Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Gießen"  
  
    

Großen-Linden (Stadt Linden, Kreis Gießen) 
mit Hochelheim und Hörnsheim (Gemeinde Hüttenberg, Lahn-Dill-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In Großen-Linden bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück - der jüdische Friedhof am Ort wurde 1637 angelegt.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 40 jüdische Einwohner (4,4 % von insgesamt 900 Einwohnern), 1861 31 (2,5 % von von 1.223), 1880 32 (2,6 % von 1.238), 1900 20 (1,2 % von 1.737), 1910 26 (1,3 % von 2.033). 
  
Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Hörnsheim und Hochelheim lebenden jüdischen Personen (1932 zusammen 16 Personen). Die dortigen jüdischen Familien hatten noch Mitte des 19. Jahrhunderts eine eigene Gemeinde gebildet. Bei der Einteilung der acht Synagogenbezirke im Kreis Wetzlar am 1. August 1853 wurde Hörnsheim zum Sitz von dieser Bezirke bestimmt. Zum Synagogenbezirk Hörnsheim gehörten die in Hörnsheim, Hochelheim, Oberkleen und Ebersgöns lebenden jüdischen Familien. Durch den Rückgang der jüdischen Einwohner in diesen Orten wurde die Synagogengemeinde Hörnsheim aufgelöst und die in Hörnsheim und Hochelheim lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Großen-Linden zugeordnet.     
 
Die jüdischen Familien hatten seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einige Läden und Handlungen am Ort eröffnet (Kurz- und Wollwarenhandel, Manufakturwarenhandel, Viehhandel), dazu gab es eine jüdische Metzgerei und Darmhandel sowie ein Zigarrengeschäft.   
 
An Einrichtungen gab es eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, vielleicht ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben hatte die Gemeinde vermutlich zeitweise einen Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war. 1904 sollte gemeinsam mit anderen Gemeinden der Umgebung ein gemeinsamer "Wanderlehrer" mit Sitz in Wieseck angestellt werden (siehe Bericht unten). Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Provinzialrabbinat in Gießen. In Hörnsheim bestand ein eigener Friedhof.     
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der Gemeinde Hermann Marx (geb. 26.11.1891 in Großen-Linden, gef. 27.2.1916) und Isaak Simon (geb. 11.3.1880 in Großen-Linden, gef. 4.11.1915). Außerdem sind gefallen: aus Großen-Linden Moses Moritz Simon (geb. 13.12.1887 in Großen-Linden, vor 1914 in Tiengen wohnhaft, gef. 7.11.1917); aus Hochelheim: Ignatz Jordan (geb. 25.8.1878 in Wittelshofen, gest. 14.11.1918 in Gefangenschaft).    
  
Um 1924 wurden noch 21 jüdische Einwohner gezählt (0,9 % von insgesamt 2.423 Einwohnern). 1932 waren die jüdischen Gemeindevorsteher B. Theisebach (1. Vors.), L. Stern (2. Vors.) und S. Meyer. Im Schuljahr 1931/32 gab es fünf schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde, die Religionsunterricht erhielten. 
  
1933 lebten 28 jüdische Personen in Großen-Linden (1,1 % von 2.581 Einwohnern).
In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 sorgte der Rektor der Volksschule dafür, dass über 200 Schulkinder durch die Straßen zogen und die Fensterscheiben bei jüdischen Familien einwarfen. Bis 1939 sind fünf Familien aus der Gemeinde ausgewandert, davon vier (mit 14 Personen) in die USA, eine Familie mit vier Personen nach Palästina. Drei Einzelpersonen sind vor 1937 vom Ort verzogen, zwei gingen im Juli 1939 nach Frankfurt (der Gemeindevorsteher B. Theisebach und Frau, von dort in die USA emigriert). 1939 wurden noch fünf, Anfang 1942 noch drei jüdische Einwohner gezählt. Sie wurden im September 1942 deportiert.
  
Von den in Großen-Linden geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berthold Edelmuth (1876), Lina Edelmuth geb. Meyer (1883), Anna Marx (1882), Clara (Klara) Marx geb. Marx (1849), Emil Marx (1883), Franziska Meier (1875), Frieda Meyer (1875), Lina Simon (1877), Nathan Simon (1891).  

