Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Nieder-Florstadt (Stadt Florstadt, Wetteraukreis)  
Jüdische Geschichte / Synagoge  
  
(erstellt unter Mitarbeit von Jürgen Reuß, Stadtarchivbeauftragter der Stadt Florstadt und Mitglied des Arbeitskreises Ortsgeschichte Florstadt; 
Hinweis: Jürgen Reuß sucht Kontakte zu Nachfahren jüdischer Familien aus Florstadt und weitere Informationen zur jüdischen Geschichte der Stadt: 
Kontakt über juergen.reuss@wsk.de / Telefon: 0-6181-9540513)  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Kennkarte aus der NS-Zeit     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
   
In Niederflorstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Ein erster Hinweis auf jüdische Einwohner ist eine Gemeinderechnung von 1592, in der es um neue Fenster für das jüdische Badhaus (Mikwe) geht. 
  
Bis 1806 gehörte der Ort zur Ganerbschaft Staden. 
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts wie folgt: 1828 103 jüdische Einwohner, 1861 148 (11,9 % von insgesamt 1.246 Einwohnern), 1880 98 (7,0 % von 1.402), 1900 51 (3,5 % von 1.472), 1910 48 (2,7 % von 1.792), 1925 32 (1,7 %  von 1.840). 
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad (bereits 1592!) und ein eigener Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - vermutlich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts - jeweils ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (vermutlich zeitweise auch als Schochet) tätig war. Bei anstehenden Neubesetzungen wurde die Stelle immer wieder ausgeschrieben. Der Wechsel konnte manchmal sich sehr rasch vollziehen. Allein zwischen 1875 und 1879 waren drei Ausschreibungen nötig (siehe unten). 
  
1931/32, als 33 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden, waren die Vorsteher der "Israelitischen Gemeinde Nieder-Florstadt" Hermann Adler (1. Vors.), Albert Kahn I (2. Vors.), Sally Maier (3. Vors.). Ehrenamtlicher Kantor (Vorbeter) der Gemeinde war, nachdem man auf Grund der zurückgegangenen Zahl der Gemeindemitglieder keine hauptamtliche Person mehr anstellen konnte, Albert Kahn I. Die Gemeinde war dem orthodoxen Provinzialrabbinat Oberhessen in Gießen zugeteilt. Die jüdischen Familienväter verdienten ihr Einkommen als Kaufleute oder Viehhändler, zwei von ihnen waren Metzger. Von etwa 1900 bis 1920 war Abraham Adler zweiter Bürgermeister in Nieder-Florstadt; von 1920 bis 1930 war Albert Kahn I Bürgermeister-Sekretär und leitete die Bürgermeisterei. Kahn ist unter den 1942 nach Izbica deportierten und ermordeten jüdischen Einwohnern. 
   
1933 lebten noch 28 jüdische Personen in Nieder-Florstadt (1,4 % von 2.008). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Mehreren von ihnen gelang die Auswanderung in die USA. Bis 1939 ging die Zahl auf 10, zum 31. Dezember 1940 auf 7, zum 5. Februar 1942 auf 5 zurück. Die letzten fünf (in der Liste unten kursiv hervorgehoben) wurden im September 1942 nach Izbica bei Lublin/Polen deportiert und ermordet.  
   
Von den in Nieder-Florstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Auguste Adler geb. Seligmann (1881), Hermann Adler (1881), Jenny (Jeanette) Adler geb. Kahn (1889), Albert Kahn (1883), Ricka Bendheim geb. Reis (1867), Ricka Cahn geb. Stern (1859), Johana Gittel geb. Reiss (1876), Hilda Goldschmidt geb. Reis (1886), Jeanette Grünebaum geb. Stern (1878), Albert Kahn (1883), Julius Kahn (1881), Leopold Kahn (1885), Nathan (Fritz) Kahn (1882), Ricka Kahn (Cahn) geb. Stern (1859), Samuel Kahn (1879), Sara Kahn geb. Katz (1896), Recha (Regine) Katz geb. Kahn (1886), Fanny Mortkowitz geb. Reis (1879), Jacob Oppenheimer (1868), Abraham Reis (1882), Hugo Reis (1869), Wilhelm Reis (1886), Nathan Simon (1859), Hermann Stern (1865), Isaac Stern (1875), Arnold Tannenbaum (1928), Frieda Tannenbaum (1902), Regina Tannenbaum geb. Münz (1883).   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1859 / 1875 / 1878 / 1879   

