Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weilheim (Kreis Weilheim-Schongau)
Jüdische Geschichte / Betsaal 
(die Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Roland Lory, Weilheim) 

Übersicht:

Zur Geschichte jüdischer Bewohner   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Fotos   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte jüdischer Bewohner               
    
In dem um 1236 zur Stadt erhobenen Weilheim lebten Juden bereits im Mittelalter. Sie waren von der Verfolgung während der Pestzeit 1348/49 betroffen.
   
Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten wieder einige jüdische Personen/Familien zuziehen. Es blieben jedoch so wenige, dass es nicht zur Bildung einer Gemeinde gekommen ist. Die jüdischen Personen gehörten nach dem "Führer durch die Jüdische Gemeindeverwaltung" von 1932-33 zur jüdischen Gemeinde in München
   
Um 1905 gab es zwei jüdische Familien in der Stadt. Aus diesem Jahr liegt der folgende Bericht anlässlich des Todes des Bankiers Anton Mayer vor. Dieser war selbst nicht jüdischen Glaubens. Der Bericht wurde nur deswegen veröffentlicht, weil als "Sargbegleiter" u.a. ein jüdischer Einwohner, der Mitglied der Feuerwehr war, bestimmt wurde. 

Weilheim AZJ 03021905.jpg (45013 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Februar 1905: "In Weilheim (Oberbayern) wurde am 18. Dezember der Bankier Anton Mayer beerdigt, der lange Jahre hindurch Magistratsrat und Verwaltungsrat der freiwilligen Feuerwehr war. Wie üblich, waren auch zu dieser Beerdigung von der Feuerwehr als 'Sargbegleiter' sechs Mann kommandiert, von denen, wie das 'Vaterland' besonders betont, vier Katholiken, einer Protestant und einer Jude war. In Weilheim wohnen nur zwei jüdische Familien."       

Um 1920 lebte unter anderem die Familie des Kaufmannes S. Harburger in der Stadt. Über eine besondere Tat dessen Sohnes Max Harburger berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" am 1. Dezember 1921 und - bereits zuvor - das "Oberländer Volksblatt":  

Weilheim Israelit 01121921.jpg (36690 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1921: "Weilheim, 24. November (1921). Dem Schüler der Realschule Weilhelm, Max Harburger, Sohn des Kaufmanns S. Harburger, wurde die öffentliche Anerkennung seitens der Regierung von Oberbayern ausgesprochen, weil er mit Mut und Entschlossenheit seinen Mitschüler Josef Jblher am 10. Juli dieses Jahres vom Tode des Ertrinkens im Ammersee rettete."  
     
Weilheim PA 06.jpg (65968 Byte)Artikel im "Oberländer Volksblatt" vom 20. November 1921: "Weilheim, 19. November (1921). Dem Schüler der 3. Klasse der Realschule Weilheim Max Harburger, Sohn des Kaufmannes S. Harburger in Weilheim, wurde die öffentliche Anerkennung seitens der Regierung von Oberbayern ausgesprochen, weil er mit Mut und Entschlossenheit seinen Mitschüler Joseph Iblher am 10. Juli dieses Jahres vom Tode des Ertrinkens im Ammersee rettete. (Letzterer war gelegentlich eines Jungbayern-Ausfluges dort beim Baden unvermutet an eine tiefere Stelle geraten und durch Untersinken fast schon bewusstlos geworden. Kräftige Beihilfe bei der Rettung leistete neben anderen Kameraden besonders auch Eduard Brandmaier der 6. Klasse.)."
(Artikel erhalten von Roland Lory, Weilheim)  
   
Noch sechs Jahre danach erinnerte man sich in Weilheim der Tat von Max Harburger und überreichte eine weitere Auszeichnung: 
Weilheim CV 23101927.jpg (29346 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung", Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 23. Oktober 1927: "Anlässlich des 80jährigen Stiftungsfestes des Turnvereins Weilheim wurde dem 21jährigen Sohne unseres Mitgliedes S. Harburger, Max Harburger ein Ehrenzeichen nebst Diplom überreicht, weil er im Jahre 1921 unter Einsetzung des eigenen Lebens einen Mitschüler aus den Fluten gerettet hatte."

