887)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1887:
"Für unser Tuch- und Manufakturwaren-Geschäft suchen wir einen mit
guten Schulkenntnissen versehenen Lehrling. Samstag und Feiertage
geschlossen. Station im Hause.
Mathias Wolf Söhne, Donaueschingen,
badischer Schwarzwald) |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1887: "Ein
Volontair oder angehender Commis, der seine Lehre in einem
Manufakturwaren-Geschäft beendet und gute Zeugnisse besitzt, findet
Stelle sofort. Anspräche bei freier Station, Kopie der Zeugnisse und
womöglich Photographie erwünscht. Nur Süddeutsche oder Schweizer werden
berücksichtigt.
Mathias Wolf Söhne, Donaueschingen (badischer
Schwarzwald)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Die jüdische Gemeinde des 17./18. Jahrhunderts hatte vermutlich einen Betsaal (Standort
unbekannt; beim Rathausbrand 1908 verbrannten die meisten Urkunden).
Möglicherweise gab es auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen
Betraum am Ort, worüber jedoch keine Informationen
vorliegen.
Fotos
Das Kaufhaus
Guggenheim
(Quelle: die unter den Links angegebene Facharbeit von Peter Mayer) |
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Das Kaufhaus lag im
Zentrum der Stadt |
Antijüdische Schmierereien am
Kaufhaus |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Januar 2010:
Rundgang auf den Spuren der jüdischen Geschichte
in Donaueschingen |
Artikel im "Schwarzwälder Boten"
vom 28. Oktober 2010 (Artikel):
"Rundgang zum 'Jüdischen Leben'
Donaueschingen (ewk). Im Zuge der Ausstellung im Villinger Franziskaner
'Jüdisches Leben in Baden' lädt die Evangelische Erwachsenenbildung in Donaueschingen zu einer thematischen Stadtführung ein. Mit Stadtführerin Martina Wiemer kann man am Freitag, 29. Januar, bei einem Stadtrundgang erleben, wie sich jüdisches Leben über 400 Jahre in Donaueschingen darstellt.
Die besondere Stadtführung beleuchtet an ausgewählten Orten die jüdische Geschichte Donaueschingens bis ins Jahr 1940.
'Pogrome gegen jüdische Mitbürger vom Mittelalter bis zum Nationalsozialismus fanden nicht nur in den Städten und Großstädten statt, sondern mit ihrer ganzen Gewalt auch in Kleinstädten und Dörfern', erzählt Martina Wiemer. Im Zuge ihrer Vorbereitung hat sie sich ausführlich mit Veröffentlichungen des Historikers Volker Huth beschäftigt, aber auch mit vielen Dokumenten aus dem Stadtarchiv, die ihr Raimund Adamszyk zugänglich machte.
Die Stadtführerin hat sich diesem Thema als Nicht-Fachfrau genähert. Erzählerisch will sie auf einem Gang vom Musikantenbrunnen über die Zeppelin-, Karl-, Halden- und Max-Egon-Straße bis zum Residenzbereich Einblicke vermitteln, wie jüdisches Leben in Donaueschingen ausgesehen hat. Dabei will auch sie auf die besondere Beziehung zu einigen jüdischen Mitbürgern in der Stadt eingehen, beispielsweise auf die Inhaber der ehemaligen jüdischen Textilkaufhäuser und -geschäfte in der Donaustadt.
Angeregt haben sie dazu Briefe von jüdischen Auswanderern, die sich im Stadtarchiv fanden.
'Zuerst war ich irritiert, wie fröhlich und aufgeschlossen die Briefe waren. Zu sehr bedrückte mich alles Wissen um die Gräueltaten des Naziregimes', erzählt Wiemer. Aber dann habe es ihr sehr geholfen, sich mit der jüdisch-deutschen Geschichte in Donaueschingen
auseinander zusetzen. Und dabei leite sie die Zielsetzung 'Erinnern, Bedenken und Lernen'.
Die Stadtführung beginnt um 15 Uhr am Rathaus Donaueschingen. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung bei der Evangelischen Erwachsenenbildung unter der Telefonnummer 07721/845171 erforderlich. Bei entsprechender Nachfrage stellt Martina Wiemer eine zweite Stadtführung in Aussicht." |
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Foto
von Roger Müller: Die Geschichte dieses Hauses an der Max-Egon-Straße, in dem heute ein Drogeriemarkt residiert, ist eine der markantesten Spuren jüdischen Lebens in Donaueschingen. Gestern richteten die Teilnehmer einer Exkursion ihre Blicke
darauf.
Artikel von Horst Fischer im "Südkurier" vom 30. Oktober 2010 (Artikel):
"Donaueschingen - Geschichte - Jüdische Spuren in der Stadt.
Am Montag hielt das offizielle Deutschland die Erinnerung an den Holocaust wach, gedachte der Opfer und auch der Auschwitz-Befreiung vor 65. Jahren. Spuren jüdischen Lebens, von denen manche auch in schlimme Schicksale führten, gibt es auch in Donaueschingen. Historiker wissen darum. Und gestern begab sich eine Themen-Exkursion auf diesen wenig bekannten Pfad der Stadtgeschichte.
