Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Heidesheim am Rhein (VG Heidesheim am Rhein, Kreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
In Heidesheim bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis um 1900. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1569-75 in einem Kammergerichtsprozess ein jüdischer Einwohner (Jud Aaron zu Heidesheim) genannt. 
  
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien zu: 1730 zwei Familien, um 1780 die Familien des Salomon Löwensberg, Adam und Simon Rosenthal, Adam Ehrenstamm, Moises Benedikt und Franziska Ehrenstamm (Witwe von Benedikt Ehrenstamm). Die jüdischen Familien betrieben Viehhandel. Sie lebten fast alle in sehr einfachen Verhältnissen.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1815 38 jüdische Einwohner, 1824 31, 1830 35, 1834 28, 1900 15, 1910 7.  
  
Offiziell gehörten die in Heidesheim lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Oberingelheim, doch hatten sie eigene Einrichtungen. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (Betsaal, s.u.) und einen Friedhof. Die jüdischen Kinder besuchten die allgemeine christliche Schule am Ort und erhielten ihren Religionsunterricht durch einen auswärtigen Lehrer (vermutlich durch den jeweiligen jüdischen Lehrer in Ober-Ingelheim). 1825 wird von sieben jüdischen Kindern am Ort berichtet (vier Jungen, drei Mädchen); vermutlich sind es auch in der Folgezeit nicht mehr Kinder gewesen.     
   
Auf Grund des Rückgangs der jüdischen Einwohner wurde die jüdische Gemeinde am Anfang des 20. Jahrhunderts aufgelöst.   
   
Nach 1933
sind die meisten der damals noch am Ort lebenden jüdischen Personen (1932: noch fünf Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Wohnung einer jüdischen Frau überfallen, diese misshandelt und ein Teil ihres Mobiliars demoliert. Der Apotheker Max Holländer wurde gezwungen, der Gemeinde sein Besitztum, die Schlossmühle beziehungsweise das Mühlenschloss zu "schenken". Er emigrierte wenig später in die USA, wo er verstarb.    
       
Von den in Heidesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Rosalie Baer geb. Ehrenstern (1875), Ingeborg Emden (1917), Rosa Gruner geb. Ehrenstamm (1891), Hermine Hilb geb. Maier (1862), Emil Löwensberg (1863), Berta Sauerbach geb. Stein (1877), Helene Stein (1873), Fritz Isaak Zeitin (1910).         
      
Im Februar 2012 wurden für den Apotheker Max Holländer und seine Frau Johanna sog. "Stolpersteine" verlegt.  
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Unwetter über Heidesheim - auch jüdische Familien schwer geschädigt (1876)

Heidesheim MZ Israelit 19041876.jpg (86446 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1876: "Heidesheim bei Mainz, 17. April 1876. Ihre geehrten Leser werden schon in den politischen Blättern von dem schrecklichen Unheil gelesen haben, welches unseren Ort betroffen hat. Sonntag, den 2. April, gegen Abend, entlud sich auf der Höhe von Wackernheim ein furchtbarer Wolkenbruch. Die hernieder stürzenden Wassermassen kamen mit entsetzlichem Tosen zu uns herunter, Alles mit sich fortreißend, Alles zerstörend. Sechszehn Häuser sind eingestürzt, acht Menschen und viele Tiere fanden den Tod in den Fluten. Auch zwei jüdische Familien sind hart betroffen und haben einen großen Teil ihrer Habe verloren; doch haben sie, Gott sei Dank, an Leben und Gesundheit keinen Schaden gelitten. Mit knapper Not wurde eine todkranke, jüdische Frau aus dem zusammenstürzenden Hause getragen; aber trotzdem sie in den hernieder strömenden Regen hinausgebracht werden musste, befindet sie sich nicht allein seitdem nicht schlechter, sondern sie sieht ihrer Genesung entgegen."

