Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Frankfurt am Main  
Jüdischer Friedhof Eckenheimer Landstraße  
 (mit neuem Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschaft)   

Übersicht: 

Zur Geschichte des Friedhofes an der Eckenheimer Landstraße  
Beiträge zur Geschichte des Friedhofes   
(aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts)  
Die Lage des Friedhofes    
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

     
Zur Geschichte des Friedhofes an der Eckenheimer Landstraße      
   
Die Pläne zur Anlage eines neuen Friedhofes gehen in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. 1914 wurden Haushaltsmittel der jüdischen Gemeinde zum Grundstückserwerb und für Anlagearbeiten bereitgestellt. Noch 1915 dachte man, den Friedhof 1917 einweihen zu können. Der Erste Weltkrieg verzögerte jedoch die Umsetzung der Pläne. Zudem konnte der Friedhof nicht auf dem zunächst erworbenen Gelände an der Homburger Landstraße angelegt werden, da die Stadt hier andere Pläne hatte. Über ein Tauschverfahren wurde nun ein Grundstück an der Eckenheimer Landstraße im nordwestlichen Bereich des Hauptfriedhofes für den Friedhof vorgesehen.   
 
1921 wurde ein Architektenwettbewerb zur Anlage des Friedhofes ausgeschrieben. 1928 begann die Anlage des Friedhofes (Hochbauarbeiten). Seit Mai 1929 wurden die Toten der jüdischen Gemeinde auf diesem Friedhof beigesetzt; die erste Beisetzung war am 19. Mai 1929. Die Gesamtanlage hatte  Regierungsbaumeister Fritz Nathan entworfen. Er gestaltete den Vorplatz und die Friedhofsgebäude im Stil der neuen Sachlichkeit unter Verwendung von braunen Klinkersteinen. Das Hauptportal träg die hebräische Inschrift "Die in Geradheit gewandelt, kommen zum Frieden und ruhen auf ihren Lagern" (Psalm 116,9).  
 
1939 wurde eine 165 m lange Mauer des Hauptfriedhofs entlang der Eckenheimer Landstraße - zwischen dem neuen Portal und dem neuen jüdischen Friedhof - aus Trümmern von zwei beim Novemberpogrom 1938 zerstörten Synagoge errichtet. Eine Gedenktafel erinnert daran.  
  
Bis zur Gegenwart (2012) wurden über 8.000 Beisetzungen vorgenommen. Auf dem Friedhof finden sich u.a. die Gräber des 1. Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde Dr. Julius Blau (1861-1939) und des Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (1886-1929). Über dem Hauptportal steht der hebräische Spruch: "Wandeln werd ich vor dem Antlitz des Ewigen in den Gefilden des Lebens". Die Friedhofsfläche umfasst 54.532 qm.
 
Auf dem Friedhof befindet (im vorderen Bereich) sich das Ehrendenkmal für die in der NS-Zeit ermordeten Frankfurter Juden.   
   
   
   
Beiträge zur Geschichte des Friedhofes 
(
aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts)       
  
Für den Grundstückserwerb eines neuen Friedhofes werden Gelder der jüdischen Gemeinde bereitgestellt (1914)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. April 1914: "Aus Frankfurt am Main wird berichtet: Der Ausschuss der israelitischen Gemeinde genehmigte in seiner Sitzung den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1914, der mit 1.862.063 Mark belanciert. Für die Anlagen eines neuen Friedhofes sind 97.000 Mark für Terrainerwerb, 100.000 Mark für Straßenherstellung usw., 20.000 Mark für Vorarbeiten vorgesehen, für die Renovierung der Börneplatz-Synagoge 41.000 Mark. Der neue Friedhof kommt an der Homburger Landstraße nächst der Friedberger Warte zu liegen".        

