Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Breisig (Kreis Ahrweiler) 
Die jüdischen Friedhöfe  
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
    
Siehe Seite zur Synagoge in Bad Breisig (interner Link)    
    
    
Zur Geschichte der Friedhöfe              
   
Der alte jüdische Friedhof von Breisig/Rheineck liegt in einem Waldgebiet am Burgabhang der Burg Rheineck. Er wurde vermutlich zur Zeit der ersten Ansiedlung der Juden in Breisig und Rheineck im 16. Jahrhundert angelegt. Der älteste der heute noch 27 erhaltenen Grabsteine dieses Friedhofes ist von 1621. Der Friedhof wurde bis um 1878 belegt. Auch nachdem 1832 der Bonner Universitätsprofessor und spätere preußische Kultusminister Moritz August von Bethmann-Hollweg die Burg Rheineck erworben und wieder aufgebaut hatte, war den jüdischen Familien aus Niederbreisig, Oberbreisig und Rheineck weiterhin gestattet, den Friedhof zu belegen. 
  
1979 kam Burg Rheineck an einen neuen Besitzer. Von diesem wurde damals in skandalöser Weise ein "Sicherungszaun" mitten durch den Friedhof gezogen. Die erfolglos dagegen protestierende jüdische Kultusgemeinde Koblenz ließ hierauf die noch erhaltenen Grabsteine auf den neuen jüdischen Friedhof in Bad Breisig versetzen. Zwei Grabsteine blieben im Burgbereich aufgestellt: der Stein für den Brohler Musikus David Berg, der 1873 als letzter im jüdischen Friedhof beigesetzt worden war (jenseits des Drahtzauns) sowie das in zwei Hälften zerbrochene Grabmal für eine Frau Hitzel, eine in Breisig verheiratete Tochter des Vorstehers Michael Ha-Kohen aus Deutz, die nach ihrem Tode 1719 hier beigesetzt wurde.
  
1987 konnte der schwere Eingriff in den Friedhof rückgängig gemacht werden. Der jüdische Bildhauer Ladis Schwartz (Bonn) hatte die Initiative zur Rückführung der Grabsteine auf das alte Friedhofsgelände ergriffen. Gespräche mit Vertreter der katholischen Kirche, Behörden und Einrichtungen, unterstützt durch Publikationen in Presseorganen führten schließlich zum einem Vertrag mit dem Burgbesitzer und dem Ziel, dass die Stadt Breisig 1988 das Friedhofsgelände in ihre Obhut nehmen konnte. Hierauf konnte das Friedhofsgelände wieder gerichtet und die Grabsteine zurückgebracht werden. Die Arbeiten geschahen in enger Absprache mit der jüdischen Kultusgemeinde Koblenz.
  

Der neue Friedhof: bot Moritz August von Bethmann-Hollweg der jüdischen Gemeinde 150 Mark als Geschenk an, damit diese ein neues Grundstück für einen Friedhof erwe
rben konnte. Wenn die Judenschaft darauf aber nicht eingehen könne, konzedierte er, dann solle die bisherige Begräbnisstätte beibehalten werden. Gleichzeitig versicherte er, dass unter allen Umständen niemals etwas an den jüdischen Gräbern vorgenommen werden dürfe und dass den Angehörigen gestattet sein werde, auch künftig alljährlich die Gräber zu besuchen und die für Juden vorgeschriebenen Gebete zu verrichten. Die jüdische Gemeinde ließ 1878 einen neuen jüdischen Friedhof nördlich von Breisig am Fuß des Kesselbergs anlegen. Die Friedhofsfläche umfasst 5,74 ar.
   
   
   
 
Lage der Friedhöfe   

   
Der alte Friedhof bei der Burg Rheineck (unweit des Burgweges); der neue Friedhof am Fuß des Kesselbergs nördlich von Breisig.
   
