Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Aurich (Kreisstadt, Ostfriesland)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt 
  
Hier: Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Aurich wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.  Neueste Einstellung am 16.3.2015.   
 
Hinweis: die Texte auf dieser Seite müssen teilweise noch abgeschrieben und mit Anmerkungen versehen werden, können jedoch durch Anklicken der Textabbildung bereits gelesen werden. 
     
Auf dieser Seite stehen keine Texte zu den Rabbinern, Lehrern und anderen Kultusbeamten der Gemeinde, siehe hierzu die Seite   
Zur Geschichte des Rabbinates, der jüdischen Lehrer und weiterer Kultusbeamten sowie des jüdischen Schulwesens in Aurich     
     
     
Übersicht:   

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
-  Die Bedeutung der Familie des Hofjuden Aaron Abraham Beer für die Geschichte Ostfrieslands und der Stadt Aurich (Beitrag von J. Heymann 1928)  
Über den aus Aurich stammenden französischen Baron Liefmann Calmer (geb. 1711 in Aurich, seit 1769 in Paris, gest. 1784 in Paris)   
-  Zum Tod von Elias Cohen (1865) 
Kaufmann Samuel Calmar Heymann wird auszeichnet (1873)   
Obergerichtsanwalt Seckels wurde zum Bürgervorsteher gewählt (1874)   
Goldene Hochzeit von Bäckermeister Buß und seiner Frau (1897)   
-  Zum Tod von Rieke Sternberg geb. Simon (1897)   
-  Zum Tod von Moses V. Leers (1898) 
80. Geburtstag von Wolff Sternberg (1899)  
-  Die Witwe des Bankiers Aron Cohen übersiedelt mit ihrem Sohn nach Frankfurt (1901)  
Zum Tod von Abraham Heymann (1901)    
-  94. Geburtstag der Witwe von Abraham Hartog geb. Seckels (1903)  
Zum Tod von Gertrude Knurr geb. Heymann (1903)      
-  80. Geburtstag von Hannchen Wolff, Vorsteherin des Frauenverein mit Einweihung einer von ihr gespendeten Torarolle (1910)  
-  Abschiedsfeier des Montefiore-Vereins für Ludwig Gordon (1911)  
-  Zum Tod von Hannchen Wolff (1918)     
-  50-jähriges Bürgerjubiläum von Kaufmann Simon Hoffmann, Mohel in der Gemeinde (1920)    
-  25-jähriges Amtsjubiläum von Abraham von Dyk als Gemeindevorsteher (1920)  
Im Ersten Weltkrieg hatte die Familie Samuel Wolf sechs Söhne im Feld (1924)    
-  Zum Tod von Abraham Knurr (1924)   
-  Über den in Aurich geborenen Lehrer und Schriftsteller Isaac Herzberg (1927)    
-  80. Geburtstag von Bäckermeister i.R. Magnus von der Walde (1928)   
-  Zum Tod von Lesser Heymann (1928)    
-  Zum Tod von Simon Hoffmann (1929)    
-  70. Geburtstag von Lippmann Knurr (1929)  
-  Auszeichnung zum 70. Geburtstag vom Lippmann Knurr (1929)   
-  70. Geburtstag von David A. Wolff (1930)   
-  Zum Tod von Selly Wolff (1930)  
-  Zum Tod von Zwi Hoffmann (1930)   
-  40-jähriges Jubiläum von Minna Wallheimer als Vorsteherin des Wohltätigkeitsvereins (1931)   
-  Zur Beisetzung von Susanna Hoffmann geb. Leers (1931)  
Ü
ber das Ostfriesische Kinderheim von Emmy Wolffs (1931)   
-  70. Geburtstag des Gemeindevorstehers Abraham van Dyk (1931)    
-  Zum Tod von Regine Wallheimer geb. Samson (1931)   
-  70. Geburtstag von Minna Wallheimer (1933)  
Zum Tod von Abraham van Dyk (1934)    
-  Über die Verdienste des Gemeindevorstehers Abraham van Dyk (1936)     
-  Zum Tod von Levi Heymann in Amsterdam, Enkel von Samuel Calmer Heymann in Aurich (1937)   
-  Zwei Mädchen aus Aurich suchen Brieffreunde (1937)  
-  75. Geburtstag von Amalie Wolff geb. Fromm (1937)    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
-  Anzeigen des Manufakturwarengeschäftes A. S. Heymann (1900)   
-  Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes A. van Dyk (1889 / 1901)   
-  Anzeige von M. Goldschmidt (1901)  
Verlobungsanzeige für Jette geb. Plaut und Levy Wallheimer (1924)     
-  Eine Praxis für einen jüdischen Chirurgen in Aurich ist erwünscht (1927)   
-  Verlobungs- und Hochzeitsanzeigen von Melanie Nussbaum und Erich Knurr (1934/1935)    
-  Anzeige einer koscheren Pension in Aurich (1937)  
Todesanzeige für die in Theresienstadt umgekommene Henny Knurr geb. Bienheim (1945)   

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
  
Die Bedeutung der Familie des Hofjuden Aaron Abraham Beer für die Geschichte Ostfrieslands und der Stadt Aurich (Beitrag von J. Heymann 1928)   