  
Der neue Friedhof kann vermutlich 1917 eingeweiht werden (1915) 
    

Frankfurt Frf IsrFambl 29011915.jpg (29347 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Januar 1915: "Der neue Friedhof, für den im verflossenen Jahre das in zehn bis fünfzehn Minuten Entfernung hinter dem gegenwärtigen Friedhofe gelegene Terrain erworben worden ist, wird voraussichtlich in etwa zwei Jahren in Gebrauch genommen werden."          

Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs für den neuen Friedhof (1921)       

Frankfurt FrIsrFambl 08041921f.jpg (99132 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. April 1921: "Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde. 
Da auf dem Friedhof nur noch etwa 400 nichtreservierte Grabstellen nicht belegt sind, so muss jetzt mit Energie an die Errichtung des neuen Friedhofes herangetreten werden. Die Gemeindevertretung bewilligte daher 50 000 Mark für Bauarbeiten bis zum Zusammentritt des Preisgerichts. Die hiesigen Architekten Epstein, Prof. Hülsen, Hiller, Kaufmann, Paravicine, Röckle und Seckbach sollen zum Wettbewerb aufgefordert werden.
Aus der Debatte ging hervor, dass die Liberalen auf dem neuen Friedhof die Errichtung eines Kolumbariums (Halle für die Urnen mit den Aschenresten verbrannter Leichen) wünschen.
Bei dem nächsten Punkt der Tagesordnung verlas der Vorsitzende ein Schreiben der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, in dem dagegen Verwahrung eingelegt wird, dass bei den Wahlen in der Börneplatz-Synagoge die Frauen übergangen worden sind. Frau Adele Meyer erklärte hierzu, sie stehe auf dem Boden der Tradition, doch sehe sie nicht ein, warum in der Frauen-Abteilung nicht Frauen die Aufsicht führen, also als Synagogenvorsteher fungieren sollen."   

   
Architektenwettbewerb zur Anlage des neuen Gemeindefriedhofes (1921)
      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. September 1921: "Die Israelitische Gemeinde zu Frankfurt am Main hatte vor einiger Zeit unter sechs dortigen Architekten einen Wettbewerb zur Erlangung von Plänen für einen neuen Gemeindefriedhof in der Nähe der Friedberger Warte ausgeschrieben. Das Preisgericht, in dem unter anderen Professor Grässel (München) saß, trat in diesen Tagen zusammen und erkannte Preise von je gleicher Höhe den Arbeiten der Architekten P. Paravicini, Fr. Roeckle und M. Seckbach zu."       

   
Über die neuen Friedhofsanlagen (1925)
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1925: "Neue Friedhofsanlagen. Das Gemeindeblatt der 'Israelitischen Gemeinde' enthält einen Lageplan nebst Erläuterungen zu dem voraussichtlich im Jahre 1927 zur Eröffnung gelangenden neuen Friedhof. Er ist an der Friedberger Warte gelegen und wird im Osten von der Homburger Landstraße, im Norden und Westen von neuen Straßenzügen, durch die eine Verlängerung der Trambahnlinie 8 laufen wird, begrenzt.   
Gegenüber dem neuen Friedhof der Israelitischen Gemeinde liegt auf der anderen Seite der neu anzulegenden 'Friedhofsstraße' das bereits im Jahre 1914 erworbene neue Friedhofsgelände der 'Israelitischen Religionsgesellschaft'. 
 Wir geben hier eine verkleinerte Skizze des Lageplans, der links unten der Friedhof der Israelitischen Gemeinde, rechts gegenüber denjenigen der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft zeigt."      

