Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Klingenberg (Kreis Miltenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
   
In der ehemals kurmainzischen Stadt Klingenberg am Main lebten Juden bereits im Mittelalter. Die Stadt wird 1298 genannt in einer Liste der Orte, in denen bei der sogenannten "Rindfleisch-Verfolgung" Juden verfolgt wurden. Auch im 15. Jahrhundert werden Juden genannt, 1429 im Zusammenhang mit der Eintreibung der königlichen Judensteuer. 1461 war ein Jude aus Klingenberg eines Mordes beschuldigt worden. Zwei Miltenberger Juden waren 1465 gemeinsam Zeugen der Urfehde eines Juden von Rückingen gegenüber Graf Philipp von Hanau, dem damals die Stadt Klingenberg als Lehen gehörte.
  
Im 17./18. Jahrhundert lebten gleichfalls Juden in der Stadt: 1671 und 1700 wurden in Klingenberg sogenannte Judenlandtage abgehalten. 1789 wurden drei jüdische Familien in der Stadt gezählt. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1803 5 jüdische Familien, 1814/15 23 jüdische Einwohner (3,0 % von insgesamt 766 Einwohnern), 1837 30 (3,0 % von 1.000 Einwohnern), 1867 22 (2,6 % von 861), 1880 33 (3,6 % von 918), 1900 26 (2,0 % von 1.328). 
   
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Klingenberg auf insgesamt sechs Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorsteher genannt: Salomon Herz Herzberg (Viehhandel), Herz Salomon Herzberg (Viehhandel), Salomon Maier Fried (Schacherhandel), Emanuel Maier Fried (Ellwaren), Witwe von Isaac Maier Fried (Ellenwaren), Joseph Lindheimer (Handel mit Ausschnittwaren, seit 1821).     
     
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) und eine Religionsschule. Ob ein rituelles Bad vorhanden war, ist nicht bekannt. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Reistenhausen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Um 1900 bestand ein "Schulsprengel" der jüdischen Gemeinden in Klingenberg, Wörth und Hofstetten, die sich gemeinsam um die Anstellung eines Lehrers bemühten (siehe Ausschreibung unten von 1903/04). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Aschaffenburg
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Berthold Fried (geb. 18.10.1890 in Klingenberg, vor 1914 in Aschaffenburg wohnhaft, gef. 11.8.1914). Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege auf dem Friedhof der Stadt in der Wilhelmstraße (oberhalb des Haupteinganges). Nach der Liste der jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges sind aus Klingenberg (hier stationiert?) außerdem gefallen: Julius Berliner (geb. 20.2.1895 in Wörth, gef. 29.4.1916), Siegfried Frankenthal (geb. 23.11.1887 in Altenlotheim, gef. 30.11.1916), Vizefeldwebel Simon Steinhäuser (geb. 20.6.1894 in Oberlauringen, gef. 13.8.1918).       
     
1925, als 15 jüdische Einwohner gezählt wurden (0,9 % von insgesamt 1.593 Einwohnern), war Gemeindevorsteher H. Frank.     
     
1933 wurden 18 jüdische Einwohner gezählt (1,1 % von 1.605 Einwohnern). Auf Grund der Folgen der wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sind bis zum Mai 1939 10 von ihnen aus Klingenberg verzogen, die übrigen folgten bis Anfang Dezember 1939 nach. Drei der jüdischen Einwohner waren nach England emigriert, drei in die USA, einer nach Palästina; acht waren nach Frankfurt, einer nach Wiesbaden verzogen. Beim Novemberpogrom 1938 waren der Betsaal verwüstet (s.u.), die Wohnungen der drei noch in der Stadt befindlichen jüdischen Familien Fried, Frank und Lindheimer verwüstet worden. Die letzten drei jüdischen Einwohner Klingenbergs zogen am 12. Dezember 1939 in das Altersheim der Gemeinde Regensburg, von wo aus sie am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Die jüdische Gemeinde Klingenberg hatte sich im Laufe des Jahres 1939 aufgelöst. 
  
Von den in Klingenberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Heinrich Frank (1863), Ida Fried geb. Fried (1881), Semy (Samy) Fried (1876), Willi Fried (1879), Anna Lindheimer (1903), Arthur Lindheimer (1869), Josef Lindheimer (1859), Ernst Mischliburski (1925), Gerdi Mischliburski geb. Lindheimer (1902), Lore Mischliburski (1930), Ruth Mischliburski (1924), Rosalie (Rosa) Reis geb. Fried (1878), Lina Straus geb. Lindheimer (1873).   
     
