Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gehaus mit Dermbach und Unteralba (Stadt Stadtlengsfeld, Wartburgkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In Gehaus bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit Ende des 17. Jahrhunderts zurück, als durch die Freiherren von Boyneburg 1695 acht jüdische Familien aufnahmen. Bis 1735 blieb es bei der Zahl von acht Familien. 1745 wurde Juda Eberst (Eberscht, Eberstadt) in Gehaus geboren, der Großvater des späteren Komponisten Jaques Offenbach. 1765 gab es die folgenden jüdischen Familien am Ort (nach den Familienvorstehern): Salomon Levi, Moses Levi, Abraham Levi, Esau Levi, Abraham Meyer, Sabel Simon, Moses Meyer, Herz Levi Abraham Bacharach, Baruch Süßmann, dazu die Familien des Josef Meyer, Josef Feiffel, Heßkel Moses sowie die Witwe Buchbinderin Riffge; letztere durften sich "aus besonderer Gnade des Schutzes durch die Freiherrn erfreuen".    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1826 248 jüdische Einwohner (in 64 Familien; knapp ein Drittel der Ortsbevölkerung), 1848 70 jüdische Familien, 1861 213 jüdische Einwohner, 1895 63, 1910 36, 1913 42, 1920 41. Nach 1840 verlor die Gemeinde einen größeren Teil ihrer Mitglieder durch die Auswanderung nach Nordamerika, später durch Abwanderung in die Städte. Die jüdischen Familien lebten zunächst vom Hausier-, Kramwaren- und Viehhandel,  seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere offene Ladengeschäfte am Ort, aber auch jüdische Handwerker (Schuhmachermeister) und kleine Industriebetriebe (Korkindustrie).     
  
Zur jüdischen Gemeinde Gehaus gehörten auch die in Dermbach (1924 15, 1932 11) und Unteralba (1932 6) lebenden jüdischen Personen.   
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zeitweise jüdische Elementarschule mit bis zu 50 Schülerinnen und Schülern [um 1830]; ab 1867 war die jüdische Schule integriert in die örtliche Simultanschule; ehemaliges jüdisches Schulhaus mit Lehrerwohnung ist als Wohnhaus erhalten, jetzt Hauptstraße Nr. 123), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt (in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeitweise zugleich Lehrer an der Simultanschule), der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Die Zahl der jüdischen Schülerinnen und Schüler ging in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark zurück: 1895 waren von den 152 Schulkindern nur noch elf aus der jüdischen Gemeinde; dennoch blieb die Simultanschule bis März 1933 bestehen. Die Gemeinde gehörte zum Landrabbinat "Sachsen-Weimar-Eisenach" mit Sitz in Stadtlengsfeld, seit 1912 in Eisenach.
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Leopold Wachtel (geb. 4.3.1898 in Gehaus, vor 1914 in Erfurt wohnhaft, gef. 28.7.1915).      
 
Um 1924, als zur Gemeinde von 39 Personen gehörten (4,8 % von insgesamt etwa 800 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Meyer Nußbaum, Siegmund Kahn. Der Repräsentanz gehörten an: Nathan Cahn, Meyer Rosenthal, Sally Cahn und Sally Weil. Als Lehrer, Kantor und Schochet war Siegmund Kahn tätig. Er erteilte im Schuljahr 1924/25 sechs jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestand der Israelitische Frauenverein (gegründet 1884, 1924/32 unter Leitung von Henriette Rehbock mit 15 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger). 
   
1932 wurden 23 jüdische Gemeindeglieder (in elf Familien) gezählt. Die Gemeindevorsteher waren nun Sally Cahn (1. Vors.; er blieb der letzte jüdische Gemeindevorsteher), Sigmund Kahn (2. Vor.) und Thilo Nußbaum in Dermbach (3. Vors.). Als Lehrer war weiterhin Siegmund Kohn tätig; er hatte im Schuljahr 1932/33 nur noch einem jüdischen Kind der Gemeinde den Religionsunterricht zu erteilen. An jüdischen Geschäften am Ort waren noch vorhanden: Industriewarenladen (auch Fahrräder, Lampen und Radios) mit Tankstelle Sally Cahn, Kolonialwarengeschäft Nathan Cahn, Textilgeschäft Anton Lichtenstädter, Kolonialwarengeschäft Meyer Rehbock (gest. 1928), Fell- und Kramwarenhandel Martha Gottgetreu, Getreide- und Futtermittelgeschäft Sally Weil, Viehhandlung und Landwirtschaft Josef Wachtel, Metzgerei Jakob Nußbaum (bis 1925, Mittlere Straße 31, Gebäude wurde abgebrochen), Gastwirtschaft "Zum Adler" Meier Rosenthal. 
     
