Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Erfurt (Landeshauptstadt von Thüringen)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Erfurt wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.  
  
Hinweis: es konnten noch nicht alle Texte ausgeschrieben werden; zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.         

  
Übersicht:

Allgemeine Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
-  Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde bis 1840 (Bericht von 1840)  
-  Beschreibung der Gemeinde (1887)  
Aus der Geschichte des Rabbinates 
-  Dr. Siegmund Feßler wird zum Bezirksrabbiner gewählt (1886)   
-  25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Salzberger (1911)    -   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, Kantoren und Gemeindediener   
-  Ausschreibungen der Stelle des (1. und 2.) Lehrers und Vorbeters (1858 / 1962 / 1869)      
-  Ausschreibung der Stelle des Gemeindedieners und Hilfsschächters (1880)     
-  Ein Prediger ("geistlicher Redner") für die Synagoge konnte noch nicht gefunden werden (1846)    
-  Ein Prediger und Religionslehrer konnte angestellt werden (1853)   
-  Anzeige von Kantor J. Glück (1873)       
-  Kantor J. Glück scheidet nach 20-jährigem Dienst aus dem Amt - sein Nachfolger ist Kantor Rothschild (1873) 
Über die "Handelsfachschule" von Dr. Moritz C. Wahl in den 1870er- und 1880er-Jahren       
-  Anzeige der "Handelsfachschule" von Dr. Moritz C. Wahl (1869 / 1872)  
Über die "Handelfachschule" von Dr. Moritz C. Wahl (1873) 
Prüfungen in der "Handelsfachschule" von Dr. Moritz C. Wahl (1874)   
Anzeige zum Tod des Direktors der "Handelsfachschule" Dr. Moritz C. Wahl (1887)           
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Nach der Einführung eines Harmoniums in der Orgel hat sich eine orthodoxe "Israelitische Religionsgesellschaft" gegründet (1884)     
-  Festessen zum Chanukkafest in der israelitischen Religionsgesellschaft (1890)      
-  Jüdische Personen können nicht Mitglied im "Verein zur Bekämpfung der Unsittlichkeit" werden (1895)     
-  Tagung des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands in Erfurt (1895)      
-  Zuzug galizischer Juden - die Erfurter Handelskammer sieht Probleme (1902)      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
-  50-jähriges Jubiläum von Professor Dr. Unger (Lehrer am Realgymnasium) und Ernennung zum Ehrenbürger (1860)   
-  Unteroffizier Otto Bibo wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1870)     
-  Erinnerung an Prof. Unger und Klage über antisemitische Lehrer am Realgymnasium (1894)    
-  70. Geburtstag des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes (1896)  
-  Zum Tod des Gemeindevorstehers Isaak Lamm nach 40-jähriger Amtszeit in der Gemeindeverwaltung (1905)  
7
0. Geburtstag des Kriegsveterans Otto Bibo (1912)   
Über Rabbiner Dr. Georg Salzberger (Bericht zu seiner Tätigkeit als Feldrabbiner bei der 5. Armee - Kronprinzen-Armee, 1915)    
-  Leopold Rosenstein erhält das Eiserne Kreuz (1916)    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen       
-  Anzeige des Konfektionsgeschäftes H. Basch (1863)      
-  Anzeige von Simon S. Frank (1866)    
-  Anzeige von Adolph Schönstadt (1873)     

    
   
    
Allgemeine Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde bis 1840 (Bericht von 1840)  
Anmerkung: die Angaben sind nach den historischen Forschungen der letzten Jahrzehnte überholt; vor allem gab es 1349 keine 6000 Seelen umfassende jüdische Gemeinde in der Stadt. Man geht nach neueren Forschungen von etwa 3000 Toten bei der Verfolgung in der Pestzeit in Erfurt aus.   

Erfurt AZJ 01081840.jpg (231593 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1840: "Erfurt, 19. Juli (1840). Indem durch die jüngste Einweihung der hiesigen Gemeinde wohl einige Aufmerksamkeit zugelenkt worden, gestatte ich mir einige Bemerkungen über dieselbe. Bekanntlich fand im Jahre 1349 eine heftige Judenverfolgung hier statt, wodurch eine, mehr als 6000 Seelen fassende Gemeinde mit Stumpf und Stiel ausgerottet wurde. Überreste aus dieser Vorzeit sind noch häufig ausgegrabene Grabsteine, von denen einer der ältesten aus dem Jahre 1137 für drei Brüder, die in demselben Jahre nach und nach am Neumondstage dreier aufeinanderfolgenden Monate verstarben, einer der jüngsten aus dem Jahr 1310, und in der hiesigen Synodal-Bibliothek bewahrte, den Juden abgenommene Codices, worunter vier Torarollen, vier hebräische Text und Targum Vers um Vers durcheinander, mit später hinzugefügter Massora, Punktation und rabbinischen Randglossen, eine Gemara Mass. Berachot ff., die allesamt einer neueren kritischen Durchsicht bedürften. 
Vor 26 Jahren (sc. 1814) wohnten hierselbst nur zwei Familien, bis in den französischen Zeiten sich die meisten, jetzt hier ansässigen Familien ansiedelten. Gegenwärtig zählt die Gemeinde ungefähr 120 Seelen. Welches Charakters sie sei, kann man daraus ersehen, dass der Herr Oberbürgermeister auf Anfrage einer hohen Regierung in Bezug auf das der Gemeinde zu verleihende Korporationsrecht ihre Unbescholtenheit in jeglicher Beziehung, ihre Sitt- und Rechtlichkeit in einem trefflichen Berichte zu rühmen nicht anstand. einer der vorzüglichsten Mitglieder der Gemeinde ist der als Mathematiker und Schulmann rühmlichst bekannte Dr. S. Unger, der an der Spitze einer, auf Anregung höhererseits begründeten Realschule steht, die nur von wenigen Knaben mosaischen, wohl aber von ca. 160 christlichen Glaubens besucht wird, und an der zwei christliche Religionslehrer den Kindern ihrer Konfession den Religionsunterricht erteilen. Die Schule ist sehr regelmäßig organisiert, und genießt eines vorzüglichen Rufes. Herr Dr. Unger ist auch Stadtverordneter. - Die Gemeinde steht im Begriff, sich einen tüchtigen Religionslehrer zu erwerben, und dann einen geordneten Gottesdienst zu instituieren."                