Donaueschingen. Dass das Interesse an Spuren jüdischen Lebens in der Stadt durchaus wach ist, das belegte am gestrigen Nachmittag ein Angebot der evangelischen Erwachsenenbildung. Die Donaueschingerin Martina Wiemer hatte sich im Auftrag dieser Institution über jüdische Familien auf der Baar kundig gemacht und zu einer Führung eingeladen. Trotz des ausgesprochen widrigen Wetters waren immerhin zwanzig Teilnehmer gekommen. Demnächst – wir kündigen den Termin an – soll es eine Wiederholung der Exkursion geben.
Die Geschichte jüdischen Lebens auf der Baar geht zurück bis in das Jahr 1662, als Juden aus dem vorderösterreichischen Bräunlingen von Graf Ferdinand Friedrich von Fürstenberg ein Schutzbrief und damit verbunden ein Aufenthaltsrecht zugestanden wurden. Es war allerdings keine geradlinige Geschichte, die folgte; Juden wurden immer wieder ausgewiesen und diskriminiert und in ihren Rechten beschnitten. Misstrauen, Angst und Berührungsängste beherrschten das Verhältnis der Einheimischen zu den Juden. Die jüdischen Hoffaktorenfamilien Kaulla, später David, Kussel und Hirsch im 18. Jahrhundert blieben eine Ausnahme. Auch in der relativ liberalen Zeit des Großherzogtums lebten vergleichsweise wenige Juden in der Stadt.
1825 waren es elf, 1875 dann 24. Es gab in Donaueschingen nie eine Synagoge oder einen jüdischen Friedhof, man gehörte seit 1895 zur Gemeinde Gailingen. 1933 bei der Machtergreifung lebten noch 18 Juden hier, von denen 14 mit zwei neu geborenen Kindern Deutschland rechtzeitig verlassen konnten.
Vier Geschäftsleute hatten mit ihren Familien in der Stadt ihren Wohnsitz: An der Rosenstraße 11 der Handelsreisende Fritz Bensinger. Henriette und Sohn Max Lindner an der Zeppelinstraße 10. Siegfried Weil an der Haldenstraße 2 und die Erben des Kaufmanns Guggenheim in der Max-Egon-Straße 14. Ein besonders wechselvolles Schicksal hatte dieses Kaufhaus Guggenheim. Bereits vor
1938, der Reichspogromnacht am 9. November, arisiert, wurde es nach dem 9. November vom
'arischen' Geschäftspartner Max Schuler ganz übernommen. Bis 1987 bestand das Textilhaus Schuler, heute sind die Räume an den Drogeriemarkt Müller vermietet. Die Erben Guggenheims konnten 1950 allerdings gerichtlich erfolgreich gegen den Zwangsverkauf vorgehen.
Peinliches und Erschreckendes war dann 10. November 1938, am Morgen nach der Pogromnacht, zu erleben. Eine Synagoge konnte ja nicht angesteckt werden, also veranstalteten zivile SA-Männer einen Demonstrationszug durch die Stadt. Schüler des Gymnasiums in der Schulstraße wurden aus dem Unterricht heraus daran beteiligt. Sie mussten mit ansehen, wie die Wohnungen demoliert, die Wände mit antisemitischen Parolen beschmiert wurden. Siegfried Weil wurde brutal misshandelt. Für Zeitzeugen sind dies bis ins hohe Alter heute noch schmerzliche Erinnerungen. Zwei jüdische Bürger, Henriette Lindner und Dagobert Guggenheim, mussten den Weg des Holocaust bis zum bitteren Ende gehen, wurden in Perpignan und Auschwitz ermordet.
Wie in der Zeit des Dritten Reichs die Gesellschaft sich recht opportunistisch verhielt, erfuhr der Hofapotheker Bauer, dessen Familie wegen seiner halbjüdischen Frau gesellschaftlich geschnitten wurde.
Auch die ersten Donaueschinger Musiktage zwischen 1921 und 1926 liefern Spuren, haben doch jüdische Komponisten und Musiker wie Paul Dessau, Arnold Schönberg, Erwin Schulhoff, Kurt Weill und Otto Klemperer das erste Festival neuer Musik in Deutschland wesentlich mit geprägt.
Zu vielen dieser Schauplätze führte Maria Wiemer gestern ihre Exkursionsteilnehmer und skizzierte damit ein schillerndes Bild jüdischen Lebens in der Stadt. Vor allem auf überlieferte Erinnerungen stützte sie sich dabei. Erinnerungen, für die es bald keine Zeitzeugen mehr gibt."
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 104. |
 | Berthold Rosenthal: Heimatgeschichte der badischen
Juden S. 165-182. |
 | Heinrich Schnee: Die Hoffaktorenfamilie Kaulla an süddeutschen Fürstenhöfen, in: Zeitschrift für
württembergische Landesgeschichte 20 (1961) S. 238-267. |
 | Zur Orts-, Bevölkerungs- und Namenskunde von Donaueschingen, in: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar 11 (1904)
S.174-273. |
 | Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen. 1-2.
Bearbeitet von H.J. Wollasch. 1971-1972. Nr. 2412. |
 | Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des
Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Baden-Württemberg Bd. II
Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen S. 132-133. |
 | Naftali Bar Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof in Gailingen.
Memor-Buch. Tübingen 1994. |

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