Florstadt ha_1859-06-21_nnn_4-1.jpg (16102 Byte)Anzeige im "Friedberger Intelligenzblatt" vom 21. Juni 1859: "Die Israelitische Gemeinde dahier beabsichtigt einen Religionslehrer mit einem Gehalt von 200 fl. anzunehmen. Bewerber wollen sich, mit guten Zeugnissen versehen, bei dem Unterzeichneten alsbald melden.
Florstadt, den 15. Juni 1859. Der Vorstand Joel Simon".     
 
Niederflorstadt Israelit 01121875.jpg (34669 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1875: "Für die hiesige israelitische Religionslehrer- und Vorbeterstelle, womit nebst freier Wohnung etc. etc. ein Gehalt von 900 Mark jährlich verbunden ist, wird ein mit guten Zeugnissen versehener Lehrer zum sofortigen Eintritt gesucht.  
Nieder-Florstadt in der Wetterau, 26. November 1875.  Der israelitische Vorstand: M. Adler"
  
Niederflorstadt Israelit 14081878.jpg (33424 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1878: "Gesucht für sofort wird ein Religionslehrer und Vorbeter ledigen Standes gegen eine jährliche Vergütung von ca. 600 Mark. Gefällige Offerten beliebe man an den unterzeichneten Vorstand zu richten. 
Nieder-Florstadt (Oberhessen) im August 1878. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde."
 
Niederflorstadt Israelit 18061879.jpg (26546 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1879: "Gesucht ein Religionslehrer und Vorbeter ledigen Standes zum 1. September dieses Jahres. Gehalt 600 Mark Offerten unter Anschluss von Zeugnissen an den Vorstand der Israelitischen Gemeinde Nieder-Florstadt, Großherzogtum Hessen."

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben        
Einweihung einer neuen Torarolle in der Synagoge (1843)   
(Anzeige erhalten von Jürgen Reuss, Florstadt)   

Florstadt ha_1843-10-12_nnn_3-1.jpg (39878 Byte)Anzeige im "Friedberger Intelligenzblatt" vom 12. Oktober 1843: "Einladung. Montag, den 16. dieses Monats, bei Einweihung einer neuen Gesetzrolle der israelitischen Gemeinde dahier, ist bei dem Unterzeichneten gut besetzte Tanzmusik anzutreffen, und ladet hierzu die Israeliten der hiesigen Umgegend höflichst ein. Florstadt, den 10. Oktober 1843. G. Wagner."     


Einladung zu einer "Tanzmusik für Israeliten" (1855)    

Florstadt ha_1855-10-02_nnn_9.jpg (12178 Byte)Anzeige im "Friedberger Intelligenzblatt" vom 2. Oktober 1855: "Einladung
Donnerstag, den 4. Oktober findet bei dem Unterzeichneten Tanzmusik für Israeliten statt, wozu höflichst einladet. 
Carl Petri. Florstadt."    

       
 Einladung zum Ball der jüdischen Gemeinde an Simchat Tora (1874)    

Florstadt ha_1874-09-26_nnn_4.jpg (9843 Byte)Anzeige im "Oberhessischen Anzeiger" vom 26. September 1874: 
"Am Thorafreudenfest, Samstag, den 3. Oktober, findet in meinem Saale ein Ball statt, wozu höflichst einlade.  
Nieder-Florstadt. Ernst Dauernheim
".   

