Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Baden CH (Kanton Aargau, Schweiz)
Texte zur jüdischen Geschichte der Stadt 
aus dem Zeitraum zwischen der Gründung der Gemeinde 1859 und den 1930er-Jahren

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Baden CH wurden in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts gefunden.   
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Letzte Einstellung am 10.5.2015.    
   
      
Übersicht:

Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
In Baden konstituiert sich ein jüdischer Kultusverein (1859)    
-  Über die neu entstandene Gemeinde (1859)    
-  
Über die Gemeindeverhältnisse (1860)     
-  Verschiedene Mitteilungen aus dem Gemeindeleben (1863) 
B
ericht aus der Gemeinde und über die neu gegründete Talmud-Tora-Schule in Baden (1891)     
Bericht über die jüdische Gemeinde in Baden und die dortige Besserung der religiösen Verhältnisse (1894)     
Reisebericht aus dem Jahr 1901 (Artikel von 1924, verfasst von dem ehemaligen jüdischen Lehrer in Endingen Selig Schachnowitz)  
Gemeindevorstellung im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" (1916)  
Gemeindevorstellung im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" (1921)        
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Wahl von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann aus Trier als Rabbiner in Baden (1885)       
Einführung von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann (1886)   
Die Frau von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann unterrichtet Mädchen der Gemeinde (1889)   
Über Rabbiner Dr. Herz Ehrmann (1890)            
Vortrag von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann (1901) 
Ü
berlegungen zu "Rosch Haschono am Sabbat" von Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann in Baden (1901    
Versammlung der Rabbiner, Lehrer und Kantoren der Schweiz in Baden (1903)   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann (1918)  
Anzeige der Talmud-Tora-Schule von Rabbiner Moses Krauß (1904) 
I
nformationen über die Talmud-Toraschule ('Jeschiwoh') in Baden (1918)           
Die Mutter von Rabbiner Krauß - Sara Krauß - ist verstorben (1933)  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
A
usschreibung der Stelle des Religionslehrers (1859)  
R
eligionslehrer Jacob Werner möchte eine neue Stelle antreten  (1860)   
L
ehrer Michael Neuberger wird Direktor des israelitischen Bürgerspitals in Fürth (1904) 
-  Verabschiedung von Lehrer Michael Neuberger (1904)    
-  
Ausschreibung der Lehrerstelle nach dem Weggang von Lehrer Neuberger (1904)       
A
nzeige von Lehrer Joseph Fröhlich für die "Kommission für den jüdischen Wanderlehrer in der Schweiz" (1917)   
Beitrag von Lehrer Joseph Fröhlich in Baden über "Der literarische Nachlass eines schweizerischen Rabbiners", sc. Rabbiner Dr. Arthur Cohn, Basel (1928)  
-  Zum Tod von Lehrer Michel Neuberger (1930)     
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
E
inweihung eines Denkmales für Augustin Keller in Aarau -  mit Unterstützung der israelitischen Gemeinde in Baden (1889)   
Ü
ber den Verein "Chevrat Kijum Haemunoh" (1896)     
-  
Über die Aktivitäten der schweizerischen Talmud-Vereine und die Planung einer gemeinsamen Veranstaltung (Feier eines großen Sium) in Baden (1901) 
G
ründung eines "Vereines der israelitischen Religionsbeamten der Schweiz" in Baden (1902)   
Informationen über das "Schweizerische Israelitische Altersasyl in Lengnau" - Sitz der Verwaltung in Baden (1916)          
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Moriz Guggenheim aus Lengnau - wohnhaft in Baden - verunglückt bei einer Bergwanderung am Stanserhorn (1898)   
-  Rechtsanwalt Arnold Bollag wird in den aargauischen Großen Rat gewählt (1909)     
-  
Zum Tod von Michael Bollag (1909)      
-  
Zum Tod von Gemeindepräsident J.B. Dreifuß (1909)      
-  Zum Tod von Jacques Lang (geb. in Sierenz, lebte in Glarus, dann in Baden, gest. 1915)   
Zum Tod von Kaufmann Israel Wieser (1915)  
Z
um Tod von Benoit Lang (1921)       
Zum Tod von Isidor Bollag (1928)      
Zum Jahrestag des Todes von Isidor Bollag (1929)  
Zum Tod von Armand Meier (1930)   
Zum Tod von Hirsch Rubinstein mit Danksagung (1933)   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeige der israelitischen Wirtschaft zum rothen Schild in Baden (1860)     
-  Anzeige für den israelitischen "Gasthof zum Löwen" (1863)     
-  
Anzeige der "Israelitischen Restauration zum Rothen Schild" (1867)      
-  
Anzeige des Zürcher Schächters S. J. Bekken (1889)    
Anzeige der Restauration zum "Rothen Schild" (1890)     
Hauslehrer von den Gebrüdern Lang gesucht (1893) 
Anzeige des Badearztes Dr. med. F.S. Wyler (1901) 
A
nzeige des Manufakturwaren-Engros-Geschäftes Lang & Cie. (1901)        
Anzeigen des Hotel-Restaurant Centralhof (1902 / 1916)        
Hochzeitsanzeige für Hirsch Rubinstein und Elsa geb. Meier (1922)    
Geburtsanzeige für einen Sohn von Herz Bollag und Paula geb. Dzialoszynski (1925)  
Lehrstellensuche von Willy Guggenheim (1925)       
V
erlobungsanzeige und Hochzeitsanzeige von Selma Kempler und Salomon Bollag (1933 / 1934)    
V
erlobungsanzeige von Willy Guggenheim und Armand Weill (1934)     
Verlobungsanzeige von Ilse Löwenstein und Leopold Kempler (1936)  
Sonstiges   
B
riefumschlag an Julius Wyler in Baden (1887  
Karte von Therese Hirschberger (Baden) an Marie Bruchsaler in Sulzburg (1904)     

   
   
   

Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
     
Mitteilungen aus verschiedenen Gemeinden: in Baden konstituiert sich ein jüdischer Kultusverein (1859)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  18. Juli 1859:  "Ober-Endingen, 4. Juli (1859). In Baden im Aargau haben die Juden nun sich förmlich zu einem Kultusvereine verbunden und hierfür ein Statut entworfen, das sie von dem hohen Regierungsrate sanktionieren lassen und ihren Vorstand und Sekretär gewählt. Die Religionslehrerstelle daselbst, mit welcher auch das Kantoramt verbunden ist, wird in nächster Zeit im Amtsblatte und in der Zeitung des Judentums ausgeschrieben werden. Besoldung 800 Fr.   
Im eidgenössischen Dienste stehen an der italienischen Grenze 22 Juden von Endingen und Lengnau. Darunter ein Divisionsfähnrich, ein Oberleutnant und mehrere Graduierte. Die israelitische Gemeinde Endingen zahlt den im Felde stehenden Soldaten aus ihrer Mitte täglich 40 Centimes = 12 Fr. Soldzulage.   
Unlängst machte ein aargauisches Blatt, 'Freie Presse', seine hämische Bemerkung darüber, dass der Bundesrat eine auswärtige Angelegenheit durch einen Israeliten in Chaux-de-Fonds besorgen ließ. Das Aarauer Tageblatt rügt dieses Benehmen der 'Freien Presse', und bemerkt hierzu, dass der Bundesrat schon noch einmal eine Angelegenheit im Auslande durch einen aargauischen Juden besorgen ließ und es nicht zu bereuen habe. - Beim jüngsten Schwurgerichte in Aarau war ein Jude Mitglied. - Unrichtig wurde unlängst von Genf aus berichtet, dass es zwei Rabbinate in der Schweiz gebe, sondern wir haben deren drei: Genf, Lengnau und Endingen. Letzteres ist noch immer vakant. Und das kommt daher, weil einige Wenige aus unserer Gemeinde sich bemühten, einen Mann von altem Stile an die Stelle zu bringen, was ihnen schwerlich gelingen wird, da sowohl Gesetz als Behörde, sowie die Gemeinde hierfür wenig geneigt sind. Letztere hat sogar die Absicht, einem Rabbiner, dessen Wirken ihren Beifall erhalten wird, den Gehalt um ein Bedeutendes zu erhöhen. Unser künftiger Rabbiner darf nur seinen Obliegenheiten, die keine andern sind als diejenigen, die ein Seelsorger, der Beruf fühlt, von selber erfüllt, nachkommen, so erwirbt er sich die Zuneigung der Gemeinde und der Regierung, sowie des weiteren Publikums und verschafft sich somit eine gute Stellung sowohl in moralischer als materieller Beziehung, da einem solchen die vielen zerstreuten Gemeinden der Schweiz zum großen Teile zufallen werden. M. G. Dreifus, Lehrer."  
   

  
Über die neu entstandene Gemeinde (1859)      

Baden Schweiz AZJ 17101859.jpg (188316 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1859: "Ober-Endingen, im September (1859). Jüngster Tage erhielt ich von dem erleuchteten, literarisch rühmlich bekannten Professor Stochholz in Aarau unter andern Notizen über Geschichte der Israeliten in der Schweiz folgende: 'Ein Promemoria, gefertigt von Keller, Prokurator zu Baden im Aargau, 30. Heumonat (= Juli) 1802, liegt mir handschriftlich vor; darin heißt es im Eingang über die Judenschaft zu Endingen und Lengnau: Vor etwa 45 Jahren war ihre Anzahl noch sehr gering, selten kam ein Jud nach der Stadt Baden, ohne dass sich die Jugend zusammenrottete und ihn mit Schlägen und Sottisen (= Beleidigungen) zur Stadt hinaus begleitete. Seither haben sie sich erstaunlich vermehrt. Der Jud Wolf Dreifuß behauptet seinen Wohnsitz im Schloss zu Baden, er hat guten Burgunder, Große und Kleine machen ihm Komplimente; es gibt Leute, die ihm nachschreiben, was er ihnen in die Feder diktiert. Sein Wort ist: 'Ich stehe euch gut dafür!' und ein Vorgesetzter hat in sein amtliches Kopienbuch (Hypothekenprotokoll) geschrieben: Der Jude Wolf steht gut dafür.' So weit Herr Keller. Wolf Dreifuß war zur Zeit ein reicher Jude in Endingen, der in großem Ansehen stand, selbst bei den obersten helvetischen Behörden. Er war aber eine Zwingherrnnatur, der sein Vorbild an den Landvögten nahm. Als Vorsteher wendete er manches Ungewitter von den aargauischen Israeliten durch sein Ansehen und seine Geistesgewandtheit ab.' -
Was würde nun Keller jetzt sagen, wenn er wieder in seine Vaterstadt Baden zurückkäme? Eine niedlich eingerichtete Synagoge, die jüngsten Sabbat bezogen ward, eine jüdische Gemeinde von 12 Familien mit einem sehr zweckmäßigen Organismus, an deren Spitze ein Vorsteher, Herr Daniel Guggenheim, und ein Aktuar, Herr Louis Bernays, Sohn des verstorbenen Hamburger Rabbiners, mit dem uneigennützigsten Eifer wirken. Und bald wird die Gemeinde auch ihren eigenen Lehrer haben, der auch Prediger-, Kantor- und Schächteramt verstehen wird. (Bisher wurde der Religionsunterricht vom Lehrer Dreifuß zu Endingen wöchentlich ein Mal nur erteilt in drei Stunden nachmittags, was allerdings nicht hinreichend und nur supplementarisch war.) Und diese Bestrebungen alle werden von dem Stadtrate zu Baden, der Gemeindeschulpflege und dem Schulinspektor Herrn Huwiler, Chorherrn und Prediger unterstützt. D."

  
Über die Gemeindeverhältnisse (1860)  

Baden CH Israelit 20091860.jpg (140975 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1860: "Schweiz. Baden, 2. September (1860). Sie berichteten vor einiger Zeit in ihrem Blatte von einer in Baden entstandenen Gemeinde. Ich kann ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass dieselbe sich immer mehr konsolidiert und dass ein reger Sinn fürs Religiöse daselbst herrscht, wovon am vergangenen Sabbat ein sprechender Beweise geliefert ward. Die Gemeinde besitzt nur zwei Torarollen; da schlug ein  Gemeindemitglied vor, eine neue schreiben zu lassen und im Augenblick waren für diesen schönen Zweck freiwillig 700 Frs. zusammengesteuert. Die Gemeinde hat jetzt ein recht schönes Lokal, das als Synagoge dient und sehr zweckmäßig eingerichtet ist, nur ein Übelstand herrscht, dass die Frauen- und Männersynagogen nicht gehörig getrennt sind. Es muss dies wohl mehr aus Unkenntnis, als aus Irreligiosität geschehen sein und wird es nur dieses Hinweises bedürfen, dass hierin eine Änderung geschieht.
Auch ein Kuriosum besonderer Art habe ich Ihnen zu berichten. Im Kanton Aargau ist nämlich das Schächten als Tierquälerei!!! verboten. Lengnau und Endingen wurde es ausnahmsweise erlaubt, Baden aber nicht; es muss nun der Schochet jede Woche zweimal nach Zürich, um dort zu schächten und bringt er jedesmal das Fleisch, dessen die Gemeinde bedarf, von da gleich mit; mit welchen Mühen und Unkosten dies verbinden, kann man sich wohl denken. Wie ich höre, petitioniert Baden jetzt, dass das Verbot aufgehoben werde, und soll wirklich jüngst in Zürich im Beisein zweiter Tierärzte als Experten geschächtet worden sein. Da diese nun der Wahrheit gemäß bezeugen müssen, dass die Schechita keine Tierquälerei, so wird auch hoffentlich das Verbot bald aufgehoben werden.  L."