In Dermbach gab es zwei jüdische Geschäfte: das Haushaltwarengeschäft von Felix Nußbaum und das Textilwarengeschäft von Thilo Nußbaum. Bis 1928 gab es am Dermbacher Markt noch das Schuhgeschäft der Familie Richheimer, die jedoch in diesem Jahr nach Unteralba umgesiedelt ist.       
   
1933 lebten noch etwa 25 bis 35 jüdische Personen in Gehaus (in 13 Familien; die Angaben schwanken in der verschiedenen Darstellungen). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. An ihrem Heimatort verstorben noch Ida Gottgetreu, Nathan Cahn, Josef Wachtel, Emilie Wachtel und Rebekka Cahn. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.); auch ein jüdisches Geschäft (Industriewarenladen von Sally Cahn) und mehrere jüdische Wohlhäuser wurden demoliert. Die alleinstehende Lene Nußbaum wurde misshandelt. Jüdische Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt (Sally Cahn und der Landwirt Siegmar Nußbaum). Bis Ende 1938 wurden alle jüdischen Geschäfte "arisiert". Sally Cahn, der 1941 in Erfurt lebte, wurde wegen "Spionageverdacht" verhaftet und am 14. Januar 1942 im KZ erschossen. Im Mai 1942 wurden die letzten jüdischen Einwohner (Lene Klüger mit ihrem Sohn Lothar, Sophie Nußbaum und Martha Gottgetreu) in Gehaus verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt verbracht.    
  
Von den in Gehaus geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Minna Appel geb. Cahn (1885), Paula Blaulicht geb. Rosenthal (1893), Nathan Cahn (1872), Rosa Cahn geb. Wachtel (1888), Sally Cahn (1858), Sally Cahn (1884), Sigmund Cahn (1874), Nathan Cohn (1872), Johanna Marianne Dreifuß geb. Eppstein (1854), Lilly Ehrlich (1872), Meta Freimark geb. Löwenstein (1873), Hugo Gottgetreu (1878), Martha Gottgetreu (1890), Renate Hahn geb. Tannenbaum (1889), Rosa Hobbach geb. Cahn (1895), Johanna Israel geb. Gottgetreu (1886), Selma Kahn geb. Hofmann (1901, Frau von Lehrer Siegmund Kahn), Siegmund Kahn (1877), Bertha Katzenstein geb. Ehrlich (1862), Martha Kaufmann geb. Wachtel (1885), Helene Klueger geb. Rosenthal (1898), Lother Klueger (1927), Ida Lastmann geb. Wachtel (1897), Helene Nussbaum (1893), Johanna Nussbaum geb. Baumgart (1867), Sophie Nussbaum geb. Wachtel (1879), Adolf Rehbock (1886), Henriette Rehbock geb. Hauer (1850), Siegfried Rehbock (1884), Ruth Rebekka Stein geb. Cahn (1914), Therese Tannenbaum geb. Baumgart (1854).           
 
Aus Dermbach ist umgekommen: Johanna Nussbaum geb. Baumgart (geb. 1867 in Gehaus, wohnte später in Dermbach).     
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 / 1877   

Gehaus Israelit 16021876.jpg (79502 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1876: "Gesucht 
ein seminaristisch-gebildeter israelitischer Lehrer für die 3. (israelitische) Lehrerstelle an der 3-klassigen Ortsschule (Simultanschule) in Gehaus, Sachsen-Weimar. Staatsstelle. Anfangsgehalt 850 Mark inklusive freundlicher Dienstwohnung (50 Mark) und großem Hausgarten; nach 5 Jahren 940, nach 10 Jahren 1039, nach 15 Jahren 1150 Mark. Anrechnung der im Ausland verbrachten Dienstjahre. Vorbeterdienst. 
Außer dem israelitischen Religionsunterricht, Rechnen, Schreiben, Geographie oder Naturgeschichte, womöglich Zeichnen, in allen 3 Simultanklassen. 
Bewerbungen nebst Zeugnissen und Angabe der Dienstbehörde an 
R. Stier,
Bezirksschulinspektor in Dermbach."       
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Februar 1876
Die Ausschreibung wurde zeitgleich in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" (s.o.) wie auch in der liberal-geprägten "Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlicht.       
 