  
Merkwürdige Berichterstattung über eine jüdische Hochzeit (1896)          
Anmerkung: In den überregionalen jüdischen Zeitungen wurde selten über Ereignisse aus Nieder-Florstadt berichtet. 1896 findet sich immerhin ein Bericht des damaligen Vorstehers der jüdischen Gemeinde - Herz Kahn - zu der merkwürdigen Berichterstattung über die Hochzeit seiner eigenen Tochter im "Friedberger Kreisblatt". Während man zunächst eine antijüdische Tendenz hinter dieser Berichterstattung vermuten könnte, weist Herz Kahn in seiner Erklärung auf die damaligen großen Spannungen zwischen liberalen und orthodoxen jüdischen Gemeinden hin. Die Friedberger Gemeinde war liberal, die Nieder-Florstadter orthodox geprägt. In Gießen gab es seit 1887 eine Trennung zwischen der liberalen Israelitischen Religionsgemeinde und der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft und wenig später auch zwei Provinzialrabbiner, von denen der orthodoxe Rabbiner seit 1895 der unten genannte Dr. Hirschfeld war:   

Niederflorstadt Israelit 11091896.JPG (188611 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1896: "Aus Oberhessen. Im Friedberger Kreisblatt war dieser Tage die nachfolgende Notiz zu lesen: 
Nieder-Florstadt. Vor einigen Tagen wurde hier eine israelitische Hochzeit gefeiert. Nach vollzogener Trauung wollten die Anverwandten und Gäste ihre Glückwünsche darbringen. Aber das junge Paar war plötzlich aus der Mitte der Hochzeitsgäste verschwunden, darüber allgemeine Entsetzung und große Bestürzung. Nur durch einen Zufall gelang es die Verschwundenen zu entdecken. Eine Dame, die zur Hochzeitsgesellschaft gehörte, wollte in einem neben dem Saal sich befindenden Zimmer ihre Toilette wechseln. Jedoch sie fand verschlossene Türen. Auf ihr langes und lautes Poltern, hörte sie von innen rufen. 'Wir sind eingeschlossen'. Jetzt klärte sich die Situation. Der amtierende Geistliche, der die Trauung vollzog, Rabbi Dr. Hirschfeld aus Posen, zur Zeit in Gießen, hatte das Ehepaar direkt nach der Trauung eingeschlossen, weil, wie er auf Befragen erklärte, es religionsgesetzliche Vorschrift sei. Wohl oder übel mussten sich die Hochzeitsgäste mit dieser eigenen Art die Trauung zu beschließen, zufrieden geben. So geschehen im August 1896. 
(Solche nicht mehr zeitgemäße rituelle Vorschriften sollte man doch, schon im Interesse des Anstandes nicht wieder aufwärmen wollen. Die Redaktion des Friedberger Kreisblattes). 

Als Vater der Braut, bei deren Trauung die oben berichtete Schauergeschichte passiert sein soll, gestatte ich mir nun folgendes dazu zu bemerken:
Nach der Trauung bat mich Herr Dr. Hirschfeld, die jungen Leute zu veranlassen, eine Viertelstunde in ein besonderes Zimmer zu gehen. Ich habe den jungen Leuten dieses mitgeteilt und sie haben sich hierauf in ein Zimmer verfügt, welches nicht an den Hochzeitssaal stieß, die Türe war unverschlossen und der Schlüssel stak im Schlüsselloch. Die Gäste, welche sich ankleiden wollten, habe ich höflich gebeten, einen Augenblick zu warten, was dieselben auch getan haben. Dass die jungen Leute gerufen haben sollen: 'wir sind eingeschlossen', ist absolut unwahr, auch habe ich von einer 'Entsetzung' meiner Hochzeitsgäste nichts gemerkt und von der Bestürzung derselben gewiss nichts, ein jeder hatte schon in der Synagoge seine Glückwünsche vorgebracht. Es lag also gar kein Grund vor, während der kurzen Pause, zwischen Trauung und Mittagsmahl, das Brautpaar aufzusuchen. Tatsächlich war auch das Letztere bei Beginn der Mahlzeit die Ersten, die sich zu Tisch begaben. Von einem Verschwinden der jungen Leute kann also gar keine Rede sein. Ich erkläre die ganze Sache für eine niedrige Mache, die von Friedberger Reformern ausgegangen, um Herrn Dr. Hirschfeld verächtlich und lächerlich zu machen. Schon die Anonymität, hinter der sich der Herr Verfasser zu verkriechen sucht und mit deren Hilfe er den Artikel aus Nieder-Florstadt datieren konnte, während er doch tatsächlich anders woher stammt. charakterisiert die Sache schon zur Genüge. Alle Vorstände der Provinz seien hierdurch zum gemeinsamen Kampf und zu gemeinschaftlichen Schritten bei der Regierung aufgerufen, damit wir einen frommen orthodoxen Rabbiner erhalten. Die Herren Vorsteher ersehen aus Obigem, mit welchen Waffen hierzulande die Reform ihre Zwecke zu erreichen sucht. Herz Kahn, Erster Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Nieder-Florstadt". 

