Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Übersicht über die Synagogen 
    

Neustadtgödens (Gemeinde Sande, Landkreis Friesland, Niedersachsen) 
Jüdische Geschichte / Synagoge  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
    
Seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges waren Juden in Neustadtgödens ansässig. Im Einnahme-Register der Herrlichkeit Gödens von 1639 sind die Namen von drei Juden verzeichnet (Jochim, Nathan und Moises). Ein erster Schutzbrief der Freiherren von Fridag datiert von 1660, in dem inzwischen vier Juden genannt werden: Joachim Lazarus, Nathan Jacobs, Sander Nathans und Moses Salomon. Von diesen vier ersten Juden wurde 1661 Sander Nathans in die Webergilde als Meister aufgenommen. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Familien kräftig zu: 1694 sind elf jüdische Haushaltsvorstände genannt. 

Nach den am Anfang des 18. Jahrhunderts ausgestellten Schutzbriefen durften die Juden des Ortes Handel treiben, ihren Gottesdienst in der Synagoge und Schulunterricht halten sowie ihre Toten auf eigenen Friedhöfen begraben. 1737 lebten insgesamt 46 jüdische Personen am Ort, davon 23 männlichen und 23 weiblichen Geschlechts. Neun Juden verdienten ihren Lebensunterhalt mit Schlachten, vier lebten vom Altkleiderhandel, weitere vier wurden als unvermögend bezeichnet. Seit 1742 hatten die Familien zeitweise auch einen Rabbiner am Ort. 1749 umfasste die Zahl der jüdischen Einwohner mit 63 Personen genau 10 % der Gesamteinwohnerschaft. 1753 gab es neun jüdische Hausbesitzer am Ort. Nach einem Vermögensregister von 1756 handelten die wohlhabenderen Juden Moses Cohen mit Kleidern, Israel Jonas mit Kleidern und Tee sowie Moses Victor mit Kleidern. Die meisten Familien lebten allerdings in armseligen Verhältnissen. 1782 kam es von Seiten der christlichen Bevölkerung zu einem Pogrom gegen die Judenschaft. Dabei wurden u.a. die Fenster von jüdischen Häusern eingeworfen. Als Anlass des Pogroms wurde die angebliche Verhöhnung der Kreuzigung Christi durch Juden genannt. Da dieser Vorwurf aber völlig unbegründet war, mussten den jüdischen Familien Entschädigungsgelder zur Reparatur ihrer Häuser gezahlt werden. 
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1802 100 jüdische Einwohner, 1867 Höchstzahl mit 186 Personen, danach starker Rückgang durch Aus- und Abwanderung: 1885 139, 1905 85 jüdische Einwohner. Die jüdischen Familien verdienten ihren Lebensunterhalt weiterhin vor allem als Händler mit Kleidern und Ellenwaren, als Schlachter und Viehhändler sowie als Lederhändler. Auch ein jüdischer Vieharzt wird 1828 genannt.   
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (beziehungsweise Prediger) und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Diese Stelle hatten u.a. inne: Dr. Hulisch (1870 bis höchstens 1878; vermutlich = Dr. Israel Hulisch, bis 1870 in Neuss als Prediger tätig), Heinrich Reuß (ca. 1884-1896), Lehrer Wolkowski (1899-1907), Lehrer Seeliger (ab 1907-?). In den 1920er-Jahren gab es auf Grund der zurückgegangenen Zahlen von Gemeindegliedern keinen von der Gemeinde angestellten Lehrer und Vorbeter mehr. Die Gemeinde gehörte dem Rabbinatsbezirk in Emden an.  
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Max Weinberg (geb. 1.5.1884 in Altgödenserhorn, gef. 9.3.1917).  
   
Um 1924, als nur noch 28 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (5,1 % von insgesamt etwa 550 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde S. de Taube, Richard Stein und L. Weinberg. Damals erhielten noch vier jüdische Kinder Religionsunterricht durch Lehrer Hartog aus Jever. Ein Frauenverein wurde von Rosa Stein geleitet. Anfang der 1930er-Jahre wird nur noch Richard Stein als Gemeindevorsteher genannt.
   
