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Wetteraukreis"
Bad Vilbel (Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In (Bad) Vilbel bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18.
Jahrhunderts zurück. 1689 gab es drei jüdische Familien am Ort. In
den 1930er-Jahren lagen im Archiv der jüdischen Gemeinde noch Kassenbücher vom
Anfang des 18. Jahrhunderts. 1715 waren fünf Familien in der Stadt, 1775 acht
Familien. Das jüdische Wohngebiet lag vor allem in der früheren Judengasse
(heutiger Wasserweg).
Unter den jüdischen Familien des 18. Jahrhunderts gab es auch Familien
sephardischen Ursprungs wie die Familie des Abraham Bachenheimer, der 1765 in
Bad Vilbel genannt wird. Sein Sohn Markus (geb. 1796) ließ sich später in Wetter
nieder.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1817 108 jüdische Einwohner, 1828 86 (4,2 % von insgesamt 2.042
Einwohnern), 1850 120, 1861 107 (3,6 % von 2.931), 1871: 101, 1880 113 (3,1 % von 3.628),
1900 92 (2,1 % von 4.353), 1910 83 (1,5 % von 5.192). Die jüdischen Einwohner
lebten zunächst vor allem vom Handel mit Vieh und Landesprodukten. In der 2.
Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere von ihnen offene Läden und
Handlungen am Ort. Häufig vorkommende jüdische Familiennahmen waren u.a.
Schönfeld, Goldberg, Grünebaum, Strauß, Wechsler, Weil.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Religionsschule), ein rituelles Bad (im Garten hinter der Synagoge) und ein Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). An
jüdischen Lehrern sind bekannt: um 1840 Markus Frank, 1846 Salomon Rosenthal,
1877 Lehrer Schwanthaler, von 1886 bis 1901 Lehrer Sally Katz (geb.
1864 in Guxhagen; nach Bad Vilbel war er
Lehrer in Windecken), um 1920 Lehrer
Kestrich.
Die Gemeinde gehörte zum liberalen Provinzialrabbinat in Gießen.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Ludwig Goldberg
(geb. 8.6.1895 in Vilbel, gef. 11.7.1917).
Um 1924, als zur Gemeinde 69 Personen gehörten (1,2 % von insgesamt 5.733
Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Hugo Strauß, Dr. med. Ludwig (Lajos) Szametz,
Lehrer Kröger und Julius Grünebaum. Den Religionsunterricht der damals neun
schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde erteilte cand. phil. Cohen. 1932
war Gemeindevorsteher der Bäcker Julius Strauß.
Der als Mitglied des Gemeindevorstandes genannte Dr. Ludwig Szametz stammte aus Ungarn
(geb. 1882) und war bis 1936 als Arzt in Bad Vilbel. Er war sehr früh aktiv in
zionistischen Gruppierungen (als zionistischer Korporationsstudent und in
zionistischen Verbindungen), emigrierte 1936 nach Palästina, später in die USA.
In den 1920er-Jahren setzte er sich in Bad Vilbel u.a. für Schulspeisungen und
arme Kinder ein. Er genoss durch sein soziales Engagement hohe Anerkennung am
Ort. Unter den bekannten Bad Vilbeler jüdischen Einwohnern war auch Dr.
Albert Chambré (geb. 1888 in Gießen),
der Direktor der Realschule in Vilbel war (1933 aus dem Dienst entlassen).
Um 1930 gab es unter den
jüdischen Gewerbebetreibenden vier Metzger, zwei Bäcker und einige
Handwerker.