Ein Jahr später erfolgte wiederum eine Ausschreibung der Stelle, da der 1876 eingestellte Lehrer nach nur einem Jahr an eine höhere Lehranstalt in Hamburg wechselte.    
Gehaus Israelit 14031877.jpg (88465 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1877: "Gesucht 
ein seminaristisch gebildeter israelitischer Lehrer für die 3. (israelitische) Lehrerstelle an der 3-klassigen Ortsschule (Simultanschule) in Gehaus, Sachsen-Weimar. Staatsstelle. Anfangsgehalt 850 Mark, inklusive freundlicher Dienstwohnung (50 Mark) und großem Hausgarten; nach 5 Jahren 940, nach 10 Jahren 1030, nach 15 Jahren 1150 Mark. Vorbeterdienst mit der Stelle verbunden. Anrechnung der im Auslande verbrachten Dienstjahre zu erwarten. Außer dem israelitischen Religionsunterricht (8 Stunden) Rechnen, Schreiben, Realien in der 1. und 2. Simultanklasse, im Ganzen 26-28 Stunden wöchentlich. Der bisherige Lehrer geht an eine höhere Lehranstalt in Hamburg. Bewerbungen nebst Zeugnissen und Angabe der Dienstbehörde an den Großherzoglichen Bezirks-Schulinspektor in Dermbach."        
  
Die Lehrerstelle war offensichtlich nicht leicht zu besetzen, da in den folgenden Monaten - noch bis September - Anzeigen mit der Ausschreibung der Lehrerstelle veröffentlicht wurden:  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Mai 1877: "Gesucht  
ein seminaristisch gebildeter israelitischer Lehrer für die 3. (israelitische) Lehrerstelle an der 3-klassigen Ortsschule (Simultanschule) in Gehaus, Sachsen-Weimar. Staatsstelle. Anfangsgehalt 850 Mark, inklusive freundlicher Dienstwohnung (50 Mark) und großem Hausgarten; nach 5 Jahren 940, nach 10 Jahren 1030, nach 15 Jahren 1150 Mark. Vorbeterdienst mit der Stelle verbunden. Anrechnung der im Auslande verbrachten Dienstjahre zu erwarten. Außer dem israelitischen Religionsunterricht (8 Stunden) Rechnen, Schreiben, Realien in der 1. und 2. Simultanklasse, im Ganzen 26-28 Stunden wöchentlich. Der bisherige Lehrer geht an eine höhere Lehranstalt in Hamburg. Bewerbungen nebst Zeugnissen und Angabe der Dienstbehörde an den Großherzoglichen Bezirks-Schulinspektor in Dermbach. Stier"         
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1877: "Gesucht  
ein seminaristisch gebildeter israelitischer Lehrer für die 3. (israelitische) Lehrerstelle an der 3-klassigen Ortsschule (Simultanschule) in Gehaus, Sachsen-Weimar. Staatsstelle. Anfangsgehalt 850 Mark, inklusive freundlicher Dienstwohnung (50 Mark) und großem Hausgarten; nach 5 Jahren 940, nach 10 Jahren 1030, nach 15 Jahren 1150 Mark. Vorbeterdienst mit der Stelle verbunden. Anrechnung der im Auslande verbrachten Dienstjahre zu erwarten. Außer dem israelitischen Religionsunterricht (8 Stunden) Rechnen, Schreiben, Realien in der 1. und 2. Simultanklasse, im Ganzen 26-28 Stunden wöchentlich. Der bisherige Lehrer geht an eine höhere Lehranstalt in Hamburg. Bewerbungen nebst Zeugnissen und Angabe der Orts- und Kreisschulaufsicht an den Großherzoglichen Bezirks-Schulinspektor in Dermbach. Stier."      
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1877: 
Wiederum erschien die Anzeige auch in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"         

