Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dotzheim (Stadt Wiesbaden)
Jüdische Geschichte 

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der jüdischen Geschichte in Dotzheim  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Kennkarte aus der NS-Zeit  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
    
In Dotzheim bestand eine jüdische Gemeinde vermutlich bis Anfang des 19. Jahrhunderts, über die nur wenige Informationen vorliegen. Nach den Einwohnerlisten zwischen 1616 und 1722 lebten offenbar noch keine jüdischen Personen / Familien am Ort. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zogen jüdische Personen zu, unter anderem Isaak Seligmann aus Herxheim bei Bad Dürkheim, der Vater des späteren Rabbiners Salomon Herxheimer, der 1801 in Dotzheim geboren ist.  Isaak Seligmann heiratete in Dotzheimer "die Jüdin Zerla". Eine 16 Jahre jüngere Schwester von Isaak Seligmann, Marianne, war mit einem Handelsmann Feist Mayer in Dotzheim verheiratet.  
    
1818 gab es sechs jüdische Familien am Ort. 1837 wurden 37 jüdische Einwohner gezählt.  
    
An Einrichtungen bestand vermutlich noch im 18. Jahrhundert ein Betraum. Im 19./20. Jahrhundert orientierten sich die jüdischen Einwohner des Ortes nach Schierstein und Biebrich.   
   
Um 1924 wurden in Dotzheim 29 jüdische Einwohner gezählt (Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung Berlin 1924/25 S. 74). Die jüdischen Familien beziehungsweise die Familienvorsteher waren tätig als Händler (u.a. Altwarenhandel der Familie Metzler mit Wohnung seit 1922 in der Glockengasse 17), als Inhaber von Geschäften (u.a. Kurzwarengeschäft von Alex Katz, später gemeinsam mit Gustav Katz Textilgeschäft in der Römergasse 14, ab 1929 Kaufhaus für Stoffe, Kleidung und Schuhe in der Römergasse 14), oder als Metzger (Metzgerei von Artur Salmon in der Wiesbadener Straße) und im Leben des Ortes völlig integriert. 
  
Nach 1933 waren die in Dotzheim lebenden jüdischen Personen wie auch andernorts von den antijüdischen Maßnahmen der NS-Regierung betroffen. Zuletzt waren 38 oder 41 jüdische Personen am Ort. 1938 emigrierten Metzger Arthur Salmon und seine Frau Paula. Nach dem Novemberpogrom 1938 mussten die noch bestehenden jüdischen Gewerbebetriebe aufgegeben und die Geschäfte, teilweise auch die jüdischen Wohnhäuser unter Wert verkauft werden. Ende 1938 wurde ein "Judenhaus" in der Rheinstraße 81 eingerichtet, in das unter anderem Johanna Metzger und ihr Sohn Willy Metzler zwangsweise eingewiesen wurden. Andere konnten emigrieren, darunter die Schwestern Mathilde und Else Caroline Metzler in die USA.  
    
Von den in Dotzheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch die Angaben bei Schwalbach s. Lit. S. 28): Hans Heinrich Berger (1898), Emil Heymann (1880), Joseph Heymann (1862), Melani Heymann Geb. Altschul (), Moritz Heymann (1862), Rosa Heymann (1874),  Johanna Metzler geb. Neu (1882), Auguste Katz geb. Freund (1883), Gustav Katz, Willy Metzler (1914), Gustav Stein (1881), Minna Stein geb. Meyer (1886). 
 
An mehrere der umgekommenen jüdischen Personen aus Dotzheim erinnern heute "Stolpersteine" (u.a. für Gustav und Auguste Katz am Pfarrer-Luja-Platz).   
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der jüdischen Geschichte in Dotzheim    

Zur jüdischen Geschichten in Orten um Wiesbaden (1936)   

Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juni 1936 S. 359:  "Wiesbaden-Bierstadt, 
ziemlich alte Judensiedlung, heute nur noch wenige Familien. In dem schon erwähnten Gedichtband des Heimatdichters C. C. Wendel ist eine noch im Volksmunde lebendige Sage vom Bierstadter Judenhause des Selig festgehalten, der nach langem Zögern mitten im Winter seinen guten Ofen einreißt, weil ihn das Bild des Gekreuzigten daran beunruhigt, und der unter dem Schutt des Ofens einen Goldschatz findet. Auch Wiesbaden-Frauenstein, alte, aber winzige Judensiedlung, 1000-jährige sagenumwobene 'Blutlinde' an der Dorfstraße, Goethestein auf der Höhe; lohnender Weg; ebenso nach Wiesbaden-Sonnenberg (alte Judensiedlung) mit Burgruine und Burgmuseum. - Etwas weiter, also Tagestouren, Kellerskopf, Chausseehaus-Schläferskopf mit schönem Rundblick vom Aussichtsturm. - Hohe Kanzel. Eichen - Platte - Kellerskopf - Niedernhausen zurück mit Autobus oder Bahn). 
Wir wenden uns auf unserer Wanderung dem Stadtteil
Dotzheim zu. Bis vor einem Jahrzehnt selbstständig, besaß es seit langem eine kleine Judengemeinde, der als Sohn eines ihrer Lehrer im Jahre 1801 der bedeutende Rabbiner Dr. Salomon Herxheimer, späterer Landesrabbiner von Anhalt-Bernburg, entspross. (Seine wortgetreue Pentateuch-Übersetzung ist ausgezeichnet, aber lange vergriffen.). Auf dem Dotzheimer Ortsfriedhof künstlerisch hochstehendes Ehrenmal für die Gefallenen. Der wichtige architektonische Teil von dem Wiesbadener Rudolf Joseph (Erbauer der eigenartigen und sehr stimmungsvollen Synagoge zu Dieburg). Von Dotzheim zum Chaussee-Haus 1 1/4 Stunden; eine weitere halbe Stunde zum Schläferskopf (Wegmarke: schwarzer Punkt), in weiteren 3/4 Stunden zur Hohen Wurzel. Obere Aussichtsplatte des Turmes 650 m, eine der schönsten Aussichten am Rhein. Das Hochplateau hat wunderbaren Tannenwald; schwarzgrün turmhoch der alte, hellgrün und saftig der junge. Jetzt in kleinen 3/4 Stunden, den Rheinhöhenweg südwestlich abwärts nach..."   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über den aus Dotzheim stammenden Rabbiner Salomon Herxheimer (geb. 1801 in Dotzheim, gest. 1884 in Bernburg)    

Herxheimer Rabbiner.jpg (10428 Byte)Zu seiner Biographie: mit 13 Jahren begann Salomon Herxheimer seine Studien an einer Jeschiwa in Mainz. 1824-1827 studierte er an der Universität Marburg Pädagogik, Geschichte und orientalische Sprachen (Foto links: Quelle), danach wurde er Rabbiner in Eschwege, seit 1831 herzoglicher Landesrabbiner von Anhalt-Bernburg. 
  
Literatur: Rolf Faber: Salomon Herxheimer. 1801-1884. Ein Rabbiner zwischen Tradition und Emanzipation. Hg. vom Heimat- und Verschönerungsverein Dotzheim. Wiesbaden 2001.
Nachrufe anlässlich des Todes von Rabbiner Salomon Herxheimer:   
Dotzheim AZJ 06011885.jpg (173327 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1885: "Bernburg, 28. Dezember (1884, Privatmitteilung). Am 25. dieses Monats verschied der Nestor der deutschen Rabbiner, Dr. Salomon Herxheimer, im 84. Lebensjahre, nach kurzem Krankenlager. Mit ihm ging einer der wenigen noch lebenden Veteranen der Reform des Judentums dahin, jener Reform, welche auf dem geschichtlichen Boden vor Allem die Bildung der Gemeinden und hierauf die Umgestaltung des Gottesdienstes nach den Bedürfnissen und Wünschen der Gemeinden erstrebten, und als das wesentlichste Mittel die Entwicklung des Religionsunterrichtes betrachteten. Zuerst Rabbiner in Eschwege, seit 1831 herzoglicher Landesrabbiner von Bernburg, gründete er daselbst eine jüdische Elementarschule, die längere Zeit bestand, und verbesserte den Gottesdienst, wie dies die Majorität der Gemeinde freudig begrüßte, während ein kleinerer Teil derselben dem Rabbiner dafür schwere Kämpfe bereitete. Der freundliche, sanftmütige und liebenswürdige Charakter des letzteren überwand aber bald diese Schwierigkeiten. Der Verewigte nahm an der Entwicklung des Judentums den tätigsten Anteil und war ein treues Mitglied der Rabbinerversammlungen sowie der Synode in Leipzig (1869), wo er noch ein ausführliches Referat über den Religionsunterricht lieferte. Außer einigen kleineren Schulschriften erlangte er durch seine, in erster Auflage 1831, seitdem in 29 Auflagen erschienene 'Israelitische Glaubens- und Pflichtenlehre für Schule und Haus' eine ausgebreitete Wirksamkeit. Auch seine Bibelausgabe mit Übersetzung und Erklärungen (1841-1848) fand vielen Anklang. Zu seinem 50jährigen Amtsjubiläum gründete der deutsch-israelitische Gemeindebund einen Herxheimer-Fond zur Unterstützung jüdischer Seminaristen, der seitdem vieles Gute gestiftet hat. Seit einigen Jahren emeritiert, lebte der hochgeachtete Greis in stiller Zurückgezogenheit. Heute Nachmittag findet seine Beerdigung statt, nachdem zuvor eine Trauerfeier in der Synagoge abgehalten sein wird."
Nur kurz fiel der Nachruf in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" aus:   
Dotzheim Israelit 08011885.jpg (33440 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1885: "Bernburg, 26. Dezember (1884). Gestern verschied im hohen Alter der pensionierte Landesrabbiner Dr. Salomon Herxheimer. Derselbe, durch mancherlei Schriften in weiteren Kreisen bekannt, gehörte seinen religiösen Anschauungen nach der sogenannten gemäßigten Reform an."  
   