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Goldene Hochzeit von Emanuel Blumenthal und Sofie geb. Sondheimer (1908)     

Niederflorstadt FrfIsrFambl 22051908.jpg (20639 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Mai 1908: "Niederflorstadt bei Friedberg. Das Ehepaar Emanuel Blumenthal und Sofie geb. Sondheimer feierte die Goldene Hochzeit."    

    
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
   
Verlobungsanzeige von Bella Tannenbaum und Ludwig Stern (1936)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1936:  "Gott sei gepriesen.
Bella Tannenbaum - Ludwig Stern. Verlobte.  
Frankfurt am Main / Niederflorstadt - Frankfurt am Main, Seilerstraße 19.  
Zuhause, 17. und 18. Oktober 1936, Seilerstraße 19".   

    

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Nieder-Florstadt 
geborenen Hermann Stern
 
 Nieder-Florstadt KK MZ Stern Hermann.jpg (92645 Byte)   
   Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Hermann Stern (geb. 3. Juli 1865 in Nieder-Florstadt), 
Viehhändler, wohnhaft in Nieder-Florstadt und Mainz, 1939 in die Niederlande emigriert, 
am 23. März 1943 deportiert ab Westerbork in das Vernichtungslager Sobibor, ermordet   
 

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge         
   
Bereits Ende des 16. Jahrhunderts (in einer Gemeinderechnung von 1592) werden die Kosten für ein neues Fenster für ein rituelles Badehaus erwähnt. Wenn am Ort damals eine solche Mikwe bestand, kann davon ausgegangen werden, dass auch ein Betsaal bzw. eine Synagoge vorhanden / eingerichtet war.  
   
Seit etwa 1800 stand die Synagoge auf dem heutigen Grundstück in der Faulgasse. Damals kamen zu den Gottesdiensten nach Nieder-Florstadt auch die im benachbarten Staden lebenden jüdischen Einwohner. 1866 und 1876 standen Reparaturen der Synagoge und der Mikwe an. 
   
Reparaturarbeiten an der Synagoge, am Frauenbad und der Lehrerwohnung (1866 und 1876)  

Florstadt ha_1866-08-18_nnn_1.jpg (31761 Byte)Anzeige im "Friedberger Intelligenzblatt" vom 18. August 1866: "Arbeits-Versteigerung.
Mittwoch, den 22. August, vormittags 10 Uhr, sollen zu Nieder-Florstadt die bei der Reparatur der Synagoge, Frauenbad und Lehrerwohnung vorkommenden Arbeiten, als: 
Zimmerarbeit, veranschlagt zu 56 fl. 45 kr.  Maurerarbeit   47 fl. 22 kr.   
Weißbinderarbeit   42 fl. 37 kr.   Glaserarbeit   45 fl.   Schreinerarbeit  41 fl. 20 kr.  
Lieferung von 7500 Stück Russensteinen* und 12 Bütten grauem Kalk. 
Friedberg, den 16. August 1866. Der Bezirksbauaufseher Schneider."     
*Hinweis: "Russensteine" waren Ziegelsteine bzw. Backsteine in einer bestimmten, aus Russland übernommenen Größe.  
 
