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in Erfurt
Erfurt (Landeshauptstadt
von Thüringen)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Erfurt wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.
Hinweis: es konnten noch nicht alle Texte
ausgeschrieben werden; zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.
Übersicht:
Allgemeine Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde bis 1840 (Bericht von 1840)
Anmerkung: die Angaben sind nach den historischen Forschungen der
letzten Jahrzehnte überholt; vor allem gab es 1349 keine 6000 Seelen umfassende
jüdische Gemeinde in der Stadt. Man geht nach neueren Forschungen von etwa 3000
Toten bei der Verfolgung in der Pestzeit in Erfurt aus.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 1. August 1840: "Erfurt, 19. Juli (1840). Indem durch die
jüngste Einweihung der hiesigen Gemeinde wohl einige Aufmerksamkeit
zugelenkt worden, gestatte ich mir einige Bemerkungen über dieselbe.
Bekanntlich fand im Jahre 1349 eine heftige Judenverfolgung hier statt,
wodurch eine, mehr als 6000 Seelen fassende Gemeinde mit Stumpf und Stiel
ausgerottet wurde. Überreste aus dieser Vorzeit sind noch häufig
ausgegrabene Grabsteine, von denen einer der ältesten aus dem Jahre 1137
für drei Brüder, die in demselben Jahre nach und nach am Neumondstage
dreier aufeinanderfolgenden Monate verstarben, einer der jüngsten aus dem
Jahr 1310, und in der hiesigen Synodal-Bibliothek bewahrte, den Juden
abgenommene Codices, worunter vier Torarollen, vier hebräische Text und
Targum Vers um Vers durcheinander, mit später hinzugefügter Massora,
Punktation und rabbinischen Randglossen, eine Gemara Mass. Berachot ff.,
die allesamt einer neueren kritischen Durchsicht bedürften.
Vor 26 Jahren (sc. 1814) wohnten hierselbst nur zwei Familien, bis in den
französischen Zeiten sich die meisten, jetzt hier ansässigen Familien
ansiedelten. Gegenwärtig zählt die Gemeinde ungefähr 120 Seelen.
Welches Charakters sie sei, kann man daraus ersehen, dass der Herr
Oberbürgermeister auf Anfrage einer hohen Regierung in Bezug auf das der
Gemeinde zu verleihende Korporationsrecht ihre Unbescholtenheit in
jeglicher Beziehung, ihre Sitt- und Rechtlichkeit in einem trefflichen
Berichte zu rühmen nicht anstand. einer der vorzüglichsten Mitglieder
der Gemeinde ist der als Mathematiker und Schulmann rühmlichst bekannte Dr.
S. Unger, der an der Spitze einer, auf Anregung höhererseits
begründeten Realschule steht, die nur von wenigen Knaben mosaischen, wohl
aber von ca. 160 christlichen Glaubens besucht wird, und an der zwei
christliche Religionslehrer den Kindern ihrer Konfession den
Religionsunterricht erteilen. Die Schule ist sehr regelmäßig
organisiert, und genießt eines vorzüglichen Rufes. Herr Dr. Unger ist
auch Stadtverordneter. - Die Gemeinde steht im Begriff, sich einen
tüchtigen Religionslehrer zu erwerben, und dann einen geordneten
Gottesdienst zu instituieren." |
Beschreibung der Gemeinde (1887)
Anmerkung: die kritische Beschreibung der religiösen Verhältnisse in Erfurt
sind für die konservativ-orthodox geprägte Zeitschrift "Der
Israelit" verfasst. Sie zeigen die liberale Prägung der Erfurter Gemeinde
mit ihrer Synagoge mit Orgel und gemischtem Chor, was beides von orthodox
Gesinnten streng abgelehnt wurde. Dazu kommt der schlechte Gottesdienstbesuch
und ein Beginn des Gottesdienstes mit sieben Männern (die Tradition fordert 10
religionsmündige Männer, d.h. über 13-jährige, damit ein Minjan vorhanden
ist)
Artikel in der "Zeitschrift "Der Israelit"
vom 17. Oktober 1887: "Berlin, 7. Oktober (1887). Auf einer
Erholungsreise in mehreren Ländern und Lädchen Deutschlands befindlich
gewesen, hatte ich es mir leider nicht speziell vorgenommen, Notizen über
die Juden der einzelnen Orte zu sammeln, die ich besucht. Es haben sich
mir jedoch einige von selbst geboten und da es mir als Leser des
'Israelit' bekannt ist, dass es sein Bestreben ist, in seinem
Nachrichtendienst die Judenheit der ganzen Welt bis in die weitesten
Gegenden zu umspannen, so will auch ich das Wenige mitteilen, was mir
aufgesto0pen. In Erfurt fand ich eine sehr schöne, große Synagoge,
am Karthäuser-Ufer gelegen, wo nicht weit das feine Villenviertel
beginnt. Trotz der 90 israelitischen Familien aber, die in Erfurt leben
sollen, begann an dem Freitag Abend, in welchem ich die Synagoge zuerst
betrat, der Gottesdienst mit nur 7 Personen, in welchen schon Prediger und
Kantor begriffen sind. Erst dicht am Ende zählte ich zusammen 17 Beter,
darunter Knaben über 13 Jahre. Die Synagoge hat eine Orgel - die
Redaktion wird mir die Übertretung wohl nachsehen: ich hielt eine
Orgelsynagoge für noch besser als gar keine - und der Chor besteht
aus Herren und Damen, ob auch Christen darunter weiß ich nicht. Eine
jüdische Restauration ist nicht vorhanden, doch ist der Synagogendiener
auf Speisegäste eingerichtet. Als Kuriosum berichte ich die mir gemacht
Mitteilung, dass einem gleichzeitig mit mir in Erfurt gewesenen, wohl in
Posen geborenen Glaubensgenossen, der von Berlin kam, um sich in Erfurt sesshaft
zu machen, von der betreffenden Behörde der 'Gewerbeschein' versagt
wurde, angeblich weil 'schon genug' (Juden nämlich) in Erfurt wären. Der
betreffende Dezernent soll selber ein getaufter Jude sein. Relatum
refero (sc. 'ich berichte Berichtetes'), eine Garantie für
diese Mitteilung will ich nicht übernehmen."