Insgesamt waren seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts etwa zwölf jüdische Familien in Weilhelm, die in der Bürgerschaft völlig integriert waren. Neben der schon genannten Familie Harburger war in der Stadt auch die Familie von Emil Buxbaum bekannt. Dieser war Weltkriegsteilnehmer und hatte ein Kaufhaus am Marienplatz inne. Zur Erinnerung von Emil Buxbaum wurde die an dem früheren Kaufhaus vorbeiführende Gasse (bisher "Windgasse") 2007 in "Buxbaumgasse" umbenannt.     
   
Von den in Weilheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): aus der Familie von Abraham und Franziska (Fanni) Schmidt die Kinder Johanna (Hanni) Schmidt geb. 1933, Bernhardt Schmidt, geb. 1930, Sabina Schmidt geb. 1920, weiterhin Angehörige der Familie Buxbaum: Emil Buxbaum (1887) mit Frau Hedwig geb. Guggenheimer (1899) und Tochter Johanna (1925).
     
    
1945 wurden in Weilhelm zahlreiche überlebende KZ-Opfer untergebracht. Sie wurden als DPs (= Displaced Persons) von der UNRRA betreut. Vermutlich wurde noch 1945 eine Jüdische Kultusgemeinde gegründet, die bis 1953 bestand. Die KZ-Überlebenden waren großenteils im "Hotel Bräuwastl" untergebracht, in dem sich vermutlich auch ein Betsaal befand (Schmiedstraße 15). Außerdem wurden in den Baderäumen des ehemaligen städtischen Schlachthofes ein rituelles Bad und in einem kleinen Nebengebäude des Gefängnisses ein Schächthaus eingerichtet. Diese beiden im Unteren Graben gelegenen Gebäude wurden in den 1960er-Jahren abgebrochen. Nach Gründung des Staates Israel 1948 sind die DPs mit der Zeit aus Weilheim verzogen und nach Israel oder in andere Länder verzogen. Nur einige wenige blieben in Deutschland (Angaben nach Schwierz s.Lit.).
    
    
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     

Juli 2007: Die Windgasse wird in Buxbaumgasse umbenannt. 
Weilheim PA 0701.jpg (102630 Byte)Artikel von Brigitte Gretschmann im "Weilheimer Tagblatt" vom 21./22. Juli 2007: "Gasse als Erinnerung an Weilheims Juden. Für Buxbaums und all die anderen.  
Zur Erinnerung an Weilhelms Juden wird die Windgasse in Buxbaumgasse umbenannt. Grüne/UWV und CSU haben aber verschiedene Beweggründe für diesen Schritt.  
Zum weiteren Lebens bitte anklicken.    
  
Weilheim PA 0702.jpg (81939 Byte)Dazu Kommentar von Brigitte Gretschmann im "Weilheimer Tagblatt" vom 21./22. Juli 2007:: 
"Windgasse wird Buxbaumgasse - Mit Bedacht gewählt"
Zum Lesen bitte links anklicken.   
  
August 2007: Am Friedhof soll ein Denkmal für die jüdischen Opfer der NS-Zeit errichtet werden   
Weilheim PA 2007 10.jpg (130129 Byte)Artikel im "Weilheimer Tagblatt" vom 30.6.2007: "Stadt ehrt ihre Juden - am Friedhof. Mit einem Mahnmal wird die Stadt Weilheim an das Schicksal ihrer deportierten und getöteten Juden erinnern. CSU und BfW setzen sich mit dem Standort am Friedhof durch..."
  
Weilheim PA 2007 11.jpg (102432 Byte)Artikel ebd. von Roland Lory: "Vom Schicksal jüdischer Familien aus Weilheim..."
  
Weilheim PA 2007 12.JPG (310016 Byte)Artikel ebd. von Roland Lory: "Weilheim als Durchgangsstation für 'Displaced Persons'. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging die Zahl der im Kreis Weilheim lebenden Menschen extrem in die Höhe. Waren es 1940 erst rund 40.000, schwoll die Bevölkerung infolge der Kriegswirren nach 1945 auf rund 70.000 an. Darunter waren neben Massen an Vertriebenen auch zahlreiche 'Displaced Persons' (DPs). Mit diesem Begriff werden hauptsächlich aus dem osteuropäischen Raum stammende Menschen bezeichnet, die von den Nazis interniert, verschleppt oder zur Zwangsarbeit herangezogen wurden und am Kriegsende frei kamen. Die DPs fanden eine 'vorübergehende Heimat im Land der Täter', so der Titel eines Buches..."
  
