|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Böblingen (Kreisstadt)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur jüdischen Geschichte
in Böblingen
In Böblingen lebten einige Juden im Mittelalter und seit der Mitte des
19. Jahrhunderts.
Im Mittelalter kam es möglicherweise zur Gründung einer jüdischen Gemeinde, doch ist von Einrichtungen einer solchen Gemeinde nichts bekannt.
Vor 1643 gab es in der Stadt eine "Judengasse" die an die
mittelalterliche Ansiedlung erinnerte (Lage unbekannt). In Lagerbüchern von 1523 und 1587 wird ein
"Judenacker" in der "Zelg Northalden" genannt (genaue Lage nicht mehr
bekannt)
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind wenige jüdische Personen /
Familien in Böblingen zugezogen, ohne dass es zur Bildung einer jüdischen
Gemeinde gekommen ist. Nach den Ergebnissen der Volkszählungen wurden in
Böblingen erfasst: bis 1844 keine jüdischen Einwohner, 1846 und 1858 je
sieben, 1864 vier, 1867 drei, 1875 drei, 1880 ein jüdischer Einwohner, 1890 und
1895 je vier, 1900 zwei, 1905 vier, 1910 und 1925 je drei, 1933 zwei.
Die jüdischen Einwohner Böblingens gehörten zur Synagogengemeinde in Stuttgart.
In Böblingen verstorbene jüdische Personen wurden gleichfalls in Stuttgart
beigesetzt. Im israelitischen Teil des
Pragfriedhofes wurden beigesetzt: Gustav Bodenheimer (Kaufmann, Inhaber der
Zigarrenfabrik Böblingen, wohnhaft in Stuttgart, gest. 1910), Jakob
Krailsheimer (Kaufmann, Teilhaber der Stuttgarter Firma Moritz Krailsheimer und
Sohn, Baumwollwarenfabrikation und En-Gros-Geschäft, gest. 1893 in Böblingen),
Ludwig Maier (s.u., gest. 1919), Lyon Sussmann s.u., gest.
1935).
Zwei Textilfirmen waren im 19./20. Jahrhundert in jüdischem Besitz, vor allem die
Mechanische Trikotweberei Ludwig Maier & Sohn (Firma des Büstenhalters "Hautana"
im Industrieareal zwischen Bahnhof und Altstadt, bis 1939). Sie wurde 1867 in
Stuttgart-Wangen gegründet von Ludwig Maier, dem Sohn des Stuttgarter Rabbiners Dr.
Josef von Maier, und 1884 - nach dem Bau der Gäubahn - nach Böblingen verlegt.
Ludwig Maier lebte
mit seiner Familie in Stuttgart (verheiratet mit Rosalie geb. Israel); er starb im Juni 1919.
Die Trikotwarenfabrik in Böblingen erlangte unter Leitung von
Lyon Sussmann (geb. 1843 in Tauberbischofsheim, seit 1878 Teilhaber in
der Firma von Ludwig Mayer, gest. 1935) Weltruhm. 1913, als die Firma mehr als
300 Beschäftigte hatte, wurde Sussmann Ehrenbürger Böblingens. Sussmann war
verheiratet mit Jeanette geb. Israel (1850-1928). Er schuf in Böblingen
vorbildliche Sozialeinrichtungen (erster Böblinger Kindergarten in der Langen
Straße) und
wohltätige Stiftungen. Er starb am 8. Februar 1935. Zu seinem 50. Todestag im
Februar 1985 wurde von der Stadt Böblingen ein Kranz an seinem Grab im
Pragfriedhof niedergelegt. In Böblingen erinnern an ihn die
Lyon-Sussmann-Straße und an seine Firma die "Hautana-Passage", "Hautana-Parkhaus",
"Hautana-Wohnanlage".
1933 lebten nach dem Ergebnis der Volkszählung zwei jüdische Personen in
Böblingen (vermutlich das Ehepaar Hans Kahn und Bertha Kahn).
Von den in Böblingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen ist in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Kahn geb.
Bauernfreund (1889).
Berichte aus der
jüdischen Geschichte in Böblingen
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und
Privatpersonen
Geburtsanzeige für einen Sohn von Adolf Kahn und Hedy
geb. Löwenstein (1923)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 25. Januar 1923:
"Die - Gott sei gepriesen - glückliche Geburt eines gesunden
Knaben zeigen hocherfreut an
Adolf Kahn und Frau Hedy geb. Löwenstein.
Böblingen bei Stuttgart, 18. Januar." |
Anzeige der Mechanischen Trikotweberei Ludwig Maier & Co.
(1924)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift der "Central-Vereins"
vom 17. April 1924:
"Sanitas-Elastica. D
ie elegante, hygienische Unterkleidung für Herren Damen und Kinder.
Mechanische Trikotweberei Stuttgart Ludwig Maier & Co. A.-G. in
Böblingen". |
Fotos
(Quelle: zur Firma Hautana: Stadtarchiv Böblingen; Website www.zeitreise-bb.de;
Fotos der Grabsteine: Hahn, Aufnahmen um 1990)
Erinnerungen an die
Firma Hautana in Böblingen |
 |
 |
|
Die Werksanlagen der
Böblinger Firma
Hautana auf einem Firmenprospekt (1924) |
Lyon Sussmann an seinem 85.
Geburtstag (1928)
im Kreis der Belegschaft seiner Firma |
| |
|
|
Werbung für den
"Hautana"-Büstenhalter (1932) |
 |
| |
Die Hersteller des
"Hautana"-Büstenhalters werden gemeinsam für das Produkt:
sowohl
die (gleichfalls jüdische) Firma S. Lindauer & Co. (Korsettfabrik,
Stuttgart-Cannstatt)
wie auch die Mechanische Trikotweberei Ludwig Maier & Co. A.G. in
Böblingen |
| |
|
|
Grabsteine im
Israelitischen Teil
des Pragfriedhofes in Stuttgart |
|
|
| |
Grabmal für
Familie
Ludwig Maier |
Grabmal für Lyon
Sussmann (1843-1935) und
Jeanette Sussmann geb. Israel (1850-1928) |
| |
|
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Jacob Toury Jüdische Textilunternehmer...
1984. S. 192, 199-201.259. |
 | Joachim Hahn (unter Mitarbeit von Richard Klotz und Hermann Ziegler):
Pragfriedhof, israelitischer Teil. Reihe: Friedhöfe in Stuttgart Bd. 3 (bzw.
Reihe: Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart Bd. 57). Stuttgart
1992. 268 S. ISBN 3-608-91618-0. |

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|