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Aus der Geschichte des Rabbinates
Übersicht
über die Rabbiner in Erfurt im 19./20. Jahrhunderts
- 1859 bis 1861: Rabbiner Dr. Isaak Heilbronn (geb. 1828 in Fulda,
gest. 1909 in Nürnberg): studierte in Würzburg, später in Berlin und
Frankfurt am Main; war seit 1854 Prediger und Religionslehrer in Stavenhagen
(Mecklenburg-Schwerin); seit 1860 Rabbiner in Erfurt, seit November 1861
Bezirksrabbiner in Weikersheim; trat
Anfang 1903 in den Ruhestand.
- 1862 bis 1878 Rabbiner Dr. Adolf
Jaraczewsky (geb. 1829 in Borek, Provinz Posen, gest. 1911 in Mühringen):
studierte in Breslau; war zunächst als Lehrer in Dolsk, Provinz Posen tätig,
1854 Oberlehrer in Stettin, 1858 Prediger in Küstrin an der Oder (Pommern);
1861 Promotion in Rostock; seit 1. April 1862 Rabbiner in Erfurt; seit 1879
Seelsorger und Religionslehrer, ab 1880 auch Bezirksrabbiner in Schüttenhofen (Sušice)
in Böhmen; seit Oktober 1881 Rabbiner in Klattau (Klatovy); 1884 Bezirkrabbiner
in Mühringen.
- 1879 bis 1882 Rabbiner Dr. Jecheskel Caro (geb. 1844 in Pinne (Pniewy),
Provinz Posen, gest. 1915 in Wien): studierte seit 1861 in Breslau, 1865/67 in
Heidelberg; war zunächst Prediger am deutschen Tempel in Łódź,
anschließend in Gniew (Mewe, Westpreußen) und als Religionslehrer am Gymnasium
in Marienburg (Malbork); seit 1870 Rabbiner in Dirschau (Tczew, Westpreußen);
seit 30. Juli 1879 Rabbiner in Erfurt, seit Oktober 1882 Rabbiner in Pilsen,
1890 Rabbiner, später Oberrabbiner in Lemberg; während des Ersten Weltkrieges
in Wien, wo er verstorben ist.
- 1883 bis 1885: Rabbiner Dr. Theodor Kroner (geb. 1845 in Wohlau (Wołów,
Niederschlesien), gest. 1923 in Stuttgart): studierte seit 1864 in Breslau; war
seit 1869 Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Münster, zugleich
Gemeinderabbiner ebd.; 1872 Landesrabbiner für Sachsen-Weimar in
Stadtlengsfeld, seit März 1883 Rabbiner in Erfurt; seit Oktober 1885
Rabbinatsassessor und Direktor/Seminarrabbiner des Lehrerseminars in Hannover;
seit 1893 erster Rabbiner in Stuttgart; trat 1921 in den
Ruhestand.
- 1887 bis 1924 Rabbiner Dr. Moritz Salzberger (geb. 1844 in
Alsókubin (Dolbý Kubín), gest. 1929 in Erfurt): studierte seit 1867 in Wien,
dann in Breslau; war seit 1873 Rabbiner in Alsóbukin, 1876 bis 1886 Rabbiner
und Lehrer in Kulm (Chełmno) an der Weichsel; von 1886 bis 1923 Rabbiner in
Erfurt.
- 1924 bis 1936 Rabbiner Dr. Max Schüftan (geb. 1887 in
Königstein bei Namslau, Niederschlesien, gest. 1936 in Erfurt): studierte in
Breslau und Erlangen; 1917 bis 1918 zweiter Rabbiner in Dusseldorf, 1918 bis
1924 Rabbiner in Görlitz, 1923 bis 1936 Rabbiner in Erfurt.
- 1936 (?): Rabbiner Dr. Julius Augapfel (geb. 1892 in Jarosław,
umgekommen 1944 im KZ Auschwitz): studierte seit 1910 in Wien; seit 1914
Rabbiner in Salzburg, Feldrabbiner im Ersten Weltkrieg; 1918 bis 1925
Bibliothekar an der Universität Wien; 1926 Rabbiner in Insterburg (Tschernjachowsk);
1936 Bewerbung und Probepredigt in Erfurt (unklar, ob er Stelle zeitweise
angetreten hat; er lebte 1937 in Insterburg); März 1939 nach Holland emigriert;
1940 Deportation, Seelsorger im KZ Westerbork; Anfang September 1944 in das
Ghetto Theresienstadt, wenig später nach Auschwitz.
