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im Elsass"
Reichshoffen (Reichshofen)
(Dep. Bas-Rhin / Alsace / Unterelsass)
Histoire juive - Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Reichshoffen bestand eine jüdische Gemeinde bis ins 20. Jahrhundert. Ihre
Geschichte geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Erstmals werden Juden in der
Zeit des Dreißigjährigen Krieges genannt. Um 1613 waren es die
Juden (jüdische Familienvorsteher) Beifuoß, Meyer, Lipma, Gotz, Moßen.
Über die Grausamkeiten dieses
Krieges, die Juden und Christen in derselben Weise betrafen, berichtete damals
Ascher Lévy (1593-1635; Manuskript 1913 hg. Dr. Ginsburger).
1729 lebten 20
jüdische Familien in Reichshoffen, 1784 39 Familien mit zusammen 175 Personen.
1810 zählte Reichshoffen 2.346 Einwohner, von denen 206 der jüdische Gemeinde
angehörten. Ihre Zahl nahm im 19. Jahrhundert nochmals leicht zu (1846
250, 1848 260, 1861 233, 1870 235, 1871 243 Personen), um danach in den folgenden Jahrzehnten durch Abwanderung in
größere Städte zurückzugehen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts konnte eine
israelitische Schule eröffnet werden. Sie bestand bis 1919. Ein rituelles Bad
bestand damals in der Rue de la Fontaine (beim Restaurant Jung). 1910 wurden 131
jüdische Einwohner gezählt.
1936 lebten noch 59 jüdische Personen in Reichshofen, von denen die meisten 1940 nach
Südfrankreich deportiert wurden.
Von den in Reichshofen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Irma Braun (1884), Mary Domb (1925), Celine Isaac geb.
Levy (1900 oder 1902), Max Isaac (1902), Alfred Jacob (1881), Emile Jacob
(1877), Leopold Kaufmann (1885), Flore Kern geb. Meyer (1898), Bella Lehmann (),
Theodore Lehmann (1873), Palmyre Levy (1873), Albert Loeb (1884), Jean Loeb
(1922), Roger Loeb (1913), Huguette Metzger (1929 oder 1931), Rene Szocht geb.
Blum (), Rene Weill (1894),
Nach 1945 kehrte ein Teil der Überlebenden
nach Reichshoffen zurück. 1853 wurden 18 jüdische Einwohner gezählt. In den 1990er-Jahren lebten durchschnittlich etwa 10
jüdische Personen in der Stadt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Lehrer J. Jacob erhält eine Auszeichnung (1909)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. November
1909: "Reichshofen. Lehrer J. Jacob erhielt anlässlich seines
50-jährigen Dienstjubiläums den Kronen-Orden 4.
Klasse." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Ein Herr Bloch wird 105 Jahre alt (1868)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1868: "Paris.
Der Vater des Herrn S. Bloch, Redakteur des 'Univ. isr.' (ersterer wohnt
in Reichshoffen im Elsass), ist 105 Jahre alt. Derselbe erfreut sich einer
vollen Gesundheit des Körpers und des Geistes und kann noch allen
religiösen und gesellschaftlichen Pflichten
nachkommen." |
Zum Tod des aus Reichshofen stammenden
Kämpfers für die jüdische Orthodoxie Simon
Bloch
(geb. 1809 in Reichshofen, gest. 1879 in Paris) mit Nachruf auf seine
Tochter Julienne Bloch
Leitender
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1879:
Simon Bloch - seine Ruhe sei Wonne - Redakteur des 'Univers
Israélite'.
Mainz, 4. April (1879). Wir haben bereits in voriger Nummer von dem
Hinscheiden des bedeutenden Mannes, den unsere Überschrift nennt,
berichtet. Simon Bloch, der Redakteur und Begründer des Univers
Israélite, der geistvolle Schriftsteller, der mutige Vorkämpfer für
das orthodoxe Judentum, ist nicht mehr. Nach langen Leiden ist er abberufen
worden vom Kampfplatze, auf dem er stets und immer als ein wackerer Held
gekämpft hat.
