Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Obervorschütz (Stadt Gudensberg, Schwalm-Eder-Kreis) 
Jüdischer Friedhof 
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde             
    
Siehe Seite zur Synagoge in Gudensberg  (interner Link)  
    
    
Zur Geschichte des Friedhofes                
     
Um 1725 erwarb die jüdische Gemeinde Gudensberg beziehungsweise Obervorschütz ein Grundstück zur Anlage eines Friedhofes. Dieses Stück konnte jedoch für den Friedhof nicht verwendet werden, da es zu steinig war (heute an der Südwestecke des Friedhofes). Man kaufte deshalb etwa 4 bis 5 Morgen Fläche dazu. Der Friedhof diente danach als zentraler Begräbnisplatz für Gudensberg mit Obervorschütz und Maden sowie Riede, Dorla, Kirchberg, Lohne. Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Friedhof auch von den Gemeinden Felsberg mit Altenburg, Gensungen und Neuenbrunslar, Niedenstein sowie von Cappel und Obermöllrich, Züschen, Elben belegt. Ein Teil dieser Orte legte dann eigene Friedhöfe an. Die Friedhofsfläche umfasst 132,04 ar. Die ältesten Gräber befinden sich im unteren Bereich am Fuß der Anhöhe (ab 1727). 
  
Die Gesamtzahl der erhaltenen Grabsteine beträgt nach der Dokumentation des Baruch Wormser von 1937 etwa 425, nach der Dokumentation von 2007 388. Die letzten Beisetzungen fanden 1934/35 statt.  
  
Eine erste Dokumentation des Friedhofes hat 1937 Baruch Wormser aus Grebenstein vorgenommen (Quelle: HHStA Wiesbaden; Link zu dieser Dokumentation siehe unten bei "Quellen") 
Nachfolgend die ersten beiden Seiten mit den einleitenden Sätzen zur Dokumentation des Friedhofes
:  

Friedhof_Obervorschuetz_Beschreibung1.jpg (86556 Byte) Friedhof_Obervorschuetz_Beschreibung2.jpg (120401 Byte) Friedhof_Obervorschuetz_Beschreibung2a.jpg (83708 Byte)
"Grabstein-Verzeichnis des Friedhofes in Obervorschütz der Synagogengemeinde Gudensberg Kreis Fritzlar, Bezirk Kassel und ihrer Zweiggemeinden: Obervorschütz, Riede, Dorla, Kirchberg, Lohne und Maden. Bis vor etwa 40-50 Jahren wurde dieser Friedhof mitbenützt von den Gemeinden Felsberg mit ihren Zweiggemeinden Altenburg und Gensungen, sowie Synagogengemeinde Niedenstein und den zu Fritzlar gehörenden Ort Kappel, Obermöllerich, ferner noch Züschen, Elben und Neuenbrunslar. Wie aus der Chronik der Stadt Gudensberg hervorgeht, wohnen Juden in dieser Stadt erst seit dem Jahre 1640, bis etwa zum Jahre 1730 haben nur wenige Familien daselbst gewohnt, denn um diese Zeit ging man erst an die Erwerbung des Grundstücks für den Friedhof. Zuerst wurde das heutige Südwesteck bestehend in einer Anhöhe erworben. Des steinigen Bodens wegen konnte nur der südwestliche Teil der Anhöhe nicht verwendet werden und wurde zum Erwerb anschließender Grundstück geschritten. Heute dürfte der Friedhof eine Fläche von etwa 4-5 Morgen umfassen. Vor etwa 80 Jahren wurde der ganze Friedhof mit Tannenbäumen umsäumt, - mit Ausnahme der Südwestecke, welche heute eine beträchtliche Höhe erreicht haben. Der nachweislich älteste Grabstein trägt die Nummer 22 und befindet sich am Fuß der Anhöhe nördlich derselben. Es liegt daselbst begraben, Scheinche Tochter des Joel gest. Adar Rischon 5496, das ist nach der bürgerlichen Zeitrechnung 1736. Nach unten stehender Planskizze ist der Friedhof bei der Aufnahme in Felder eingeteilt und zur besseren Orientierung wurden die Steine mit Nummern versehen mit Ausnahme der neueren Gräber nordwestlicher Teil. Letztere stehen in geordneten Reihen, die eine leichte Orientierung auch ohne Nummern ermöglichen. Die Aufnahme der Grabsteine wurde in den Tagen des Monats August 1937 von Baruch Wormser aus Grebenstein aufgenommen".    
    