- September 1937 bis November 1938: Rabbiner Dr. Peter Freund (geb.
1906 in Berlin, gest. 1982 in Jerusalem): studierte 1925 bis 1934 in Berlin; war
Prediger und Religionslehrer in Berlin, danach Rabbiner in Trautenau (Trutnov,
Böhmen); seit 1. September 1937 liberaler Rabbiner und Religionslehrer in
ERfurt; im November 1938 in das KZ Buchenwald verschleppt, später nach
Palästina emigriert; war als Verleger und Buchhändler in Jerusalem
tätig.
Dr. Siegmund Feßler wird zum Bezirksrabbiner gewählt (1886)
Anmerkung: Dr. Siegmund Fessler (geb. 1847 in Möor = Mór, Ungarn, gest.
1909 in Halle): studierte 1876-82 in Breslau, wurde 1879 in Halle promoviert;
1883-86 Rabbinatsassessor in Mannheim. 1886 wurde er in Erfurt gewählt, die
Wahl jedoch wegen der Vorgänge um seinen Mitbewerber Rabbiner Israel
Goldschmidt - wovon im nachstehenden Artikel berichtet wird - Ende April 1886 annulliert. 1886 wurde er Rabbiner in Landsberg an der Warthe, von 1889 bis zu
seinem Tod 1909 Rabbiner in Halle a.d. Saale.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1886: "Erfurt,
1. April (1886). Herr Dr. Feßler aus Mannheim ist als Nachfolger
des Herrn Dr. Kroner zu unserm Rabbiner gewählt worden. Dieser Herr
verdankte seine Wahl einem Zufalle, und da kam so. Der Weilburger
Bezirksrabbiner Dr. Goldschmidt, der durch seine Stellungnahme zur Orgel
mund durch seine 'witzreiche' Erklärung gegen seinen Lehrer, Herrn
Rabbiner Dr. Hildesheimer - sein Licht leuchte -, welcher ihm die
tauras hauroo (Rabbinerautorisation) entzogen, zu einer gewissen
Berühmtheit gelangt ist, hatte sich nämlich um die Erfurter Stelle
beworben, und die Repräsentanten hatten ihn bereits mit großer
Majorität gewählt. Da - o Schicksals Tücke! - erhob sich plötzlich
einer der Herren Repräsentanten und brachte die oben erwähnte Erklärung
zur Kenntnis der Versammlung. Die Verlesung derselben rief einen Sturm der
Entrüstung hervor, von einer Wahl des genannten Herrn konnte keine Rede
mehr sein, Dr. Goldschmidt wurde mit allen bis auf eine Stimme angelehnt
und Dr. Feßler hatte gesiegt. Jene folgenreiche Erklärung hat den Namen
des Herrn Dr. Goldschmidt von der Kandidatenliste für das Bromberger
Rabbinat im letzten Moment eliminiert, sie hat ihn in Erfurt unmöglich
gemacht, sie wir dein Menetekel für alle Zukunft bilden. Die Behauptung
eines Reformblattes, dass von außen her, irgendwelche Beeinflussung
versucht worden wäre, ist natürlich eitel Flunkerei; der Widerstand
gegen die Wahl des genannten Herrn ist der ureigensten Initiative unseres
Repräsentantenkollegiums entsprungen. Schließlich sei noch die Bemerkung
verstattet dass der Schreiber dieser Zeilen absolut in keiner Beziehung zu
den Vertretungskörperschaften der hiesigen jüdischen Gemeinde steht,
dass er aber im Übrigen für die Wahrheit eines jeden Wortes sich
verbürgt." |
25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Moritz Salzberger (1911)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 20. Oktober 1911: "Erfurt, 13. Oktober (1911). Am 5.
