Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Synagoge Börneplatz 
(ehem. "Judenmarkt")   

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Zur Geschichte der Synagoge
 
 
  
Nach Einweihung der liberal geprägten Hauptsynagoge (Börnestraße) im Jahr 1860 mit Orgel, gemischtem Chorgesang usw. trennte sich die Israelitische Religionsgesellschaft von der Hauptgemeinde und errichtete wenig später eine eigene Synagoge in der Schützenstraße. Für diejenigen Gemeindeglieder der Hauptgemeinde, die konservativ geprägt waren, aber nicht Mitglied der Israelitischen Religionsgesellschaft werden wollten, wurde eine eigene Synagoge mit traditionell geprägtem Gottesdienst eingerichtet, zunächst in provisorischen Räumen im Kompostellhof. 1878 erhielt die Synagoge in dem orthodox gesinnten Dr. Markus Horovitz einen eigenen Gemeinderabbiner. Mit durch seine erfolgreiche Wirksamkeit wuchs die Zahl der sich zur orthodoxen Richtung innerhalb der Hauptgemeinde bekennenden Gemeindemitglied.  
  
Der Bau einer neuen Synagoge erwies sich sehr schnell als dringend nötig. Eine solche konnte am 10. September 1882 am früheren "Judenmarkt" (seit 1885 Börneplatz) auf dem Platz des ehemaligen jüdischen Fremdenhospitals durch Rabbiner Dr. Horovitz eingeweiht werden. Sie war für die nächsten Jahrzehnte eine der vier großen Synagogen, die das Stadtbild Frankfurts bis zur NS-Zeit prägten. Die Synagoge am Börneplatz - sie wurde auch "Neue Gemeindesynagoge" genannt - war nach den Plänen von Siegfried Kusnitzky in einem italienischen Renaissancestil erbaut worden und hatte zunächst 520 Plätze für Männer und - auf der Empore - 260 Plätze für Frauen. 
 
Knapp 20 Jahre nach ihrer Einweihung bot die Synagoge für die weiter gestiegene Zahl der Gemeindemitglieder keinen ausreichenden Platz mehr. 1901 wurde sie umgebaut und vergrößert. Nach dem Umbau verfügte sie über 1.200 Plätze. Die feierliche Wiedereinweihung war am 8. September 1901, wiederum durch Rabbiner Dr. Horovitz. 1904 konnte der Synagogenchor der "Neuen Gemeindesynagoge" sein 25-jähriges Bestehen feiern (siehe Bericht unten). 
 
Im September 1932 konnte das 50-jährige Bestehen der Synagoge am Börneplatz gefeiert werden.  
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Nationalsozialisten zerstört und in den folgenden Monaten abgebrochen. Die Steine wurden zur Errichtung der Mauer des Hauptfriedhofs verwendet.   
 
Weitere Informationen siehe den Wikipedia-Artikel Börneplatzsynagoge 
sowie (für die Synagoge vor Einweihung der Borneplatzsynagoge) den Wikipedia-Artikel Kompostellhof    
  
  
  