1933 lebten 75 jüdische Personen in Bad Vilbel (1,2 % von insgesamt 5.999
Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der letzte
Gemeindevorsteher war Bäcker war Julius Strauß. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
damals bereits in nichtjüdischem Besitz befindliche Synagoge überfallen und
die Einrichtung mit den Ritualien völlig zerstört. Aus Aufregung über die
Ereignisse ist der jüdische Nachbar Schönfeld an einem Herzinfarkt
zusammengebrochen. Nach der Demolierung der Synagoge stürmten SA-Leute die
Wohnungen und Geschäfte jüdischer Familien. Simon Wechsler wurde, nachdem die
Flaschen seiner Handlung zerschlagen worden waren, in die Scherben gestoßen und
erlitt dadurch so schwere Verletzungen, dass er kurz danach starb. Einrichtungen und Inventar wurden
völlig zertrümmert oder geplündert. Aus der Gemeinde konnten mindestens vier
Personen in die USA emigrieren, neun nach Palästina, sechs nach Uruguay, je
eine Abmeldung erfolgte nach Italien und der Schweiz. Viele der jüdischen
Einwohner verzogen nach Frankfurt am Main. Nach 1939/40 waren nur noch einige ältere
jüdische Menschen in sehr bedrängten Verhältnissen am Ort. Sie wurden im
September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Von den in Bad Vilbel geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Irene Berenz geb. Schiff
(1893), Albert Chambré (1888), Salo F. Elk (1885), Adolf Goldberg (1867), Fanny (Franziska) Goldberg
geb. Lilien(1869), Wilhelm Goldschmidt (1893), Clara Grünebaum geb. Levi
(1900), Bertha Lewi geb. Schönfeld (1868), Hermann Rothschild (1890), Karoline
Schiff (1874), Julius Schönfeld (1877), Leopold Schönfeld (1884), Sophie
Schwarzschild geb. Goldberg (1865), Elise Strauß (1871), Ella (Amalie) Strauß
(1908), Emma Strauss geb. Goldberg (1874), Hugo Strauss (1876), Siegfried
Wechsler (1892), Amanda Weil (1912).
Auf Grund der Forschungen des Arbeitskreises "Jüdische Kultur" in Bad
Vilbel (in den 1980er-Jahren) konnte eine Liste zum Schicksal von 68 jüdischen
Einwohnern Bad Vilbels erstellt werden, von denen das weitere Schicksal bekannt
ist. Mindestens 22 Personen sind nach dieser Liste in der NS-Zeit ermordet
worden.
Vor dem Alten Rathaus in Bad Vilbel befindet sich seit 1999 ein Gedenkstein zur
Erinnerung an die aus Bad Vilbel umgekommen jüdischen Personen. Außerdem
wurden in der Stadt in mehreren Aktionen "Stolpersteine" für
in der NS-Zeit umgekommene oder vertriebene Personen verlegt.
Neue jüdische Gemeinde: Auf Initiative des
seit 1979 in Bad Vilbel lebenden Rafael Zur wurde Mitte der 1980er-Jahre eine
jüdische Gemeinde in der Stadt wiederbegründet. Gründungsmitglieder waren
Erwin Braun, Anat Ausländer, Dovon Schakan und Vered Zur. Rafael Zur ist bis
zur Gegenwart Vorsitzender der neuen Gemeinde.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 /
1886 / 1900
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1877:
"Die israelitische Gemeinde zu Vilbel bei Frankfurt am Main
suchte einen Religionslehrer und Vorbeter, welcher ein Seminar besucht und
seine Prüfung bestanden hat. Gehalt Mark 900 und Nebeneinkünfte.
Eintritt womöglich sofort.
Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse wenden an Wechsler,
Vorsteher." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1886:
"Die hiesige Religionslehrer- und Vorbeterstelle ist mit dem 1. Mai
dieses Jahres Militärverhältnisse wegen neu zu besetzen. Fixer Gehalt
800 Mark. Nebenverdienst geboten durch Erteilung von Privatunterricht.
Konkurrenzfähige Bewerber wollen ihre Gesuche unter Vorlage ihrer
Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand einsenden.