Simon Bloch war im Jahre 1809 zu Reichshofen im Elsass geboren, und
ist vor wenigen Wochen im noch nicht vollendeten 70. Lebensjahre in Paris
gestorben. Er war einem langlebigen Geschlechte entsprossen; sein Vater
und sein Großvater hatten das hundertste Lebensjahr überschritten; er
konnte daher wie unser Vater Jakob sagen, dass im Vergleiche zu seinen
Voreltern seine Lebensjahre nur wenig waren; zu dem Wenigen konnte
er auch und schlimmes hinzufügen; denn inmitten seines
kampfreichen Lebens trafen ihn herbe Schicksalsschläge, wir wollen nur an
den frühzeitigen Tod seiner geistvollen Tochter und Mitarbeiterin Julienne
erinnern. Diese hochbegabte junge Dame, deren Herz für das wahrhafte
Judentum im heiligen Feuer erglühte, hat im Univers Israélite
eine ganze Reihe von Briefen 'lettres d'une Parisienne'
veröffentlicht, die überall den lebhaftesten Beifall hervorriefen. In
wahrhaft poetische Weise verstand sie es, die hohen Vorzüge unserer
heiligen Religion zu schildern, und mit scharfer Satire wusste sie die
schalen Reformversuche zu geißeln. Als die berühmte Tragödin Rachel
Felix starb, hatte ein Pariser Schriftsteller in seinem Berichte über den
Tod derselben, ein tadelndes Wort gegen 'die Jüdin' einfließen lassen.
Da veröffentlichte Julienne Bloch einen geharnischten Brief an denselben,
in welchem sie in begeisternder Weise das echte jüdische Weib schilderte;
als eine |
Versammlung französischer Rabbiner sich zu Gunsten einiger sogenannter
Reformen aussprach, da verstand es Julienne Bloch, in so feiner und
anmutiger Weise diese Reformversuche ins Lächerliche zu ziehen, dass sie
in der Tat nicht zu Ausführung gelangten. und dieses edle, hochbegabte
Mädchen, der Stolz und die Freue des Vaterherzens, starb in der Blüte
der Jugend. Der Vater musste sein geliebtes Kind, der Redakteur seinen
besten Mitarbeiter missen!
Drei und dreißig Jahre lang hat S. Bloch in seiner Zeitschrift
unablässig für das orthodoxe Judentum gekämpft; ihm hat er seine
Stellung - er war ehedem Sekretär des Zentral-Konsistoriums - geopfert;
für seine Überzeugung hat er unzählige Angriffe und persönliche
Beleidigungen freudig und ergebungsvoll ertragen. Er war einer der
geistreichsten und liebenswürdigsten Schriftsteller unserer Zeit, der Chateaubriand
des Judentums. Seine Werke La foi d'Israel und La semeine
Israélite, haben bleibenden Wert. Er schrieb ein mustergültiges
Französisch, war ein tüchtiger Kenner von Bibel, Talmud und Midrasch und
war auch vertraut mit den Klassikern der deutschen Literatur, die er oft
zitierte. Sein Tod ist für das französische Judentum ein unersetzlicher
Verlust.
Ja, unersetzlich! Wir müssen uns nunmehr einer uns überaus schmerzlichen
Pflicht unterziehen, der wie uns, solange Simon Bloch- seine Ruhe sei
Wonne - lebte, entzogen haben, wir müssen es aussprechen, dass der Univers
Israélite seiner bisherigen Tendenz untreu geworden, ja noch
schlimmer, unter dem Aushängeschilde der Orthodoxie Reformen
befürwortet, welche Simon Bloch - seine Ruhe sei Wonne - sein
ganzes Leben hindurch mit Geist und Energie auf das Entschiedenste
bekämpft hat. Wir haben bisher davon geschwiegen, weil wir hofften, der
erkrankte Redakteur würde genesen und die Redaktion seiner Zeitschrift
wieder übernehmen; wir wollten ihn deshalb weder materiell schädigen
noch ihm auf seinem Schmerzenslager Kummer bereiten; deshalb haben wir bis
jetzt geschwiegen; nun aber bindet uns keine Rücksicht mehr.
Seit einigen Monaten hat Herr L. Wogue, grand rabbin in partibus
infidelium (Anmerkung: Oberrabbiner im Gebiete der Ungläubigen. Herr
W. zeichnet nämlich grand rabbin [Oberrabbiner], da er aber in
Paris, seinem Wohnorte, weder als Rabbiner noch als Oberrabbiner fungiert,
so haben wir wohl sein Oberrabbinat irgendwo 'da hinten bei den Heiden' zu
suchen. In der katholischen Kirche gibt es bekanntlich Bischöfe in
partibus infidelium, im Gebiete der Ungläubigen) die Redaktion des 'Univers
Israélite' übernommen. Die Zeitschrift trägt nach wie vor das
Aushängeschild: Journal des principes conservateurs du Judaïsme =
Zeitschrift für die erhaltenden Grundsätze des Judentums, und dennoch
befürwortet Herr W. die Abschaffung der Piutum, die Einführung
des dreijährigen Zyklus beim Tora-Vorlesen, die Einführung der Orgel in
die Synagoge!!! Möge Herr W. sein imaginäres Oberrabbinat in China oder
Hinter-Indien aufsuchen und dort solche jüdische Orthodoxie predigen. In
Europa wirft man ihn zu den Reformrabbinern! -
Und nun noch ein ernstes Wort an Herrn L. Bloch, den Sohn des
Heimgegangenen und jetzigen Eigentümer des 'Univers Israélite'! Ein
Sohn ehre den Vater, es soll der Sohn das Andenken seines Vaters
ehren; deshalb möge derselbe sofort die Zeitschrift, die sein
unvergesslicher Vater - seine Ruhe sei Wonne - begründet hat, den
unpassenden Händen des Herrn W. Wogue, Oberrabbiner in partibus
infidelium, entziehen und sie anderen, passenderen Händen übergeben.