Berichte zur Geschichte der Synagoge     
Letzter Gottesdienst in der provisorischen Synagoge im Compostellhof und Einweihung der neuen Synagoge am "Judenmarkt" (1882)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1882:  "Frankfurt am Main, 11. September (1882). Die Räume der provisorischen Synagoge im Compostellhofe, welche seit der Vollendung der Hauptsynagoge im Jahr 1860 von den Gemeindeangehörigen traditioneller Richtung besucht worden, füllten sich gestern um 12 1/2 Uhr mit einer großen Menge Andächtiger. In tief empfundenen Worten gab Rabbiner Dr. Horovitz den Gefühlen Ausdruck, welche das Herz bewegen, wenn man eine liebgewordene Stätte mit einer anderen vertauscht. Insbesondere betonte er, dass nur durch die friedliche, einträchtige Gesinnung innerhalb der Gemeinde die Herstellung des neuen Gotteshauses ermöglicht worden, und mahnte zu fernerer Erhaltung der gottgefälligen Eintracht. Um 5 1/2 Uhr fand sodann die feierliche Einweihung der neuen Synagoge am Judenmarkt statt. Das Gebäude ist in italienischer Renaissance gehalten; es enthält 520 Sessel für Männer und auf der amphitheatralisch angelegten Empore 360 Sitze für Frauen. Die in der Mitte angebrachte Estrade (Almemor), welche ganz aus Marmor gearbeitet ist, wurde von der Herren Arthur und Julius May gestiftet; die heilige Lade (Thoraschrein), die davor angebracht feste Kanzel, die ewige Lampe und verschiedenes Andere sind aus freiwilligen Gaben hergestellt worden. Über den Toraschrein kommt eine durchbrochene Kuppel, welche erst in diesen Tagen aufgestellt werden kann. Zur Feier hatten sich Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, Vorstand und Ausschuss, sowie die Rabbiner und andere Angestellten der Gemeinde und zahlreiche Ehrengäste neben den Inhabern der Sitze eingefunden. Nachdem der neugegründete Chorverein einen einleitenden Gesang vorgetragen rezitierte der Vorbeter Münz einen Psalm; unter den üblichen Gesängen wurden die zehn Torarollen zur Estrade getragen, der Rabbiner sprach ein hebräisches Weihegebet und ein deutsches Gebet für den Landesherrn, die Rollen wurden wieder in den Schrein gebracht und die Predigt begann. Auch jetzt betonte Herr Rabbiner Dr. Horovitz wieder die Notwendigkeit friedlichen Zusammengehens und mahnte zu gottgefälligem Wandel. Er gedachte des gleichfalls gottgefälligen Werkes der Krankenpflege, dem der Platz, auf dem jetzt die Synagoge sich erhebt, geweiht war. Schließlich segnete er Alle, die zu dem Gelingen des Werkes beigetragen haben und sprach ein inniges Gebet für die Gemeinde und ihre Leiter, die Stadt und ihre Behörden, den Staat und seine Lenker. Die Feier schloss mit einem Psalm, von Chor und Vorbeter vorgetragen. Trotzdem kein Plätzchen leer war, war die Temperatur in der Synagoge gemäßigt; viel trägt hierzu die Beleuchtung bei. Hierzu sind nicht Lüster verwandt, sondern fünf leuchtende Gasringe, welche über dem die Synagoge bei Tag erhellende Oberfenster angebracht sind. Die Treppen sind äußerst bequem, sämtliche Räume haben überall Ausgänge, sodass eine Entleerung des Gebäudes in wenigen Minuten stattfinden kann."         

