Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Baumholder (Kreis Birkenfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Baumholder bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 18 jüdische Einwohner (darunter sechs erwachsene Männer), 1837 25, 1871 42, 1905 37.  

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Hoppstädten beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet angestellt war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten von 1855 und 1885). Die Gemeinde gehörte zum Landrabbinat Birkenfeld mit Sitz in Hoppstädten
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Hubert Vooß (geb. 6.1.1896 in Baumholder, vermisst seit 12.1.1915).  
        
Um 1924, als zur Gemeinde noch 28 Personen gehörten (1,5 % von insgesamt etwa 1.900 Einwohnern), war Gemeindevorsteher L. Oppenheimer.  An Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien gab es insbesondere die Metzgerei Oppenheimer, die Manufaktur Oppenheimer, zwei jüdische Viehhändler, ein Eisenwarengeschäft und ein Hutgeschäft.  

Nach 1933
ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: etwa 27 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Elf konnten in die USA emigrieren. Mehrere verstarben noch am Ort. Im Juli 1939 wurde kein jüdischer Einwohner mehr in der Stadt gezählt.  

Von den in Baumholder geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; überarbeitet und ergänzt durch Reiner Schmitt): Ella Bukofzer geb. Vooß (1890), Emanuel Culmann (1888), Gustav Culmann (1885), Karl Culmann (1880), Amalie (Malchen) Leib (1872), Elise Leib geb. Sender (1874), Leopold Leib (1870), Rosa Loeb (1870), Jacob Loeser (1878) und Melanie Loeser geb. Waldbott (1876) mit ihren Kindern Erna Loeser (1906), Hedwig (), Johanna (), Melanie (), Paul Ludwig (), Arthur Oppenheimer (1900), Juliane Oppenheimer geb. Levy (1869),  Alfred Vooß (1892), Helga Vooß (1925), Moses Vooß (1863), Paula Vooß (1883).   
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1855 / 1885

Baumholder Israelit 27081855.jpg (56889 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1855: "Baumholder, 6. August 1855. Die israelitische Gemeinde dahier wünscht einen Lehrer zu engagieren, der zugleich das Vorbeter- und Schächteramt zu versehen hat. Derselbe muss dem Elementarunterricht vollständig gewachsen sein, sowie der Übersetzung aus dem Hebräischen ins reinste Deutsch. Gehalt 60 Thaler und freie Station nebst Ossualien. Lediger Stand und gute Atteste sind unerlässlich. Darauf Reflektierende wollen sich sofort in portofreien Briefen direkt an mich wenden, und können nach Abschluss des Kontrakts sogleich eintreten. 
Em. Culmann Sohn."     
   
Baumholder Israelit 16071885.jpg (48066 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1885: "Die hiesige Stelle als Chasan (Vorbeter), Schochet und Baal Kore (Toraleser) ist vakant. Talmudische, musikalische und elementare Schulkenntnisse nicht erforderlich, eventuell Religionsunterricht extra honoriert. Gehalt 200 Mark und freue Station mit Wandeltisch in 5 Familien. Reflektanten belieben sich schriftlich an den Unterzeichneten unter Angabe näherer Verhältnisse zu wenden. 
Baumholder, 12. Juli 1885. Em. Culmann".  

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Über die jüdischen Gemeinden in Baumholder und Umgebung (1841)