Hinweis: Nach dem Verzeichnis der durch die "Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen" bearbeiteten hessischen Friedhöfe ergibt sich für den Friedhof in Obervorschütz die Zahl von 388 vorhandenen Grabsteinen aus der festgestellten Belegzeit von 1727 bis 1935. Siehe landesgeschichtliches Informationssystem Hessen - Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen und Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg: Dokumentation der jüdischen Friedhöfe in Hessen - Online zugänglich  

       
Anfang Oktober 2003 wurde der Friedhof in Obervorschütz geschändet. Mit roter Sprayfarbe wurden 42 Grabsteine, beide Sandstein-Torpfosten und das Infoschild am Eingang mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Naziparolen besprüht.     
      
      
Lage des Friedhofes  
       
Der Friedhof liegt im Westen des Ortes (ca. 300 m die Friedensstraße hinausfahren).         
      
      
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 16.6.2008)   

Obervorschuetz Friedhof 157.jpg (136963 Byte) Obervorschuetz Friedhof 156.jpg (93669 Byte) Obervorschuetz Friedhof 150.jpg (136178 Byte)
Das Eingangstor  Hinweistafeln  Unteres Tor beim ältesten Friedhofsteil 
     
Obervorschuetz Friedhof 152.jpg (106337 Byte) Obervorschuetz Friedhof 153.jpg (111046 Byte) Obervorschuetz Friedhof 155.jpg (103961 Byte)
Teilansichten des alten Friedhofteiles, in dem nur noch ein Teil der Grabsteine steht 
 
Obervorschuetz Friedhof 174.jpg (133962 Byte) Obervorschuetz Friedhof 170.jpg (129239 Byte) Obervorschuetz Friedhof 171.jpg (133388 Byte)
  Einzelne Grabsteine 
   
Obervorschuetz Friedhof 165.jpg (129345 Byte) Obervorschuetz Friedhof 173.jpg (130732 Byte) Obervorschuetz Friedhof 166.jpg (134309 Byte)
    Gräberreihe im mittleren Teil 
(neuester Teil im Plan von Wormser s.o.)
     
Obervorschuetz Friedhof 162.jpg (105556 Byte) Obervorschuetz Friedhof 175.jpg (115776 Byte) Obervorschuetz Friedhof 176.jpg (115744 Byte)
Unterschiedlich gestaltete Levitenkannen
   
Obervorschuetz Friedhof 167.jpg (147434 Byte) Obervorschuetz Friedhof 159.jpg (113089 Byte) Obervorschuetz Friedhof 169.jpg (129424 Byte)
Grabstein für Selma Löwenstein 
geb. Bauer
(1886-1928) 
Doppelgrabstein 
(Beisetzungen 1910/11) 
Grabstein für Carlmann Plaut 
(1856-1923)  
     
Obervorschuetz Friedhof 160.jpg (124518 Byte) Obervorschuetz Friedhof 179.jpg (109342 Byte)  
Grabstein für Jannchen Plaut 
geb. Goldschmid
(1860-1898) und
 Isaac Plaut (1857-1932) 
"Stärker als der Tod ist die Liebe" - 
Grabstein für Berta Lilienfeld 
geb. Weinberg
(1856-1912) 
 
     
     
Kurzbesuch auf dem Friedhof 
im Frühjahr 2010 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2010) 
    
Obervorschuetz Friedhof 470.jpg (125071 Byte) Obervorschuetz Friedhof 471.jpg (122389 Byte) Obervorschuetz Friedhof 472.jpg (128880 Byte)
Unteres Tor   Teilansichten des alten Friedhofsbereiches 
     
Obervorschuetz Friedhof 473.jpg (116463 Byte) Obervorschuetz Friedhof 474.jpg (124715 Byte) Obervorschuetz Friedhof 475.jpg (93607 Byte)
Teilansichten Einzelne Grabsteine 
       
   Obervorschuetz Friedhof 476.jpg (110430 Byte)   
       
     

    
    