   
Beschreibung der Gemeinde (1887)  
Anmerkung: die kritische Beschreibung der religiösen Verhältnisse in Erfurt sind für die konservativ-orthodox geprägte Zeitschrift "Der Israelit" verfasst. Sie zeigen die liberale Prägung der Erfurter Gemeinde mit ihrer Synagoge mit Orgel und gemischtem Chor, was beides von orthodox Gesinnten streng abgelehnt wurde. Dazu kommt der schlechte Gottesdienstbesuch und ein Beginn des Gottesdienstes mit sieben Männern (die Tradition fordert 10 religionsmündige Männer, d.h. über 13-jährige, damit ein Minjan vorhanden ist) 

Erfurt Israelit 17101887.jpg (175024 Byte)Artikel in der "Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1887: "Berlin, 7. Oktober (1887). Auf einer Erholungsreise in mehreren Ländern und Lädchen Deutschlands befindlich gewesen, hatte ich es mir leider nicht speziell vorgenommen, Notizen über die Juden der einzelnen Orte zu sammeln, die ich besucht. Es haben sich mir jedoch einige von selbst geboten und da es mir als Leser des 'Israelit' bekannt ist, dass es sein Bestreben ist, in seinem Nachrichtendienst die Judenheit der ganzen Welt bis in die weitesten Gegenden zu umspannen, so will auch ich das Wenige mitteilen, was mir aufgesto0pen. In Erfurt fand ich eine sehr schöne, große Synagoge, am Karthäuser-Ufer gelegen, wo nicht weit das feine Villenviertel beginnt. Trotz der 90 israelitischen Familien aber, die in Erfurt leben sollen, begann an dem Freitag Abend, in welchem ich die Synagoge zuerst betrat, der Gottesdienst mit nur 7 Personen, in welchen schon Prediger und Kantor begriffen sind. Erst dicht am Ende zählte ich zusammen 17 Beter, darunter Knaben über 13 Jahre. Die Synagoge hat eine Orgel - die Redaktion wird mir die Übertretung wohl nachsehen: ich hielt eine Orgelsynagoge für noch besser als gar keine - und der Chor besteht aus Herren und Damen, ob auch Christen darunter weiß ich nicht. Eine jüdische Restauration ist nicht vorhanden, doch ist der Synagogendiener auf Speisegäste eingerichtet. Als Kuriosum berichte ich die mir gemacht Mitteilung, dass einem gleichzeitig mit mir in Erfurt gewesenen, wohl in Posen geborenen Glaubensgenossen, der von Berlin kam, um sich in Erfurt sesshaft zu machen, von der betreffenden Behörde der 'Gewerbeschein' versagt wurde, angeblich weil 'schon genug' (Juden nämlich) in Erfurt wären. Der betreffende Dezernent soll selber ein getaufter Jude sein. Relatum refero (sc. 'ich berichte Berichtetes'), eine Garantie für diese Mitteilung will ich nicht übernehmen."              

   
   
   
      
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Übersicht über die Rabbiner in Erfurt im 19./20. Jahrhunderts     
    