Aurich Israelit 09021928.jpg (345107 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Die Bedeutung der Familie des Hofjuden Aaron Abraham Beer für die Geschichte Ostfrieslands und der Stadt Aurich. Zum Jahrzeit am 20.Schewat. Dargestellt nach den Akten des Staatsarchivs Aurich und Hannover. Von Jos. Heymann, Frankfurt am Main (Urenkel des Beer). 
Das natürliche Band zwischen dem einzelnen und der Volksgesamtheit ist seine Familie; sie übernimmt es, dem einzelnen den Volkscharakter aufzudrücken und in ihren Familiengliedern Glieder des Volkes zu erziehen. Wo also aus solchen Gott geweihten Familien ein Volk besteht, wo der Gottesdienst in reicher, reiner Strömung alle Familien beseelt, da ist des Volkes Bild: segensvoller Baum, - Wurzel und Krone: Gott und Gesetz: - in gesegneten Familienzweigen des Ganzen verjüngtes Bild wiederholend, und doch nicht sich lossagend, vielmehr die Kräfte jedes einzelnen wieder dem ganzen zuführend; da steht jedem einzelnen die Familie als Bürge und Gewährleistung für Bestimmung und Lebensaufgabe; da wird Volksgeist Familiengeist, des einzelnen Weihe ist zur Familie und wie die Familie dem Volke verpflichtet ist, so ist's der einzelne der Familie: S. R. Hirsch Chaurew § 715. 
Manche interessante Geschichtsepochen bleiben in ewigem Dunkel verhüllt, bis es gelingt dank mündlicher Überlieferung in einzelnen Familien die Dämmerung zu lichten und so ein klares Bild des betreffenden Zeitabschnitts zu gewinnen. Wie S. R. Hirsch es so treffend sagt: Geschichtliche Tatsache ist Erwählung Israels durch Gott zu Trägern und Verwirklichern der Tauroh (Tora). Aber jede geschichtliche Tatsache kann nur im Augenblick ihres Geschehens erfasst werden; den spätern, die auf dieselbe Tatsache ihr Leben aufbauen sollen, muss sie verbürgt überliefert werden (Chaurew § 714).  
So wird eine Folge von Geschlechtern Träger und Erfüller des heiligen göttlichen Willens.   
Wenn es unseren Ahnen infolge des schweren Drucks dunkler Jahrhunderte nicht gegönnt war, den Gang der Ereignisse schriftlich aufzuzeichnen, so sollten wir wenigstens, die wir doch lichtere Zeiten erleben, wenn wir die Geschichte durchforschen, uns zum Bewusstsein bringen, dass wir ein Glied in der Kette von Geschlechtern sind, ein Glied der Überlieferungskette in Sprache, Erfahrung und Wissen, der Kette, deren Ringe Jahrhunderte sind.   
Als Träger und Erfüller des Gottesgesetzes im eigenen Leben, als Vertreter und Denkmal für dieses Gesetz gegen außen, sind wir zum Volk berufen worden.  
So ist es ein unsichtbares Band - die heilige Flammenglut des göttlichen Sinaigesetzes - das uns mit unseren Vätern verbindet.   
Du aber, Jisroels Jünger, Jungfrau Jisroels, auf deine Väter und Mütter blicke hin! Sieh wie sie Jahrhunderte herab Schmach und Hohn, Elend und Tod duldeten, die Seele aushauchend, sich glücklich priesen. Tauroh (Tora) und Taurohgeist rein den Enkeln vererben zu können; - wie sie durch alle Länder, durch alle Zeiten wandernd, in jedem Lande, in jeder Zeit nur ihrer Tauroh lebten, und nicht untergingen, und lebten, ja leben in der durch sie erhaltenen Tauroh, leben in dem Leben, das dir noch aus der Tauroh erblühen soll. Dann schlage sie auf, die Tauroh, - lerne sie, begreife sie, begreife deinen ewigen Mensch - Jisroel-Berufung reihe dich in deiner Zeit, trotz deiner Zeit, mit deiner Zeit, mit allem was sie versagt der Erfüllung ewiger Tauroh.' Chaurew § 73.     
Im 17. Jahrhundert haben wir noch keine genaueren Überlieferungen über die Lebensverhältnisse der Juden Ostfrieslands, erst in der Mitte und gegen Ende dieses Jahrhunderts liegen uns Urkunden vor, die zu einigen Schlussfolgerungen Berechtigung geben. So ist die ganze Judenansiedlung in Aurich auf den Anschluss an die Privilegierung eines einzelnen Juden als Hofjuden zurückzuführen. Den Inhalt dieser Privilegien bilden die sog. Schutzbriefe oder Generalprivilegien. Aus diesen geht hervor, dass die Juden in Ostfriesland noch zur Zeit des einheimischen Fürstengeschlechts der Cirksenas das Privileg erhalten haben, einen Landesrabbiner zu halten. Er führt den Titel eines 'Landesparnaß'. Es steht ihm die Gerichtsbarkeit erster Instanz über alle Juden Ostfrieslands zu. Allerdings gibt es von dieser Gerichtsbarkeit des Landrabbiners und Landparnaß, der in Aurich seinen Sitz hat, zwei Ausnahmen. Einmal hatte die Gemeinde Emden das Recht der Anstellung     
Aurich Israelit 09021928a.jpg (193168 Byte)eines eigenen vom Landrabbiner unabhängigen Rabbiners, andererseits hatte die Gemeinde Neustadt-Gödens bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Recht, bei Streitigkeiten zwischen dem jüdischen Gerichtshof zu Emden und zu Altona zu wählen. Der erste Landparnass war der fürstlich ostfriesische Hofjude Aaron Abrahams Beer; es scheint, dass diese Familie Beer, die 1686 von Frankfurt am Main kam, ein Zweig der mächtigen Familie Haas-Kann ist, deren gemeinschaftlicher Stammvater der fromme Vorsteher S. Haas war. Die Familie gehörte jedenfalls zu den reichsten und angesehensten Familien Frankfurts.  
Die ersten Nachrichten über die Familie des fürstlich ostfriesischen Hofjuden Aaron Abraham Beer, die im Staatsarchiv zu Aurich beruhen, stammen aus dem Jahre 1686. Es sind u.a. von dem Landesherrn ausgestellte Wechsel. Inwieweit diese Familie Beer mit dem Juden Isaac zur Kanten Frankfurt am Main, von dem ebenfalls Dokumente aus dem Jahre 1686 im Staatsarchiv Aurich liegen, in Beziehung stand, dürfte in A. Dietz: Stammbuch des Frankfurter Juden Frankfurt am Main 1907 Nr. 37, 39 und 293 manch Interessantes zu finden sein.   
Auffallend ist jedenfalls auch die Tatsache, dass gerade um die Zeit 1686 herum viele angesehene Frankfurter Familien Frankfurt am Main verließen. So zum Beispiel Samson Raphael Hirschs Ahnen, die 1680 von Frankfurt am Main nach Altona wanderten, ebenso wie die Familie Abraham Beer, die 1686 von Frankfurt am Main nach Aurich kam. Es dürften wohl wirtschaftliche und politische Motive in beiden Fällen für die Auswanderung maßgebend gewesen sein, hervorgerufen durch die Wirren und Nachwegen des 30-jährigen Krieges.   
1693 erscheint Beer als Hofjude; 1733 d.h. nach Abschluss der fürstlichen Zeit und zu Beginn der preußischen Entwicklung tritt Beer als einer der Gläubiger beim fürstlichen Konkurse auf.   
Er ist nun interessant, zu sehen, wie vielgestaltig die Aufgaben sind, die der Landesparnass zu erfüllen hat und welche zahlreichen Ämter in dieser Funktion eines Landesrabbiners damals mitenthalten sind. Die Juden durften nach jüdischen Zeremonien leben, zu diesem Behufe einen Rabbiner anstellen, der frei von Schutzgeld bleibt. Unter Hinzuziehen zweier jüdischer Männer als Schiedsrichter soll er nach jüdischer Ordnung schlichten. Das Protokoll darüber hat er der vorgesetzten Behörde einzusenden. Der Rabbiner verhängt Brüche (Geldstrafen), von denen zwei Drittel der fürstliche Oberrentmeister bekommt. Kein Jude darf ferner sich unterstehen bei Strafe von 20 gs von dem einen Ort nach dem andern ohne fürstlichen Konsens sich zu begeben oder ein Spezialgeleit ohne Vorwissen des Hofjuden Aaron Abraham Beer bei Strafe von 100 sgs. Dieser Hofjude darf niemand für sich gestatten, von einem Orte zum andern zu reisen und sich niederzulassen oder jemand verschweigen, der zuzieht. Der Hofjude hat jährlich im April eine Spezifikation aller im Lande wohnenden Juden der ihm vorgesetzten Behörde, zu bergeben, damit dieselbe davon ein richtiges Register (Steuerregister) halten lassen kann.   
So geht es aus einem Generalprivileg Georg Albrecht vom September 1708 hervor."     
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1928: "Die Bedeutung der Familie des Hofjuden Aaron Abraham Beer. Zum Jahrzeit am 20. Schewat. Dargestellt nach den Akten des Staatsarchiv Aurich und Hannover. Von Jos. Heymann, Frankfurt am Main (Urenkel des Beer). (Schluss)
Wertvolle Ergänzungen zu diesem Generalprivileg sind nach dem Generalgeleitsbrief des letzten Fürsten Carl Edzard vom 12. Juni 1734 zu entnehmen. Auch hier steht wieder der Hofjude Aaron Abraham Beer und sein Sohn Abraham Beer an erster Stelle. In diesem Geleitsbrief heißt es unter anderem: 
a) über die Stellung des Hofjuden. 
Wir geruhen in Gnaden, dem gealteten Hofjuden Aaron Abraham Beer seinen jüngsten Sohn Abraham Beer als Hofjude, Parnass, Rabbi und Richter zu adjungieren und nach seinem erfolgten Todesfall zu substituieren unter Direktion des Vaters. Die sämtliche Judenschaft im Lande, außer in Emden, soll ihn als ihren vorgesetzten Parnass, Rabbi und Richter erkennen, respektieren und der Billigkeit nach Gehorsam leisten. 
b) Über die Jurisdiktion desselben (Judengericht). Der Rabbi soll mit Zuziehung zweier jüdischer Männer, die zwischen den Juden vorfallenden Streitigkeiten über jüdische Zeremonien, wie auch in erster Instanz in bürgerlichen oder Zivilsachen, und insonderheit Injurien, nicht aber kriminal- und peinlichen Sachen nach jüdischer Ordnung schlichten, auch die Mutwilligen und Widerspenstigen nach Befinden in eine Geldstrafe (Brüche) verurteilen oder gar in den Bann tun mögen, jedoch, dass von den diktierten Brüchen zwei Drittel unfehlbar an unsere Ober-Rentei eingeliefert, ein Drittel aber den Armen der Juden zum Besten verbleiben solle. Der Hofjude hat das Protokoll einzusenden, dass der Anteil vom fürstlichen Rechnungsamt kontrolliert wird.  
c) Spezialgeleit gibt es für Einheiratende (mit gleichzeitigem Heiratskonsens) und Selbstständigmachung am Platze, vermittelst durch die Hand des Hofjuden gegen 6 Taler Gebühr.    
d) Betteljuden sind nur mit Ausweis des Hofjuden als Einsammler wohltätiger Kollekten geduldet, sonst bei Strafe des Staupenschlagens ausgeschlossen.   
Dass der Fürst dieser Familie Beer ein unbegrenztes Vertrauen schenkte, bedarf wohl keiner Betonung, ihre Vermittlung in Darlehenssachen nahm man besonders gerne in Anspruch. Im Jahre 1710 gehen Beschwerden bei dem Fürsten seitens der Krämergilde erst allgemein, dann gegen den Hofjuden Aaron Abraham Beer ein. Der Fürst weist aber jedes Mal die Beschwerdeführer ab. Der kluge und hochgebildete Beer bringt als Argument vor, 'dass in Ostfriesland die mit Geleit versehenen Juden und in specie in dieser Stadt Aurich in unvordenklicher Posession des freien Handels und Wandels sich jederzeit befunden haben.' Dieses treffende Argument weist sich als durchschlagend.   
Aus einem Schutzbrief, der 1740 dem Hoffaktor Levi Beer vom damaligen Fürsten Carl Elzard ausgestellt wurde, ist zu entnehmen, dass Beer den ehrenden Auftrag erhielt, für die fürstliche Familie einen Kasten Silbergeschirr nach Aurich zu bringen. Wieder ein Be-   
Aurich Israelit 23021928a.jpg (340408 Byte)weis für das absolute Vertrauen, das man dieser Familie schenkte. Natürlich wusste die Familie auch dieses Vertrauen in vollstem Maße zu würdigen.   
Nach dem Erlöschen des ostfriesischen Fürstenhauses - also auch nachdem Friedrich der Große Ostfriesland seinem Staat eingefügt hatte - blieb die Institution des Landesparnass bestehen. Das Amt vererbte sich von dem Vater auf den Sohn. Dieser Isaac, Sohn des obengenannten Abraham Beer war der letzte Landparnass und Landrabbiner in Aurich, und wurde im Jahre 1777 von der preußischen Regierung eingesetzt. Besonders bewegte Zeiten hatte dieser Landrabbiner miterlebt, war doch während seiner Amtszeit Ostfriesland, einmal (1807) holländisch, während der Kontinentalsperre französisch und schließlich wieder preußisch. Als Ostfriesland zu Holland gekommen war, wurden die Juden Ostfrieslands dem jüdischen Konsistorium in Amsterdam unterstellt. Dadurch wurde Isaac Beer von der holländischen Regierung pensioniert. Sein Amt als Rabbiner von Aurich versah er dennoch weiter. Seine Pension betrug 500 Gulden von der holländischen Regierung. Bald folgte der holländischen Regierung die französische. Die Gelder jedoch waren immer von den ostfriesischen Gemeinden aufzubringen. Infolge der Kriegswirren, besonders aber infolge der Kontinentalsperre, war der blühende Handel der Stadt Emden stark mitgenommen worden. Die wirtschaftliche Lage der kleineren Bezirksgemeinde hatte sich dadurch stark verschlechtert, ja viele Gemeinden waren durch die politischen Verhältnisse in eine furchtbare Notlage versetzt worden.    
Der Landesrabbiner Isaak Beer hatte daher einen Kampf um seine Pension auszufechten; die verarmten Gemeinden suchten sich von ihrer Verpflichtung zur Zahlung der Pensionsgelder frei zu machen, während Isaac Beer seine Rechte geltend machte und mit Hilfe der Regierung seine rückständige Pension eintreiben musste. Weitere Einzelheiten über diesen Kampf sind im 'Israelit' 1909 Nr. 46 und 48 an Hand der Akten (gez. Des. 104II 4B Aurich Generalia Nr. 3 des Staatsarchivs Hannover) durch Abraham Löb dargestellt worden. Welche wirtschaftliche Notlage damals in einigen Gemeinden geherrscht haben muss, erhellt aus einem Bericht, wonach z.B. von Norden zwei Drittel der dortigen Familien ganz verarmt waren und die christliche Gemeinde zu Norden 100 Rtl. zum Unterhalte brotloser Juden beisteuerte. Selbst die sonst so reiche Judengemeinde Aurich hatte eine Menge unvermögender brotloser Mitglieder zu unterhalten.  
Trotz all dieser wirtschaftlichen Nöte und all der sonstigen Argumente sich von den Beiträgen zur Pension zu befreien, entschied die Regierung stets zu Gunsten des ehemaligen Landrabbiners. Es heißt in dem letzten richterlichen Entscheid, dass weder de Gemeinde zu Aurich noch die übrigen Gemeinden in Ostfriesland von der Verpflichtung zur Versorgung des bejahrten Landrabbiners entbunden werden können.   
Sämtliche Gottesdienste der jüdischen Gemeinde Aurich wurden bis zu der im Jahre 1811 erfolgten Einweihung der neuerbauten Synagoge im Hause der alten Parnass-Familie Beer (heute die Lage des Kaufhauses 'Schürmann, Wilhelmstraße 10) abgehalten.   
Ein Enkel des Beer ist mein Urgroßvater Samuel Calmer Heymann, der in über 60-jähriger Tätigkeit in mustergültiger Weise das Amt eines Vorstehers der jüdischen Gemeinde in Aurich bekleidete. Gleichzeitig war er Vorsteher für das gesamte Armenwesen Ostfriesland und den Armenverband.  
Das Gemeinde-Schul-Synagogenwesen in Aurich stand damals in höchster Blüte und es gab zu jener Zeit keinen jüdischen Metzger in Aurich, der nicht Schabbos geschlossen hatte.    
In der Zeit 1841-47 fungierte als Landrabbiner kein Geringerer als Samson Raphael Hirsch; fast jede Woche hatte Samuel Calmer Heymann persönliche Verhandlungen mit S.R. Hirsch über Fragen, die das Synagogen-, Schul- und Armen-Wesen angingen. Innige treue Freundschaft verband alsbald meinen Urgroßvater mit S.R. Hirsch und ich behalte mir vor, an anderer Stelle darzustellen, wie hier Vorsteher und Landrabbiner verständnisvoll und mit Erfolg für die heilige Institutionen des Gemeinwohls Hand in Hand arbeiteten.   
Samuel Calmer Heymann war bei Arm und Reich geschätzt, von Juden und Nichtjuden gleich geachtet, weil er ohne Rücksicht auf Person oder Stand nur im Interesse des Gesamtwohls seine erfolgreiche, segensreiche aufopfernde Tätigkeit entfaltete.  
Samuel C. Heymann ist der erste Jude Ostfrieslands, der in Würdigung seines selbstlosen Schaffens für Gemeinde- und Armen-Wesen 1873 den Kronenorden erhielt.  Nach dem Tode des Isaac Beer wurde das Landrabbinat von Aurich nach Emden verlegt. Welche inneren und äußeren Gründe dabei vorherrschten und welche Persönlichkeiten auf Beer folgten, behalte ich mir vor, an anderer Stelle ausführlicher an Hand der archivalen Quellen darzustellen."    