   
Text einer Erinnerungstafel auf dem neuen Friedhof (der hebräische Texte ist datiert Erew Pessach im März 2007): "Zur Erinnerung an Rut Wittels, geborene Berger, geboren am 27. Oktober 1912 in Köln, gestorben am 20. Juli 2000 in Haifa und Michael Berger, geboren am 13. November 1925 in Berlin, gestorben am 21. April 2004 in Jerusalem. Sie waren die ersten, die nach der Naziherrschaft eine Brücke schlugen zwischen Israel und Bad Breisig, der Stadt ihrer Vorfahren.
'Ich will Dir.... meine Barmizwa-Feier beschreiben. Ich habe den ganzen Abschnitt vorgetragen (d.h. den zum Schabbat gehörigen Abschnitt aus der Tora), Ki tissah hieß er,... Dann führen wir alle nach Niederbreisig... Die Feier zuhause in Niederbreisig bestand darin, dass ich Geschenke bekam, Bücher und die goldene Uhr vom Großvater...  Nach dem Essen führen die Männer und Freunde.... wieder weg und ich ging mit ihnen zur Bahn. Die Herren unterhielten sich... über Zionismus.... Das war das erste Mal, dass ich davon etwas hörte. Das war ein Jahr vor dem 1. Basler Kongress, aber wahrscheinlich hatte einer von ihnen von Theodor Herzls Broschüre 'Der Judenstaat' gehört... Vier Jahre später wurde ich Zionist.... Damals gab es in der ganzen Welt vielleicht 25.000 Juden, die Zionisten waren... Du brauchst nicht Zionist zu werden. Du bist als Zionist geboren, und was uns damals ein schöner, aber fast unerfüllbarer Traum schien, ist für Dich Wirklichkeit geworden, in der Du lebst. Du wirst Bar Mizwa, in Erez Israel, der erste Berger, der in Erez Israel Bar Mizwa wird. Du kannst stolz sein und sollst froh sein..."
Aus dem Brief von Julius Berger an seinen Neffen Michael Jona Berger, der Sohn seines Bruders, Alfred Berger, zu seiner Barmizwa-Feier in Jerusalem im Jahr 1938.
Ahawah heißt Liebe, Ayelet Bargur. Deutscher Taschenbuch Verlag 2006.  
   
   

Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2007)  

Der alte Friedhof unter der Burg Rheineck   
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Wegweiser vom Burgweg  Blick über das Gelände des jüdischen Friedhofes 
   
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   Teilansicht  Grabsteinfragment "Seine/Ihre Seele sei
 eingebunden in den Bund des Lebens" 
  
     
Breisig Friedhof R291.jpg (102254 Byte) Breisig Friedhof R285.jpg (98086 Byte)  
"Segnende Hände" der Kohanim
 (Ausschnitt aus dem Grabstein unten) 
"Krone" als Symbol für ein Leben, 
das eine solche verdient hat 
  
     
Breisig Friedhof R290.jpg (88188 Byte) Breisig Friedhof R284.jpg (92483 Byte) Breisig Friedhof R288.jpg (98135 Byte)
Einzelne Grabsteine
 
Breisig Friedhof R282.jpg (94199 Byte) Breisig Friedhof R283.jpg (88287 Byte)
        
        
Der neue Friedhof "Am Kesselberg"
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Eingangstor  Ansichten des Friedhofes (in unterschiedlicher Richtung vom Eingang) 
   
  Breisig Friedhof n280.jpg (84203 Byte) Breisig Friedhof n284.jpg (99459 Byte)
  Erinnerungstafel am Eingang    

   
   

Links und Literatur  

Links:

Website der VG und Stadt Bad Breisig  (auf dem von dort zugänglichen Stadtplan sind der "Jüdische Friedhof" beim "Burgweg zur Burg Rheineck und der (neue) "Judenkirchhof" eingetragen)  
Zur Seite über die Synagoge in Bad Breisig (interner Link)  
Portal "Jüdisches Leben im Kreis Ahrweiler" mit Seite zum jüdischen Friedhof in Bad Breisig: http://www.aw-wiki.de/index.php/Jüdischer_Friedhof_Bad_Breisig 

Literatur:  

Carl Bertram Hommen: Aus der Geschichte der Juden im ehemaligen Ländchen Breisig. In: Heimatjahrbuch 1986. Online zugänglich;  
Michael Brocke: Die Inschriften des Friedhofs von Burg Rheineck - Bad Breisig (1621-1873). In: Ein edler Stein sei sein Baldachin. Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz. Hg. v. Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1996. S. 173-210.
Kreis Ahrweiler Bu01.jpg (30887 Byte)Hans Warnecke (Hg.): Zeugnisse jüdischen Lebens im Kreis Ahrweiler. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1998.  

  
   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. August 2013