1933 wurden noch 12 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der zunehmenden Repressionen und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen mehrere von ihnen in der folgenden Jahren den Ort, einige wanderten aus. 1940 wurden noch drei jüdische Einwohner gezählt.  
 
Von den in Neustadtgödens geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Erna Aufrecht geb. Taube (1891), Marianne Berliner geb. Cohen (1870), Arthur Cohen (1901), Bernhard Cohen (geb. 1917, vermutlich in Sobibor ermordet), Emma Cohen (1863), Frieda Cohen (geb. 1915, vermutlich in Auschwitz ermordet), Friedrich Cohen (1888), Heymann Cohen (1883), Irma Georgine Cohen (1900), John Cohen (1875), Moritz Cohen (1890), Philipp  Victor Cohen (1866), Wolf Cohen (1903), Elise van Gelder geb. Cohen (geb. 1876, in Sobibor ermordet), Bertha Goldschmidt (1892), Emilie Goldschmidt (1888), Wilhelmine Goldschmidt geb. Sternberg (1891), Joseph Haas (1892), Regina Haas (1865), Salomon Haas (1896), Clara Herz (1868), Julie Hestermann geb. Cohen (1859), Carl Max Josephs (1870), Cäcilie Josephs (1877), Herbert Josephs (geb. 1906, vermutlich in Auschwitz ermordet), Bertha Juchenheim (1859), Ida Koppel geb. Josephs (1873), Georgine Knurr (1865, vermutlich in Auschwitz ermordet), Margarethe Lazarus geb. de Taube (1893), Alma Levie geb. Josephs (1879), Melitta Neugarten geb. Cohn (1911), Richard Stein (1885), Rosa Stein geb. Wertheim (1881), Fanny Strauch geb. de Taube (1884), Conrad de Taube (1902), Ernst de Taube (1889), Frieda de Taube (1877), Käthe de Taube (1899, vermutlich in Auschwitz ermordet), Salomon Taube (1858), Betty Valk geb. de Taube (1860), Mary Wachsmann geb. Weinberg (1877), Friederike Weinberg (1892),  Röschen Wertheim geb. Stein (1877). 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1869 / 1878 / 1882 / 1907   

Neustadtgoedens AZJ 23021869.jpg (75376 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Februar 1869: "Durch Pensionierung unseres jetzigen Lehrers ist in der hiesigen israelitischen Gemeinde die Stelle eines Lehrers (unverheiratet), welcher auch zugleich das Amt eines Vorbeters und nötigenfalls auch des Schächters übernehmen muss, auf sofort oder März dieses Jahres zu besetzen. Der Gehalt ist af 250 bis 300 Taler, nebst freier Wohnung exklusive Nebenakzidenzien fixiert. - Qualifizierte Bewerber werden ersucht, ihre Zeugnisse portofrei an den unterzeichneten Vorstand gelangen zu lassen. Neustadt Gödens in Ostfriesland, 16. Februar 1869. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde D. Cohen  S. Büchler. 
 
Neustadtgoedens AZJ 11061878.jpg (48648 Byte)Neustadtgoedens Israelit 12061878.jpg (54276 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juni 1878 und in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1878: "Zum 1. August dieses Jahres suchen wir einen Elementar-Lehrer, der gleichzeitig den Vorbeterdienst mit wahrnehmen muss. Der Gehalt beträgt für beide Funktionen zusammen Mark 1.200 außer Emolumenten. Reflektanten wollen sich gefälligst unter Einsendung ihrer Qualifikationszeugnisse bei dem unterzeichneten Vorstande sobald als möglich melden. Neustadt-Gödens in Ostfriesland, Provinz Hannover, den 3. Juni 1878. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde: D. Cohen. 
 