dieses Monats feierte Herr Dr. Salzberger sein 25-jähriges
Amtsjubiläum als Rabbiner der Erfurter Synagogengemeinde. Dem
verdienstvollen Jubilar, der sich der größten Hochschätzung und
allgemeiner Beliebtheit erfreut, wurden von allen Seiten Ehrungen
bereitet. Eine Deputation, bestehend aus Mitgliedern des Vorstandes und
der Repräsentantenversammlung überbrachte eine kunstvoll ausgestattete
Adresse, in welcher die Verdienste des Herrn Jubilars in höchst
anerkennender Weise gewürdigt wurden, und überreichte im Namen der
Gemeinde ein kostbares Silbergeschenk. Auch die Loge und die wohltätigen
Vereine hatte Deputationen zur Beglückwünschung entsandt. Eine besondere
Freude wurde dem Herrn Jubilar dadurch bereitet, dass die Mitglieder der
Gemeinde eine Sammlung veranstaltet hatten, welche eine namhafte Summe
ergab, die dem Herrn Jubilar zur freien Verfügung bergeben wurde. Am
Abend fand ein Festessen statt, an welchem der Vorstand und die
Repräsentanten vollzählig teilnahmen" |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer, Kantoren und Gemeindediener
Ausschreibungen der Stelle des (1. und 2.) Lehrers und Vorbeters (1858
/ 1862 / 1869)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 1. Februar 1858: "Die Synagogen-Gemeinde zu Erfurt sucht
einen unverheirateten zweiten Lehrer, der genügende musikalische
Kenntnisse zur Bildung eines Chors und die nötigen
Elementarlehrer-Qualifikations-Zeugnisse besitzen muss. Reflektanten
wollen ihre Bedingungen an den Vorstand einsehen." |
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Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 4. Februar 1862: "Bei der Synagogen-Gemeinde zu Erfurt
soll mit dem 1. April dieses Jahres die Stelle eines geprüften
Religionslehrers und Predigers besetzt werden. Qualifizierte Bewerber mit
pädagogischen Kenntnissen werden ersucht, sich unter Einsendung ihrer
Zeugnisse an den vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Wilhelm Moos in
Erfurt zu wenden, wobei bemerkt wird, dass das Einkommen 400 bis 450
Thaler jährlich beträgt. - Bei persönlicher Vorstellung werden
Reisekosten nciht vergütet." |
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Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 16. Februar 1869: "An der Religionsschule der
hiesigen Synagogen-Gemeinde, an welcher bisher der Prediger allein
unterrichtet hat, soll zum 1. April dieses Jahres noch ein zweiter Lehrer
mit 300 Taler Gehalt angestellt werden.
Bewerber, welche außer ihrer Qualifikation als Elementarlehrer genügende
musikalische Kenntnisse besitzen, um einen Kirchengesangs-Chor
einzurichten und zu leiten, auch befähigt sind, den Vorbeter und
Schächter vollständig zu vertreten, wollen ihre Meldungen mit Zeugnissen
an den unterzeichneten Vorstand einreichen.
Bei gleicher Qualifikation würde ein Nichtverheirateter den Vorzug
erhalten.
Erfurt, den 22. Januar 1869. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu
Erfurt.
M. Moose. H. Basch. Isaac Lamm." |
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Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 23. Februar 1869:
derselbe Text wie oben. |
Ausschreibung der Stelle des Gemeindedieners und
Hilfsschächters (1880)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 5. Oktober 1880: "Die hiesige Gemeinde beabsichtigt,
einen, möglichst unverheirateten, nciht über 30 Jahre alten
Gemeindediener, welcher auch als Hilfsschächter zu fungieren hat, mit
einem vorläufigen Gehalt von 600 Mark nebst freier Wohnung und
Nebenemolumenten anzustellen.
Bewerber wollen sich unter Vorlegung beglaubigter Zeugnisse, möglichst
bald an den Unterzeichneten wenden.
Erfurt, den 19. September 1880.
Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde." |
Ein Prediger ("geistlicher Redner") für die
Synagoge konnte noch nicht gefunden werden (1846)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 30. November 1846: "Aus Thüringen, im November
(1846). Falls es Ihnen erwünscht sein sollte, werde ich Ihnen von Zeit zu
Zeit einige übersichtliche Berichte aus hiesiger Gegen zukommen lassen
und mache damit heute den Anfang. Werfen wir zunächst unseren Blick auf
die Hauptstadt Thüringens, Erfurt, den Sitz einer Regierung, wo
der berühmte und verdienstvolle Dr. Unger lebt und wirkt, so müssen wir
es umso schmerzlicher beklagen, dass gerade dort das Gotteshaus, das Sie
einst mit begeisterten und begeisternden Worten geweiht haben, noch immer
verwaist dasteht und des geistlichen r3edners gänzlich entbehrt, was
selbst nicht ohne nachteilige Einwirkung auf die Ansicht der hohen
Behörden bleiben kann. Die dasige Gemeinde könnte diesem Mangel bei
ihren Mitteln doch leicht abhelfen, - einige Opfer dürfen natürlich
nciht gescheit werden, - sich wenigstens vorläufig an eine benachbarte
Gemeinde anschließen, wo dies Bedürfnis längst befriedigt, wie dies ja
auch bei den Deutsch-Katholiken häufig der Fall ist. Es wäre indes
höchst erwünscht, wenn dort künftig ein Rabbinat begründet und auch
die Jugend einen gediegenen Religionsunterricht empfangen
würde." |
Ein Prediger und Religionslehrer konnte angestellt werden (1853)
Anmerkung: angestellt wurde Kantor Glück; dieser ist 1873 nach 20-jähriger
Amtstätigkeit ausgeschieden (siehe Bericht von 1873)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 5. September 1853: "Erfurt, 20. August (1853). Der
hiesigen israelitischen Gemeinde ist es endlich nach vielen
Schwierigkeiten gelungen, einen Prediger und geprüften Religionslehrer
anzustellen, der auch bereits am vergangenen Sonnabend vor zahlreich
versammelter Gemeinde seine erste Predigt gehalten hat. (Fr.J.)." |
Anzeige
von Kantor J. Glück (1873)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1873:
"Für eine hiesige höchst noble Familie wird zum 1. April oder 1.
