Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Windsbach (Kreis Ansbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In der in früheren Jahrhunderten den Hohenzollerischen Markgrafen von Ansbach gehörenden Stadt Windsbach lebten Juden bereits im Mittelalter. Sie waren von der Verfolgung durch "Ritter Rintfleisch" im Jahr 1298 betroffen. 1338 wurden Gumprecht von Windsbach, zwei Söhne von ihm, ein Schwager und ein Schwiegersohn als "Judenbürger" in Nürnberg aufgenommen. Auch Mitte des 15. Jahrhunderts (1456-1458) liest man von Juden in der Stadt. 1456 wird ein Juden aus Windsbach im Urteilsbuch des kaiserlichen Landgerichts in Nürnberg genannt. Um 1500 wird ein nach Windsbach benannter Juden in Regensburg erwähnt. Auch im 16. Jahrhundert und danach lebten jüdische Familien in der Stadt. Markgraf Georg der Fromme duldete 1528 und später entgegen den auf den Landtagen geäußerten Wünschen der Stände den Aufenthalt der Juden in der Stadt. 1529 und 1537 kam es zu weiteren Aufnahmen von Juden in Windsbach. Auch im Dreißigjährigen Krieg erfährt man von Juden in der Stadt (1614).
  
Die neuzeitliche Gemeinde bestand bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Im Landjudenschaftsregister von 1714 werden vier jüdische Familien in der Stadt genannt, 1726 waren es sieben, 1754 13 und 1764 18 jüdische Familien.
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 16 Familien mit zusammen 59 Personen, 1812 70 jüdische Einwohner (7,2 % von insgesamt 973 Einwohnern), 1837 75 (6,3 % von 1.200), 1867 97 (6,4 % von 1.525), 1890 89 (5,7 % von 1.556), 1900 76 (4,8 % von 1.583), 1910 76 (4,6 % von 1.645).  
   
Die jüdischen Einwohner waren im Leben der Stadt über viele Jahrzehnte im Leben der Stadt weitestgehend integriert. Löw Weinschenk war über mehrere Wahlperioden - seit 1887 - Mitglied des Gemeinderates (siehe Bericht unten).   
      
Die jüdische Gemeinde hatte an eigenen Einrichtungen eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden in Georgensgmünd beigesetzt. Für die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. 1895 starb Josef Mayer, der 33 Jahre lang diese Ämter innehatte (vgl. den von ihm geschriebenen Text zum Tod des Beschneiders Jakob Hirsch Weinschenk 1878 s.u.), sein Nachfolger Abraham Hubert war von 1892 bis 1925 Lehrer in Windsbach.        
      
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Adolf Bär (geb. 24.2.1893 in Windsbach, gef. 11.8.1914) und Julius Gutmann (geb. 4.7.1895 in Windsbach, gef. 21.10.1915). Ihre Namen stehen auf der Gedenkstätte für die Gefallenen beider Weltkriege im Park zwischen der Lärchen-, Birken- und Lindenstraße.  
   
Um 1925, als 52 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (3,3 % von insgesamt 1.568 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Abraham Bär, Isidor Holzinger und ein Herr Schweizer. Als Lehrer, Vorbeter und Schochet wirkte weiterhin Abraham Hubert. Er hatte freilich im Schuljahr 1924/25 nur noch ein schulpflichtiges jüdisches Kind in Religion zu unterrichten. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Ansbach. Seit 1929 unterhielt die Windsbacher Gemeinde gemeinsam mit der Gemeinde in Altenmuhr einen Lehrer und Schächter. 1932 waren die Gemeindevorsteher Isidor Holzinger (1. Vors.), Abraham Bär und Sigmund Weinschenk. An Vereinen der Gemeinde wird der Israelitische Frauenverein (Heilige Schwesternschaft) genannt, dessen Arbeitsgebiet die Wohltätigkeit war (Vorsitzende Lina Meier). 1932 gab es acht schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde.  

