Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Oestrich (Gemeinde Oestrich-Winkel, Rheingau-Taunus-Kreis) 
Jüdischer Friedhof   
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde            
    
Siehe Seite zur Synagoge in Oestrich (interner Link)     
    
    
Zur Geschichte des Friedhofes  
     
Nördlich von Oestrich, westlich von Hallgarten besteht seit dem 17. Jahrhundert der älteste erhaltene jüdische Friedhof des Rheingaues, der von zahlreichen jüdischen Gemeinden und in einzelnen Orten lebenden jüdischen Familien in der Umgebung belegt wurde, u.a. von den Gemeinden Eltville, Rüdesheim usw.. Bis 1673 waren die Toten aus dem Rheingau in Mainz und Bingen beigesetzt worden. 1673 konnte der Friedhof in Oestrich angelegt werden. Als erster wurde am 23. Oktober 1673 Jacob ben Schlomo beigesetzt. 1727 wird eine Beerdigungsbruderschaft genannt, die sich um die Beisetzungen kümmerte. 
  
In anderen Rheingau-Gemeinden wurden erst im 19./20. Jahrhundert eigene Friedhöfe angelegt (Rüdesheim, Eltville).  
  
Rüdesheim und Eltville legen eigene jüdische Friedhöfe an (1890/97)    

Eltville AZJ 26111897.jpg (53690 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. November 1897: "Wiesbaden, 21. November (1897). Schon mehr als zwei Jahrhunderte besaßen die israelitischen Gemeinden des Rheingaus einen gemeinschaftlichen Friedhof in der Nähe von Hallgarten. Da der Zugang zu demselben überaus beschwerlich, so legte die israelitische Gemeinde Rüdesheim schon vor einigen Jahren einen eigenen Friedhof an. Nunmehr ist auch die israelitische Gemeinde Eltville dem Beispiele ihrer Schwestergemeinde gefolgt. Am 11. November ist der neue Friedhof durch den Bezirksrabbiner Herrn Dr. Silberstein aus Wiesbaden bei Gelegenheit einer Beerdigung geweiht worden, und machte die Weiherede desselben auf die dichtgedrängte Versammlung einen tiefen Eindruck."     

  
Hinweise zu einer Dokumentation des Friedhofes: Von der Kommission für die Geschichte der Juden wurde eine Dokumentation des Friedhofes erstellt, die von Gerd Friedt überarbeitet wurde. Bei den Arbeiten zur Dokumentation wurde es zunächst für möglich gehalten, dass ein aufgefundener Stein für "Jizchak, Sohn des Mordechai" schon auf 1625 datiert werden könnte. Letzteres ließ sich jedoch nicht bestätigen, die vom Alter her sonst noch datierbaren Grabsteine sind nicht älter als 1692/93 (Lea Bat Seligmann 1692, Bela, Tochter des Nathan K"tz 1693).   

Hinweis: Nach dem Verzeichnis der durch die "Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen" bearbeiteten hessischen Friedhöfe ergibt sich für den Friedhof in Oestrich die Zahl von 146 vorhandenen Grabsteinen aus der festgestellten Belegzeit von 1673 bis 1937 (1974). Siehe landesgeschichtliches Informationssystem Hessen - Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen und Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg: Dokumentation der jüdischen Friedhöfe in Hessen - Online zugänglich  
   
Das Memorbuch Oestrich Winkel, 1625 bis 1812, wurde von Gerd Friedt übersetzt, Kontakt über den Webmaster der Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite

    
    
Lage des Friedhofes    
    
Der jüdische Friedhof liegt 1 km westlich von Hallgarten. Von Oestrich kommend ist der Weg teilweise ausgeschildert.     
    
    
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 10.8.2008)  
("Dok.-Nr." bezieht sich auf die Nummerierung in der Dokumentation der "Kommission" [s.o.]; dort finden sich jeweils noch mehrere Fotos zu den einzelnen Grabsteinen von hervorragender Qualität)  
Weitere Fotos zum Friedhof siehe die Fotoseiten von Stefan Haas: https://www.blitzlichtkabinett.de/friedhöfe/friedhöfe-in-hessen/.