 
Einweihung der vergrößerten neuen Gemeindesynagoge am Börneplatz (1901)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12- September 1901: "Frankfurt am Main, 9. September (1901). Gestern wurde die vergrößerte 'Neue Gemeindesynagoge' am Börneplatz eingeweiht. Während des Umbaues hatte der Gottesdienst im Lokal der Suppenanstalt stattgefunden. Morgens nach dessen Beendigung hielt der Vorstand der Synagogeninspektion, Herr Raphael Ettlinger, eine kurze Ansprache an Herrn Rabbiner Dr. Horovitz und überreichte demselben das erste Exemplar einer eigens geprägten Medaille in Silber. Hierauf ergriff Herr Wilhelm Posen, der die Medaille entworfen und die Prägung veranlasst hatte, das Wort, um dem Herrn Rabbiner herzliche Glückwünsche auszusprechen. Er erinnerte daran, wie unsere Eltern blutenden Herzens Baustein an Baustein der 'Altschul' sich lösen sagen, und wie sie an der Zukunft der Gemeinde verzweifeln zu müssen glaubten. Heute aber sei das kaum Erwartete zur Wirklichkeit geworden: Frankfurts größte Synagoge werde durch die Gemeinde dem traditionellen Gottesdienste geweiht. An diesem Erfolge habe das Wirken des Herrn Rabbiners Horovitz den allergrößten Anteil. Er wünsche diesem ein langes, ferneres, segensreichen Wirken und die Unterstützung wackerer Männer, die ihm wie seither, im Sinne ihrer Väter zur Seilte stehen.   
Herr Rabbiner Dr. Horowitz dankte gerührt und schloss mit den Worten: 'Aber für Zion kommt ER als Erlöser, und für die, die sich bekehret von Schuld in Jakob..." (Jesaja 59,20).  
Die Medaille zeigt auf der einen Seite die 'Altschul' und darüber die 'Neue Synagoge' mit der Inschrift: 'Größer wird sein die Herrlichkeit des letzten Tempels als des ersten (Mordechai HaLevi), auf der anderen Seite: Frankfurt am Main ... und die Umschrift: 'Israelitische Gemeindesynagoge. Erbaut 5642 (1882), vergrößert 5661 (1901).' Sie ist in Silber, in Bronze und in Aluminium u haben. 
Nachmittags um 6 Uhr versammelten sich die Inhaber von Plätzen, die Mitglieder des Vorstandes und Ausschusses der Gemeinde und eine Anzahl geladener Gäste in der 'Neuen Synagoge'. Alle Plätze (es sind mehr als 1200) waren besetzt. Der Synagogenchor sang Mah towu, Oberkantor Ogutsch trug den 84. Psalm vor. Hierauf wurde das Minchagebet verrichtet, wobei Kantor Levy funktionierte. Unter Chorgesang wurden dann die Torarollen aus dem Sitzungssaale in feierlichem Zuge in die Synagoge getragen. Herr Rabbiner    
Frankfurt Israelit 12091901sa.jpg (177772 Byte) Dr. Horovitz sprach den Mi scheberach für die Gemeinde und das Gebet für den Landesherrn. Sodann erfolgte das Einheben mit Chorgesang. Die Festpredigt des Rabbiners begann mit den Worten (hebräisch und deutsch): 'Dies ist nichts als ein Gotteshaus, dies ist die Pforte des Himmels.' So sprach Jakob, als er fern von der Heimat auf einsamem Felde übernachtete und da den Traum von der Leiter hatte, die, zur Erde gestellt, mit ihrer Spitze in den Himmel ragte, und an der die Engel auf- und niederstiegen. Auch Israel, das Volk fern von seiner alten Heimat, hat nicht aufgehört zu träumen den schönsten Traum des Lebens, dass inmitten aller Leiden die Leiter gestellt ist, die mit ihrer Spitze in den Himmel ragt, und dass die Sendboten Gottes nicht aufhören, an ihr auf- und niederzusteigen. Überall, wo Israel auch nur eine kurze Rast gefunden, war es bestrebt, seinem Gotte ein Haus zu errichten. Das Judentum selbst ist eine Leiter, die gestellt ist auf der Erde, um Alle aufzurufen, sich dem Schöpfer zu heiligen. Es ist gestellt auf die Erde, das Buch der Lehre, das uns kündet, dass Gott geschaffen hat den Menschen nach seinem Ebenbilde, alle Menschen. Es ist die Lehre gestellt auf die Erde, die da sagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Dieses Judentum, dessen Weisen sagen: 'Dieses Wort ist eine große, allgemein umfassende Regel in der heiligen Lehre', während ein Anderer noch meint, es gebe ein noch umfassenderes Wort (hebräisch und deutsch) 'das ist das Buch von der Entstehung des Menschen', weil darin die Grundlage ist für alle Nächstenliebe, dass alle Menschen eines Ursprunge sind. Die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten ist gleichfalls an die ganze Erde gerichtet, sie lehrt, dass die Menschheit zur Freiheit, zur freuen Entfaltung ihrer Kräfte bestimmt ist. Der Redner besprach dann die Schickungen, die auch, wenn sie uns augenblicklich hart scheinen, doch zu unserem Besten dienen. Redner gedachte der Dahingeschiedenen, welche an dem ersten Bau sich beteiligten, und dankte den Männern, die sich um den zweiten Bau verdient machten, die wetteiferten, das Gotteshaus zu verschönern, den Künstlern, den Arbeitern und Allen, die sich um den Bau bemühten und schloss mit einem zu Herzen dringenden Gebete. Das Maariv-Gebet beendete die Feier, die allen Teilnehmern unvergesslich bleiben wird."        