1933 wurden in Windsbach 42 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen bis Juni 1937 14 die Stadt, weitere 13 bis 1938. Am 19. Oktober 1938 wurden die jüdischen Einwohner von der Stadtverwaltung gezwungen, eine Erklärung zu unterschreiben, dass sie bis zum 1. März 1939 die Stadt verlassen würden. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen Wohnungen in der Nacht zum 10. November von SA-Leuten überfallen. Die jüdischen Bewohner wurden aus den Betten geholt, teilweise halbnackt zur städtischen Turnhalle geschleppt. Die Wohnungen wurden mit ausdrücklicher Billigung des Bürgermeisters völlig verwüstet, das Mobiliar zerschlagen. Bis Ende 1938 verließen alle jüdischen Bewohner die Stadt. Nur eine in "Mischehe" lebende jüdische Frau blieb in der Stadt. In der Nacht auf den 17. November 1941 wurde vor ihrem Haus ein Galgen mit der Aufschrift errichtet: "Für die Jüdin". 
    
Von den in Windsbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Abraham Baer (1867), Emma Baer (1890), Gertrud Baer (1888), Gertrud Baer (1905), Julia Baer geb. Weinschenk (geb. ?), Dr. Julius Baer (1896), Marie (Mary) Baer (1898), Paula Guldmann geb. Weinschenk (1884), Emma Hallheimer geb. Baer (1871), Fanny Holzinger (1913), Isidor Holzinger (1873), Dr. Jakob Holzinger (1878), Jakobine Holzinger geb. Weinschenk (1880), Lina Meier geb. Weinschenk (1880), Ludwig Meier (1881), Ruth Meier (1906 oder 1909), Lina Neumark (1867), Babette Oberndorfer geb. Neumark (1868), Henrietta Oppenheim geb. Holzinger (1876), Rosa Reiss (Reis) geb. Holzinger (1879), Berta Schwager geb. Holzinger (1888), Kaufmann Josef Schweizer (1872), Helene Seligmann (geb. ?), Babette Weinschenk (geb. ?), Berta Weinschenk geb. Weinschenk (geb. ?), Eugenie Weinschenk geb. Weinschenk (1887), Fritz Weinschenk (1900), Hugo Weinschenk (1908), Jakob Löw Weinschenk (1863), Max Weinschenk (1923), Paula Weinschenk geb. Gutmann (1903), Sally Weinschenk (geb. ?), Siegfried Weinschenk (1893), Sigmund Weinschenk (1873), Wolf Ludwig Weinschenk (1872).  
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochet (1892)  

Windsbach Israelit 12051892.jpg (52644 Byte)Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1892: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochet ist in hiesiger israelitischer Kultusgemeinde vom 1. August 1892 an zu besetzten; dieselbe ist mit einem Fixum von 800 Mark, ferner ca. 500 Mark Nebenverdiensten datiert und werden sonstige Bedingungen nach Übereinkunft beschlossen. Reiseentschädigung bei Engagement. Bewerber - nur Deutsche - wollen sich bei dem unterzeichneten Vorstand melden. Windsbach, Bayern, 8. Mai 1892. Wolf Weinschenk."  

    
Zum Tod von Lehrer Josef Mayer (1895)  

Windsbach Israelit 28021895.jpg (45108 Byte)Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1895: "Windsbach. Dahier starb unlängst Josef Mayer, 33 Jahre lang Religionslehrer der Kultusgemeinde Windsbach, im Alter von 69 Jahren. Zu Sickershausen in Unterfranken geboren, war er zuerst in Lehrberg und kam dann hierher; vor 2 Jahren zog er sich ins Privatleben zurück. Stets der streng orthodoxen Richtung angehörend, tat er sich besonders hervor durch seine Mithilfe bei Kranken und bei Sterbefällen. An seinem Sarge widmete ihm Lehrer Hubert im Namen der Gemeinde ehrende Worte des Nachrufs. Möge die Erde ihm leicht sein!"

