Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zwickau (Landkreis Zwickau) 
Jüdischer Friedhof  
   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
    
Siehe Seite zur Synagoge in Zwickau
(eine Seite dazu wird in www.alemannia-judaica.de nicht erstellt) 
  
  
Text zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Zwickau  
Die Anlage eines jüdischen Friedhofes und die Einweihung einer Synagoge in Zwickau (1905)    

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 29. Juni 1905: "Zwickau (Jüdischer Friedhof.) Die neue israelitische Gemeinde beabsichtigt die Anlegung eines eigenen Friedhofes. Vor 400 Jahren bestand schon einmal hier eine jüdische Gemeinde und bis vor wenigen Jahren führte eine hiesige Straße den Namen Judengasse.

Zwickau. (Synagogen-Einweihung.)
Die Einweihung der Andachtsstätte der hiesigen neugegründeten israelitischen Religionsgemeinde fand gestern unter starker Beteiligung statt. Zirka 160 Personen waren anwesend. Von der evangelischen Kirche war Herr Superintendent Kirchenrat Dr. Meyer, von der katholischen Kirche Herr Kaplan Wenke erschienen. Die Behörden waren durch Herrn Bezirksschulinspektor Schulrat Hörig vertreten; auch die israelitischen Schwester-Gemeinden Dresden, Leipzig, Plauen, Chemnitz und Annaberg hatten Delegierte geschickt. Die Weihrede hielt Herr Rabbiner Dr. Winter aus Dresden, der in halbstündigen, geistvollen Ausführungen sich über die Bedeutung der Feier, über die Entstehung der israelitischen Synagogen und des israelitischen Gottesdienstes überhaupt verbreitete. Bei dem abends 7 Uhr beginnenden Festmahle im Hotel 'zur grünen Tanne' wurde an den König von Sachsen folgendes Telegramm abgesandt: 'Seiner Majestät dem Könige, Dresden. Die Mitglieder und Gäste der israelitischen Religionsgemeinde Zwickau, welche bei dem Festmahl anlässlich der Einweihung der neuen Andachtsstätte versammelt sind, bitten Ew. Majestät in dankbarer Ergebenheit die Versicherung unwandelbarer Treue huldvollst entgegennehmen zu wollen. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Zwickau.' Die Antwort traf aus Baden-Baden ein und hatte folgenden Wortlaut: 'Seine Majestät der König lassen für die anlässlich der Einweihung der neuen Andachtsstätte ausgesprochene Versicherung der Treue allerhöchst seinen herzlichen Dank übermitteln. von Schönberg, Oberstleutnant und Flügeladjutant.'"    

  
Jahresbericht der neugegründeten jüdischen Gemeinde (für 1905)    