-  1859 bis 1861: Rabbiner Dr. Isaak Heilbronn (geb. 1828 in Fulda, gest. 1909 in Nürnberg): studierte in Würzburg, später in Berlin und Frankfurt am Main; war seit 1854 Prediger und Religionslehrer in Stavenhagen (Mecklenburg-Schwerin); seit 1860 Rabbiner in Erfurt, seit November 1861 Bezirksrabbiner in Weikersheim; trat Anfang 1903 in den Ruhestand.      
-  1862 bis 1878 Rabbiner Dr. Adolf Jaraczewsky (geb. 1829 in Borek, Provinz Posen, gest. 1911 in Mühringen): studierte in Breslau; war zunächst als Lehrer in Dolsk, Provinz Posen tätig, 1854 Oberlehrer in Stettin, 1858 Prediger in Küstrin an der Oder (Pommern); 1861 Promotion in Rostock; seit 1. April 1862 Rabbiner in Erfurt; seit 1879 Seelsorger und Religionslehrer, ab 1880 auch Bezirksrabbiner in Schüttenhofen (Sušice) in Böhmen; seit Oktober 1881 Rabbiner in Klattau (Klatovy); 1884 Bezirkrabbiner in Mühringen.      
-  1879 bis 1882 Rabbiner Dr. Jecheskel Caro (geb. 1844 in Pinne (Pniewy), Provinz Posen, gest. 1915 in Wien): studierte seit 1861 in Breslau, 1865/67 in Heidelberg; war zunächst Prediger am deutschen Tempel in Łódź, anschließend in Gniew (Mewe, Westpreußen) und als Religionslehrer am Gymnasium in Marienburg (Malbork); seit 1870 Rabbiner in Dirschau (Tczew, Westpreußen); seit 30. Juli 1879 Rabbiner in Erfurt, seit Oktober 1882 Rabbiner in Pilsen, 1890 Rabbiner, später Oberrabbiner in Lemberg; während des Ersten Weltkrieges in Wien, wo er verstorben ist.          
-  1883 bis 1885: Rabbiner Dr. Theodor Kroner (geb. 1845 in Wohlau (Wołów, Niederschlesien), gest. 1923 in Stuttgart): studierte seit 1864 in Breslau; war seit 1869 Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Münster, zugleich Gemeinderabbiner ebd.; 1872 Landesrabbiner für Sachsen-Weimar in Stadtlengsfeld, seit März 1883 Rabbiner in Erfurt; seit Oktober 1885 Rabbinatsassessor und Direktor/Seminarrabbiner des Lehrerseminars in Hannover; seit 1893 erster Rabbiner in Stuttgart; trat 1921 in den Ruhestand.         
-  1887 bis 1924 Rabbiner Dr. Moritz Salzberger (geb. 1844 in Alsókubin (Dolbý Kubín), gest. 1929 in Erfurt): studierte seit 1867 in Wien, dann in Breslau; war seit 1873 Rabbiner in Alsóbukin, 1876 bis 1886 Rabbiner und Lehrer in Kulm (Chełmno) an der Weichsel; von 1886 bis 1923 Rabbiner in Erfurt.           
-  1924 bis 1936 Rabbiner Dr. Max Schüftan (geb. 1887 in Königstein bei Namslau, Niederschlesien, gest. 1936 in Erfurt): studierte in Breslau und Erlangen; 1917 bis 1918 zweiter Rabbiner in Dusseldorf, 1918 bis 1924 Rabbiner in Görlitz, 1923 bis 1936 Rabbiner in Erfurt.         
-  1936 (?): Rabbiner Dr. Julius Augapfel (geb. 1892 in Jarosław, umgekommen 1944 im KZ Auschwitz): studierte seit 1910 in Wien; seit 1914 Rabbiner in Salzburg, Feldrabbiner im Ersten Weltkrieg; 1918 bis 1925 Bibliothekar an der Universität Wien; 1926 Rabbiner in Insterburg (Tschernjachowsk); 1936 Bewerbung und Probepredigt in Erfurt (unklar, ob er Stelle zeitweise angetreten hat; er lebte 1937 in Insterburg); März 1939 nach Holland emigriert; 1940 Deportation, Seelsorger im KZ Westerbork; Anfang September 1944 in das Ghetto Theresienstadt, wenig später nach Auschwitz.    
-  September 1937 bis November 1938: Rabbiner Dr. Peter Freund (geb. 1906 in Berlin, gest. 1982 in Jerusalem): studierte 1925 bis 1934 in Berlin; war Prediger und Religionslehrer in Berlin, danach Rabbiner in Trautenau (Trutnov, Böhmen); seit 1. September 1937 liberaler Rabbiner und Religionslehrer in ERfurt; im November 1938 in das KZ Buchenwald verschleppt, später nach Palästina emigriert; war als Verleger und Buchhändler in Jerusalem tätig.      
     
  
Dr. Siegmund Feßler wird zum Bezirksrabbiner gewählt (1886)   
Anmerkung: Dr. Siegmund Fessler (geb. 1847 in Möor = Mór, Ungarn, gest. 1909 in Halle): studierte 1876-82 in Breslau, wurde 1879 in Halle promoviert; 1883-86 Rabbinatsassessor in Mannheim. 1886 wurde er in Erfurt gewählt, die Wahl jedoch wegen der Vorgänge um seinen Mitbewerber Rabbiner Israel Goldschmidt - wovon im nachstehenden Artikel berichtet wird - Ende April 1886 annulliert. 1886 wurde er Rabbiner in Landsberg an der Warthe, von 1889 bis zu seinem Tod 1909 Rabbiner in Halle a.d. Saale.    

Erfurt Israelit 05041886.jpg (168612 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1886: "Erfurt, 1. April (1886). Herr Dr. Feßler aus Mannheim ist als Nachfolger des Herrn Dr. Kroner zu unserm Rabbiner gewählt worden. Dieser Herr verdankte seine Wahl einem Zufalle, und da kam so. Der Weilburger Bezirksrabbiner Dr. Goldschmidt, der durch seine Stellungnahme zur Orgel mund durch seine 'witzreiche' Erklärung gegen seinen Lehrer, Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer - sein Licht leuchte -, welcher ihm die tauras hauroo (Rabbinerautorisation) entzogen, zu einer gewissen Berühmtheit gelangt ist, hatte sich nämlich um die Erfurter Stelle beworben, und die Repräsentanten hatten ihn bereits mit großer Majorität gewählt. Da - o Schicksals Tücke! - erhob sich plötzlich einer der Herren Repräsentanten und brachte die oben erwähnte Erklärung zur Kenntnis der Versammlung. Die Verlesung derselben rief einen Sturm der Entrüstung hervor, von einer Wahl des genannten Herrn konnte keine Rede mehr sein, Dr. Goldschmidt wurde mit allen bis auf eine Stimme angelehnt und Dr. Feßler hatte gesiegt. Jene folgenreiche Erklärung hat den Namen des Herrn Dr. Goldschmidt von der Kandidatenliste für das Bromberger Rabbinat im letzten Moment eliminiert, sie hat ihn in Erfurt unmöglich gemacht, sie wir dein Menetekel für alle Zukunft bilden. Die Behauptung eines Reformblattes, dass von außen her, irgendwelche Beeinflussung versucht worden wäre, ist natürlich eitel Flunkerei; der Widerstand gegen die Wahl des genannten Herrn ist der ureigensten Initiative unseres Repräsentantenkollegiums entsprungen. Schließlich sei noch die Bemerkung verstattet dass der Schreiber dieser Zeilen absolut in keiner Beziehung zu den Vertretungskörperschaften der hiesigen jüdischen Gemeinde steht, dass er aber im Übrigen für die Wahrheit eines jeden Wortes sich verbürgt."       


