Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Niederklein (Stadt Stadtallendorf, Kreis Marburg-Biedenkopf)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Dokument nach 1945      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
   
In Niederklein bestand - in meist enger Verbindung mit Schweinsberg (im 19. Jahrhundert Synagogengemeinde Schweinsberg-Niederklein) - eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Erstmals lassen sich im 17. Jahrhunderts jüdische Einwohner in Niederklein nachweisen. 1659 wird in einer "Kellereirechnung" von Amöneburg der Jude Daniel in Niederklein genannt. Er war bis zu seinem Tod in Niederklein; 1692 wird seine Witwe genannt, die 1694 ins benachbarte Schweinsberg zog. 1697 brannte der Ort ab; in den Rechnungsunterlagen wird nun der seit 1696 in Niederklein wohnhafte Jude Raphael genannt. Er hatte vorübergehend kein Schutzgeld zu bezahlen, da er "ganz verbrandt ist wie die anderen Niederkleiner Unterthanen". 1706 verzog er nach Buchenau. Für ihn wurde  1707 der Jude Hahne (auch Haine oder Hohne) am Ort aufgenommen. Nach seinem Tod um 1728/29 folgte sein Sohn Salomon Hahne auf der Stelle. Dieser war der Stammvater der späteren Familie Stern. Seit 1708 war auch kurzzeitig ein Jude Zachor am Ort, seit 1710 ein Raphael (bis 1725).    
  
Im ganzen 18. Jahrhundert blieb es bei nur ein bis zwei jüdische Familien am Ort (in den 1760er-Jahren Hahne Salomon und Mayer Hahne; für letzten ab 1777 Mendel Israel, Stammvater der Familie Nussbaum). Die Familien gehörten zur jüdischen Gemeinde in Schweinsberg.        
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1802 16 jüdische Einwohner (von insgesamt 728 Einwohnern), 1832 fünf jüdische Familien, 1852 sieben Familien, 1861 63 jüdische Einwohner (6,4 % von insgesamt 980), 1871 51 (5,9 % von 864), 1885 45 (5,2 % von 858), 1895 40 (4,2 % von 964, in sieben Familien), 1905 32 (3,7 % von 877). Die jüdischen Familiennamen am Ort waren Stern (1808 Isaak und Moses Stern), Nußbaum (1808 Salomon Nussbaum) und Blumenthal (1808 Koppel Blumenthal), in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg durch Einheirat in die Familie Stern auch Krämer.   
    
Die Familienvorsteher verdienten den Lebensunterhalt insbesondere durch Viehhandel (auch Schafhandel) und Manufakturwarenhandel. 1858 werden als jüdische Familienvorstände genannt (mit Erwerbszweig): Salomon Stern (Viehhändler/Großhändler und Metzger - besucht mit 50 bis 100 Stück Vieh die Märkte), Hanne Stern (Krämer), Isaak Blumenthal (Spezereien- und Eisenhändler), Leser Stern (Metzgerei und Nothandel), Witwe von Aaron Stern (Metzgerei), Heinemann Nussbaum (Viehhändler), Joseph Nussbaum (Spezereiwaren), Israelstern (Nothändler, Viehhändler).  
Maier Stern eröffnete ein Manufakturwarengeschäft (vgl. Anzeige von 1901 unten). Um 1900 gab es einen jüdischen Gastwirt, doch verzog die Familie wenig später nach Frankfurt und eröffnete dort ein Zigarrengeschäft.     
     
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad (1825 im Haus von Isaak Stern, ehem. Haus Nr. 57 1/2). Die Toten der Gemeinde wurden zunächst im jüdischen Friedhof in Hatzbach, nach 1918 im Friedhof in Stadtallendorf beigesetzt (erste Beisetzung aus Niederklein im Dezember 1920). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise im 19. Jahrhundert ein jüdischer Lehrer am Ort. Um 1825 ist ein solcher vorauszusetzen (siehe Bericht unten, falls bei dem genannten Lehrer von Moses Haas nicht der Schweinsberger Lehrer gemeint war, der vermutlich bereits damals regelmäßig in Niederklein unterrichtete). Ansonsten wurde der Religionsunterricht in Niederklein durch den Religionslehrer aus Schweinsberg erteilt: So unterrichtete 1835 Lehrer Salomon Stern am Montag, Mittwoch und Freitag in Niederklein, am Sonntag, Dienstag und Donnerstag in Schweinsberg. Letzter gemeinsamer Lehrer von Schweinsberg und Niederklein war Lehrer Rothschild (bis 1884). Danach wurde der Schulverband zwischen Schweinsberg und Niederklein aufgelöst und der Unterricht durch andere auswärtige Lehrer (schon damals aus Kirchhain?) erteilt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.      
   