     
     
 
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochets 1903 / 1904 / 1909   

Klingenberg Israelit 19101903.jpg (67833 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1903: "Die vakant gewordene Stelle eines Vorbeters, Religionslehrers und Schochets für den Schulsprengel Klingenberg a. Main - Wörth - Hofstetten ist neu zu besetzen. Seither betrug das Einkommen Mark 1300 - 1400. Seminaristisch gebildete Reflektanten, die eigenen Hausstand führen, mögen sich mit Einlegen von Zeugnissen wenden an 
M. Fried, Kultusvorstand, Klingenberg am Main."  
   
Klingenberg FrfIsrFambl 06111903.jpg (10556 Byte) Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. November 1903: "Klingenberg am Main. Lehrer, Vorbeter und Schächter. Einkommen 1300 - 1400 Mark." 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1904: "Religionslehrer
Für den Religionsschulsprengel Klingenberg - Wörth - Hofstetten ist die Stelle eines Religionslehrers, Schochets und Kantors (für die Gemeinde Klingenberg) mit einem garantierten Gehalt von Mark 1.300 pro Jahre, ohne Nebenverdienste, per sofort zu besetzen. Seminaristisch gebildete Bewerber, die eigenen Haushalt führen können, blieben sich an den Unterfertigten unter Einsendung der Zeugnisse zu wenden. 
Mayer Fried,
Vorstand, Klingenberg am Main".   
 
Klingenberg FrfIsrFambl 27051904.jpg (11189 Byte) Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Mai 1904: "Klingenberg am Main. Kantor, Religionslehrer und Schächter per sofort. Gehalt 1300 Mark." 
  
Klingenberg Israelit 07011909.jpg (56382 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1909: "Am 1. Februar ist die Stelle eines Religionslehrers mit Kantor- und Schächterfunktion bei einem Einkommen von Mark 1700-1800 in hiesiger Gemeinde neu zu besetzen. - Seminaristisch gebildete Bewerber, mit eigenem Haushalte wollen Gesuche und Zeugnisse einreichen. 
Klingenberg am Main. M. Fried, Vorstand."  

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige des Manufakturwaren-Geschäftes von Emanuel Schloß (1890)    

Klingenberg Israelit 27101890.jpg (39176 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1890: "Lehrling gesucht. Für mein Manufakturwaren-Geschäft suche per sofort einen Lehrling mit guter Schulbildung. Pension im Hause; Samstags und Feiertage geschlossen. 
Emanuel Schloß, Klingenberg am Main."  

   
Nach der Deportation: Todesanzeige für Heinrich Frank und Rosel Frank geb. Halle sowie für Hannchen Frank (umgekommen in Theresienstadt; 1945)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 20. Juli 1945: "Unsere lieben Eltern und Großeltern 
Heinrich Frank und Rosel Frank geb. Halle
(früher Klingenberg am Main und Regensburg) 
und unsere gute Tante Hannchen Frank (früher Bütthart und Regensburg) 
sind in Theresienstadt verschieden.  
Walter Frank und Frau Fanny geb. Loose
, 19 Stratford Place, Newark 8, N.F.; 
 Otto Frank und Frau Irma geb. Fleischmann, 285 Riverside Drive, New York 25, N.Y."           

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge         
   
Über die Geschichte der Synagoge bzw. des jüdischen Betsaales liegen bislang nur wenige Informationen vor. Das Jahr der Einrichtung ist unbekannt. Es handelte sich um einen etwa 30 Quadratmeter großen Raum im zweiten Stock eines Gebäudes in der "Froschgasse", das über einen Durchgang zwischen Haupt- und Maingasse zu erreichen war. 1863 erfolgte eine "Hauptreparatur" der Synagoge:      
  
Kollekte für eine Hauptreparatur der Synagoge in Klingenberg (1863)       