Neustadtgoedens AZJ 021882.jpg (67436 Byte)Neustadtgoedens Israelit 01021882.jpg (70154 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom Februar 1882 und in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1882: "Am 20. März wird die Stelle eines Religions- und Elementarlehrers und Vorbeters in hiesiger Gemeinde frei und soll möglichst bald, spätestens 1. Mai, besetzt werden. Bereits amtierende Bewerber orthodoxer Richtung, mit guten Zeugnissen und fähig, religiöse Vorträge zu halten, wollen sich an Unterzeichneten wenden. - Gehalt 1.000 Mark fest und billige Wohnung, Nebeneinkünfte reichlich und können durch Vertretung in der Schechito bedeutende vermehrt werden. - Der bisherige Lehrer Herr Dr. Berlin erteilt gern jede Auskunft. Neustadtgödens in Hannover, Januar 1882. Dr. Cohen, Vorsteher".  
 
Neustadtgoedens Israelit 06061907.jpg (71581 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1907: "Neustadtgödens, 30. Mai. Die durch die Berufung unseres bisherigen Lehrers Wolkowski nach Königsberg vakant gewordene Stelle an der hiesigen jüdischen Volksschule darf nach der Entscheidung des Herrn Kultusministers wieder besetzt werden. Wegen geringer Schülerzahl war die Wiederbesetzung von der Aufsichtsbehörde in Frage gestellt worden. Durch eine an das Kultusministerium gerichtete eindringliche Vorstellung der Herrn Landrabbiners Dr. Löb in Emden ist die günstige Entscheidung erfolgt und der Fortbestand unserer öffentlichen jüdischen Volksschule dadurch gesichert." 

  
Lehrer Heinrich Reuß bietet seine Dienste an (1894)   

Neustadt-Goedens Israelit 15021894.jpg (34902 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1894: "Pflege, Erziehung, Unterricht!!  
Knaben werden für höhere Schulen und für's Kaufmännische vorbereitet.  
H. Reuß, für Mittel- und höhere Töchterschulen geprüfter jüdischer Lehrer in Neustadt-Gödens bei Wilhelmshaven." 

   
Zum Tod von Heinrich Reuß, Lehrer in Neustadtgödens ca. 1884-1896  (gest. 1924 in Berlin)

Neustadtgoedens Israelit 04121924.jpg (98692 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1924: "Berlin, 28. November 1924: "Berlin, 28. November (1924). In Berlin verstarb Heinrich Reuß, ein verdienter Pädagoge und durch seine Artikel auch unseren Lesern wohl bekannt. Reuß ist in Oberlauringen geboren, von wo er mit 12 Jahren nach Burgpreppach (Präparandie) und dann nach Würzburg ins Lehrerseminar kam. Er war zuerst Religionslehrer in Herborn und dann 12 Jahre Volksschullehrer und Prediger in Neustadt-Goedens. Von dort kam er nach Aurich, wo er 14 Jahre als Hauptlehrer, Prediger und Chasen segensreich wirkt. Seit 1908 lebte er in Berlin, wo er 14 Jahre lang als Religionslehrer der Adaß und als Lehrer an der Talmud-Tora Knesset-Jisroel wirkte. Er starb im Alter von 62 Jahren, wovon er 43 Jahre als Lehrer eine Generation zur Tora und zu Weisheit erzog. Eine große Reihe pädagogischer, religionsphilosophischer und belletristischer Schriften sichert sein Andenken für alle Zeiten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Lehrer Wolkowsky verlässt Neustadt-Gödens - Neubesetzung mit Lehrer Seeliger aus Bunde (1907)

Neustadtgoedens Israelit 21031907.jpg (27742 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1907: "Neustadtgödens, 21. März (1907). Der Lehrer der israelitischen Volksschule hierselbst, Herr Wolkowski, ist auf seinen Antrag zum 1. Mai dieses Jahres aus dem öffentlichen Volksschuldienste und damit auch aus dem Schuldienste in Neustadtgödens entlassen worden."
 