   
Über den aus Aurich stammenden französischen Baron Liefmann Calmer (geb. 1711 in Aurich, seit 1769 in Paris, gest. 1784 in Paris)  
Anmerkung: vgl. den englischen Wikipedia-Artikel Liefmann Calmer     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1885: "Paris, 14. Juni (1869). In diesen Tagen erschien von Leon Kahn eine Geschichte der jüdischen Gemeinde von Paris: Histoire de la Communauté de Paris; les professions manuelles et les institutions de patronage. Paris, A. Durlacher, éditeur, 1885. Interessant sind die Angaben aus dem Jahre 1809, die wir hier nach dem Arch. isr. verzeichnen. Im gedachten Jahre bestand die Gemeinde bereits aus 2908 Seelen. Von diesen waren 421 Personen mit dem Kleinhandel, 43 mit dem Großhandel, und darunter 4 Bankiers, beschäftigt. Ein Advokat, 5 Musiklehrer, 7 Sprachlehrer, 4 Zöglinge der Polytechnischen Schule, 230 Handwerker und Arbeiter in den verschiedensten Gewerben. Unter den öffentlichen Ämtern sieht man nur einen Namen: den des Postdirektors Alkan. Von diesen 2908 Personen waren 1324 in Paris geboren; die übrigen meist aus Lothringen und Elsass gekommen; Deutschland hatte 99 Personen, Holland 53, Polen 37 und Jamaika 4 geliefert. - Es ist auch der zweite Jahrgang des von H. Prague herausgegebenen 'Annuaire des Archives Israélites' erschienen, in welchem Isidore Löb eine interessante Abhandlung über einen jüdischen, französischen Baron im 18. Jahrhundert, Liefmann Calmer, gegeben hat. Dieser war 1711 in Aurich (Hannover) geboren, hatte sich im Haag ansässig gemacht und ließ sich 1769 in Paris nieder, wo er naturalisiert wurde. ER musste wohl hier dem Könige als Armeelieferant bedeutende Dienste geleistet haben. Einen Blick in die 'gute, alte Zeit' eröffnet uns die Friedhofsangelegenheit. Man bestattete die Toten gegen Entgelt in einen Garten, der zu einer Herberge gehörte, und wurden nicht selten Rinder und Pferde auf den Gräbern getötet. 1770 und 1775 suchte Calmer um die Erlaubnis nach, einen jüdischen Friedhof anzulegen; aber er wollte unumschränkter Herr darüber sein, und die portugiesischen Juden hintertrieben es deshalb. Die Syndiken der verschiedenen jüdischen Gemeinden in Paris traten am 27. Oktober 1778 zu einer Konferenz über diese Angelegenheit zusammen. Ein Akt wurde unterzeichnet; aber nochmals brachen die Zwistigkeiten zwischen Calmer und den portugiesischen Juden aus. Die letzteren kaufen endlich 1780 für 3000 Livres einen Platz, der allein der portugiesischen Gemeinde gehören sollte. Da entschlossen sich die Aschkenasim, auch einen Platz zu erwerben. Calmer machte selbst bei dem Minister die größten Anstrengungen, die zu hintertreiben. Es gelang ihm je3doch nicht, und die Aschkenasim legten einen eigenen Friedhof an. Im Jahre 1804 wurde der jüdische Friedhof auf dem Père Lachaise eröffnet, und damit waren jene Zwistigkeiten am Ende."         