Vilbel, 25. März 1886. Der israelitische Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1900:
"In der Religionsgemeinde Vilbel an der Main-Weser-Bahn, 1/2 Stunde
von Frankfurt gelegen, soll die Stelle eines Lehrers, Kantors,
Schächters und Bal Tokea (Schofarbläser) mit einem festen
Gehalte von 800 Mark und 300 Mark Nebenverdiensten von den Erträgnissen
der Schächterfunktion, sofort besetzt werden. Seminaristisch gebildete
Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnisabschriften melden. Vilbel,
22. Mai 1900. Der Vorstand: Herz Strauß." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1900:
"In der Religionsgemeinde Vilbel an der Main-Weser-Bahn, 1/2 Stunde
von Frankfurt gelegen, soll die Stelle eines Lehrers, Kantors, Schächters
und Bal Tokea (Schofarbläser) mit einem festen Gehalte von 800
Mark und 300 Mark Nebenverdiensten von den Erträgnissen der
Schächterfunktion, sofort besetzt werden. Seminaristisch gebildete
Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnisabschriften melden.
Für den Vorstand: Herz Strauß." |
Über den Lehrer Sally Katz (1884 bis 1886 Lehrer in Bad Vilbel)
Von
den früheren Religionslehrern der Gemeinde ist zu nennen (Foto: Quelle Pinkas Hakehillot
s. Lit. S. 83 / Sammlung Monica KIngreen).
Sally Katz ist am 20. Juli 1864 in Guxhagen
geboren. Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Köln und einer ersten
Anstellung ab 1884 in Vilbel kam er nach Windecken.
Hier blieb er bis 1907 und wechselte dann nach Babenhausen. Er war
(in zweiter Ehe) verheiratet mit Hedwig geb. Goldschmidt (geb. 1874 in
Sterbfritz; drei Kinder: Lucia geb. 1902, Arnold geb. 1905 und Sophie geb.
1906, dazu aus erster Ehe Jenny und Max geb. 1896). Sally Katz starb im
Dezember 1939 in Frankfurt, seine Witwe Hedwig Katz konnte noch nach
Amerika emigrieren, wo sie 1943 starb. |
Links: Sally Katz in der Synagoge in Babenhausen (Quelle:
Sammlung Monica Kingreen) |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Spende des nach Amerika ausgewanderten J. M. Rosenthal
für die Einfriedung des jüdischen Friedhofes (1914)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Juli 1914:
"Vilbel. Ein geborener Vilbeler, der jetzt in Amerika lebende
Kaufmann J.M. Rosenthal, hat der israelitischen Gemeinde für ihren
Friedhof eine neue Einfriedung in Form einer zwei Meter hohen Mauer aus
Blendsteinen und einem schönen Portal aus Kunstschmiedeeisen
gestiftet." |
Gemeindebeschreibung von Bad Vilbel
(1936!)
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom
August 1936 S. 435: "Vilbel. Uraltes Dorf in Oberhessen an der
Nidda, ca. 6.000 Einwohner, schon 774 erwähnt, diente 1255 bis 1816
'zween Herren', denen von Nassau und denen von Falkenstein. 1664 erhielt
es Stadtrechte, wurde aber, als es 1816 an Hessen-Darmstadt fiel, wieder
Dorf. - Auf der Burg, deren Reste noch vorhanden sind, saßen die Herren
von Vilbel, deren einer, Bechtram von Vilbel, 1390 den Frankfurt Juden
Fehde ansagte, weil er ihnen Geld schuldete. Erst durch einen Vertrag der
Stadt Frankfurt mit den Vertretern des gesamten umwohnenden Adels wird
1391 die Fehde geschlichtet. Ob in Vilbel selbst damals Juden gewohnt
haben, ist unbekannt. Um 1700 sind sie ziemlich sicher dort, da aus dem
Anfang des 18. Jahrhunderts schon Kassenbücher der Gemeinde vorliegen.