  
Zum Tod von Lehrer Abraham Hubert (1925)  
Anmerkung: Abraham Hubert war seit 1892 als Lehrer, Vorbeter und Schochet in der Windsbacher Gemeinde tätig.  

Windsbach Israelit 23041925.jpg (109323 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1925: "Windsbach, 10. April (1925). Am Sonntag, den 4. Nissan (= 29. März 1925) wurde der Lehrer unserer Kultusgemeinde, Herr Abraham Hubert - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - zu Grabe getragen. Nicht nur seine Gemeinde hatte sich versammelt, um dem verdienten Führer die letzte Ehre zu erweisen, auch zahlreiche ehemalige Schüler waren von auswärts hergeeilt und das ganze Städtchen mit dem Bürgermeister hat es sich nicht nehmen alssen, dem allbeliebten Manne das letzte Geleite zu geben. Hubert weilte 33 Jahre in unseren Mauern als angesehener Bürger; er versah die Stelle des Lehrers, Kantors und Gemeindebeamten mit vorbildlicher Hingebung. Mit ihm ist eine Stütze der Gemeinde gefallen. Seiner Verdienste gedachte beim Abschied Herr Rabbiner Dr. Brader aus Ansbach; einer seiner ehemaligen Schüler, Herr Rechtsanwalt Dr. Baer aus München sprach ihm den Dank der Gemeinde und der Schüler aus, im Namen des bayerischen jüdischen Lehrervereins sprach Herr Hauptlehrer Strauß aus Uffenheim ehrende Worte des Abschiedes. Und als der Wagen die Stadtgrenze verließ, um den treuen Lehrer und Mitbürger zur dauernden Ruhe in das alte Begräbnis der Gemeinde nach Georgensgmünd zu entführen, warf ihm manches Auge feuchte Abschiedsgrüße zu. Hubert hat sich in den Jahren seiner Tätigkeit in unserem Städtchen viele Freunde erworben, ein ehrendes Gedenken wird ihm gewahrt bleiben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

   
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  

Ein nichtjüdischer Durchreisender sucht die jüdischen Wandelbettelvereine zu betrügen (1901)
     

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1901: "Mitteilungen aus den jüdischen Armenvereinen und für dieselben. 
(Sämtliche jüdische Wanderbettelvereine und Kassen für Durchreisende sind gebeten, uns Mitteilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Tätigkeit machen, zukommen zu lassen.). 
Windsbach
(Bayern), 25. Juni (1901). Der in der letzten Nummer des 'Israelit' von Wassertrüdingen ausgeschriebene Adolf Schäfer aus Bieber bei Gelnhausen war heute an der hiesigen Armenkasse. Ich legte demselben sofort die Nummer des 'Israelit' vor; ich wollte ihm eine Tefillah geben, damit er bete; er erwiderte, es könne es nicht; ich fragte ihn, was wir alle Tage beim Morgengebet anlegen; er wusste nichts davon; er solle mit unseren heiligsten Fast- und Ruhetag nennen; auch dies war ihm fremd. Es ist also festgestellt, dass der Betreffende kein Jude ist. Pass zeigte er nicht vor, wahrscheinlich, weil die Konfession darin bemerkt ist. Er zeigt nur eine Bestätigung auf einem Bogen Papier vor. Als er entlarvt war, war er ganz niedergeschlagen und im Fortgehen wurde von Leuten gehört, wie er sagte: 'Großartig, großartig, es ist wirklich so.' Er trägt graumelierten Vollbart, hat jüdischen Typus, ist von mittlerer Größe, schwarzen Filzhut, Regenschirm, spricht ein sehr schönes, reines Deutsch.  
Der Kassier der israelitischen Armenkasse zu Windsbach, Bezirksamt Ansbach in Bayern."      