Baumholder IsrAnnalen 26031841.jpg (225097 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Israelitische Annalen" vom 26. März 1841: "Rheinpreußen. - Hier noch einige Ergänzungen zu den schon gegebenen Notizen über die diesseitigen Gemeinden.  
1) Im Kreise (St.) Wendel wohnen etwa 500 Seelen, verteilt auf die Gemeinden: Baumholder, Weierbach, Grumbach, Offenbach, Hochweiler und andere. Mehrere standen früher unter den Rheingrafen zum Stein, welche in Grumbach ihren Sitz hatten. Ein Schutzbrief vom Jahre 1756 zeigt, dass man damals 15 Gulden Schutzgeld zahlte, und mit Handschlag an Eidesstatt geloben musste, sich ehrbar zu halten und den christlichen Bewohnern an Feiertagen nicht durch Erwerbsbetrieb ein Ärgernis zu geben. In geistlicher Beziehung wendeten sich die Juden gewöhnlich an den Rabbiner zu Kreuznach. Zur Zeit der französischen Okkupation kamen sie unter das Konsistorium zu Trier. 1815 wurden sie durch die neue Regierung von diesem wieder getrennt und schlossen sich dem Rabbinat zu Godenbach (??) an. Seit dem Eintritt der preußischen Regierung gehören sie wieder zu Trier, von wo aus jedoch nichts für sie getan wurde, indem der Rabbiner ohnehin untätig, sich um dieser entfernte Provinz gar nicht bekümmerte. Daher haben die zu Offenbach schon seit 1836 um die Erlaubnis nachgesucht, einen eigenen Rabbiner anzustellen. Bis jetzt ist aber diese Sache noch nicht erledigt. Inzwischen fehlt es hier keineswegs an Männern, die sich ernstlich bemühen, die traurigen Zustände zu verbessern, insbesondere erwirbt sich der Lehrer, Herr Benjamin Felsenthal, welcher der seit mehreren Jahren zu Offenbach errichteten Elementar- und Religionsschule mit vorzüglichem Eifer vorsteht, große Verdienst um die künftige Generation. Die dortige Gemeinde zählt 21 Familien.  Aber auch die zu Hochweiler hat seit mehreren Jahren für Unterricht gesorgt, obwohl die Schule noch nicht gesetzlich festgestellt ist und einer bessern Einrichtung entgegensieht. Die übrigen Gemeinden sind im Religionsunterricht noch schlecht versorgt. - Hie und da betreiben einzelne bereits Ackerbau. Ich habe einen Vorsänger gesprochen, der seinen Acker selbst bestellt. Hoffentlich wird das mit der Zeit noch allgemeiner. Handwerker findet man selten. - Übrigens sind alle Beamten in dieser Gegend von lebhaftem Eifer beseelt, das Beste dieser Gemeinden wahrzunehmen, und unterstützen alle guten Anregungen mit edler Humanität. Die Aussicht auf eine bessere Stellung derselben abseiten der Gesetzgebung findet dort überall freundliche Teilnahme."      

 
Zwei jüdische Einwohner werden zu Stadträten gewählt (1847)

Baumholder Israelit19Jh 14031847.jpg (30006 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Israelitische Annalen" vom 14. März 1847: "In Baumholder, zum Regierungsbezirke Trier gehörend, das nur vier jüdische Familien zählt, sind zwei Juden, Vater und Sohn, zu Stadträten erwählt worden. So sind nun in den meisten von Juden bewohnten Städten der Rheinprovinz Juden Stadtrats-Mitglieder. Das ist die Wirkung der französischen Gesetzgebung!"    

    
    
Berichte über einzelne Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zur Beisetzung von Emanuel Culmann (1888)

Baumholder AZJ 26041888.jpg (211384 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. April 1888: "Bonn, 22. April (Notizen). Man schreibt uns aus Baumholder, den 8. April. Heute wurde hier die sterbliche Hülle des in Gott entschlafenen Herrn Emanuel Culmann zur letzten Ruhe geleitet. Die Leichenfeierlichkeit gestaltete sich zu einer imposanten 'Kundgebung, welche Zeugnis von der großen Verehrung und Hochachtung ablegte', dessen sich der Entschlafene erfreute. Die gesamte Einwohnerschaft der Stadt. die katholische und protestantische Geistlichkeit, der Bürgermeister und sämtliche Beamte beteiligten sich an derselben. Der Entschlafene, der sich einer angesehenen sozialen Stellung erfreute, hatte ein reiches Wissen auf religiösem und literarischem Gebiete, war ein Kenner und Förderer der jüdischen Literatur und beteilte sich lebhaft in Wort und Schrift an dem Kampfe für die Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen in Preußen. In seinen Geschäften äußerst rechtlich und gerade, unabhängig und freimütig, konnte er durch sein eigenes Beispiel am wirksamsten für das gekränkte Recht tätig sein. Dabei hatte er die Gabe, gut und populär zu reden und zu schreiben, denn schon vor mehr als 60 Jahren, als das Bildungsbedürfnis noch nicht so allgemein war, besuchte er die Realschule in Trier und arbeitete durch ununterbrochenes Selbststudium bis in das höchste Alter an seiner eigenen Vervollkommnung. Er förderte die religiösen Interessen der jüdischen Gemeinde durch den Neubau der Synagoge, der hauptsächlich durch seine opferfreudige Bemühung zustande kam. Am 5. April ist er nun wohlvorbereitet und nach langen, in Geduld ertragenen Leiden im Alter von 74 1/2 Jahren sanft entschlafen. Bei der am 8. dieses Monats stattgefundenen Beerdigung hielt vor Abgang nach dem ein und eine halbe Stunde entfernten Friedhof vor dem Hause des Entschlafenen der Neffe des Verstorbenen, Herr Dr. Blumenstein, Rabbiner in Luxemburg, die Leichenrede. Anknüpfend an die Psalmenworte: 'Schön warst Du vor Menschenkindern, Huld war ausgegossen über Deine Lippen, darum hat Dich Gott ewiglich gesegnet,' entwickelte der Redner ein interessantes Lebens- und Charakterbild, in welchem er die Befähigung und das Wirken des Entschlafenen in beredten Worten schilderte. Während der Rede und der ganzen Feierlichkeit herrschte unter der nach Hunderten zählenden Menge, die auch den Leichenzug auf eine große Strecke Weges begleitete, eine feierliche Stille. Der Verstorbene hat letztwillig verschiedene Anstalten, wie der Allianz in Paris, dem Paderborner Waisenhause und dem Lehrerseminar in Münster, Legate vermacht und seine Kinder ermahnt, unserer heiligen Religion und den Anordnungen unserer großen Religionslehrer immer treu zu bleiben."         