  
Verschiedene Mitteilungen aus dem Gemeindeleben (1863)  

Baden CH AZJ 24031863a.jpg (117376 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. März 1863: "Baden (Schweiz), im Februar. Als Zeichen des guten Einverständnisses zwischen den christlichen und jüdischen Glaubensgenossen, eines Einverständnisses, das unter den jetzigen Verhältnissen im Aargau von Bedeutung ist, mögen die folgenden Tatsachen Erwähnung finden. 
In wenigen Wochen wurden hier mehrere jüdische Hochzeiten gefeiert. Während des Aktes der Trauung war die Teilnahme von Seiten der christlichen Einwohner jedes Mal so groß, dass die Synagoge immer dicht angefüllt war. Die gediegene Predigt unseres geehrten Rabbiners, des Herrn Dr. Kayserling, machte stets den günstigsten Eindruck auf die Anwesenden. 
Ferner verdient erwähnt zu werden, dass im Schulgebäude ein Lokal mit allen Utensilien nebst freier Heizung eingeräumt wurde, um der israelitischen Schuljugend den Religionsunterricht selbst an den Sonn- und christlichen Feiertagen erteilen zu können. - Auch wurde jüngst einer unserer Glaubensgenossen, Herr Daniel Guggenheim, in das Komitee der neu errichteten 'Bank in Baden' gewählt. - Mögen daher auch unsere Glaubensgenossen im Aargau immer mehr den rechten Weg gehen, um sich die Sympathien ihrer christlichen Mitbürger zu erwerben. H."

 
Bericht aus der Gemeinde und über die neu gegründete Talmud-Tora-Schule in Baden (1891)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1891: "Zum Schluss noch eine erfreuliche Nachricht aus dem benachbarten Kurort Baden. Ich hatte dieser Tage Jahrzeit, und da ich hier kein Minjan zusammen bekommen kann, so ging ich nach Baden, um mein Jahrzeit abzuhalten. Dieser Ort kommt einem wie eine Oase in der Wüste vor. Sie haben dort dieser Tage ein neues Bes Hamidrasch eingeweiht, in welchem täglich dreimal gebetet wird. Ich war freudig erstaunt daselbst Familienväter und junge Geschäftsleute zu finden, die sich allabendlich versammeln und gemeinsam Menorat Ha-maor und Schulchan Aruch zu lernen. Alle hängen mit ungewöhnlicher Aufmerksamkeit und Verehrung an den Lippen ihres Rabbiners Herrn Dr. Ehrmann, der hier eine Wirksamkeit entfaltet, die weit über die Grenzen seines Ortes hinausreicht. Ihm zur Seite steht der Gemeindevorstand, dessen Präsident Herr Jacques Lang im Verein mit seinem Bruder das Lokal für ein Bet Hamidrasch zur Verfügung gestellt hat. Es existiert ein Verein in Baden unter dem Namen Chewrat Chissuk Hadat, der in diesem Beth Hamidrasch eingeborene junge Leute für den Beruf als Lehrer, Kantoren, Schochetim und Rabbiner vorbereiten will, damit die Schweiz für die Besetzung dieser Stellen nicht mehr wie bisher ausschließlich auf das Ausland angewiesen ist. Ein Verein junger Leute Chewra Kijum Haemunah hat die ganze Einrichtung des Beth-Hamidrasch übernommen, die, der kurzen Zeit seines Bestehens entsprechend, allerdings noch zu wünschen übrig lässt. Es fehlt besonders noch an Torarollen und bedarf es gewiss nur des Hinweises, um diesem Mangel abzuhelfen. Es müssen in der Schweiz aus der früheren besseren Zeit noch viele alte Torarollen vorhanden sein, die nicht benützt werden und daher vermodern. Hier wären sie gut angebracht.  
Wir wünschen dem jungen Unternehmen, seinen Begründern und Förderern die schönste Verwirklichung aller Hoffnungen, die sich an diese Stätte der Tora knüpfen und leben der festen Überzeugung, dass die gute von Baden ausgehende Anregung nicht ohne günstigen Einfluss auf die ganze Schweiz bleiben wird."             

 
Bericht über die jüdische Gemeinde in Baden und die dortige Besserung der religiösen Verhältnisse (1894)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1894: "Aus dem badischen Oberlande. Rosch Chodesch Elul (1. Elul = 2. September 1894). (Deutsch und hebräisch aus Psalm 114,8) 'Der den Felsen umwandelt in einen Wasserteich und Kieselstein in Wasserquellen.' Diese Worte drängten sich an diesem Monatsbeginn auf meiner diesjährigen Erholungsreise mir auf, als ich vom Großherzogtum Baden in das Schweizerland kam. - Wie Sie bereits schon ausführlich mitteilten, ist vom Großherzoglichen Badischen Oberrate der Israeliten der Kizzur Schulchan Aruch auf den Index gesetzt worden und schleunigst musste das gefürchtete Buch aus sämtlichen badischen Schulen verschwinden. Wie die Verwandlung von (hebräisch und deutsch nach den Begriffen des Psalms 114,8) 'rohem, hartem Gestein' in 'frische, sprudelnde Quellen' kam es mir vor, als ich nun vom badischen Landes in das Städtchen Baden (Schweiz) gelangte. - Wie viel ein echter, eifriger Rabbiner, der es ernst mit seinem heiligen Berufe nimmt, erreichen und bewirken kann, lässt sich hier in der Tat deutsch sehen und erkennen. Kaum 10 Jahre zurück und der größere Teil der jüdischen Gemeinde verletzte öffentlich die wichtigsten Gebote unserer heiligen Religion, von denen ich u.a. das Hüten des Schabbat, der Besuch der Mikwe, sowie die Einhaltung der Koscher-Vorschriften nenne. Heute sind fast sämtliche Mitglieder der Gemeinde zu unserer heiligen Tora zurückgekehrt und keinem derselben fällt es mehr ein, eine der obengenannten Vorschriften zu übertreten. Freilich nur ein erster Wille und tatkräftiges Wirken können derartige Erfolge erzielen! - Wie musste ich aber erst staunen, als sich am Abend die ganze Jugend und viele Erwachsene zum Lernen im Schulchan Aruch und im Gebot Gottes einfangen, wie Jung und Alt die Worte aus dem Munde ihres allverehrten Lehrers, des Herrn Dr. Ehrmann - sein Licht leuchte - förmlich aufsogen, wie jede frage aus dem Munde der Kleinen und Großen eine freundliche Antwort fand! Nach beendetem Schiur (Lernstunde) verrichteten alle in innigster Andacht ihr Abend-Gebet, wobei einer der jüngeren Generation mit Verständnis und Gefühl vorbetete. Doch schreibe ich diese Zeilen nicht, um den Ruhm dieser Gemeinde, von Hirt und Herde, zu verbreiten, da solches denselben bei ihrer Bescheidenheit gar nicht erwünscht wäre, sondern vielmehr in der Absicht, dass bei den kommenden, ernsten Tagen des Elul, in der Zeit der ehrfurchtgebietenden Tage (sc. über Neujahr und Jom Kippur) sich auch an anderen Orten Lehrer und Gemeinden zurufen möchten (hebräisch und deutsch:): 'Ich gehöre meinem Freunde und mein Freunde gehört mir'. Wir wollen uns gegenseitig unterstützen, um unseren Kindern zu sagen (hebräisch und deutsch): 'Kommt, liebe Kinder, hört mir zu, Gottesfurcht möchte ich Euch lehren', damit sich Gotteserkenntnis und Gottesglaube mehr und mehr verbreiten. Ein guter Mann."          

   
Reisebericht aus dem Jahr 1901 (Artikel von 1924, verfasst von dem ehemaligen jüdischen Lehrer in Endingen Selig Schachnowitz)  

Baden CH Israelit 24011924.jpg (249909 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit'" vom 24. Januar 1924: "Baden.  
In Baden, auf der Bahnstrecke Basel-Zürich, sprudeln die warmen Quellen von unten herauf... Wenn man, vom Endinger Walde kommend, den Berg heruntersteigt und sich unten im Kessel zu beiden Seiten der hellgrünen Limat die Hänge voller Reben, die prächtig umrankten Häuschen mit den blumigen Veranden und dem grünen Giebelwerke dem Auge auftun, fühlt man sich nach Genua oder sonst irgendwo an die Riviera versetzt. Weiter unten in Ennet-Baden erheben sich am Flussbett der Limat, die Quellen in großen Bassins fassend, die großen Hotels. Am Rande der Stadt singen Fabriken das harte Lied der Arbeit und in den Gassen raunen alte Bauten und Schlösser von Konferenzen, Religionsgesprächen und Treubündnissen, von Krieg und Frieden alter, verklungener Zeiten. Das Städtchen an der Limat birgt auch ein Stückchen meiner Geschichte.
Auf dem Wege vom kleinen Bahnhofe zur Innenstadt vor dem großen Bogentore erhebt sich seitwärts der Schlossberg. Hier bleibe ich eine Weile in beschaulichem Rückdenken stehen.
Es war im Frühjahre 1901, als ich hier sozusagen zuerst festen Schweizerboden betrat. Der Schnee schmolz und rann den Schlossberg hinunter, der Tag ging zur Neige. Da oben fand ich aber ein Dutzend Menschen in einer Art Beshamidrasch (sc. Talmudschule), zu dem man durch einen dunklen Korridor von der Synagoge aus gelangte, bei der Gemoro versammelt. An der Spitze des Kreises der etwas gedrungene Mann mit dem Jugendfeuer im Auge, aus dem unendliche Güte strahlte. Ich bat ihn, mir ein Hotel für die Nacht zu empfehlen. Er sagte: 'Ich bringe Sie selbst hin. Aber dieses Hotel sieht sehr darauf, dass die Gäste dort auch was verzehren. Also werden Sie dort heute Ihr Abendessen und morgen Ihr Frühstück nehmen.'
Und er brachte mich ins Hotel, wo ich zu Abend und zu Morgen aß. Es war sein eigenes Haus...
Öfters begab ich mich seitdem von meinem stillen Dorfe nach diesem Hause auf dem Schlossberg. Und eines Tages stand ich klopfenden Herzens vor dem freundlichen Manne mit meinem ersten Opus – es hieß 'Chajim Moschiach' –, das ich ihm zur Prüfung vorlegte. Sein Auge lachte noch mehr, der Mund auch, und er gab das Schriftstück nicht aus der Hand. Acht Tage später las ich die Sache im Mainzer 'Israelit', sah ich mich gedruckt, zum ersten Male.
Dieser Gang zum Schlossberg war entscheidend für mein späteres Leben...
Heute liegt der Schlossberg, das einstmalige Zentrum starken jüdischen Lebens, verödet. Gebet-, Lehr- und Rabbinerhaus, in dem die herrlichste der Frauen waltete, sind geschlossen. Ein verwunschenes Schloss, in dessen dunklen Räumen und Ecken es von einstiger Größe nur raunt und flüstert wie aus den Tiefen einer versunkenen Welt. Aber der Geist ist nicht gewichen, er hat sich nur anderswohin verzogen.
Unten auf dem Wege zu den Heilquellen erhebt sich ein neuer, schöner, moderner Synagogenbau nach allen Gesetzen der Technik und Vorschriften der Tradition, und drinnen am Vorbeterpulte und am Katheder wirkt ein Lehrer, der weit mehr ist als das, was man gemeiniglich darunter versteht, ein wahrer Führer seiner Gemeinde und Mehrer ihrer geistigen Substanz, ein kundiger Wegweiser für Väter und Söhne. 
Baden hat neben schönem Gottesdienste mit allwöchentlicher religiöser Belehrung vortrefflichen Religionsunterricht, gut verwaltete Institutionen, und im 'Zentralhofe' versammelt sich in den Winterabenden Jung und Alt, um Vorträgen aus allen denkbaren Gebieten des jüdischen Wissens zu lauschen. Zu all dem wirkt im engeren Kreise ein Rabbi, der in althergebrachter Weise die Jugend im Talmud unterrichtet. Alle jüdischen Lebensmöglichkeiten sind bestens gegeben.
Die Wärme sprudelt von unten herauf, in diesem schönen aargauischen Städtchen, heute noch wie vor dreiundzwanzig Jahren... 
Diesen 'Zentralhof', ein mit allem Komfort ausgestattetes und peinlich rituell geführtes jüdisches Hotel, sollten sich jüdische Reisende, insbesondere aber auch kurbedürftige jüdische Familien, denen Wiesbaden verschlossen und andere Bäder zu teuer, zu geräuschvoll sind, oder in jüdischer Beziehung zu wenig bieten, heute, da die Brücke zwischen Mark und Franken wieder geschlagen ist, merken!"   

    
Gemeindevorstellung im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" (1916)    

Artikel im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 1916 S. 195: "Baden
In Baden wurde im Jahre 1859 eine jüdische Gemeinde gegründet und zählt diese heute mit 52 Gemeindemitgliedern ca. 200 Seelen. Vorstand: Adolf Guggenheim, Präsident; Samuel K. Guggenheim; Louis Wyler. Beamter: H. Fröhlich.  
Institutionen: Synagoge (Parkstraße), Religionsschule, Armenpflege und Friedhof.   
Vereine: Chevra Kadischah, Frauenverein, Kijum Hoemunoh, Hachnosas Kalloh".   

     
Gemeindevorstellung im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" (1921)     

Artikel im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 1921 S. 189: "Baden
Die im Jahre 1859 gegründete jüdische Gemeinde zählt heute mit 48 Gemeindegliedern ca. 200 Seelen. Vorstand: Adolf Guggenheim, Präsident; Samuel L. Guggenheim; Louis Wyler. Beamter: J. Fröhlich.   
Institutionen: Synagoge (Parkstraße), Religionsschule, Armenpflege und Friedhof.  
Vereine
: Chevra Kadischah, Liebestätigkeit bei Krankheits- und Sterbefällen (Präsident: Herr Leopold Guggenheim). - Frauenverein, Fürsorge für Arme und Kranke (Präsidentin: Frau Louis Wyler). - Kijum Hoemunoh, Förderung des Thoralernens (Präsident: Herr Isidor Bollag). - Jeschiwo und Bethamidrasch (Rabbiner M. B. Kraus(. - Hachnosas Kalloh, Subventionierung armer Bräute (Verwaltung: Gemeindevorstand)."     