Sollte sich aber, was wir nicht fürchten wollen, keine passende
Persönlichkeit finden, so wäre es besser, die Zeitschrift eingehen zu
lassen; solange Herr L. Wogue in ihr seine destruktiven Tendenzen als
orthodoxes Judentum ausgibt, wird das Andenken des edlen Kämpfers, der
den 'Univers Israélite' 33 Jahre lang ruhmvoll geleitet hat, in
unverantwortlicher Weise geschmäht, entgegen dem Worte der heiligen Schrift,
das das lautet: 'das Andenken des Gerechten zum Segen ist'. |
Zum Tod des Gastwirtes Moses Reh - "Opfer seines
Edelmutes" (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1901:
"Reichshofen (Unter-Elsass), im Januar 1901. Vor einigen Monaten
entstand hier in einem Gehöft ein Brand, wobei der Nachbar, der Gastwirt
Moses Reh, mutig in den Stall eindrang, um das Vieh zu retten. Hierbei
fiel ein Ziegelstein herunter und verwundete ihn nicht unerheblich am
Kopfe. Seitdem kränkelte Reg und konnte nur selten sein Bett verlassen.
Diese Woche nun stark er, ein Opfer seines Edelmutes, im Alter von nur 37
Jahren. Er hinterlässt eine Witwe mit drei kleinen Kindern, weit und
breit betrauert als Opfer seiner edlen Tat". |
Zum Tod von Süßmann Longini ( 1911)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Oktober
1911: Straßburg. ... Der dieser Tage in Reichshofen verstorbene Süßmann
Longini erreichte ein Alter von 94 Jahren. Den letzten Jom Kippur hatte
er noch den ganzen Tag in der Synagoge verbracht und bis zum Schluss
gefastet." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine ältere Synagoge bestand in der Rue des Juifs. Es
handelte sich um ein relativ kleines Gebäude an Stelle der heutigen "Backstub"
der Boulangerie Krebs. Die alte Synagoge wurde 1862 durch ein Feuer zerstört.
Eine neue Synagoge war bereits 1851 in der heute noch an sie erinnernden Rue de
la Synagogue erbaut worden. Se wurde durch den Architekten Albert Haas in einem
maurischen Stil erbaut. Während der deutschen Besatzungszeit im 2. Weltkrieg
wurde die Synagoge von Nationalsozialisten geplündert. In ihr wurden bis in die
1960er-Jahre Gottesdienste abgehalten. 1967 wurde sie geschlossen.
Adresse/Standort der Synagoge: Rue de la Synagogue,
67110 Reichshoffen
Fotos
(Fotos der Straßenschilder Hahn, Aufnahmedatum 13.5.2004)
| Die "Judegass" |
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In der Rue des Juifs (Judegass)
befand sich die alte Synagoge, die
1862 abbrannte. |
Straßenschild der
"Rue
de la Synagogue" |
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| Die Synagoge |
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| Fotos der Synagoge
(Quelle: hier
anklicken) |
Innenansicht aus Rothé/Warschawski
S. 110 |
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Fotos des
Synagogengebäudes von 2011
(Fotos: Bernhard Kukatzki) |
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| Ansicht von Osten |
Das Gebäude von Süden |
Portalinschrift im
Bogen aus Sprüche
31,30:"eine Frau, die den Ewigen fürchtet,
die werde gerühmt", darüber "im Jahr
(5)612" (= 1851/52) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992. S. 42.110.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Reichshoffen
Bas-Rhin dist. A small community was established during the 19th century,
inaugurating a synagogue in 1852. In 1936, the community consisted of 59 Jews.
During worldwar II, they were expelled to the south of France together with the
rest of Alsac-Lorraine Jews. During the war, the synagogue was looted.

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