Um 1924, als zur Gemeinde noch elf Personen gehörten (1,2 % von insgesamt 957 Einwohnern, in drei Familien), war Gemeindevorsteher Maier Stern II (als Nachfolger seines 1922 verstorbenen Onkels Maier Stern I; Hinweis: der Vater von Maier Stern II war Isaac Stern, ein Bruder von Maier Stern I). Auch 1932 wird Maier Stern als Gemeindevorsteher genannt, wobei es sich nun um Maier Stern II gehandelt haben wird. Inzwischen wurde Religionsunterricht nicht mehr regelmäßig erteilt. Auch in Schweinsberg gab es keinen jüdischen Lehrer mehr. Zuletzt erteilte der Kirchhainer Lehrer Markus Rapp auch in Niederklein den Religionsunterricht (er war Lehrer in Kirchhain von 1912 bis 1937).  
     
1933 lebten noch dreizehn jüdische Personen in Niederklein. In den folgenden Jahren sind nur einzelne von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (Hugo Stern mit Frau und drei Kindern in die USA, gleichfalls die Kinder von Hermann Krämer und Maier Stern II).
   
Nach dem Buch von Barbara Händler und Ulrich Schütt (s. Lit.) wurde von der in der Obergasse lebenden Familie Krämer Hermann Krämer im Mai 1941 zur Zwangsarbeit in das Arbeitslager Breitenau verschleppt, von dort im Juli 1941in das KZ Buchenwald, wo er 1942 ermordet wurde. Abraham Krämer (Vater von Hermann Krämer) verstarb in Mardorf und wurde im jüdischen Friedhof Rauisch-Holzhausen beigesetzt (Angabe von Harald Dörr vom 26.2.2016). Dina Krämers Weg in den Tod verlief über das Ghetto Riga nach Auschwitz. Die Kinder Renate und Walter Krämer wurden 1941 nach Mardorf umgesiedelt und von dort nach Riga deportiert (von hier in verschiedene Lager verbracht und im März 1945 von den Russen aus dem Lager Rieben befreit); Walter Krämer kam im Juli 1945 nach Niederklein zurück und ist von hier in die USA ausgewandert; Renate Krämer konnte später mit der Aktion von Graf Bernadette von Schweden in die USA auswandern. Sie lebte 2016 noch in Levittown, USA (Angaben von Harald Dörr vom 26.2.2016). Von der in der Schweinsberger Straße lebenden Familie Maier Stern II konnten die beiden Söhne Ernst und Julius in die USA emigrieren, vgl. unten den Brief von Julius Stern). Maier Stern starb im Juli 1939 angeblich an Suizid im Gerichtsgefängnis in Marburg, seine Frau Paula und seine Schwester Emma wurden in das Ghetto Theresienstadt deportiert bzw. nach Riga und sind umgekommen.      
     
Von den in Niederklein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Dina Krämer geb. Stern (1888), Hermann Krämer (1890), Friederike Nußbaum geb. Nußbaum (1893), Johanna Sonn geb. Nussbaum (1860), Emma Stern (1879), Julchen Stern geb. Stern (1880), Maier Stern II (1871), Paula (Paulina) Stern geb. Rosenbaum (1874).  
  