  
Über die neuen Friedhöfe der Israelitischen Gemeinde und der Israelitischen Religionsgesellschaft (1928)
       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1928: "Neue Friedhöfe. Nach langwierigen, über Jahre sich erstreckenden Verhandlungen der beiden hiesigen jüdischen Gemeinden mit der Stadt Frankfurt lässt sich nunmehr Sicheres über die künftige Gestaltung des jüdischen Friedhofswesens endlich sagen. Bei der Israelitischen Gemeinde werden die Hochbauarbeiten an dem neuen Friedhof binnen kurzem beginnen. Der neue Friedhof umfasst 10 Hektar und grenzt an die nördliche Mauer des städtischen Hauptfriedhofes, gegenüber dem ehemaligen Bezirkskommando nach der Friedberger Warte zu. Dort wird auch in unmittelbarer Nachbarschaft des Friedhofs der Israelitischen Gemeinde der künftige Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschaft gelegen sein. Beide Gemeinden hatten ursprünglich Gelände an der Homburger Landstraße erworben, mussten aber infolge der anderweitigen Pläne der STadt Frankfurt sich mit dieser auf dem Wege des Tauschverfahrens über eine Verlegung nach der Friedberger Warte einigen."       

  
Einweihung des neuen Friedhofes anlässlich der ersten Beisetzung (1929)
       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1929: "Die Einweihung des neuen Friedhofes der Israelitischen Gemeinde. Sonntag, 19. Mai wurde der neue Friedhof der Israelitischen Gemeinde (Obere Eckenheimerlandstraße) eröffnet. Man hatte kluger Weise die ganze Sache in die Hand der Chewraus (Hier: Begräbnisvereine, heilige Bruderschaften) gelegt; so gab es keine eigentliche 'Zeremonie', sondern die heiligen Vereine besorgten die Übersiedlung nach alten geheiligten Traditionen in einer Weihe und Andacht, wie sie dem historischen Ereignis am besten gerecht wurden. Schon um 8 Uhr morgens fanden sich die Mitglieder der heiligen Bruderschaften auf dem alten Friedhofe ein, machten die vorgeschriebenen Hakofaus (Umzüge), verrichteten eine große Reihe von Psalmgebeten und auch einige für diesen Zweck bestimmte Selichot und Mechila-Formeln nach dem alten Übergangsritus und anderen Überlieferungen. Inzwischen hatten sich auf dem neuen Gelände die Kohanim, die sonst nie Gelegenheit haben, solche Pflicht auszuüben, getroffen, um das erste Grab auszuschaufeln. Alle Beteiligten hatten bis Mittag zu fasten. 
Um 11 Uhr war eine Gemeinde von vielen Hunderten auf dem neuen Friedhofe  versammelt. Hier ist alles noch unfertig und im Werden. Die Hallen sind noch im Bau begriffen und noch nicht benutzbar, doch zeigen jetzt schon die Linien und Ausmaße, wie geräumig und imposant das Ganze gedacht ist. Das ungemein weite Gelände ist zunächst mit hübschen Heckenpflanzen und kleinen Baumanlagen ausgefüllt, die der weiten Fläche viel von der Öde und Eintönigkeit nehmen. Alles zeigt strenge, schlichte Sachlichkeit. Zu Grabe kam Fräulein Hülsen (eine Schwester von dem besonders um die Erhaltung des alten Friedhofes auf dem Börneplatz viel verdienten Professor Hülsen). Alles ging dann ohne besondere Feierlichkeit vor sich. Unter freiem Himmel vor der Halle rezitierte Oberkantor Groß in zu Herzen gehender Weise das Chazor Tamim, sodann bewegte sich der gewaltige Trauerzug hinter der Bahre bis zum ersten frischen Grabe. Kaddischgebet vor der Halle und die Menge zerstreute sich. Viele fingen dann zum alten Friedhof hinüber, wo um 12 Uhr noch eine Beerdigung stattfand. Der alte Friedhof bleibt in Benutzung, soweit noch die Erb- und reservierten Gräber in Betracht kommen. Nach altem Brauch musste am Sonntag und in der Nacht zu Montag auf dem neuen Friedhof noch gewacht werden, bis am Montag ein zweites Grab zu dem ersten kam."        

   
Über den Grabstein auf dem neuen Friedhof - Plädoyer für eine Rückkehr zur Tradition (1929)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929: "Rückkehr zur Tradition
(Vortrag von Stadtrat May und Regierungs-Baumeister Nathan über: 'Der Grabstein auf dem Neuen Friedhof der Jüdischen Gemeinde'.) 

