Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Trier-Saarburg"  
  
   

Niederzerf mit Greimerath und Schillingen (Gemeinde Zerf, VG Kell am See) 
und Pellingen (VG Konz) (Kreis Trier-Saarburg) sowie Losheim am See (Kreis Merzig-Wadern)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte und Dokumente aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
In Niederzerf bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis 1938. Seit den 1830er-Jahren ließen sich erstmals jüdische Personen am Ort nieder.  
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner blieb in der Folgezeit gering: 1895 lebten 10 jüdische Personen in Niederzerf, 1925 16. Zusammen mit den in Greimerath (Familie Herrmann), Pellingen (Familie Hermann) und Schillingen sowie Losheim am See lebenden, gleichfalls wenigen jüdischen Einwohnern, konnte man jedoch eine kleine Gemeinde bilden.
  
In Pellingen gehörte Jenny Herrmann ein Lebensmittelladen am Dorfplatz. Ihr Mann Bernhard Herrmann war Viehhändler und im Ersten Weltkrieg mit dem EK I und dem EK II dekoriert worden. Die Familie besuchte trotz offizieller Zugehörigkeit zur Gemeinde in Niederzerf die Synagoge in Oberemmel.   
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein Friedhof
  
Um 1924, als zur Gemeinde 23 Personen gehörten, war Gemeindevorsteher Daniel Herrmann. 1932 waren die Gemeindevorsteher Daniel Herrmann (Niederzerf, 1. Vors.), Max Herrmann (2. Vors.) und Albert Herrmann (Schriftführer und Schatzmeister). Die Gemeinde wurde betreut durch Bezirksrabbiner Dr. Altmann aus Trier.  
 
1933 lebten 20 jüdische Personen am Ort. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde auch gegen die noch in den Orten lebenden jüdischen Familien Aktionen durchgeführt. So wurde das Lebensmittelgeschäft von Jenny Herrmann in Pellingen verwüstet. Über die Lebensmittel wurde Petroleum ausgeschüttet.
   
Von den in Niederzerf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Josef Herrmann (1878), Siegfried Herrmann (1903), Heinrich Max Meier (1887), Hermann Meier (1877), Isidor Meyer (1904), Markus Meyer (1883), Therese Meyer geb. Ackermann (1875). 
   
Aus Greimerath sind umgekommen: Ernestine Behr geb. Herrmann (1897), Amalie Herrmann (1926), Josef Herrmann (1894), Sylvester Herrmann (1880), Theodor Herrmann (1900), Jakob Herrmann (1886), Berta Tobias geb. Herrmann (1884). 
Aus Losheim am See ist umgekommen: Sylvester Herrmann (geb. 1880 in Greimerath, zeitweise in Losheim wohnhaft) 
Aus Pellingen sind umgekommen: Bernhard Hermann (1893), Heinrich Hermann (1881), Jenny Hermann (1886), Joseph Hermann (1863), Rudolf Hermann (1929), Helmut Hermann (1923).   
Aus Schillingen sind umgekommen: Regina Kahn (1902), Jeanette Mayer geb. Jakobs (), Heinrich Max Meier (geb. 1887 in Niederzerf, lebte zeitweise in Schillingen)
   
   
   
Berichte und Dokumente aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Texte zur jüdischen Geschichte in Niederzerf gefunden. 
   
Erinnerungen an die Familie Lorig - am Ende des 19. Jahrhunderts beheimatet in Schillingen, danach bis 1935 in Wiebelskirchen 
(Informationen und Fotos erhalten von Ruth Miller)  
    
Zur Familiengeschichte:  Joseph Alexander Lorig ist am 15. Juni 1861 in Butzweiler geboren. Er war als Kaufmann tätig. Er zog nach Schillingen, um hier eine Landesproduktenhandlung zu eröffnen. Er kaufte Gemüse und Früchte bei den örtlichen Bauern und lieferte diese in die Städte. Am 27. Dezember 1889 heiratete er Elisabeth geb. Hayum, die am 24. September 1861 in Kirf geboren ist. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Salomon (geb. 19. Oktober 1890 in Schillingen) und Zilla (geboren 26. Dezember 1892 in Schillingen). Wenige Monate nach der Geburt ihrer Tochter ist Elisabeth Lorig geb. Hayum am 16. März 1893 verstorben (möglicherweise auf dem jüdischen Friedhof in Zerf beigesetzt). Am 16. Oktober 1893 heiratete Joseph Alexander Lorig in zweiter Ehe Theresia geb. Hayum, eine Schwester seiner ersten Frau. 
Im Jahr 1900 ist die Familie nach Wiebelskirchen umgezogen, wo Joseph Alexander Lorig ein Haushaltswarengeschäft in der Brückenstraße 11 eröffnete. Von hier aus zog Salomon Lorig als Soldat in den Ersten Weltkrieg. Er wurde verwundet und kam später in französische Kriegsgefangenschaft und wurde u.a. mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Salomon Lorig heiratete am 27. Februar 1922 in Glan-Münchweiler Isabella geb. Mann (geb. 28. Januar 1894 in Steinbach am Glan). Die beiden hatten eine Tochter Edith (geb. 21. Februar 1923 in Wiebelskirchen). Salomon übernahm das Geschäft seines Vaters und erweiterte es zum "Kaufhaus Lorig". Nach der Angliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich 1935 beschloss Salomon Lorig, mit Frau und Tochter auszuwandern. 1936 traf die Familie Lorig in Tel Aviv / Erez Jisrael ein. Salomon Lorig starb in Tel Aviv am 13. Januar 1970, Isabella geb. Mann starb am 18. Dezember 1986 ebd. (beide beigesetzt in Holon).      