     
Zum Tod von Elias Cohen (1865)   
Anmerkung: das Gedicht ist mit einem Akrostichon versehen: die linken Anfangsbuchstaben der Zeilen ergeben - von oben nach unten gelesen - den Namen des Verstorbenen.    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1865: 
"Nachruf an den früh entschlafenen Kaufmann Herrn Elias Cohen in Aurich. 
'Licht ist ausgesäet dem Gerechten, und denen, die redlichen Herzens sind, Freude.' Psalm 97,11. 
Es strahlte zu der Edeln Freud' ein Stern so wundermild, so rein, 
Licht überallhin sendend, lieblich Licht, gleich gold'nem Sonnenschein: 
In tausend trübe Herzen senkte still er Trost und Lieb' und Frieden - 
Als Stern erhab'ner Menschlichkeit wollt' still beglücken er hienieden - 
Still ward's! sein Aug', einst voller Geist, umhüllten ganz nun finst're Schleier....   
Cherubim und Seraphim beteten - sein Blick ward immer freier... 
O tönt, ihr Engelschöre, tönt fort in heiligen Gebeten! - 
Hört ihr? Mein Vater, Vater!' ruft's, wie zu Elias, dem Propheten - 
Es ist der Armen Nachruf, deren Dankestränen nach Äonen  
Noch glänzen als die schönsten Perlen in der Frommen Ehrenkronen! - 
Halle an der Saale. N.Kr."       

  
Kaufmann Samuel Calmar (Calmer) Heymann wird auszeichnet (1873)      

Aurich AZJ 08041873.jpg (28128 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. April 1873: "Dem Banquier Emil Meyer hierselbst (sc. Hannover) ist nachträglich, als Anerkennung seiner Verdienste um die Verpflegung der verwundeten Soldaten, und dem Kaufmanne Samuel Calmar Heymann in Aurich, Aus Anlass seines jüngst stattgehabten fünfzigjährigen Dienstjubiläums als Vorsteher der israelitischen Gemeinde daselbst, der Kronenorden vierter Klasse verliehen worden."    
 
Aurich AZJ 22041873.jpg (50911 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. April 1873: "Aus Ostfriesland, 9. April (1873). Des Kaisers und Königs Majestät haben dem 82-jährigen Kaufmanne Samuel Calmer Heymann zu Aurich, anlässlich seines fünfzigjährigen Amtsjubiläums als Vorsteher der dortigen israelitischen Gemeinde, den königlichen Kronenorden vierter Klasse zu verleihen geruht, und zwar, wie es in den Gratulationsschreiben des königlichen Oberpräsidiums der Provinz Hannover, der königlichen Landdrostei und des Magistrates zu Aurich heißt, für die während jenes langen Zeitraumes der Gemeinde, und somit der Stadt und dem Staate, geleisteten treuen Dienste. B.F."    

  
Obergerichtsanwalt Seckels wurde zum Bürgervorsteher gewählt (1874)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1874: "In Aurich wurde am 17. dieses Monats der Obergerichtsanwalt Seckels von sämtlichen Wahlberechtigten bis auf einen zum Bürgervorsteher erwählt."              

   
Goldene Hochzeit von Bäckermeister Buß und seiner Frau (1897)             

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Januar 1897: "In Aurich (Ostfriesland) feierten die Eheleute Bäckermeister Buß und Frau ihre goldene Hochzeit und der Ehemann zugleich das 50-jährige Meisterjubiläum. In diesen 50 Jahren war er ohne Unterbrechung der Koscherbäcker der israelitischen Gemeinde. Eine Deputation derselben überreichte dem Jubelpaare an ihrem Ehrentage einen prachtvollen silbernen Tafelaufsatz, und der Sängerchor brachte ihm frühmorgens ein Ständchen. Es gibt doch auch noch in Ostfriesland, wo der Antisemitismus besonders wüst betrieben wird, friedlichen Verkehr zwischen Christen und Juden."      


Zum Tod von Rieke Sternberg geb. Simon (1897)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. September 1897:  "Aurich, 15. September (1897). Am 13. dieses Monats hat ein Herz voll edler Menschenliebe zu schlagen aufgehört. Frau Rieke Sternberg geb. Simon, wurde aus diesem Leben in ein besseres Jenseits abberufen. Ihren Kindern ist die heißgeliebte Mutter und dem hochbetagten Gatten die treue Gefährtin des Lebens entrissen worden. Durch ihr ruhiges Wesen, Biederkeit ihres Charakters und wahre Herzensfrömmigkeit wusste sich die Heimgegangene die Liebe Aller in hohem Grade zu erwerben; denn mild und versöhnlich, wohltätig und human waren die Grundzüge ihres Lebens. Und nicht allein bei Glaubensgenossen, sondern in der ganzen Stadt erfreute sie sich der größten Hochachtung. Davon legte ihr Leichenbegängnis das beste Zeugnis ab. Die ganze Gemeinde und viele Andersgläubige waren herbeigeeilt, um der Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Am Friedhofe sprach der Prediger in gedankenreichen Worten und wies noch einmal auf die Vorzüge der Entschlafenen hin. Sie ruhe in Frieden!"  