Auf dem jüdischen Friedhof der Gemeinde wurde 1997 ein Gedenkstein gesetzt zur Erinnerung an die umgekommenen jüdischen Einwohner mit der Inschrift: "Liskor olam - In ewiger Erinnerung an unsere geliebten Grossen-Lindener Märtyrer der Juden-Verfolgung 1933 Berthold und Lina Edelmuth, Klara und Anna Marx, Frieda Meier, Lina Simon. 'Mein Antlitz ist geschwollen und meine Augenlider sind verdunkelt' Hiob XVI,16. Gewidmet von den Familien Theisebach und Rosenbaum in den Staaten Connecticut und New York USA 1997."     
    
Von den in Hochelheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hermann Jordan (1908), Walter Jordan (1914), Henri Karp (1898), Regina Löwenstein geb. Rosenbaum (1878), Mathilde Rosenbaum geb. Meyer (1885), Simon Rosenbaum (1883).    
Aus Hörnsheim sind umgekommen: Karoline Cahn geb. Rosenbaum (1878), Sabine Gärtner geb. Rosenbaum (1882).      
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Zur Anstellung eines gemeinsamen Wanderlehrers mit Sitz in Wieseck schließen sich mehrere jüdische Gemeinden zusammen (1904)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1904: "Gießen, 21. April (1904). Als Ergebnis des Eintretens der hessischen Regierung für Anstellung nur seminaristisch gebildeter Religionslehrer in den israelitischen Gemeinden ist eine Vereinigung der jüdischen Kultusgemeinden von Wieseck, Großen-Linden (statt Gießen-Linden), Langgöns, Leihgestern, Holzheim, Grüningen und Watzenborn-Steinberg (statt -Steinbach) zustande gekommen, um einen Wanderlehrer mit dem Sitze in Wieseck anzustellen, zu dessen Gehalt die Regierung vorerst einen kleinen Zuschuss leistet. Wenn die Einrichtung sich bewährt, ist die feste Anstellung des Lehrers in Aussicht genommen. Man hört, dass auch in den anderen oberhessischen Kreisen Verhandlungen schweben, die die Frage der israelitischen Religionslehrer in gleicher Weise regeln sollen."       

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Aufruf zu Spenden für eine in schwerer Notlage befindliche Familie (1885)   

Grosslinden Israelit 04051885.jpg (172316 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1885: "Aufruf!  
Der frühere Handelsmann Benjamin Meier zu Großen-Linden bei Gießen, 47 Jahre alt, ist schon seit längeren Jahren leidend. 
Das Übel hat in der letzten Jahren so zugenommen, dass Meier nicht mehr in der Lage ist, sich auch nur im Geringsten gerade zu bewegen. Er liegt teilnahmslos da und ist in allen und jeden Beziehungen auf die Hilfe anderer angewiesen.  Seine Frau Betti geb. Süßel ist jetzt 42 Jahre alt. Dieselben haben drei Kinder, wovon das älteste 9 Jahre und leider fast ganz erblindet ist.  
Die Frau Meier selbst ist eine sehr kranke Frau, welche, wie durch Herrn Prof. Dr. Kaltenberg in Gießen dargetan werden kann, sich einer gefährlichen Operation unterziehen musste und nun in der Lage ist, dass sie sich jeder Arbeit enthalten muss. Vermögen besitzt diese unglückliche Familie nicht. Dieselbe ist sonach in den allerärmsten Verhältnissen. Die Unterstützungen, die ihr bis jetzt geworden sind, reichen unmöglich aus, um die traurige Lage nur einigermaßen zu lindern. Außerordentliche Hilfe muss hier eintreten. 
Wir wenden uns deshalb an alle edlen Menschen mit der ganz ergebenen Bitte um milde Gaben für diese bedürftige Familie. 
Gießen und Großen-Linden, Ostern 1885. Großherzoglicher Bürgermeister zu Großen-Linden. Meun,  
Herz Marx. Abraham Simon.
Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Großen-Linden. 
Auch wir sind gern bereit, Gaben entgegenzunehmen und weiterzubefördern. 
Die Expedition des 'Israelit'."  