Hinweis: im Buch von Barbara Händler-Lachmann und Ulrich Schütt (siehe Literatur) finden sich insgesamt 28 Kurzbiographien zu jüdischen Personen aus Niederklein. Detaillierte Genealogien der jüdischen Familien bei Alfred Schneider.     
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Um 1825 war ein Lehrer in der Gemeinde tätig  

Aus einer Biographie zu Rabbiner Moses Haas aus Mardorf (Quelle: J. Hahn: Die Freudentaler Rabbiner): "Moses Haas ist 1811 in dem kurhessischen Ort Mardorf bei Marburg geboren. Er besuchte die dort bestehende israelitische Schule. Da seine Eltern ihn schon früh unter den elf Geschwistern für das Studium der jüdischen Theologie bestimmt hatten, erhielt er neben der Schule Privatunterricht in rabbinischen Bibelkommentaren. Seit seinem 14. Lebensjahr ließ er sich bei einem jüdischen Lehrer im benachbarten Ort Niederklein in der Kenntnis der talmudischen Schriften und der hebräischen Grammatik ausbilden. Beim katholischen Pfarrer in Niederklein besuchte er dazu hin zweieinhalb Jahre lang die von diesem für einige Knaben angebotenen Lehrstunden zur Vorbereitung für den Besuch des Gymnasiums. Anschließend wurde er für ein Jahr Schüler einer Jeschiwa in Fulda, danach für fünf Jahre Schüler des Beth Hamidrasch von Rabbinatsverweser Löb Ellinger in Mainz." 

  
  

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
 
Anzeige des Manufaktur-Warengeschäftes M. Stern I. (1901)  

Niederklein Israelit 21031901.jpg (45515 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1901: "Für mein an Samstagen und Feiertagen geschlossenes Manufaktur-Warengeschäft suche ich per Ostern einen Lehrling aus achtbarer Familie, unter günstigen Bedingungen. 
M. Stern I., Niederklein, Bezirk Kassel."  

 
 
Dokument nach 1945  
Brief von Julius Stern nach Niederklein (1963)   
Anmerkung: Julius Stern schrieb am 30. September 1963 nachstehenden Brief an die Gemeinde Niederklein und hoffte damals auf eine Reaktion von Seiten der Gemeinde. Stern war einer der beiden Söhne von Pauline und Maier Stern II. Sein Vater starb angeblich an Suizid im Gerichtsgefängnis Marburg 1939, seine Mutter ist im Ghetto Theresienstadt am 8. September 1942 umgekommen. Die Familie Stern mit dem damaligen Dorfnamen Eißicks lebte in der Schweinsberger Straße. Julius Stern und sein Bruder Ernst waren vor 1936 in die USA emigriert. Der 1936 offenbar unbeantwortete Brief von Julius Stern aus Los Angeles lag danach im Archiv der Gemeinde Niederklein, später im Stadtarchiv Stadtallendorf. Eine Antwort auf den Brief von Julius Stern wurde erst im Mai 2014 bei einem Besuch von Tom und Jill Stern-Treuhaft übergeben. Letzterer ist ein Enkel des Onkels von Julius Stern und lebt in Toledo in Ohio. Das Ehepaar hat damals Niederklein besucht. Julius Stern ist im Jahr 1976 in den USA verstorben. Der Brief wurde verfasst von Mitgliedern des Ortsbeirates, Stadtverordneten und Niederkleiner Bürgern, die einen Arbeitskreis gebildet hatten.         