September 2007: Überlegungen im Blick auf ein Mahnmal für die jüdischen Opfer der NS-Zeit  
Weilheim PA 07.jpg (140863 Byte)Artikel von Roland Lory in: "Bayerische Staatszeitung" vom 24. August 2007: "Die Stadt Weilheim überlegt, wie sie an die Verfolgung von jüdischen Bürgern in der NS-Zeit erinnern soll. Erst arisiert und dann vertrieben. 
Auch mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs tun sich manche Orte schwer mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Jüngstes Beispiel ist Weilheim. Dort will man der Juden gedenken, die einst in der Kreisstadt lebten und die die Nazis ermordeten. Allerdings konnten sich die Verantwortlichen nicht zu einem zentralen Standort durchringen. Die Mehrheit der Stadträte will das Mahnmal hingegen auf dem Friedhof platzieren. Doch Kritiker monieren, dass die Gedenkstätte dort schnell in Vergessenheit geraten könnte. 
Immerhin wurde beschlossen, eine zentral gelegene Gasse in Buxbaumgasse umzubenennen. mehrere Mitglieder dieser Familie fielen dem Terror der Nazis zum Opfer. So erging es auch Teilen der ehemals in der Stadt ansässigen Familien Grunwald, Bensinger und Schmidt. Mehr als 60 Jahre blieb das Thema verschwiegen, bis 2006 Bewegung in die Sache kam und die Schicksale der einstigen Weilheimer Bürger erforscht wurden.
So war Emil Buxbaum 1920 zusammen mit seiner Frau Hedwig nach Weilheim gezogen. Tochter Johanna kam 1925 zur Welt. Buxbaum betrieb mit seinem Bruder Hugo mitten in der Stadt ein Bekleidungsgeschäft. Zeitungsanzeigen warben für das Sortiment: 'Frühjahrsmäntel aus den neuesten Modestoffen' gab es da, 'elegante Kleider' in 'aparten Facons, einfarbig und bedruckt'. Doch 1938, als die braunen Machthaber in der 'Reichskristallnacht' Synagogen und Geschäfte zerstörten, wurde der Laden 'arisiert'. Am Morgen des 10. November wurde er auf Veranlassung der NSDAP-Kreisleitung geschlossen. 
Das Geschäft machte unter neuen Besitzern umgehend wieder auf. Die 'arische' Belegschaft wurde übernommen. Die Familie zog darauf nach München. Von dort wurden Hedwig, Emil und Johanna Buxbaum im November 1941 nach Kaunas (Litauen) transportiert und von SS-Leuten erschossen. Emil Buxbaums Bruder Ernst hatte sich bereits im April 1940 das Leben genommen. 
Ein weiteres Schicksal: Richard Grunwald betrieb seit 1926 in Weilheim eine Holzbaufirma. Sein Unternehmen wurde, nachdem er zuvor Schikanen über sich ergehen lassen musste, 1938 'arisiert'. Grunwald ging nach München, verzog dann in die Niederlande und später nach Belgien. Im September 1842 wurde er vom nahe Paris gelegenen Sammel- und Durchgangslager Drancy nach Auschwitz deportiert, wo er umgebracht wurde. Seine Frau Hedwig, die keine Jüdin war, überlebte mit den zwei Söhnen den Krieg.  
Schicksale zwischen Tod, Flucht und Überleben. Sabina, Bernhard und Johanna Schmidt starben ebenfalls im Konzentrationslager Auschwitz. Die drei Geschwister wurden 22, 12 und 9 Jahre alt. Ihr Vater Abraham Schmidt, der einst für den Viehhändler Ludwig Kahn arbeitete, wurde aus dem Land vertrieben. 'Im Juni 1938 erhielt ich von der Gestapo in Weilheim den Befehl, innerhalb 24 Stunden Deutschland zu verlassen.' Schmidt ging nach Haifa, seine Kinder ließ er zurück. Sie lebten für einige Jahre im Antonienheim in München. Tochter Dora wurde nach Auschwitz deportiert, überlebte als einzige der Schmidt-Kinder die Todesfabrik. 
Nach heutigem Wissensstand haben acht Juden, die nach 1933 noch in Weilheim wohnten, das NS-Regime nicht überlebt. Allerdings wurden auch Sofie und Karl Bensinger, die bereits 1929 nach München zogen, Opfer der Nationalsozialisten. Das Ehepaar wurde zusammen mit ihrer Enkeltochter mit demselben Transport wie die Buxbaums nach Kaunas verschleppt und ermordet. 
Dagegen ist das Schicksal von Melanie Mertens-Dorny unbekannt. Sie verkaufte ihr Haus 1938 an den späteren Weilheimer Landrat, wobei unklar ist, ob sie das aus freien Stücken tat oder durch die Verhältnisse dazu genötigt wurde.
Die Weilheimer Stadträte debattieren seit rund einem Jahr über ein Denkmal für die Juden - allerdings unter Ausschluss der Bevölkerung. Bürgermeister Markus Loth (Bürger für Weilheim) sprach sich für den Friedhof aus, dieser liege 'mitten in der Stadt'. 
Michael Lorbacher von der SPD, die den Gedenk-Antrag gestellt hatte, meinte hingegen: 'Der Standort sollten mitten im Leben sein und nicht bei den Toten.'  ROLAND LORY"
 