Mai dieses Jahres eine jüdische Köchin gegen hohen Lohn und gute Behandlung
gesucht. Dieselbe hätte vorzugsweise die Besorgung der Küche und nur
ausnahmsweise etwaige leichter Verrichtungen in der Wirtschaft zu
übernehmen. Frankier Anmeldung nimmt entgegen.
Erfurt, im Februar 1873. J. Glück,
Kantor." |
Kantor
Glück scheidet nach 20-jährigem Dienst aus dem Amt - sein Nachfolger ist
Kantor Rothschild (1873)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1873:
"Erfurt, 24. April (1873). Als ein mustergültiges Beispiel
lassen Sie mich Folgendes berichten. Der bisherige Kantor unserer
Gemeinde, Herr Glück, schied, nach zwanzigjähriger segensreicher
Wirksamkeit, aus seinem Amte. Die Liebe und Anerkennung, welche Herr
Glück sich während einer Amtswirksamkeit erwarb, gab sich denn auch in
dem hochherzigen Entschlusse der Gemeindevertreter kund, dem Jubilare eine
lebenslängliche jährliche Pension von 300 Thalern zu bewilligen,
obgleich weder das Gemeindestatut, noch sonst eine Klausel sie dazu
verpflichteten. Herr Glück hat sich um Synagoge und Schule sehr
wesentliche Verdienste erworben. Am letzten Pessachtage wurde der
Amtsaustritt, sowie der Eintritt seines Nachfolgers, Herr Rothschild,
bei dem Gottesdienste feierlich begangen, wobei die Rede des
Gemeindevorstehers, Herrn Moos, und des Gemeindepredigers, Herrn. Dr.
Jaraszewski, einen trefflichen Eindruck
machte". |
Über
die "Handelsfachschule" von Dr. Moritz C. Wahl in den 1870er- und
1880er-Jahren
Anzeige
der "Handelsfachschule" von Dr. M. C. Wahl (1869 / 1872)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18.
August 1869: |
| |
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 20. März 1872: |
Über
die "Handelsfachschule" vom Dr. M. Wahl (1873)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4.
November 1873: |
Prüfungen in der Handelsfachschule von Dr. Moritz Wahl
(1874)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 21. April 1874: |
Anzeige zum Tod des Direktors der Handelsfachschule Dr. Moritz
Wahl (1887)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 10. November 1887: |
Berichte aus
dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Nach der Einführung eines
Harmoniums in der Orgel hat sich eine orthodoxe "Israelitische
Religionsgesellschaft" gegründet (1884)
Anmerkung: vergleiche den Bericht oben: "Beschreibung der
Gemeinde (1887)" sowie Berichte
auf der Synagogenseite zur Einrichtung eines orthodoxen Betsaales.
.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1884: "Zürich,
November (1884). Bezugnehmend auf eine Korrespondenz Ihres geschätzten
Blattes in Betreff der projektierten Aufstellung eines Harmoniums in der
hiesigen neuerbauten Synagoge muss ich Ihnen leider heute mitteilen, dass
nicht nur bis heute dasselbe nicht aus der Synagoge entfernt wurde,
sondern der Gottesdienst findet sogar mit Damengesang statt. Unter solchen
Verhältnissen dürfen doch die hiesigen religiösen Mitglieder der
Gemeinde nicht schweigen und sind vor Gott und ihrem Gewissen
verpflichtet, gegen diese gesetzwidrige Neuerung Protest einzulegen, sowie
dieselben laute Entscheid der größten rabbinischen Autoriten, - solange
diese Neuerung in der Synagoge stattfindet, - weder an dem öffentlichen
Gottesdienst teilnehmen, noch überhaupt die Synagoge betreten dürfen.
Aus diesem Grund geht der wiederholte Ruf an die religiös gesinnten
Mitglieder hiesiger Gemeinde! Vereinigt Euch zu gemeinsamem Vorgehen gegen
die ohne Genehmigung der Gemeinde, vom Vorstande allein eingeführte
Neuerung, da Euch vom Religionsgesetz aus nichts anderes übrig bleibt,
als aus der Gemeinde auszutreten oder die Entfernung dieses spezifisch
kirchlichen Instruments aus der Synagoge herbeizuführen. (In Erfurt hat
sich neuerdings in Folge der Einführung eines ähnlichen Instrumentes in
der Synagoge eine Separatgemeinde gebildet, deren gemietetes,
anspruchsloses Lokal während der hohen Feiertage zahlreicheren Besuchs zu
erfreuen hatte, als die neuerbaute, prachtvolle Synagoge. - Red.). |
Festessen
zum Chanukkafest in der israelitischen Religionsgesellschaft (1890)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 15. Dezember 1890: "Erfurt, 10. Dezember (1890). Am
Sonntag Abend hielten die Mitglieder der Israelitischen
Religionsgesellschaft im Restaurant J. Weil's Witwe zu Ehren des
Chanukkafestes ein Festessen. Die animierte Stimmung wuchs, als Herr Goldschmidt,
Kantor der hiesigen orthodoxen Religionsgesellschaft das Wort ergriff. Der
Redner schilderte die Taten der Hasmonäer; er verglich ihr Wirken mit dem
der heutigen Orthodoxie, welche gleichfalls, feststehend auf dem Boden des
echten Judentums, den Kampf gegen den gemeinsamen Feind des ererbten
Glaubens fortführt. Und dass der gerechten Sache endlich der Sieg werden
müsse, das bewiesen die Ereignisse der jüngsten Tage. Denn unser
allgeliebter Landesvater habe gezeigt, dass er kein Freund des Antisemitismus
sei (hebräisch und deutsch:) In seinen und unseren Tagen wird Juda
geholfen werden (nach Jeremia 23,6). Darum gebühre zunächst Gott
unserem kaiserlichen Herrn der Dank ganz Israels. Ein begeistert
aufgenommenes Hoch auf Seiner Majestät schloss die gediegene Ansprache.