Niederklein Dok Stern 010o.jpg (953731 Byte)Niederklein Dok Stern 010.jpg (414745 Byte)Der Brief wurde veröffentlicht in Alfred Schneider: Die jüdischen Familien im ehemaligen Kreise Kirchhain. Beiträge zur Geschichte und Genealogie der jüdischen Familien im Ostteil des heutigen Landkreises Marburg-Biedenkopf in Hessen. Hrsg.: Museum Amöneburg. 2006: "Sehr geehrte Bürger von dem Jüngsten bis zum Ältesten von Niederklein! 
Nach vielen Jahren, in denen ich öfters glaubte, von Euch, den meisten von Euch zu hören, schreibe ich zu Euch. 
Viele Menschen in Niederklein können sich nicht mehr an mich erinnern, besonders die Jugend, aber viele erinnern sich an meine l(ie)b(en) Eltern, Maier (und) Pauline Stern, welche einst mit anderen Juden in Eurer Gemeinde lebten und Opfer des 3ten Reiches wurden. Immer wieder wurden Stimmen laut, die fordern, man muss einen endgültigen Schlussstrich unter die NS-Vergangenheit ziehen. Doch den Ruf nach einer solchen Generalamnestie kann und darf die Welt, und besonders die Erben dieser Tat, niemals billigen. 
Nach all den Grausamkeiten, die während der dunklen zwölf Jahre verübt wurden, muss die Erinnerung daran wachgehalten werden, sowohl im Andenken an die Millionen Ermordeten als auch zur Warnung vor einer Wiederaufrichtung jeglicher Diktatur; das ist eine staatsbürgerliche wie auch besonders menschliche Verantwortung, für die es unbeirrt von konjunkturellen Einflüssen mit aller Entschiedenheit einzutreten gilt und die auch ständig unter Beweis gestellt werden muss. Denn zuviel ist die allgemeine Tendenz, die in dem Satz zusammengefasst wird: 'Das wollen wir nicht mehr hören'. Hier liegt die Pflicht zu einer allgemeinen Umerziehung, (und) die Frage aufgeworden werden muss, ob man nicht wenigstens die Schüler heranziehen sollte, um die mit der Vergangenheit zu bekännen (bekennen); und so ist mein Brief nicht zuletzt für die Jugend von Niederklein. 
Die Erfahrungen von Tod und Schrecken sind so groß, als dass sie sich einfach verdrängen, vergessen ließen. Der Eichmann-Prozess hat noch einmal die Erinnerung an die von Grauen und Leid erfüllte Geschichte der europäischen Juden wachgerufen; nie werden die Deutschen genug tun können, um diese Schuld zu bezahlen; aber ich glaube, der böse Geist kann in Deutschland ausgetrieben werden durch eine Aktion von Sühne, so doch einen Beweis des Anerkennens der furchtbaren Schuld zu geben ist die Pflicht aller. 
In vielen Teilen von Deutschland werden Stimmen hörbar, die das furchtbare Schweigen brechen und durch Sühnezeichnen in verschiedenen Wegen versuchen, in kleinen Wegen ein Denkmal zu bauen für die einstigen Mitbürger der Städte und Dörfer. Auch ich hoffe, dass meine lieben Eltern im Tode geehrt werden - von den Bürgern von Niederklein. 
Mit besten Grüßen an Euch alle  Julius Stern, 6612 Woodman Ave, Van Nuys, Cal.  
NB.: Eine Copy dieses Briefes schickte ich heute zu den Zeitungen in Los Angeles."   .  
Dazu Presseartikel in der "Oberhessischen Presse" (kostenpflichtig):  
vom 14.2.2014: "Brief eines Exil-Juden aufgetaucht. Antwort nach 50 Jahren. Als Julius Stern am 30. September 1963 an die damalige Gemeinde Niederklein schrieb, hoffte er auf eine Reaktion. Stern war einer der Niederkleiner Juden, die der Ermordung durch die Nazis entgingen. Niederkleines Ortsbeirat greift den historischen Brief nun auf..."  Link zum Artikel    
vom 26.5.2014: "Niederklein. Beim Besuch stehen Tränen in den Augen. Es waren beeindruckende und emotionale Momente, als nach mehr als fünf Jahrzehnten das Antwortschreiben der Niederkleiner Gemeinde an die Nachkommen von Julius Stern übergeben wurde..."  Link zum Artikel     
Ende August 2016 wurde ein Gedenkstein für die aus Niederklein umgekommenen jüdischen Personen im Pfarrgarten aufgestellt. 
Artikel in der "Oberhessischen Presse" vom 1. September 2016: "Ein Gedenkstein gegen das Vergessen. Bis zu 64 Mitglieder zählte einst die jüdische Gemeinde von Niederklein vor dem Holocaust. An dieser erinnert jetzt ein Gedenkstein..." (Link zum Artikel
Der Gedenkstein enthält die Inschrift: "In stillem Gedenken an alle entrechteten, vertriebenen und verstorbenen jüdischen Mitbürger Niederkleins. 1933-1945".   

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge     
   
Niederklein bildete zunächst mit Schweinsberg eine Synagogengemeinde. So besuchten die Niederkleiner Juden vermutlich bis Anfang des 19. Jahrhunderts die Gottesdienste in Schweinsberg. 
  
Spätestens 1835 gab es jedoch ein eigenes Schul- und Synagogengebäude in Niederklein, in dem der Religionsunterricht (durch den Lehrer aus Schweinsberg) dreimal in der Woche erteilt wurde. Dass auch Gottesdienste in Niederklein abgehalten wurden, erfährt man gleichfalls 1835, da sich am 30. Oktober 1835 der Allendorfer Isaak Stern über den Kreisvorsteher Koppel Blumenthal beschwerte. Dieser hätte ihn wegen Störung des Gottesdienstes in der Niederkleiner "Sinagoge" mit einer Strafe von 1/2 Pfund Wachszahlung belegt. Die Synagoge/Schule befand sich in einem an das Wohnhaus von Moses Stern nach Norden hin angebaute Hinterhaus.  
  