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. Februar 1906: "Die israelitische Religions-Gemeinde Zwickau versendet soeben ihren Jahresbericht, dem wir folgende Angaben entnehmen. Die Gemeinde hatte Ende 1905: 138 Gemeindemitglieder (Seelen). Davon entfielen auf Zwickau 80, Aue 14, Beierfeld 3, Eibenstock 4, Johanngeorgenstadt 5, Grünhain 1, Lößnitz 3, Schneeberg 3, Werdau 9, Crimmitschau 11, Niederschlema 1, Schwarzenberg 1, Schönheide 3 Seelen. Den Religionsunterricht besuchten im Jahre 1905 in Zwickau 11 Kinder, Aue 3 Kinder, Crimmitschau 2 Kinder. Der Haushaltungsplan belief sich im abgelaufenen Jahre auf 4000 Mk. Die Jahresrechnung schloss mit einem Überschuss von 500 Mk. ab, welche als Reservefonds festgelegt worden sind. Der erste Vorsteher der Gemeinde ist zur Zeit Herr Gustav I. Tobias."   
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 16. Februar 1906: "Zwickau, 2. Februar. Die hiesige israelitische Religionsgemeinde versendet ihren ersten Verwaltungsbericht für 1905. Sie hatte Ende des Jahres 138 Gemeindemitglieder (Seelen). Davon entfielen auf Zwickau 80, Aue 14, Beierfeld 3, Eibenstock 4, Johanngeorgenstadt 5, Grünhain 1, Loßnitz 3, Schneeberg 3, Werdau 9, Krimmitschau 11, Niederschlema 1, Schwarzenberg 1, Schönheide 3 Seelen. Den Religionsunterricht besuchten im Jahre 1905 in Zwickau 11, Aue 2 und Krimmitschau 2 Kinder. Die Gemeindeverwaltung besteht zurzeit aus: a) Vorstand: Gustav I. Tobias. Vorsteher, Simon Schocken, Schriftführer, Hermann Katz, Kassierer, b) Gemeindeverordneten: Salli Tobias, Isidor Lazarus, Max Schiff. Die in der Bahnhofstraße 8 (Hinterbau) befindliche Andachtsstätte der israelitischen Religionsgemeinde wurde am 15. Juni vorigen Jahres eingeweiht. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. Winter, Dresden. Die christlichen Religionsgemeinden waren durch die Herren Superintendenten der Ephorie Zwickau, Kirchenrat Dr. Meyer und Kaplan Wenke, vertreten. Außerdem waren die Behörden, die Stadtverordneten und die israelitischen Schwestergemeinden zu Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Annaberg durch Delegierte vertreten. Ein Gottesdienst findet im Winter jeden vierten Sonnabend, im Sommer jeden Sonnabend statt. Im Interesse eines würdigen Gottesdienstes wird sehr lebhaft der Gemeindegesang gepflegt. Auf Ansuchen des Vorstandes überließ die Stadt Zwickau der israelitischen Religionsgemeinde ein Grundstück, auf Pölbitzer Flur, behufs Anlage eines Friedhofes, zum Preise von 1 Mark pro Quadratmeter. Der Haushaltungsplan belief sich im abgelaufenen Jahre auf 4000 Mark. Zur Pflege eines geselligen Verkehrs der Gemeindemitglieder unter einander, veranstaltete der Gemeindevorstand mehrere Unterhaltungsabende, an denen teilzunehmen, sämtliche Gemeindemitglieder aufgefordert wurden."  

   
   
Zur Geschichte des Friedhofes       
    
Nachdem die Israelitische Religionsgemeinde Zwickau 1904 gegründet wurde, konnte sie 1905 auf einem etwa 10 ar großen Grundstück an der Straße nach Schneppendorf östlich des alten Pölbitzer Friedhofes einen Begräbnisplatz anlegen. In der Zeitschrift "Der Gemeindebote" wurde zum Erwerb des Geländes berichtet: "Auf Ansuchen des Vorstandes überließ die Stadt Zwickau der israelitischen Religionsgemeinde ein Grundstück, auf Pölbitzer Flur, behufs Anlage eines Friedhofes, zum Preise von 1 Mark pro Quadratmeter". Der Friedhof wurde mit einem Holzzaun umgeben.
 
1938 wurden von Nationalsozialisten die Grabsteine umgeworfen und später auch die Messingbuchstaben von den Grabsteinen abgeschlagen. Auch die kleine Friedhofshalle wurde 1938 zerstört (Fundament noch erhalten).
  
Seit 1945 werden noch vereinzelt Beisetzungen vorgenommen (zuletzt 1989). Es sind 64 Grabsteine erhalten. Ein Denkmal erinnert an die in der NS-Zeit ermordeten Juden der Stadt. Die Friedhofsfläche umfasst 14,50 ar. 
    
Im April 2003 wurde der Friedhof schwer geschändet. Von den 64 Grabsteinen wurden 54 umgeworfen und 5 schwerst beschädigt. Bis zum Herbst 2003 wurden die Spuren der Schändung durch Mittel aus dem städtischen Haushalt und erhebliche Eigenleistungen des Garten- und Friedhofsamtes in Höhe von ca. 42.000 € beseitigt. Fünf Grabsteine mussten völlig neu hergestellt werden. Bericht zur Instandsetzung des Friedhofes. 
    
Nach der Friedhofschändung 2003 gab es alljährlich bis 2013 Mahnwachen/Gebetsnächte auf dem jüdischen Friedhof. Die Ankündigung der Mahnwache 2013 in der örtlichen Presse: "Auf dem Jüdischen Friedhof, Schneppendorfer Straße, findet am Freitag von 18 bis 0 Uhr wieder eine Mahnwache statt. Damit soll an die Schändung der Anlage im Jahre 2003 erinnert werden. Am 20. April vor 10 Jahren hatten Unbekannte 54 der insgesamt 64 Grabmale umgestoßen. Fünf Gedenksteine wurden dabei so zertrümmert, dass sie neu angefertigt werden mussten. Seitdem veranstaltet die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Zwickau gemeinsam mit Kirchgemeinden alljährlich eine Gebetsnacht. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.gcjz-zwickau.de sowie unter Telefon (0375) 5971199".
     