Klingenberg Amtsblatt 01081863.jpg (91967 Byte) Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" Nr. 149 vom 1. August 1863:
An sämtliche königliche Bezirksämter und unmittelbare Stadt-Magistrate des Regierungsbezirkes. 
Synagogen-Kollekte für die israelitische Kultusgemeinde Klingenberg, königliche Bezirksamts Obernburg, betreffend. 
Im Namen Seiner Majestät des Königs.  
Die unterfertigte Stelle hat auf Bitte des israelitischen Kultusgemeinde Klingenberg, königlichen Bezirksamtes Obernburg, beschlossen, behufs Aufbringung der durch eine Hauptreparatur der Synagoge zu Klingenberg veranlassten Kosten eine Synagogen-Kollekte im Regierungsbezirke zu bewilligen und vornehmen zu lassen. 
In Folge dessen erhalten die Distriktspolizeibehörden den Auftrag, die Rabbiner und israelitischen Kultusvorsteher ihrer Bezirke sofort zur beschleunigten Vornahme der Kollekte und Vorlage des Ertrages anzuweisen und letzteren an das königliche Bezirksamt Obernburg zu übersenden, zugleich aber und zwar, wenn möglich, binnen 4 Wochen Anzeige über das Ergebnis an die königliche Regierung zu erstatten, wobei übrigens die Vorlage der Einzelberichte zu unterbleiben hat.
Würzburg, den 23. Juli 1863. 
Königliche Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg, Kammer des Innern. 
In Abwesenheit des königlichen Regierungspräsidenten: 
Der königliche Regierungsdirektor: von Gresser.   Berres."    
 
Klingenberg Amtsblatt 12121863.jpg (77871 Byte)Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" Nr. 149 vom 12. Dezember 1863: "Synagogen-Kollekte für die israelitische Kultusgemeinde Klingenberg betreffen. 
Im Namen seiner Majestät des Königs. 
Die unterm 23. Juli dieses Jahres (Kreis-Amtsblatt S. 1220) ausgeschriebene Synagogenkollekte für die israelitische Kultusgemeinde Klingenberg, königlichen Bezirksamts Obernburg, hat im Regierungsbezirke das nachstehend verzeichnete Ergebnis geliefert. 
Würzburg, den 30. November 1863. 
Königliche Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg. Kammer des Innern. Freiherr von Zu Rhein.   Kohlmüller..." 
Die Kollekte erbrachte den Betrag von 206 fl. 4 Kr.     

  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Scheiben von drei Fenstern des Betsaales von Nationalsozialisten mit Stangen eingeschlagen, der Raum verwüstet, die Ritualgegenstände wie die Torarolle aus dem Fenster geworfen. Nach der Verwüstung des Betsaales wurde von den jüdischen Familien verlangt, für die Schäden aufzukommen. Da ihnen dies nicht mehr möglich waren, mussten sie die Synagoge für 20 Reichsmark verkaufen.     
 
Das Gebäude des ehemaligen Betsaales ist nicht mehr vorhanden, nur die Fundamente des Gebäudes sind im Boden noch erhalten. 
 
Die Anbringung einer Gedenktafel wurde viele Jahre hinausgezögert, obwohl dies mehrfach im Gemeinderat der Stadt beschlossen wurde. Bei Schwierz s. Lit. 1988 und 1992² ist zu lesen: "Die Stadt Klingenberg plant, im Zuge der Altstadtsanierung eine Gedenktafel mit folgendem Wortlaut an eine exponierte Stelle anzubringen: 'In Klingenberg a. Main bestand bis zum Jahr 1939 eine jüdische Kultusgemeinde mit einer Synagoge in der Lindenstraße. Zur Erinnerung und Mahnung". Auf der Website der  "Grünen im Kreis Miltenberg" ist zu lesen (November 2007): "Die Klingenberger Grünen monierten, dass eine bereits vor Monaten im Stadtrat beschlossenen Gedenktafel zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge und die israelitische Gemeinde noch nicht angebracht sei. Die Partei will sich dafür einsetzen, dass diese unabhängig von einer Sanierung des Platzes aufgehängt wird."  
  
Zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms 1938 wurde Ende Oktober 2008 ein erneuter Beschluss des Gemeinderates zur Anbringung einer Gedenktafel gefasst. So konnte die bereits jahrelang im Klingenberger Rathauskeller lagernde Gedenktafel endlich am 9. November 2008 angebracht werden. Die Tafel wurde von der dritten Bürgermeisterin Klingenbergs Annette Rüttger enthüllt. Es waren etwa 60 Personen bei der Veranstaltung anwesend.  
  
  
 
Adresse/Standort der SynagogeHinterhof Lindenstraße 13 - in der Froschgasse - ein Teil des Gebäudes stand auf dem Areal des Fränkischen Hofs   
   
   
Fotos

   Fotos des Synagogenstandortes werden noch ergänzt; über Zusendungen freut sich der 
Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.
    
   Klingenberg Synagoge 160.jpg (78232 Byte)
   Die ehemalige Synagoge bzw. das Haus mit dem Betsaal stand auf dem Areal des 
Fränkischen Hofes. 
   