Neustadtgoedens Israelit 09051907.jpg (30458 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1907: "Neustadtgödens, 25. April (1907). Der Lehrer der israelitischen Gemeinde, Herr Wolkowsky, welcher 8 Jahre lang hier gewirkt hat, ist nach Königsberg verzogen, um dort die Stelle eines Religionslehrers zu übernehmen. Die hiesige vakante Lehrerstelle wird durch Herrn Lehrer Seeliger aus Bunde wieder besetzt werden."

    
Der katholische Pfarrer unterricht in der Kriegszeit die jüdischen Kinder (1915)  

Neustadtgoedens Israelit 19081915.jpg (43164 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1915: "Hannover, 9. August (1915). Eine Seltenheit im Schulbetrieb hat der Krieg in dem benachbarten Neustadt-Gödens zur Folge gehabt. Da dort der israelitische Volksschullehrer zur Fahne einberufen und ein Vertreter nicht vorhanden ist, unterrichtet der katholische Pfarrer des Ortes die israelitischen Kinder. Unterweisung in der Religion erhalten sie durch einen jüdischen Lehrer aus der Nachbarschaft."    

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zum Tod von Seckel Frank in Westerstede (1891) 
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1891: "Neustadt-Gödens (Ostfriesland), 12. April (1891). Einen wahrhaft glaubenstreuen Juden haben wir Freitag, den 2. Nissan, zu Grabe getragen. Ein solches Gefolge wurde noch nie hinter der Leiche eines bürgerlichen Menschen gesehen. Glaubensgenossen aus Nah und Fern kamen nach dem nur 4 jüdische Familien zählenden Westerstede. um dem im Alter von 73 Jahren verewigten Seckel Frank die letzte Ehre zu erweisen. Der größere Teil der Anwesenden aber war christlichen Glaubens, ihre Begleitung legte Zeugnis davon ab, dass sie den Verstorbenen im Leben geliebt und verehrt hatten. Ehre eines solchen Gegend, in der man keine Spur von Judenhass kennt und nur den Mann nach Taten richtet. Noch mehr Ehre aber dem braven, geschiedenen Glaubensbruder, der durch sein lauteres Leben solchen Anlass zu einer Heiligung des Gottesnamens gegeben.
'Vater Frank' ward er weit und breit von den Christen genannt. Im öffentlichen und geschäftlichen Leben war seine Meinung ausschlaggebend. Das war die natürliche Folge seiner strengen Redlichkeit. Er war ein treuer Jude. In seinem Hause richtete er sich eine Synagoge ein und stattete diese aus. Er hielt Sabbat und Festtage streng, sodass er vor Jahren deswegen in der Kirche von der Kanzel herab als Muster der Sabbatheiligung gelobt wurde, auch legte er ein würdiges Beit Hekewarot (Friedhof) an. Am meisten gerühmt war seine Wohltätigkeit. In feiner Weise half er Dürftigen oder solchen, die nicht mehr auf eigenen Füßen stehen konnten."    

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige von J. S. Herz (1869)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. August 1869: "Gesucht. Ein gewandtes Dienstmädchen, welches sowohl in der Küche als auch in sonstigen häuslichen Arbeiten tüchtig erfahren.  
Neustadt-Gödens in Ostfriesland. J. S. Herz."         

  
Privatanzeigen: jeweils Lehrerin gesucht (1873, 1874 und 1878)   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September 1873: "Gouvernante
Für meine Tochter suche ich eine bewährte Lehrerin und Erzieherin, die im Französischen, Englischen und Musik tüchtig ist. Der Antritt ist sobald als möglich erwünscht. 
L. M. Hardt, Neustadt-Göden
s bei Oldenburg." 
  
Neustadtgoedens AZJ 05081873.jpg (39347 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. August 1873: "Gouvernante
Für ein dreizehnjähriges Mädchen einer hiesigen Familie suche ich, womöglich von gleich ab, eine erfahrene pädagogisch durchgebildete Lehrerin und Erzieherin. Tüchtigkeit in Musik, Französisch und Englisch, Bedingung. Gefällige von Zeugnissen begleitete Offerten nehme ich entgegen. Neustadt-Gödens (Ostfriesland). Dr. Hulisch."
   