 
 
 
Aus der Geschichte des Rabbinates in Baden 
Wahl von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann aus Trier als Rabbiner in Baden (1885)  
Anmerkung: Dr. Herz Naftali Ehrmann (geb. 1849 in Michelstadt, gest. 1918 in Lübeck): studierte in Altona, Mainz und Berlin; 1876 bis 1884 Rabbiner und Schulleiter der Adass Jeschurun (Israelitische Religionsgesellschaft) in Kassel (nicht: Karlsruhe!); 1879 bis 1879 orthodoxer Rabbiner in Trier; 1886 bis 1902 Rabbiner in Baden; verbrachte seinen Lebensabend ab 1912 in Lübeck.  Er veröffentlichte mehrere Werke unter dem Pseudonym "Judäus", u.a. Der Baalschem von Michelstadt. Kulturgeschichtliche Erzählung von Judäus. Frankfurt am Main 1907. Nachdruck Basel 1982.  

Baden CH Israelit 05101885.JPG (195461 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1885: "Schweiz. Aus der Schweiz, 10. Tischri (= 19. September 1885). Ich bin heute in der Lage, Ihnen eine freudige Botschaft mitteilen zu können, die in allen Kreisen der gesetzestreuen Judenheit mit lebhafter Befriedigung begrüßt werden wird. - Von der richtigen Ansicht ausgehend, dass in dem Mangel einer geeigneten Führung unserer religiösen Angelegenheiten eine der Hauptursachen der bedauerlichen Gleichgültigkeit liegt, die allem spezifisch Jüdischen vielfach hier entgegengebracht wird, trat vor mehreren Monaten eine Anzahl gesinnungstüchtiger, tatkräftiger Männer zusammen, die folgenden Aufruf erließen: 'Durchdrungen von dem Bewusstsein, dass es endlich an der Zeit sei, den jüdischen Gemeinden wiederum ein tüchtiges, religiöses Oberhaupt zu geben, entschlossen sich die Unterzeichneten, an gleichgesinnte Glaubensgenossen eine Einladen zu einer Versammlung ergehen zu lassen.    
Jeder Israelit, dessen Herz noch warm für das Judentum, seine angestammt Religion schlägt, wird seit einer Reihe von Jahren nur mit Schmerz und innigem Bedauern wahrgenommen haben, wie arg es in vielen Gemeinden und Niederlassungen in religiöser Beziehung steht: die Jugend erhält entweder gar keinen oder einen nur ganz ungenügenden Religionsunterricht, die jüdischen Institutionen sind total keiner Aufsicht unterstellt, Stellen für jüdische Lehrer, Vorsänger und Schochtim müssen von Ausländern besetzt werden, weil in unseren Gemeinden keine Schule vorhanden ist, in welcher solche herangebildet werden können.'    
'Durch diese traurigen Verhältnisse nimmt der Indifferentismus in schrecklicher Weise überhand, sodass, wenn keine Abhilfe getroffen wird, die schlimmsten Folgen zu erwarten sind.' etc. etc.
In Folge dieses Aufrufs versammelte sich eine ansehnliche Anzahl Gesinnungsgenossen aus vielen Gemeinden, welche die Anstellung eines Rabbiners beschloss, der sich durch gründliche jüdische und allgemein wissenschaftliche Bildung auszeichne und als erprobte pädagogische und rhetorische Kraft allgemein anerkannt sei. Ein Komitee wurde mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt. Die Wahl dieses Komitees fiel auf die Person des Herrn Rabbiner Dr. Ehrmann in Trier, der auch, sofort nachdem er sich bereits erklärt hatte, einem Rufe zur Übernahme unseres Rabbinats Folge zu leisten, sowohl von den in Betracht kommenden einzelnen Gemeinden, als auch von der heute in Baden stattgehabten Generalversammlung sämtlicher Bezirksgemeinden einstimmig gewählt wurde.  Die Wahl dieses Mannes, dessen bloßer Name ein Programm bedeutet, überhebt mich jeder weiteren Illustrierung der erfreulichen Tatsache, dass dem überlieferten Vätererbe, ein großer, Achtung gebietender Kreis jüdischer Gemeinden wiedergewonnen ist. Der Sitz des Rabbinats ist Baden; zu demselben zählen außerdem die Gemeinden: Ober-Endingen, Lengnau, Luzern, Bremgarten, Rapperswil sowie ein Teil der Kultusgemeinde Zürich."   

  
Einführung von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann (1886)  

Baden Schweiz Israelit 14011886.jpg (178091 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1886: "Baden. Jüngsten Schabbat Kodesch Paraschat Waera (Heiliger Schabbat mit der Toralesung Waera, d.i. 2. Mose 6,2 - 9,35, das war am Schabbat, 2. Januar 1886) wurde unser hochverehrter Rabbiner, Herr Dr. Ehrmann von Trier, in seine neue Gemeinde eingeführt und hielt derselbe in geschmückter und dichtbesetzter Synagoge seine Antrittspredigt. Letztere, die ebenso würdig, als geistreich gehalten, zeugte von dem großen Wissen, mit welchem unser neuer Führer begabt und von der festen Energie, mit der er stets für unsere heilige Tora eintritt. Von einem Verse der laufenden Sidro (Wochenabschnitt) ausgehend: 'mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir gehen, mit unseren Söhnen und unseren Töchtern und mit unseren Schafen und unserem Rindvieh; denn ein Fest des Ewigen haben wir.' (2. Mose 10,9) schilderte er in einstündiger Rede den tiefen Sinn jedes einzelnen Wortes, wie die sonderbare Sprach- und Wortfolge, die Moscheh gegen den ägyptischen Tyrannen gebracht. Nachdem er die 7 wackeren Männer, zu denen auch ein Louis Bernays, Sohn des hochberühmten Chacham Bernays – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – von Hamburg zählte, hervorhob, wie sich dieselben vor 27 Jahren (sc. 1859) zusammentaten und die hiesige Kultusgemeinde gründeten, da schaute Gott ihr Unternehmen und ließ es mit dem heutigen Tage zu einem Ganzen, zu etwas Vollendetem gestalten.   
Heil denen vor Allem, die sich in uneigennütziger Weise ein ganzes Jahr hindurch abmühten, um das zu erringen, was wir heute in schönster Betätigung vor uns sehen. Sie können sich glücklich schätzen und dürfen stolz sein, den argauischen Gemeinden wieder ein Oberhaupt gegeben zu haben, das all' unseren Erwartungen vollkommen entspricht. 'Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir gehen', sagt der große Führer Moscheh zu Pharao. Vor allem war es die Jugend, der Moscheh bedurfte, um sie für einen Sinai zu gewinnen und heranzubilden. Auch zu jetziger Zeit, so die Tora, wo unser Heiligstes so mannigfach in Verfall gekommen, ist es die Jugend, die noch das Mittel für alles Gute und Edle bildet. Die Jungen sind es, die auch unser neuer Führer zuerst verlangt, um aus ihnen die würdigen Träger unserer Tora heranzuziehen. Sodann entwickelte Herr Dr. Ehrmann das Ideal des jüdischen Weibes, anknüpfend an die Worte (des Talmud): 'durch das Verdienst der gerechten Frauen wurden unsere Väter aus Ägypten erlöst'. Mit dem Segen für die Gemeinde und die Stadt, wie für die gesamte Eidgenossenschaft, schloss der treffliche Redner seine erste Predigt. Möge es ihm gelingen, sein edles Vorhaben, das er uns mit so rührenden und herzlichen Worten kundgegeben – ein treuer Hirte seinen Gemeinden, ein Förderer alles Guten und Schönen zu sein, zur Verwirklichung zu bringen, (hebräisch und deutsch:): 'Und zu allem, wohin er sich wendet, o Allgütiger! Lass es ihm gelingen.' M.N." 

       
Die Frau von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann unterrichtet Mädchen der Gemeinde (1889) 

Baden CH Israelit 28021889.jpg (184868 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1889: "Baden (Schweiz). Auf meinen Geschäftsreisen, die mich alljährlich zweimal mehrere Wochen in die Schweiz führen, suche ich es immer möglich zu machen, einige der geschäftsfreien Tage hier zu verleben. Dieser Ort ist wie eine Oase in der Wüste. Während es draußen in den anderen jüdischen Gemeinden leider von Tag zu Tag zusehends wüster wird, macht sich hier jüdisches Leben und Streben bei Jung und Alt immer herrlicher geltend. Jedes halbe Jahr finde ich irgend einen Fortschritt zum Guten in den Einrichtungen und Institutionen der Gemeinde wie im Einzelleben vor.     
Die Neuerung, die mich aber dieses Mal freudig überraschte, ist so originell und scheint mir so tief bedeutsam zu sein, dass sie es wohl verdient als mustergültiges Beispiel beachtet und nachgeahmt zu werden.   
Frau Rabbiner Dr. Ehrmann versammelt die der Schule entwachsenen jungen Mädchen um sich und erteilt ihnen in populären Vorträgen Belehrung über die jüdischen Pflichten. Die Beteiligung ist, wie ich höre, eine sehr rege, und das lebhafte Interesse, mit welchem die lernbegierigen Zuhörerinnen den Worten ihrer ebenso liebenswürdigen Freundin als meisterhaften Lehrerin folgen, lässt einen bedeutenden dauernden Erfolg sicher mit Gottes Hilfe erwarten.   
Wenn ich recht unterrichtet bin, hat die Frau Rabbinerin das berühmte Buch Choreb ihres kürzlich verstorbenen Großvaters ihren Belehrungen zugrunde gelegt, welches Werk ja das gesamte jüdische Pflichtleben umfasst, und sich kaum ein zweites für diesen Zweck eignet.   
Wer sich je darüber klar geworden ist, dass die Wiedergewinnung der jüdischen Geister und Gemüter für ihr altes, überliefertes Judentum erst mit der Wiedergewinnung unserer Frauen und Mädchen wirklich vollzogen ist, wird eine solche Belehrung erwachsener Mädchen durch eine wegen ihrer Bildung des Geistes und Herzens so allgemein beliebte und verehrte Lehrerin, gewiss nicht unterschätzen.    
Wenn von solchen Händen und in solchen Boden Rabbiner Hirsch's Geist recht reichlich gepflanzt würde, wäre gewiss eine Wendung zum Besseren auch in anderen Gemeinden zu erhoffen.    
Die 'Neuerung' ist übrigens nicht so neu, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Wissen wir doch, dass ein Rabbiner, der die Männer und eine Rabbinerin, welche die Frauen für das Judentum zu gewinnen suchen, nur dem Beispiele Abrahams und Saras folgen, welche die Seelen, die sie für die Sache gewinnen, gemeinsam gewonnen hatten. Die Einführung dieser uralten Neuerung spricht übrigens so für sich, dass es außer des Hinweises keines empfehlenden Wortes weiter bedarf."

  
Über Rabbiner Dr. Herz Ehrmann (1890)  

Baden CH Israelit 19051890.jpg (248255 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1890: "Baden, 13. Mai (1890). Gegen Ende 1884 trat ein Komitee aus Mitgliedern der Gemeinde Endingen, Lengnau, Baden, Luzern, Bremgarten, Rapperswil, Wohlen und Zürich zu dem Zwecke zusammen, einen orthodoxen Rabbiner zu berufen. Der Sitz dieses Bezirksrabbinates sollte Baden sein, weil von diesem Orte aus der anzustellende Rabbiner eine freiere und damit gedeihlichere Wirksamkeit zu entfalten im Stande sein würde, als etwa in Endingen, Lengnau, den Stammgemeinden des Aargaues und der Schweiz überhaupt. Er würde in Baden durch die Kantonalbehörden weniger beengt sein, als in diesen weit größeren Gemeinden.    
Die Wahl fiel auf Herrn Rabbiner Dr. Ehrmann, damals in Trier, welcher dem Rufe aus den Schweizer Gemeinden willig folgte. Zu Anfang des Jahres 1886 trat er das Bezirksrabbinat an. Ein Rückblick auf seine Wirksamkeit vom Anbeginn bis zu diesem Augenblicke muss jedem Unbefangenen die Überzeugung gewähren, dass die Wahl auf keine geeignetere und würdigere Persönlichkeit hätte gelenkt werden können. Von der ersten Minute an hat Herr Dr. Ehrmann mit hingebendster Aufopferung in Umsicht und Weisheit die heiligen Interessen des Judentums nach Innen und Außen kräftig vertreten und gefördert. Während er einen gedeihlichen Unterricht in den Religionswissenschaften einrichtete und zur ersprießlichen Entfaltung brachte, trat er zugleich energisch für die Dispensation der jüdischen Schüler in den allgemeinen Unterrichtsanstalten vom Schreiben und Zeichnen am Samstag ein. Was vor ihm trotz aller Beschwerden nicht erreicht werden konnte, ihm gelang es, eine Verfügung des hohen Erziehungsrats zu erwirken, durch welche fürderhin die jüdischen Eltern nicht mehr vor die Alternative sich gestellt sahen, entweder ihre Kinder von den öffentlichen Schulen fern zu halten oder sie das Sabbatgebot verletzen zu lassen.    
Durch die Kanzel wirkt er belehrend und erziehend auf die Erwachsenen und, was ganz besonders erfreulich ist, auf die jüngeren Familienväter. Er weiß den Weg zum Geiste und Herzen seiner Zuhörer zu finden und ihnen Verständnis und Begeisterung für das Judentum einzuflößen, nicht jene Begeisterung, welche sich in Worten äußert, sondern diejenige, welche in der Erfüllung und gewissenhaften Beobachtung der Religionsgesetze sich betätigt.   
Und was Dr. Ehrmann für die namentlich in der Schweiz in jüngster Zeit stark gefährdete Institution der Schechita geleistet hat, und zwar nicht allein für die Israeliten der helvetischen Eidgenossenschaft, sondern für das Judentum überhaupt, ist zu offenkundig und anerkannt, als dass es noch einer näheren Ausführung bedürfte. Die von ihm verfasste Schrift 'Tierschutz und Menschentrutz' hat seinen Namen weithin getragen in alle Länder. Er hat es erreicht, dass nunmehr von der obersten Bundesbehörde anerkannt worden ist, dass die Schechita eine religiöse Angelegenheit sei und demnach in einem Lande, das seinen Bürgern die Freiheit des Gewissens und der Religionsausübung gewährleistet, nicht verboten werden könne.   
Möge es unserem verehrten Rabbiner noch lange vergönnt sein, in unserer Mitte für die heiligen Angelegenheiten des Judentums zu wirken und seine Berufstreue und nimmer ermüdende Arbeitskraft der gedeihlichen Gestaltung unseres Gemeindelebens zugute kommen zu lassen."