Weiterer Artikel mit Todesanzeige 
in der "Allgemeinen Zeitung des
 Judentums" vom 13. Januar 1885 
(zum Lesen bitte 
Textabbildungen anklicken 
Dotzheim AZJ 13011885.jpg (465667 Byte) Dotzheim AZJ 13011885f.jpg (87912 Byte)    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. März 1885: "Bonn, 8. März (1885). (Literarische Notizen). Rabbiner Dr. Siegmund Salfeld in Mainz hat ein Lebensbild des seligen Dr. Salomon Herxheimer (Frankfurt, Auffahrt, 1885) veröffentlicht, das mit einer aufrichtigen Pietät und Herzenswärme entworfen und ausgeführt ist. Der strebsame Jüngling, der rastlos wirkende Mann und der edle liebenswürdige Greis werden uns getreu zur Erinnerung wie zu bleibendem Andenken gezeichnet. Ein gutes Portrait des Verewigten ist beigegeben."  

      
 Über den Arzt Dr. Salomon Herxheimer (1841 in Dotzheim - 1899 in Tirol)    

Dr. Salomon Herxheimer ist am 22. September 1841 in Dotzheim geboren als Sohn des Mühlenbesitzers und Getreidehändlers Hermann (Herz) Herxheimer (1803-1879, Bruder von Rabbiner Dr. Salomon Herxheimer) und seiner Frau Jeanette (Johannette) geb. Liebmann. Dr. Salomon Herxheimer wurde 1874 in Frankfurt am Main als erster Hautarzt zugelassen. Als solcher gründete 1876 oder 1877 in Frankfurt eine Klinik und Poliklinik für Hautkranke, die er bis zu seinem Unfalltod 1899 leitete. Neben seinem Beruf wirkte er als "Kunstverständiger" und "wohltätiger Mann".  
Weitere Informationen siehe Seite zu Familie Herxheimer in der Website juedische-pflegegeschichte.de  
Hier auch Quellenangaben und Literaturhinweise.  

         

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für Julius Stein,
 geb. in Dotzheim
 
 Dotzheim KK MZ Stein Julius.jpg (86856 Byte)    
   Kennkarte (Mainz 1939) für Julius Stein, geb. 20. April 1883 in Dotzheim.      

       
       
 
      
Zur Geschichte des Betsaals      
    
Im 18. Jahrhundert dürfte ein Betsaal in einem der jüdischen Häuser vorhanden gewesen sein. Weitere Informationen liegen nicht vor.  
    
    
    
Fotos:  

Zur jüdischen Geschichte in Dotzheim liegen noch keine Fotos vor. 
Fotos ehemaliger jüdischer Wohnhäuser in der Publikation von Rolf Schwalbach; 
hier auch Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe aus der "Dotzheimer Zeitung". 
 
     

  
   
Links und Literatur   

Links:   

Website der Stadt Wiesbaden   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Dotzheim 
In der Sammlung des Leo Baeck Institutes New York ist ein Schutzbrief für Gerson Mayer jun. von Dotzheim vorhanden.   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 73-74 (im Artikel Bierstadt). 
Dotzheim Lit 130.jpg (110520 Byte)Rolf Schwalbach: Die Dotzheimer Juden - der Versuch einer Spurensuche. Band Nr. 26. Schriften des Heimat- und Verschönerungsvereins Dotzheim. Wiesbaden-Dotzheim 2010. 7 €.
Dazu Artikel von Michael Grabenströer in der "Frankfurter Rundschau" vom 23.9.2010: "Juden in Dotzheim - Suche nach verwischten Spuren"
Weiterer Artikel im "Wiesbadener Tagblatt" vom 21.9.2010: "Auch in Dotzheim hatte das Böse feste Wurzeln geschlagen". (Zugänglich über die Website des Aktiven Museums Spiegelgasse in Wiesbaden:  www.am-spiegelgasse.de
Artikel vom 24. Januar 2013 im "Wiesbadener Tagblatt"  zum Tod des Dotzheimer Heimatforschers Dr. Rolf Schwalbach  
Erinnerungsblatt für Johanna und Willy Metzger aus Wiesbaden-Dotzheim (Aktives Museum Spiegelgasse Wiesbaden) 
Erinnerungsblatt für Gustav und Auguste Katz aus Wiesbaden-Dotzheim (Aktives Museum Spiegelgasse Wiesbaden)      

   
     

                   
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Stand: 13. April 2015