Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem 1342 als Stadt genannten Rothenfels lebten Juden
bereits im Mittelalter. 1222 und 1234 wird Nathan von
Rothenfels urkundlich erwähnt. 1342 wurde zwischen Ludwig dem Bayern
beziehungsweise seinen Söhnen und dem Hochstift Würzburg ein Abkommen
getroffen, wonach die Söhne des Kaisers zwei, das Stift ein Drittel von
Rothenfels erhielten. Auch die Einnahmen von etwa neu aufgenommenen Bürgern -
"Christen oder Juden" - sollten dementsprechend geteilt werden. Ob und
wie viele jüdische Personen damals in der Stadt lebten, ist nicht bekannt. In
der mittelalterlichen Stadt gab es nach Angaben von Schwierz s.Lit.
"nachweislich eine Synagoge und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit einen
Friedhof (noch 1531 gab es im Ort ein Gartengrundstück, das 'Judenkirchhof'
hieß)". Bei der "Synagoge" wird es sich um einen Betraum in
einem (jüdischen) Wohnhaus gehandelt haben; die Lage des Friedhofes ("ober
der Stadt") ist nicht mehr bekannt.
Im 17./18. Jahrhundert lebten gleichfalls Juden in der Stadt. 1680
waren es drei jüdische Familien, 1699 vier Familien mit 22 Personen, die
inzwischen mit den in Bergrothenfels eine Gemeinde bildeten. Zu ihr gehörte
auch die in Zimmern lebende jüdische
Familie (mit fünf Personen).
1732 waren fünf jüdische Familien in der Stadt.
Zunächst war der Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens der in Stadt
Rothenfels und Bergrothenfels lebenden jüdischen Familien in der Stadt. So war
an Einrichtungen bis 1773 war in der Stadt eine Synagoge (Betraum
in einem Privathaus) mit einem Schulraum vorhanden. Für den Unterricht der
Kinder war ein Lehrer in der Gemeinde. Ein rituelles Bad befand sich in
Bergrothenfels. Um 1773 erfolgte der Zusammenschluss der Gemeinden
Rothenfels und Bergrothenfels zur Kultusgemeinde Bergrothenfels. Seitdem
verlagerte sich der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde nach Bergrothenfels.
Seit 1773 befand sich hier auch die Synagoge ("Judenschule") mit
Schule und Mikwe. Die Synagoge war im oberen Stock eines Privathauses
eingerichtet.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden auf insgesamt drei
Matrikelstellen in Rothenfels und Bergrothenfels genannt (mit neuen
Familiennamen, Erwerbszweig und Familienverhältnissen):
in der Stadt Rothenfels Nathan Isack Heil (Vieh- und Warenhandel, 64
Jahre alt mit Frau, vier Söhnen und vier Töchtern; hatte einen Schutzbrief von
1796 und war "vor vier Jahren von Berg- nach Stadtrothenfels
gezogen").
in Bergrothenfels: 1. aus der Familie des verstorbenen Nathan Hirsch
Herrmann (Inhaber eines Warenhandels; Schutzbriefinhaber seit 1773) zwei Söhne
(einer davon Isack, 26 Jahre alt) und vier Töchter; auch die Frau von Nathan
Hirsch Herrmann war bereits verstorben; 2. die Witwe von Moises Maennlein
Freudenberger (Schacherhandel; Schutzbriefinhaber seit 1782): sie war 64 Jahre
alt und hatte einen Sohn und zwei Töchter.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner weiter
zurück: in der Stadt Rothenfels lebten 1830, 1871 und 1880 jeweils noch
vier jüdische Personen; ab 1890 werden keine jüdischen Einwohner mehr in der
Stadt genannt. In Bergrothenfels waren es 1826 vier, 1846 fünf jüdische
Familien, 1871 zehn jüdische Einwohner, 1900 noch drei.
Um 1860 wurden die Synagoge und die Schule in Bergrothenfels im
Zusammenhang mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde
aufgegeben.
Von den in Rothenfels / Bergrothenfels geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rahel Baer geb. Grünewald
(geb. 1885 in Rothenfels, später wohnhaft in Frankfurt am Main, 1940 deportiert
und umgekommen); Michael Kahn (geb. 1875 in Bergrothenfels, später wohnhaft in
Frankfurt am Main, 1942 in das Ghetto Theresienstadt verbracht, wo er am 2.
Februar 1943 umgekommen ist).
Hinweis: Am Burgberg erinnert ein 1752 errichteter "Judenbildstock"
an die "Bekehrung" eines jüdischen Mädchens zum christlichen
Glauben, die auch in einer örtlichen Sage überliefert wird.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde