Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rümmelsheim (VG Langenlonsheim, Kreis Bad Kreuznach) 
mit Waldalgesheim und Weiler bei Bingen (beide VG Rhein-Nahe; Kreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In Rümmelsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1906. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits im 16. Jahrhundert lebten jüdische Personen am Ort. 1548 wird "Mosse von Rimelsheim' in einer Schutzgeldliste genannt. Danach liegen erst wieder aus dem 19. Jahrhundert Angaben über die jüdische Personen in Rümmelsheim vor.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 31 jüdische Einwohner (von insgesamt 405 Einwohnern), 1843 48 (von insgesamt 654), 1848 48 (in 9 Familien), 1858 45 (von 743), 1885 29 (von 896).    
 
1823 wurden auch die in Waldalgesheim und in Weiler bei Bingen lebenden jüdischen Familien der Gemeinde in Rümmelsheim zugeteilt. Bis dahin hatten sich die Waldalgesheimer Juden mehr zur Synagogengemeinde Schweppenhausen und die Weilerer Juden zur Synagogengemeinde in Bingen zugehörig gefühlt. Bis 1892 gehörten auch die in Bingerbrück lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Rümmelsheim. 
   
In Waldalgesheim lebten 1823 8, 1843 9 jüdische Personen (von insgesamt 860 Einwohnern), 1848 8 (Familie Simon Stern, Schlachter), 1858 5 (von 915), 11 (von 1230). 
In Weiler lebten 1823 5, 1843 24 jüdische Einwohner (von insgesamt 884 Einwohnern), 1848 12 (in 3 Familien), 1858 6 (von 1033), 1885 2 (von 1394).  
 
1850 hab es die folgenden jüdischen Familien an drei Orten: in Rümmelsheim Mathias Marx, David Marx, Mathias Marx, Coppel Mayer, Jacob Stern, Sebastian Stern, Raphael Stern, Servatius Stern, Joseph Stern, Joseph Marx, Carl Wohlgemuth, in Waldalgesheim Simon Stern, in Weiler Joseph Berg und Wendel Berg.  

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und ein Friedhof (in Rümmelsheim), auf dem die jüdischen Einwohner von Rümmelsheim und Waldalgesheim beigesetzt wurden; die Juden in Weiler hatten einen eigenen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde wurden diese in der Gemeinde verteilt, da ein eigener Lehrer, der auch als Vorbeter und Schochet hätte tätig sein können, nicht bezahlt werden konnte. 1848 war als "unbesoldeter Vorsänger" Carl Wohlgemuth tätig. Er war zugleich Synagogenvorsteher, musste dieses Amt jedoch 1852 aus Gesundheitsgründen niederlegen. Sein Nachfolger war Raphael Stern. Einige Jahre später war Synagogenvorsteher Ferdinand Stern, ab 1885 Elias Stern.    
  
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verzogen die meisten jüdischen Familien vom Ort, 1906 wurde die Gemeinde aufgelöst. 1918 verzog das letzte Gemeindeglied nach Bingen.       
   
1925 wurden keine jüdischen Einwohner mehr in Rümmelsheim gezählt. In Waldalgesheim lebten noch die Familien des Metzgermeisters Sally Stern und des Händlers Willy Hessel, in Weiler die Familie Simon Berg. Den Familien von Sally Stern und Willy Hessel gelang die Emigration in die USA. Simon Berg aus Weiler wurde von Bingen aus deportiert, seine Tochter Lilly von Friedberg aus. 

  
Von den in Rümmelsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Eis geb. Stern (1879), Lina Goldschmidt geb. Stern (1888), Eugenie Marx geb. Marx (1881), Leo Marx (1886), Heinrich Stern (1888), Rudolf Stern (1876), Bertha Wetzler geb. Stern (1875), Selma Zacharias geb. Grünewald (1888).
Aus Waldalgesheim sind umgekommen: Isabella Kaufmann geb. Stern (1881), Dina Müller geb. Stern (1870), August Adolf Stern (1877), Julius Stern (1883).        
Aus Weiler bei Bingen sind umgekommen: Simon Berg (1869), Isabella Kahn geb. Berg (1898), Luisa Kann geb. Berg (1864), Lilly Löwenthal geb. Berg (1902).  
   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Bäckermeister E. Marx (1902)  
Anmerkung: Der Familienname ist in der Anzeige verschrieben. Es ist Emanuel Marx gemeint.    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1902: "Ein tüchtiger Bäckergeselle, der auch die Feinbäckerei versteht, sucht Stelle. Schabbos und Jomtof geschlossen. Offerten an 
E. Marx,
Rümmelsheim bei Bingerbrück."   

  
Anzeige von Metzgermeister Simon Stern in Waldalgesheim (1901)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1901: "Metzgerlehrling. Ein braver Junge von ordentlichen Eltern, kann das Metzgergeschäft gründlich erlernen. 
Simon Stern
, Waldalgesheim bei Bingerbrück."   

 

     
Zur Geschichte der Synagoge

In Rümmelsheim gab es eine vermutlich 1808 eingerichtete Synagoge, die sich allerdings 1848 in sehr schlechtem Zustand befand. Nach Angaben des Waldalgesheimer Bürgermeisters war das Bethaus "eine dem Verfall nahe Hütte". Dies dürfte auch der Grund sein, dass die in Waldalgesheim lebenden jüdischen Personen in die Synagoge nach Scheppenhausen gingen, die in Weiler lebenden jüdischen Personen in die Synagoge nach Bingen. 1852 wurde die Synagoge in Rümmelsheim renoviert.     

Spätestens mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1906 wurde die Synagoge in Rümmelsheim geschlossen. In den 1920er-Jahren kümmerte sich, nachdem die letzten Juden Rümmelsheim verlassen hatten, Moritz Marx (früher in Rümmelsheim, nun in Bingen) um die dem Verfall preisgegebene Synagoge. Sie war inzwischen Lagerraum für Geräten, Auto-Betriebsstoffe und Kunstdünger geworden und verkam immer mehr. Im August 1928 erhielt der Binger Rechtsanwalt Richard Strauss die Pflegschaft über das Eigentum der ehemaligen Synagogengemeinde Rümmelsheim. Er hat im März 1929 den Verkauf der Synagoge geregelt. Dieser wurde im Dezember 1930 vollzogen. 1931 wurde das Synagogengebäude abgebrochen.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge   An der Bach           

Fotos    

Es sind noch keine Fotos zur jüdischen Geschichte in Rümmelsheim vorhanden; über Zusendungen oder Hinweise freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite  
     

   
   
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Rümmelsheim  

Literatur:  

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 329 (mit weiteren Literaturangaben).
Dokumentation Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung. Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach Band 28. 1995. S. 357-371. 

        

            

 

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. November 2010