    
Zum Abschied des in den Ruhestand tretenden Lehrers A. Heilbrunn (1903)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1903: "Geisa, im Mai (1903). Dem nach langjähriger gesegneter Berufsarbeit in den Ruhestand tretenden Lehrer A. Heilbrunn weihte die israelitische Gemeinde Gehaus im Großherzogtum Weimar am 24. Mai dieses Jahres eine synagogale Feier, bei welcher die warm empfundenen Worte des großherzoglichen Landrabbiners Dr. Wiesen, das festlich geschmückte Gotteshaus, die Anwesenheit der gesamten jüdischen und eines großen Teiles der christlichen Bevölkerung, des Ortspfarrers und Ortschulvorstandes Zeugnis davon ablegten, welch herrliche Früchte das vorbildliche Wirken dieses treuen Lehrers gezeitigt. Möge ihm ein segensreicher Lebensabend beschieden sein."         

  
Suchanzeige nach Lehrer Siegmund Kahn und seiner Frau Selma Kahn geb. Hofmann (1945)  
Anmerkung: 1945 recherchierte die Tochter Edith Baum geb. Kahn über die amerikanisch-jüdische Zeitschrift "Der Aufbau" nach ihren Eltern. 
Nach Informationen von Elisabeth Böhrer vom Juni 2017, die auf diese Anzeige aufmerksam machte, wurden Siegmund und Selma Kahn, nachdem sie zuletzt in Berlin, Prenzlauer Berg (Berlin NO 55, Rastenburgerstraße 17) gewohnt hatten, von dort aus deportiert: Siegmund Kahn (geb.am 15. Januar 1877 in Aschenhausen) wurde am 2. März 1943 von Berlin nach Auschwitz deportiert und ermordet; Selma Kahn geb. Hofmann (geb. am 31. Januar 1901 in Kleinbardorf) wurde am 12. März 1943 von Berlin nach Auschwitz deportiert und ermordet.        

Gehaus Aufbau 16111945.jpg (24142 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Aufbau" vom 16. November 1945: "Wer kann Auskunft geben über meine Eltern 
Siegmund Kahn,
Oberlehrer in Gehaus, Rhön, Selma Kahn geb. Hofmann, 
zuletzt wohnhaft in Berlin NO 55 Rastenburgerstraße 17, deportiert Anfang März 1943. 
Unkosten werden vergütet. Edith Baum geb. Kahn, 50 Kenwood Street, Brooklin-Boston, Mass."   

   
   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Vorschlag zur Gründung eines Unterstützungsvereins für die christlichen und jüdischen Ortsarmen (1847)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1847: "Aus dem Weimarischen, im März (1847). Der jüdische Vorsteher von Gehaus im Weimarschen stellte vor einiger Zeit den Antrag zur Gründung eines Unterstützungsvereins für die christlichen und jüdischen Ortsarmen. Er verband sich zu diesem Zweck mit mehreren Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und brachte eine Vereinigung zustande, aus deren verhältnismäßig freigebigen Monatsbeiträgen nun die christlichen Armen ebenso, wie die jüdischen unterstützt werden."             

   
Urteil gegen den Holzhauer Johann Trender auf Grund seines Überfalls auf das Haus eines jüdischen Getreidehändlers in Gehaus (1894)
       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1894: "(Stadt-)Lengsfeld, 28. Juli (1894). Der Holzhauer Johann Trender war vom Schöffengericht in (Stadt-)Lengsfeld zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden, weil er es nachgewiesenermaßen gewesen war, der am Abend des 4. März dieses Jahres einem jüdischen Getreidehändler in Gehaus ohne irgendwelche Veranlassung zwei Fensterscheiden eingeschlagen hatte. Trender legte gegen dieses Urteil Berufung ein, über welche das Landgericht in Eisenach vor Kurzem verhandelte. Staatsanwalt Blüher führte aus, dass nach den seinerzeit angestellten Ermittlungen zweifellos konstatiert worden sei, dass kein Anderer als Trender derjenige gewesen, der die Sachbeschädigung ausgeführt habe. Es sei in letzterer Zeit überhaupt des öfteren vorgekommen, dass jüdischen Einwohnern in Gehaus von Leuten, welche jedenfalls durch die antisemitische Bewegung aufgehetzt worden sind, die Fenster eingeworfen wurden. Man sei sogar so weit gegangen, dass man Grabsteine auf dem jüdischen Friedhofe zerschlagen habe. Derartige Schandtaten könnten nicht genug geahndet werden! Habe man nun bei den vielfachen Bubenstreichen gerade einen der Übeltäter erwischt, so müsse dieser denn auch gehörig bestraft werden. Er beantragte daher, die Berufung als vollständig unbegründet zu verwerfen. Der Gerichtshof entschied im Sinne der Ausführungen des Staatsanwaltes und verwarf die Berufung."   
 