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
  
Über Löb Merkel, jüdischer Bahnwärter in Großen-Linden von 1856 bis 1871 (Bericht zu seinem 90. Geburtstag 1903) 

Messel Israelit 16101903.jpg (95187 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1903: "Messel, 9. Oktober (1903). Das 'Darmstädter Tagblatt' schreibt: Am 15. Oktober dieses Jahres begeht der älteste Einwohner hiesiger Gemeinde und das älteste Glied der israelitischen Religionsgemeinde, Herr Löb Merkel, seinen 90. Geburtstag. Derselbe ist geboren am 15. Oktober 1813 zu Messel, trat am 1. April 1834 in den hessischen Militärdienst und war 22 Jahre 7 Monate ununterbrochen in demselben; er machte den Feldzug 1848/49 in Baden mit, schied am 24. Oktober 1856 aus dem Militärdienste aus und wurde als Bahnwärter in Großen-Linden bei Gießen angestellt, welchen Dienst er zur größten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten versah. Am 1. Januar 1871 wurde er als Weichensteller nach Vilbel bei Frankfurt versetzt, wo er bis zu seiner Pensionierung am 1. Mai 1878 verblieb und dann wieder hierher zurückkehrte. Herr Merkel erfreut sich trotz seines hohen Alters noch ziemlich guter Gesundheit.   Wir empfehlen diese Notiz der 'Staatsbürger-Zeitung' zum freundlichen Abdruck."  
 
Messel AZJ 06111903.jpg (98485 Byte)Derselbe Bericht erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. November 1903.   

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge                    
    
Als Synagoge diente in Großen-Linden ein von der Ortsgemeinde gepachtetes und umgebautes Haus. Dabei handelte es sich um ein kleines, zweigeschossiges Fachwerkhaus in unmittelbarer Nachbarschaft des Pfarrhauses. Wann das möglicherweise aus dem 17. Jahrhundert stammende Gebäude zur Nutzung als jüdisches Bethaus umgebaut wurde, ist nicht bekannt - Thea Altaras hat dafür die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts vermutet. 
  
Auch die in Hörnsheim und Hochelheim wohnhaften jüdischen Personen kamen zu den Gottesdiensten nach Großen-Linden.    
     
Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 gegen die Synagoge ist nichts bekannt.  
 
Die ehemalige Synagoge wurde nach 1974 abgebrochen. Das Grundstück wurde zu einem asphaltierten Hof. Ein Teil davon wurde 1988 oder später als Rasenstück angelegt, auf dem sich inzwischen ein Gedenkstein mit einer Tafel befindet.      
   
   
Adresse/Standort der Synagoge            Bahnhofstraße 3      
    
    
Fotos
(Quelle: Obere Zeile links: Arnsberg Bilder S. 76, rechts in sw und Foto in zweiter Zeile: Altaras 1988 S. 82; 
obere Zeile rechts farbig aus dem Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 24.11.2010 - repro: Wißner)  

Das Gebäude der 
ehemaligen Synagoge
 
Grossen Linden Synagoge 125.jpg (73415 Byte) Linden Synagoge PA201011.jpg (35477 Byte)
   Aufnahme von vor 1970  Aufnahme von 1974 
        
Das Grundstück nach 
Abbruch der Synagoge
Grossen Linden Synagoge 121.jpg (66726 Byte)   
   Nach dem Abbruch der Synagoge: ein
 asphaltierter Hof (Foto August 1984) 
   
      
Gedenkstein   Foto wird noch erstellt    
        

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
  

November 2010: Erinnerung an die Synagoge bei einem "Historischen Seniorennachmittag"     
Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 24. November 2010 (Artikel): "Beim 'Bäier-Schäfer' gab es Bier aus Krügen
GROSSEN-LINDEN. Historischer Seniorennachmittag mit Helmut Faber

(ee). Ehemalige Geschäfte in der Bahnhofstraße standen im Mittelpunkt des Seniorennachmittags der evangelischen Kirchengemeinde Großen-Linden. Leiterin Else Weiser, die mit einer Andacht zur Auslegung des Vaterunser die Zusammenkunft im Gemeindehaus eröffnete, begrüßte als Referenten mit Helmut Faber den Vorsitzenden des Heimatkundlichen Arbeitskreises Linden. Dieser nahm die Senioren mit auf eine Zeitreise in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts..."     
  
August 2011: Diskussion über "Stolpersteine" im Gemeinderat Hüttenberg    
Artikel von "msk" im "Gießener Anzeiger" vom 19. August 2011 (ganzer Artikel; nur ein Abschnitt aus dem Artikel wird zitiert): 
"Diskussion über 'Stolpersteine' in Hüttenberg - Erinnerung an jüdische Bürger - 
Die Grünen stellten den Antrag Stolpersteine in den Bürgersteigen vor den Häusern ehemaliger jüdischer Mitbürger, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, einzulassen. So werde Geschichte, wie andernorts auch, lebendig gehalten, lautete Tatjana Friedrichs Begründung. Christiane Koch-Rein (FWG) erinnerte daran, dass führende Vertreter der Juden die Steine als zweite Entwürdigung empfänden, da sie 'im Dreck' lägen. Man solle sich zunächst einmal über den Zustand des jüdischen Friedhofs unterhalten. Klaus Schultze-Rohnhof (CDU) schlug vor, Hinterbliebene zu fragen. Josef Fischer (SPD) zeigte sich enttäuscht, dass er im Gespräch mit einem Vertreter des Parlaments die Antwort erhalten habe 'Was soll das bringen?'."  
  