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juni 1873: "Gouvernante gesucht. 
Für die vorteilhaft entwickelte dreizehnjährige Tochter einer hiesigen sehr respektabeln Familie suche ich eine Lehrerin, die in Sprachen (Französisch und Englisch) und Musik tüchtig ist. Antritt der Stelle: laut Übereinkunft. Von Zeugnissen und Referenzen begleitete Offerten nehme ich entgegen. Neustadt-Gödens (Ostfriesland). Dr. Hulisch".       
   
Neustadtgoedens AZJ 14041874.jpg (26576 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. April 1874: "Für die 14jährige Tochter einer hiesigen Familie suche ich, möglichst für sogleich, eine Lehrerin und Erzieherin, die besonders in der Musik und den neueren Sprachen Tüchtiges leistet. Von Zeugnisse begleitete Offerten nehme ich entgegen. Neustadt-Gödens (Provinz Hannover). Prediger Dr. Hulisch."
   
Neustadtgoedens AZJ 05031878.jpg (34283 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. März 1878: "Ich suche auf sofort für eine zu errichtende Schule eine geprüfte Lehrerin (respektive Lehrer), mosaischer Konfession, zum Unterricht in fremden Sprachen, möglichst auch in der Musik.  J. S. Herz. 
Gödens-Neustadt
in Ostfriesland, Provinz Hannover, 14. Februar 1878."

   
Weitere Anzeigen von Prediger Dr. Hulisch (1873)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juni 1873: "Wirtschafterin gesucht. Zur Stütze, respektive zur Vertretung der Hausfrau suche ich für eine achtbare Familie eine tüchtige Dame gesetzten Alters. Meldungen mit Zeugnissen und Referenzen an   Neustadt-Gödens (Ostfriesland)  Dr. Hulisch."     
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juni 1873: "Haushälterin!  
Der leidende Gesundheitszustand meiner Frau erfordert eine Luftveränderung auf längere Zeit. Ich suche daher für sogleich oder den 1. Juli zur Führung des Haushalts und zur Erziehung meiner vier Kinder (Alter: zwischen 2 und 6 Jahren) eine gebildete, in Küche und Haushalt erfahrene, sehr tüchtige Dame gesetzten Alters. Reflektantinnen ersuche ich um baldige Meldungen mit gefälliger Angabe maßgebender Referenzen und der Gehaltsansprüche. 
Neustadt-Gödens bei Oldenburg. Prediger Dr. Hulisch."      

 
Jüdisches Mädchen als Haushaltshilfe gesucht (1901)   

Neustadtgoedens Israelit 25031901.jpg (36546 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1901: "Gesucht zu Mitte oder Ende April ein erfahrenes, tüchtiges Mädchen zur Stütze, welches kochen, bügeln, nähen und stopfen kann. 
Offerten mit Gehaltsansprüchen. 
Frau Samuel de Taube,
Neustadt-Gödens."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901: "Gesucht zum 1. Oktober oder etwas früher ein gebildetes, tüchtiges und erfahrenes junges Mädchen als Stütze gegen hohen Lohn. Offerten nebst Gehaltsangaben. 
Frau Samuel de Taube

Neustadt-Gödens bei Wilhelmshaven" 
      

    
Anzeige der Frau von Simon Cohen (1902)        

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1902: 
"Suche für meine beiden Kinder im Alter von 4 und 2 Jahren, ein 
Fräulein

welches auch leichte, häusliche Arbeiten verrichten muss. Zeugnisse und Gehaltsansprüche zu richten an 
Frau Simon Cohen, Neustadt-Gödens
bei Wilhelmshaven."    

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge 
  

Graf Burchard Philipp von Fridag erlaubte mit den Schutzbriefen zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Einreichung einer Synagoge beziehungsweise eines Betsaales. 1752 wird erstmals eine Synagoge genannt. 1758 ist davon die Rede, dass die Synagoge "auf herrschaftlichem Boden" stehe. Dabei wird es sich wohl um das Gebäude handeln, das noch in einem Plan von 1830 als der "Israeliten Kirch" bezeichnet wird. 
  