25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Moritz Salzberger (1911)  

Erfurt AZJ 20101911.jpg (81416 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1911: "Erfurt, 13. Oktober (1911). Am 5. dieses Monats feierte Herr Dr. Salzberger sein 25-jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner der Erfurter Synagogengemeinde. Dem verdienstvollen Jubilar, der sich der größten Hochschätzung und allgemeiner Beliebtheit erfreut, wurden von allen Seiten Ehrungen bereitet. Eine Deputation, bestehend aus Mitgliedern des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung überbrachte eine kunstvoll ausgestattete Adresse, in welcher die Verdienste des Herrn Jubilars in höchst anerkennender Weise gewürdigt wurden, und überreichte im Namen der Gemeinde ein kostbares Silbergeschenk. Auch die Loge und die wohltätigen Vereine hatte Deputationen zur Beglückwünschung entsandt. Eine besondere Freude wurde dem Herrn Jubilar dadurch bereitet, dass die Mitglieder der Gemeinde eine Sammlung veranstaltet hatten, welche eine namhafte Summe ergab, die dem Herrn Jubilar zur freien Verfügung bergeben wurde. Am Abend fand ein Festessen statt, an welchem der Vorstand und die Repräsentanten vollzählig teilnahmen"            

  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer, Kantoren und Gemeindediener 
Ausschreibungen der Stelle des (1. und 2.)  Lehrers und Vorbeters (1858 / 1862 / 1869)    

Erfurt AZJ 01021858.jpg (36387 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Februar 1858: "Die Synagogen-Gemeinde zu Erfurt sucht einen unverheirateten zweiten Lehrer, der genügende musikalische Kenntnisse zur Bildung eines Chors und die nötigen Elementarlehrer-Qualifikations-Zeugnisse besitzen muss. Reflektanten wollen ihre Bedingungen an den Vorstand einsehen."        
  
Erfurt AZJ 04021862.jpg (41048 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Februar 1862: "Bei der Synagogen-Gemeinde zu Erfurt soll mit dem 1. April dieses Jahres die Stelle eines geprüften Religionslehrers und Predigers besetzt werden. Qualifizierte Bewerber mit pädagogischen Kenntnissen werden ersucht, sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse an den vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Wilhelm Moos in Erfurt zu wenden, wobei bemerkt wird, dass das Einkommen 400 bis 450 Thaler jährlich beträgt. - Bei persönlicher Vorstellung werden Reisekosten nciht vergütet."        
 
Erfurt Israelit 16021869.jpg (93366 Byte) Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Februar 1869: "An der Religionsschule der hiesigen Synagogen-Gemeinde, an welcher bisher der Prediger allein unterrichtet hat, soll zum 1. April dieses Jahres noch ein zweiter Lehrer mit 300 Taler Gehalt angestellt werden.   
Bewerber, welche außer ihrer Qualifikation als Elementarlehrer genügende musikalische Kenntnisse besitzen, um einen Kirchengesangs-Chor einzurichten und zu leiten, auch befähigt sind, den Vorbeter und Schächter vollständig zu vertreten, wollen ihre Meldungen mit Zeugnissen an den unterzeichneten Vorstand einreichen.  
Bei gleicher Qualifikation würde ein Nichtverheirateter den Vorzug erhalten.  
Erfurt, den 22. Januar 1869. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Erfurt.
M. Moose. H. Basch. Isaac Lamm."       
 
Erfurt AZJ 23021869.jpg (92321 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Februar 1869:    
derselbe Text wie oben.  

   
Ausschreibung der Stelle des Gemeindedieners und Hilfsschächters (1880)  

Erfurt AZJ 05101880.jpg (57830 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1880: "Die hiesige Gemeinde beabsichtigt, einen, möglichst unverheirateten, nciht über 30 Jahre alten Gemeindediener, welcher auch als Hilfsschächter zu fungieren hat, mit einem vorläufigen Gehalt von 600 Mark nebst freier Wohnung und Nebenemolumenten anzustellen. 
Bewerber wollen sich unter Vorlegung beglaubigter Zeugnisse, möglichst bald an den Unterzeichneten wenden. 
Erfurt, den 19. September 1880. 
Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde."         

     
Ein Prediger ("geistlicher Redner") für die Synagoge konnte noch nicht gefunden werden (1846)  

Erfurt AZJ 30111846.JPG (108583 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. November 1846: "Aus Thüringen, im November (1846). Falls es Ihnen erwünscht sein sollte, werde ich Ihnen von Zeit zu Zeit einige übersichtliche Berichte aus hiesiger Gegen zukommen lassen und mache damit heute den Anfang. Werfen wir zunächst unseren Blick auf die Hauptstadt Thüringens, Erfurt, den Sitz einer Regierung, wo der berühmte und verdienstvolle Dr. Unger lebt und wirkt, so müssen wir es umso schmerzlicher beklagen, dass gerade dort das Gotteshaus, das Sie einst mit begeisterten und begeisternden Worten geweiht haben, noch immer verwaist dasteht und des geistlichen r3edners gänzlich entbehrt, was selbst nicht ohne nachteilige Einwirkung auf die Ansicht der hohen Behörden bleiben kann. Die dasige Gemeinde könnte diesem Mangel bei ihren Mitteln doch leicht abhelfen, - einige Opfer dürfen natürlich nciht gescheit werden, - sich wenigstens vorläufig an eine benachbarte Gemeinde anschließen, wo dies Bedürfnis längst befriedigt, wie dies ja auch bei den Deutsch-Katholiken häufig der Fall ist. Es wäre indes höchst erwünscht, wenn dort künftig ein Rabbinat begründet und auch die Jugend einen gediegenen Religionsunterricht empfangen würde."             

 
Ein Prediger und Religionslehrer konnte angestellt werden (1853) 
Anmerkung: angestellt wurde Kantor Glück; dieser ist 1873 nach 20-jähriger Amtstätigkeit ausgeschieden (siehe Bericht von 1873)     

Erfurt AZJ 05091853.jpg (35674 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September 1853: "Erfurt, 20. August (1853). Der hiesigen israelitischen Gemeinde ist es endlich nach vielen Schwierigkeiten gelungen, einen Prediger und geprüften Religionslehrer anzustellen, der auch bereits am vergangenen Sonnabend vor zahlreich versammelter Gemeinde seine erste Predigt gehalten hat. (Fr.J.)."         

  
Anzeige von Kantor J. Glück (1873)    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1873: "Für eine hiesige höchst noble Familie wird zum 1. April oder 1. Mai dieses Jahres eine jüdische Köchin gegen hohen Lohn und gute Behandlung gesucht. Dieselbe hätte vorzugsweise die Besorgung der Küche und nur ausnahmsweise etwaige leichter Verrichtungen in der Wirtschaft zu übernehmen. Frankier Anmeldung nimmt entgegen.
Erfurt, im Februar 1873.  J. Glück, Kantor."     

  
Kantor Glück scheidet nach 20-jährigem Dienst aus dem Amt - sein Nachfolger ist Kantor Rothschild (1873)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1873: "Erfurt, 24. April (1873). Als ein mustergültiges Beispiel lassen Sie mich Folgendes berichten. Der bisherige Kantor unserer Gemeinde, Herr Glück, schied, nach zwanzigjähriger segensreicher Wirksamkeit, aus seinem Amte. Die Liebe und Anerkennung, welche Herr Glück sich während einer Amtswirksamkeit erwarb, gab sich denn auch in dem hochherzigen Entschlusse der Gemeindevertreter kund, dem Jubilare eine lebenslängliche jährliche Pension von 300 Thalern zu bewilligen, obgleich weder das Gemeindestatut, noch sonst eine Klausel sie dazu verpflichteten. Herr Glück hat sich um Synagoge und Schule sehr wesentliche Verdienste erworben. Am letzten Pessachtage wurde der Amtsaustritt, sowie der Eintritt seines Nachfolgers, Herr Rothschild, bei dem Gottesdienste feierlich begangen, wobei die Rede des Gemeindevorstehers, Herrn Moos, und des Gemeindepredigers, Herrn. Dr. Jaraszewski, einen trefflichen Eindruck machte".    

 
   

Über die "Handelsfachschule" von Dr. Moritz C. Wahl in den 1870er- und 1880er-Jahren   
Anzeige der "Handelsfachschule" von Dr. M. C. Wahl (1869 / 1872)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1869:   
 
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. März 1872:          

    
Über die "Handelsfachschule" vom Dr. M. Wahl (1873)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. November 1873:   

  
Prüfungen in der Handelsfachschule von Dr. Moritz Wahl (1874)  

Erfurt AZJ 21041874.jpg (63270 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1874:          

   
Anzeige zum Tod des Direktors der Handelsfachschule Dr. Moritz Wahl (1887)  

Erfurt AZJ 10111887.jpg (84117 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. November 1887:      

 
    
   
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 

Nach der Einführung eines
Harmoniums in der Orgel hat sich eine orthodoxe "Israelitische Religionsgesellschaft" gegründet (1884)  
Anmerkung: vergleiche den Bericht oben: "Beschreibung der Gemeinde (1887)" sowie Berichte auf der Synagogenseite zur Einrichtung eines orthodoxen Betsaales. .     

Zuerich Israelit 10111884.jpg (131777 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1884: "Zürich, November (1884). Bezugnehmend auf eine Korrespondenz Ihres geschätzten Blattes in Betreff der projektierten Aufstellung eines Harmoniums in der hiesigen neuerbauten Synagoge muss ich Ihnen leider heute mitteilen, dass nicht nur bis heute dasselbe nicht aus der Synagoge entfernt wurde, sondern der Gottesdienst findet sogar mit Damengesang statt. Unter solchen Verhältnissen dürfen doch die hiesigen religiösen Mitglieder der Gemeinde nicht schweigen und sind vor Gott und ihrem Gewissen verpflichtet, gegen diese gesetzwidrige Neuerung Protest einzulegen, sowie dieselben laute Entscheid der größten rabbinischen Autoriten, - solange diese Neuerung in der Synagoge stattfindet, - weder an dem öffentlichen Gottesdienst teilnehmen, noch überhaupt die Synagoge betreten dürfen. Aus diesem Grund geht der wiederholte Ruf an die religiös gesinnten Mitglieder hiesiger Gemeinde! Vereinigt Euch zu gemeinsamem Vorgehen gegen die ohne Genehmigung der Gemeinde, vom Vorstande allein eingeführte Neuerung, da Euch vom Religionsgesetz aus nichts anderes übrig bleibt, als aus der Gemeinde auszutreten oder die Entfernung dieses spezifisch kirchlichen Instruments aus der Synagoge herbeizuführen. (In Erfurt hat sich neuerdings in Folge der Einführung eines ähnlichen Instrumentes in der Synagoge eine Separatgemeinde gebildet, deren gemietetes, anspruchsloses Lokal während der hohen Feiertage zahlreicheren Besuchs zu erfreuen hatte, als die neuerbaute, prachtvolle Synagoge. - Red.). 