  
25-jähriges Bestehen des Synagogenchores der Gemeindesynagoge am Börneplatz (1904)     

Frankfurt Frf IsrFambl 22011904.jpg (76212 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Januar 1904: "Frankfurt am Main. Der Synagogen-Chor der neuen Gemeinde-Synagoge am Börneplatz feierte Sonntag, den 17. dieses Monats das Fest seines 25-jährigen Bestehens im Saale der Frankfurt-Loge unter Teilnahme der jetzigen und früheren Chormitgliedern, der Gemeindebeamten, der Synagogen-Inspektoren usw. Herr Siegfried Herzfeld hielt die Begrüßungsansprache bei Beginn des Festessens und betonte darin besonders die Harmonie, die nicht nur im Gesang, sondern auch im Verkehr zwischen dem Chor einerseits und Gemeindevorstand und den Besuchern andererseits herrsche; ihm schlossen sich während des Festessens noch mehrere Redner an, unter anderem Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Horovitz und Herr Rabbiner Dr. J. Horovitz. Das Fest welches alle Teilnehmer in höchstem Maße befriedigte, fand, gewürzt von Chorliedern und Gesangsvorträgen, einen würdigen Abschluss". 

   
Für die Renovierung der Synagoge werden Gelder der jüdischen Gemeinde bereitgestellt (1914)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. April 1914: "Aus Frankfurt am Main wird berichtet: Der Ausschuss der israelitischen Gemeinde genehmigte in seiner Sitzung den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1914, der mit 1.862.063 Mark belanciert. Für die Anlagen eines neuen Friedhofes sind 97.000 Mark für Terrainerwerb, 100.000 Mark für Straußenherstellung usw., 20.000 Mark für Vorarbeiten vorgesehen, für die Renovierung der Börneplatz-Synagoge 41.000 Mark. Der neue Friedhof kommt an der Homburger Landstraße nächst der Friedberger Warte zu liegen".        

     
Bekanntgabe von Gottesdienstzeiten zu den hohen Feiertagen (1918)           

Frankfurt FrfIsrFambl 06091918as.jpg (383525 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. September 1918:    

 
Bekanntgabe von Gottesdienstzeiten zu den hohen Feiertagen (1914)     

Frankfurt Frf IsrFambl 18091914.jpg (273582 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. September 1914:   


Gedächtnisgottesdienst für die Gefallenen des Krieges in der Gemeindesynagoge Börneplatz (1919)       

Frankfurt FrIsrFambl 10011919.jpg (81495 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Januar 1919:    

  
Stahlhelmleute bekommen "Asyl" in der Synagoge am Börneplatz (1930)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1930:     

 
50-jähriges Jubiläum der Synagoge am Börneplatz (1932)       