   
Zum Tod von Moses V. Leers (1898)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1898: "Aurich, 18 Januar (1898). 'Wehe um die, welche dahinschwinden und nicht mehr aufzufinden sind'. Dieses Midraschwort zu Paraschat Waere hatten wir Ursache, auf den Hingang des Moses V. Leers anzuwenden. Mit ihm hat ein an Tugenden reiches, durch Liebe und Verehrung verschöntes Leben abgeschlossen, das es wohl verdient, in diesen geschätzten Blättern der weiteren Öffentlichkeit als Muster hingestellt zu werden. - In seinem Hause der friedliebende, treue Gatte, der liebevolle Erzieher seiner Söhne und Töchter, war er in der Gemeinde die Verkörperung der altjüdischen Sitte, der strengen Pflichterfüllung. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm unser hochwürdiger Landrabbiner Dr. Löb in Emden - sein Licht leuchte - zu seinem 85-jährigen Geburtstage die Chower-Würde. Der edle Tote war aber auch von echter Gottesfurcht erfüllt und handelte ganz im Sinn des ein Freund bin ich allen die dich fürchten. Bis vor zwei Monaten besuchte er täglich früh und spät die Synagoge und freute sich, den Schaliach Zibur (Vorbeter) vertreten zu können. Wie leid tat es ihm, dass er den letzten Fasttag nicht halten durfte! Wie streng hielt er Schabbat und Feiertag! Wie hütete er sich, außerhalb der Sukka etwas zu genießen! Gottes Schickungen, die auch ihm nicht erspart blieben, ertrug er in jüdischer Ergebung. Er war ein Freund der Tora und ihrer Vertreter. Gewissenhaft in seinem geschäftlichen Verkehr, hatte er einst die hohe Ehre, des Besuches des hochseligen Kaisers Friedrich, der sich als Kronprinz seine Antiquitäten ansah.  Ganz besonders hat er sich um die hiesige Gemeinde dadurch verdient gemacht, dass er mit einigen anderen wackeren Männern den Wohltätigkeits- und Beerdigungsverein ins Leben gerufen. Seit der Gründung stand er dem wohltätig wirkenden Verein als erster Vorsteher mit völliger Hingebung, Ausdauer und treuester Pflichterfüllung vor. Er griff bei den Pflichten gegenüber den Toten selbsttätig ein und sorgte für eine würdige, feierliche Bestattung der Toten. Die Armen hatten in ihm einen warmen Fürsprecher und willigen Helfer. Dabei war er anspruchslos und bescheiden, gegen sich streng und enthaltsam, gegen andere nachsichtig und mild. Bis zu seinem 85. Jahre war er rüstig, frisch und täglich seinem Geschäfte obliegend. Da befiel ihn die Schwäche, der er nicht mehr Herr zu werden vermöchte. Aber getreulich verrichtete er die Tefilot und Berochot. Geistig klar, bis zum letzten Atemzuge, der überraschend schnell vollzogen war. Wie ein Patriarch hat er gelebt, wie ein Patriarch ist er dahingeschieden, wenige Stunden vor Sabbat. (Er war Mose und damit:) Seiner Botschaft und Frömmigkeit blieb er getreu vom Anfang bis zum Ende. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."        

  
80. Geburtstag von Wolff Sternberg (1899)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Januar 1899: "In Aurich feierte am 7. dieses Monats eines der ältesten Gemeindemitglieder, Herr Wolff Sternberg, seinen 80. Geburtstag in voller Frische und wurde bei diesem Anlasse vielfach ausgezeichnet. Möge dem wackeren Manne, der sich aus bescheidenen Verhältnissen durch rastlosen Eifer zu hochangesehener Stellung emporgearbeitet, beschieden sein, noch lange die Früchte seines Schaffens zu genießen."          

 
Die Witwe des Bankiers Aron Cohen übersiedelt mit ihrem Sohn nach Frankfurt (1901)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1901: "Aus Ostfriesland. In diesen Tagen hat die Witwe des Bankiers Aron Cohen seligen Andenkens mit ihrem Sohne die Gemeinde Aurich verlassen, um nach Frankfurt am Main überzusiedeln. Wer die Verhältnisse in der Gemeinde Aurich kennt, weiß, was ihr de Familie Cohen seit Generationen gewesen und welch' unersetzlichen Verlust sie durch den Wegzug der letzten Vertreter derselben in ihrer Mitte zu beklagen hat. Denn diese hochangesehene Familie, die stets eine Zierde des Landrabbinats Emden bildete, war nicht nur n materieller, sondern noch mehr in ideeller Beziehung eine Hauptstütze für ihre Heimatgemeinde. Ihrem aufopferungsvollen, selbstlosen Wirken und ihrem großen Einfluss ist es wesentlich zu verdanken, dass die 90 Familien zählende Gemeinde Aurich noch heute den Charakter einer Heiligen Gemeinde hat, in den meisten Häusern noch altjüdisches Leben zu finden und kein Geschäft am Sabbat dort geöffnet ist.   
Wenn auch der Wegzug des Frommen aus der Stadt ein Kennzeichen macht, der Wegzug einer solch tonangebenden, in allen jüdischen Tugenden vorbildlichen Familie nicht ohne Einfluss bleiben wird, so hoffen wir doch, dass die Gemeinde, durch die stete Rückerinnerung an dieselbe, der sie zu Dank verpflichtet ist, und gestärkt durch die Einwirkung ihrer berufenen Führer, die deren Spuren folgen mögen, den frommen Charakter bewahren wird, der sie bisher vorteilhaft in hiesiger Gegend ausgezeichnet hat."       

    
Zum Tod von Abraham Heymann (1901)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1901: "Berlin, 2. Dezember (1901). Hierselbst verstarb im Alter von 73 Jahren Herr Abraham Heymann aus Aurich, der sich behufs einer Operation hierher begeben hatte. Der Verstorbene ragte durch seine außerordentliche Frömmigkeit und durch seinen seltenen Charakter leuchtend hervor. Er war Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Aurich und leistete auch hier Vorzügliches. Sein Andenken sei zum Segen."        
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1901: "Aurich (Ostfriesland). Die Notiz Ihres Berliner Korrespondenten in Nr. 96 Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 5. Dezember dieses Jahres, enthält insofern einen Irrtum, als der verstorbene Kaufmann Abraham Heymann (Secher Zadik liwrocho = das Andenken an den Gerechten ist zum Segen) niemals Vorsteher der Gemeinde war. Dieses Ehrenamt hat vielmehr sein verstorbener Vater, der Kaufmann Samuel Calmer Heymann seligen Andenkens, mehr als 60 Jahre lang bekleidet. Derselbe wurde kurz Rebbe Sanwel genannt und ist noch heute unter dieser Bezeichnung weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus in lebendiger Erinnerung. Seine humanitären Bestrebungen, bei deren Betätigung er Unterschiede der religiösen Bekenntnisse nicht kannte, sind überall anerkannt worden und haben einen Legendenkreis gezeitigt, bei welchem auch manches Übertriebene unterlaufen ist. Wegen seiner hervorragenden Verdienste war er mit dem Königlich-Preußischen Kronenorden dekoriert. 
Seine Bestrebungen wurden kräftig unterstützt und gefördert durch seinen einzigen Sohn, den jetzt verstorbenen Herrn Abraham Heymann. Öffentliche Ehrenämter hat dieser aber niemals bekleidet. Sein Ehrgeiz strebte nicht nach solchen, sondern das Studium unserer heiligen Lehre, die Vertiefung in dieselbe war die einzige Beschäftigung, welcher er sich neben seinen Berufsgeschäften widmete. Da der Tag nicht reichte, machte er die Nacht zum Tage und hat wohl die meisten Nächte in dem ihm vom Vater überkommenen Bes ha-Midrasch zugebracht. Seine größte Freude war, sich hier mit Lamdonim zu unterhalten, mit ihnen und von ihnen zu 'lernen' und mancher durchreisende Fremde wurde von ihm veranlasst, länger zu verweilen und mit ihm Tora zu lernen.   
In uneigennützigster Weise führte er die Geschäfte der Gemeinde, übernahm die Führung der Kassen- und Rechnungsverhältnisse, versah die Funktionen eines Bal Kre, sowie an hohen Feiertagen diejenigen des Chasens (Vorbetens). Er lebte nach dem 'Bibelworte 'hishalech lefonai' [vor Gott wandeln] und hat gleich unserem Stammvater Abraham, nach dem er genannt war, seine eigenen Kinder gemallt (beschnitten), obgleich er nicht berufsmäßiger Mohel (Beschneider) war, lediglich um auch die größte Mizwoh ausgeübt zu haben.  
In seiner Trauerrede hob auch Herr Dr. Reuß sehr treffend hervor: 'Er war der letzte Vertreter aus jener Vergangenheit, in welcher noch Liebe zur Tora, Liebe zu religiösen Funktionen die Gemeindeangehörigen erfüllt'. Mit seinem Heimgange gehört jene Zeit des lebendigen Interesses für die Erfüllung und uneigennützige Betätigung der Mizwos und Maasim-Tauwim für einen großen Teil unseres Volkes leider der Vergangenheit an."  
    
