Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Walsdorf (VG Stegaurach, Kreis Bamberg) 
Jüdischer Friedhof 
   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde               
    
Siehe Seite zur Synagoge in Walsdorf (interner Link)  
  
  
Zur Geschichte des Friedhofes                 
    
Der jüdische Friedhof in Walsdorf wird erstmals 1628 genannt. Damals erwarben die Juden des Hochstifts Bamberg gemeinsam mit den jüdischen Gemeinden Bischberg, Burgebrach, Walsdorf, Viereth und Trunstadt aus dem Grundbesitz der Crailsheimer einen "unfruchtbaren, steinigten hügel", auf dem sie ihren Friedhof anlegten. 1676 wurde ein hölzerner Zaun um den Friedhof errichtet. Auch wurde ein Häuschen erstellt. 1719 wurde der Friedhof erweitert. 1742 wurde ein großes Taharahaus erbaut. An ihm finden sich zwei Inschriftentafeln in hebräischer Schrift. Demnach ist das Gebäude 1742 auf Kosten des Elieser Lippmann und seiner Frau erbaut worden. Auf dem Walsdorfer Friedhof wurden auch die Juden umliegender Gemeinden (u.a. Burgebrach, Bischberg, Grasmannsdorf, Viereth und Trunstadt) beigesetzt, bis 1851 auch die Verstorbenen der Bamberger jüdischen Gemeinde. Die Friedhofsfläche umfasst nach mehrfachen Erweiterungen 70,10 ar. Die heutige Umgrenzung wurde vermutlich 1887 gesetzt. Daran erinnert eine Inschrift an der linken Sandsteinsäule des Eingangstores, das über eine Treppe von der Verbindungsstraße Waldsdorf - Steinsdorf zu erreichen ist. 
  
Die ältesten Gräber des Friedhofes liegen von dem heutigen Eingangstor aus gesehen rechts vom Tahara-Haus, die jüngsten Gräber am unteren Ende des Hohlweges. 
  
Es sind im Bereich vor dem Taharahaus mehrere Rabbinergräber (Bamberger Landrabbiner) vorhanden, u.a. mit den auf den Grabsteinen angegebenen Titeln - die Gräber von haRav jaGadol weMufla Mordechai Lipschitz Av Beth Din we Rab de Medinat Bamberg weMilfanaim jaNagid Rabanut (Landrabbiner von 1678-1685), haRav haMedina Av Beth Din haGaon Nathan ben Morenu ha Rav Chaim Utitz (1731-1742), Joseph ben David Breslau (1743-1752), jaGaon Av Beth Din Morenu haRav Jehuda ben haChaver Josef haCohen Katz (1880-1788), haRab haGaon Morenu haRav Uri Schraga Feis ben Rav Schmuel Av Beith Din Frensdorf (1797-1802) und Adoenu weRabenu hjaGaon Av Beth Din Ja'akov Josef ben Rabenu weMorenu David Gersfeld Secher Zadik le bracha (1802-1814).    

Text aus Rabbiner Dr. Adolf Eckstein:  Festschrift zur Einweihung der neuen Synagoge in Bamberg. 1910. Nachdruck 1989 im Zusammenhang mit der Anlage des neuen jüdischen Friedhofes in Bamberg S. 101-102: 
"Der jüngeren Generation wird es fast wie ein Märchen klingen, dass noch vor sechs Jahrzehnten die Verstorbenen der Gemeinde (sc. Bamberg) zur Auswanderung ins Exil verurteilt waren und erst nach zweistündiger Reise in der Nähe von Walsdorf die letzte Heimat erreichen konnten. Der dort auf einem Hügel romantisch gelegene Friedhof, auf welchem Hunderte von eingesunkenen und verfallenen Grabsteinen wie stumme Zeugen einer längst vergessenen Zeit mit ergreifendem Ernste die Vergänglichkeit alles Irdischen künden, war seit dem 17. Jahrhundert gemeinsames Eigentum der Gemeinden Bamberg, Bischberg, Burgebrach, Grassmansdorf, Lisberg, Reichmannsdorf, Trabelsdorf, Trunstadt, Viereth und Walsdorf. Der Bedarf für Unterhaltung dieser Wohnstätte des Todes im Betrage von etwa 30 Gulden pro Jahr wurde von den Gemeinden des Friedhofsverbandes durch Umlagen, welche durch Übereinkommen vom 18. August 1830 geregelt waren, zusammengesteuert. Bei Sterbefällen musste von den betroffenen Familien eine Gebühr von ½ bis 1 ½ Gulden an die Friedhofskasse entrichtet werden, von Kindern bis 13 Jahren die Hälfte. Arme konnten gratis sich begraben lassen. Mit welchen Beschwerden und Unkosten der Transport eines Wanderers auf seinem letzten Wege von Bamberg nach Walsdorf verbunden war und in wie wenig würdiger Weise der Akt einer Bestattung vollzogen wurde, kann man sich denken, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Trauergefolge am unteren Kaulberg (sc. in Bamberg) umkehrte und nur vier Mitglieder des Beerdigungsvereins eine Leiche bis zu ihrem Ziele begleiteten..."