1852 wurde das heute noch existierende Synagogengebäude erbaut. Bis 1902 diente dieses auch den in Wilhelmshaven lebenden jüdischen Personen als Gotteshaus. Bis 1936 konnte die immer kleiner werdende jüdische Gemeinde ihre Gottesdienste hier abhalten. Mit einer Abschiedsfeier am 15. März 1936 in der Synagoge endete das religiöse Leben in dem Gebäude.  
    

Neustadt Goedens Israelit 26031936.jpg (93342 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1936: "Neustadt-Gödens (Ostfriesland), 18. März (1936). Am 15. März fand hier eine Abschiedsfeier in der Synagoge statt. Die Gemeinde Neustadt-Gödens, die älteste in Ostfriesland, ist auf einige Mitglieder zurückgegangen. Das Gotteshaus, einstmals kaum die Zahl der Betenden fassend, ist baufällig geworden und muss deswegen geschlossen werden. Zur letzten Feierstunde hatten sich viele Freunde und ehemalige Gemeindeglieder eingefunden. Herr Landrabbiner Dr. Blum, Emden, sprach in ergreifender Weise über das Thema Psalm 43,5: 'Was bist du gebeugt, meine Seele, und was jammerst du in mir? Harre auf Gott! Denn noch werde ich ihm danken, dem Heil meines Antlitzes und meinem Gottes.' - Der Synagogenchor aus Jever unter Leitung des Lehrers Hartog, Wilhelmshaven und unter Mitwirkung des Solisten Herr Rudolf Gutentag, umrahmte mit seinen Gesängen die Feier. - Schofartöne schlossen die ernste Feierstunde. Ha."    

Am 27. Juni 1938 wurde das Synagogengebäude an einen Privatmann aus Wilhelmshaven verkauft, später wurde das Synagogengebäude an einen Privatmann veräußert, der darin ein Farbenlager einrichtete. Dieser Umstand sollte zumindest das Gebäude beim Novemberpogrom 1938 schützen. Aus Angst vor einer größeren Explosion in der eng bebauten Kirchstraße verzichteten die Nationalsozialisten auf das Niederbrennen. Die Synagoge überstand als einzige Ostfrieslands. 
   
Nach 1945 wurde das Gebäude als Wohngebäude verwendet, 1962 bis 1986 als Feuerwehrhaus. Von 1986 bis 1988 wurde das Gebäude von der Gemeinde Sande mit öffentlichen Mitteln restauriert. Im Erdgeschoss war danach ein Galerieraum für Künstlerausstellungen (1988 bis 2001: Galerie Schlieperder).   
       
2002 wurde die ehemalige Synagoge erneut veräußert und soll neben der Nutzung als Wohngebäude der Ausstellung von antiquarischen Automobil- und Eisenbahn – Spielzeug dienen. Der Plan wurde vom neuen Eigentümer bislang jedoch nicht verwirklicht (Stand Mai 2005).
     
Standort der ehemaligen Synagoge: Kirchstraße 47  
    
    

Fotos der Synagoge:
(Fotos obere Zeile: aus dem Beitrag von Enno Hegenscheid in: Frisia Judaica. 101 und 106; mittlere Zeile: Hahn, Aufnahmedatum: Juli 1987)

Historische Fotos Neustadtgoedens Synagoge 010.JPG (111841 Byte) Neustadtgoedens Synagoge 011.jpg (49759 Byte)
  Historische Ansicht 
der Synagoge 
Innenansicht der Synagoge 
um 1930 
      
Fotos 1987    
Neustadtgoedens Synagoge 101.jpg (32314 Byte) Neustadtgoedens Synagoge 100.jpg (22876 Byte) Neustadtgoedens Synagoge 102.jpg (60289 Byte)
Die Synagoge nach Abschluss
 der Restaurierung (1987) 
Die Portalinschrift  Weitere Portalinschrift: "Gesegnet, 
der da kommt im Namen des HERRN..." 
 