Heute finden sich in Vilbel kaum 20 jüdische Familien bei
augenscheinlichem Rückgang. Synagoge Frankfurter Straße 95,
hinter den Häusern an der Straßenfront versteckt. Ziemlich stattlicher
Fachwerkbau, daneben das Mikwoh-Häuschen. Friedhof
nordöstlich der Stadt auf dem Weg nach Gronau. Vilbel besitzt vor allem
im Zuge der Hermann Göring- und der Adolf-Hitler-Straße eine Anzahl von
kohlensäurehaltigen Heilquellen, deren eine schon seit 1569 benutzt
wird." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über Löb Merkel, von 1871 bis 1878 als Weichensteller in Vilbel tätig (zu
seinem 90. Geburtstag 1903)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1903: "Messel,
9. Oktober (1903). Das 'Darmstädter Tagblatt' schreibt: Am 15. Oktober
dieses Jahres begeht der älteste Einwohner hiesiger Gemeinde und das
älteste Glied der israelitischen Religionsgemeinde, Herr Löb Merkel,
seinen 90. Geburtstag. Derselbe ist geboren am 15. Oktober 1813 zu Messel,
trat am 1. April 1834 in den hessischen Militärdienst und war 22 Jahre 7
Monate ununterbrochen in demselben; er machte den Feldzug 1848/49 in Baden
mit, schied am 24. Oktober 1856 aus dem Militärdienste aus und wurde als
Bahnwärter in Großen-Linden bei Gießen angestellt, welchen Dienst er
zur größten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten versah. Am 1. Januar 1871
wurde er als Weichensteller nach Vilbel bei Frankfurt versetzt, wo
er bis zu seiner Pensionierung am 1. Mai 1878 verblieb und dann wieder
hierher zurückkehrte. Herr Merkel erfreut sich trotz seines hohen Alters
noch ziemlich guter Gesundheit.
Wir empfehlen diese Notiz der
'Staatsbürger-Zeitung' zum freundlichen Abdruck." |
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Derselbe
Bericht erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom
6. November 1903. |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum beziehungsweise eine erste Synagoge
vorhanden (18. Jahrhundert).
Im 19. Jahrhundert wurde die bis zuletzt benutzte Synagoge in einem
Gebäude hinter dem
Haus Frankfurter Straße 95 eingerichtet. Dieses Gebäude stammt vermutlich aus
dem Ende des 18. Jahrhunderts und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zur Synagoge
umgebaut. Beim Synagogengebäude handelte es sich um ein zweigeschossiges
Gebäude mit massivem Unterbau und einem in Fachwerk aufgeführten Obergeschoss.
Auffallend sind das steile Mansard-Walmdach und im Obergeschoss die
"französischen Fenster" (Fenster, die bis zum Fußboden reichen und
verglast sind). Neben der
Synagoge befand sich die Mikwe. Die Festlichkeiten der jüdischen Gemeinde - vor
allem die 'Simchas Thora-Bälle - fanden im gegenüber der Synagoge liegenden
Haus "Stadt Kassel" statt.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
geschändet. Das Gebäude selbst war seit Juli 1938 in nichtjüdischem Besitz
und wurde dennoch geplündert und das gesamte Inventar zerschlagen. Mit den
neuen Besitzern war vereinbart worden, dass die Synagoge noch so lange genutzt
werden könnte, "bis die Juden ausgewandert sind". Die christliche
Hausbesitzerin wollte noch zwei Tora-Rollen retten, die ihr jedoch aus der Hand
gerissen wurden.
Adresse/Standort der Synagoge: hinter
dem Haus Frankfurter Straße 95
Fotos
(Quelle: obere Zeile links: Stadtarchiv Bad Vilbel [aus der
Website der Vilbeler Landboten, s.u. Links]; rechts: Altaras 1988 S. 182)
Die ehemalige Synagoge
in
Bad Vilbel |
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Skizze der
ehemaligen
Synagoge |
Fassadenteil der ehemaligen
Synagoge
(Aufnahme vom August 1984) |
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Neuere Fotos werden noch
erstellt |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| 1988-1993:
Ein vorübergehend bestehendes "Jüdisches
Diaspora-Museum" in Bad Vilbel |
| Fotos aus dem
"Jüdischen Diaspora-Museum" (Dezember 1992); auf den Fotos
ist u.a. eine Chuppa (Baldachin) für Trauungen erkennbar. |
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Zur Geschichte des Museums
(zitiert aus Altaras 1994 S. 147-148 und dies. 2007 S. 375): "Das
private 'Jüdische Diaspora Museum' im Obergeschoss des Gebäudes in der
Frankfurter Straße 70 entstand bereits im Sommer 1988 allein auf
Initiative des Frankfurter Kaufmanns Messmer. Nach jahrelangen Bemühungen
ist es ihm gelungen, eine Vielzahl von bedeutenden, wertvollen und
künstlerischen Gegenständen aus jüdischer Religion und Kultur
anzusammeln und in einer sehr guten Art zu präsentierten.