  
 Warnung vor einem sich als jüdischer Bettler ausgebenden katholischen Betrüger (1903)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1903: "Windsbach, 30. Juli (1903). An der hiesigen Armenkasse war heute ein Mann in den 50er-Jahren, mit jüdischem Typus, kleiner Gestalt, graumeliertem Vollbärtchen, spricht elsässischen Dialekt, dabei oft jüdische Wörter - besonders das Wort Mizwoh führt er oft im Munde - und verlangte Unterstützung, nachdem er schon in allen jüdischen Häusern als jüdischer Armer gebettelt hatte. Nach dem Paß befragt, sagte er, diesen habe er zur Zeit nicht, er hieße: Jakob Abraham, sei Goldschmied aus Vorweiller im Elsass. Da er auch sonst unglaubhafte Angaben machte, legte ich ihm eine Tefilloh vor und zwar Freitag Abend Schmoneh Esroh und er las: Majim Lechem, Bosor, Jajin. Ich gab ihm keine Unterstützung und mit Hilfe des Handwerkerunterstützungsvereins brachte ich seinen richtigen Namen heraus: Nikolaus Keller, geboren am 2. Februar 1851 zu Urweiler im Elsass; er ist Sattler und Katholik. Im Jahre 1898 hat er an hiesiger Armenkasse unter dem Namen Jakob Abraham Unterstützung erhalten. Armenkassen und Private seien daher auf diesem Wege gewarnt.  
Der Kassierer
der jüdischen Armenkasse zu Windsbach (Mittelfranken)."       

    
    

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Jakob Hirsch Weinschenk ist seit 50 Jahren als Mohel (Beschneider) tätig (1869)         

Windsbach Israelit 04081869a.jpg (36797 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1869: "Windsbach (Mittelfranken). Herr J. H. Weinschenk von hier versieht bereits seit einem halben Jahrhundert mit Sorgfalt und Aufopferungsfreudigkeit das Amt eines Mohel. Als er unlängst eine Beschneidung vollzog, waren es gerade 50 Jahre, von dem Zeitpunkt der ersten durch ihn vollbrachten Beschneidung an gerechnet. Die hiesige israelitische Gemeinde benutzte diese Gelegenheit, dem allverehrten Greise einen schönen, silbernen Pokal mit entsprechender Inschrift zu überreichen. Möge Herr Weinschenk noch lange seines heiligen Amtes warten!"

  
Zum Tod von Jakob Hirsch Weinschenk (1878)    