November 2013: Eine Gedenktafel auf dem Alten Friedhof Hochelheim erinnert an jüdische Einwohner     
 
Artikel von Carolin Beinroth in der "Gießener Zeitung" vom November 2013 (Link zum Artikel): 
"Gedenktafel auf dem Alten Friedhof Hochelheim erinnert an jüdische Einwohner.
Gießen. Am vergangenen Freitag wurde auf dem Alten Friedhof in Hochelheim eine Gedenktafel für die hier und in Hörnsheim ansässigen Juden eingeweiht.
Der Alte Friedhof in Hochelheim ist seit 1981 für Bestattungen geschlossen, doch seit 2012 sind Baumbestattungen wieder möglich. 'Diese sehr schöne Anlage bot sich den Bürgern an für eine erweiterte Nutzung als besinnliche Aufenthalts- und Gedenkstätte,' so Hüttenberger Bürgermeister Christof Heller. Schon bald gründete sich eine Arbeitsgruppe, die über mögliche Gestaltungsformen des Alten Friedhofs diskutierte. Zur selben Zeit stellten die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen einen Antrag, sich mit den verschiedenen Möglichkeiten zu befassen, wie man den ehemaligen Bürgern und Bürgerinnen Hüttenbergs jüdischer Herkunft gedenken könnte, die im Zuge des Nazi-Regimes fliehen mussten oder deportiert wurden.
'Zu erst hatten wir überlegt Stolpersteine anzubringen, aber letztendlich haben wir uns für Gedenktafeln an den Häusern ehemaliger jüdischer Bewohner in Hochelheim und Hörnsheim und eine Gedenkstätte auf dem Alten Friedhof entschieden. Auf diesem Weg möchten wir zum Ausdruck bringen, dass wir uns auch diesem Teil unserer Geschichte stellen und ihn nicht vergessen wollen,' so Christiane Schmidt vom Archiv der Gemeinde Hüttenberg, die maßgeblich an der inhaltlichen Konzeption der Gedenktafel beteiligt war. Bereits vor zweieinhalb Jahren veröffentlichte Schmidt gemeinsam mit Marianne Bill ein Buch über 'Jüdisches Leben in Hüttenberg'. Durch umfangreiche Recherchearbeiten informierten sie sich über das Leben der damals hier lebenden Familien, beispielsweise das der Familie Rosenbaum, die während des dritten Reiches aus Hüttenberg vertrieben und deportiert wurde - nun erinnert ein Rosenstock neben der Gedenktafel an die ehemals in Hüttenberg lebende Familie. Die Geschichten von insgesamt 10 in Hochelheim oder Hörnsheim aufgewachsenen Juden sind auf der Gedenktafel auf dem Alten Friedhof nachzulesen.
Im Bereich der heutigen Gemeinde Hüttenberg lebten bereits vor über 400 Jahren Juden, zuerst in Vollnkirchen, seit Ende des 17. Jahrhunderts in Hochelheim und wenig später auch in Hörnsheim', so Schmidt anlässlich der Eröffnung der Gedenkstätte, zu der zahlreiche Anwohner trotz starkem Regen erschienenen. Bürgermeister Heller bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern, die mit viel Engagement an den Bauarbeiten beteiligt waren."   
 
 

    
     
Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Linden  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 284-285.  
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 76.   
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 81-82.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 69 (mit Foto des Gedenksteines). 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Darmstadt. 1995 S. 45. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 140-141. 

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Grossen-Linden  Hesse. The community numbvered 40 (4 % of the total) in 1828, its old burial ground (1637) serving Jews throughout the region. By April 1939, the remaining 28 Jews had mostly emigrated to the United States of Palestine and their synagogue had become the local SA headquarters. A memorial was erected there on the 50th anniversary of Kristallnacht (9-10. November 1938). 
   
    

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge    

                     

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. Februar 2016