Frankfurt FrIsrGbl 091932.jpg (430241 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt" vom September 1932: "Jubiläum der Synagoge am Börneplatz. Die Synagoge am Börneplatz. Von Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann. I. Die Synagoge am Börneplatz feiert in wenigen Wochen ihren fünfzigjährigen Bestand. Das fünfzigjährige Bestehen einer Synagoge ist wohl kein seltener und ungewöhnlicher Fall. Zumal in einer der ältesten und an blühenden jüdischen Einrichtungen und Anstalten reichsten Gemeinden Deutschlands. Aber schon der Bau dieser Synagoge war ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte unserer Gemeinde. Er bedeutete, nach mancherlei Verhandlungen und Auseinandersetzungen, die rückhaltlose Anerkennung des unantastbaren lebensrechtes und die rückhaltlose Würdigung des ungebrochenen Lebenswillens des Tora- und traditionstreuen Judentums innerhalb der alten Frankfurter Kehilla. 
Auch nach dem Bau dieser Synagoge sind noch andere konservative Bethäuser, von der Gemeinde unterstützt und gefördert, entstanden. Aber die Synagoge am Börneplatz blieb, was sie von allem Anfang an zu werden bestimmt war: der Mittelpunkt für alle Ausstrahlungen und Betätigungen des gesetzestreuen jüdischen Lebens innerhalb der großen Einheitsgemeinde. Und je zielstrebiger und wirksamer sie das gesetzestreue jüdische Leben zu fördern wusste, desto mehr wuchs ihre Bedeutung und desto größer wurde der Radius ihrer Wirksamkeit. Heute ist sie unbestritten ein in mehrfacher Hinsicht vorbildlich wirkendes religiöses Kraftzentrum. Der fünfzigjährige Bestand dieser Synagoge rechtfertigt daher ein Wort rückschauender Betrachtung und Würdigung.  
II. Auf die Austrittsbewegung und die damit zusammenhängenden Verhandlungen und Auseinandersetzungen, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Gemüter der gesetzestreuen Mitglieder der Frankfurter Gemeinde aufwühlten, soll hier nicht eingegangen werden (Anmerkung: Dr. H. Heinemann s. A. hat aufschlussreiche Aufzeichnungen über diese Beratungen und Verhandlungen, an denen er aktiv beteiligt war, hinterlassen; vgl. den Beitrag von Prof. Heinemann - Breslau in dieser Nummer). Genug, die zunächst von allen gesetzestreuen Mitgliedern der Gemeinde gehegte Hoffnung, es werde sich die Einheit und Gemeinsamkeit der rituellen Einrichtungen ermöglichen lassen, hat sich nicht erfüllt. Als im Jahre 1876 nach dem Inkrafttreten des preußischen Austrittsgesetzes die Anhänger des Austrittsgedankens immer weitere Forderungen in der Richtung der Selbständigkeit stellten und nur noch eine ganz lose Verbindung mit der Gemeinde zugestehen wollten, beschloss der Gemeindevorstand, durch die Neuregulierung des religiösen (??) Wesens auf streng gesetzestreuer Grundlage sowie durch den Bau eines allen religionsgesetzlichen Ansprüchen genügenden Ritualbades - ein konservativer Gottesdienst bestand bereits mit der Synagoge im Compostellhof - für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der gesetzestreuen Gemeindemitglieder im eigenen Bereiche Sorge zu tragen. Die Schaffung und Überwachung dieser religiösen Einrichtungen sollte einem gesetzestreuen Rabbiner übertragen werden. Zuerst bestand die Absicht, den zu berufenden Rabbiner lediglich mit den Amtsobliegenheiten eines Gemeinde-Dajan zu betrauen. Allein Rabbiner Dr. Markus Horovitz seligen Andenkens, damals Rabbiner zu Gnesen, den man für diese Stelle gewinnen wollte, knüpfte seine Zustimmung an die Erfüllung zweier Forderungen. Er verlangte die Umwandlung der ausgeschriebenen Dajanstelle in die eines Gemeinderabbiners mit allen Rechten und Pflichten eines solchen. Und er verlangte ferner, dass ihm neben den rituellen Einrichtungen, die ausschließlich seiner Oberaufsicht zu unterstellen wären, auch eine Synagoge überlassen werde, wo er von der Kanzel herab zu seiner Gemeinde sprechen könne. Beide Forderungen wurden erfüllt. Und so wurde Rabbiner Horovitz - es war dies im Jahre 1878 - die konservative Synagoge im Compostellhof zur Verfügung gestellt. 