9. November 2008: Anbringung einer Gedenktafel 
(Fotos erhalten von Harald Fischmann, Klingenberg) 
 
Klingenberg Synagoge 190.jpg (60156 Byte) Klingenberg Synagoge 192.jpg (54302 Byte) Klingenberg Synagoge 191.jpg (73344 Byte)
      
     

Bericht über die Gedenkfeier am 9. November 2008 (zugesandt von Harald Fischmann, Klingenberg, siehe auch unter www.gruene-miltenberg.de):   "Klingenberg gedenkt der Opfer des Nazi-Terrors.
Klingenberg. Auf Initiative der grünen Stadtratsfraktion Klingeberg wurde a. 9.11. anlässlich des 70. Jahrestags der Reichspogromnacht am Standort der ehemaligen Synagoge im Namen der Stadt Klingenberg eine Gedenktafel enthüllt. Dieser Akt beendete eine mehr als zwanzigjährige Diskussion in Stadtrat und Bürgerschaft. Nachdem Anträge der Grünen Jahrzehnte lang entweder keine Mehrheit erlangt haben bzw. nicht umgesetzt wurden, entschied sich der Stadtrat kurz vor dem Gedenktag mit 13 zu 4 Stimmen für die Anbringung der Tafel, die bereits Jahre lang im Keller des Rathauses auf ihre Bestimmung wartete.
 
Ausschlaggebend war die offene Ankündigung von Willi Stritzinger, Annette Rüttger und Harald Fischmann bei Ablehnung in Eigeninitiative eine Tafel im Namen der Klingenberger Ortsgrünen anzubringen.
Die Gedenkveranstaltung selbst wurde laut Main-Echo von 80 Mitbürgerinnen und Mitbürgern besucht. Neben den grünen StadträtInnen half vor allem Anja Stritzinger mit, der Veranstaltung einen würdevollen Rahmen zu verleihen. Im Namen der Stadt Klingenberg erinnerte die dritte Bürgermeisterin Annette Rüttger an die jüdische Vergangenheit Klingenbergs und enthüllte die Tafel, die sich an einer Mauer in einer Seitengasse der Mainstraße befindet. 
Harald Fischmann fragte in seiner Rede nach dem Sinn einer solchen Gedenktafel:
'Wozu die Enthüllung einer Gedenktafel 70 Jahre danach. Mildert dies das Leid? Ist dies ein Eingeständnis von Schuld? Verkleinert es ein kollektives schlechtes Gewissen? Was haben die BürgerInnen Klingenbergs 70 Jahre danach mit diesen Verbrechen zu tun? Im Blick in die Vergangenheit als Täter gar nichts, schließlich waren sie noch nicht geboren oder kleine Kinder. Mit Blick auf die Zukunft jedoch alles. Denn die Ereignisse von vor 70 Jahren müssen eine Mahnung für uns alle sein, Verantwortung für die Entwicklung unserer Gesellschaft zu übernehmen, auch in unserer Stadt den Anfängen zu wehren und genau hinzuschauen, wo Diskriminierung oder Aggression zu Hause sind.'
Im Namen der christlichen Konfessionen riefen Pfarrer Prof. Dr. Dr. Feineis und Pastorin Frau Marttunen-Wagner zu gelebter Nächstenliebe auf. Die Veranstaltung wurde mit dem Gedenken an die Klingenberger Bürger beendet, die während der Nazi Diktatur ihr Leben verloren. Nach den Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des 'Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945' waren das Heinrich Frank (geb. 1863), Ida Fried geb. Fried (geb. 1881), Semy (Samy) Fried (geb. 1876), Willi Fried (geb. 1879), Anna Lindheimer (geb. 1903), Arthur Lindheimer (geb. 1869), Josef Lindheimer (geb. 1859), Ernst Mischliburski (geb. 1925), Gerdi Mischliburski geb. Lindheimer (geb. 1902), Lore Mischliburski (geb. 1930), Ruth Mischliburski (geb. 1924), Rosalie (Rosa) Reis geb. Fried (geb. 1878) und Lina Straus geb. Lindheimer (geb. 1873)."  

     

  
    

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Klingenberg am Main   
Bericht über eine Gedenkveranstaltung im November 2007 der "Grünen" zum 9. November 1938 

Literatur:  

Germania Judaica Bd. II,1 S. 404; Bd. III,1 S. 620-621.
Walter Hermann: Juden in Klingenberg. In: 700 Jahre Stadt Klingenberg. Klingenberg 1976. S. 177-179.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 343.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 81; 1992² S. 89.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 559.   
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 182.   

  
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Stand: 10. Dezember 2013