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1901: "Nachruf
Vor kurzem verschied in Berlin der Kaufmann Herr Abraham Heymann
Derselbe bekleidete in hiesiger Gemeinde mehrere Ehrenämter und gehörte seit einer Reihe von Jahren der Vertretung derselben an. Wir betrauern in dem Verblichenen einen Kollegen, der stets das wärmste Interesse an allen Angelegenheiten und Institutionen der Gemeinde bewies und mit großer Selbstlosigkeit und bewundernswürdiger Aufopferung für das Wohl der Gemeinde tätig war. Wahre Frömmigkeit und tiefe Gelehrsamkeit zeichneten ihn besonders aus.  
Sein Andenken werden wir in Ehren halten. 
Der Vorstand der Synagogengemeinde Aurich
."      

 
94. Geburtstag der Witwe von Abraham Hartog geb. Seckels (1903)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1903: "Aurich (Ostfriesland). Am 10. Dezember (1903) starb hier Frau Witwe Abraham Hartog geb. Seckels, im 94. Lebensjahre. Die Verstorbene war eine gottesfürchtige Jüdin, die ihre Kinder streng-religiös erzogen hat. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."       

 
Zum Tod von Gertrude Knurr geb. Heymann (1903)      

Aurich Israelit 27081903.jpg (103789 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1903: "Aurich. Am 18. August wurde unter Teilnahme eines großen Trauergefolges der irdische Teil einer wichtigen und bescheidenen Frau, der Frau Gertrude (Gutraut) Knurr geb. Heymann, der Erde zurückgegeben. Damit ist ein Menschenleben abgeschlossen, das, von echter Gottesfurcht erfüllt, die frommen Sitten und Gebräuche der guten alten Zeit bis in das hohe Alter von 81 Jahren bewahrte. Jederzeit hat die Entschlafene die Toraschüler geschätzt und unterstützt. Ihrem 'Obersten' (= Gott) hat sie freudig gedient, sein Haus (= Synagoge) eifrig besucht, so lange es ihre Kraft gestattete, auch an den Wochentagen mit Aufrufung der Tora. Sechzig Jahre lang hat sie zum Tag, an dem die Tora gegeben wurde (= Sukkotfest) das Gotteshaus festlich mit Tannengrün und Blumen geschmückt, ihrer Körperleiden nicht achtend, selbst noch im vorigen Jahre. In altjüdische Weise hat sie Wohltätigkeit geübt. Die blanken, neuen Geldmünzen, die im Geschäfte ihrer Söhne eingingen, wanderten in ihre besondere Kasse, woraus sie die Pflicht von der Wohltätigkeit im Verborgenen erfüllte. Gern nahm sie Gäste auf, kein Bittender verließ ungesättigt und mit leeren Händen ihr Haus. Viel und gern las sie in jüdischen Erbauungsbüchern, deren Inhalt ihr stets geläufig war. Nun sieht sie vor ihrem 'alten Buchhalter im Himmel', der sie das Verdienst ihres frommen Wandelns genießen lassen möge. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."            

  
80. Geburtstag von Hannchen Wolff, Vorsteherin des Frauenverein mit Einweihung einer von ihr gespendeten Torarolle (1910)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. September 1910:       
  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. September 1910: 

   
Abschiedsfeier des Montefiore-Vereins für Ludwig Gordon (1911)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1911:     

 
Zum Tod von Hannchen Wolff (1918)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Februar 1918:      

   
50-jähriges Bürgerjubiläum von Kaufmann Simon Hoffmann, Mohel in der Gemeinde (1920)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1920:        

  
25-jähriges Amtsjubiläum von Abraham von Dyk als Gemeindevorsteher (1920)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1920:     

    
Im Ersten Weltkrieg hatte die Familie Samuel Wolf sechs Söhne im Feld (1924)      

Zwesten CV-Ztg 24041924.jpg (155271 Byte) Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 24. April 1924: "1000 Mark Belohnung setzte 
im 'Münchener Beobachter' der bekannte deutschvölkische Führer Dietrich Eckardt für den aus, der ihm eine jüdische Mutter benennen würde, die drei Söhne auch nur drei Wochen im Schützengraben aufzuweisen hätte. Durch diese höhnische Auslobung wollte Eckardt 'beweisen', dass die jüdischen Soldaten im großen Kriege ihre Pflicht schmählich vernachlässigt hätten und sich, wie er und seine Freunde tagtäglich verbreiten, in der Etappe statt im Schützengraben breit machten. 
Eckardt erlebte einen bösen Reinfall!  
Rabbiner Dr. Freund in Hannover benannte zwanzig Mütter seiner Gemeinde, die den Anforderungen entsprachen. Und als Eckardt sich die 1000.- Mark zu zahlen weigerte, verurteilte ihn das Landgericht München zur Zahlung. Die Beweisaufnahme ergab, dass in Hannover allein 20 jüdische Familien vorhanden waren, die drei Söhne und mehr drei Wochen gleichzeitig im Felde hatten und aus anderen Orten Deutschlands wurde eine lange Liste von jüdischen Familien vorgelegt, welche gleichzeitig sieben, ja sogar acht Söhne vor dem Feinde hatten.  
Die Liste begann: Frau Therese Kraemer in Crailsheim hatte acht Söhne im Felde. 
Frau David Hirschberg in Zwesten, Post Borken, hatte sieben Söhne im Felde.  
Familie L. Caminer in Charlottenburg, Kurfürstendamm 61, hatte sieben Söhne im Felde.  
Frau Delphine Loeb in Worms, Karmeliterstraße 2, hatte sechs Söhne im Felde. 
Familie Samuel Wolf in Aurich hatte sechs Söhne im Felde.  
Familie Arnold Visser in Emden, Etzardstraße 4, hatte sechs Söhne im Felde. 
Familie Meyer in Steinfurt hatte sechs Söhne im Felde. 
Familie Marx in Linz am Rhein hatte sechs Söhne im Felde. 
Simon Freising aus Sülzburg hatte fünf Söhne im Felde."       

 
Zum Tod von Abraham Knurr (1924)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1924:         

   
Über den in Aurich geborenen Lehrer und Schriftsteller Isaac Herzberg (1927)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1927:    
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Juni 1927:    

   
80. Geburtstag von Bäckermeister i.R. Magnus von der Walde (1928)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1928: "Aurich, 10. Mai (1928). Am 19. Mai feiert Herr Magnus von der Walde im Kreis seiner Kinder, Enkel und Urenkel seinen 80. Geburtstag in voller Frische und Rüstigkeit. Herr von der Walde war 50 Jahre lang Bäckermeister in unserer Stadt und galt als besonders tüchtig in seinem Fache; erst seit einigen Jahren lebt er im wohlverdienten Ruhestande. Er hat den Feldzug von 1870.71 mitgemacht und gehört zu den ältesten Mitgliedern des Kriegervereins. Der Bund jüdischer Frontsoldaten hat ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Wir wünschen ihm: '(Gott) gebe es und vermehre bis 120 die Jahre".      
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 18. Mai 1928:  

   
Zum Tod von Lesser Heymann (1928)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1928:      

  
Zum Tod von Simon Hoffmann (1929)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1929:      

   
70. Geburtstag von Lippmann Knurr (1929)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1929:    

  
Auszeichnung zum 70. Geburtstag vom Lippmann Knurr (1929)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1929:       

  
70. Geburtstag von David A. Wolff (1930)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1930:       

   
Zum Tod von Selly Wolff (1930)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1930:      

    
Zum Tod von Zwi Hoffmann (1930)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1930:      

  
40-jähriges Jubiläum von Minna Wallheimer als Vorsteherin des Wohltätigkeitsvereins (1931)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1931:     

   
Zur Beisetzung von Susanna Hoffmann geb. Leers (1931)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1931:      

   
70. Geburtstag des Gemeindevorstehers Abraham van Dyk (1931)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1931:      

  
Über das Ostfriesische Kinderheim von Emmy Wolffs (1931)  