Lengsfeld Israelit 06081894.jpg (102388 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1894: derselbe Text wie oben.            

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge       
           
   

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute aus Dermbach und Nationalsozialsten aus Gehaus überfallen und geschändet. Die Inneneinrichtung und die Kultgegenstände wurden demoliert, Bücher zerrissen, Türen und die Fenster eingeschlagen. Auf Grund der Gefährdung der Nachbarhäuser wurde das Gebäude nicht angezündet. Wenig später wurde das Grundstück an ein örtliches Baugeschäft verkauft. 
 
Nach 1945 kam nach Klärung des Restitutionsverfahrens die ehemalige Synagoge und das Grundstück an ein örtliches Polstergeschäft und wurde als Werkstatt verwendet, bis das Gebäude durch einen Brand am 9. Juni 1975 vernichtet wurde. Die Brandruine wurde abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde ein Wohn- und Geschäftshaus erstellt.  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge   Mittlere Straße 22 (ehem. Mittelgasse)   
   
  
Fotos  
(Fotos: Hahn; Aufnahmen vom 27.6.2011)  

Hinweis: Fotos zur jüdischen Geschichte in Gehaus finden sich vor allem in der
Website von Helmut Hehl, darunter Fotos der ehemaligen jüdischen Schule, des Hauses der 
Familie Rehbock und weitere Fotos des jüdischen Friedhofes.  
  
     
Haus der jüdischen Schule    
 Das Gebäude mit Giebel zur Straße Seitliche Ansicht Hinweistafel
     
     
Informationstafel der 
Gemeinde Gehaus  
  Ein Rundweg um den Ort führt 
auch zum jüdischen Friedhof  
Bei den Angaben zur Geschichte des Ortes 
wird auch die jüdische Geschichte 
mehrfach berücksichtigt  
   
     

   
   
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Stadtlengsfeld  

Website von Helmut Hehl, Potsdam  hehl-rhoen.de  mit Seite zur jüdischen Geschichte in Gehaus bzw. http://blog.hehl-rhoen.de/dorfprominenz/juden-in-gehaus/   

Literatur:  

Paul Gerstung / Heinz Kleber: Chronik jüdischen Lebens in Gehaus. In: Hans Nothnagel (Hrsg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Band 5: Jüdische Gemeinden in der Vorderrhön. Suhl 1999 S. 128-150. 
Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin 1992. S. 270.
Ralf Pasch: Dermbach 1938 (Als die Nußbaums Haus und Heimat verloren). In: Hans Nothnagel (Hrsg.) wie oben. S. 151-155.  
Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu Gehaus: S. 121-125.      
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt am Main 2003. S. 330.     
   
          


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gehaus, Thuringia. Jews settled in Gewhaus in the early 18th century. A Jewish cemetery existed from 1730, a synagogue from 1884. The Jewish population reached a peak at 50 in 1900, when a Jewish community was founded. In 1932-33, the Jewish population numbered 40, including Jews from the affiliated communities of Dermbach and Unteralba. When the Nazis came to power in 1933, 11 Jews managed to emigrate. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and Jewish stores were vandalized. The cemetery was also desecrated. The head of the Jewish community was executed in Erfurt for alleged espionage. The remaining three to four Jews were deported. Altogether, 14 Jews from Gehaus perished in the Holocaust.  
    

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 26. Juni 2017