  
Vortrag von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann (1901) 

Baden CH Israelit 280221901.jpg (71548 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1901: "Baden, 27. Februar (1901). In einem ausgezeichneten Vortrage vor dem Verein 'Erholung' dahier schilderte Herr Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann am letzten Samstagabend das Wesen und Wirken des jüngst verstorbenen Chefs des Hauses Rothschild in Frankfurt. Die an geistvollen Apercus und scharfsinnigen Nutzanwendungen reiche Darstellung verstand es trefflich, Prof. Hiltys Aphorismen ber 'Geschäftsmoral' in Parallele mit der makellosen Geschäftsgebahrung des Welthauses Rothschild zu setzen. Von speziellem Lokalinteresse und sehr kennzeichnend für den schlichten Sinn des verstorbenen Geldfürsten ist unter vielen vom Vortragenden erzählten Charaktereigenschaften folgende: Dr. Ehrmann hat als persönlicher Bekannter des Barons diesen zu Beiträgen für Wohltätigkeitszwecke der israelitischen Diaspora veranlasst. Sobald von Gaben des Baron von Rothschild in einem Rechenschaftsberichte unter Nennung des Namens die Rede war, sistierte derselbe seine Beiträge, weil er jeder öffentlichen Erwähnung abhold war."  

   
Überlegungen zu "Rosch Haschono am Sabbat" von Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann in Baden (1901) 
Hinweis: Zum Lesen bitte die Textabbildungen anklicken      

Baden Israelit 05091901.jpg (271150 Byte) Baden Israelit 05091901a.jpg (255847 Byte) Baden Israelit 09091901.jpg (297392 Byte) Baden Israelit 09091901a.jpg (365886 Byte)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901 und vom 9. September 1901.   

    
Versammlung der Rabbiner, Lehrer und Kantoren der Schweiz in Baden (1903)  

Baden CH FrfIsrFambl 24071903.jpg (89683 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. Juli 1903: "Baden. Am Montag, den 13. dieses Monats fand hier eine Versammlung der Rabbiner, Lehrer und Kantoren der Schweiz statt zur Gründung eines israelitischen Religionslehrervereins. Herr Rosenthal - St. Gallen eröffnete die Sitzung mit einem Referate über die Notwendigkeit des Vereins. Nach ernster Diskussion und eingehenden Beratungen, an denen sich die Herren Dr. Strauß - Zürich, Schachnowitz - Endingen, Neuberger - Baden, Herz - Solothurn und andere beteiligten, wurde der Verein unter dem Namen 'Verein israelitischer Religionsbeamten der Schweiz' gegründet. Zum Vorstande wurden gewählt: Herr Dr. Strauß - Zürich, Präsident, Herr Schachnowitz - Endingen, Schriftführer und Kassierer Herr Rosenthal - St. Gallen." 

  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann (1918)  

Baden CH FrfIsrFambl 22021918.jpg (76895 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Februar 1918: "Lübeck. Im Alter von 68 Jahren verschied hier, wo er seit sechs Jahren lebte, Dr. Herz Ehrmann, früher Rabbiner in Baden (Schweiz).  
Dr. Ehrmann war einer der bekanntesten Rabbiner der Orthodoxie. Hatte er doch seine gewandte Feder stets mit Eifer in deren Dienst gestellt. Sein 'Durchs Jahr', das dem Kalender des Jahres folgend, in einzelnen Aufsätzen jüdische Erkenntnis gibt, sein 'Aus einer ungekannten Welt', seine anderen unter dem Pseudonym 'Judäus' erschienenen Erzählungen haben im traditionellen Sinne erzieherisch gewirkt. Während des gegenwärtigen Krieges erschien aus seiner Feder eine Broschüre 'Kriegstrophäen'. Im Kriege 1870/71 wirkte er als Feldrabbiner, der erste dieses Amtes."  
   
Baden Ehrmann Lit01.jpg (22911 Byte) Baden Ehrmann Lit01a.jpg (25210 Byte) Links: eine der im obigen Text genannten Veröffentlichungen von Rabbiner Dr. Herz Ehrmann: Durch's Jahr! Essays über die gehobenen Momente des jüdischen Pflichtlebens in allen Monaten des Jahres. Frankfurt am Main. Verlag A.J. Hofmann. 1900. 530 Seiten.    

   
Anzeige der Talmud-Tora-Schule von Rabbiner Moses Krauß (1904)  

Baden CH Israelit 24111904.jpg (69046 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1904: "In der Talmud-Thora-Schule zu Baden (Schweiz) finden mehrere Freischüler, im Alter von 12-15 Jahren, Aufnahme, welche Vorkenntnisse besitzen. Für Unbemittelte freie Kost und Logis im Hause. Tüchtige ungarische Talmudlehrer erteilen den Unterricht. Aufnahmegesuche sind zu richten an Moses Krauß, Rabbiner, Baden (Schweiz)."  

    
Informationen über die Toraschule ('Jeschiwoh') in Baden (1918)
     

Anzeige im Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz 1918 S. 270: "'Jeschiwoh in Baden'. Gegründet 5663 durch Jacques Lang sel..  Zweck: Den Lichtquell der heiligen Tora auch armen Kindern, mit Beihilfe edler und wohltätiger Leute beizubringen. Schüler 20.  Lehrer und Rabbiner M. B. Kraus.  Einzelmitglieder z.d.Z. 26. - Präsident: Benoit Lang, Zurück; Kasser: C. Lang, Postscheckkonto VIII/5014. Empfohlen wird die Jeschiwoh, welche unter Leitung der 'Agudas Israel' steht, von Dr. Rabbiner Cohn, Basel, N. Sterenbuch, Basel; M. Schwarz, Basel; Abr. Erlanger, Luzern; Dr. M. Ascher, Neuenburg; D. Steinlauf, Zürich; S. Teplitz, Zürich. - Zuschriften für die Jeschiwo sind an Rabbiner Kraus zu richten."      

 
Die Mutter von Rabbiner Krauß - Sara Krauß - ist verstorben (1933)   

Baden CH Israelit 02031933.jpg (79710 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1933: "Baden (Schweiz), 27. Februar (1933). Herr Rabbiner Krauß ist durch den Heimgang seiner Mutter in Trauer versetzt worden. Auf heiligem Boden, in Erez Israel, wurde sie am 22. Schewat (= 18. Februar 1933), hochbetagt, zur letzten Ruhe gebracht. Ihre lautere Frömmigkeit, ihre beispiellose Liebe zur Tora, die sie als würdige Enkelin des Chacham Sofer auf den Sohn und dessen Nachkommen übertrug und nicht minder die Hilfsbereitschaft für jedermann aus Ausstrahlung eines gütigen Herzens, alle diese Tugenden lassen uns mit Wehmut an den Abschied von Frau Sara Krauß denken. Vor mehr als drei Jahrzehnten trieb sie die Sehnsucht von ihrem Heimatlande Ungarn ins Land der Väter, nach Jerusalem. Noch voriges Jahr hat Rabbiner Krauß, offenbar von einem stillen Ahnen gedrängt, die Mutter in Erez Israel besucht, und dies mag ihm zur Linderung des Schmerzes dienen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer      
   
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1859)
    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1859: "Die neu errichtete Stelle eines Religionslehrers für die israelitischen Schüler der Gemeinde- und Bezirksschule in Baden wird anmit zur freien Bewerbung ausgeschrieben. 
Der anzustellende Lehrer hat folgende Pflichten zu übernehmen: 
a. Er hat den mosaischen Religionsunterricht in dem Sinne und Umfange, wie es das Aargauische Schulgesetz §§. 77. und 78. und die Vollziehungsverordnung $ 119 Lit. a. und b. für die israelitischen Schulen zu Endingen und Lengnau vorschreiben, zu erteilen.  
b. Er gibt den katechetischen Unterricht nach den in der Aargauischen Rabbinatsverordnung vorgeschriebenen Bestimmungen.  
c. Er ist in Bezug auf Anstellung, Pflichterfüllung etc. dem Aargauischen Schulgesetze unterworfen.  
d. Er hat wöchentlich 25 Unterrichtsstunden zu geben und außerdem am Samstag Nachmittags den Bezirksschülern die heilige Schrift in freien Vorträgen zu erläutern.  
Die Jahresbesoldung beträgt Fr. 800. Die Dauer der Anstellung ist vorläufig auf drei Jahre festgesetzt.  
Bewerber haben ihre Anmeldung bis zum 27. August laufenden Jahres der Tit. Gemeindeschulpflege von Baden einzureichen, und derselben die erforderlichen Wahlfähigkeits- und Sittenzeugnisse nebst einer kurzen Darstellung ihres bisherigen Lebens- und Bildungsganges, Kantonsfremde überdies noch Heimatschein und Zeugnis über bürgerliche Rechtsfähigkeit beizufügen. 
Aarau, den 15. Heumonat 1859. Die Erziehungsdirektion."        
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. September 1859: "Mit Bezug auf ein Inserat der hochlöblichen Erziehungs-Direktion in No. 32 dieses Blattes vom 1. August dieses Jahres, betreffend die Anstellung eines israelitischen Religionslehrers für die Bewohner hiesiger Stadt, bringt der Unterzeichnete zur näheren Erläuterung noch Folgendes zur Kenntnis: 
1) Die Gemeinde besteht vorläufig nur aus 12 Familien mit 16 schulpflichtigen Kindern. 
2) Außer dem Gehalte, der auf Frcs. 800 pro Jahr festgesetzt ist, kann dem Lehrer noch sichere Aussicht auf Nebenverdienst gegeben werden. 
3) Die Anstellung ist provisorisch zwar nur auf drei Jahre bestimmt, jedoch kann der Lehrer nach Ablauf dieser Frist einer Erneuerung des Kontrakts versichert sein, sobald er den ihm vorgeschriebenen Pflichten treu nachgekommen ist. 
Hierauf Reflektierende werden ersucht, ihre Anmeldungen bis zum 15. Oktober diesen Jahres an die löbliche Gemeindeschulpflege hierselbst zu machen und nebst den in der früheren Ausschreibung verlangten Zeugnissen auch etwaige Zeugnisse über die Befähigung zum Schächten beizulegen. 
Baden
in der Schweiz, September 1859. 
Der Vorstand des israelitischen Kultusvereins."     

   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Februar 1860: "Unterzeichneter, ein Preuße, noch unverheiratet, welcher als Religionslehrer von einer preußischen Regierung konzessioniert und als Schächter von den Herren Rabbiner zu Berlin, Schönlanke u.m.a. mit Kabbala versehen ist, und als solcher wie auch als Vorbeter hier in der Schweiz fungierend, wünscht zum 1. April oder zum (Monatsende des Adar), den 23. April diesen Jahres am liebsten in Preußen eine entsprechende Anstellung. Gefällige Franco-Anfragen sind zu richten an 
Jacob Werner,
Religionslehrer in Baden in der Schweiz."   

 
Lehrer Michael Neuberger wird Direktor des Israelitischen Bürgerspitals in Fürth (1904)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1904:  "Fürth in Bayern. Von 86 Bewerbern erhielt einstimmig Herr Lehrer Michael Neuberger, seit 22 Jahren Lehrer der israelitischen Gemeinde Baden (Schweiz), die Stelle des Direktors am hiesigen israelitischen Bürgerspital. Wir wünschen dem Spitale Glück zu dieser vorzüglichen Akquisition".        

  
Verabschiedung von Lehrer Michael Neuberger (1904)  

Baden CH Israelit 01081904.JPG (181108 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1904: "Baden, 26. Juli (1904). Eine kleine ernste Schar aus den verschiedensten Kreisen der hiesigen jüdischen Gemeinde fand sich am 12. dieses Monats am Bahnhofe zusammen, um Herrn Neuburger und Frau noch einmal die besten Wünsche auf ihrem Wege zur neuen Stelle in Fürth mitzugeben. Nur wenige wussten die Zeit ihrer Abfahrt, aber die es wussten, kamen. Still, einfach und bescheiden, wie das Wirken dieses trefflichen Ehepaares, so war auch sein Abschied. Nur die tränenfeuchten Blicke und die stummen Händedrücke sagten, wie innig das Verhältnis dieses Beamten zu seiner Gemeinde war und wie schwer die Trennung von beiden Seiten empfunden wurde. Herr M. Neuburger hat in Baden mehr als zwei Jahrzehnte gewirkt. Er hat da eine Generation heranwachsen sehen, die in Liebe und Ehrfurcht zu ihm hinaufblickt. Der Schwerpunkt seiner Tüchtigkeit lag aber darin, sich allezeit als das Ideal eines jüdischen Kultusbeamten zu bewähren, eines Beamten, der nach den Worten der Weisen ein Schüler Ahrons sein muss, der den Frieden sucht und ihm nachstrebt, der die Menschen liebt und sie der Lehre nahe bringt. Was Herr Neuburger seiner Gemeinde war, ist allgemein bekannt und letztere hat dieses auch durch eine Widmung bewiesen, über die wohl von anderer Seite berichtet wird. Aber auch wir Lehrer der Schweiz werden seinen Fortgang ungemein bedauern. Er verstand es wie kein zweiter, Kollegialität zu üben. Gar oft wandten wir uns, namentlich da, wo rasche Hilfe nötig war, an unseren Neuburger, wir konnten stets auf sein kräftiges Mitwirken rechnen. Mögen also auch die herzlichsten Glückwünsche seiner schweizerischen Kollegen ihn in seinem verantwortungsvollen Berufe begleiten. Möge auch seine neue Tätigkeit von Segen und Gelingen gekrönt sein! S.i.E."

