Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hennweiler (VG Kirn-Land, Kreis Bad Kreuznach) 
Jüdischer Friedhof
(Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Otmar Frühauf, Breitenthal)
   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde            
    
Siehe Seite zur Synagoge in Hennweiler (interner Link)  
  
  
Zur Geschichte des Friedhofes             
   
Ein alter, heute nicht mehr feststellbarer Friedhof lag vermutlich östlich von Hennweiler (an der Gemarkungsgrenze zwischen Oberhausen und Hennweiler) im Römerswald. Es dürfte sich um einen gemeinsamer Begräbnisplatz für jüdische Einwohner aus Oberhausen und Hennweiler gehandelt haben.

Der (neue?) jüdische Friedhof in Hennweiler wurde vor 1811, vermutlich um 1800 angelegt (1811 älteste Eintragung in einem Kartenauszug). Seit 1895 wurden auch die verstorbenen Juden aus Bruschied in Hennweiler beigesetzt. Die Friedhofsfläche umfasst 6,15 ar. 1938 wurde der Friedhof geschändet, die Grabsteine umgeworfen und die Einzäunung zerstört. 1939/40 wurden die Bäume auf dem Friedhof von in Hennweiler stationierten Soldaten gefällt. Der Friedhof sollte geräumt und als Bauland verkauft werden. Ein Teil der Grabsteine wurden gestohlen, teilweise als Baumaterial verwendet. Die letzten Beisetzungen waren 1985 (Max Sender) und 1986 (Benjamin Sender). 
  
Der Friedhof ist von einer Hecke umgeben. Rechts des Eingangs befindet sich eine große Tafel mit Informationen zu den ehemaligen jüdischen Einwohnern von Hennweiler und Bruschied sowie mit einem Hinweis auf Gedenksteine auf den Gemeindefriedhöfen von Hennweiler und Bruschied.   

Text der Informationstafel zur jüdischen Geschichte von Hennweiler und Bruschied    
1680 - wird erstmals die Niederlassung eines jüdischen Händlers erwähnt
1749 - erlässt die Herrschaft von Warsberg (Anmerkung: von Schloss Wartenberg, ganz in der Nähe) eine sogenannte Judenordnung für das Amt 
Wartenstein
1756 - wird eine sog. "Judenschule" (Betraum) in Hennweiler mit Beteiligung der jüdischen Einwohner von Bruschied/Schneppenbach errichtet
1814 - werden unter preußischer Regierung die jüdischen Einwohner Bruschieds der Synagogengemeinde Gemünden zugeteilt
1885 - von 834 Einwohnern in Hennweiler sind 58 jüdische Einwohner, um die Jahrhundertwende zieht es jüdische Familien in die Stadt Kirn
1895 - gehören die 16 jüdischen Einwohner der 295 Einwohner zählenden Gemeinde Bruschied wieder der Religionsgemeinschaft Hennweiler mit insgesamt 58 Mitgliedern an
1896 - Erbauung einer Synagoge in der Obergasse in Hennweiler, bis Mitte der 1930er Jahre ist sie Stätte von Versammlungen und Gottesdiensten der 
jüdischen Einwohner von Hennweiler und Bruschied
1925 - in Hennweiler leben 27, in Bruschied 16 Mitglieder der Synagogengemeinschaft
1938 - Judenprogrom in Deutschland: Während in anderen Orten in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 der Progrom gegen die Juden 
entbrennt, bleibt es in Hennweiler in dieser Nacht ruhig. Erst am Abend des 10. Novembers kommt es hier auf Drängen des NSDAP-Kreisleiters zu 
Ausschreitungen gegen die im Ort wohnenden jüdischen Familien und zu Verwüstungen ihrer Einrichtungen. Im Verlauf dieser Ausschreitungen wird 
die Synagoge geschändet; an ihr werden Fenster und Türen zerstört und die Inneneinrichtung mit Äxten zerschlagen. Die Thorarollen, andere 
religiöse Schriften und Kultgegenstände werden auf der Straße verbrannt. Das Gebäude als solches bleibt erhalten.
1939 - Durch diese unseligen Zeitumstände sind die Juden gezwungen, ihre Synagoge und ihren Friedhof an die Gemeinde zu verkaufen. Die letzten 
noch in Hennweiler verbliebenen 4 jüdischen Familien verlassen den Ort im August/September 1939 und ziehen nach Köln bzw. Nürnberg. Die 
ehemalige Synagoge wird im Winter 1939/40 zunächst von in Hennweiler einquartierten Wehrmachtstruppen als Munitionslager und dann bis Februar 
1945 als Turnhalle genutzt.
1942 - Deportation der 4 jüdischen Einwohner von Bruschied.
1951 - Die Gemeinde verkauft die ehemalige Synagoge mit dem Grundstück an eine Privatperson. Diese lässt das Gebäude abreißen und auf dem 
Grundstück ein Wohnhaus errichten (Obergasse 29).
1985 - zum Andenken an die 10 jüdischen Bürger von Hennweiler, die während der Nazidiktatur vertrieben, deportiert und ermordet wurden, 
wird ein Gedenkstein auf dem christlichen Friedhof der Gemeinde eingerichtet. Auch in Bruschied wird den ehemaligen jüdischen Einwohnern, die 1942 deportiert und später ermodert wurden mit Einrichtung eines Gedenkstein an der Friedhofshalle gedacht.
Max Sender war nach dem Krieg nach Hennweiler zurückgekehrt. Er findet auf dem israelitischen Friedhof 1985 seine letzte Ruhestätte.

     
     
Lage des Friedhofes         
   
Der Friedhof liegt am nordöstlichen Ortsrand an der Steinstraße.
   
   
Plan des Friedhofes   

Hennweiler Friedhof P010.jpg (65112 Byte)Plan aus der Dokumentation "Jüdische Grabstätten..." (s.Lit.) S. 201 mit Nummerierung der Grabstätten

    
    
Fotos 
(Fotos: Otmar Frühauf, Aufnahmedatum 30.3.2009; die Zahlen der Grabsteine beziehen sich auf die Nummerierung in der unter "Literatur" genannten Dokumentation, vgl. Plan oben)

Hennweiler Friedhof 170.jpg (124539 Byte) Hennweiler Friedhof 171.jpg (124101 Byte) Hennweiler Friedhof 172.jpg (110242 Byte)
Blick auf den Friedhof Teilansichten des Friedhofes
     
Hennweiler Friedhof 177.jpg (134480 Byte) Hennweiler Friedhof 178.jpg (140058 Byte)  
Das Eingangstor Hinweistafel  
     
Hennweiler Friedhof 174.jpg (161065 Byte) Hennweiler Friedhof 179.jpg (135357 Byte) Hennweiler Friedhof 173.jpg (111513 Byte)
 Blick über den Friedhof - Blickrichtung 
ähnlich wie auf Plan oben
 links Grab [2] von Elfriede Sender 
(1901-1975) und Benjamin Sender 
(1898-1986), dahinter (mit Busch) Grab [1] 
für Max Sender (1910-1985)
      
  
     
Hennweiler Friedhof 175.jpg (114834 Byte) Hennweiler Friedhof 176.jpg (146486 Byte)  
Die Informationstafel (Text siehe oben)  
       

    
    