   
Lage des Friedhofes   
 
An der Thurmer Straße/Schneppendorfer Straße  

   Lage des jüdischen Friedhofes in Zwickau auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und unter "Behörden
 und öffentl. Einrichtungen" weiter zu "Friedhof, Pölbitz". Der jüdische Friedhof ist rechts davon 
an der Thurmer Straße eingetragen (versehentlich mit einem "Kreuz" markiert)  

   
Link zu den Google-Maps 
  
  
  

   
Fotos
    
(Fotos: Stefan Haas, Aufnahmen vom 1. Februar 2026; diese und weitere Fotos in den Fotoseiten von Stefan Haas https://www.blitzlichtkabinett.de/friedhöfe/friedhöfe-in-sachsen/)  

 Das Eingangstor
 zum Friedhof
 Blick über den winterlich
verschneiten Friedhof
 Grabsteine für Leopold Rosenberg
- Gedenkstein - Chaim Kopelsohn od. Kapelsohn
     
 
 "Gedenke der ermordeten jüdischen
 Bürger der Stadt Zwickau" 
 Grabstein für Ita Koppel (Ita bat Jaakow)
(26.2.1881 -  15.5.1933)
 Grabstein für Mendel Fuchs 
  (geb. in Storozhynets / Bukowina)
     
     
 Grabstein im Hintergrund für Gustav Bamberger
 (8.9.1876 Burgkunstadt - 7.4.1934)
 Grabstein für Regina Wohl
 geb. Goldberg
 Grabstein für
Aharon ben Jizchak
     
   
 Grabstein für Cäcilie Grünberg
 
 Grabstein für Frieda / Frimit Reisler geb.
Wiesenthal
(gest. 19. Adar I - 20.2.1935)
 Grabstein für Anna (Chana) Sindel
(15.12.1885-11.3.1936)
     
     
 Grabstein für Paula Panofsky
geb. Schlesinger
(30.4.1879-26.3.1936)
 Grabstein für Erich Simon
(19.1.1898-20.2.1965)
 Grabstein für Leibus Strauch
(15.9.1885 - 24.6.1937)
     
   
 Grabstein für Meschullam Suss Liebersohn
(1.7.1882 Berdytschew - 22.3.1937 Zwickau)
 Grabstein für Karl Jondorf
(1.12.1892 Nürnberg - 15.7.1934 Zwickau)
 Grabstein für Nechemyas Reibeisen
(25.7.1868-17.12.1937)
     
     
   Grabstein Mitte für Gerschon Bar Jisrael
Ruben HaKohen Feilhaber
 

    
    

Links und Literatur  

Links:  

bulletWebsite der Stadt Zwickau   
bulletSeite in der Website der Stadt zum jüdischen Friedhof https://www.zwickau.de/de/politik/verwaltung/aemter/dezernat2/gartenundfriedhofsamt/friedhoefe/juedischer.php  
bulletWebsite "Juden in Mittelsachsen" mit Seite zum jüdischen Friedhof in Zwickau  
bulletWikipedia-Artikel "Jüdischer Friedhof (Zwickau)": https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Friedhof_(Zwickau)  
bulletWebsite der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Zwickau https://zwickau.deutscher-koordinierungsrat.de/  
bulletFotoseiten von Stefan Haas: https://www.blitzlichtkabinett.de/friedhöfe/friedhöfe-in-sachsen/       

Literatur:  

bulletZeugnisse jüdischer Kultur S. 252-254.
bulletBrocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 684-686. 
bullet Zwickau Lit F 180.jpg (120922 Byte)2012 erschien eine Dokumentation: "Der Zwickauer jüdische Friedhof". Die von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. in Zwickau angeregte Dokumentation kann in Zwickau käuflich erworben werden. www.gcjz-zwickau.de      

 
   

                   
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Stand: 31. Januar 2026