Artikel und Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. September 1931:        


Zum Tod von Regine Wallheimer geb. Samson (1931)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1931: "Aurich, 14. September (1931). Am 2. Tag der Selichot ist eine unterer besten Frauen von uns gegangen, unsere Kehillo (Gemeinde) betrauert in dem Heimgang der Frau Regina Wallheimer geb. Samson eine Frau, in der noch der Geist unserer Stammmütter lebte. Das Herz, das in Liebe brannte für ihren Gatten und ihre Kinder, das Freud und Leid ihrer jüdischen Brüder und Schwestern mitfühlte, das Herz versagte zuletzt seinen Dienst. Ein langes Krankenlager, ein schweres Ringen mit dem Tode füllte ihre letzten Lebensmonate aus, bis sie dann Haschem (Gott) von ihrem Leiden befreite. Ein arbeitsreiches Leben ist damit beendet, ein Leben, das ganz ausgefüllt war von Wohltätigkeit. Als Vorsteherin des Jüdischen Frauenvereins hat sie Tag und Nacht im Dienst der heiligsten und schwersten Mizwo (religiösen Weisung) gestanden, hat Liebe erwiesen den Toten und Lebenden, hat Freude durch ihre feinfühlige Art der Teilnahme verdoppelt. Ihre ganze Größe aber zeigte sich in ihrem Hause, wo sie erst so recht ihre jüdischen Frauentugenden enthalten konnte. Einer Sarah gleich, hat sie dem von den gleichen Idealen beseelten Gatten geholfen, sein Haus zu seinem Hause Awrohoms (= Abrahams) zu machen. Gastfreundlich waren stets die Türen ihres Hauses geöffnet, auch materielle Wohltätigkeit übte sie bis über die Grenzen ihres Können aus, immer in dem Bewusststein, dass sie mehr die Nehmende dabei ist, als die Gebende, unerschütterliches (Gott)vertrauen machte ihr selbst die schwersten Opfer leicht, dieses felsenfeste G'ttvertrauen war es ja auch, das sie in ihrer langen Leidenszeit immer wieder aufgerichtet hatte. Mittelpunkt ihrer Familie war sie nicht nur in hauswirtschaftlicher Beziehung, sondern auch in religiöser Beziehung hat sie es verstanden, ihrem Hause die Weihe eines Kleinen Heiligtums zu geben. Als Zeichen, wie man in weiten Kreisen die Heimgegangene in ihrem Werte zu schätzen wusste, darf das unabsehbare Trauergefolge angesehen werden, das die Entschlafene zur letzten Ruhestätte geleitete. Im Hause und am offenen Grabe würdigte Herr Lehrer Moses die Verdienste der Verstorbenen, nach ihm beklagte Herr Landerabbiner Dr. Blum - Emden in bewegten Worten den Verlust, den die Gemeinde erlitten hat. 
So wird das Andenken dieser wahrhaft frommen Frau im Gedächtnis aller derer, die sie kannten, stets fortleben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."         

    
70. Geburtstag von Minna Wallheimer (1933)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1933: "Aurich (Ostfriesland), 10. Oktober (1933). Am Schabbat Bereschit beging in seltener Frische des Geistes und Körpers Fräulein Minna Wallheimer von hier ihren 70. Gebuzrtstag. Die Jubilarin ist seit mehr denn 40 Jahren 1. Vorsitzende des hiesigen Malbisch Arumim und hat darin Segensreiches geschaffen, weshalb ihr auch vor zwei Jahren in Anerkennung ihrer Verdienste eine Ehrenurkunde überreicht wurde, In allen Wohlfahrtsangelegenheiten steht sie an erster Stelle. Ihre selbstlose, sich für Wohltätigkeit aufopfernde Tätigkeit, ihr bescheidenes und vornehmes Wesen haben ihr die Sympathie nicht nur unserer Gemeinde, sondern auch weiter Kreise außerhalb derselben gesichert. (Alles Gute) bis 120 Jahre."         

     
Zum Tod von Abraham van Dyk (1934)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1934: "Aurich, 19. November (1934). Noch zittert der Schmerz über den herben Verlust unseres unvergesslichen Lehrers Benjamin Wolff - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in uns nach, noch ist diese tiefe Wunde im Herzen unseres Gemeindelebens nicht vernarbt, als schon eine neue Trauerbotschaft uns heimsuchte. Wieder hat der unerbittliche Tod am 5. Kislew eine andere Säule unserer Gemeinschaft mit Abraham van Dyk hingerafft. Weit über die Grenzen unserer engen Heimat hinaus war er bekannt, schätzte und liebte man ihn. Durch sein jüdisches Fühlen und Arbeiten hat er Großes in unserer Gemeinde geleistet, deren Traditionen hochzuhalten er als heiligste Pflicht betrachtete. Er war eine nicht alltägliche Erscheinung. Mit seinem scharfen Geiste hat er Tora und jüdische Wissenschaft nicht nur gelernt, sondern sie auch gelehrt. So ist es denn auch zu begreifen, dass sich durch die übergroße Beteiligung an der Beerdigung am 7.Kislew die Wertschätzung des Verstorbenen auch öffentlich zeigte. In dem Gotteshause, wohin auch die Wirksamkeit desselben durch sein Amt als erster Vorsteher fällt und woselbst die sterbliche Hülle aufgebahrt ward, fand eine ergreifende Gedenkfeier statt. Als erster Redner gab der Prediger der Gemeinde, Herr Lehrer Moses, ein abgerundetes Lebensbild des Entschlafenen. 38 Jahre stand van Dyk an der Spitze unserer Gemeinde. Bei ihm fand jeder stete Hilfsbereitschaft, seine Freundlichkeit und Geduld waren erhebend. Wenn auch seine übergroße Bescheidenheit jedes Lob ablehnte, so konnte er es doch nicht verhindern, dass ihm schon in jungen Jahren der Chower (Titel des Ehrenrabbiners) zu seinem siebzigsten Geburtstage vor drei Jahren der Morenu-Titel (Rabbiner) verliehen wurde. Auch Herr Landrabbiner Dr. Blum, Emden war aus der Ferne herbeigeeilt, m dem bewährten Kämpfer für Tora und Wahrheit herzliche Abschiedsworte zuzurufen, während Herr Jakob Wolff dem Vorgänger bewegt aufrichtige Worte des Gedenkens widmete. Namens des Talmud Tauroh-Vereins, dessen Gründer der Verstorbene war, sprach Herr Simon Samson. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."         

    
Über die Verdienste des Gemeindevorstehers Abraham van Dyk (1936)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1936: "Ergänzung. Im Artikel über Aurich in der Illustrierten Beilage zur jüngsten Nummer ist nachzutragen - was durch irrtümliche Weglassung einiger Zeilen versäumt worden ist - dass neben dem Lehrer und Prediger Benjamin Wolff der verdiente Vorsteher der Gemeinde Abraham van Dyk ein Menschenalter seine besten Kräfte darein gesetzt hat, die Gemeinde in religiösen Bahnen zu leiten und sie auf der Höhe zu erhalten. Der Sohn des verdienten Parneß, Herr Karl van Dyk, sowie andere Nachkommen des im Aufsatze genannten Samuel Calmar Heymann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - gehören heute noch zu den führenden Männern der Gemeinde und des Vorstandes."      