   
Antisemitische Regungen in Heidesheim (1881)   

Hechtsheim Israelit 23021881.jpg (120093 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1881: "Mainz, 20. Februar (1881). Die Judenhetze in verschiedenen unserer Nachbargemeinden scheint eher im Zu-, als im Abnehmen begriffen zu sein. So wurden am Mittwochabend um 11 Uhr an dem Hause eines in Hechtsheim wohnenden Israeliten die Fenster mit Pflastersteinen derart zertrümmert, dass sogar das Fensterkreuz in Stücke flog. Auch einem Christen wurden die Fenster eingeworfen, doch wohl nur aus dem Irrtum, denn bis vor Kurzem war die Wohnung des Christen von einem Israeliten bewohnt und war dieser Wohnungswechsel wahrscheinlich noch nicht zur Kenntnis der Fenstereinwerfer gelangt. – Auch in Heidesheim wurden vorgestern die Fenster eines dorten wohnenden Israeliten während der Nacht mit Steinen eingeworfen. – In Nieder-Olm ferner, wo man erst kürzlich die einem Israeliten gehörigen Obstbäume gewaltsam zerstörte, wurde vorgestern Nacht ein Zettel an das Haus eines Juden geklebt mit dem Inhalte, dass, wenn binnen 8 Tagen die Juden nicht ausgewandert seien, man denselben den Hals abschneiden würde. Das sind die Folgen des zelotischen Wahnwitzes gewisser Leute und ihres Anhanges, sowie der unter dem Deckmantel des Christentums verübten Hetzereien in gewissen Blättern! Gott besser’s! (Mainzer Anzeiger)."

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge    
        
Ein Betsaal war in Heidesheim im Hause der Familie Ehrenstamm eingerichtet. 1882 wird er in einer damals ausgestellten Versicherungspolice mit einem Versicherungswert von 1.060 Mark genannt. In dieser Versicherungspolice wird auch das Gebäude und das Inventar beschrieben: "Die Westdeutsche Versicherungs-Actien-Bank versichert [...] folgende Gegenstände, welche Eigentum der Israelitischen Religionsgemeinde sind, und sich in dem zu Heidesheim, Kreis Bingen, Oberdorfstraße ohne Nr. gelegenen, massiv unter Ziegeldach ohne Docken erbauten [...] Gebäude befinden: 1. drei Gesetzesrollen (= Torarollen), 2. verschiedene Gebetbücher, 2. zehn Bänke und Stühle  4. ein Altar (= Toraschrein), 5. ein Bücherschrank  6. ein Gebet inklusive Einrahmung  7. ein Betstuhl  8. diverse Leuchter   9. Utensilien zur Bekleidung der Gesetzesrollen".   
     
Um 1900, spätestens um 1910 wurde der Betsaal aufgegeben, da auf Grund des nicht mehr zustande kommenden Minjan keine regelmäßigen Gottesdienste mehr in Heidesheim abgehalten werden konnten. Der Betsaal soll nach mündlicher Überlieferung in einem Nebengebäude des Anwesens Oberdorfstraße 12 eingerichtet gewesen sein. In dem noch erhaltenen Gebäude, soll sich eine Nische befinden, die einst mit einem Davidstern gekennzeichnet war (Angaben im Buch des Landesamtes S. 181). 
     
Nach Schließung des Betsaales in Heidesheim wurden von den noch am Ort lebenden jüdischen Personen die Gottesdienste in Oberingelheim besucht. 
      
      
Adresse/Standort der Synagoge:  vermutlich in einem Anbau zur Oberdorfstraße 12  
      
      
Fotos   

Außer zum jüdischen Friedhof liegen noch keine Fotos / Abbildungen zur jüdischen
 Geschichte in Heidesheim vor; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der
 Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite
 
     
     

   
   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Februar 2012: Die ersten "Stolpersteine" werden in Heidesheim verlegt   
Artikel von Sascha Diehl in der "Allgemeinen Zeitung" vom 24. Februar 2012: "'Vergangenheit aufarbeiten'. 
Gedenken - Heidesheim verlegt erstmals Stolpersteine zur Erinnerung an Nazi-Opfer..." 
„Vergangenheit aufarbeiten“ (Allgemeine Zeitung, 24.02.2012)    
 

     
      

Links und Literatur  

Links: 

Website der VG Heidesheim    
Seite zum jüdischen Friedhof in Heidesheim (interner Link)      

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. I S. 342.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 181 (mit weiteren Literaturangaben). 

   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 02. Januar 2015