Die Mannigfaltigkeit der Exponate, ihre Überschaubarkeit durch gute
Anordnung und die begleitenden Führungen oder Vorträge des Michael
Messmer selbst konnten vor allem Schülern und Jugendlichen das Judentum näher bringen.
Dabei verdient die didaktische Bedeutung dieses Museums besonderer Erwähnung:
Mit der guten Dokumentation über das Schicksal von Anne Frank und u.a.
durch die verschiedenen Handzeichnungen und Aquarelle der KZ-Häftlinge in
Theresienstadt konnte die jüngere deutsche Generation den leidvollen Teil
der jüdischen Geschichte, verbunden mit der eigenen, kennen lernen. Umso
mehr ist es zu bedauern, dass dieses verdienstvolle Engagement Michael
Messmers aufgehört hat, weil er wegen finanzieller Schwierigkeiten sein
kleinen Museum schließen musste. Eventuelle Sponsoren oder großzügige
Spender, die das hätten verhindern können, sind nicht gefunden worden,
aber auch Behörden, öffentliche Instanzen oder jüdische offizielle
Institutionen zeigten leider kein Interesse für den Erhalt dieses privaten
Museums. Am 28. März 1993 wurde das Museum offiziell
geschlossen." |
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| 1994-1999:
Über die von Berta Ritscher (gest. 1996)
erstellte Dokumentation "Geschichte der Vilbeler Juden" |
| Anmerkung: nachfolgender
Beitrag erschien einige Monate vor dem Erscheinen der Dokumentation Im
"Vilbeler Landboten" (August 1998; hrsg. von der SPD Bad Vilbel)
und beschreibt in Kürze das das Werden der Dokumentation (Quelle):
"Die Veröffentlichung der Dokumentation ging einen langen schwierigen Weg. Zweimal waren die beauftragten Autoren ihren Aufgaben nicht gewachsen und gaben auf. Ein Geschäftsmann
musste sich einschalten, um das Werk zum Rollen zu bringen. Die Regensburgerin Dr. Berta Ritscher wurde für das Projekt durch Michael Messmer (Gründer des Jüdischen Diaspora Museums Bad Vilbel) gewonnen. Frau Dr. Ritscher
musste bis zur Beendigung der Dokumentation viele Hürden überwinden. Teilweise wurden vor Ihr plötzlich Türen geschlossen.. Vorübergehend erhielt die ältere Historikerin nicht einmal finanzielle Mittel und
musste in Bad Vilbel auf einem Klappbett schlafen. Doch sie hatte einen Narren am Thema gefressen. Das Thema ließ sie nicht mehr los, und sie blieb hartnäckig dran. Sie verstarb 1996...."
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| November
1999: Aufstellung eines Gedenksteines
vor dem "Alten Rathaus" |
Pressemitteilung vom November
2009 (Quelle):
Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung soll am Alten Rathaus ein Denkmal zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Bad Vilbeler Juden aufgestellt werden. Am 28.09.1999 trafen sich nun Baudezernent Peters, Rafael Zur, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bad Vilbel, Mitarbeiter der städtischen Ämter, sowie der Steinmetz Ruths und die Steinbildhauerin Ruths. Nach einer etwa halbstündigen Diskussion stand die Gestaltung des Denkmals fest: Das Denkmal wird in dem Rondell zwischen Lohstraße und Hanauer Landstraße nach einigen Schönheitsreparaturen errichtet. So muss das Schild vor dem Rondell entfernt werden, um den Blick auf das Denkmal zu ermöglichen. Der Stein des Denkmals muss in das Rondell zwischen Pflanzen, Baum und Steinpflaster eingepasst werden und ein kleiner Zugang zum Denkmal geschaffen werden..."