     
Festessen zum Chanukkafest in der israelitischen Religionsgesellschaft (1890)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember 1890: "Erfurt, 10. Dezember (1890). Am Sonntag Abend hielten die Mitglieder der Israelitischen Religionsgesellschaft im Restaurant J. Weil's Witwe zu Ehren des Chanukkafestes ein Festessen. Die animierte Stimmung wuchs, als Herr Goldschmidt, Kantor der hiesigen orthodoxen Religionsgesellschaft das Wort ergriff. Der Redner schilderte die Taten der Hasmonäer; er verglich ihr Wirken mit dem der heutigen Orthodoxie, welche gleichfalls, feststehend auf dem Boden des echten Judentums, den Kampf gegen den gemeinsamen Feind des ererbten Glaubens fortführt. Und dass der gerechten Sache endlich der Sieg werden müsse, das bewiesen die Ereignisse der jüngsten Tage. Denn unser allgeliebter Landesvater habe gezeigt, dass er kein Freund des Antisemitismus sei (hebräisch und deutsch:) In seinen und unseren Tagen wird Juda geholfen werden (nach Jeremia 23,6). Darum gebühre zunächst Gott unserem kaiserlichen Herrn der Dank ganz Israels. Ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Seiner Majestät schloss die gediegene Ansprache. Bis spät in die Nacht hinein blieb die fröhliche Gesellschaft beisammen.   J. Rosenthal."             

     
Jüdische Personen können nicht Mitglied im "Verein zur Bekämpfung der Unsittlichkeit" werden (1895)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Januar 1895: "In Erfurt ist jüngst ein Verein zur Bekämpfung der Unsittlichkeit gegründet worden, der Juden ausschloss. Rabbiner Dr. Salzberger hat mit anerkennenswertem Freimut in dortigen Blättern gegen diesen Ausschluss seiner Glaubensgenossen Front gemacht. Nachdrücklich betont er in einem sehr gediegenen und sachgemäßen Artikel der 'Thüringer Zeitung' (6. Januar), dass im 'Fundament aller Moral zwischen Christentum und Judentum die vollkommenste, wir können beinahe sagen, die wörtlichste Übereinstimmung herrscht'."          

 
Tagung des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands in Erfurt (1895)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juni 1895:         

   
Zuzug galizischer Juden - die Erfurter Handelskammer sieht Probleme (1902) 
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1902: "Erfurt, 4. August (1902). (Zuzug galizischer Juden). Der kürzlich erschienene Jahresbericht der Erfurter Handelskammer enthält auf Seite 27 unter 12 folgenden Passus: 'Nachdem aus gewerblichen Kreisen über das Anwachsen des Zuzuges von jüdischen Händlern aus Galizien und über die Art ihres Geschäftsbetriebes beim Herrn Regierungspräsident Ergebungen angestellt und festgestellt, dass in der Tat 62 derartige Personen seit dem Jahre 1899 zugezogen sind, und dass ein großer Teil dieser Händler nicht nur den Hausierhandel in den angrenzenden thüringischen Staaten betreibt, sondern in der Stadt Erfurt von Haus zu Haus zieht und Waren feilbietet. Er hat deshalb die Handelskammer um gutachtliche Äußerung darüber ersucht, ob auch die in Übereinstimmung mit dem Beschwerdeführer, der Polizeiverwaltung zu Erfurt und der Königlichen Regierung selbst in diesem Geschäftsbetriebe eine beträchtliche Schädigung der einheimischen, in Erfurt ansässigen Geschäftsinhaber erblicke und eine Ausdehnung der gewerbepoli8zeilichen 'Vorschriften über den Gewerbebetrieb der Ausländer im Umherziehen' auf den Stadtbezirk Erfurt befürworte, sodass in Zukunft die Erlaubnis zum Hausierhandel Ausländern nur noch erteilt werde nach Maßgabe des vorhandenen Bedürfnisses.'  
Die Handelskammer hat diese Fragen bejaht. Die armen jüdischen Hausierer werden den großen Erfurter Warenhäusern wohl eine fürchterliche Konkurrenz gemacht haben. Die Herren mussten wahrscheinlich ihren Aufenthalt in Ostende und Norwegen bedeutend abkürzen. Schrecklich!" 