  
Ausschreibung der Lehrerstelle nach dem Weggang von Lehrer Neuberger (1904)  

Baden CH Frf Isr Fambl 03061904.jpg (17000 Byte)Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Juni 1904: "Baden (Schweiz). Religionslehrer, Vorbeter und Schächter per August oder September. Gehalt 3.000 Franken, Nebenverdienst 500 Franken."  

   
Anzeige von Lehrer Joseph Fröhlich für die "Kommission für den jüdischen Wanderlehrer in der Schweiz" (1917)      

Anzeige in "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" von 1917 S. 250: "Für vereinzelt wohnende jüdische Familien der Schweiz. Unterricht in den jüdischen Elementarfächern (Hebräisch lesen, Gebete übersetzen, Religionslehre, Biblische Geschichte für die Kinder der vereinzelt in der Schweiz wohnenden Juden vermittelt die 
Kommission für den jüdischen Wanderlehrer in der Schweiz. 
Interessenten wollen sich wenden an Herrn Lehrer Fröhlich in Baden."     

       
Beitrag von Lehrer Joseph Fröhlich in Baden über "Der literarische Nachlass eines schweizerischen Rabbiners" sc. Rabbiner Dr. Arthur Cohn, Basel (1928) 

Baden CH Israelit 25101928.jpg (304491 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1928: "Der literarische Nachlass eines schweizerischen Rabbiners. Reden und Aufsätze von Rabbiner Dr. A. Cohn, seligen Andenkens. Von Lehrer Fröhlich in Baden (Schweiz).  
Der Artikel wird nicht ausgeschrieben, da es keine direkten Bezüge zur jüdischen Geschichte in Baden gibt. Bei Interesse bitte anklicken.  

   
Zum Tod von Lehrer Michel Neuberger (1930) 

Baden CH Israelit 17101930.jpg (190441 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1930: "Michel Neuberger – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Lengnau (Schweiz), 16. Oktober. Mit der Versöhnung des Jomkippur und der Freude an Sukkah und Lulow in der Seele, schlummerte plötzlich unser Lehrer Michel Neuberger in die Ewigkeit hinüber. Am Hoschanorabbo kam er auf dem uralten Friedhof Endingen-Lengnau, für dessen Restaurierung er sich so ungeheure Verdienste erworben hatte, zur Bestattung. Wer Neuberger als Menschen geliebt, als gehämmerten Jehudi verehrt, als treuen Diener Gottes im Dienste der Gemeinde und der Jugend verehrt hat und es waren so viele, die es taten, - wird eine stille Träne dem stillen Manne nachweinen, der in einem Leben emsiger Arbeit wie ein Sämann manch Saatkorn in den dunklen Boden versenkte, das später zur vollen Blüte aufging.    
Zwanzig Jahre war Michel Neuberger Lehrer und Kantor der jüdischen Kultusgemeinde zu Baden in der Schweiz, Rechnungsführer und Verwalter der Gemeindefinanzen, eine in der Schweiz wohlbekannte und beliebte Persönlichkeit. Die Freuden an Nachkommenschaft blieben ihm versagt. Michel Neuberger und seine Frau, die ihm vor einigen Jahren in den Tod voranging, suchten und fanden ihr Seelenglück in stillen mannigfaltigen Wohltaten. Im Jahre 1905 verließ Neuberger freiwillig Amt und Gemeinde, um sich einer höheren Chesed-Aufgabe in Fürth zuzuwenden. Die Ehegatten sahen sich in ihren Erwartungen getäuscht, und nun begann für die Menschen, die ein Bild der Ruhe und Stabilität waren, ein Wanderleben, unruhig und unstet. Sie wohnten vorübergehend da und dort, eine längere Zeit in Halle, dann in Frankfurt, und überall betätigte sich Neuberger als Lehrer der Kleinen und der Großen mit hingebender Liebe und gutem Erfolg. Besonders in Frankfurt erwarb er sich ein großes Maß von Liebe und Achtung. In den schweren Jahren des Krieges und des Nachkrieges standen die feinbesaiteten Menschen den Kämpfen des Tages zu schwach gegenüber. Es zog sie wieder nach der Schweiz, wo Neuberger in der ach so klein gewordenen Muttergemeinde Lengnau die Kantor und Lehrerstelle annahm. Auch dort schuf er eine kleine Insel echter Jüdischkeit um sich, und die Herzen der alten Schweizerfreunde stürmten ihm zu. Vor einigen Jahren wurde ihm die treue Gattin und Wegebegleiterin seines Lebens genommen. Er baute den zweiten Tempel seines Glückes auf, aber leider nur für kurzen Zeitraum. Michel Neuberger ruht auf dem alten Friedhof, der er in den letzten Jahren mit der ganzen Liebe seines Herzens betreut hatte, als Maliz joscher (Fürsprecher) für seine Gemeinde und für die Gemeinschaft. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   
   
Baden CH BayrGZ 15111930.jpg (124055 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1930: "Michael Neuberger seligen Andenkens -. Nur wenige unserer Mitglieder werden noch persönliche Erinnerungen an Michael Neuberger haben; aber unbekannt ist er uns allen nicht, dieser edle Mensch, dieser glaubensstarke Jude, dieser gottbegnadete Lehrer. Und weil er einer unserer Besten war, darum trauern auch wir um ihn, der am Rüsttage zum Sabbat Chaul Hamoed Sukkoth, kaum 68-jährig, seine unsterbliche Seele ausgehaucht hat.  
Michael Neuberger war von 1881 bis 1908 Mitglied unseres Vereins. Im Jahre 1920 bedachte er unseren Verein in treuer Anhänglichkeit mit einem Legat.   
Das 'Israelitische Wochenblatt für die Schweiz' widmet diesem seltenen Menschen sehr ehrende Worte der Liebe und Verehrung. Wir entnehmen diesem Nachruf, dass er 1862 in Mühlfeld in Unterfranken geboren wurde, in Höchberg und Würzburg seine Ausbildung erhielt, 25 Jahre in Baden in der Schweiz amtierte, dann die Leitung eines Altersheimes in Fürth übernahm und nach einigen schweren Wanderjahren, in denen er in den Gemeinden Ansbach, Schweinfurt, Halle und Frankfurt seines Amtes waltete, der Stimme seines Herzens folgend wieder in die Schweiz zurückkehrte. In Lengnau fand er als Lehrer und Leiter des Altersasyls endlich eine ihn voll befriedende Stellung.   
Die machtvolle Kundgebung an seinem Leichenbegängnis zeigte, wie die Schweiz diese vorbildliche Persönlichkeit ehrte; aber auch die jüdischen Lehrer in Bayern werden seiner nie vergessen! Sein Andenken sei zum Segen!"  

   
   
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Mai 1889: "Bonn, 6. Mai (1889). Wir erhalten folgendes Rundschreiben, welches wir in allen seinen Teilen wahr und angemessen erkennen. Auch wir hatten Gelegenheit, mit dem seligen A. Keller in Verbindung zu treten und ihn hochachten zu lernen. Die Redaktion.   
Das Schreiben lautet: 
'Wie Ihnen wohl durch die Tagespresse bekannt, findet am Sonntag den 12. Mai im Rathausgarten zu Aarau die Einweihung des Denkmals Augustin Kellers statt und es verbindet sich damit eine Gedenkfeier zu Ehren dieses großen Toten. 
Treffend und schön sagen diejenigen, welche uns in einem Aufrufe zur Teilnahme an der genannten Feier einladen: 'Ein wackeres Volk ehrt seine wackeren Männer.'  
Was Augustin Keller seinem engern Vaterlande war und welche Verdienste er sich um die Eidgenossenschaft erworben, davon wird so lange die Rede sein, als es eine Geschichte des Schweizervolkes gibt: Auch der schweizerische Israelit hat alle Veranlassung, in Verehrung und Dankbarkeit des großen Staatsmanns zu gedenken. Denn er war es, der mit Eisnetzung seiner ganzen Kraft und mit der vollen Wucht seiner gewaltigen Beredsamkeit die Emanzipation der aargauischen Juden durchsetzte! Augustin Keller war es, der die Ghettos von Lengnau und Endingen öffnete und uns zu vollberechtigten und freien Bürgern eines freien Staates machte!  
Lesen Sie die vom, Geiste Lessings durchwehte Rede, die Keller anlässlich der 'Judendebatte' am 15. Mai 1862 im aargauischen Großen Rate hielt sie folgt hier beigeschlossen) und Sie werden mit uns in bewundernder Dankbarkeit ausrufen: Ehre seinem Namen!  
Keine Undankbaren hat Keller verpflichtet, als er für die Juden eintrat! Auch wir wollen seiner am nächsten 12. Mai gedenken. So recht im Geiste Augustin Kellers aber feiern wir sein Gedächtnis, wenn wir jenen Tag mit einer guten Tat beschließen!  
Wir laden Sie deshalb ein, mit uns an eine milde Gabe beizusteuern, die wir am Tage der Gedenkfeier einer wohltätigen aargauischen Anstalt zu überreichen gedenken mit der Widmung: 'Zu Ehren und zum Andenken an den seligen verstorbenen Landammann August Keller.'  
Zürich und Baden, im April 1889. 
H. Guggenheim, Fürsprech in Baden
Dr. jur. Hermann Guggenheim in Zürich. 
Adolf Guggenheim in Baden.'  
P.S.: Beiträge sind beförderlichst an H. Guggenheim, Fürsprech in Baden zu übermitteln. Ein Verzeichnis der verehrten Subskribenten wird denselben mit einem Rechnungsabschluss zugesandt werden.' 
Der Gedanke, die Emanzipationsrede Kellers wieder abdrucken zu lassen, war ein glücklicher, und wünschen wir, dass sie in recht vieler Hände komme - es tut der Gegenwart not."         

 
Über den Verein "Chevrat Kijum Haemunoh" (1896)
        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1896 (Abschnitt): "... Die mittelbare Anregung zu diesen Bestrebungen ging an beiden genannten Orten von der nahe gelegenen Gemeinde Baden aus. Dort besteht schon seit ca. 10 Jahren ein derartiger Verein unter dem Namen Chevrat Kijum Haemunoh. Derselbe versammelt sich allabendlich unter der Leitung des Rabbiners Herrn Dr. Ehrmann zum gemeinschaftlichen Lernen von Schulchan Aruch und Menorat Hamaor, während fortgeschrittene Mitglieder bei dem Vereinslehrer Herrn Aloys Schweiger Gemara lernen. Dank der Munifizenz der Herren Gebrüder Lang besitz der Verein schon seit Jahren ein Tag und Nacht offen stehendes Beth Hamidrasch, das fleißig besucht wird. Leider erweist sich bei der stetig wachsenden Beteiligung das Beth-Hamidrasch viel zu klein, was sich in der heißen Jahreszeit besonders fühlbar macht. Eine Vergrößerung derselben wäre sehr zu begrüßen. Auch die vorhandenen Torarollen erweisen sich bei dem regen Verkehr daselbst als nicht genügend. In dem benachbarten Elsaß und vielleicht in der Schweiz selbst finden sich im Privatbesitz noch vielfach Torarollen aus jener Zeit, in welcher die Tora noch heimischer in den jüdischen Häusern war. Aus falscher Pietät lassen die Eigentümer diese heiligen Schriften oft lieber von Würmern und Motten zu Grunde richten, als dass sie dieselben ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben, damit daraus etwas gelernt werde. Es bedarf hoffentlich nur dieser Anregung, um Besitzer von Torarollen zu bestimmen, dieselben dem Beth-Hamidrasch zu überlassen. Der Präsident des Vereins Kijum Hoenumnoh Herr Isak Rhein und ohne Zweifel auch Herr Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz) werden Zuwendungen dieser Art mit Dank entgegen nehmen."       

       
Über die Aktivitäten der Schweizer Talmud-Vereine und die Planung einer gemeinsamen Veranstaltung (Feier eines großen Sium) in Baden (1901)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1901:  ist noch abzuschreiben, bei Interesse zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.     

 
Gründung eines "Vereines der israelitischen Religionsbeamten der Schweiz" in Baden (1903)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1903: "Schweiz. Baden (Schweiz). Am Montag, 6. Juli, konstituierte sich in einer dahier einberufenen Versammlung der Rabbiner, Lehrer und Kantoren des Landes ein 'Verein der israelitischen Religionsbeamten der Schweiz'. In den Vorstand wurden die Herren Dr. Strauß - Zürich, Schachnowitz - Endingen und Rosenthal - St. Gallen gewählt."        

