Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ludwigsburg (Kreisstadt) 
Alter jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
   
siehe Seite zur Synagoge in Ludwigsburg (interner Link)   
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes          
    
Die Toten der jüdischen Gemeinde Ludwigsburg wurden bis 1795 bzw. 1808 in Freudental beigesetzt, dann in (Remseck-)Hochberg, seit 1870 auf einem eigenen Friedhof an der Meiereistraße (unmittelbar am alten städtischen Friedhof; Fläche 5,31 a). Die erste Beisetzung war am 25. September 1870 diejenige des im Lazarett Ludwigsburg gestorbenen jüdischen Soldaten Heinrich Heidemann (siehe Bericht unten). Auf dem Friedhof befindet sich ein Gefallenendenkmal 1870/71, aufgestellt Anfang September 1873 (siehe Bericht unten). 
   
Auf dem städtischen Friedhofsteil ist unweit der Mauer zum jüdischen Friedhof ein Denkmal "Den Opfern der Gewaltherrschaft" aufgestellt. 
  
Zum neuen jüdischen Friedhof in Ludwigsburg (interner Link)   
   
   
   
   
Aus der Geschichte des Friedhofes
 
Einweihung des Friedhofes und Beisetzung eines im Lazarett gestorbenen jüdischen Soldaten (1870)     

Ludwigsburg israelit 05101870.jpg (124342 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1870: "Ludwigsburg, den 25. September (1870).  Eine seltene Feier hat heute hier stattgefunden. Die hiesigen Israeliten hatten bisher ihre Toten auf dem jüdischen Friedhofe zu Hochberg begraben. In neuester Zeit hat die kleine Glaubensgemeinde einen eigenen Begräbnisplatz gegründet. Heute, am Vortag zu Rosch Haschana ist derselbe durch den Rabbinen, Kirchenrat Dr. von Maier als Stuttgart, feierlich eingeweiht worden. Den nächsten Anlass gab der Tod eines jüdischen Kriegers, Heinrich Heidemann, heimatlich in der Nähe von Frankfurt / Oder, der als Gefreiter eines brandenburgischen Infanterieregiment in der Schlacht bei Gravelotte im tapferen Kampfe mehrere schwere Schusswunden erhalten hatte und denen er, ungeachtet der sorgfältigsten Pflege, in einem hiesigen Lazarette erlegen ist. Der junge Mann ist erst 26 Jahre alt, seit einem Jahre verheiratet und seit 14 Tagen Vater eines Kindes! Das israelitische Vorsteheramt hatte Einladungen zur Teilnahme an der Feier erlassen, welchen die Geistlichen beider christlichen Konfessionen, die Staats- und Stadtbehörden, eine große Menge hiesiger Einwohner und viele Israeliten aus Stuttgart, Cannstatt usw. gefolgt sind. Kirchenrat Maier hat dabei ergreifende patriotische Worte gesprochen. Die üblichen Salven wurden von einer Militärabteilung gegeben und ein Männerchor sang passende Lieder, während man den ersten Sarg auf dem neuen Friedhof unter den Segensworten des Geistlichen in die mütterliche Erde senkte."  

    
Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Friedhof (1873)  