Juli 2009: 2010 soll ein Denkmal für die jüdischen Opfer der NS-Zeit am Friedhof der Stadt aufgestellt werden
Weilheim PA 072009b.jpg (237159 Byte)Artikel von Magnus Reitinger im "Weilheimer Tagblatt" vom 24. Juni 2009: "Entwürfe für Weilhelms Juden. Starke Bilder gegen die Gewalt.  
Eine Basalt-Stele von Andrea Kreipe oder ein rötlicher Gedenkstein von Egon Stöckle? Nächste Woche entscheidet der Stadtrat über das Denkmal zur Erinnerung an Weilheims Juden.  Zum Lesen des Artikel bitte links anklicken.  
   
Weilheim PA 072009a.jpg (144194 Byte)Artikel vom 4./5. Juli 2009 (gre) im "Weilhelmer Tagblatt" vom 4./5. Juli 2009: Zuschlag für Egon Stöckle. Der Hohenfurcher Bildhauer gestaltet das Denkmal für Weilhelms Juden. 
Weilhelm. Der Hohenfurcher Bildhauer Egon Stöckle wird das Denkmal zur Erinnerung an Weilhelms Juden auf dem städtischen Friedhof gestalten. Darauf einigte sich der Weilheimer Stadtrat am Donnerstagabend in nichtöffentlicher Sitzung." 
 
März 2010: Das Denkmal wird im Friedhof eingeweiht        
Artikel im "Münchner Merkur" (merkur-online.de) vom 19. März 2010 (Artikel mit Fotos): "Ein Gedenken an Weilheims Juden
Weilheim -
Mit einem Stein auf dem städtischen Friedhof gedenkt die Stadt Weilheim aller ihrer jüdischen Bürger, die von 1933 bis 1945 verschleppt und ermordet wurden. Unter ihnen waren, um nur enige zu nennen, Kaufmannsfamilien wie die Buxbaums und Harburgers, aber auch der Viehhändler Ludwig Kahn. Sie hoffe, so sagte Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, dass der Weilheimer Gedenkstein Anstoß für andere Gemeinden sei. Denn gerade in Oberbayerns hätten in den meisten Gemeinden – sie nannte explizit Garmisch – Juden gelebt, die aber, anders als in Niederbayern, weithin vollkommen in Vergessenheit geraten seien."
Artikel des "Merkurs" als pdf-Datei
 
Weilheim PA JA 010.jpg (66823 Byte)Foto links: Abgesprengt: Bildhauer Egon Stöckle (2.v.r.) erklärt Charlotte Knobloch sein Konzept bei der Einweihung des Gedenksteines mit Bürgermeister Markus Loth (2.v.l.).  
Artikel von Roland Lory in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 25. März 2010 (Artikel): "Weilheim
Acht Namen fürs Gedenken - Mahnmal erinnert an ermordete Juden in Oberbayern