Der von der 'Gesellschaft für jüdische Volksbildung' veranstaltete Vortragsabend über die Gestaltung der Grabsteine auf dem projektierten neuen Friedhof der Gemeinde wies eine stattliche Besucherzahl auf und verlief in mancher Beziehung interessant. Sehr wertvoll waren die offenen, ehrlich empfundenen Darlegungen des Stadtrats May, der bekanntlich für ruhige, einfache Grabgestaltung auf den städtischen Friedhöfen eintritt. Er bekannte, dass die schlichte Art der jüdisch-traditionellen Grabsteine, von denen er eine Anzahl in guten Lichtbildern zeigt, immer von Neuem auch auf den Nichtjuden eine tiefe Wirkung habe und betonte vor allem das soziale Moment und das Gefühl der Gemeinschaftlichkeit, das in der jüdischen Friedhofsgestaltung zum Ausdruck gelange. Er zog eine Parallele zu der erschütternden Anlage der Gefallenenfriedhöfe, die ebenfalls die Verbundenheit durch gemeinsames Erleben aufzeige. Es sei tief bedauerlich, dass in einer späteren Zeit aus falsch verstandener Pietät die schlichte Gestaltung des Friedhofs durch überladenen Prunk, durch Verwendung protzigen Materials und kitschiger Ornamentik zerstört worden sein, dass man Anleihen bei außerjüdischen Kulturkreisen aufnahm und so die der Ruhe geweihte Stätte zum Schauplatz der Familieneifersucht und der Prunksucht machte. Insbesondere sei zu bedauern, dass die so ornamental wirkenden hebräische Schrift immer mehr verschwunden sei. Stadtrat May legte den in Frage kommenden Instanzen dringend den Rat ans Herz, sich bei der neuen Friedhofsanlage auf die altjüdische Tradition zu besinnen und den Grabstein der Überlieferung wieder einzuführen, nicht jedoch die irdischen Gegensätze auch im Tode noch zum Ausdruck zu bringen. 
Regierungs-Baumeister Nathan bekannte sich ebenfalls zur Pflicht, in der Neuanlage die Tradition der alten jüdischen Friedhöfe zu wahren. Anhand von Lichtbildaufnahmen wies er nach, wie sehr auf dem jetzigen Gemeindefriedhofe der einheitliche Ausdruck einem bunten Chaos gewichen sei, insbesondere durch viele Grabmonumente der letzten Jahrzehnte ein unsozialer, gemeinschaftsfeindlicher Geist zum Ausdruck gelange. Der Redner legte alsdann die Grundsätze dar, nach denen auf dem neuen Friedhof verfahren werden soll. Eine Beratungsstelle soll die Auswahl aus den verschiedenen zugelassenen Typen erleichtern; Abweichungen, die den Gesamteindruck stören können, werden nicht mehr zugelassen werden. Dennoch ist keine öde Gleichmacherei geplant, vielmehr gestattet die neue Anordnung in weitem Rahmen viele Variationen, die sich jedoch dem Gesamtcharakter anpassen müssten.
In der folgenden Aussprache, die vom Leiter der Veranstaltung, Gemeinderabbiner Dr. Salzberger, mit Worten der Anerkennung für die Redner und ihre Pläne eingeleitet wurde, gab Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann seiner Befriedigung darüber Ausdruck, dass die beiden Redner von verschiedenen Gesichtspunkten aus sich zur altjüdischen Tradition bekannt hätten. In Anlehnung an die talmudischen Nachrichten über das Bestattungswesen, insbesondere an die soziale Tat des Nassi R. Gamliel, der sich für Einfachheit und Schlichtheit einsetzte, hob der Redner die Gefühlsmomente hervor, die in dieser würdigen Art des Totenkultes zum Ausdruck gelangen. Es sei eine alte Sitte, bei einem Trauerfalle nach Kräften milde Spenden für die Lebenden auszuteilen, die Bestattung jedoch so einfach wie möglich zu gestalten.
In der Aussprache wurde ferner vom Schreiber dies darauf hingewiesen, dass der Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschaft ein würdiges Beispiel dafür biete, wie unter Anlehnung außerjüdischer Einflüsse der von der Tradition gebotene Charakter der Ruhestätte gewahrt werden könne, ohne darum an Eindrucksfähigkeit zu verlieren, - wie gerade in er einheitlichen Richtung und Gestaltung der Grabsteine die Gleichheit aller Menschen, die Gemeinsamkeit des jüdischen Schicksals ihren erschütternden Ausdruck finde. Auch sei zu begrüßen, dass die wünschenswerte Rückkehr zur Tradition und die bewusste Ablehnung unjüdischer Formen sich nicht nur in der Art der Totenverehrung, sondern auch auf den Gebieten des jüdischen Einzel- und Gemeinschaftslebens durchsetzen möge."  