Auf Grund der zurückgegangenen Zahl der jüdischen Einwohner wurde das Synagogengebäude bereits vor 1910 geschlossen und an den Bäcker Heinrich Josef Krämer verkauft. Die Kultgegenstände wurden nach Kirchhain verbracht. Nach dem Ersten Weltkrieg besuchten die jüdischen Einwohner Niederkleins die Synagoge in Schweinsberg. In den Erinnerungen der 1925 in Niederklein geborenen Frau Krämer geb. Hirsch steht: "Our temple (sc. in Niederklein) was so small and hidden, that we could not use ir for quite a time, due to our shrinking congregation. We walked to Schweinsberg on Saturdays for services. No ohne at that time had a camera to take pictures" (Information/Zitat erhalten von Harald Dörr, Marburg am 15.8.2016).    
   
Das Synagogen-/Schulgebäude wurde um 1950 abgebrochen, das Grundstück neu bebaut.     
   
   
Adresse/Standort der Synagoge   Hauptstraße 27   
    
    
Fotos  

Zur Synagoge liegen noch keine Fotos vor; über Hinweise oder Zusendungen freut 
sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.
 
     
     
     
Nach Anlage des Friedhofes 
in Stadtallendorf
wurden die Toten der
 Gemeinde Niederklein auf dem dortigen
 Friedhof beigesetzt 
Stadtallendorf Friedhof 125.jpg (109622 Byte)  
    Grabstein für Mendel Nußbaum aus Niederklein
 7.5.1853-20.2.1922  
 
       
     
Familienfoto Familie Krämer in Niederklein 
(erhalten von Frau Hirsch geb. Krämer über Harald Dörr)    
 Niederklein Famfoto.jpg (68304 Byte)  
Hinweis auf eine Quelle: Memoirs of Walter Kraemer, born in Niederklein 1927, regarding his experiences in Kassel, Riga, the Riga Ghetto, Kaiserwald, Strasdendorf and more (eingestellt in der Website von Yad Vashem, Jerusalem).   Auf dem Foto sind zu sehen: Dina Krämer geb. Stern
 (Mutter ganz links), Hermann Krämer (Vater ganz rechts),
 Renate Krämer (oben rechts), Ilse Krämer (oben links) 
und Walter Krämer (Mitte unten)  
 

  
  
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Stadtallendorf    

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Niederklein 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Niederklein sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,659   Trauregister der Juden von Niederklein  1823 - 1845, 1864 - 1872, darin auch ein Hinweis auf die Vernichtung der Geburts-, Trau- und Sterberegister der jüdischen Gemeinden Schweinsberg und Niederklein durch einen Brand im Oktober 1872   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4982966         

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 137-138.   
Keine Abschnitte zu Niederklein in Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994 und dies.: Neubearbeitung der beiden Bände 2007.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 160.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 522-523.  
Barbara Händler-Lachmann / Ulrich Schütt: "unbekannt verzogen" oder "weggemacht". Schicksale der Juden im alten Landkreis Marburg 1933-1945. Marburg 1992. 
Barbara Händler-Lachmann / Harald Händler /Ulrich Schütt: 'Purim, Purim, ihr liebe Leut, wißt ihr was Purim bedeut?' - Jüdisches Leben im Landkreis Marburg im 20. Jahrhundert. Marburg 1995.  
Kirchhain Lit 11.jpg (51572 Byte)Alfred Schneider: Die jüdischen Familien im ehemaligen Kreise Kirchhain. Beiträge zur Geschichte und Genealogie der jüdischen Familien im Ostteil des heutigen Landkreises Marburg-Biedenkopf in Hessen. Hrsg.: Museum Amöneburg. 2006. 

      
        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Niederklein (now part of Stadtallendorf) Hesse-Nassau. Numbering 63 (6 % of the total) in 1861, the community dwindled to 11 in 1933. Eight Jews emigrated to the United States; three perished in Nazi death camps.   
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. Oktober 2016