Im oberbayerischen Weilheim erinnert seit Kurzem ein Gedenkstein an die jüdischen Bürger, die in der NS-Zeit verschleppt und ermordet wurden. Zur Enthüllung kam auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Für sie ist klar: Die Erinnerung an die Opfer dürfe 'nicht abgehakt und weggestellt werden, sondern sie ist eine Mahnung an uns alle' – sowohl für die Gegenwart als auch für die Zukunft. Auf dem Stein sind acht Namen verewigt: Emil, Hedwig, Johanna und Ernst Buxbaum, Johanna, Bernhard und Sabina Schmidt sowie Richard Grunwald. Sieben der Genannten wurden umgebracht, Ernst Buxbaum beging Selbstmord. Der Gedenkstein steht auf dem städtischen Friedhof. Im Vorfeld hatten mehrere Kommunalpolitiker für einen zentralen Standort plädiert. Die Mehrheit der Stadträte entschied sich jedoch für den Friedhof. Vor ein paar Jahren wurde bereits eine zentral gelegene Gasse in Buxbaumgasse umbenannt. Weilheim feiert 2010 die erste urkundliche Erwähnung vor 1.000 Jahren.
Etabliert. Die Juden lebten hier einst mitten in der Stadt, hatten Geschäfte und waren gesellschaftlich etabliert. Knobloch erwähnte unter anderem die Familie Harburger. Der 13-jährige Sohn Max rettete 1921 einen Mitschüler vor dem Ertrinken. Dafür sprach die Regierung von Oberbayern dem Jungen die öffentliche Anerkennung aus. 'In all diesen Jahren prägten jüdische Menschen das Stadtbild', betonte Knobloch. Eine Zukunft sei ihnen jedoch verwehrt geblieben – 'nur weil sie Juden waren'. Die Harburgers emigrierten 1934 nach Palästina. 
Geschaffen hat das Denkmal der Bildhauer Egon Stöckle. Dabei hat er von einem roten Sandsteinblock ein Stück weggesprengt. Auf diesem Teil stehen die acht Namen. Stöckle wollte damit zeigen, dass diese Menschen von 'der Bürgerschaft abgetrennt wurden'. Sowohl Knobloch als auch Weilheims Bürgermeister Markus Loth lobten den Bildhauer für die Gestaltung des Denkmals. Mit einer Schweigeminute gedachten die Gäste der Toten. Nach Knoblochs Auffassung ist es jedoch nicht damit getan, den Blick ausschließlich auf die Vergangenheit zu richten. So verwies sie darauf, dass heute wieder Juden in Weilheim leben und sich aktiv für den Tierschutz und gegen die Jagd einsetzen. Die Präsidentin betonte, es sei ihr ein 'besonderes Herzensanliegen, dass diese kleine jüdische Oase weiter Wurzeln' schlage."  
   
Weilheim PA 201006.jpg (223291 Byte)Artikel von Brigitte Gretschmann im "Weilheimer Tagblatt" (Münchner Merkur) vom 20./21. März 2010: "65 Jahre nach Kriegsende. In Stein gemeißelte Erinnerung. Auf dem städtischen Friedhof wurde ein Gedenkstein für Weilheims Juden enthüllt."   
Zum weiteren Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.      

     
     
Fotos

Erinnerung an die Familie Buxbaum
(Foto: Roland Lory)
Weilheim Buxbaumgasse 2.jpg (63331 Byte)
   Straßenschild am Eingang zur Buxbaumgasse mit Hinweistafel und Text: "Benannt nach 
der 1941 in Kaunas ermordeten jüdischen Kaufmannsfamilie aus Weilheim, stellvertretend 
für alle von 1884 bis 1939 in Weilheim lebenden jüdischen Mitbürger".
     
Erinnerung an die Familie Harburger
(Foto: Roland Lory)
Weilheim HarburgerHaus 01.jpg (56745 Byte)
    Das ehemals der Familie Harburger gehörende Haus am Weilheimer Marienplatz. 
Die Familie, der ein Bekleidungsgeschäft gehörte, ist 1934 nach Palästina emigriert. 
      
Das Denkmal auf dem Friedhof
(Foto 2010: Roland Lory)  
Weilheim Gedenkstein 018.jpg (106397 Byte)
  Inschrift: "Die Stadt Weilheim gedenkt aller jüdischen Mitbürger, die unter der 
NS-Herrschaft 1933-1945 gequält und verfolgt, vertrieben und beraubt wurden."
Auf dem rechten Stein die Namen: "Emil Buxbaum, Hedwig Buxbaum, Johanna Buxbaum, 
Ernst Buxbaum, Richard Grunwald, Johanna Schmidt, Bernhard Schmidt, Sabina Schmidt. 
Sie wurden verschleppt und ermordet". 

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Weilheim  

Literatur:  

Germania Judaica Bd. II,2 S. 869.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 322.  
Roland Lory: "Nach dem Osten evakuiert..." - Das Schicksal der Weilheimer Juden von 1933 bis 1945. In: Lech-Isar-Land. Heimatkundliches Jahrbuch 2011. S. 85-134.   

     
       

                   
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Stand: 18. Februar 2016