 Gefallenen-Gedenkfeier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1936)      

Frankfurt GblIsrGF Okt1936 S21.jpg (228712 Byte)Gemeindeblatt der "Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Oktober 1936: "Gefallenen-Gedenkfeier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten
Wie ströme vergossener Tränen rauschten Regenschauer von dem grauverhängten Himmel nieder und verstärkten die wehmutsvolle Stimmung dieser Weihestunde, Trotz der Missgunst der Witterung hatten wohl 1000 alte Frontsoldaten, darunter viele Schwerkriegsbeschädigte, dann viele Kriegshinterbliebene und Frauen den weiten Weg nicht gescheut, um gemeinsam die 12 000 jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres zu ehren. Die große, schöne und in ihrer Schlichtheit ungemein wirkungsvolle Trauerhalle des neuen Friedhofs an der Eckenheimerlandstraße konnte mit ihren Nebenräumen die Zahl der Erschienen kaum fassen. Vor dem Rednerpult, in einer Gruppe von Lorbeerpflanzen und beleuchtet von zwei starken Wachskerzen, ruhte auf einem Tisch ein großes Buch mit der Aufschrift 'Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres 1914-1918. Ein Gedenkbuch'. Neben diesem Sinnbild nie verlöschenden Gedächtnisses hielten mit hohen Kriegsauszeichnungen geschmückte Kameraden der Toten und, als Vertreter einer in den Anschauungen der Frontgeneration erzogenen Sportjugend, eine kleine Schar weißgekleideter Fechter die Ehrenwache. Leise Orgelklänge, die in das Schweigen er wie eins ausgerichtet in über vierzig Gliedern angetretenen Frontkämpfer strömten, leiteten über zu der Ansprache, die der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Herr Dr. Felix Kauffmann, an die Versammlung richtete. Er legte dar, wie der religiöse Gehalt dieser, zwischen den höchsten Festen des jüdischen Jahres liegenden Tage und gerade dieser, dem Gedenken des vor 2500 Jahren gefallenen Gedeljah gewidmete Fasttag zur Ehrung der Deutschland im Weltkriege auf dem Felde der Ehre Gebliebenen geeignet sei. Er zeigte an einer Briefstelle eines schon in den Septembertages 1914 gefallenen Kriegsfreiwilligen, wie diese jungen Menschen in dem blutigen Ringen jener Tage den verloren gegangenen Glauben an Gott und die Menschen wieder fanden. Der Reichsbund betrachtet es mit als seine Aufgabe, das Interesse an jüdischem Wissen und Brauchtum wachzuhalten und vorhandene Kenntnis zu vertiefen. Auf allen Gebieten sozialer Fürsorge sei er in seinem Kreise tätig; er betreue die Kriegsopfer, die Schwerverletzten, die Kriegereltern, -witwen und -waisen, er helfe den Erwerbslosen und sorge für die körperliche Gesundung und Ertüchtigung der deutschen Jugend. So ehre er das Gedächtnis der 12 000 Helden, die in den Reihen der Überlebenden gefallen, ewig in deren Mitte bleiben sollten. Nachdem die Klänge des Trauermarsches aus Beethovens Eroica verhallt waren, ergriff der ehemalige Feldrabbiner, Herr Dr. Salzberger, das Wort zu einer packenden Ansprache. In Sätzen, die jedem der versammelten alten Soldaten aus der Seele gesprochen waren, zeichnete er die für den jüdischen Frontkämpfer entstandene Lage. Über alle Meinungsverschiedenheiten des Tages hinweg sollten sie sich zu gemeinsamen Handeln finden, sollten für die Ehre des Judentums weiter kämpfen und für sie treu bis zum Tod stehen. Die Namen der 12 000 jüdischen Frontkämpfer seien nicht nur in die Tafeln der Synagogen und Friedhöfe, sondern unauslöschlich in die Herzen ihrer Mitkämpfer eingegraben, die ihr Andenken mit sich in die Welt nehmen würden, wenn einmal die Stunde des Abschieds für diesen oder jenen kommen sollte.
Mit tiefer Bewegung und hoher gesanglicher Kunst trug Herr Oberkantor Gross das 'El mole rachamim'* vor, das allen ans Herz griff. Gemeinsam wurde dann das Kaddisch-Gebet gesprochen. Nachdem in einer Minute des Schweigens die Gedanken der versammelten bei ihren gefallenen Lieben und Kameraden geweilt, schloss das gemeinsam gesungene alte Soldatenlied vom guten Kameraden die eindrucksvolle Feier."     
Vgl. ein in der Gedenkstätte Yad Vashem gesungenes El mole rachamim (YouTube)   