Link: Rede von Rafael Zur zur Einweihung des Gedenksteines |
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| November
2007: Die CDU-Mehrheitsfraktion
verhindert den Antrag, Rafael Zur zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen |
Mitteilung im "Bad Vilbeler
Anzeiger" vom 29. November 2007: "Bad Vilbel.
Rafael Zur wird kein Vilbeler Ehrenbürger – Grüne wollen den Antrag jedes Jahr neu stellen
Bad Vilbel. Rafael Zur wird nicht Ehrenbürger der Stadt Bad Vilbel. Die CDU-Mehrheitsfraktion sagte im Stadtparlament
'Nein' zum Antrag der Grünen. Sie musste dafür Beschimpfungen von Mitgliedern anderer Fraktionen und Zuschauern einstecken.
Ulrich Rabl (Grüne) kündigte an: 'Wir werden diesen Antrag jedes Jahr wieder
einbringen.' 'Rafael Zur und seine Frau hatten den Mut und das Vertrauen, in ein Land zurückzukehren, das die Vernichtung der Juden ersonnen und ausgeführt hat. Er gab uns damit ein Stück Menschlichkeit zurück', sagte Hannelore Rabl (Grüne) in der Begründung des Antrags. Zur habe das jüdische Leben und jüdische Kultur nach Bad Vilbel zurück gebracht, indem er 1986 wieder eine jüdische Gemeinde gegründet habe. Auch die Fraktionsvorsitzenden der SPD, Hans-Ulrich Callies, und FDP, Heike Freund-Hahn, würdigten Zurs Verdienste nicht nur um die jüdische Gemeinde, sondern auch als Stadtverordneter der SPD. Callies stellte klar, dass die Initiative für eine Ehrenbürgerschaft
'ausschließlich von der SPD' ausging. (bep)" |
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| September
2008: Aktivitäten von Rafael Zur und
der neuen Jüdischen Gemeinde in Bad Vilbel |
Artikel von Ute Vetter in der
"Frankfurter Rundschau" vom 13. September 2008 (Artikel
in fr-online.de): "Aufklären, ohne zu verletzen.
Bad Vilbel. Rafael Zur informiert über Verbrechen der Nationalsozialisten in der Stadt.
70 Jahre nach Raub und Mord an der jüdischen Bevölkerung stehen NPDler am Zentralparkplatz und werben um Parteimitglieder - und einige Bürger tragen sich tatsächlich in die die Liste ein. Da kriege ich das Kotzen!". Rafael Zur (75), langjähriger SPD-Stadtverordneter und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Bad Vilbel, fasst es kaum. "Haben die nichts gelernt aus der Geschichte?", fragt er. Der einstige Taxiunternehmer lebt seit 1979 in Bad Vilbel.
Seine 16 Zuhörerinnen waren das erste Mal auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wetterau (die im nächsten Jahr das 25-jährige Bestehen feiert), in Bad Vilbel..." |
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| 2006 -
2007 - 2009: Verlegung von
"Stolpersteinen" in Bad Vilbel |
Foto
links - Stolpersteine für die Familie des Arztes Dr. Szametz in der
Homburger Straße 15: Quelle).
An drei Tagen zwischen 2006 und
2009 wurden in Bad Vilbel "Stolpersteine" des Kölner
Künstlers Gunter Demnig verlegt: am 21. Oktober 2006, am 6. März 2007
und zuletzt am 18. Februar 2009 (darüber nachstehender Bericht). |
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| Februar 2009:
Über die dritte
Verlegung von "Stolpersteinen" |
Artikel in der "Wetterauer Zeitung" vom 19. Februar 2009 (Artikel):
"Steine des Erinnerns vor fünf Häusern verlegt
Bad Vilbel (koe). Steine gegen das Vergessen, die sogenannten Stolpersteine wurden am Mittwochnachmittag vor dem Haus in der Homburger Straße 15 verlegt. Bereits zum dritten Mal war Künstler Gunter Demnig vor Ort, um durch seine mit Gedenktafeln besetzten Pflastersteine an jüdische Mitbürger zu erinnern, die durch das NS-Regime umkamen oder vor
diesem fliehen mussten.