Sie erwies sich schnell genug als unzulänglich. Sie hatte keinen Raum für die wachsende Schar der den traditionstreuen Gemeindegottesdienst Besuchenden. Und sie bot keinen würdigen äußeren Rahmen für die Wirksamkeit des bedeutenden und von Tatfreudigkeit beschwingten rabbinischen Führers. S entstand im Jahre 1882 die konservative Gemeindesynagoge am Börneplatz. Und mit dieser Synagoge begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der alten Frankfurter Kehilla: die Erstarkung und Entfaltung der sich selbstbewussten und über den eigenen gesinnungsgenössischen Kreis und über die eigene Gemeinde hinaus wirkenden Gemeinde-Orthodoxie.  
Es dauerte nicht lange, und schon wurde der Ruf laut: 'Dehne den Raum deines Zeltes aus, spanne die Decken deiner Wohnungen auseinander.' Im Jahre 1901 wurde die Synagoge erheblich erweitert und ihr Fassungsraum um mehr als 400 Sitzplätze vergrößert. Aber selbst die dergestalt erweiterte Synagoge vermöchte nicht dem täglich wachsenden Bedürfnis    
Frankfurt FrIsrGbl 091932a.jpg (496021 Byte)  zu genügen. Obgleich durch die weitgehendste Ausnutzung des verfügbaren Raumes immer weitere Sitzplätze gewinnen wurden, sodass die Synagoge heute über mehr als 1.300 Sitzplätze verfügt, mussten bis in die letzten Jahre hinein Jahr für Jahr sehr viele Gesuche um Zuweisung von Synagogenplätzen unberücksichtigt bleiben. Es gab Gemeindemitglieder, die 10-15 Jahre lang ihr diesbezügliches Ansuchen wiederholen. Und da eine nochmalige bauliche Erweiterung der Synagoge wegen des hart angrenzenden alten Friedhofes nicht mehr möglich war, wurde vor wenigen Jahren der Bau einer neuen großen konservativen Gemeindesynagoge ins Auge gefasst. Die Wirtschaftsnot hat freilich vorerst die Verwirklichung dieses Planes vereitelt. Dazu kam der Umstand, dass die Abwanderung vieler Gemeindemitglieder nach der Peripherie der Stadt auch der Börneplatz-Synagoge viele treue Besucher entzogen hat. Gleichwohl ist immer wieder zu bemerken, dass zahlreiche Synagogenbesucher trotz großer Entfernung und obgleich der Weg sie an anderen Synagogen vorbeiführt, der Börneplatz-Synagoge die Treue halten. - Worin besteht eigentlich die Anziehungskraft dieses Bethauses, worin liegt seine Eigenheit und Besonderheit?  
III. Was diese Synagoge vor allem kennzeichnet, ist die treue Ausprägung des geschichtlich Überlieferten und religionsgesetzlich Gebotenen. Wie die Inneneinrichtung und Ausstattung, ist auch die ganze Gestaltung des Gottesdienstes betont traditionell. Man wird nur wenige Synagoge in Deutschland finden, in der alles dergestalt altjüdischen Geist atmet und alle einschlägigen religionsgesetzlichen Bestimmungen so gewissenhaft innegehalten werden wie in dieser Synagoge. Wird doch hier an dem alten Frankfurter Minhag, wie es im 'Jaussef Omietz kolmel...' des R. Joseph Hahn und im 'Diwre Kehillaus' des ... niedergelegt ist, in allen Einzelheiten festgehalten.  
Dabei wir sowohl aus dem Geist der Tradition heraus auf den korrekten und seelenvollen Vortrag bei den Gebeten und der Toralesung und nicht minder auf die ästhetisch gefällige äußere Form des Gottesdienstes großes Gewicht gelegt. In diesem Punkte musste gegen vielfach verbreitete Irrtümer und Vorurteile angekämpft werden. Zur Rechtfertigung mancher synagogaler Reformen, die den Gottesdienst in mancher Hinsicht um den überlieferten jüdischen Inhalt und die überlieferte jüdische Form gebracht haben, wurde immer wieder behauptet, der traditionell gestaltete Gottesdienst entbehre der äußeren Würde und ästhetisch ansprechenden Form. Das Gegenteil ist der Fall. Der dem überlieferten Religionsgesetz entsprechende Gottesdienst bedingt geradezu die würdige und gefällige Form. Freilich nicht eine kalte, steife und mechanisierte Form, sondern eine Form, die warmes, blutvolles Leben umhüllt. Die wirksamste und strengste Synagogen-Ordnung ist die kodifizierte Halacha. Man braucht nur die im Schulchan Aruch O. Ch. Cap. 98 und 151 kodifizierten halachischen Vorschriften verständnisinnig zu erfüllen, und die würdige und schöne Gestaltung des Gottesdienstes ist gewährleistet. Die weiten Kreisen nicht nur der Frankfurter Judenheit wenigstens einigermaßen gezeigt zu haben, ist ein Verdienst der Börneplatz-Synagoge. Einen großen Anteil an diesem Verdienst hat - wir wollen nur von denen sprechen, die nicht mehr unter den Lebenden weilen - Oberkantor Ogutsch seligen Andenkens, ein Meister des Chasonus, der bis in sein Greisenalter hinein sich die Kraft bewahrte, durch seinen melodienreichen und seelenvollen Vortrag das Verständnis unserer herrlichen Gebete der ergriffen lauschenden Gemeinde zu erschließen.  