Hallgarten Friedhof 170.jpg (72995 Byte) Hallgarten Friedhof 171.jpg (108833 Byte) Hallgarten Friedhof 172.jpg (73718 Byte)
Von Oestrich kommend, ist der Weg teilweise ausgeschildert  Hinweistafel 
    
Hallgarten Friedhof 173.jpg (111653 Byte) Hallgarten Friedhof 174.jpg (117820 Byte) Hallgarten Friedhof 196.jpg (108813 Byte)
Das Eingangstor  Hinweisstein am Eingang (deutsch und hebräisch) 
   
Hallgarten Friedhof 176.jpg (129952 Byte) Hallgarten Friedhof 177.jpg (121447 Byte) Hallgarten Friedhof 186.jpg (126293 Byte)
Teilansichten des Friedhofes 
  Kleiner Grabstein im Vordergrund für
 "Hendle, Tochter des Jehuda genannt Löb Katz von 1713" 
(Dok. Nr. 5) 
Schwarzer Grabstein links für 
Max Strauss (gest. 1902, 
Dok. Nr. 134)  
     
Hallgarten Friedhof 193.jpg (120935 Byte) Hallgarten Friedhof 194.jpg (129063 Byte) Hallgarten Friedhof 184.jpg (120621 Byte)
Grabsteinfragment: 'ein aufrechter 
und gerader Mann... Abraham', 
nicht datierbar (Dok. 122) 
      
Grabstein hinten Mitte für "Jaakow, 
Sohn des Chawer Baruch
", gest. am
 Heiligen Schabbat, Halbfeiertag von
 Pessach, 19. Nissan 5493 (= 4. April 1733)
Blick über den Friedhof  
  
   
        
Hallgarten Friedhof 191.jpg (122794 Byte) Hallgarten Friedhof 190.jpg (121335 Byte) Hallgarten Friedhof 187.jpg (117866 Byte)
Zwei Grabsteine mit "Segnenden Händen", 
 der Kohanim: links für Sussmann Strauss
 (gest. 1870, Dok. 75), rechts für Lazarus
 Strauss
(gest. 1890, Dok. 108) beide 
aus Geisenheim
 Grabstein links für Fanny Mannheimer
 (gest. 1888, Dok. Nr. 102), rechts
 für Herz Mannheimer (1808-1884, 
Dok. Nr. 96) 
   
Grabstein links für Adelheid Nathan 
(gest. 1872, Dok. Nr. 84), rechts für 
Rosa Nathan aus Eltville (gest. 1887, 
Dok. Nr. 101) 
   
     
Hallgarten Friedhof 182.jpg (107650 Byte) Hallgarten Friedhof 180.jpg (107967 Byte) Hallgarten Friedhof 192.jpg (117628 Byte)
Grabstein für "Izchak, genannt Eisik, 
Sohn des verstorbenen Mordechai" 

(Datierung auf 1625 nicht sicher; Dok. Nr. 1)
 Grabstein für Herz Levitta von
 Rüdesheim (1816-1870, 
Dok. Nr. 77)  
Grabstein für Setta Hayum (gest. 1882)
 (Inschriftenbereich ist im Laufe des Jahrs
 2008 zerbrochen; Dok. Nr. 93) 
     
Hallgarten Friedhof 183.jpg (125940 Byte) Hallgarten Friedhof 178.jpg (138233 Byte) Hallgarten Friedhof 175.jpg (113875 Byte)
Grabstein links für Jenny Strauss geb. 
Strass
(1905-1970) und Eugen Strauss
 (1899-1974), rechts für Franziska Strauss
 geb. Leopold (1871-1934) und Moritz Strauss
 (1867-1937) (Dok. 143.147) 
 "Eduard Rosenthal und Frau Babette, 
Leo Strauss
und Frau Mina, Fanny Strauss
 und Tochter Johanna, Max Strauss, Else 
und Mutter Sophie Strauss - von den Nazis
 ermordete Bürger von Oestrich" (Dok. 145) 
"Ich glaube an das Gute im Menschen
 - Anne Frank - von den Freunden 
des Geistes der Einsicht" (Dok. 144) 
  
     