  
Meldung von Sterbefällen und Öffnungszeiten der Friedhöfe (1938)
    

Frankfurt GBl IsrGF Nov 1938.jpg (86235 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom November 1938: "Meldung von Sterbefällen.
 Bei vorkommenden Sterbefällen ist umgehende Benachrichtigung des Friedhofsamtes (Fernsprecher-Sammelnummer Zepp. 52041) erforderlich. Soweit die behördlichen Formalitäten (ärztlich ausgefüllter Todesschein, Anmeldung beim zuständigen Polizeirevier und Standesamt) nicht von den Hinterbliebenen erledigt werden können, wird dies auf Wunsch vom Friedhofsamt besorgt. Die Vorlage dieser Dokumente ist Vorbedingung für die Vornahme der Beerdigung.  
Öffnungszeiten der Friedhöfe. Die Friedhöfe an der Rat Beilstraße und an der Eckenheimerlandstraße sind vom 1. November 1938 bis 15. Februar 1939 von 7.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Freitags wird eine Stunde vor Beginn des Sabbats geschlossen. Samstag und an den jüdischen Feiertagen sind die Friedhöfe geschlossen."           

  
  
  
Die Lage des Friedhofes 
   

Eckenheimer Landstraße 238    
   
   
Link zu den Google-Maps
  
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)  
  

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Fotos        
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 20.8.2012)          

 Frankfurt Friedhof N12010.jpg (169781 Byte)  Frankfurt Friedhof N12011.jpg (159047 Byte)  Frankfurt Friedhof N12012.jpg (172968 Byte)
 Die U-Bahn-Haltestelle "Neuer jüdischer
 Friedhof" ist unmittelbar beim Eingang 
  Eingangsbereich mit hebräischer Inschrift aus Psalm 116,9 (wie deutsch am inneren
 Eingang): "Wandeln werd ich vor dem Antlitz des Ewigen in den Gefilden des Lebens".   
   Das Foto oben in hoher Auflösung      
     