Windsbach Israelit 01051878.jpg (228789 Byte)Windsbach in Bayern. Der Monat Nissan ist in diesem Jahre für unsere kleine Gemeinde eine Zeit größter Trauer und tiefster Betrübnis geworden. Unserem Haupte ist die Krone entfallen. Gefallen ist die erste Krone. Der ehrenwerte Herr, Herr Jakob Zwi Weinschenk - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - ist im 77. Lebensjahr am Mittwoch, dem 6. Nissan (= 10. April 1878) in ein besseres Jenseits abgerufen worden. Mit Recht können wir die Erklärung von "Und Jakob ging hinaus von Beer Scheba" zur Anwendung bringen. Der Heimgang dieses Gerechten und Frommen lässt eine große, unersetzliche Lücke für seine Familie, für die Gemeinde, ein Gerechter hat verlassen sein Geschlecht, und auch für einen großen Umkreis unserer Gegend zurück.
Der Hingeschiedene, von frühesten Jugend zum Torastudium angehalten, hat bis zu dem Tage, wo schweres Leiden ihn hinderte, mit Liebe und Hingebung dem 'Lernen' obgelegen, und jede freie Stunde sahen wir ihn eifrig beschäftigt. Seine ausgebreiteten Kenntnisse in allen Gebieten waren wahrhaft staunenerregend. Jede Frage fand sofort ihre richtige Antwort. Mit welcher Begeisterung auch die Awoda, der Gottesdienst, von ihm in Ausführung gebracht wurde, lasst sich nicht wiedergeben. 
Selbst in den letzten Tagen, bei oft getrübtem Bewusstsein, vergaß er nicht vor jedem kleinen Genusse die vorgeschriebene Beracha (Segensspruch).  
Das kleine sefer maawar jawuk kam in den Tagen seines langen Krankenlagers nicht von seinem Bette und, selbst zu schwach, musste man ihm die Tefillin anlegen. Seine unwandelbare Frömmigkeit war stets für seine Umgebung ein Vorbild! Was der Selige aber auch für Wohltätigkeit geleistet, das ist genugsam bekannt und findet sich der Name desselben unter den Spendensammlungen in Ihrem geschätzten Blatte gewiss nicht selten. Mehr als 30 Jahre fungierte der Entschlafene als Baal Tefila  (ehrenamtlicher Vorbeter) und als Baal Tokea (Schofarbläser). 
Aber auch als Mohel, welche heilige Funktion der fromme Hingeschiedene 58 Jahre hindurch mit Aufopferung eigener Interessen versah, hat sich derselbe in den weitesten Kreisen verdient gemacht. Nichts konnte ihn abhalten, einem ergangenen Rufe zu einer Beschneidung zu folgen, und selbst Sabbat und Feiertage, die Familie allein zu Hause lassend, eilte er selbst im hohen Alter noch in die entferntesten Orte um dieses Gebot zu erfüllen
Als liebender Familienvater, als ein tätiges und brauchbares Gemeindemitglied, als ein treuer Bürger seiner Stadt wurde ihm auch von allen Seiten die größte Achtung, Ehrerbietung und Liebe entgegengebracht, und zeigte sich dieses sowohl während seiner langen Krankheit als auch bei der am folgenden Tage stattfindenden Beerdigung, indem die Behörden, die Vorstände der Gemeindeverwaltung und viele angesehene Bürger sich dem Leichenzuge anschlossen; sämtlich Gemeindemitglieder jedoch gaben ihrem Leiter und Vorsteher das Geleite bis zur letzten Ruhestätte auf dem 4 Stunden von hier entfernten Friedhof; wie auch Herr Rabbiner Grünbaum aus Ansbach hierher eilte und seinem verewigten Freunde die letzte Ehre erwies. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. J. Mayer, Lehrer."

       
 Wiederwahl von Löw Weinschenk in den Gemeinderat (1896)         

Windsbach Israelit 28121896.jpg (40374 Byte)Windsbach in Mittelfranken, 14. Dezember (1896). Bei der heutigen Gemeindewahl wurde Herr Löw Weinschenk von hier, der dem Gemeindekollegium bereits seit neun Jahren angehörte, durch das Vertrauen seiner Mitbürger wieder gewählt. Es mag besonders hervorgehoben werden, dass Herr Löw Weinschenk die meisten Stimmen vor allen anderen Gewählten erhielt, ein Beweis, welcher Achtung und Beliebtheit sich derselbe bei allen Bürgern erfreut.   

        
Dr. Julius Weinschenk wechselt als Staatsanwalt nach Hof (1912)          

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. Oktober 1912: "Windsbach (Bayern). Dr. Julius Weinschenk ist zum Staatsanwalt ernannt und nach Hof versetzt worden."       

  
Goldene Hochzeit von Jeremias Holzinger und 'Fanny geb. Weinschenk (1916)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1916: "Wie uns aus Windsbach bei Nürnberg gemeldet wird, feierten dort Herr Privatier Jeremias Holzinger und seine Frau Fanny geb. Weinschenk das seltene Fest der goldenen Hochzeit. In der Synagoge fand aus diesem Anlass eine gottesdienstliche Feier statt mit Gesang und einer Ansprache des Herrn Lehrer Hubert."       