   
  
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
50-jähriges Jubiläum von Professor Dr. Unger (Lehrer am Realgymnasium) und Ernennung zum Ehrenbürger (1860)  

Erfurt AZJ 09101860.jpg (246988 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Oktober 1860: "Das fünfzigjährige Jubiläum des Herrn Professor Dr. Unger in Erfurt. Wir berichten hier über diese schöne Feier hinsichtlich des dem Jubilar von seinen Schülern gebrachten Fackelzuges in dem Artikel: Erfurt. Die 'Thüringische Zeitung' No. 223 gibt folgende ausführliche Darstellung: 'Ein Fest, welches sich der allgemeinsten Teilnahme von Nah und Fern erfreute, wurde gestern in unseren Mauern gefeiert. Unser durch eine halbhundertjährige segensreiche Tätigkeit als mathematischer Lehrer und Schriftsteller rühmlichst bekannte Mitbürger, der Dr. Professor Unger, feierte am 20. September den fünfzigsten Jahrestag seiner Doktorpromotion. Der Gefeierte wurde im Jahre 1788 zu Coswig an der Elbe geboren, kam 1807 als Student nach der damaligen Universität Erfurt, woselbst er am 20. September 1910 mit der Doktorwürde graduiert und zum Dozenten der Universität ernannte wurde. In demselben Jahre trat er in das Weingärtner'sche Institut, bei welchem er bis zu dessen Auflösung in anerkennenswerter Tätigkeit wirksam war. Vom Jahre 1817 an hielt er sowohl den Offizieren des topographischen Büreaus als auch auf Veranlassung des Herrn Generals von Jagow dem übrigen Offizierscorps mathematische Vorträge. Zu jener Zeit gründete der Dr. Unger seine mathematische Lehranstalt, welche bis 1834 bestand und alsdann in eine Realschule umgewandelt wurde; aus dieser ging im Jahre 1844 die jetzt noch bestehende Realschule hervor, bei welcher der Jubilar noch heute als Oberlehrer tätig ist. In dieser langen Reihe von Jahren bildete er eine große Anzahl von Schülern zu emsigen und gemeinnützigen Trägern der Wissenschaft heran, und selbst den höchsten Kreisen angehörende Männer verdanken ihm ihre wissenschaftliche Ausbildung.
Am Tage der Feier gab sich die allgemeinste Anerkennung in zahlreichen Dankadressen und Gratulationen kund, die dem Jubilar von vielen Seiten zugingen. Dass zur Vorfeier am 19. dieses Monats abends die Schüler der oberen Klassen der Realschule ihrem geliebten Lehrer die Ovation eines Fackelzuges darbrachten und ihm ein Pokal übereicht wurde, haben wir bereits erwähnt. Gestern früh um 9 Uhr beglückwünschte den Gefeierten eine Deputation der jetzt noch lebenden Schüler des Weingärtner'schen Instituts, dessen jüngstes Mitglied 60 Jahre zählt. Außerdem brachten der Herr Regierungspräsident Du Vignau in Begleitung des Herrn Regierungsrates Dr. Witke, ferner Herr Konsistorialrat Scheibe ihre Glückwünsche dar. Letzterer danke dem greisen Lehrer im Namen der Volksschulen, um welche er sich verdient gemacht, mit herzlichen innigen Worten, welche allen Anwesenden in steter Erinnerung bleiben werden. Im Namen des Provinzial-Schulkollegiums in Magdeburg überreichte Herr Regierungsrat Dr. Trinkler ein Schreiben, worin die gro-             
Erfurt AZJ 09101860a.jpg (297218 Byte)ßen Verdienste des Jubilars ihre rühmlichste Anerkennung finden. Auch eine Deputation der Harmoniegesellschaft stattete ihre Gratulation ab. Der Vorstand der Ressource überreichte eine Denkschrift, das Realschullehrer-Kollegium stattete, mit Herrn Direktor Dr. Koch an der Spitze, ebenfalls ihren Glückwunsch ab, wobei dasselbe ihm ein Ehrengeschenk, bestehend in einer prächtig gearbeiteten, mit den Namen sämtlicher Realschullehrer darauf verzeichneten, silbernen Fruchtschale überreichten, bei welcher Gelegenheit die Herren den Jubilar zu einem ihm zu Ehren veranstalteten Festsouper einluden. 
Ganz besonders verdient hervorgehoben zu werden, dass eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten erschienen ist, welche dem auch als langjährigen Stadtverordneten und durch Reorganisation der Sterbekassen um Stadt und Staat so hochverdienten Manne das Ehrenbürgerrecht der Stadt Erfurt überreicht.          
 
Erfurt AZJ 09101860b.jpg (151354 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Oktober 1860:         

    
Unteroffizier Otto Bibo wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1870)
    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. November 1870: "Erfurt, 27. Oktober (1870). Ich teile Ihnen die erfreuliche Nachricht mit, dass ein junger, sehr ehrenwerter Mann von hier, der Unteroffizier Bibo vom 87. Linien-Infanterieregiment, wegen Auszeichnung vor dem Feinde das Eiserne Kreuz erhalten hat."    

 
Erinnerung an Prof. Unger und Klage über antisemitische Lehrer am Realgymnasium (1894)  

Erfurt Israelit 23081894.jpg (210270 Byte)Artikel in der "Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1894:           

   
70. Geburtstag des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes (1896)  

Erfurt AZJ 10011896.jpg (167636 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Januar 1896:          