   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

November 2016: Der jüdische Friedhof in Oestrich soll hergerichtet in der Öffentlichkeit besser präsenter werden  
Artikel von Barbara Dietel im "Wiesbadener Kurier" vom 25. November 2016: "Jüdischer Friedhof in Oestrich soll mehr ins Bewusstsein gerückt werden
OESTRICH -
Manche Grabsteine sind umgefallen, andere sind schief, die Inschrift ist oft nur noch schwer zu lesen, Büsche und Bäume wachsen unkontrolliert, das Tor hält nicht wirklich jemanden vom Betreten ab: Der jüdische Friedhof, versteckt in den Weinbergen zwischen Oestrich und Hallgarten gelegen, friste sei Jahrzehnten ein Dasein, das seiner Bedeutung als Rheingauer Kulturdenkmal nicht angemessen sei, finden CDU und FDP.
Ziel ist ein würdiges Erscheinungsbild. Mit einem Antrag zur nächsten Stadtverordnetenversammlung verfolgen sie das Ziel, dem Friedhof, der zeitweise der einzige jüdische Friedhof im Rheingau war, mit dem nötigen Fingerspitzengefühl ein würdigeres Erscheinungsbild zu geben und ihn stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, so der FDP-Fraktionsvorsitzende Björn Sommer, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Planen und Bauen ist. Der Antrag habe im Ausschuss breite Zustimmung gefunden, so Sommer.
Der Oestricher Friedhof ist der älteste jüdische Friedhof im Rheingau. Er wurde ab etwa 1673 belegt, schreibt Dagmar Söder in der Denkmaltopografie des Rheingaus. Die letzte Bestattung soll dort 1974 stattgefunden haben. Auf der rund 4800 Quadratmeter großen Fläche stehen über 100 Grabsteine, teils mit hebräischer, teils mit deutscher Inschrift. Jüdische Gräber dürfen niemals eingeebnet werden, um für eine erneute Belegung Platz zu schaffen. Sie sind deshalb, wie es der Zentralrat der Juden formuliert, quasi 'steinerne Urkunden'. Anders als die Christen, die ihre Gräber mit Blumen schmücken, ist es jüdischer Brauch, zum Zeichen des Gedenkens an den Verstorbenen einen kleinen Stein auf den Grabstein zu legen. In Abstimmung mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen soll eruiert werden, was getan werden kann, um den Friedhof auf angemessene Weise intensiver zu pflegen. Nicht jeder findet Moos und Flechtenbewuchs oder abgestorbene Bäume gleich als Verwahrlosung. Zunächst sollen Büsche, Bäume, die Einfriedung und der Zustand der Grabsteine in Augenschein genommen und der Ansatz für die Unterhaltung des Friedhofs von 3.500 auf 7.000 Euro erhöht werden. Für denkmalpflegerische Maßnahmen, dazu würde beispielsweise das Aufrichten umgefallener und schiefer Grabsteine zählen, gebe es Mittel vom Land.
Erweiterte Öffnung für die Öffentlichkeit. Der jüdische Friedhof soll außerdem auf der städtischen Webseite als Rheingauer Kulturdenkmal dargestellt und so beschildert werden, dass auch Ortsunkundige ihn finden können. Geprüft wird außerdem, ob er zum 'Tag des offenen Denkmals' geöffnet werden und ob es dort in Abständen Führungen geben könnte. Der Heimatforscher Walter Hell habe bereits angeboten, dies zu machen, so Sommer. Geklärt werden soll auch, ob eine erweiterte Öffnung des Friedhofs für die Öffentlichkeit akzeptiert wird und wie diese konzeptionell umgesetzt werden könnte. Als erste, schnell umsetzbare Maßnahme schlägt die Koalition eine Hinweistafel am Eingang vor, die erste Informationen zu den ehemaligen jüdischen Gemeinden im Rheingau liefert"
Link zum Artikel  
 