Frankfurt Friedhof N12013.jpg (166522 Byte) Frankfurt Friedhof N12014.jpg (143884 Byte) Frankfurt Friedhof N12019.jpg (203904 Byte) Frankfurt Friedhof N12017.jpg (145156 Byte) Frankfurt Friedhof N12018.jpg (156151 Byte)
Hinweistafel zur Geschichte 
des Friedhofsgebäudes 
Verschiedene Hinweistafeln: für Kohanim, 
die auf die rituelle Reinheit zu achten haben,
 sowie allgemeine Anordnungen 
Gebet beim Eintreten in den Friedhof
 (deutsch und hebräische Lautschrift links;
 hebräischer Text rechts) 
 
     
Frankfurt Friedhof N12062.jpg (156869 Byte) Frankfurt Friedhof N12015.jpg (161957 Byte) Frankfurt Friedhof N12016.jpg (163641 Byte)
Teil des Friedhofsgebäudes - Totenhalle  Der innere Eingangsbereich mit deutscher Inschrift (Psalm 116,9, vgl. oben) 
   Das Foto oben in hoher Auflösung     
     
Frankfurt Friedhof N12020.jpg (260648 Byte) Frankfurt Friedhof N12021.jpg (258155 Byte) Frankfurt Friedhof N12022.jpg (248560 Byte)
Grabsteine für Walter Bechhofer 
(1926 Fürth - 1994) und Ilse Bechhofer 
geb. Hess
(1926-2002) 
Grabsteine für Hans Meyer 
(1911 Magdeburg - 1982) und Käthe Meyer
 geb. Stern
(1913 Altona - 1988) 
Grabsteine für Ignaz Lipinski (gest. 1979;
 Vorstandsmitglied der jüd. Gemeinde) und
 Wanda Lipinski geb. Fröhlich (gest. 1983)
Mehrere Gräber bekannter jüdischer Persönlichkeiten im Eingangsbereich 
     
Frankfurt Friedhof N12023.jpg (256678 Byte) Frankfurt Friedhof N12024.jpg (304862 Byte) Frankfurt Friedhof N12025.jpg (148668 Byte)
Grabstein für Justizrat Dr. Julius Blau 
(1861 - 1939) und Fanny Blau geb. 
Hirschler
(1870 - 1936) 
Grabsteine für Dr. Ewald Allschoff 
(1895 - 1957) und Erna Allschoff 
(gest. 1964) 
Grabstein für Franz Rosenzweig 
(1886-1929)    
  vgl. Wikipedia-Artikel zu Franz Rosenzweig 
       
Frankfurt Friedhof N12026.jpg (328347 Byte) Frankfurt Friedhof N12027.jpg (226957 Byte) Frankfurt Friedhof N12028.jpg (230959 Byte)
Stein mit der Inschrift "Zur Erinnerung an unsere Brüder und Schwestern, die durch die Nazi-Schreckensherrschaft umgebracht worden sind, wurde hier eine Urne mit Asche von Opfern des Konzentrationslagers Auschwitz beigesetzt"   Grabstein für Oberrabbiner 
Dr. Dr. Sigmund Szobel
(1908-1989) 
 
   
Grabstein für Rabbiner Dr. Arnold Lazarus
 (1877-1932) und Gedenkstein für 
Martha Lazarus geb. Wertheim 
 
     
     
Frankfurt Friedhof N12029.jpg (305669 Byte) Frankfurt Friedhof N12030.jpg (237987 Byte) Frankfurt Friedhof N12031.jpg (337216 Byte)
Etwa 800 Grabsteine sind über den Friedhof verteilt für Personen, die in der 
NS-Zeit in Frankfurt an Suizid starben 
 Grabstein für Frieda Schloss geb. Strauss aus
 Langen: "Sie starb keinen natürlichen Tod"
Frankfurt Friedhof N12033.jpg (264315 Byte) Frankfurt Friedhof N12034.jpg (226326 Byte) Frankfurt Friedhof N12042.jpg (269518 Byte)
Hauptweg durch 
den Friedhof 
Menora am Ende 
des Hauptweges 
 Grabstein mit Levitenkanne 
für David Roth aus Nieder-Ohmen 
      