Bis spät in die Nacht hinein blieb die fröhliche Gesellschaft
beisammen. J. Rosenthal." |
Jüdische
Personen können nicht Mitglied im "Verein zur Bekämpfung der
Unsittlichkeit" werden (1895)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 25. Januar 1895: "In Erfurt ist jüngst ein Verein zur
Bekämpfung der Unsittlichkeit gegründet worden, der Juden ausschloss. Rabbiner
Dr. Salzberger hat mit anerkennenswertem Freimut in dortigen Blättern
gegen diesen Ausschluss seiner Glaubensgenossen Front gemacht.
Nachdrücklich betont er in einem sehr gediegenen und sachgemäßen
Artikel der 'Thüringer Zeitung' (6. Januar), dass im 'Fundament aller
Moral zwischen Christentum und Judentum die vollkommenste, wir können
beinahe sagen, die wörtlichste Übereinstimmung herrscht'." |
Tagung
des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands in Erfurt (1895)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 28. Juni 1895: |
Zuzug
galizischer Juden - die Erfurter Handelskammer sieht Probleme (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1902:
"Erfurt, 4. August (1902). (Zuzug galizischer Juden). Der
kürzlich erschienene Jahresbericht der Erfurter Handelskammer enthält
auf Seite 27 unter 12 folgenden Passus: 'Nachdem aus gewerblichen Kreisen
über das Anwachsen des Zuzuges von jüdischen Händlern aus Galizien und
über die Art ihres Geschäftsbetriebes beim Herrn Regierungspräsident
Ergebungen angestellt und festgestellt, dass in der Tat 62 derartige
Personen seit dem Jahre 1899 zugezogen sind, und dass ein großer Teil
dieser Händler nicht nur den Hausierhandel in den angrenzenden
thüringischen Staaten betreibt, sondern in der Stadt Erfurt von Haus zu
Haus zieht und Waren feilbietet. Er hat deshalb die Handelskammer um
gutachtliche Äußerung darüber ersucht, ob auch die in Übereinstimmung
mit dem Beschwerdeführer, der Polizeiverwaltung zu Erfurt und der
Königlichen Regierung selbst in diesem Geschäftsbetriebe eine
beträchtliche Schädigung der einheimischen, in Erfurt ansässigen Geschäftsinhaber
erblicke und eine Ausdehnung der gewerbepoli8zeilichen 'Vorschriften über
den Gewerbebetrieb der Ausländer im Umherziehen' auf den Stadtbezirk
Erfurt befürworte, sodass in Zukunft die Erlaubnis zum Hausierhandel
Ausländern nur noch erteilt werde nach Maßgabe des vorhandenen
Bedürfnisses.'
Die Handelskammer hat diese Fragen bejaht. Die armen jüdischen Hausierer
werden den großen Erfurter Warenhäusern wohl eine fürchterliche
Konkurrenz gemacht haben. Die Herren mussten wahrscheinlich ihren
Aufenthalt in Ostende und Norwegen bedeutend abkürzen.
Schrecklich!" |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
50-jähriges Jubiläum von Professor Dr. Unger (Lehrer am Realgymnasium) und
Ernennung zum Ehrenbürger (1860)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 9. Oktober 1860: "Das fünfzigjährige Jubiläum des Herrn
Professor Dr. Unger in Erfurt. Wir berichten hier über diese schöne
Feier hinsichtlich des dem Jubilar von seinen Schülern gebrachten
Fackelzuges in dem Artikel: Erfurt. Die 'Thüringische Zeitung' No. 223
gibt folgende ausführliche Darstellung: 'Ein Fest, welches sich der
allgemeinsten Teilnahme von Nah und Fern erfreute, wurde gestern in
unseren Mauern gefeiert. Unser durch eine halbhundertjährige segensreiche
Tätigkeit als mathematischer Lehrer und Schriftsteller rühmlichst
bekannte Mitbürger, der Dr. Professor Unger, feierte am 20. September den
fünfzigsten Jahrestag seiner Doktorpromotion. Der Gefeierte wurde im
Jahre 1788 zu Coswig an der Elbe geboren, kam 1807 als Student nach der
damaligen Universität Erfurt, woselbst er am 20. September 1910 mit der
Doktorwürde graduiert und zum Dozenten der Universität ernannte wurde.
In demselben Jahre trat er in das Weingärtner'sche Institut, bei welchem
er bis zu dessen Auflösung in anerkennenswerter Tätigkeit wirksam war.