Juli 2017: Besuch von Kommunalpolitikern auf dem Friedhof        
Artikel von Barbara Dietel im "Wiesbadener Kurier" vom 4. Juli 2017: "Oestrich-Winkeler FDP lädt zu Begehung des jüdischen Friedhofs in Oestrich
OESTRICH -
Steil und steinig ist der jüdische Friedhof, der versteckt in einem Wäldchen mitten in den Weinbergen zwischen Oestrich und Hallgarten liegt. Für Heimatforscher Walter Hell ist das kein Zufall. Für etwas anderes war die knapp fünf Hektar große Fläche, die der Mainzer Erzbischof den Juden damals zuwies, kaum zu gebrauchten, erzählt er den Zuhörern bei einer Begehung des sonst verschlossenen Friedhofs, zu der die FDP eingeladen hatte. Gemeinsam mit der CDU hat die FDP eine Initiative mit dem Ziel gestartet, den jüdischen Friedhof und das jüdische Leben mehr ins Bewusstsein zu rücken.
Fünf Hektar großes Mahnmal. Ein fünf Hektar großes Mahnmal sei der Friedhof, erklärt FDP-Fraktionsvorsitzender Björn Sommer. Jeder Grabstein sei ein Kulturdenkmal, das Beachtung verdiene. Gleichzeitig sei der jüdische Friedhof aber auch ein Ort der Andacht. 'Ein Spagat', weiß er. Der Erhalt der Gräber, die zum Teil sehr alt sind, aber auch die Erinnerung an das, was den Juden angetan wurde, darum geht es der Stadt.
Auf dem Friedhof in Oestrich wurden früher alle Juden aus dem Rheingau beerdigt. Die jüdischen Friedhöfe in Eltville und Rüdesheim wurden erst 1870 und 1890 eingerichtet. Das Grab von Mirjam Katz, die als erste 1673 in Oestrich begraben wurde, gibt es nicht mehr. Dafür einen Grabstein von 1625, der aber erst später auf den Friedhof gelangt sein könne, so Hell. Der älteste noch vorhandene Grabstein gehört zum Grab der am 1. November 1693 verstorbenen Bela, der Tochter von Nathan Katz, zitiert Walter Hell aus der Dokumentation der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, die alle 146 Gräber dokumentiert und kartiert hat. Familien wie die Mannheimer aus Eltville oder die Hallgarten aus Winkel sind auf dem Oestricher Friedhof in Gruppen bestattet. Der Metzger Eugen Strauß, der 1970 starb und seine Frau Jenny, die im vier Jahre später folgte, sind die Letzten, die auf dem Oestricher Friedhof begraben wurden.
Die jüdische Bestattungskultur ist mit der christlichen nicht zu vergleichen. Jüdische Grabsteine werden niemals eingeebnet, sie sind steinerne Urkunden ohne die im Christentum üblichen Blumen und Kerzen. Grabsteine, die im Laufe der Jahrhunderte schief stehen oder umgefallen sind, werden nicht in jedem Fall aufgerichtet.
In Oestrich gab es in der Nazi-Zeit auch Schändungen des Friedhofs. Oftmals ist die Inschrift – in vielen Fällen noch hebräisch, später auch deutsch – kaum oder gar nicht mehr zu lesen. Efeu und Moos zerstören den Sandstein. Was zum Erhalt der Gräber gemacht werden kann und was nicht, das müsse nun im Einzelfall mit den jüdischen Organisationen und der Denkmalpflege besprochen werden, erklärte FDP-Parteivorsitzende Gertie Zielke-Neblett. Erste Gespräche hat es schon gegeben. Zu überlegen sei auch, ob es möglich ist, einen Handlauf entlang des Hauptweges anzubringen, um das steile Gelände leichter begehbar zu machen, so Sommer. Auch wenn der jüdische Friedhof nicht zum diesjährigen Motto 'Macht und Pracht' des 'Tag des Denkmals' passe, will die FDP dafür werben, den Friedhof an diesem Tag der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es gibt auch schon einen ersten Entwurf für eine Hinweistafel am Friedhof. "  
Link zum Artikel  

      
       

Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Oestrich-Winkel  mit der Seite zum jüdischen Friedhof  http://www.oestrich-winkel.de/tourismus-freizeit/historisches/juedischer-friedhof/      
bulletZur Seite über die Synagoge in Oestrich (interner Link) 
bulletFotos zum Friedhof siehe die Fotoseiten von Stefan Haas: https://www.blitzlichtkabinett.de/friedhöfe/friedhöfe-in-hessen/

Literatur:    

bulletEine Dokumentation des Friedhofes Oestrich (unveröffentlicht) mit Übersetzung der hebräischen Grabinschriften wurde durch Gerd Friedt vorgenommen. Kontakt über den Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite.  

    
     

                   
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Stand: 18. Mai 2020