    
Zum Tod von Levi Heymann in Amsterdam, Enkel von Samuel Calmer Heymann in Aurich (1937)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1937: Levy Heymann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. 
Aus Amsterdam kommt die Nachricht, dass Levi Heymann, der dort bei seinem Sohne zu Besuch weilte, nach kurzer Krankheit abberufen wurde. Die Kunde löste in unserer Gemeinde und darüber hinaus in der Frankfurter Judenheit tiefe Trauer aus: Levi Heymann entstammte einem guten, jüdischen ostfriesischen Geschlechte. Sein Großvater, Samuel Calmer Heymann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - wirkte in Aurich als Vorsteher der jüdischen Gemeinde und Leiter des gesamten Armenwesens in Ostfriesland bis zu seinem mit 92 Jahren erfolgten Tode im Jahre 1883. Levi Heymann, mit seiner seltenen Ehrlichkeit und Gradheit der Gesinnung, mit seiner glühenden Liebe zur Thora und allen jüdischen Dingen, war eine Verkörperung aller guten Traditionen, die jene alte Führerdynastie der Beer und Heymann in Ostfriesland auszeichneten. An der Seite der gleichgearteten Gattin, einer würdigen Tochter aus dem bekannten Hause Perlstein in Kopenhagen, führte er ein jüdisches Haus, aus dem in Tora und Gottesfurcht gefestigte Söhne hervorgingen, und Töchter, die an der Seite frommer Männer ihre eigenen Häuser im Sinne der Eltern führen. Eine markante Persönlichkeit, der von Jugend auf aus jenem Brunnen schöpfte, der im Wochenabschnitt als der Brunnen, den die Fürsten gegraben haben; die Edlen im Volk haben ihn gegraben mit dem Zepter (4. Mose 21,18) bezeichnet wird, was Levi Heymann, und neben der Familie wird ein großer Kreis von treuen Freunden und Verehrern es beweinen, dass der liebe väterliche Freund, der vom reichen Schatz seiner jüdisch-historischen Erinnerungen so gern spendete, nicht mehr zu uns wiederkehren wird.   
Die Bestattung fand auf dem jüdischen Friedhof in Amsterdam unter großer Beteiligung statt. Möge Gott der Gattin und der weiteren Familie seinen Trost angedeihen lassen und den Kindern die Kraft verleihen, das gute, fromme Werk des Vaters in ihren Häusern lebendig zu erhalten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Leben."           

     
Zwei Mädchen aus Aurich suchen Brieffreunde (1937)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1937: "Ich wünsche Briefwechsel. 
Grete Samson, Aurich (Ostfriesland), Wallstraße 22 (15 Jahre) mit gleichaltrigem Mädel aus Deutschland (am liebsten Frankfurt am Main oder Hamburg) sowie mit einem Mädel aus England (am liebsten London). 
Rita Wolff, Aurich (Ostfriesland), Osterstraße 27 (15 Jahre) mit gleichaltrigem Jungen, der nach Erez Israel auswandern will."       

  
75. Geburtstag von Amalie Wolff geb. Fromm (1937)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1937: "Aurich, 12. November (1937). Am Heiligen Schabbat Paraschat Toledot konnte in seltener Frische Frau Amalie Wolff geb. Fromm, ihren 75. Geburtstag begehen. Tochter von Rabbiner Seligmann Fromm - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, war sie würdige und gleichstrebende Gattin unseres unvergesslichen Lehrers Benjamin Wolff - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, und ist selbst ein Muster von Gottesfurcht und Opferbereitschaft. Diese Eigenschaften brachte Herr Lehrer Moses beim Morgengebete in einer kurzen Ansprache zum Ausdruck. Am Nachmittag verlegte die Agudas Jisroel-Ortsgruppe die 'Stunde der Tauroh' (Tora) in die Wohnräume der Jubilarin. In beredten Worten führte Herr Simon Samson aus, dass absichtlich diese Stunde hierher gehöre, da doch aus diesem Hause jahrzehntelang Tauroh (Tora), Awaudo (Gottesdienst) und Wohltätigkeit ausgegangen ist. Ebenso fand der erste Vorsitzende, Herr Karl v. Dyk, ehrende Worte für die Jubilarin vom Talmud Thora-Verein aus, dessen geistiger Urheber Ruhelehrer Wolff - er ruhe in Frieden - war. In kurzen Worten dankte der Sohn, Wilhelm Wolff, zur Zeit Kantor und Baal-Koreh der Gemeinde, im Namen der Mutter für die ehrenden Worte und guten Wünsche. (Alles Gute) bis 120 Jahre."     

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
      
Anzeigen des Manufakturwarengeschäftes A. S. Heymann (1889 / 1900)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1889: "Auf sofort suche ich für mein Manufakturwarengeschäft, welches an jüdischen Feiertagen geschlossen, einen fixen Verkäufer, sowie einen Lehrling unter günstigen Bedingungen. 
A.S. Heymann, Aurich."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1900
"Für mein Samstags und an allen sonstigen jüdischen Feiertagen streng geschlossenes Manufaktur-Geschäft suche auf sogleich einen
Lehrling oder Volontair. Freie Station im Hause 
A.S. Heymann, Aurich,
Ostfriesland."         

   
Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes A. van Dyk (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1901:  
"Für mein Samstags und Festtage streng geschlossenes Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft suche ich per bald oder später einen 
Lehrling. 
A. van Dyk, Aurich
(Hannover).     

  
Anzeige von M. Goldschmidt (1901)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1901: 
"Tüchtiges, zuverlässiges junges 
Mädchen
 
wird zur Besorgung der Küche und etwas Hausarbeit sofort gesucht. Zweites Mädchen vorhanden. Offerten mit Gehaltsansprüchen und Zeugnissen erbeten. 
M. Goldschmidt
, Aurich in Ostfriesland".       

  
Verlobungsanzeige für Jette geb. Plaut und Levy Wallheimer (1924)  

Guxhagen Israelit 31071924.jpg (42022 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1924: "Gott sei gepriesen. Die Verlobung ihrer Kinder Jette und Levy beehren sich anzuzeigen: M. Plaut und Frau Berta geb. Katzenberg - Frau Bertha Wallheimer geb. Hahn:
Jette Plaut - Levy Wallheimer: Verlobte. Guxhagen bei Kassel - Aurich (Ostfriesland). Tamus 5684."

     
Eine Praxis für einen jüdischen Chirurgen in Aurich ist erwünscht (1927)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1927: "Aurich, 12. Dezember (1927). In Aurich (Provinz Hannover) besteht eine aussichtsreiche Niederlassungsmöglichkeit für einen jüdischen, möglichst religiösen Arzt, erwünscht Chirurg. Passendes Haus in guter Lage bei sehr günstigen Bedingungen vorhanden. Aurich ist Regierungssitz, hat Landgericht, Gymnasium, landwirtschaftliche Schule und Ausstellungshallen für ganz Ostfriesland. Bedeutende Umgegend."       


Verlobungs- und Hochzeitsanzeigen von Melanie Nussbaum und Erich Knurr (1934/1935) 
      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1934: "Gott sei gepriesen. 
Melanie Nussbaum - Erich Knurr. Verlobte.  
Heilbronn a. N. /Achtungsstraße 19  -  Mainstockheim     -  Aurich /Ostfriesland.  
Empfang: In Heilbronn: Simchat Tora 5695 und Schmini Azeret / 1. und 2. Oktober 1934. 
In Aurich: am Heiligen Schabbat mit der Toralesung Bereschit / 6. Oktober 1934".     
 
Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. März 1935:  
"Erich Knurr - Melanie Nussbaum  zeigen ihre Vermählung an.  
Aurich - Ostfriesland     -  Heilbronn a.N. / Mainstockheim.  
Trauung: Dienstag, 5. März, in Hannover, Restaurant de Vries, Herschelstraße 35."    

   
Anzeige einer koscheren Pension in Aurich (1937)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1937:  "In Aurich/Ostfriesland. 
Aufenthalt für Dauerpensionäre.
Haus mit großem Garten, ruhige Lage. 
Streng rituelle Verpflegung. Mäßige reise. Zentralheizung - Bad. 
Anfragen unter 3735e an die Expedition dieses Blattes".    

         
Todesanzeige für die in Theresienstadt umgekommene Henny Knurr geb. Bienheim (1945)   

Aurich Aufbau 28091945.jpg (59354 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 28. September 1945: "Erst heute erhielten wir die traurige Nachricht, dass unsere gute Tante, 
Frau Henny Knurr geb. Bienheim (früher Aurich in Ostfriesland) 
im Alter von 80 Jahren in Theresienstadt im Jahre 1942 gestorben ist. 
Ihr Leben war voller Güte und Selbstaufopferung. 
Harry Knurr  720 W. 181 St. N.Y.C.  
Erich Knurr  609 Monroe Street  Montgomery, Ala.   
Lea Sternberg geb. Knurr  1550 Main Street  Baton Rouge, La.  
Herman Knurr 724 North 22nd Street Baton Rouge, La."     

    

    

    

    

    

 

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Stand: 16. März 2015