Vom Jahre 1817 an hielt er sowohl den Offizieren des topographischen
Büreaus als auch auf Veranlassung des Herrn Generals von Jagow dem
übrigen Offizierscorps mathematische Vorträge. Zu jener Zeit gründete
der Dr. Unger seine mathematische Lehranstalt, welche bis 1834 bestand und
alsdann in eine Realschule umgewandelt wurde; aus dieser ging im Jahre
1844 die jetzt noch bestehende Realschule hervor, bei welcher der Jubilar
noch heute als Oberlehrer tätig ist. In dieser langen Reihe von Jahren
bildete er eine große Anzahl von Schülern zu emsigen und gemeinnützigen
Trägern der Wissenschaft heran, und selbst den höchsten Kreisen
angehörende Männer verdanken ihm ihre wissenschaftliche Ausbildung.
Am Tage der Feier gab sich die allgemeinste Anerkennung in zahlreichen
Dankadressen und Gratulationen kund, die dem Jubilar von vielen Seiten
zugingen. Dass zur Vorfeier am 19. dieses Monats abends die Schüler der
oberen Klassen der Realschule ihrem geliebten Lehrer die Ovation eines
Fackelzuges darbrachten und ihm ein Pokal übereicht wurde, haben wir
bereits erwähnt. Gestern früh um 9 Uhr beglückwünschte den Gefeierten
eine Deputation der jetzt noch lebenden Schüler des Weingärtner'schen
Instituts, dessen jüngstes Mitglied 60 Jahre zählt. Außerdem brachten
der Herr Regierungspräsident Du Vignau in Begleitung des Herrn
Regierungsrates Dr. Witke, ferner Herr Konsistorialrat Scheibe ihre
Glückwünsche dar. Letzterer danke dem greisen Lehrer im Namen der
Volksschulen, um welche er sich verdient gemacht, mit herzlichen innigen
Worten, welche allen Anwesenden in steter Erinnerung bleiben werden. Im
Namen des Provinzial-Schulkollegiums in Magdeburg überreichte Herr
Regierungsrat Dr. Trinkler ein Schreiben, worin die gro-
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ßen
Verdienste des Jubilars ihre rühmlichste Anerkennung finden. Auch eine
Deputation der Harmoniegesellschaft stattete ihre Gratulation ab. Der
Vorstand der Ressource überreichte eine Denkschrift, das
Realschullehrer-Kollegium stattete, mit Herrn Direktor Dr. Koch an der
Spitze, ebenfalls ihren Glückwunsch ab, wobei dasselbe ihm ein
Ehrengeschenk, bestehend in einer prächtig gearbeiteten, mit den Namen
sämtlicher Realschullehrer darauf verzeichneten, silbernen Fruchtschale
überreichten, bei welcher Gelegenheit die Herren den Jubilar zu einem ihm
zu Ehren veranstalteten Festsouper einluden.
Ganz besonders verdient hervorgehoben zu werden, dass eine Deputation des
Magistrats und der Stadtverordneten erschienen ist, welche dem auch als langjährigen
Stadtverordneten und durch Reorganisation der Sterbekassen um Stadt und
Staat so hochverdienten Manne das Ehrenbürgerrecht der Stadt Erfurt
überreicht. |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 9. Oktober 1860: |
Unteroffizier Otto Bibo wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1870)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. November 1870:
"Erfurt, 27. Oktober (1870). Ich teile Ihnen die erfreuliche
Nachricht mit, dass ein junger, sehr ehrenwerter Mann von hier, der
Unteroffizier Bibo vom 87. Linien-Infanterieregiment, wegen Auszeichnung
vor dem Feinde das Eiserne Kreuz erhalten
hat." |
Erinnerung an Prof. Unger und Klage über antisemitische Lehrer am Realgymnasium
(1894)
Artikel in der "Zeitschrift "Der Israelit"
vom 23. August 1894: |
70. Geburtstag des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes (1896)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 10. Januar 1896: |
Zum
Tod des Gemeindevorstehers Isaak Lamm nach 40-jähriger Amtszeit in der
Gemeindeverwaltung (1905)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 3. Februar 1905: |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1905:
"Erfurt, 1. Februar (1905). Am 23. vorigen Monats verschied
hier, wie schon kurz gemeldet, nach längerem Leiden der Vorsteher der
Synagogengemeinde Isaak Lamm im 80. Lebensjahre. Länger als 40
Jahre hat er an der Spitze der Gemeindeverwaltung gestanden und zum Segen
der Gemeinde gewirkt. Von wahrhaft religiöser Gesinnung hat er seine
reiche Erfahrung, sein tiefes Wissen in den Dienst seiner Gemeinde
gestellt. Vor 60 Jahren kam er nach Erfurt und wurde der Begründer der
blühenden Damenmäntel-Industrie, die heute eine bedeutende Rolle auf dem
Weltmarkt spielt. 1877 wurde er als Mitglied der Handelskammer gewählt.
Dieser Körperschaft gehörte er 28 Jahre ununterbrochen an und erwarb
sich große Verdienste um die industrielle Entwicklung Erfurts. Vor drei
Jahren wurde ihm als Anerkennung hierfür der Rote Adlerorden verliehen.