Einzelne Presseberichte  

September 2010: Einige jüdische Friedhöfe werden in den neuen topographischen Karten nicht mehr eingetragen - 
merkwürdige Begründung durch das Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation   
Hennweiler Friedhof 850.jpg (332257 Byte)Foto links von Dietmar Backes: Der jüdische Friedhof in Hennweiler wird in neuen topografischen Karten nicht mehr dargestellt.  
Artikel von Andreas Nitsch in der "Rhein-Zeitung" vom 2. September 2010 (Artikel): "Jüdische Friedhöfe verschwunden
VG Kirn-Land/Region.
Der jüdische Friedhof in Hennweiler ist verschwunden. Nicht ganz, denn die rund 30 Grabsteine wurden nicht etwa abgerissen und entsorgt. Sie stehen nach wie vor am nordöstlichen Ortsrand an der Steinstraße. Allerdings ist das Grabstättengelände auf manchen Landkarten nicht mehr eingezeichnet – wie auch der jüdische Friedhof in Rhaunen. Das hat Gerhard Reiß aus Bad Bergzabern, der oft Urlaub im Hunsrück macht, festgestellt. 
Rückblick: Gerhard Reiß interessiert sich für jüdische Geschichte. Er hat die israelitischen Friedhöfe in Hennweiler und Rhaunen schon öfter besucht. Vor wenigen Monaten kaufte er sich die 'Topografische Karte von 2006 1:25 000 Blatt 2 Naturpark Soonwald-Nahe Kirn', zugleich Wanderkarte des Hunsrückvereins. Darin enthalten sind auch Wander- und Radwanderwege sowie ein UTM-Koordinatengitter für GPS-Nutzer. Doch die jüdischen Friedhöfe in Hennweiler und Rhaunen sind auf dieser Karte nicht mehr vermerkt. Nicht mehr deshalb, weil die Grabstättenareale auf früheren topografischen Karten – etwa in der Ausgabe 'Nr. 6110 Gemünden 1:25 000' von 1976 – noch zu finden sind.
Was aber ist der Grund für diese Nichtberücksichtigung? Werden jüdische Friedhöfe generell nicht mehr eingezeichnet? Nein, denn beispielsweise das jüdische Pendant in Bad Sobernheim findet nach wie vor Beachtung in solchen Karten, wird dort sogar als Kulturdenkmal (KD) bezeichnet.
Das Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation begründet die fehlenden Hinweise mit 'geänderten Anforderungen an die amtlichen Karten' – als da wären 'höhere Genauigkeit, kürzere Aktualitätszyklen, Verwendung von GPS-Geräten sowie der Einsatz der Karten in computergestützten Systemen'. Diese Forderungen könnten von den 'hergebrachten, ursprünglich durch manuelles Zeichnen und mit viel künstlerischem Geschick entstandenen Karten' nicht mehr erfüllt werden.
Aus diesem Grunde habe das Landesamt in den vergangenen Jahren ein 'Digitales Landschaftsmodell' aufgebaut, das die Grundlage für die neuen Topografischen Karten bildet und mit anderen Bundesländern abgestimmt ist. Nach neuen Vorgaben würden Friedhöfe ohne Unterscheidung nach ihrer Konfession nunmehr erst ab einer Fläche von 5000 Quadratmetern erfasst und entsprechend dargestellt. Dies allein sei der Grund für die Nichtberücksichtigung, wird seitens des Landesamtes betont. 
So recht glauben kann das auch Gerhard Reiß nicht. Denn die christlichen Friedhöfe beispielsweise in den Wüstungen Rehbach, Eckweiler und Pferdsfeld reichen allesamt an 5000 Quadratmeter Fläche nicht heran. Aber auch dafür hat die Landesbehörde eine Begründung: 'Sollten auch kleine Friedhöfe aufgrund ihrer historischen und kulturgeschichtlichen Bedeutung eine herausgehobene Stellung besitzen, so erlaubt das Regelwerk die Erfassung und Darstellung von Kulturdenkmälern.' Allerdings: 'Diese herausragende Bedeutung haben wir für die genannten Friedhöfe nicht gesehen', schreibt Dr. Dirk Deußen vom Landesamt."      
 
 

   
    

Links und Literatur 

Links:  

Website der Gemeinde Hennweiler  
Seite zur jüdischen Geschichte / Synagoge in Hennweiler (interner Link)  

Literatur:  

Dokumentation Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung. Reihe: Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach Band 28. 1995. S. 195-204.   

 
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. August 2013