Einzelne Presseberichte 

April 2010: Friedhofsführung und Sorge um den zunehmenden Verfall der Grabsteine  
Artikel in der "Hessischen Allgemeinen" vom 28. April 2010 (Artikel): 
"Großes Interesse an jüdischem Friedhof – Allmählicher Verfall droht. Segnende Hände am Grab
Obervorschütz. Die Initiative „Stolpersteine“ hatte zum Besuch des jüdischen Friedhofs in Obervorschütz eingeladen. Immerhin 50 Gäste kamen an den Ort, wo vor einem Jahr die ersten Stolpersteine verlegt wurden. Als eine der ersten Familien wurde die Familie Adler mit einem Stolperstein bedacht. Von dort trat der junge Jakob Adler 1939 mit Angehörigen seinen letzten Weg zum Friedhof an, berichtete Deborah Tal-Rüttger. 
Der jüdische Friedhof in Obervorschütz ist einer der ältesten in Nordhessen. Dort wurden seit dem 17. Jahrhundert nicht nur die Gudensberger Juden begraben, sondern auch jüdische Mitbürger aus vielen anderen Orten in der Umgebung. Auf dem Friedhof erläuterte Deborah Tal-Rüttger eine Reihe von Grabinschriften, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ausschließlich in hebräischer Sprache verfasst wurden. Interessante Informationen erhielten die Teilnehmer auch zur Bedeutung von Symbolen auf den Grabsteinen: So verweisen florale Ornamente auf ein Frauengrab, ein Krug oder segnende Hände an besondere Aufgaben des Verstorbenen beim Gottesdienstritual in der Synagoge. Besorgt zeigten sich die Teilnehmer der Veranstaltung über den allmählichen Verfall, dem der Friedhof preisgegeben ist. Umwelteinflüsse, aber auch nicht ausreichende Pflege führen dazu, dass Grabsteine zerfallen und Schriften nicht mehr lesbar sind. Wie eines der wenigen Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in der Stadt Gudensberg für die Zukunft bewahrt werden kann, ist eine noch ungelöste Frage. (red)"  
 
 

    
     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Gudensberg  mit Seite zum jüdischen Friedhof Obervorschütz    
Zur Seite über die Synagoge in Gudensberg (interner Link) 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Gudensberg mit umliegenden Orten   
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Gudensberg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,388   Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs der Kultusgemeinde Gudensberg in Obervorschütz, aufgenommen im August 1937 durch Baruch Wormser aus Grebenstein,  Laufzeit 1736 - 1935  
Überwiegend hebräische, zum Teil deutsche Grabinschriften mit Angaben zur Lage der Gräber auf dem Friedhofsgelände; enthält auch Angaben zu Verstorbenen Juden aus Cappel, Dorla, Elben, Felsberg (mit Altenburg und Gensungen), Kirchberg, Lohne, Maden, Neuenbrunslar, Niedenstein, Obermöllrich, Obervorschütz, Riede, Züschen; darin auch: Abriss zur Geschichte des Friedhofs mit Hinweis auf dessen Anlegung um 1730 und die Nutzung als Sammelfriedhof u.a. durch die Synagogengemeinden Gudensberg, Felsberg, Niedenstein und Fritzlar; enthält auch je eine Skizze zur Lage und Belegung des Friedhofs in Obervorschütz; auch: Fotos von verschiedenen Gräberfeldern des Friedhofs, aufgenommen durch Herrn Regierungsrat Dr. Grünbaum.  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5135970         
HHStAW 365,384   Geburtsregister der Juden von Gudensberg  1824 - 1874; enthält auch Angaben zu Dorla, Maden und Obervorschütz    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1230098     
HHStAW 365,387   Sterberegister der Juden von Gudensberg   1824 - 1900; enthält auch Angaben zu Dorla, Maden und Obervorschütz    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126650                   
HHStAW 365,386   Trauregister der Juden von Gudensberg  1825 - 1900; enthält auch Angaben zu Dorla, Maden und Obervorschütz  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v825436      
HHStAW 365, 385  Geburtsregister der Juden von Gudensberg  1875 - 1901; enthält auch Angaben zu Maden und Obervorschütz   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289874        

Literatur:  

 

     
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 09. Mai 2016