Die Trauerfeier fand in der Synagoge statt, wo die Leiche des
Entschlafenen aufgebahrt war. In dem Gotteshause hatten sich versammelt
außer den Familienangehörigen die Spitzen der Behörden, Vertreter der
Finanz- und Handelswelt von nah und fern. Eingeleitet wurde die Feier
durch Chorgesang; alsdann entwarf Rabbiner Dr. Salzberger in warmherziger
Rede ein Bild des Entschlafenen. Er schilderte in lichtvoller Weise seine
seltenen Charaktereigenschaften, seine religiöse Natur und seinen hohen
Wohltätigkeitssinn. Nciht nur für seine Familie, sondern auch für die
Erfurter Gemeinde bedeute das Hinscheiden dieses Mannes einen
unersetzlichen Verlust. Isaak Lamm war eine von Grund auf religiös
beanlagte, religiös gestimmte Natur. Ihm war die Religion nichts weniger,
als etwas Äußerliches, Gewohnheitsmäßiges; sie war ihm vielmehr
Herzenssache, innerstes Bedürfnis. Diese echte Religiosität macht es uns
verständlich, wie er, der vielbeschäftigte Mann, so viel Zeit und Kraft
unserer Gemeinde widmen könnte. Es ist noch allen in frischer Erinnerung,
wie sich vor 9 Jahren zu seinem 760. Geburtstage die ganze Gemeinde zu
einer seltenen Ehrung um ihn versammelte. Unvollständig wäre das
Lebensbild des Verblichenen, würden wir nicht den leuchtendsten Zug, den
Familiensinn erwähnen. Mit dem Danke an den Verklärten für all die
guten Anregungen und für die Förderungen, die er in seiner amtlichen
Tätigkeit von ihm erfahren, schloss Dr. Salzberger seine ergreifende
Trauerrede. Chorgesang beschloss die würdige Feuer. Hierauf wurde der
Sarg herausgetragen und ein unabsehbares Trauergefolge gab ihm das letzte
Geleit. Auf dem Friedhofe wurde nach einem Gebete die Leiche der letzten
Ruhestätte übergeben und Mitglieder aller Konfessionen drängten an die
Gruft, um dem edlen Manne den letzten Scheidegruß zu
entbieten. |
Über
Rabbiner Dr. Georg Salzberger (Bericht zu seiner Tätigkeit als Feldrabbiner bei
der 5. Armee - Kronprinzen-Armee, 1915)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Georg Salzberger (geb. 1882 in Kulm als Sohn des
späteren Erfurter Rabbiners Moritz Salzberger und der Anna geb. Freyhan, gest.
1975 in London): seit 1885 aufgewachsen in Erfurt, wo er 1902 die
Schulausbildung mit dem Abitur abgeschlossen hat studierte in Berlin und
Heidelberg; war von 1910 bis 1939 Rabbiner der liberalen Westend-Synagoge in
Frankfurt am Main; von September 1914 bis 1918 Feldrabbiner bei der 5. Armee
(Kronprinzen-Armee), erhielt vor Verdun vom Kronprinzen persönlich das
"Eiserne Kreuz"; emigrierte 1939 nach England mit Frau und den
Töchtern , war bis 1956 Rabbiner in London, danach Gastrabbiner der jüdischen
Gemeinden Berlin und Hamburg.
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 15. Januar 1915: |
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70.
Geburtstag des Kriegsveterans Otto Bibo (1912)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 1. November 1912: "Erfurt. Jüngst feierte der
Pensionär der hiesigen königlichen Gewehrfabrik Otto Bibo, ein
Veteran der Kriege 1866 und 1870/71, seinen 70. Geburtstag.
Bibo hat 1866 u.a. bei Königgrätz und 1870/71 bei Weißenburg,
Pfalzburg, Wörth und Sedan mitgekämpft und nahm an der Belagerung von Paris
teil. Bei Wörth warf sich der Unteroffizier Bibo mit einem kleinen
Häuflein tapfer gegen die Übermacht des Feindes und vermöchte durch
sein mutiges Vorgehen und seine Ausdauer die gefährdete Fahne zu halten.
Vor Sedan gelang ihm die Ausführung schwieriger Patrouillen. Am 18.
Oktober heftete ihm der Kronprinz eigenhändig das Eiserne Kreuz 2. Klasse
an. Vor einigen Jahren hat Bibo die Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse
erhalten. Kaiser Wilhelm II. hat sich gelegentlich seiner Anwesenheit in
Erfurt mit Bibo unterhalten". |
Leopold Rosenstein erhält das Eiserne Kreuz
(1916)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 8. September 1916: |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Konfektionsgeschäftes H. Basch
(1863)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 18. August 1863: |
Anzeige von
Simon S. Frank (1866)
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 23. Januar 1866: |
Anzeige
von Adolph Schönstadt (1873)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23.
September 1873: "Ein junges Mädchen, jüdischer Konfession, aus
achtbarer Familie wird zur Erziehung noch kleiner Kinder, sowie zur
Stütze der Hausfrau gesucht bei Adolph Schönstadt,
Erfurt." |
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