 
Über das "Schweizerische Israelitische Altersasyl in Lengnau" - Sitz der Verwaltung in Baden (1916)     

Anzeige im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 1916 S. 206: "Schweizerisches Israelitisches Altersasyl in Lengnau.
Sitz der Verwaltung: Baden. - Anstalt: Lengnau (Aargau). Gründungsjahr: 1901: 
Zweck der Vereinigung: Die Anstalt hat den Zweck, durch Altersschwäche zum Erwerb des Unterhalts unfähig gewordene Israeliten der Schweiz aufzunehmen und zu verpflegen.  
Mitgliederzahl: 297.  
Vorstand: Jacques G. Guggenheim, Zürich, Samuel Wyler, Baden, Dr. E. Guggenheim, Fürsprech, Baden, Dr. med. F. S. Wyler, Zürich, Hermann Dreifuss, obige fünf sind Mitglieder des Asylvorstandes.    Mitglieder: Max Weill-Brüll, Zürich, Leopold Bollag, Zürich, Simon Wyler, Zürich, Isak Bloch, Ober-Endingen, Henri Boneff, Bern, Samuel Bollag-Heumann, Winterthur, Max Meier, Bremgarten, H. Braun-Heymann, Luzern, Moritz D. Guggenheim, Basel, Victor Wyler, Basel, J. Dreifus-Brodsky, Basel, Moritz Guggenheim, Paris, Ed. B. Homburger, St. Gallen, J. Guggenheim-Cahn, Liestal. Ehrenmitglied: Rabbiner Dr. Littmann, Zürich.  
Beamte: Hausverwaltung (Herr und Frau Weisskopf)."           

   
   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Moriz Guggenheim aus Lengnau - wohnhaft in Baden - verunglückt bei einer Bergwanderung am Stanserhorn (1898)   

Lengnau AZJ 12081898.jpg (215757 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. August 1898: "Zürich, 6. August (1898). Über einen auch unsere Kreise besonders interessierenden Absturz am Stanserhorn berichtet das 'Vaterland': Eine Gesellschaft junger Leute aus Baden im Kanton Aargau unternahm letzten Mittwoch einen Ausflug nach dem Stanserhorn. Den Berg hinauf ward die Bahn benutzt und droben im Hotel genächtigt. Am Morgen darauf, am Donnerstag, zerstreute sich die Reisegesellschaft, indem die Einen zu Fuß, die Anderen mit der Bahn zu Tale gingen. Ein Trupp, der für den Abstieg den Fußweg nach Stans auf der Ostseite des Berges gewählt hatte, kehrte unterwegs in der Wirtschaft zur 'Alpenrose' ein. Die Wirtin, Frau Püntener, unterließ auf Befragen nicht, die Leute über den an sich ganz gefahrlosen Weg aufzuklären; sie warnte namentlich, vom Wege abzugehen und etwa Abkürzungen den Planken des Grates entlang zu versuchen. Eine Strecke weit begleitet Frau Püntener die Leute. Allen Warnungen zum Trotz ließen sich's zwei Waghalsige nicht nehmen, den Fußweg zu verlassen und den Grat entlang zu gehen. Von einem Gewitter, das Nachts über die Gegend gezogen, waren die Planken hier sehr glatt. Mangels Bergschuhe oder sonst genagelter Schuhe gestaltete sich der Abstieg für die beiden doppelt beschwerlich: Moritz Guggenheim von Lengnau, wohnhaft in Baden (Aargau) stürzte sechzig Meter tief. Sein 21-jähriger Begleiter Bloch von Brugg konnte sich in der ersten Zeit des Rutschens noch halten und ward später gerettet, während Guggenheim tot blieb. Zwischen Tod und Leben schwebend, rief Bloch verzweifelt um Hilfe. Bahnmeister Robert Lussi und Bahnwärter Remigius Lussi wurden in der Fluhmatt auf den Hilferuf aufmerksam, zumal auch von der Egg herunter Alarmrufe ertönten. Mit Decken und Heuseilen ausgerüstet, stiegen die beiden die Unglücksstätte hinan. Es gelang, den Bloch mit Seilen aus seiner entsetzlichen Lage zu befreien. Von Schürfungen abgesehen, hat ihm die Rutschpartie weiter nichts zuleide getan. Guggenheim aber lag mit zerschmettertem Kopf tief unten im sogenannten 'Katzenloch' hinter der Alphütte Fluhmatt. Robert Lussi stieg hinunter und ermöglichte so die Bergung der Leiche, die heute, Freitag, nach erfolgtem gerichtlichen Augenschein nach Baden befördert wurde, während Bloch die Heimreise schon Donnerstag Abend antrat. In der Reisegesellschaft befand sich auch Rabbiner Dr. Ehrmann".       


Rechtsanwalt Arnold Bollag wird in den argauischen Großen Rat gewählt (1909)  

Baden CH Israelit 25031909.jpg (106135 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1909: "Baden (Schweiz). 20. März (1909). Einen Erfolg in politischer Beziehung haben die Aargauischen Juden insofern zu verzeichnen, als zum ersten Male auch ein Jude, und zwar Herr Rechtsanwalt Arnold Bollag, von hier in den aargauischen Großen Rat gewählt wurde. Bedenkt man, dass gerade der Kanton Aargau sich seinerzeit der vom Bundesrate aus unternommenen Emanzipation der Juden so hartnäckig widersetzte und dass auch zu dem 1893 zustande gekommenen Schächtverbote die aargauische Bevölkerung ihr gut Teil beigetragen hat, so kann man in dieser Wahl eines Juden zum Mitgliede der Staatsregierung doch eine wesentliche Besserung erblicken. Andererseits aber kann von einer vollständig ungetrübten Freude ob dieses Sieges kaum ernstlich die Rede sein. Stand doch dieser Herr bislang dem Judentume und der Judenheit so fern, so kalt und fremd gegenüber, dass es kaum zu erwarten ist, dass er jemals sich dazu bereit finden würde, jüdische Interessen zu vertreten. Bedeutet aber diese Wahl den Anbruch einer neuen Ära, so eröffnen sich damit immerhin freudige Perspektiven für die Zukunft der schweizerischen Judenheit."

  
Zum Tod von Michael Bollag (1909)  

Baden CH Israelit 01041909.jpg (68501 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1909: "Baden (Schweiz). 25. März (1909). Letzten Samstagabend verschied plötzlich infolge eines Herzschlages, Herr Michael Bollag im Alter von 69 Jahren. Das ungewohnt große Leichengeleite von Seiten der jüdischen und christlichen Bevölkerung Badens, die äußerst ehrenden Nachrufe der Badener Tagespresse, legen Bewiese von der großen Sympathie, deren sich der Verstorbene überall erfreut hat. Michael Bollag war ein Mann von ausgezeichneten Eigenschaften und hat stets nur das Beste zum Wohl anderer gewollt. Die jüdische Gemeinde hat einen treuen Anhänger, die Armen eine große Stütze verloren, die Gesetzesfreuen in der Schweiz aber einen ihrer besten Förderer. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."       

  
Zum Tod von Gemeindepräsident J.B. Dreifuß (1909)  

Baden CH Israelit 02091909.JPG (161758 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1909: "Baden (Schweiz), 27. August (1909). Einen unersetzlichen Verlust erlitt die schweizerische, die gesamte gesetzestreue Judenheit. Herr J.B. Dreifuß ist seit letzten Freitag in Grabesfrieden gebettet. Die ihn kannten, sie können es kaum fassen, dass Todesmacht ihn beugen konnte. Erst vor kurzem verließ er unsere Gemeinde, die ihn ungern scheiden sah, denn er hat ihr treue Dienste geleistet. Mit Liebe und Hingebung waltete er seines Amtes als Präsident; noch am vergangenen Jom Kippur hat er in der Neilah-Weihestunde durch seine liebliche Vortragsweise die Gemeinde in andachtsvolle Stimmung versetzt. Es war sein Schwanenlied. Als schwankende Gesundheit ihn von der gewohnten geschäftlichen Betätigung zurückdrängte, fasste er den Entschluss, in das benachbarte Zürich zu übersiedeln. Ein Hoffnungsstrahl entfachte aufs neue das verglimmende Feuer des Lebens. Die Quellen der Gotteslehre, an denen er sich seit frühester Kindheit labte, schienen ihm noch einmal einen erquickenden Trunk zu reichen. Es sollte nicht sein. In den Tagen, die durch göttliches Erbarmen und Liebewaltungen ausgezeichnet sind, wurde er seiner irdischen Wirksamkeit entrückt, und ein imposantes Trauergeleite ehrte seinen letzten Gang. Die schweren, geduldig getragenen Leiden, welche sein Krankenlager verdunkelten, die vielen Opfer an Zeit und Mühe, die er sich auferlegte, um Tausende in den Abrahambund aufzunehmen, die große Zahl von Armen und Verlassenen, denen er Berater und Helfer war, und alle sonstige ideale Arbeit im Dienste der Gotteserkenntnis und Menschenliebe, sie bedeuten für die Kürze dieses Lebens eine Summe von Verdiensten, deren reiche himmlische Belohnung gesichert ist. Seine Seele sei eingebunden in der Bund des Lebens."    

    
Zum Tod von Jacques Lang (geb. in Sierentz, lebte in Glarus, dann in Baden, gest. 1915) 

Baden CH 08041915.jpg (36411 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1915: "Baden (Schweiz), 7. April (1915). Am 1. Pessachtag starb im gesegneten Alter von 85 Jahren der als frommer Mann weit und breit bekannte Jacques Lang und kam am 1. Halbfeiertag des Pessachfestes unter großer Beteiligung in seiner Vaterstadt Hegenheim zur Beisetzung. Eine Würdigung des von guten Werken ausgefüllten Lebens dieses seltenen Mannes behalten wir uns vor. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 
  
Baden CH Israelit 15041915.jpg (123726 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1915: "Jacques Lang er ruhe in Frieden.  Baden (Schweiz), 11. April (1915). Am ersten Tage des Festes unserer Freiheit hat der Tod eine große, edle Seele von ihrer irdischen Hülle befreit, hat Jacques Lang in Baden (Schweiz) sein Leben ausgehaucht. Ein solches Leben aufrichtiger Gottesfurcht, edler Menschenliebe und unbeugsamer Charakterfestigkeit hätte auch in früheren Jahrhunderten, wo diese Tugenden allgemeiner verbreitet waren, die Aufmerksamkeit der Mitwelt auf sich gezogen. Heute aber, wo die Vereinigung dieser Vorzüge des Geistes und Herzens, diese Liebe zur Tora, diese rückhaltlose Hingebung an die Erfüllung ihrer Pflichten, dieser unerschrockene Freimut in der Vertretung alles dessen, was er als wahr erkannt, so schmerzlich oft vermisst wird, heute bedeutet der Heimgang eines solchen Mannes einen Verlust, der umso größer ist, je weniger er in seiner ganzen Tiefe empfunden wird. 
Jacques Lang war in Sirenz (Oberelsass) geboren und verlor schon im Kindesalter seinen Vater. Nach seiner Verheiratung lebte er lange Jahre mit seiner Familie als einziger Jude in Glarus. Obwohl er dort ein blühendes Geschäft hatte, war er doch unablässig darauf bedacht, sich in einer jüdischen Gemeinde niederzulassen. Er entschied sich für Baden im Kanton Aargau, wo ihn das Vertrauen der jüdischen Gemeinde bald zu ihrem ersten Vorsteher wählte, welche Stellung er lange Jahre bis in sein hohes Greisenalter bekleidete.     
Von den Institutionen, die er dort geschaffen, ausgebaut und mustergültig hingestellt hat, sei hier nur eine einzige erwähnt, die früher in keiner jüdischen Gemeinde fehlte, die aber in der Schweiz und überhaupt dem westlichen Deutschland kaum mehr dem Namen
Baden CH Israelit 15041915a.jpg (259031 Byte)nach bekannt war, es ist das sein Bes-Hamidrasch (Lehrhaus). Er stellte dafür einen besonderen Lehrer an und zog von auswärts Schüler herbei, für deren Unterricht und Unterhalt er die größten Opfer brachte. Seitdem hat er sein ganzes Leben ausschließlich dem Studium der Tora und der Erfüllung ihrer Gebote gewidmete. Es ist geradezu erstaunlich, welche reiche Torakenntnis er sich angeeignet hat, obwohl er doch erst an der Schwelle des Greisenalters sich intensiv mit dem Studium der Tora beschäftigt hatte.     
Noch wunderbarer ist aber die Art und Weise seiner Erfüllung der Gebote, und unter diesen geradezu mustergültig war seine Heiligung des Schabbos (= Schabbat). Als sein ausgebreitetes Manufakturwarengeschäft in höchster Blüte stand, hatte er allen Reisenden vertraglich bei Androhung einer hohen Konventionalstrafe untersagt, am Schabbos irgendwie auf der Reise für das Geschäft tätig zu sein. Als sich nachträglich herausstellte, dass trotzdem ein christlicher Reisender am Schabbos eine Bestellung aufgenommen hatte, ordnete er an, dass die Musterkoffer sämtlicher Reisenden am Schabbos-Morgen in Baden sein müssen! Wenn am Freitagnachmittag ihm die abgehenden Briefe zur Unterschrift vorgelegt wurden, legte er alle Briefe, die an jüdische Firmen gerichtet waren, bis nach Schabbos-Ausgang zurück, damit durch ihn niemand veranlasst werde, den Schabbos zu entweihen. Und so war es mit jeder anderen Mizwoh. Es gab keine Seite des jüdischen Pflichtlebens, der er nicht seine ungeteilte Aufmerksamkeit zuwandte, um sie in sorgfältigster Weise zu erfüllen und andere zur Erfüllung anzuregen. Sein Haus war eine ideale Verwirklichung wahrhaft jüdischen Lebens und Strebens. Dass die Armen die ständigen Gäste und Freunde dieses Hauses waren, braucht nicht erst gesagt zu werden. Er bedachte sie aber nicht nur mit Speise und Trank, sowie mit reichen Gaben, sondern war auch für deren seelisches Heil bedacht. Besonders aber ließ er sich die Erfüllung derjenigen Lebenspflichten angelegen sein, die er selbst in früheren Jahren, als er sich noch nicht in einer jüdischen Gemeinde niedergelassen hatte, nicht mit der erforderlichen Gewissenhaftigkeit erfüllen konnte, weil ihm auch vielfach die gründliche Kenntnis der einzelnen Anforderungen des Religionsgesetzes nicht in ihrer vollen Bedeutsamkeit bekannt waren. Bei der Verheiratung seiner Kinder war er in erster Reihe auf Verbindungen mit Familien bedacht, die eine Bürgschaft für ein echt jüdisches Leben in dem zu gründenden Hause boten. Er hat sich mit Aufgebot aller Kraft und seines ganzen Einflusses dem Zug der Zeit entgegengestellt, die dem jüdischen Weibe die sittige Hülle vom Haupte reißt und hat mit Entfaltung aller Energie es im Kreise seiner großen Familie erreicht, dass alle ihre Frauen und Mütter in dem Schmucke züchtiger jüdischer Häuslichkeit durchs Leben gehen.    Wie er lebte, ist er gestorben, mitten in der Erfüllung der Mizwos, die das Pessachfest in so reicher Fülle bringt, wie ein Kämpfer auf der Wallstatt. Seine angelegentlichste Sorge in den letzten Wochen war die Beschaffung von Mehl für Herstellung von Mazzen, die er alljährlich in einem eigens für diesen Zweck gebauten Ofen am Nachmittag des Vortages zu Pessach selbst zu backen pflegte. Wenn man von diesem Manne nichts gesehen hätte, als die Freude über das religiöse Gebot, die ihn bei der Herstellung seiner Mazzen durchglühte, und die er auf seine ganze Umgebung zu übertragen verstand, sie hätte genügt, um diese stelle Größe kennen und achten zu lernen.    Möge sein Heimgang eine Sühne für die Verirrungen sein, die er während seiner 86-jährigen Laufbahn mit so seltener Hingebung und mit so großem Erfolge bekämpfte. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen."

