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Friedhöfe in der Region"
Zur Übersicht: Jüdische Friedhöfe in Baden-Württemberg
Bad Cannstatt (Stadt
Stuttgart)
Jüdischer Friedhof (Steigfriedhof)
Zur Geschichte der
jüdischen Gemeinde
Siehe Seite zur Synagoge in Bad
Cannstatt (interner
Link)
Die Begräbnisstätten der Cannstatter Juden
Ein jüdischer Friedhof wurde in Cannstatt erst nach Gründung einer selbständigen Israelitischen Gemeinde angelegt. Bis 1872/73 wurden die in Cannstatt verstorbenen jüdischen Einwohner als bis dahin zu Stuttgart gehörige Gemeindeglieder im
israelitischen Teil des Hoppenlaufriedhofes oder im jüdischen
Friedhof in (Remseck-)Hochberg beigesetzt. Manche der nach Cannstatt zugezogenen Personen wünschten sich eine Bestattung im bisherigen Heimatort und wurde dahin überführt.
Unter den im Stuttgarter Hoppenlaufriedhof beigesetzten Cannstattern waren drei Anfang 1865 verstorbene Kinder des Fabrikanten Otto Pappenheimer wie auch der
"Optikus und Graveur" Abraham Hirsch, der seit 1858 in Cannstatt lebte und hier 1869 starb. In
Hochberg wurde unter anderem der 1871 in Cannstatt verstorbene Salomon Pappenheimer beigesetzt, nachdem dort bereits seine erste, aus Aldingen stammende Frau ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte.
Die Anlage eines jüdischen Friedhofes in Cannstatt
In unmittelbarer Nähe des allgemeinen Steigfriedhofes, der an keine Konfession gebunden ist, konnte die neugegründete jüdische Gemeinde Cannstatts 1872 einen Acker in der Flur
"Auf der Steig" (heute an der Straße Sparrhärmlingweg) erwerben. Noch im selben Jahr wurde der Friedhof angelegt. Die Fläche umfasste 1897 20,15 ar, 1915 wurde sie nach Westen, 1929 nach Osten erweitert, sodass die Gesamtfläche seitdem 33.03 ar beträgt. Die Erweiterungsfläche von 1929 ist nur noch mit wenigen Gräbern belegt worden und daher überwiegend eine Grünfläche.
Die ersten Beisetzungen:
Die ersten beiden Beisetzungen im Friedhof fanden im Dezember 1873 statt. Der gerade 13 Monate alte Benedikt Fränkel (gest. 8. Dezember 1873) war der erste im Friedhof Bestattete; es folgte die am 29. Dezember 1873 verstorbene Rosa Aron, die 26jährige Tochter des Maier Aron.
Die Friedhofshalle und das Leichenhaus:
Eine Friedhofshalle (Friedhofskapelle) und ein daran angebautes Leichenhaus wurden 1895/96 für 26.000 Mark beziehungsweise 33.000 Mark erbaut (Gebäude Sparrhärmlingweg 24). Bei der Friedhofshalle handelte es sich um ein einstöckiges steinernes Gebäude mit einem achteckigen Aufbau und einem Kuppeldach. Das hieran nördlich angebaute Leichenhaus war gleichfalls einstockig und von einem Satteldach bedeckt. In der nordwestlichen Ecke des Friedhofs befand sich außerdem ein einfacher Geräteschuppen.
1920 wurde in der Friedhofshalle ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten
Weltkrieges eingeweiht:
Einweihung des Ehrenmales für die Gefallenen in der
Friedhofskapelle (1920)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Oktober 1920: "Cannstatt,
8. Oktober (1920). Eine
wehmutsvolle, ernste und erhebende Feier fand kürzlich in der Kapelle des
Israelitischen Friedhofes auf der Staig statt. Sie galt der Einweihung der
aus dem Ertrag freiwilliger Spenden errichteten Gedenktafel für die im
Weltkriege gefallenen Söhne der Israelitischen Kirchengemeinde Cannstatt.