      
Frankfurt Friedhof N12043.jpg (228842 Byte) Frankfurt Friedhof N12044.jpg (243083 Byte) Frankfurt Friedhof N12045.jpg (255995 Byte)
 Teilansicht im neueren Teil mit Grabstein 
für Ludwig Löwenhaupt aus Obernbreit  
   
     
Frankfurt Friedhof N12046.jpg (240505 Byte) Frankfurt Friedhof N12047.jpg (263631 Byte) Frankfurt Friedhof N12048.jpg (117910 Byte)
     
     
Frankfurt Friedhof N12049.jpg (130174 Byte) Frankfurt Friedhof N12050.jpg (257178 Byte) Frankfurt Friedhof N12050a.jpg (277958 Byte) Frankfurt Friedhof N12051.jpg (269825 Byte)
     Grabstein für Fanny Bissingen 
aus Ichenhausen (1865-1937)  
     
Frankfurt Friedhof N12052.jpg (246074 Byte) Frankfurt Friedhof N12053.jpg (260241 Byte) Frankfurt Friedhof N12054.jpg (267903 Byte)
Grabstein für Hilda Adler geb. Löwenberg
aus Storndorf (1868-1936)    
 Grabstein (rechts mit Symbol des Schofar) 
für Moritz Mannheimer und Marianne Adler 
 Grabstein für Hermann Hennig 
aus Nastätten (1870-1940)  
     
Frankfurt Friedhof N12055.jpg (292325 Byte) Frankfurt Friedhof N12056.jpg (283072 Byte) Frankfurt Friedhof N12057.jpg (247451 Byte)
     
     
Frankfurt Friedhof N12058.jpg (190760 Byte) Frankfurt Friedhof N12059.jpg (256986 Byte) Frankfurt Friedhof N12060.jpg (240875 Byte)
Grabsteine für durch Suizid Umgekommene 
- im Hintergrund die Friedhofsgebäude 
Teilansichten im neuen Friedhofsteil 
  
     
Frankfurt Friedhof N12061.jpg (293272 Byte) Frankfurt Friedhof N12041.jpg (268648 Byte) Frankfurt Friedhof N12032.jpg (288542 Byte)
 Kindergräber   Die Grabsteine für die durch Suizid
 umgekommenen Personen stehen fast 
über den ganzen Friedhof verteilt 
 Teilansicht im neuen Friedhofsteil 
   Das Foto oben in hoher Auflösung 
         
Frankfurt Friedhof N12035.jpg (244429 Byte) Frankfurt Friedhof N12036.jpg (224479 Byte) Frankfurt Friedhof N12037.jpg (236991 Byte)
Weg durch den neuen Friedhofsteil   Weg durch den neuen Friedhofsteil   Teilansicht im neuen Friedhofsteil 
Das Foto oben in hoher Auflösung      
     
Frankfurt Friedhof N12040.jpg (289199 Byte) Frankfurt Friedhof N12039.jpg (237860 Byte) Frankfurt Friedhof N12038.jpg (292695 Byte)
 Teilansicht im neuen Fredhofsteil  Teilansicht im neuen Friedhofsteil   Beim Friedhofsbesuch im Sommer 2012 neueste Gräber    
     
     

     
     

Links und Literatur 

Links:   

Informationsseite der jüdischen Gemeinde Frankfurt zu den jüdischen Friedhöfen der Stadt: http://www.jg-ffm.de/web/deutsch/juedische-friedhoefe/  
Website http://www.juedisches-leben-frankfurt.de/     
Wikipedia-Artikel "Hauptfriedhof Frankfurt"    
Website zum Frankfurter Hauptfriedhof  
Seite zum Friedhof auf der Website juedisches-frankfurt.de     

Literatur:   

 

  

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 29. März 2017