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Ob es im Mittelalter eine Synagoge beziehungsweise einen Betsaal gab, ist nicht bekannt. 

Auf Grund der Entwicklung der Zahl der jüdischen Einwohner dürfte vermutlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Betsaal eingerichtet worden sein. Jedenfalls war eine alte Synagoge unbekannten Baujahres in den 1840er-Jahren baufällig geworden und musste wegen auf behördliche Anweisung hin geschlossen werden. Aus diesem Grund erbaute die jüdische Gemeinde Windsbach 1849/50 eine neue Synagoge. Man hatte vor dem Oberen Tor das Grundstück eines Schmieds kaufen können. Es bot auf Grund vorhandenen fließenden Wassers auch die Möglichkeit zur Einrichtung eines rituellen Bades. 
   
Das Bauholz für den Neubau der Synagoge wird kostenlos zur Verfügung gestellt - ein Kiddusch-Becher wird gespendet (1850)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September 1850: "An Vorkommnissen habe ich für diesmal nur beziehungsweise minder Wichtiges zu melden. Die nahe kleine Gemeinde Windsbach bietet dermalen Alles auf, sich ein schönes Gotteshaus herzustellen, zu welchem die königliche Regierung das Bauholz zu einem ermäßigten Preis und das Staatsministerium auf erhobene Bitte die Hälfte des Ankaufspreises gänzlich erlassen hat. Je seltener derlei Erscheinungen bei uns sind, desto mehr verdient Erwähnung, dass der Kaufmann Herr L.W. Schwabacher aus Frankfurt am Main, welcher öfters in Hopfengeschäften nach Windsbach kommen, einen sehr schönen Kiddusch-Bucher mit passender Inschrift in die neue Synagoge gestiftet hat."    

 Die Einweihung der Synagoge (1850)    

Mit einem großen Fest der ganzen Stadt wurde die Synagoge am 11. Oktober 1850 feierlich durch Distriktsrabbiner Dr. Feuchtwang eingeweiht.

