Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rosenheim (kreisfreie Stadt, Oberbayern)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

Zur jüdischen Geschichte in Rosenheim 
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Rosenheim 
Berichte zu einzelnen Personen    
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Rosenheim    
   
In Rosenheim bestand zu keiner Zeit eine selbständige jüdische Gemeinde. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind jedoch mehrere jüdische Familien / Personen in der Stadt zugezogen. Sie gehörten zur jüdischen Gemeinde in München, wo auch die in Rosenheim verstorbenen Juden beigesetzt wurden.      
 
Im 19./20. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1910 56 jüdische Einwohner (0,4 % von insgesamt 15.696 Einwohner), 1925 39 (0,2 % von insgesamt 17.998). 
 
Um 1900 beantragten die Rosenheimer Juden die Gründung eines eigenen israelitischen Kultusvereins, was jedoch vom Stadtmagistrat mit Hinweis auf die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde in München abgelehnt wurde. 
 
An Einrichtungen gab es möglicherweise in einem der jüdischen Häuser einen Betraum.  
 
Die jüdischen Familien eröffneten mehrere jüdische Geschäfte in der Stadt. 1933 gab es elf jüdische Geschäftsinhaber. 
 
1933 lebten 38 jüdische Personen in Rosenheim.
In den folgenden Jahren sind fast alle von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bereits im März 1933 starb ein älteres jüdisches Ehepaar an Suizid. Zwischen 1933 und 1939 emigrierten 14 der jüdischen Einwohner (fünf in die USA, je drei nach Holland und in die Tschechoslowakei, zwei nach England, einer nach Palästina), 14 verzogen in andere deutsche Orte (u.a. acht nach München und vier nach Berlin). Bis 1937 gaben sechs der elf jüdischen Geschäftsinhaber in der Innenstadt ihr Geschäft auf. Beim Novemberpogrom 1938 wurden in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 die letzten beiden jüdischen Läden durch SA-Männer überfallen und völlig demoliert. 1939 gab es noch sieben jüdische Einwohner in der Stadt. Weitere drei jüdische Personen zogen 1941 nach München. Am 28. Februar 1942 wurden zwei ältere Frauen in das Lager Milbertshofen verbracht. 
  
Von den in Rosenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Antonie Taube Fichtmann geb. Delfin (1874), Klara Fichtmann (1912), Max Fischer (1913), Franz Kohn (1895), Hugo Kohn /1880), Julius Kohn (1886), Babette Mayer geb. Dreyfuss (1862), Adele Obernbreit (1895), Rosa (Rosalie) Obernbreit geb. Heilbronner (1866), Konrad Scherer (1891), Alexander Wiener (1873), Frieda Wiener geb. Selz (1873). 
  
Hinweis: Im Frühjahr 2014 wurde in Rosenheim angeregt, in der Stadt "Stolpersteine" für die Opfer des NS-Zeit zu verlegen (Pressemitteilungen von Ende April 2014).  
 
 
Nach Kriegsende kam eine Anzahl jüdischer Displaced Persons (Überlebende von Konzentrationslagern und weitere jüdische Flüchtlinge) nach Rosenheim. Von den früheren jüdischen Einwohnern kam jedoch niemand in die Stadt zurück. Seit Herbst 1946 bestand in Rosenheim ein zentrales Auffanglager für jüdische Waisenkinder sowie für Jungen und Mädchen, die in der NS-Zeit von ihren Eltern getrennt worden waren ("Children Center"). Etwa 1.600 Kinder lebten zeitweise in dem Aufnahmelager in Rosenheim, das in der früheren Rosenheimer Pionierkaserne untergebracht wurde. In den ehemaligen Soldatenunterkünften herrschte eine qualvolle Enge, da in jeden Wohnbloch durchschnittlich 400 Jungen und Mädchen eingewiesen wurden. Zu den Kindern kamen noch zahlreiche Erwachsene, sodass sich zeitweise 2.250 Bewohner in der Pionierkaserne drängten. Im Heim wurde eine eigene Volksschule mit zeitweise über 1.000 Schülern eingerichtet sowie ein Kindergarten und Ausbildungswerkstätten. Im April 1947 wurde das Kinderheim aufgelöst. Die Mehrheit der Jungen und Mädchen übersiedelten in einer der Kinderheime innerhalb der US-Zone wie etwa nach Indersdorf, Aschau oder Lindenfels. Nach Gründung des Staates Israel wurde das DP-Lager in Rosenheim 1948/49 geschlossen.  
  
  
  
  
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Rosenheim     
    
Berichte zu einzelnen Personen
 
Kriegsauszeichnung für Siegfried Kurzmann (1916)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1916: "Nürnberg. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt Pionierhauptmann der Reserve Siegfried Kurzmann, Bauamtmann in Rosenheim. Er besitzt bereits das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, den bayerischen Militärverdienstorden mit Schwertern und das österreichische Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration".   

          
          
    
     
Fotos 
Hinweis: im Fotoarchiv des United States Holocaust Museum Washington (USHMM) findet sich eine Anzahl von Fotos zur Geschichte des Lagers für Displaced Persons aus den Jahren 1946 bis 1948; die beiden Fotos - © USHMM, das linke im Original im Stadtarchiv Rosenheim - entstammen der online-Präsentation von USHMM.    

 Rosenheim Boykott 1933.jpg (120868 Byte)  Rosenheim Rosch Haschana Karte 1947.jpg (86103 Byte)  
NS-Boykott am 1. April 1933 
vor einem jüdischen Geschäft in Rosenheim
Neujahrskarte, versandt von einer Familie
 aus dem DP-Lager Rosenheim 1947

    
    
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Rosenheim  
Wikipedia-Artikel zu Rosenheim mit einem Abschnitt Rosenheim während der Zeit des Nationalsozialismus    

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 62-63.
Rosenheim im Dritten Reich. Beiträge zur Stadtgeschichte. Hrsg. vom Kulturamt der Stadt Rosenheim 1989.  

Beitrag von Jim G. Tobias in "Aufbau" vom 18. März 2004: "Das vergessene Kinderlager von Rosenheim. Auf ein Leben im Kibbuz vorbereitet - nach Kriegsende fanden 1.600 jüdische Kinder in der oberbayerischen Stadt Rosenheim ein vorübergehendes zuhause.."
Link zum Artikel im Archiv des "Aufbau"       

   

                   
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Stand: 27. April 2014