Bis 1963 gehörte der Friedhof der Freiherrlichen Crailsheim'schen Familienstiftung. Dann ging er durch Kaufvertrag an die Israelitische Kultusgemeinde in Bayern über. Hinter dem Eingangstor liegt der ältere Teil. Der jüngere Teil liegt an steil abfallendem Gelände. Der Friedhof ist von einem Maschendrahtzaun bzw. auch Hecken umgeben.
  
Der Friedhof wurde mehrfach geschändet. Im November 1935 wurden 70 Grabsteine umgeworfen. Im Oktober 1953 wurden sieben Grabsteine umgeworfen.  
  
Nach neueren Zählung befindet sich heute auf dem Friedhof ca. 1084 Grabsteine. 
   
   
Lage des Friedhofes  
  
Westlich von Walsdorf an der Straße nach Steinsdorf. Nach etwa 1 km liegt der Friedhof auf der linken Seite der Straße. 
   
   
Link zu den Google-Maps  
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes) 
   

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Fotos
 
Historische Aufnahmen
(Aufnahmen von 1928/31 durch Th. Harburger, veröffentlicht in ders.: Die Inventarisation jüd. Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern Bd. 3 S. 767-772; ausgenommen Foto obere Reihe links von Babette Treumann, Fürth, veröffentlich in ebd. S. 766).

Walsdorf Friedhof 100.jpg (108453 Byte) Walsdorf Friedhof 101.jpg (112252 Byte)Inschrift: "Alle Kosten 
für dieses Gebäude, das
 Tahara-Haus, stiftete 
der große, ehrenwerte 
Herr Elieser Lipmann, Sohn des großen Herrn
 Gemeindevorstehers
 Chajim seligen Angedenkens... 
Hier geschrieben im Jahre 502 nach der 
kleinen Zählung (1742). 'Er [G"tt] wird 
den Tod verschlingen auf ewig'". 
Walsdorf Friedhof 103.jpg (90970 Byte)Grabsteine der Fach
 Jachet, Gattin des
 Gemeindevorstehers 
und Arztes Hirsch aus Bamberg, gestorben 
am 24. August 1679
 (16. Elul 5439; Grabstein rechts) und ihrer 
beiden Töchter Schönchen und Krönlein, 
 gestorben 13./14. November 1678
 beziehungsweise 29. September 1678
 (Doppelgrabstein links)    
oben: Blick über den Friedhof 
und das Taharahaus
  
     
     
Walsdorf Friedhof 102.jpg (83073 Byte) Walsdorf Friedhof 105.jpg (116607 Byte) Walsdorf Friedhof 104.jpg (109355 Byte)
Grabstein des Abraham, Sohn des 
R. Jakob aus Bamberg, gest. 5. Mai 1647. 
Grabstein für Rabbiner Jakob Josef 
(Jost), Sohn des Rabbiners David 
Grabstein für Rabbiner Mordechai Lüpschitz,
 gest. 5. Oktober 1685 (7. Tischri 5446) 
     
  Walsdorf Friedhof 106.jpg (115538 Byte)  Walsdorf BayrGZ 15061928.jpg (59446 Byte)
   Grabsteine für Rabbiner: links für R. Nathan, 
Sohn des Rabbiners Chajim, Mitte R. Mordechai
 Lüpschütz und rechts R. Jakob Josef Jost 
Sohn des Rabbiners David
  Das oben links abgebildete Foto von 
Th. Harburger erschien in der 
"Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" 
vom 15. Juni 1928.

 
 
Neuere Fotos
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach) 

Walsdorf Friedhof 145.jpg (88755 Byte) Walsdorf Friedhof 143.jpg (107521 Byte) Walsdorf Friedhof 141.jpg (113218 Byte)
Eingangstor Inschriften am Eingangstor: "Der Eingang zum ewigen Leben ist dies. Es schwingen die 
Seelen zum Paradies. Die Hüllen schlummern in Gräbern süß. 1887"
  
   
Walsdorf Friedhof 142.jpg (78107 Byte) Walsdorf Friedhof 140.jpg (84680 Byte) Walsdorf Friedhof 146.jpg (52243 Byte)
Das Taharahaus mit Inschrift  Stiftertafel (Text siehe oben) 
   