Florstadt ha_1876-05-11_nnn_5-1.jpg (30146 Byte)Anzeige im "Oberhessischen Anzeiger" vom 11. Mai 1876: "Arbeits-Versteigerung
Die für den Umbau der Synagoge für die israelitische Gemeinde Nieder-Florstadt erforderlichen Arbeiten sollen auf dem Weg öffentlicher Submission vergeben werden und sind die hierauf bezüglichen Offerten, welche die Angebote in Prozenten der Anschlagssumme enthalten sollen, bei dem Vorsteher der israelitischen Gemeinde daselbst mit der Aufschrift: 'Submission für die ....Arbeit an der Synagoge' bis zum 16. Mai, nachmittags 3 Uhr, einzureichen.  
Die Arbeiten sind veranschlagt: Zimmerarbeit 166 Mark 24 Pf.  Maurerarbeit 146 Mark 64 Pf.  Schreinerarbeit  284 Mark 20 Pf   Glaserarbeit 240 Mark  Weißbinderarbeit 318 Mark. 
Kostenanschlag und Bedingungen können bei dem Unterzeichneten eingesehen werden.  
Assenheim
, den 7. Mai 1876. Wenck, Bezirksbauaufseher".    

    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Die alarmierte Feuerwehr wurde auf Befehl der Führungskräfte der NSDAP daran gehindert, die Brandbekämpfung vorzunehmen. Nur die umliegenden Häuser durften vor Funkenflug geschützt werden. Die Torarollen wurden zwar noch gerettet, mussten aber dann in die Nidda geworfen werden. Von der Synagoge blieben nur noch die Grundmauern stehen, die in der Folgezeit beseitigt wurden (1942). Das Grundstück wurde verkauft und neu bebaut. Auf dem Grundstück wurde eine Schreinerei erstellt, die 1998 zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Eine Gedenktafel ist mit folgendem Text angebracht: "Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde Nieder-Florstadt. Sie wurde am 9. November 1938 in der Reichskristallnacht durch einen Brandanschlag zerstört und 1942 abgebrochen. In mahnender Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933-1945". Nach durchgeführten Umbau- und Verputzarbeiten am Haus wurde die Gedenktafel am 9. November 2009 neu angebracht (siehe Bericht unten).  
    
    
Adresse/Standort der SynagogeFaulgasse 13  
   
   
Fotos
(die historischen Fotos - die einzigen bekannten Fotos, auf denen die Synagoge zu sehen ist - wurden vom Arbeitskreis Ortsgeschichte Nieder- und Oberflorstadt zur Verfügung gestellt) : 

Historisches Foto
aus der Zeit Anfang der 1930er-Jahre
Niederflorstadt Synagoge 001.jpg (71830 Byte)
  Blick auf das Synagogengebäude in Nieder-Florstadt: in der rechten Hälfte hinter den hohen Rundbogenfenstern war der Betsaal, in der linken Hälfte vermutlich die Lehrerwohnung und der Raum für die Religionsschule. Im Vordergrund drei Weißbinderlehrlinge, die das eigentlich Motiv des Fotos waren. 
Historisches Foto - 
zwischen 1933 und 1938
Nieder-Florstadt Synagoge 120.jpg (58193 Byte) Nieder-Florstadt Synagoge 121.jpg (85250 Byte)
   Winterfoto mit Kindern aus Nieder-Florstadt - zufällig ist rechts die Synagoge zu sehen
 (Ausschnittvergrößerung rechts).
       
 Modell der Synagoge - 2008 erbaut 
durch Artur Fischbach (Arbeitskreis
 Ortsgeschichte Florstadt)
Niederflorstadt Synagoge 655.jpg (37364 Byte) Niederflorstadt Synagoge 657.jpg (32293 Byte)
   Ansicht der Ostseite zur Faulgasse  Westseite
     
Niederflorstadt Synagoge 656.jpg (43824 Byte) Niederflorstadt Synagoge 654.jpg (47780 Byte) Niederflorstadt Synagoge 652.jpg (49849 Byte)
 Südseite   Nordseite    Blick auf die Rundbogenfenster und das
 Rundfenster im Bereich des Toraschreines
     
     
Niederflorstadt Synagoge 650.jpg (54764 Byte) Niederflorstadt Synagoge 651.jpg (55985 Byte) Niederflorstadt Synagoge 653.jpg (24509 Byte)
 Blick auf den Eingang - links war vermutlich
 die Lehrerwohnung und der Raum für die
 Religionsschule.
 Fenster an der Südseite 
im Bereich des Betsaales
    