    
Zum Tod von Kaufmann Israel Wieser (1915)  

Baden CH Israelit 07011915.jpg (105626 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1915: "Baden (Schweiz), 3. Januar (1915). Am 7. Tewet (= 24. Dezember 1914) starb hier der Kaufmann Israel Wieser im Alter von 53 Jahren. Durch seinen frommen Lebenswandel, durch allezeit frohen Sinn und durch eine fast unbegrenzte Wohltätigkeit, die in Anbetracht seiner pekuniären Verhältnisse geradezu erstaunlich war, hatte er sich in allen Kreisen eine außerordentliche Beliebtheit erworben. Diese bekundete sich in einem überaus großen Leichenbegängnisse, zu dem trotz des Freitagnachmittags zahlreiche Freunde, selbst aus Zürich und anderen Orten, herbeigeeilt waren. Aus den Eigenschaften des Verstorbenen sei besonders sein reiches jüdisches Wissen hervorgehoben. Stets war auf seinen häufigen Reisen ein hebräisches Buch sein Begleiter und so erfüllte er das Gebot 'und während du auf dem Wege gehst' (5. Mose 6,7.11.19)'. Er gehörte zu denen, die in der Schweiz auf die Erhaltung der jüdischen Traditionen bedacht sind, und wirkte in zahlreichen Vereinen für die Befestigung des Glaubens. Sein Andenken sei zum Segen! Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Tod von Benoit Lang (1921)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. März 1921: "Zürich. Mit Benoit Lang verschied in Baden der letzte der drei Brüder, die unverfälschtes Judentum nach der Schweiz verpflanzten. sie stammten aus Sierenz im Elsass. In der Überzeugung, dass nur die Tora die Judenheit erhalten könne, errichteten sie Lehrstätten der Tora und förderten überall ihre Erhaltung. Die Liebe zur Gotteslehre war der Herzpunkt, wo die drei Brüder zusammentrafen. Der eine steuerte feurig und kämpfend, der andere ruhiger und gemessen, aber unentwegt auf dieses Ziel los. Wer Gelegenheit hatte, den seligen Benoit Lang beten zu sehen, wer ihn Mizwas Lulow erfüllen sah, der bewunderte die titanenhafte jüdische Seele in diesem schwachen Körper. Der Begriff Leben umspannte aber auch bei ihm wie bei den andern Brüdern die aufrichtigste Liebe zu den Mitmenschen. Jeder Bedürftige fand klingende und tröstende freundlich-ermutigende Aufnahme. Drei Brüder waren es, und drei Dinge, die Lebensadern des Judentums haben sie gehütet: Tora, Awoda (Gottesdienst) und Gemilus Chasodum (Wohltätigkeit). (Israelitisches Wochenblatt für die Schweiz)."      

   
Zum Tod von Isidor Bollag (1928)  

Baden CH Israelit 15031928.jpg (166949 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928. "Baden (Schweiz), 8. März (1928). Die Schweizer Judenheit hat einen schweren Verlust erlitten. Isidor Bollag von hier, ein wegen seiner flammenden Liebe zur Tora, seiner tiefen, unerschütterlichen Frömmigkeit und seiner lauteren Menschenliebe allseitig hochgeachteter Mann ist leider unerwartet schnell aus dem Leben geschieden. Die Trauer um diese starke Säule des Judentums ist eine allgemeine. Der Einstellung der im Materialismus versunkenen Mitwelt hat er unbekümmert um Spott und Kritik der Mitwelt seine unvergleichliche Toraliebe entgegengesetzt. Alle seine Söhne brachte er im zartesten Alter in bedeutende Jeschiwaus (Toraschulen) in Ungarn, um sie mit dem Geiste der Tora zu durchtränken. Er durfte die Früchte dieser Edeltat noch bei Lebzeiten genießen: jeder einzelne der Söhne ist zu einem gesinnungstüchtigen Jehudi gereift, der die Fähigkeit des selbstständigen Talmudlernens mit Fleiß und Liebe übt. Die aufopfernde Herzensgüte Isidor Bollags äußerte sich in menschenfreundlicher Tat gegen Reich und Arm, gegen Juden und Nichtjuden. Insbesondere war er den Notleidenden ein Freund und Berater, sein gastliches Haus war zu jeder Tag- und Nachtstunde für sie geöffnet. Er hat sie auch seelisch zu stärken gewusst und manchem jungen Wanderarmen, der wohl den Weg zur jüdischen Kasse, aber den zum Judentum nicht mehr kannte, der Schabbos- und Tefillin-Gebot vernachlässigte, hat er mit ernsten, eindringlichen Worten das jüdische Verantwortlichkeitsgefühl geweckt. Die jüdischen Institutionen in der Schweiz, die die Förderung von Tora und Mizwaus erstreben, das Komitee für Erez Jisroel und des Centralvereins für die Interessen des orthodoxen Judentums zählten ihn zu ihren Begründern und eifrigsten Mitglieder, überall war seine Mitarbeit eine Quelle des Segens. Möge er ein Fürsprecher für uns sein und sein großes Verdienst uns beistehen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Jahrestag des Todes von Isidor Bollag (1929)  

Baden CH Israelit 28031929.jpg (223989 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1929: "Isidor Bollag - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.  Baden (Schweiz), 25. März (1929). Es jährt sich der Tag, an dem Herr Isidor Bollag das Zeitliche gesegnet hat. Am 28. Dezember 1868 wurde er als Sohn des angesehenen Jechiel Bollag - seligen Andenkens - in Oberendingen geboren. Noch in jungen Jahren kam er nach Baden, saß dort zu Füßen seines Lehrers Dr. Ehrmann seligen Andenkens und verblieb dort mit einer kurzen Unterbrechung von zwei Jahren, die er in Basel zubrachte.  
War er schon seit frühester Jugend in ein leben voll Kampf und Entsagung hineingestellt, so fühlte er die Tragweite seines jüdischen Berufes in reiferen Jahren, da ihm tausendfache Hindernisse entgegentraten, noch weit mehr. Aber gerade das befähigte ihn, ein Kämpfer und Dulder zu werden. So sehen wir ihn gemeinsam mit Jacques Lang seligen Andenkens den Verein 'Kijum Haemunah' in Baden begründen, sehen ihn als Vorstandsmitglied des 'Vereins zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz', als Präsident der 'Armenkasse' Baden und noch vieler segensreicher Institutionen unentwegt arbeiten.
In weit größerem Maße aber wirkte er durch sein vorbildliches Beispiel, durch den hohen Adel seiner Gesinnung und seines Herzens. Tag für Tag lernt er zusammen mit Herrn Rabbiner Kraus schon um 4 Uhr morgens im Beth-Hamidrasch. Unter größten Opfern schickt er alle seine sieben Söhne auf berühmte Jeschiwoth. Durch eine biedere, treue Gattin und liebevolle Kinder unterstützt, errichtet er ein jüdisches Haus, das mit seiner Gastfreundschaft geradezu einzig dasteht und das der schweizerischen Judenheit zum größten Stolz gereicht. Jeder Bedürftige und Notleidende erfährt am Bahnhof in Baden, dass er sich nur an den 'frommen Bollag' wenden müsse, der ihm mit Rat und Tat beistehen werde. Und der 'fromme Bollag' kannte keine Sprechstunde, zu jeder Zeit war er zu sprechen und nie hat ein Mensch umsonst zu ihm gesprochen. Sag er doch in jedem Menschen Schwester und Bruder, denen zu helfen ihm höchste Glückseligkeit war. Sicherlich Tausenden hat er zu einer Existenz oder doch zu einer Besserstellung verholfen.   
So goss dieser Mensch einen Segensstrom von gottinniger Frömmigkeit, von grenzenloser Opferfreudigkeit und bewundernswürdiger Demut und Milde über die Judenheit aus. Sein ganzes Leben war nichts anderes als eine Hingabe der besten und edelsten Kräfte für das Wohl der Gesamtheit, ein Kiddusch-Haschem (= Heiligung des göttlichen Namens) für die Erhaltung der heiligen Güter der Tora. Ein Mensch von großem Format, von priesterlich-zähem Willen und von patriarchalischer Gestalt.  
Es war am 16. Adar 5688 (= 8. März 1928). Zwei Tage nach Purim. Isidor Bollag hatten eben einen Sijum auf die letzte Mischnah in Ukzin gemacht, die lautet: 'Rabbi Josua sagt, in der zukünftigen Welt wird der Allgütige jedem Gerechten 310 Welten vererben.' Da warf es ihn unerbittlich aufs Krankenlager und sein herannahendes Ende fühlend, rief er seinen Kindern im letzten Schmerz die Worte zu: 'Bleibet gute Jehudim, schema jisrael'. 
Er hat nicht bloß zu seinen Kindern gesprochen, denn nicht für sie allein, für die gesamte Judenheit hat er sich aufgeopfert. Daher spricht er zu uns allen und ermahnt uns eindringlich: Lasset mich nicht umsonst volle 5 Jahrzehnte gekämpft, gerungen und geduldet haben, schaffet mir ein Denkmal der lebendigen Tat, indem Ihr das begonnene Werk in meinem - im Sinne der Tora - fortsetzet und entwickelt.  
Das Leben Isidor Bollags war eine unausgesetzte Verherrlichung des göttlichen Namens. Ein Stück jüdische Zeitgeschichte wurde mit ihm zu Grabe getragen. Über das Grab hinaus aber wirkt seine gerade Persönlichkeit, die eine unerschöpfliche Quelle edelster Geistes- und Herzensgaben bleiben wird."   

   
Zum Tod von Armand Meier (1930)  

Baden CH Israelit 27111930.jpg (86997 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1930: "Baden, Schweiz, 15. November (1930). Am vergangenen Samstagabend verschied im Bürgerspital zu Basel nach fünfmonatlicher schwerer Krankheit Armand Meier aus Mühlhausen im Elsass im Alter von erst 38 Jahren. In Baden (Schweiz) verlebte er seine Jugend, die durch den früheren Tod des Vaters getrübt war. Mit Erfolg besuchte er die Schulen in Baden, nach deren Absolvierung ihn Neigung und seltene Fähigkeit das Bankfach wählen ließen. Auf diesem Gebiete entfaltete er solche Fähigkeiten, dass er in ganz jungen Jahren zum Direktor der Dresdner Bank in Mainz-Frankfurt am Main avancierte. Mit dem hellen Geist paarte sich ein reines jüdisches Herz, das sich in aufopfernden Liebestaten bekundete. Auf Wunsch des Entschlafenen wurde er in Baden, seinem Geburts- und Heimatort, bestattet, und es war eine erlesene Trauergemeinde, die ihm am Dienstag das letzte Geleite gab. Als ein herzensguter Mensch, edel in Gesinnung und Tat, wird Armand Meier in unserem Gedächtnis fortleben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

   
Zum Tod von Hirsch Rubinstein mit Danksagung (1933)  