Die Synagoge ist aber nicht nur eine Stätte des Gebetes, ein Bet HaTefilla, sie soll auch eine Stätte der Belehrung, ein Bet Hamidrasch sein (vgl. p. Megilla 3.1). Die rabbinischen Führer, die an dieser Synagoge wirkten, machten es sich denn auch allezeit zur hohen Pflicht, in Predigten, Ansprachen und Lehrvorträgen lebendiges Torawissen zu vermitteln, die heiligen Grundschriften unseres Judentums zu erklären und zu deuten und selbst dem nicht Torakundigen einen Einblick in die wundervolle Welt der Agada und, soweit möglich, auch der Halacha zu verschaffen.
Sie waren sich auch stets dessen bewusst, dass die Synagoge - in unseren Quellenschriften meist Beth HaKnesset d.h. Versammlungshaus, genannt - nicht zuletzt auch bestimmt ist, in jedem Synagogenbesucher das Gefühl inniger Verbundenheit mit dem jüdischen Bruder, der jüdischen Gemeinde und der ganzen Volksgemeinschaft, sowie das Gefühl tätiger Anteilnahme an allem, was die jüdische Gemeinschaft freudig oder schmerzlich bewegt, zu fertigen und zu vertiefen. 
IV. Die große Bedeutung unserer Synagoge beruht aber ganz besonders aufr der Wirkung, die von ihr ausging. Ihr war es gegeben, zwei rabbinische Führer von großem Format wirken zu sehen. Markus Horovitz und N. A. Nobel seligen Andenkens waren verschieden in Geisteshaltung, Wesensart und dadurch auch in der Art ihres Wirkens. Jeder der beiden war eine Führerpersönlichkeit von eigener Prägung. Aber gemeinsam war beiden umfassende Toragelehrsamkeit, tiefinnige Frömmigkeit und abgeklärte Milde und Güte. Und gemeinsam war ihnen die Vielseitigkeit der geistigen Begabung, die Weite des Gesichtskreises und die suggestive Kraft der Beredsamkeit. Wenn die Weisen im Talmud sagen: Nicht zwei Propheten haben eine und dieselbe Art der prophetischen Rede (Sanh. 89a), so gilt dies im Grunde genommen auch von den großen Rednern. Jeder begnadete Redner hat seine eigene Sprache. Auch Horovitz und Nobel hatten die ihrige. Und beide wirkten nachhaltig durch ihr Wort und durch die Persönlichkeit, die hinter dem Wort stand. Gemeinsam war ihnen endlich die Überzeugung von der Einheit des Judentums und von der Pflicht der dazu Berufenen, nciht zu verlassen die anders Denkenden und Lebenden, sondern vielmehr, ohne auch nur das Geringste von der eigenen Überzeugung und dem eigenen Standpunkt aufzugeben, in den großen Gemeinden und Verbänden durch Wort und Tat für die Sache des überlieferten Judentums zu werben und zu wirken. 
Durch das Wirken dieser beiden Männer hat die Synagoge am Börneplatz das jüdische Leben Frankfurts, und nicht nur Frankfurts, in reichem Maße befruchtet. Es wuchs das Verständnis für die Bedeutung des Torawissens. Jüdische Werte wurden vermittelt den Nahen und den Fernen. Das heranwachsende Geschlecht wurde besser als früher in die Kenntnis des Judentums eingeführt. Schlummerndes jüdisches Leben wurde geweckt und entfaltet. Der Kreis der Gesetzestreuen innerhalb der Gemeinde wurde zusehends größer und größer. Neue Menschen, insbesondere junge Menschen, wurden für die Sache des alten Judentums gewonnen oder aktiviert. Der Geist des Friedens und der Harmonie waltete in der Gemeinde. Die von Rabbiner Horovitz geschaffenen religiösen und rituellen Einrichtungen blühten und wurden Musterbilder für andere Gemeinden. 
So darf also ein Zweifaches ausgesprochen werden. Die Synagoge am Börneplatz hat während ihres halbhundertjährigen Bestehens ein Erhebliches dazu beigetragen, der Frankfurter Gemeinde den Ruf einer Mutter- und Mustergemeinde in Israel zu erhalten. Und darüber hinaus hat sie in nicht geringem Maße die gemeindepolitische Orientierung und die Gestaltung der Gemeindeverhältnisse im Geiste des geschichtlich überlieferten Judentums in manchen Kreisen der deutschen Judenheit beeinflusst."          