   
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2009: Eine Gedenktafel erinnert (wieder) an die frühere Synagoge  
Artikel in der "Wetterauer Zeitung" vom 11. November 2009 (Artikel): 
"Gedenktafel erinnert wieder an frühere Synagoge
Florstadt
(sl). 71 Jahre nach der so genannten Reichspogromnacht wurde in Florstadt eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge in Nieder-Florstadt (wieder-)enthüllt. Dazu waren Bürgermeister Herbert Unger, Kommunalpolitiker und Anwohner zusammengekommen. 
Gemeinsam mit Kommunalpolitikern und Anwohnern enthüllt Bürgermeister Herbert Unger (3. von rechts) am 71. Jahrestag der Reichspogromnacht eine Gedenktafel. Sie soll an die Synagoge erinnern, die hier, in der Faulgasse in Nieder-Florstadt, einst gestanden hat. 
1988 hatten die Gemeindevertreter beschlossen, anlässlich des 50. Jahrestags an allen Standorten ehemaliger Synagogen in den sechs Ortsteilen Gedenkplatten anzubringen. Das jüdische Gotteshaus in Nieder-Florstadt stand in der Faulgasse und wurde wie Tausende andere in der Reichskristallnacht angezündet. Dabei wurde das Treppenhaus so stark beschädigt, dass das Gebäude 1942 abgebrochen werden musste. Es entstand ein Neubau mit Schreinerei, dessen damaliger Eigentümer sich im November 1988 dazu bereit erklärte, die Gedenkplakette am Gebäude anzubringen. Die war bereits bei der Buderus Kundenguss GmbH in Auftrag gegeben worden: 30 mal 50 Zentimeter groß und aus Bronze gefertigt. Diese Plakette wurde am 9. November 1988 enthüllt - und vor wenigen Jahren wieder abgenommen, weil umfangreiche Umbau- und Verputzarbeiten am Gebäude vorgenommen wurden. 
Aufgrund einer Nachfrage von Christine Katzer aus der SPD-Fraktion hatte Bürgermeister Unger nun die Zustimmung der neuen Eigentümer eingeholt, um die alte Gedenktafel auf einem Rahmenständer wieder vor dem Grundstück anzubringen. Den Ständertafel hatte der Bauhof rechtzeitig zum Jahrestag dort installiert. »So enthülle ich diese Gedenkplakette an der ehemaligen jüdischen Synagoge, auf dass sie nun an dieser Stelle alle Jahre überdauern möge, um ein erinnerndes und mahnendes Zeichen dafür zu sein, dass sich dieses Unrecht, das in den Jahren 1933 bis 1945 in unserem Land und auch in Florstadt geschehen ist und am 9. November 1938 einen ersten negativen Höhepunkt erreichte, nie mehr wiederholen wird«, sagte Unger. Er hoffe, »dass alle Florstädter diesem langsam wieder erstarkten Ungeist pathologischer politischer Gesinnung energisch entgegentreten und Toleranz, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft unser Miteinander in Florstadt maßgeblich bestimmen werden.«  Abschließend dankte der Bürgermeister den Familien Lehr und Stahl für die erneuerte Genehmigung, »mit dieser Tafel an diesem historischen Ort dieses erinnernde und zugleich mahnende Zeichen setzen zu dürfen«."   
  
  

  

   
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Florstadt  
Seite der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Florstadt zum 100jährigen Jubiläum mit Bezug auf Ereignisse in der Pogromnacht 1938  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Nieder-Florstadt   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 133. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 319.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 271-272.  
Festschrift "100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Nieder-Florstadt". 2005.  S. 49: "Die dunkelste Stunde der Feuerwehr". 
Susanne Gerschlauer: Synagogen. In: Kirchen und Synagogen in den Dörfern der Wetterau. Reihe Wetterauer Geschichtsblätter. Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Band 53. Im Auftrag des Friedberger Geschichtsvereins hrsg. von Michael Keller. Friedberg 2004 S. 289-326.  
dies.: Katalog der Synagogen. In: ebd. S. 555-580.  
    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Nieder-Florstadt Hesse. The community, numbering 148 (12 % of the total) in 1861, dwindled to 28 by 1933. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned down and most Jews left, some emigrating. 
    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. Juni 2015