     
Rechts Foto um 2000  neustadtgoedens Synagoge 110.jpg (32051 Byte)  
   Die Synagoge als Galerie)  Quelle   
         
Die Synagoge im Juni 2007
(Fotos: Dieter Peters, Aachen) 
   
Neustadtgoedens Synagoge 401.jpg (61777 Byte) Neustadtgoedens Synagoge 400.jpg (53762 Byte)   
  Hinweistafel    

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Dezember 2009: Anregung für neue Nutzung der ehemaligen Synagoge   
Artikel im "Jeverschen Wochenblatt - Friesisches Tageblatt" vom 29. Dezember 2009 (Artikel):  
"Friesische Folklore sorgt für eine gelöste Stimmung - 'Laway' begeistert Zuschauer in evangelischen Kirche / Restlos ausverkauft.    
Neustadtgödens/os
– In Neustadtgödens hat 'Laway' sozusagen ein Heimspiel. Der Gründer und Motor der Gruppe Gerd 'Ballou' Brandt lebt hier nämlich seit etlichen Jahren Doch daran allein kann es nicht liegen, dass die evangelische Kirche am Abend des 'dritten Weihnachtstages' bis auf den wirklich allerletzten Platz besetzt ist. Die Leute kommen nämlich nicht nur aus dem kleinen Ort selber, sondern aus dem ganzen Jeverland. Am Ende des zweieinhalbstündigen Konzerts zeigt sich, dass sich auch längere Anreisen gelohnt haben, spontan gibt es lang anhaltende stehende Ovationen für die fünfköpfige Gruppe. 'Laway' ist auf 'Winterleed-Tour'. Seit Anfang Dezember sind die Musiker unterwegs, vornehmlich in den schönen alten Kirchen der Region und präsentieren hier ihre Lieder, allesamt auf plattdeutsch gesungen. Bis Ende Januar sind sie noch an vielen Orten zu hören und zu sehen. Am Sonntagabend war in der evangelischen Kirche in Neustadtgödens nicht einmal mehr ein wackliger Kappstuhl zu haben, so restlos voll war die Kirche. Die Musiker freute das sichtlich, zumal sie in der Woche zuvor bei richtig winterlichen Temperaturen und Schneefall andernorts in wesentlich kleinerer Runde gespielt hatten. Doch Freude macht ihnen ihre Musik wohl immer, das kommt ganz schnell beim Publikum an. So sprang auch am Sonntag der 'Funke' rasch über und Musiker und Publikum hatten einfach ein tolles gemeinsames Erlebnis. Neben 'Ballou', der sein Publikum neben Gesang und Gitarre auch mit vielen Erzählungen und Döntjes in plattdeutscher und hochdeutscher Sprache unterhielt, war diesmal auch sein Sohn Keno Brandt an den Tasteninstrumenten dabei. Petra Fuchs (Flöten, Percussion und Gesang) begeisterte mit furiosem Spiel und wunderbar warmer Stimme. Gerd Fröse und Tilo Helfensteller zeigten sich einmal mehr als musikalische Multitalente und setzten immer wieder brillante Akzente. 'Laway' zauberte mit friesischer Folkolore mit vielen Anleihen an die irische Volksmusik einfach gute Laune in die Herzen der Zuhörer. Darüber hinaus gab es oft auch nachdenkliche Stücke wie zum Beispiel 'Dusende van lütje Sterns', das an die Kinder erinnert, die im Holocaust umgekommen sind. Grund für Gerd Brandt, die Synagoge in Neustadtgödens ins Visier zu nehmen. Unter dem spontanen Beifall der Zuhörer fordert er, dass das Gebäude, das einmal mit öffentlichen Mitteln saniert worden sei, endlich wieder einem sinnvollen Zweck diene. Er könne sich gut vorstellen, hier eine Art Gedenkstätte einzurichten, zum Beispiel für Menschen aus der Region, die den Holocaust nicht überlebt haben. Das Publikum denkt offenbar genau wie er. 'Laway singt von der Sinnlosigkeit des Krieges, aber auch von den Freuden der Weihnachtszeit, von der Plage des Winters, von den Wonnen der Liebe. Ganz einfach vom ganzen Auf und Ab des Lebens. Immer mit der Botschaft, nie den Mut zu verlieren und an einem besseren Morgen zu arbeiten. Diese Botschaft kommt an. Weitere Konzerte finden zum Beispiel am Freitag, 1. Januar in Carolinensiel, 17 Uhr Deichkirche und am Mittwoch, 6. Januar in Schortens, 19 Uhr Stephanus-Kirche statt."  