An Stelle des früheren hölzernen Altars der Friedhofskapelle ist ein
solcher aus Stein erstellt worden, dessen Vorderseite die Inschrift trägt:
‚Ach, wie sind sie gefallen, die Helden! 2. Sam. 1. In treuer Pflichterfüllung
starben für ihr deutsches Vaterland 1914-1918.’ Dann folgen die Namen
der Gefallenen. Die Idee des in einfachen, aber edlen Formen gehaltenen
Denkmals stammt von Kirchenvorsteher Mayer, entworfen wurde es von
Architekt W. Strauß und ausgeführt von der Firma W. Wacker
und Söhne in Untertürkheim. Bei der Feier waren anwesend die
Angehörigen der Gefallenen, Mitglieder der Gemeinde, Vertreter der
Reichswehr, der Stadtverwaltung und der höheren Schulen Cannstatts. Die
Rede des Herrn Lehrer Adler war umrahmt von Gesängen des Synagogenchors:
‚Über den Sternen, da wohnet Gottes Frieden’ und ‚Mag auch die
Liebe weinen’. Der Redner fand treffliche Worte des Dankes für die auf
dem Felde der Ehre Gefallenen. Diese Tafel soll ein sichtbares Zeichen
ehrenden und dankbaren Gedenkens von ewiger Dauer sein. An Stelle des am
Erscheinen verhinderten Oberbürgermeisters sprach Stadtrat Kauterer im
Namen der Stadtgemeinde Worte herzlichsten Dankes dafür, dass auch die
Israelitische Kirchengemeinde ihr voll gerüttelt Maß beigetragen habe zu
den vielen Opfer des unseligen Weltkrieges, und dass auch die
israelitische Jugend, flammend vor Begeisterung, hinausgezogen sei zum
Schutz von Elternhaus, Gemeinde und Vaterland. Im Namen der Reichswehr
rief ein Offizier den tapferen, gefallenen Kameraden ein letztes Lebewohl
nach mit dem Wunsche, die auf der Ehrentafel Verzeichneten mögen für die
heranwachsende Jugend ein aufmunterndes Beispiel und Vorbild werden. Mit
einem Gebete an dem Grabe eines Gefallenen schloss die weihevolle Stunde." |
Die Baulichkeiten auf dem Steigfriedhof sind am 25. Juli 1943 durch Sprengbomben zerstört worden. Nach der 1948 vorgenommenen Kriegsschadenschützung entstand bei der Friedhofshalle an Dach, Fenster und Türen ein Schaden von 14 %. Der Geräteschuppen wurde zu 70 % zerstört. Der Kriegsschaden hätte nach 1945 behoben werden können. Da jedoch in Cannstatt keine jüdische Gemeinde mehr entstand, beschloss die für den Friedhof nun zuständige Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs mit Sitz in Stuttgart, die Gebäude Mitte der fünfziger Jahre abbrechen zu lassen. Anstelle der Friedhofshalle steht heute das
- ursprünglich in der Halle befindliche - kanzelartige Ehrenmal aus Crailsheimer Muschelkalk mit den Namen der 15 Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Vom Geräteschuppen sind noch die Fundamentsteine vorhanden.
Der jüdische Friedhof ist heute das wichtigste Denkmal der Geschichte der jüdischen Gemeinde. Angehörige fast aller in Cannstatt zwischen 1870 und 1940 lebenden jüdischen Familien sind hier beigesetzt. Auf den Grabsteinen erfährt man in vielen Fällen, woher die Personen gekommen sind, bevor sie in Cannstatt lebten. Einige Gräber der in den umliegenden Orten, zur jüdischen Gemeinde Cannstatt gehörenden Orte (wie Waiblingen oder Nürtingen) sind gleichfalls erhalten. Immer wieder erfährt man von den Berufen der Verstorbenen. Auf einem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges finden sich die Namen der Gefallenen der jüdischen Gemeinde. Schändungen des Friedhofes haben ihre Spuren hinterlassen wie die für die
"Reichsmetallspende" im Zweiten Weltkrieg durchgeführte Entfernung von metallenen Buchstaben. Nach 1945 wurde nur noch wenige Beisetzungen vorgenommen, darunter diejenige des 1966 verstorbenen Landgerichtspräsidenten Dr. Alfred Marx.
Die Lage des Friedhofes
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Lage des jüdischen Friedhofes Bad Cannstatt
(der linke Pfeil markiert den Cannstatter Friedhof)
(Karte kann durch Anklicken
vergrößert werden) |
Lage des jüdischen Friedhofes
in Bad Cannstatt auf dem Stadtplan Stuttgart: oben anklicken und unter
"Behörden und öffentliche Einrichtungen" weiterklicken zu
"Friedhof, jüd., Bad Cannstatt, Sparrhärmlingweg." |
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Link
zu den Google-Maps
Größere Kartenansicht |
Fotos
Fotos von 1996:
(Fotos: Hahn)
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| Das Eingangstor vom
Sparrhärmlingweg |
Hinweistafel an der
Außenmauer |
Teilansicht des Friedhofes |
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| Ziehbrunnen mitten im Friedhof |
Ehrenmal für den Gefallenen
des Ersten Weltkriegs Julius Löwenthal mit steinernem Soldatenhelm |
Ehrenmal für die Gefallenen
des Ersten Weltkrieges mit dem Bibelzitat "Ach wie sind sie gefallen
die Helden" |
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| Teilansichten des
Friedhofes |
Kindergrabfeld |
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| Grabstein für Sigmund Hanauer
und Regine geb. Reichenburg |
Grabstein mit großem
Palmzweig |
Grabstein für Louis Elsas und
Babette geb.Dreifuss |
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| "Segnende Hände"
der Kohanim auf dem Grabstein für Juda Lieblich |
Grabstein für Eduard und Dr.
Alfred Marx: Rückseite mit der Erinnerung an Familienangehörige |
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Fotos von 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 19.9.2003)
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| Blick auf den Friedhof vom
Sparrhärmlingweg mit den das Friedhofsbild prägenden Kastanienbäumen |
Das Eingangstor |
Hinweistafel an der
Friedhofsmauer |
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| Grabstein für den
Viehhändler Jakob Levi (1845-1927) und Lina geb. Marx (1858-1935) |
Grabmal für Sigmund Hanauer
und Regine geb. Reichenburg |
Grabstein für Jette Koch geb.
Bernheimer (1825-1886), Großmutter von
Prof. Dr. Albert Einstein |
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| Teilansichten |
Grabstein für Pferdehändler
Leopold Löbstein (1852-1904) und Johanna geb. Neuhöfer (1858-1914) |
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| Grabstein für Abraham Neumann
(1803-1883) |
Grabstein des 1915 "in
treuester Pflichterfüllung" in Rußland gefallenen Julius Löwenthal |
Grabstein für Eduard Marx
sowie Dr. Alfred Marx und Johanna Marx, die bislang letzten im Friedhof
Beigesetzten
(1988 und 1996) |
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Der Brunnen im Friedhof |
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Links und Literatur
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