Windsbach AZJ 28101850a.jpg (187139 Byte)Zur Einweihung der Synagoge erschien ein Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1850: "Aus Mittelfranken, im Oktober. Die in unserem letzten Berichte erwähnte, geschmackvoll, ohne Überladung ausgestattete Synagoge zu Windsbach wurde am 11. Oktober, als am Vorabend des Namenstags unseres Königs auf eine feierliche Weise eingeweiht. Einen rührenden, für den mit den früheren Lokalverhältnissen Vertrauten doppelt erhebenden Anblick gewährte der lange Zug von Andächtigen von der alten zur neuen Synagoge durch die Straßen der Stadt, voran die Chorsänger unter Musikbegleitung einen Psalm anstimmend, gefolgt von den Trägern der gleichmäßig bekleideten Tora’s unter einem gleichfarbigen Baldachin, dem sich viele Staatsdiener in Uniform, Geistliche, Schullehrer, das Landwehroffizierskorps, der Stadtmagistrat, die Gemeindeangehörigen und Gäste je drei und drei angereiht hatten. Der Einzug in die Synagoge, sowie der dreimalige Umzug mit den Tora’s erfolgte in schönster Ordnung unter entsprechendem Gesang, dessen Einübung und Leitung ein schönes Verdienst des Herrn Lehrers Blank von dort bildet. – Die Krone der Vollendung setzte aber dem Ganzen die Festpredigt des Herrn Distriktrabbiners Dr. Feuchtwang von Oettingen auf, der von der Gemeinde hierzu eingeladen worden war. Es gelang demselben in seinem einstündigen, ganz freien Vortrag über Psalm 2,11, nicht nur seine jüdischen Zuhörer, sondern auch die christlichen wahrhaft zu erbauen und zu erheben. Nicht minder ansprechend war dessen Homilie beim Morgengottesdienst über den ersten Vers des Wochenabschnitts, bei welcher derselben noch unbefangener und klarer zu sprechen schien. Sein anspruchsloses sanftes Auftreten außer der Synagoge hat ihm nicht minder alle Herzen gewonnen. 
Eine rühmliche Erwähnung verdienen noch das Festgedicht von Herrn Landwehrhauptmanns Dr. Schilffahrt und die Tätigkeit des Herrn Stadtschreibers Bickel von dort, der nicht nur die bei solchen Bauunternehmungen eintretenden gemeindlichen Wirren durch seinen Einfluss immer beseitigte, sondern auch die Mühe nicht scheute, den Bau, namentlich aber die innere Einrichtung zu überwachen und zweckmäßig anzuraten. 
Wir vermögen diesen kurzen bericht nicht zu schließen ohne ein ernstes Wort, das aus einem für das Judentum und seine Bekenner warm schlagenden Herzen fließt, an Dr. Feuchtwang öffentlich zu richten:
Windsbach AZJ 28101850b.jpg (181894 Byte)Sie haben sich, Herr Rabbiner, durch ein asketisches Leben, durch eine tüchtige wissenschaftliche Bildung, verbunden mit einem seltenen Rednertalent in kurzer Zeit eine in der heutigen Judenheit seltene Popularität und somit einen breiten Boden segensreichen Wirkens erworben: Sie kennen die Schäden Israels nach beiden Richtungen sattsam; Ihre mit aller Begeisterung vorgetragenen Ansichten und Begriffe vom Gebet und seinen Erfordernissen können Sie in ihren Konsequenzen nicht nur nicht zum Gegner einer Kultusreform, sie müssen Sie zum eifrigsten Beförderer derselben machen; Sie stehen mit Ihren Ideen und Grundsätzen trotz Ihrem festen Anschließen an alle hergebrachten Bräuche und Übungen mitten in den Strömungen der Neuzeit! Erwehren Sie sich ihrer nicht! Sie sind der Mann, der in den Riss sich zu stellen und die Gegensätze in der heutigen Judenheit innerhalb eines großen Kreises zu vermitteln vermag, wenn Sie nicht untätig zuschauen und im Gehen lassen Heil suchen, sondern kräftig eingreifend helfen zur Schaffung neuer Institutionen und zur zeitgemäßen Belebung der veralteten, welchen die schönsten Vorträge außerdem nicht aufhelfen können, da sie selbst in der Herzen ihrer steifsten Anhänger keine Wärme, keinen fruchtbringenden Boden vorfinden.  
Noch kennen Sie das Leben, seine mächtigen Anforderungen und seine Übermacht über alle Lehre. Entziehen Sie sich ihm nicht; es kommt wahrlich weder in Büchern, noch in jener Klasse von Menschen zu Ihnen, die sich den berechtigsten Anforderungen entgegenzustemmen und den Riss täglich nur unheilbarer machen. Geben Sie sich ihnen nicht gefangen; es erwächst kein Segen daraus; hüten Sie sich vor Übertreibungen und vor dem Rückfall in das Gebaren unserer früheren Eiferer und ihren Missgriffen. 
Sie halten mir, Herr Rabbiner, diese freimütigen Worte zugute; Ihr frommer Sinn, Ihre Anspruchslosigkeit bürgen mir dafür. Auch andere werden mir darob nicht zürnen; ist es doch gleich, aus wessen Mund das Wort der Wahrheit kommt, so es nur redlich gemeint und in Ehren gesprochen ist.  K.

Ein Jahr nach der Einweihung 1851 erschien ein kurzer weiterer Bericht aus Windsbach in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" (Ausgabe vom 10. November 1851), in dem die Gemeinde gelobt wird für ihre Spendenfreudigkeit und ihre Einhaltung der Synagogenordnung.