         
Zum Tod des Gemeindevorstehers Isaak Lamm nach 40-jähriger Amtszeit in der Gemeindeverwaltung (1905)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Februar 1905:   
  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1905: "Erfurt, 1. Februar (1905). Am 23. vorigen Monats verschied hier, wie schon kurz gemeldet, nach längerem Leiden der Vorsteher der Synagogengemeinde Isaak Lamm im 80. Lebensjahre. Länger als 40 Jahre hat er an der Spitze der Gemeindeverwaltung gestanden und zum Segen der Gemeinde gewirkt. Von wahrhaft religiöser Gesinnung hat er seine reiche Erfahrung, sein tiefes Wissen in den Dienst seiner Gemeinde gestellt. Vor 60 Jahren kam er nach Erfurt und wurde der Begründer der blühenden Damenmäntel-Industrie, die heute eine bedeutende Rolle auf dem Weltmarkt spielt. 1877 wurde er als Mitglied der Handelskammer gewählt. Dieser Körperschaft gehörte er 28 Jahre ununterbrochen an und erwarb sich große Verdienste um die industrielle Entwicklung Erfurts. Vor drei Jahren wurde ihm als Anerkennung hierfür der Rote Adlerorden verliehen. Die Trauerfeier fand in der Synagoge statt, wo die Leiche des Entschlafenen aufgebahrt war. In dem Gotteshause hatten sich versammelt außer den Familienangehörigen die Spitzen der Behörden, Vertreter der Finanz- und Handelswelt von nah und fern. Eingeleitet wurde die Feier durch Chorgesang; alsdann entwarf Rabbiner Dr. Salzberger in warmherziger Rede ein Bild des Entschlafenen. Er schilderte in lichtvoller Weise seine seltenen Charaktereigenschaften, seine religiöse Natur und seinen hohen Wohltätigkeitssinn. Nciht nur für seine Familie, sondern auch für die Erfurter Gemeinde bedeute das Hinscheiden dieses Mannes einen unersetzlichen Verlust. Isaak Lamm war eine von Grund auf religiös beanlagte, religiös gestimmte Natur. Ihm war die Religion nichts weniger, als etwas Äußerliches, Gewohnheitsmäßiges; sie war ihm vielmehr Herzenssache, innerstes Bedürfnis. Diese echte Religiosität macht es uns verständlich, wie er, der vielbeschäftigte Mann, so viel Zeit und Kraft unserer Gemeinde widmen könnte. Es ist noch allen in frischer Erinnerung, wie sich vor 9 Jahren zu seinem 760. Geburtstage die ganze Gemeinde zu einer seltenen Ehrung um ihn versammelte. Unvollständig wäre das Lebensbild des Verblichenen, würden wir nicht den leuchtendsten Zug, den Familiensinn erwähnen. Mit dem Danke an den Verklärten für all die guten Anregungen und für die Förderungen, die er in seiner amtlichen Tätigkeit von ihm erfahren, schloss Dr. Salzberger seine ergreifende Trauerrede. Chorgesang beschloss die würdige Feuer. Hierauf wurde der Sarg herausgetragen und ein unabsehbares Trauergefolge gab ihm das letzte Geleit. Auf dem Friedhofe wurde nach einem Gebete die Leiche der letzten Ruhestätte übergeben und Mitglieder aller Konfessionen drängten an die Gruft, um dem edlen Manne den letzten Scheidegruß zu entbieten.      

  
Über Rabbiner Dr. Georg Salzberger (Bericht zu seiner Tätigkeit als Feldrabbiner bei der 5. Armee - Kronprinzen-Armee, 1915)  
Anmerkung: Rabbiner Dr. Georg Salzberger (geb. 1882 in Kulm als Sohn des späteren Erfurter Rabbiners Moritz Salzberger und der Anna geb. Freyhan, gest. 1975 in London): seit 1885 aufgewachsen in Erfurt, wo er 1902 die Schulausbildung mit dem Abitur abgeschlossen hat studierte in Berlin und Heidelberg; war von 1910 bis 1939 Rabbiner der liberalen Westend-Synagoge in Frankfurt am Main; von September 1914 bis 1918 Feldrabbiner bei der 5. Armee (Kronprinzen-Armee), erhielt vor Verdun vom Kronprinzen persönlich das "Eiserne Kreuz"; emigrierte 1939 nach England mit Frau und den Töchtern , war bis 1956 Rabbiner in London, danach Gastrabbiner der jüdischen Gemeinden Berlin und Hamburg.   

Erfurt AZJ 15011915.jpg (406569 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Januar 1915:        
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70. Geburtstag des Kriegsveterans Otto Bibo (1912)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. November 1912: "Erfurt. Jüngst feierte der Pensionär der hiesigen königlichen Gewehrfabrik Otto Bibo, ein Veteran der Kriege 1866 und 1870/71, seinen 70. Geburtstag
Bibo hat 1866 u.a. bei Königgrätz und 1870/71 bei Weißenburg, Pfalzburg, Wörth und Sedan mitgekämpft und nahm an der Belagerung von Paris teil. Bei Wörth warf sich der Unteroffizier Bibo mit einem kleinen Häuflein tapfer gegen die Übermacht des Feindes und vermöchte durch sein mutiges Vorgehen und seine Ausdauer die gefährdete Fahne zu halten. Vor Sedan gelang ihm die Ausführung schwieriger Patrouillen. Am 18. Oktober heftete ihm der Kronprinz eigenhändig das Eiserne Kreuz 2. Klasse an. Vor einigen Jahren hat Bibo die Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse erhalten. Kaiser Wilhelm II. hat sich gelegentlich seiner Anwesenheit in Erfurt mit Bibo unterhalten".          


Leopold Rosenstein erhält das Eiserne Kreuz (1916)   

Erfurt FrfIsrFambl 08091916.jpg (9111 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. September 1916:        

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige des Konfektionsgeschäftes H. Basch (1863)
  

Erfurt AZJ 18081863.jpg (29424 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. August 1863:         

  
Anzeige von Simon S. Frank (1866)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Januar 1866:       

        
Anzeige von Adolph Schönstadt (1873)    

Anzeige in der  "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. September 1873: "Ein junges Mädchen, jüdischer Konfession, aus achtbarer Familie wird zur Erziehung noch kleiner Kinder, sowie zur Stütze der Hausfrau gesucht bei Adolph Schönstadt, Erfurt."     

  
  

 

  

    

 

 

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Stand: 30. März 2012