50-jähriges Bestehen der Synagoge am Börneplatz (1932)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1932:     

 
Bekanntgabe von Gottesdienstzeiten zu den hohen Feiertagen (1938)    

Frankfurt GblIsrGF Nov1938 22.jpg (221149 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom November 1938:      

   
   
Adresse/Standort der Synagoge  Börneplatz 16/18 (bis zur Zerstörung 1938)      
  
  
Fotos   

 Historische Fotos der Synagoge 
am Börneplatz
 
Frankfurt Syn Boerneplatz 030.jpg (49780 Byte) Frankfurt Syn Boerneplatz 030a.jpg (377826 Byte)
     
     
  Frankfurt Syn Boerneplatz 041.jpg (73448 Byte)   
     
     
 Die Zerstörung der Synagoge  Frankfurt Syn Boerneplatz 042.jpg (204303 Byte) Frankfurt Syn Boerneplatz 040.jpg (54575 Byte)
   Brand der Synagoge am 
10. November 1938 
 Der Abbruch der Synagoge in den 
Monaten nach dem November 1938 
       
Erinnerungen an die Synagoge im jüdischen Museum "Judengasse     
Frankfurt Judengasse MAu 120.jpg (93724 Byte) Frankfurt Judengasse MAu 123.jpg (107609 Byte) Frankfurt Judengasse MAu 122.jpg (97341 Byte)
Lorbeerornamente (Fragmente) aus dem
 oberen Teil des Toraschreines 
Informationstafel zur Geschichte der
 Synagoge am Börneplatz  
 
     
Frankfurt Judengasse MAu 121.jpg (108837 Byte) Frankfurt Judengasse MAu 124.jpg (114191 Byte)  
Bodenfließen der Börneplatzsynagoge     

  
   
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Frankfurt  

Website www.judengasse.de  

Website des Jüdischen Museums der Stadt Frankfurt am Main   

Website des Fritz Bauer Instituts  

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Frankfurt 

Website des Projektes Frankfurt am Main 1933-1945  

Website http://www.juedisches-leben-frankfurt.de/     

Literatur:  

Frankfurter Historische Kommission (Hrsg.): Frankfurt am Main – Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4158-6 (Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission 17).
Michael Best (Hrsg.): Der Frankfurter Börneplatz. Zur Archäologie eines politischen Konflikts. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-5962-4418-8.    
Hans-Otto Schembs: Der Börneplatz in Frankfurt am Main. Ein Spiegelbild jüdischer Geschichte. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-7829-0344-7.   
Stadt Frankfurt am Main (Hrsg.), Gedenkstätte am Neuen Börneplatz für die von Nationalsozialisten vernichtete dritte jüdische Gemeinde in Frankfurt. Red. Klaus Kemp, Sigmaringen 1996. 
Janine Burnicki: Steine der Erinnerung. Der Konflikt um den Frankfurter Börneplatz und die "Gedenkstätte am Neuen Börneplatz für die von Nationalsozialisten vernichtete dritte jüdische Gemeinde in Frankfurt am Main". Magisterarbeit, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main 2000
Stadt Frankfurt am Main (Hrsg.): Gedenkstätte Neuer Börneplatz Frankfurt am Main. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-2323-5  

    
      

                   
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Stand: 14. Dezember 2016