Baden CH Israelit 10081933.jpg (239836 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1933: "Baden (Schweiz), 4. August (1933). Von Schuls-Tarasp kommt die Schmerzenskunde: Hirsch Rubinstein ist nicht mehr! Wir beklagen das Hinscheiden eines Mannes, der in der finsteren Gegenwart wie ein Lichtstrahl wirkte. Große Ahnen umstanden seine Wiege: Sein Vater, ein Gelehrter von Ruf, der jahrzehntelang in Frankfurt am Main, getragen von der Gunst des Barons Willy von Rotschild lebte, entstammte der Familie des Gaon von Wilna, die Mutter wuchs in einem Kreise heran, wo das Feuer der Tora brannte, Tag und Nacht. Hirsch Rubinstein hat die elterlichen Traditionen treu gewahrt. Die drei Scharen von Engeln, die nach unseren heiligen Urkunden einen edlen Menschen in die höhere Welt geleiten, werden ihm fürsprechend voranziehen. Die eine erzählt davon, wie er die Jeschiwaus, jene geistigen Reservoir des jüdischen Volkes allezeit gespeist hat, eine zweite bezeugt die Ehrfurcht und Andacht, mit der er vor dem Herrn der Welt sein Gebet verrichtete und eine dritte Engelschar kündet die reiche Aussaat seiner Liebe auf Erden. Der Segen ruhte auf diesem Familienleben, wo ein Gatte und ein Vater wie Hirsch Rubinstein walteten. Wie ein Fürst des Friedens erschien er überall und ein klarer Geist, gepaart mit einer natürlichen Herzensgüte, befähigten ihn zu dieser Mission. Den schönsten Kranz legen wir an seiner Bahre nieder, den man einem Erdenpilger flechten kann: Er hatte keinen Feind! Wo er auf der Straße des vielverschlungenen Lebens einem Mitmenschen begegnete, da leuchtete sein wohlwollendes Auge, grüßte sein freundliches Antlitz, linderte, wo es sein musste, seine edle Tat. Einen Sterblichen erfreuen, war Devise seines Lebens. Er war Kaufmann von Beruf. Bahnbrechend hat er eine Industrie ins Leben gerufen, die heute europäischen Ruf genießt. Ein langjähriger Teilnaher und Mitarbeiter hat an seiner Totenbahre mit tränenerstickter Stimme erzählt, dass während 45 Jahren geschäftlicher Verbundenheit nie ein lautes Wort gefallen sei. Er machte viele Reisen, nach dem Norden und Süden, aber jede führte über Frankfurt, wo das Mütterchen wohnte und die Geschwister, die in rührender Weise seiner Liebe teilhaftig wurden. Die jüdische Gemeinde Baden verliert in ihm einen ihrer treuesten Söhne. Als Bal Tefilloh (ehrenamtlicher Vorbeter) schuf er eine Atmosphäre tiefer Andacht, als Mitglied der Schulpflege leitete ihn das Bestreben, gemeinsam mit dem Religionslehrer Wissen und Ehrfurcht vor dem Schöpfer in die jungen Herzen zu pflanzen. Hirsch Rubinstein stand, als der Tod ihn überraschte, noch im Trauerjahr um seine selige Mutter, eben hatte er das Kaddischgebet vollendet, das nun sein zartes Söhnchen fortsetzt um ihn selbst. Wenn den Kinderlippen das Jisgadal entströmt, um die Heiligkeit des großen Namens zu künden, dann erbebt die Gemeinde in dem Gedanken, wie flüchtig das Leben ist und oft einen Edlen urplötzlich in höhere Welten entrückt. Das Andenken an Hirsch Rubinstein wird unauslöschlich in unseren Herzen weiterleben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
 
Baden CH Israelit 24081933.jpg (98511 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1933: "Danksagung. Wenn uns in unserem tiefen Schmerze um unsern so rasch dahingeschiedenen 
Hirsch Rubinstein
- das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - außer der Ergebung in den Willen Gottes, nach dem er selber gelebt, noch etwas hat trösten können, so waren es die trefflichen Reden ehrwürdiger Männer an seiner Bahre, die zahlreichen Nachrufe und Briefe, in denen sein Charakter wie sein Wirken liebevoll gewürdigt wurde. 
Für all die Beweise aufrichtiger Anteilnahme sprechen wir als Gattin, Sohn und Geschwister des Unvergesslichen unsern innigsten Dank aus.   
Baden bei Zürich (Schweiz) Dammstraße 3 
Frankfurt am Main   Obermainstraße 18.    Ellul 5683 - August 1923  
Die trauernden Hinterbliebenen: 
Elsa Rubinstein geb. Meier    Maxli Elias Rubinstein   Bernhard Rubinstein   Anna Rubinstein

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juni 1860: "Israelitische Wirtschaft 
zum roten Schild in Baden, 
einer der besuchtesten Kurorte in der Schweiz, gehalten von Frau Maria Mühlhäuser geb. Ulmann, früher zur Kanne in Basel, empfiehlt sich dem geehrten reisenden Publikum zu geneigtem Zuspruch bestens, und sichert demselben unter Verabreichung guter Speisen und Getränke prompte und billige Bedienung zu."            

   
Anzeige für den israelitischen "Gasthof zum Löwen" (1863)  

Baden CH Israelit 24061863.jpg (78963 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1863: "Israelitischer Gasthof. Kurort Baden in der Schweiz. Lokalveränderung. Die Unterzeichnete beehrt sich, ihren Gönnern sowie allen denjenigen Reisenden mosaischen Glaubens, die die Schweiz, insbesondere aber den hiesigen Ort besuchen und gerne koscher speisen wollen, ergebenst anzuzeigen, dass sie seit dem 1. Januar letzthin die Wirtschaft zum Rothenschild verlassen und den neu eingerichteten, besser gelegenen Gasthof zum Löwen angetreten hat, und allda fortfahren wird, ihre werten Gäste wie bisher, unter Verabreichung guter Speisen und Getränke, promptest und billigst zu bedienen. Zu geneigtem Zuspruch empfiehlt sich höflichst Frau Marie Mühlhäußer-Ullmann, zum Löwen."  

   
Anzeige der "Israelitischen Restauration zum Rothen Schild" (1867) 

Baden CH AZJ 04061867.jpg (38290 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Juni 1867: "Mit dem 1.Mai 1867 ist die israelitische Restauration zum Rothen Schild in dem Kurorte Baden (Schweiz) eröffnet worden. Gute und billige Bedienung werden zugesichert. Bestens empfiehlt sich Guggenheim – Bernheim."  

    
Anzeige des Zürcher Schächters S. J. Bekken (1889) 

Baden CH Israelit 04111889.jpg (85246 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1889: "Zur Beachtung! Herr Dr. Ehrmann, Rabbiner in Baden (Schweiz) hat mir nach vorgenommener Prüfung eine Kabbala (Zertifikat) erteilt, dieselbe aber laut Inserat im 'Israelit' Nr. 75 vom 19. September dieses Jahres wieder öffentlich zurückgezogen, ohne einen Grund für diese Maßregel anzugeben. Da dieses Vorgehen nicht gegen mich, da ich mich keines Vergehens bewusst bin, sondern gegen die Kultusgemeinde Zürich gerichtet ist, so erkläre ich Herrn Dr. Ehrmann als einen – braven Mann! - so lange derselbe mir nicht öffentlich Satisfaktion erteilt. Zürich, den 28. Oktober 1889. S.J. Bekken, Schächter in Zürich."

   
Anzeige der Restauration zum "Rothen Schild" (1890) 

Baden CH Israelit 22051890.jpg (41225 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1890: "Kurort Baden (Schweiz) bei Zürich. Koscher – Koscher. Restauration zum 'Rothen Schild'. Referenz: Herr Rabbiner Dr. Ehrmann. 
Witwe Guggenheim."   

   
Hauslehrer von den Gebrüdern Lang gesucht (1893)  

Baden CH Israelit 11121893.jpg (63630 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1893: "Hauslehrer gesucht zu einer Familie, einzige Juden in einer Kantonshauptstadt der Schweiz, für den Unterricht im Jüdischen an Kinder, welche die städtischen Schulen besuchen. Bewerber müssen in der deutschen Buchführung einigermaßen bewandert sein, um sich in der Zwischenzeit darin nützlich zu machen. Gehalt 4-500 Francs nebst freier Station. Offerten mit Zeugnisabschriften befördern 
Gebrüder Lang, Baden (Schweiz)."

    
Anzeige des Badearztes Dr. med. F.S. Wyler (1901)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1901:   

    
Anzeige des Manufakturwaren-Engros-Geschäftes Lang & Cie. (1901)            

Baden CH Israelit 21111901.jpg (37908 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1901: 
"Per 1. Januar wird in unserem Manufakturwaren-Engros-Geschäft eine 
Lehrstelle
 
frei. Kost und Logis im Hause bei dreijähriger Lehrzeit. Es werden nur Jünglinge aus gutem Hause, groß gewachsen und guter Schulbildung berücksichtigt. Offerten direkt an 
Lang & Cie
., Baden, Schweiz."        

 
Anzeigen des Hotel-Restaurant Centralhof (1902 / 1916)  

Baden CH Israelit 03021902.jpg (54402 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1902: "Hotel-Restaurant Centralhof, Baden (Schweiz). Neu eröffnet. Am Theaterplatz. Große luftige Restaurationssäle, für Versammlungen und Anlässe speziell geeignet. Komfortabel eingerichtete Fremdenzimmer, mit elektrischem Licht und Zentralheizung. - Streng rituell. Gute Küche. Mäßige Preise. Telephon. Spezialität: Anerkannt Ia. Wettinger und Goldwändler Weine. Bestens empfiehlt sich Jul. Guggenheim. Besitzer.'"  
  
Anzeige im "Jüdischen Jahrbuch für die Schweiz" 1916 S. 220: "Streng Koscher
Hotel-Restaurant Centralhof. Thermal-Kurort Baden (Schweiz).
 
Große luftige Speisesäle, modern eingerichtete Zimmer. Elektrisches Licht. Telefon Nr. 239. Zentralheizung Übernahme von Hochzeiten und Festanlässen. 
Bestens empfiehlt sich Besitzer Julius Guggenheim."    

     
Hochzeitsanzeige für Hirsch Rubinstein und Elsa geb. Meier (1922)  

Baden CH Israelit 24081922.jpg (27489 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1922: 
"Hirsch Rubinstein – Elsa Rubinstein geb. Meier. Vermählte. 
Baden (Schweiz). 15. Au
gust 1922."  

     
Geburtsanzeige für einen Sohn von Herz Bollag und Paula Bollag geb. Dzialoszynski (1925)  

Baden CH Israelit 13081925.jpg (30844 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1925: "Die - Gott sei gepriesen - glücklich erfolgte Geburt unseres Sohnes zeugen in dankbarer Freude an   
Herz Bollag und Frau Paula geb. Dzialoszynski.  
Baden, 10. August 1925".  


Lehrstellensuche von Willy Guggenheim (1925)  

Baden CH Israelit 05111925.jpg (61202 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925: 
"Suche für meinen 15 ½ jährigen Sohn in einem an Schabbat und Feiertag streng geschlossenen, gut frequentierten Detailgeschäft (Manufaktur- und Konfektionsbranche bevorzugt) der Textilbranche er sofort 
Lehrstelle
 
an einem Platze, wo man Gelegenheit, streng rituell zu leben. Offerten erbitte an 
Willy Guggenheim, Baden (Schweiz), Schlossbergplatz." 

    
Verlobungsanzeige und Hochzeitsanzeige von Selma Kempler und Salomon Bollag (1933 / 1934)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1933: 
Selma Kempler - Salomon Bollag. Verlobte. 
Lugano - November 1933 - Baden/Schweiz".      
 
Lugano Israelit 26041934.jpg (28532 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1934:  
Statt Karten    -   Gott sei gepriesen.  
Selma Kempler - Salomon Bollag  
zeigen hiermit ihre - so Gott will - am Lag BaOmer 3. Mai (1934) in Lugano Hotel Villa Federico stattfindende Vermählung an. Lugano  Trauung 2 Uhr   Baden."   

    
Verlobungsanzeige von Willy Guggenheim und Armand Weill (1934)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934: 
"Willy Guggenheim - Armand Weill. Verlobte. 
Randegg (Baden)  -  Baden - Zürich. 
Oktober 1934." 

  
Verlobungsanzeige von Ilse Löwenstein und Leopold Kempler (1936)  

Baden CH Israelit 12031936.jpg (27455 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1936: "Gott sei gepriesen
Ilse Löwenstein - Leopold Kempler grüßen als Verlobte. 
Baden/Schweiz - Bruggerstraße 31 - Genève - 54, Rue du Rhône.  Adar 5696 - März 1936."  

   
   
Sonstiges   
(Dokumente aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)  

   Briefumschlag an Julius Wyler
 in Baden (1887)
  
Oberdorf Emil Weil Dok 020.jpg (101842 Byte) Oberdorf Emil Weil Dok 021.jpg (166332 Byte)

Umschlag eines Briefes, versandt von Veit Weil (Oberdorf) an Julius Wyler in Baden (Schweiz) am 5. August 1887 - mit rückseitigem Gruß von Veit Weil: "Herzliche Grüße an Alle von Emil". Emil Weil war ein Enkel von Firmengründer Veit Weil, Leim -, Collagen und Degrasfabrik. Sein Vater Michael Weil führte den Betrieb in der zweiten Generation weiter und sein Bruder Karl Weil daran anknüpfend in der dritten Generation. Die Eltern von Emil Weil waren Moses Michael Weil und Anna geb. Guggenheimer. Emil wurde 1870 geboren und starb schon sehr früh im Alter von 19 Jahren 1889. Er wurde beigesetzt im jüdischen Friedhof in Oberdorf.
vgl. zur Familie: Ancestral Chart: Weil Family of Oberdorf von Rolf Hofmann.    

   
Karte von Therese Hirschberger (Baden) an Marie Bruchsaler in Sulzburg (1904)   
     

Sulzburg Dok 121201.jpg (219594 Byte) Sulzburg Dok 121201a.jpg (133013 Byte) Sulzburg Dok 121201b.jpg (118154 Byte)

Die Karte wurde am 23. August 1904 von Baden (Schweiz) nach Sulzburg verschickt. Absenderin war Therese Hirschberger, die für den nächsten Tag ihre Ankunft ankündigt (zu ihr konnten noch keine weiteren Informationen gefunden werden). Auf der Karte ist auch der Name " J. B. Dreyfuss " zu lesen (auch zu ihm konnten noch keine weiteren Informationen gefunden werden).  

     
       

       

       

       

 

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Stand: 10. Mai 2015