An fünf Plätzen in der Stadt sind seit gestern weitere 'Stolpersteine' zu sehen. In der Homburger Straße, vor den Häusern der Nummer 20, 104, 119 und 173 in der Frankfurter Straße. Die Verlegung begann in der Homburger Straße 15, wo einst
Familie Dr. Szametz wohnte. 'Sie stellen einen besonderen Fall dar, da alle fünf Familienmitglieder emigrierten und vier von ihnen überlebten', erklärte Claus-Günther Kunzmann. Er war in seiner Funktion als Fachbereichsleiter Kultur und als Vorsitzender des Geschichtsvereins bei der Verlegung dabei. Die anderen vier Vilbeler Familien, derer gedacht wurde, sind durch die Nationalsozialisten ermordet worden.
Das Leben Dr. Ludwig Szametz’ habe Parallelen zum Wirken des Dr. Albert Chambrés. Szametz sei den Vilbeler Bürgern als Arzt durch sein soziales Engagement bekannt gewesen. Er setzte sich in den 1920er-Jahren für Schulspeisungen und arme Kinder ein. Bei der Bevölkerung habe er daher hohes Ansehen genossen. Dazu habe auch seine offene Art bei verschiedensten gesundheitlichen Problemen und Fragen beigetragen, fasste Kunzmann zusammen...".
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| Januar
2009: Vortrag von Monica Kingreen
über Albert Chambré |
Artikel von Ben Reichardt in der
"Frankfurter Rundschau" vom 17. Januar 2009 (Artikel
in fr-online.de): "Das Schicksal des Albert Chambré
Bad Vilbel. Vortrag und Buch erinnern an den einstigen Leiter der Realschule.
Sein Markenzeichen war der Homburger Hut. Grüßte Albert Chambré auf der Straße, dann "fasste er den Hut rechts hinter dem Ohr und hob ihn einige Zentimeter in die Höhe. Das war eine liebenswerte Marotte, die unbedingt zu ihm gehörte", erinnert sich ein ehemaliger Schüler.
So gerne sich jene, die ihn kennengelernt haben, auch an Albert Chambré erinnern - sein Name steht zugleich für eine der düstersten Epochen der Quellenstadt. Denn der einstige Leiter der Vilbeler Realschule war Jude. Als solchem entzog ihm die neue hessische nationalsozialistische Landesregierung im März 1933, wie auch anderen jüdischen und sozialdemokratischen Lehrkräften, das Amt des Schulleiters..." |
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| November
2009: Gedenkfeier zur
Erinnerung an den Novemberpogrom 1938 und die frühere jüdische
Gemeinde |
Artikel in der "Wetterauer Zeitung" vom 10. November 2009 (Artikel):
"Jüdische Gemeinde und Stadt erinnern an Pogrome
Bad Vilbel (pe). 'Was in 500 Jahren Geschichte zusammengewachsen war, war in nur fünf Jahren ab 1933 vergiftet und zerstört
worden.' Mit diesen Worten erinnerte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Vilbel, Rafael Zur, an die Judenpogrome vom 10. November 1938. In dieser Stadt fand die systematische Hetze gegen Juden einen Tag später statt als im übrigen Deutschland:
'Die Vilbeler Jüdinnen und Juden hatten 24 Stunden Aufschub, weil die Barbaren sich noch vorbereiten
mussten', merkte Zur dazu an.
Seine Rede hatte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde am Gedenkstein vor dem Alten Rathaus begonnen, allerdings fühlten sich einige der doch zahlreich erschienenen Zuhörer durch den Verkehrslärm gestört und konnten die Worte des Redners nicht verstehen, sodass auf Anregung von Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr die Gedenkstunde in den Empfangssaal des Alten Rathauses verlegt wurde..."