Ludwigsburg AZJ 09091873.jpg (217727 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September 1873: "Ludwigsburg, 6. August (1873). An dem heutigen Tage, dem Tage von Wörth und Spichern, schreibt die 'Schwäbisch Chronik', hat sich hier eine schöne, erhebende Feier vollzogen. Er wurde passend gewählt zu der Einweihung des Denkmals für zwei Opfer des Krieges, die auf dem neuen hiesigen israelitischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Dasselbe ist aus dem Atelier des rühmlichst bekannten Bildhauers Wagner dahier, hervorgegangen, und lobt den Meister. Es ruht auf einem Sockel von Quadersteinen, und ist aus Heilbronner Werksteinen mit reichen Kriegsdekorationen ausgeführt in der Höhe von etwa 3 1/2 Meter; der untere Teil ist felsenartig behauen. Das Ganze macht einen imposanten sympathischen Eindruck. Unter diesem Denkmal ruhen Heinrich Heidemann aus Großblumberg, Regierungsbezirks Frankfurt an der Oder, Gefreiter im 48. königlichen preußischen Infanterieregiment, der in Folge von vier Wunden, insbesondere einer Schusswunde in die Brust, die er bei Gravelotte erhalten, am 24. Oktober 1870 in einem hiesigen Lazarette gestorben ist. Er war kurz verheiratet; während er hier darniederlag, ist seine Frau eines Kinder genesen. Er hat die junge Mutter nicht wieder, sein Kind nie gesehen! Das ist der Krieg! - Mit seiner feierlichen, unter allgemeiner Teilnahme von Militär und Zivil damals geschehenen Beerdigung wurde der israelitischen Friedhof hier eröffnet, den die kleine Gemeinde mit vieler Opferwilligkeit und recht hübsch hergestellt hat. Ein Sohn und Opfer des Krieges, der Erste auf einer neuen Stätte des stillen Friedens! Der zweite ist Ysidor Michel von Freisdorf, damaligen Departements Lothringen, vom 17. französischen Artillerieregiment, der vor Metz gefangen und mit Hunderten seiner Schicksalsgenossen hierher gebracht worden war. Er ist am 6. Dezember 1870 an Typhus gestorben. Das Denkmal enthält die sinnige Inschrift: 'Zum ehrenden Andenken der gefallenen Krieger, Männer des Heeres, Helden des Krieges, Feinde im Leben, im Tode vereint. Es mögen eingesammelt werden ihre Seelen in den Kreis der Unsterblichen, und ihr Leib werde zum neuen Leben erweckt zur Zeit der Auferstehung aller Toten.' In der festlichen Handlung hatte sich eine Menge von Männern, Frauen und Jungfrauen, die Kommandeure von Brigaden und Regimentern mit ihren Adjudanten, viele Offiziere aller Grade, sonstige Militärpersonen, evangelische Geistliche, Staats- und Gemeindebeamte, die Vorstände und Mitglieder des Sanitätsvereins eingefunden. Sie begann mit einer durchdachten, frommen, von warmen patriotischen Empfindungen getragenen und schön gesprochenen Rede des Vorsängers und Lehrers K. Wir zitieren aus derselben der Kürze halber nur die Stellen: 'Diese Grabsteine sprechen beredter als eine Predigt, und die Tatsache und geschichtlichen Ereignisse reden lauter als die Menschenzunge', und: 'es rühme sich nicht, wer das Schwert nimmt, sondern Der, welcher siegend nach Hause kommt'. ein Zitat aus dem alten Testamente. Besonders ansprechend war das Weihe- und Schlussgebet, in welchem der Redner 'für alle Brüder, die in treuer Pflichterfüllung eingegangen sind in eine bessere Welt', für Kaiser und Reich, und mit besonderer Betonung für unseren guten und geliebten König, die Königliche Familie und unser liebes Württemberg, - und gewählten Worten den Segen des Himmels erflehte. Zum Schlusse sang der hiesige Männergesangverein 'Ehrenvoll ist er gefallen etc.' mit bekannter Meisterschaft. Es ist wohl Niemand der vielen Anwesenden ohne das Gefühl der Befriedigung und Anerkennung von dieser Feier geschieden. Möge der kriegerischen Reminiszenz eine glückliche Ära langen Friedens folgen!"

    
    
Die Lage der jüdischen Friedhöfe   

Ludwigsburg FriedhofPlan.jpg (148686 Byte)
Lage der jüdischen Friedhöfe in Ludwigsburg
 (durch Pfeile markiert; der untere Pfeil zeigt auf 
den alten Friedhof)
(Topographische Karte aus den 1970er-Jahren)
Lage des alten jüdischen Friedhofes in Ludwigsburg auf 
dem dortigen Stadtplan: oben anklicken und unter
 "Straßenverzeichnis" weiterklicken zum "Meiereistraße"; 
der jüdische Friedhof ist eingezeichnet.

  
Fotos
Neuere Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 7.8.2003) 

Ludwigsburg Friedhof a151.jpg (64013 Byte) Ludwigsburg Friedhof a157.jpg (52542 Byte) Ludwigsburg Friedhof a152.jpg (93542 Byte)
Eingangstor von der 
Meiereistraße
Grabmal für im Lazarett gestorbene
 jüdische Soldaten des Krieges 1870/71
 (siehe Bericht oben)
Teilansicht des 
Friedhofes
       
     
Ludwigsburg Friedhof a153.jpg (76290 Byte) Ludwigsburg Friedhof a154.jpg (97234 Byte) Ludwigsburg Friedhof a155.jpg (87077 Byte)
Teilansichten 
   
Ludwigsburg Friedhof a150.jpg (86177 Byte) Ludwigsburg Friedhof a156.jpg (91123 Byte)    
Besonders häufig waren in Ludwigsburg 
im 19./20. Jahrhundert die 
Familiennamen Ottenheimer und Israel
Künstler aus Ludwigsburg 
im Friedhof
   
   
     

   

Ältere Fotos 
(Fotos: Hahn, entstanden Mitte der 1980er-Jahre)

Ludwigsburg Friedhofalt03.jpg (79404 Byte)  Ludwigsburg Friedhofalt01.jpg (120472 Byte)  Ludwigsburg Friedhofalt02.jpg (127426 Byte) 
Eingangstor von der Meiereistraße Teilansicht Blick zum Kriegerdenkmal von 1870/71

       
        

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Ludwigsburg   
Website des Zentralarchivs Heidelberg: zum alten jüdischen Friedhof Ludwigsburg  
Zur Seite über die Synagoge in Ludwigsburg (interner Link) 
Fotos zum alten jüdischen Friedhof in Ludwigsburg auch in der Website von Stefan Haas: 
http://www.blitzlichtkabinett.de/lost-places/friedhofs-fotografie/friedhöfe-in-bad-württ/      

Literatur:

ludwigsburg.jpg (25665 Byte)Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Ludwigsburg. Geschichte, Quellen und Dokumentation. Hg. von der Stadt Ludwigsburg - Stadtarchiv - und vom Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg. e.V. Karlsruhe 1994.  

 
  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 02. April 2014