Walsdorf Friedhof 147.jpg (52054 Byte) Walsdorf Friedhof 144.jpg (90583 Byte) Walsdorf Friedhof 148.jpg (75834 Byte)
Segensspruch  Teilansicht     
     
Walsdorf Friedhof 151.jpg (72202 Byte) Walsdorf Friedhof 150.jpg (70774 Byte) Walsdorf Friedhof 149.jpg (57909 Byte)
Grabsteine mit der "Lebensuhr"  Grabstein für Jeanette Güttermann 
aus Burgebrach 
  
   
   

Der Friedhof im Frühjahr 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.4.2007) 

  
Walsdorf Friedhof 314.jpg (139797 Byte) Walsdorf Friedhof 300.jpg (87481 Byte) Walsdorf Friedhof 301.jpg (87004 Byte)
Blick auf das Eingangstor mit den kaum noch lesbaren Inschriften (vgl. oben Fotos von J. Hanke)  
 
Walsdorf Friedhof 302.jpg (117597 Byte) Walsdorf Friedhof 303.jpg (112180 Byte) Walsdorf Friedhof 305.jpg (129826 Byte)
Gräber im oberen Teil des Friedhofes  
 
Walsdorf Friedhof 308.jpg (123545 Byte) Walsdorf Friedhof 309.jpg (130083 Byte) Walsdorf Friedhof 307.jpg (133302 Byte)
Blick vom Friedhof zum Taharahaus  
  
Walsdorf Friedhof 321.jpg (143000 Byte) Walsdorf Friedhof 319.jpg (114032 Byte) Walsdorf Friedhof 320.jpg (85401 Byte)
  Ehrenkranz   Grabstein für Jeanette Güttermann 
aus Burgebrach (1813-1863; 
vermutlich um 1900 erneuert)
 
 
     
Walsdorf Friedhof 310.jpg (137856 Byte) Walsdorf Friedhof 312.jpg (138078 Byte) Walsdorf Friedhof 313.jpg (132857 Byte)
Teilansichten im unteren Teil des Friedhofes 
 
Walsdorf Friedhof 306.jpg (132578 Byte) Walsdorf Friedhof 311.jpg (97743 Byte) Walsdorf Friedhof 304.jpg (80859 Byte)
    Grabstein mit den 
"segnenden Händen" der Kohanim  
Grabstein mit Symbol der nach unten
 gerichteten Fackeln als Zeichen
 erlöschenden Lebens 
  
     
  Walsdorf Friedhof 322.jpg (140672 Byte)  
   

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Verwaltungsgemeinschaft Stegaurach (mit Seiten zu Walsdorf und einer Darstellung der jüdischen Geschichte sowie des Friedhofes)  
Informationsseiten von www.juden-in-bamberg.de zu "Walsdorf" (bei Suchfunktion eingeben).  
Zur Seite über die Synagoge in Walsdorf  

Literatur:  

Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg. Bamberg  1898, Reprint 1985 (hierin auch ausführliche Informationen zu den im Friedhof beigesetzten Rabbinern).
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988 S. 223.
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Walsdorf. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 8. Jahrgang Nr. 58 vom Mai 1993 S. 19.
Johann Fleischmann (Hg.): Mesusa 3. Spuren jüdischer Vergangenheit in Aisch, Aurach und Seebrach. Die jüdischen Friedhöfe von Zeckern, Walsdorf, Aschbach, Uehlfeld, Mühlhausen, Lisberg, Burghaslach und Reichmannsdorf. Dokumentation zu Walsdorf S. 103-158, vgl. Auszug online.
Reinhold Link: Das Leben der Landjuden in Alsdorf. in Heimat Bamberger Land 10 1998 S. 57-62.  
Walsdorf Lit 108.jpg (96817 Byte)Norbert Haas: Gestorben in Bamberg - Bestattet zu Walsdorf. Ein Beitrag zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Bamberg. 1809-1851. Beiträge zur fränkischen Familienforschung Bd. 10.  1994.    
Michael Schneeberger: "Die Hüllen schlummern in Gräbern süß". Geschichte der Juden von Walsdorf bei Bamberg. Reihe: Jüdische Landgemeinden in Bayern. Nr. 26. In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 25. Jg. Nr. 113. September 2010. S. 31-38. 
Walsdorf Lit 020.jpg (114573 Byte) Der jüdische Friedhof in Walsdorf. Hrsg. von der Universität Bamberg - Professur für Judaistik. 
Kontakt: Prof. Dr. Susanne Talabardon  E-Mail judaistik[et]uni-bamberg.de   www.uni-bamberg.de/orientalistik/judaistik   
    

  

                   
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Stand: 06. Dezember 2013