Schillingen Haus 010.jpg (84250 Byte)  Wiebelskirchen Joseph Alexander Lorig.jpg (39198 Byte) Wiebelskirchen Salomon Lorig jung 001.jpg (21000 Byte)   Weitere Fotos aus der Familiengeschichte 
siehe Seite zu Wiebelskirchen    
 Haus der Familie Lorig in Schillingen
Geburtshaus von Salomon Lorig 
Joseph Alexander Lorig (geb. 1861 in 
Butzweiler, gest. 1928 in Wiebelskirchen
 Der junge 
Salomon Lorig   
 
     

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge    
       
Zunächst (nach 1900) konnten sich die jüdischen Familien aus Niederzerf und Umgebung einen Betraum im Haus des Matthias Klauck in der Trierer Straße 19 einrichten. 
 
Ende der 1920er-Jahre konnte ein von der jüdischen Gemeinde gekauftes Gebäude hinter dem Haus Bahnhofstraße 2 zu einer Synagoge umgebaut werden. Die Einweihung war 1930. Eine 1931 in jüdischen Gemeinden des Regierungsbezirkes Trier durchgeführte Kollekte half, den Bau zu finanzieren. Charakteristisch für das Gebäude war ein Dachreiter mit einer geschweiften Haube (vermutlich mit Davidstern); in der nördlichen Trauseite hatte das Gebäude drei Rundfenster (vgl. Foto unten). 
  
Nur wenige Jahre war die Synagoge das Zentrum des religiösen Lebens der jüdischen Familien in Niederzerf und Umgebung. Seit 1933 wurden durch Steinwürfe mehrfach die Fenster der Synagoge beschädigt. Nach vor dem Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude verkauft. Es wurde in der Folgezeit für Varieté-Veranstaltungen für Wehrmachtsangehörige zweckentfremdet. Durch Kriegseinwirkungen zwischen Januar und März 1945 wurde das Gebäude zerstört.   
     
     
Adresse/Standort der Synagoge   Bereich Ecke Bahnhofstraße / Trierer Straße (vgl. Fotos unten). 
     
     
Fotos
(Quelle: Foto oben aus der Publikation des Landesamtes s. Lit. S. 414; Farbfoto: Hahn, Aufnahmedatum 17.6.2009)

Historische Luftaufnahme 
(1936)
Zerf Synagoge 011.jpg (83208 Byte) Zerf Synagoge 010.jpg (84609 Byte)
  Blick auf den Ortskern von Zerf 
(Bereich Bahnhofstraße - 
Trierer Straße - Marktplatz)
Ausschnittvergrößerung der Aufnahme links
 mit der Synagoge - erkennbar an dem
 Dachreiter mit geschweifter Haube
     
Der Synagogenstandort 
im Juni 2009 
Zerf Synagoge 202.jpg (93977 Byte) Zerf Synagoge 203.jpg (106504 Byte)
   Blick auf die am Anfang der Bahnhofstraße
 gelegenen Gebäude, das größere Gebäude
 rechts (einseitiges Krüppelwalmdach) ist 
das auch auf der historischen Luftaufnahme
 erkennbare Gebäude Bahnhofstraße 2
Das Gebäude Bahnhofstraße 2 - 
die Synagoge stand im Bereich der 
Sitzgruppe und Rasenfläche
  
        

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Februar 2014: In Pellingen werden "Stolpersteine" verlegt  
Artikel von Herbert Thormeyer im "Trierischen Volksfreund" vom 20. Februar 2014: "Fünf Mahnmale für fünf Schicksale
Auf Anregung des Zeitzeugens Arnold Annen (84) wird in Pellingen (Kreis Trier-Saarburg) auf ganz besondere Art und Weise der verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger gedacht. Der Kölner Künstler Gunter Demnig wird fünf pflastersteingroße Gedenksteine mit Namen und Schicksal am Dorfplatz in den Boden einlassen..."  
Link zum Artikel    
Anmerkung: die "Stolpersteine" wurden am 22. Februar 2014 auf dem Dorfplatz von Pellingen verlegt für Auguste, Bernhard, Helmuth, Jenny und Rudi Herrmann".  
 

 
   


Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Kell am See mit Seite zu Zerf  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Zerf (interner Link)   
Seiten der Kulturdatenbank Region Trier: Jüdischer Betsaal in Niederzerf    Synagoge in Niederzerf   

Literatur:  

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 413-414 (mit weiteren Literaturangaben).  
Willi Körtels: Die jüdische Schule in der Region Trier. Hrsg. Förderverein Synagoge Könen e.V. 2011. Online zugänglich (pdf-Datei).  

  
n.e.          

                    
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge   

              

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. April 2015