Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Windesheim (VG Langenlonsheim, Kreis Bad Kreuznach) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Ausschreibung der Stelle eines Vorbeters für Jom Kippur (1886)   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen                
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde            
    
In Windesheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42.   
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 14 jüdische Einwohner, 1843 32, 1858 35, 1888 und 1895 je 38. Die in Windesheim bekannten jüdischen Familiennamen waren Müller, Abraham, Ermann, Scholem, Wolf, Mayer und Mattes.

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule, möglicherweise ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war möglicherweise eine Zeitlang ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (eventuell in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts; Nachweise sind noch nicht vorhanden).   
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der Gemeinde: Adolf Müller (geb. 9.3.1888 in Windesheim, gef. 2.4.1917 im Hindenburggraben vor Verdun), Gefreiter Emil Müller (geb. 15.11.1897 in Windesheim, gest. 29.11.1918) und Friedrich Müller (geb. 1.6.1899 in Windesheim, gest. 6.11.1918). 
Anmerkung: die Eltern der gefallenen Brüder Emil und Friedrich Müller sind die in der NS-Zeit ermordeten Otto Müller und Dina Müller geb. Stern. 
 
1925 wurden noch 32 jüdische Einwohner gezählt.  
  
1933 lebten noch etwa 30 jüdische Personen am Ort. Nach 1935 waren es noch die Familien von Kaufmann Josef Liffmann, Metzger Heinrich Müller, Otto Müller, Händler Siegmund Müller, Ferdinand Wolf, Witwe von Fritz Wolf (Anna geb. Schumacher) und die Witwe von Johann Wolf.
Mehrere der Familien sind auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Zwischen 1934 und 1939 wurden zehn Wohn- und Geschäftshäuser von jüdischen Besitzern an nichtjüdische Personen verkauft. 
Die letzten jüdischen Einwohner wurden 1942 deportiert.   
   
Von den in Windesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Walter Aron (1894), Johanna Liffmann geb. Müller (1894), Josef Liffmann (1885), Gertrud Metzler geb. Kann (1888), Bertha Müller geb. Michel (1868), Dina Müller geb. Stern (1870), Friedrich Julius Müller (1925), Heinrich Müller (1889), Johanna Müller (1894), Johanna Müller geb. Bodenheimer (1902), Klara Müller geb. Willstädter (1897), Ludwig Müller (1887), Otto Müller (1866), Ruth Müller (1929), Toni Müller (), Louise (Luise) Stiebel geb. Müller (1875), David Strauss (1879), Julie Weidenbaum geb. Müller (1896), Leopold Weidenbaum (1888), Ferdinand Wolf (1862), Julius Wolf (1894), Wilhelmine Wolf geb. Müller (1866).       
   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter 
Ausschreibung der Stelle eines Vorbeters für Jom Kippur (1886)
   

Windesheim Israelit 16091886.jpg (28009 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1886: "Die hiesige Gemeinde sucht einen Vorbeter für den Versöhnungstag und wollen sich Interessenten wegen Ansprüche betr. Honorar an mich wenden. Windesheim, bei Kreuznach. 
Der Vorstand Jacob Abraham."   

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorsteher Jakob A. Abraham (1908)  

Windesheim Nahe Isrelit 16071908.jpg (81302 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1908: "Windesheim (Nahe). am 4. Juli ist Herr Jakob A. Abraham im Alter von 74 Jahren verschieden. Von der großen Beliebtheit, deren sich der Verblichene erfreute, zeugt die allgemeine Beteiligung an dem Leichen-Begängnisse. Herr Rabbiner Dr. Neuwirth - Bingen schilderte anknüpfend an den Vers im Wochenabschnitte (hebräisch und deutsch:) 'Da sah die ganze Gemeinde, dass Aharon verschieden war und das ganze Haus Israels weinte um Aharon dreißig Tage' in ergreifenden Worten, die Charaktereigenschaften, die den Verblichenen auszeichneten. Es mag nicht unerwähnt bleiben, dass der katholische Ortsgeistliche an dem Leichenbegängnisse teilnahm und während der Krankheit Herrn Abraham wiederholt besuchte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Juli 1908 "Windesheim an der Nahe. Am Schabbos, den 4. Juli ist unser langjähriger Vorsteher Herr Jacob Abraham im Alter von 74 Jahren verschieden. Am Grabe schilderte Herr Rabbiner Dr. Neuwirth - Bingen in ergreifender Weise die edlen Eigenschaften, welche den Verblichenen auszeichneten."    

    
    
  
  
Zur Geschichte der Synagoge    
           
     
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde eine Synagoge in der Waldhilbersheimer Straße erbaut. Sie hatte ein für den Ort durchaus repräsentatives Aussehen mit den beiden hohen Rundbogenfenstern und dem Okulus im Giebel an der straßenseitigen Nordfassade.   
   
Seit 1918 wurde die Synagoge in Windesheim auch von den jüdischen Gemeindemitgliedern aus Waldlaubersheim mitbenutzt.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet. Danach musste das Gebäude von der jüdischen Gemeinde zwangsverkauft werden. Der Bevollmächtigte der jüdischen Gemeinde, der Kaufmann Josef Liffmann, verkaufte das Gebäude am 29. November 1938 für 2.100,00 RM an einen nichtjüdischen Privatmann. 
  
Im Sommer 1982 gab es Bemühungen, die ehemalige Synagoge als Baudenkmal zu schützen. Als (leider kein) schlechter Witz liest sich die Anmerkung in der Dokumentation des Landesamtes, dass im Herbst 1982 die Synagoge "beim Versuch von Renovierungsarbeiten wegen Baufälligkeit" abgebrochen wurde.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge    Waldhilbesheimer Straße 18    
    
    
Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 387)    

Windesheim Synagoge 120.jpg (66643 Byte) Windesheim Synagoge 121.jpg (77086 Byte) Windesheim Synagoge 122.jpg (81064 Byte)
Die ehemalige Synagoge in Windesheim wenige Monate vor ihrem Abbruch. Links ist die Straßenseite mit den hohen Rundbogenfenstern 
und dem Okulus im Giebel zu sehen; in der Mitte eine Innenaufnahme mit den Resten der Frauenempore; rechts die Traufseite 
mit dem Eingang. 
      

     
      
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Windesheim    

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Windesheim (interner Link)     

Literatur:  

Dokumentation Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung. Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach Band 28. 1995 S. 521-532.   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 387-388 (mit weiteren Literaturangaben).  

  
n.e.           

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 16. Februar 2014