Windsbach AZJ 10111851.jpg (54987 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. November 1851: "In der kleinen Gemeinde Windsbach ward voriges Jahr eine neue Synagoge eingeweiht und die dortigen Gemeindeglieder wetteifern seitdem nicht nur in der Stiftung angemessener Bekleidungen der Tora's, der heiligen Lade etc., sondern was noch mehr ist, man hält dort auf die strikte Durchführung der Synagogenordnung für Mittelfranken, und verdient bei so vielen Hindernissen der große Eifer des neuen Vorstehers, Herr Nußbaum's, eine öffentliche Anerkennung. Möchte er sich ferner nicht beirren lassen.
Drei Jahre nach der Synagogeneinweihung erhielt das Gotteshaus hohen Besuch durch den Regierungspräsidenten von Mittelfranken, der sich aus eigener Anschauung davon überzeugen wollte, dass sie die Verhältnisse um die Synagoge in Windsbach gegenüber dem Zustand weniger Jahre zuvor gebessert haben. Die "Allgemeine Zeitung des Judentums" berichtete am 27. Juni 1853:
Windsbach AZJ 27061853.jpg (46201 Byte)"Seine Exzellenz der Regierungspräsident von Mittelfranken, Herr von Bolz, unterlässt bei seinen Visitationsreisen es nicht, auch die israelitischen Institutionen seiner Einsichtnahme zu unterziehen. So neulich bei seinem Besuche in Windsbach, wo er sich durch den Besuch des Gottesdienstes in der neuen Synagoge sehr befriedigt geäußert hat. Ein früherer Präsident (Herr von Andrian) hatte dort einmal nach Einsichtnahme der verfallenen Synagogen, der damaligen Pfütze, Mikwe genannt, usw. gesagt: 'Ihr Juden habt halt nichts Schönes!'"

Im Synagogengebäude befanden sich neben der schon genannten Mikwe auch die Schulräume.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung mit den Ritualien und die Fenster der Synagoge von SA-Leuten zerschlagen. Das Gebäude blieb jedoch erhalten und wurde nach 1945 unterschiedlich genutzt. 1947 fand vor dem Landgericht Ansbach ein Prozess gegen 27 am Pogrom vom November 1938 in Windsbach beteiligte statt. 19 von ihnen erhielten Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu drei Jahren. Acht wurden freigesprochen.
  
Derzeitige Nutzung: Seit einigen Jahren befinden sich im ehemaligen Synagogengebäude Zahnarztpraxen. Eine Hinweis- oder Gedenktafel ist nicht angebracht. 
  
  
Adresse/Standort der SynagogeHeinrich-Brandt-Straße 2 (vor dem Oberen Stadttor) - frühere Anschrift: Hauptstraße   
     
     

Fotos   

Die ehemalige Synagoge im Juli 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 10.07.2007)
Windsbach Synagoge 161.jpg (74456 Byte) Windsbach Synagoge 160.jpg (86530 Byte)
   Die ehemalige Synagoge links vor 
dem Oberen Stadttor
Blick auf die ehemalige Synagoge 
vom Treppenaufgang zum Stadttor

     
      

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Windsbach mit Seite zur ehemaligen Synagoge 
Namen der jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf der Liste des Hauses der Bayerischen Geschichte  

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 908-909.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 240-241.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 189.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 303-305.   
Karl Dunz: Die Windsbacher Juden. 
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Windsbach S. 736-756.

   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Windsbach  Middle Franconia. A Jewish settlement is known from the 14th century and Jews lived there in small numbers until the late 17th century under periodic expulsions and letters of protextion. The early 18th century  community was subjected to numerous restrictions (including a ban on music during weddings) and attained a peak population of 97 in 1867 (total 1.525). Most were active in the cattle trade. A new synagogue was built in 1849. In 1933 the Jewish population was 42. Twenty remained in November 1938, when local SA troops vandalized Jewish homes and the synagogue during Kristallnacht (9-10 November 1938). All but one left the town by 17 December.    
           

   

                   
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Stand: 07. Dezember 2012