Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bretzenheim (Nahe) (VG Langenlonsheim, Kreis Bad Kreuznach) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In Bretzenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1900. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 
  
Bereits im 16./17. Jahrhundert waren einzelne Juden am Ort. 1537 wird Jud Salomon genannt, der den ehemaligen "Falkensteiner Hof" (in der früheren Nahegasse, heute Große Straße Nr. 31 an der Einmündung Winkel / Große Straße) gepachtet hatte und dort vermutlich Weinhandel betrieb. Auch in den Listen von 1550 und 1555/56 über die im Bereich der Kurpfalz ansässigen Juden wird Salomon von Berzenum (=Bretzenheim) genannt. Seit 1665 werden in den Amtsrechnungen der gräflich-velen'schen Verwaltung wiederum Juden beziehungsweise jüdische Familien genannt. Demnach gab es 1665 drei jüdische Haushaltungen, 1669 zwei, 1675 eine, 1680 zwei, 1709 drei, 1720 vier und 1730 sieben Haushaltungen. Namentlich erfährt man u.a. von der Jüdin Hanna in Bretzenheim, die nach einem Überfall von Soldaten auf Bretzenheim im Oktober 1675 ausgeraubt wurde. Der Verlust von umfangreicher "Krämerware" lässt schließen, dass sie einen Krämerladen am Ort betrieben hat. 1698 wird Jud Abraham, 1700 zusätzlich Jud Eysick (Isaak) genannt.     
   
Im 18. Jahrhundert nimmt die Bedeutung der jüdischen Familien am Ort zu. In Geldgeschäften, im Vieh- und Warenhandel spielten die jüdischen Einwohner inzwischen eine bedeutende Rolle. 1733 werden die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt: Moyses, Davidt, Hertz, Löser, Mayer und Seeligmann. In den folgenden Jahren sind mehrere jüdische Familien aus anderen Orten zugezogen. 1795 gab es in Bretzenheim neun jüdische Familien mit zusammen 49 Personen: Löw Isaac mit Frau und vier Kindern, Majer Löser mit Frau und drei Kindern, Feist Henz mit Frau und vier Kindern, Joseph Abraham mit Frau, vier Kindern und einem Gesinde, Majer Moses (verwitwet) mit fünf Kindern, David mit Frau, Affron Raphael mit Frau und fünf Kindern, Seeligmann Moses mit Frau und einem Kind. Damals machten die jüdischen Einwohner 8,33 % der Gesamteinwohnerschaft von Bretzenheim aus.     
     
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 etwa 40 jüdische Einwohner, 1843 41 (4,44 % von insgesamt 922 Einwohnern), 1858 22 (2,36 % von 931), 1895 15 (1,64 % von 911).
  
1808 nahmen die jüdischen Einwohner feste Familiennamen an. Die Familiennamen waren Hirsch, Lui, Maier, Mühlstein, Scheier, Stern, Laub und Blum. Die jüdischen Familien lebten schon damals mitten im Ortsbereich zwischen den anderen jüdischen und christlichen Familien. 
 
1853 werden die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände genannt: Moses Löb (Fruchtmakler), Abraham Schweig (Wein- und Fruchthandel), Heinrich Schweigs Ehefrau (Metzgerei), Emrich Schweig (Metzgerei). Die jüdischen Familien waren im Ortsleben weitestgehend integriert. Sie partizipierten selbstverständlich am allgemeinen Vereinsleben. Zwischen 1848 und 1875 waren mindestens fünf jüdische Männer für jeweils sechs Jahre in der örtlichen Feuerlöschmannschaft. Als sich 1900 aus dieser die Freiwillige Feuerwehr Bretzenheim gründete, war Moritz Schweig der erste Kommandant.    

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof.  
  
1895 schlossen sich die in Bretzenheim noch lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Langenlonsheim an.   
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde der Gefreite Otto Schweig (geb. 19. Oktober 1892 in Bretzenheim, gef. 24. Oktober 1918).   
 
1925 wurden nur noch fünf jüdische Einwohner gezählt. Seit 1935 lebte nur
Hedwig Graf geb. Schweig in Bretzenheim, die mit Heinrich Graf (evangelisch) verheiratet war und in der NS-Zeit unbehelligt am Ort überleben konnte. 
  
  
Von den in Bretzenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): es werden in den beiden Listen keine Personen aus Bretzenheim (Nahe) genannt.       
       
     
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Bretzenheim gefunden.   

 

   
Zur Geschichte der Synagoge

1774 wird eine "Judenschule", d.h. eine Synagoge beziehungsweise ein Betsaal genannt, der sich vermutlich in der Großen Straße, im Bereich der heutigen Anwesen 4 und 6 befand. Der Betraum wurde spätestens um 1895 aufgegeben, als sich die jüdische Gemeinde in Bretzenheim mit Langenlonsheim und Laubenheim zusammengeschlossen hat.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge      vermutlich im Bereich Große Straße 4/6      

Fotos  

Außer zum Friedhof sind noch keine Fotos oder Darstellungen zu jüdischen Geschichte in Bretzenheim vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. Einige Abbildungen gibt es - u.a. aus der Familie Schweig - gibt es im Beitrag von Hans Schneider s.Lit.  
     

     
     
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Bretzenheim      
Website der VG Langenlonsheim 

Literatur:  

Dokumentation Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung. Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach Band 28. 1995. S. 129-146. 
Hans Schneider: Die Geschichte der Juden von Bretzenheim an der Nahe. In: Sachor - Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz Heft Nr. 19 - 2/2000 S. 32-49.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 127 (mit weiteren Literaturangaben).
     

n.e.

              

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. November 2010