Zur Geschichte jüdischer
Bewohner
In Ruttershausen bestand zu keiner Zeit eine jüdische
Gemeinde. Doch lebten über einen längeren Zeitraum spätestens seit dem 18.
Jahrhundert einige jüdische Personen / Familien am Ort. Die in Ruttershausen
lebenden jüdischen Personen gehörten zusammen mit den in Daubringen,
Mainzlar und Staufenberg
lebenden jüdischen Personen zu einem jüdischen Gemeindeverband mit Sitz in Lollar.
Dort befand sich auch die Synagoge des Gemeindeverbandes. Der Friedhof des
Gemeindeverbandes war bis 1844 in Staufenberg,
danach in Lollar.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
in Ruttershausen wie
folgt: 1830 15 jüdische Einwohner, 1905 12. Nach der Mitte des 19.
Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner am Ort nicht mehr zu. Einige
verzogen in andere Städte wie Koppel Kann (geb. 1855 in Ruttershausen am Sohn
von Handelsmann Ascher kann und Betti geb. Isenberg), der später als Kaufmann
in Herborn und Butzbach tätig war. Bei den in Ruttershausen ansässigen
jüdischen Familien handelte es sich vor allem um die Familien Kann und
Löwenstein.
Innerhalb des jüdischen Gemeindeverbandes Lollar nahmen auch die jüdischen
Familienvorstände aus Ruttershausen Aufgaben wahr: so wird unter den jeweils
drei Gemeindevorstehern bis Mai 1870 Ascher Kann aus Ruttershausen genannt, von
1905 an Lewi Löwenstein.
1933 lebten nur noch wenige jüdische Personen am Ort. Zwei von ihnen
(Bernhard Kann und Amalie Tobias) wurden am 14. September 1942 von der
Gestapo abgeholt und über Darmstadt ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo
sie umgekommen sind. Bernhard Kann starb am 21. Juli 1943
in Theresienstadt, Amalie Tobias starb am 30. Mai 1944 ebd.
In Ruttershausen gelang es dem 1907 geborenen Walter Löwenstein (von Beruf
Viehhändler), der in der Hintergasse lebte, die NS-Zeit zu überleben. Er
kümmerte sich nach 1945 und bis zu seinem Tod 1980 um die
Instandhaltung des jüdischen Friedhofes in Lollar,
wo er in einem Grab neben dem seines Vaters Hermann Löwenstein beigesetzt wurde
(siehe unten).
Von den in Ruttershausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Kann
(1862, von Ruttershausen deportiert), Leopold Kann (1876, später wohnhaft in
Ehringshausen, ab Frankfurt deportiert), Louis Kann (1878, später wohnhaft in
Düsseldorf, 1941 ins Ghetto Litzmannstadt deportiert), Paula Süßkind geb.
Löwenstein (1885, später wohnhaft in Frankfurt, 1942 ins Ghetto Minsk
deportiert), Amalie Tobias (1873, über Darmstadt ins Ghetto Theresienstadt
deportiert).
Berichte zur jüdischen Geschichte am Ort