    
 
    

Links und Literatur  

Links:  

Website der Gemeinde Sande   
Seite bei Wikipedia zur jüdischen Gemeinde in Neustadtgödens  
Informationsseite zur ehemaligen Synagoge: hier anklicken  
Informationsseite des Heimatvereins Goedens-Sande zur Synagoge: hier anklicken  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Neustadt-Gödens (interner Link) 
Hinweis auf die "Familiendatenbank Juden in Nordwestdeutschland"       

Literatur:

Enno Hegenscheid: Das Entstehen der Synagogengemeinde Neustadtgödens und der Pogrom von 1782. In: Frisia Judaica. Beiträge zur Geschichte der Juden in Ostfriesland (Hg. von Herbert Reyer und Martin Tielke). Aurich 1988 (= Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands. Bd. 67). S. 97-112.
Enno Hegenscheid/Achim Knöfel: Die Juden in Neustadtgödens. Das Entstehen der Synagogengemeinde, ihr Leben und Wirken, der Aufstieg und Untergang. Neustadtgödens 1988. 104 S.
Berne Literatur 010.jpg (66315 Byte)dies.: Die Synagoge in Neustadtgödens. In: Enno Mayer: Die Synagogen des Oldenburger Landes. Oldenburg 1988 (Oldenburger Studien Bd. 29). S. 122-141.  
Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen (Hrsg. von Herbert Obenaus in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel). Bd. II Göttingen 2005 S. 1502-1510 (Abschnitt zu Neustadtgödens von Werner Vahlenkamp: S. 1099-1104; mit weiteren Literaturangaben). 
Ostfriesland Lit 13004.jpg (73854 Byte)Reise ins jüdische Ostfriesland. Hrsg. von der Ostfriesischen Landschaft - Kulturagentur  Georgswall 1-5  26603 Aurich. Tel. 04941-179957  E-Mail: kultur[et]ostfriesischelandschaft.de. Erschienen im Juli 2013. 67 S. Kostenlos beziehbar. 
Internet: www.ostfriesischelandschaft.de 
"Reise ins jüdische Ostfriesland" ist ein gemeinsames Projekt im Rahmen des dritten kulturtouristischen Themenjahres "Land der Entdeckungen 2013". Am 9. November 2013 jährte sich zum 75. Mal die Pogromnacht von 1938 in Deutschland. Dies haben 17 Einrichtungen, davon neun Museen und fast alle ehemaligen Synagogengemeinden zum Anlass genommen, sich unter dem Titel "Reise ins jüdische Ostfriesland" zusammenzuschließen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschwand die jüdische Kultur im Vergleich zum übrigen Deutschland hier bemerkenswert schnell aus dem bis dahin gemeinsamen Alltagsleben von Juden und Nichtjuden. "Reise ins jüdische Ostfriesland" will an das einst lebendige jüdische Leben in der Region erinnern.
Die Projekte zeigen in beeindruckender Weise, wie ein Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden kann. Allen jedoch geht es insbesondere darum, dem vielfältigen jüdischen Leben in Ostfriesland bis zur Shoah und darüber hinaus wieder ein Gesicht zu geben. Denn Erinnerung ist ein Weg zur Heilung und damit zur Versöhnung.  

     
       

                   
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Stand: 07. Dezember 2013