    
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige von Metzger Moses Oppenheimer (1887)   

Baumholder AZJ 10021887.jpg (31394 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1887: "Den verehrlichen Glaubensgenossen empfehle mich in der Fabrikation und Zusendung aller Sorgen feinerer Wurst- und Fleischwaren zu mäßigen Preisen. 
Moses Oppenheimer, Metzger. Baumholder (Rheinprovinz)."    

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge        
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. 
   
Eine Synagoge wurde unter dem Gemeindevorstand Emanuel Culmann erbaut (siehe Bericht zu seinem Tod oben). Das genaue Baujahr ist nicht bekannt. Um 1850 lässt sich die Synagoge nachweisen. 1913 wurde ein Zuschuss zur Renovierung der Synagoge beantragt. 
  
Auf Grund der zurückgegangenen Zahl der jüdischen Gemeindeglieder konnten vermutlich in den 1920er-Jahren keine regelmäßigen Gottesdienste mehr abgehalten werden. Die noch in Baumholder lebenden jüdischen Personen besuchten die Gottesdienste in Hoppstädten.   
   
Schon vor 1933 wurde die Synagoge aufgegeben. Sie war in einen immer baufälligeren Zustand geraten.   
  
  
 
Adresse/Standort der Synagoge:     Dielgarten   
   
   

Fotos      

Fotos und Darstellungen zur jüdischen Geschichte in Baumholder liegen noch nicht vor; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.  
     

    
    

Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Baumholder   

Literatur:  

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 98 (mit weiteren Literaturangaben).  
Axel Redmer: Staatenlos und vogelfrei. Widerstand, Verweigerung und Verfolgung von Menschen aus dem Bereich der oberen Nahe 1933 bis 1945. 1. Teil. Die Ausgebürgerten. 132 S. Birkenfeld 1993.    
Reiner Schmitt: Gedenkbuch - Die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung aus den Orten des Birkenfelder Landes 1933-1945 (Abentheuer, Baumholder, Birkenfeld, Bosen, Gonnesweiler, Grumbach, Hoppstädten, Hottenbach, Idar-Oberstein, Nahbollenbach, Niedereisenbach, Oberreidenbach, Offenbach, Rhaunen, Ruthweiler, Sensweiler, Sien, Sötern, Stipshausen, Thallichtenberg, Weierbach). 332 S. 2011. 
Hinweis: der genannte Beitrag von Reiner Schmitt ist in der Stadtbibliothek Trier und im Landeshauptarchiv Koblenz zugänglich. Er ist nicht im Druck erschienen. Über Fernleihe kann die Publikation aus der Stadtbibliothek Trier ausgeliehen werden.   

        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Baumholder  Rhineland. Fourteen Jews lived in Baumholder at the start of the 19th century; 27 in 1843; and 46 (total 585) in 1895. In 1932, the Jewish population was 33. The community maintained a synagogue and a cemetery (opened in the late 19th century). By June 1939, there were no Jews in the village. Eleven emigrated to the Americas, a few died, and the rest moved to other places in Germany. The cemetery was desecrated in the Nazi period and again in 1950. 
                 

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 08. Dezember 2012