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| September
2010: Führung auf den Spuren der
jüdischen Geschichte in Bad Vilbel |
Artikel (cze) in der "Wetterauer Zeitung" vom 15. September 2010
(Artikel):
"Auf den Spuren jüdischer Mitbürger
Bad Vilbel (cze). Bei der Stadtführung 'Jüdisches Leben in Bad Vilbel' wird den 13 Teilnehmern eines gleich völlig klar: Die Geschichte der jüdischen Bad Vilbeler Bürger ist zu vielschichtig, um sie in 90 Minuten darzustellen.
Und es wird deutlich, die Juden, die im 19. Jahrhundert bis hin zur Zeit des Nationalsozialismus in der Quellenstadt lebten, waren bei der christlichen Bevölkerung geachtet und gesellschaftlich voll integriert. Die wenigen, die bis heute in Erinnerung blieben, haben sich vehement für das Wohl ihrer Mitmenschen eingesetzt.
Am Brunnen- und Bädermuseum begrüßt Goar Laupus – selbst Russin, aber nicht jüdisch – am Sonntagnachmittag zwölf Damen und einen Herrn, die ihr auf dem Rundgang durch die Vergangenheit folgen wollen..." |
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| Oktober
2011: Ein Teil der ehemaligen
Judengasse wird durch Abriss und die anschließende Neubebauung
beseitigt |
Artikel von Detlef Sundermann in
der "Frankfurter Rundschau" vom 20. Oktober 2010: "Ein
Stück Erinnerung weniger. Mit der neuen Mitte verschwindet ein Teil der
ehemaligen Judengasse. Rafael Zur kämpft seit Jahrzehnten gegen das
Vergessen. Doch die Erinnerung an das einstige Jüdische Leben in Bad
Vilbel wird dieser Tage erneut weniger. Mit dem Abriss für die Neue Mitte
geht eine Seite des Wasserwegs - der alten Judengasse - verloren. Dort
soll die Ausfahrt für die Tiefgarage gebaut werden..."
Link
zum Artikel. |
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| Januar
2012: Die Stadt hat das Gebäude
Frankfurter Straße 48 zur möglichen Einrichtung einer
"Gedenkstube" erworben |
Artikel von Meike
Kolodziejczykin der "Frankfurter Rundschau" vom 21. Januar 2012:
"Die Last der Geschichte.
Die Stadt hat das Haus erworben, in dem sich die Jüdische Gemeinde eine
Gedenkstube wünscht..."
Link
zum Artikel. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 324-325. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 182. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 147-148. |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007.
S. S. 374-375. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S.
313-314. |
 | Berta Ritscher: Geschichte der Vilbeler Juden. Von
der Integration zur Deportation. Hrsg. vom Bad Vilbeler Verein für
Geschichte und Heimatpflege e.V. im Auftrag des Magistrats der Stadt Bad
Vilbel unter Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde Bad Vilbel e.V.. 357 S.
Reihe: Bad Vilbeler Heimatblätter. Heimatkundliche Mitteilungen. Heft 45.
1998. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 274-275. |
 | Monica Kingreen: "Lehrer mit Leib und Seele" Erst geachtet, dann verfolgt. Das Leben des Dr. Albert Chambre (1888-1938), Leiter der Realschule in Bad Vilbel. Bad Vilbel
2009 (= Reihe Bad
Vilbeler Heimatblätter. Heimatkundliche Mitteilungen Bd. 51). |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
(Bad) Vilbel
Hesse. Established in the 18th century, the community opened a synagogue in 1813
and developed a vigorous social and cultural life. Affiliated with Giessen's
Orthodox rabbinate, it numbered 113 (3 % of the total) in 1880. After Kristallnacht
(9-19 November 1938), only nine of the 75 Jews living there in 1933 remained. At
least 21 had emigrated (nine to Palestine); those who did not leave Germany
mostle perished in the Holocaust.

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